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    <title>6c3e017411584734bd2680751419a795</title>
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      <title>Drogenkontrolle und Weltpolitik</title>
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      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
         Mit dem militärischen Vorgehen Washingtons gegen angebliche Drogenboote und der Entführung des venezolanischen Machthabers Nicolás Maduro unter dem Vorwand der Drogenbekämpfung ist der Drogenkrieg zurück und gewinnt eine neue Dimension. Die 69th UN Commission on Narcotic Drugs (CND vom 9.-13. März 2026) stellte eine Gelegenheit dar, diese zu reflektieren. Sie gehörte insofern zu den interessantesten von den mehr als 30 CNDs, die ich bisher verfolgt habe.
        &#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/s/4e3a91da2fa849afa260009be23256a9/dms3rep/multi/20260309_164551.jpg"/&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  
         Trotz des Überraschungsbesuchs durch den kolumbianischen Präsidenten Gustavo Petro lag das nicht so sehr daran, was in der Wiener UNO-City gesagt wurde, sondern in welchem Kontext, was also rund herum in der Welt geschah. Darin spiegelt sich auch die Transzendenz wider, die das Thema Drogenkontrolle heute für die internationale Politik hat.
         &#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Donald Trump und seine Administration beherrschten als Weißer Elefant Plenum, Konferenzsäle und Gänge – sowohl als drogenpolitische Geisterfahrer, wie auch als Taktgeber. Mit dem drogenpolitisch begründeten Marineaufmarsch in der Karibik und der militärischen Vernichtung mutmaßlicher Drogenboote und ihrer Besatzungen, der handstreichartigen Intervention in Venezuela und der Entführung von Machthaber Nicolás Maduro am 3. Januar sowie unterschwellig auch mit den Drohungen gegen Kuba und seit dem 28. Februar mit dem Krieg gegen das Mullah-Regime im Iran hatte Washington die Bühne bereitet.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Ohne dass es in Wien angesprochen worden wäre: Der erste Akt fand bereits zwei Tage vor der CND am 7. März in Doral/ Florida statt, wo Donald Trump 17 gleichgesinnte oder abhängige Staaten zu einer „Shield of the Americas“ – Initiative zusammengetrommelt hatte. Als Chefin dieses regionalen Zusammenschlusses gegen Drogenhandel, Organisierte Kriminalität, Migration und unamerikanische Einflüsse in ihrem Hinterhof ¬– ganz im Sinne der im November verabschiedeten „Nationalen Sicherheitsstrategie“ (der „Donroe-Doktrin“ vgl. Beitrag in diesem Blog) ¬– wurde Kristi Noem eingesetzt, die kurz vorher als zu radikal von ihrem Posten an der Spitze der umstrittenen Migrationspolizei ICE entfernt worden war. Über internationale Erfahrung verfügt die Farmerstochter und frühere Gouverneurin von South Dakota nicht.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Beim „Shield of the Americas“ geht es ausdrücklich auch um militärisches Vorgehen unter der Regie Washingtons, und schon der Zeitpunkt stellt eine Missachtung der Vereinten Nationen und der CND dar. Nach Florida gekommen waren neben hohen Militärkommandanten unter anderem die Präsidenten Javier Milei (Argentinien), Nayib Bukele (El Salvador), Santiago Peña (Paraguay), Paz Pereira (Bolivien) und Daniel Noboa (Ecuador), die allesamt von US-Krediten oder anderweitig abhängig sind. Der ecuadorianische Präsident Noboa hatte wegen der prekären Sicherheitslage in seinem Land bereits im Vorfeld US-Militärs zu gemeinsamen Übungen und Operationen eingeladen. Möglicherweise sind die Bombardements im Grenzgebiet, die der kolumbianische Präsident Gustavo Petro am 16. März beklagte, ein Ergebnis davon.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Dazu passt, dass die US-Delegation in Wien – bereits bevor die CND eigentlich begann und entgegen der UN-Beschlusslage – forderte, eine Verbindung von Drogenkontrolle und den Sustainable Development Goals (SDG – oder Agenda 2030) der UN aus dem Text des Tagesordnungspunkts 9 zu streichen. Im Vorfeld der Sondergeneralversammlung UNGASS 2016 zum Thema Drogen hatte sich das Drogenkontrollprogramm der Vereinten Nationen (UNODC) gerade um eine solche Kontextualisierung bemüht und UN-Unterorganisationen, die mit dem Thema Drogen zu tun haben, bekräftigten in einer „Common Position“ vom März 2019 den Zusammenhang von Drogenkontrolle und Entwicklung noch einmal ausdrücklich. Der Antrag der US-Delegation wurde abgelehnt. Mit ihr stimmten nur Argentinien und Bolivien (dazu später mehr). 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Europa – USA – Lateinamerika
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Bemerkenswert war am zweiten Tag ein von der US-Delegation organisierter
          &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           side event
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
          : „U.S. and European Efforts to Combat Drug Trafficking in the Western Hemisphere“. Washington hatte dafür eigens Sara Carter aufgeboten, die Drogenzarin im Weißen Haus sowie Cart Weiland, der als Sondergesandter von Secretary Rubio vorgestellt wurde. Während die oberste Koordinatorin der US-Drogenpolitik sich gleich nach ihrem Statement wieder vom Podium verabschiedete, ging der Vertreter des INL (Bureau for International Narcotics Matters and Law Enforcement Affairs; Leser dieses Forums wissen: nur die Vereinigten Staaten leisten sich eine Abteilung für internationale Drogenangelegenheiten und Gesetzesvollzug im Außenministerium) in die Offensive: Man habe den Eindruck, dass die Europäer nicht genug gegen den „narcoterrorism“, diese „shared security crisis“, tun. So wurden die europäischen Repräsentanten auf ungewöhnliche Weise geradezu inquisitorisch gefragt, was sie denn unternehmen. Die Drogenbeauftragten Frankreichs, Großbritanniens und der Bundesrepublik antworteten darauf mit programmatischen Gemeinplätzen. Einzig die Vertreterin der EU-Kommission erwähnte, dass sich die Drogenpolitik Europas im Rahmen des Völkerrechts und unter Beachtung der Menschenrechte bewege. Kein Wort der Kritik an der Versenkung unbewaffneter, angeblicher Drogenschnellboote durch die US-Marine und am „Narcoterrorismus“-Diskurs. Im Gespräch mit dem Drogenbeauftragten der Bundesrepublik, Prof. Dr. Hendrik Streeck, äußerte ich nach dem Podium mein Erstaunen darüber, dass niemand gefragt habe, weshalb Washington erwarte, dass sich durch dieses Vorgehen ihre Drogenprobleme vermindern würden. Er antwortete: Sie (die US-Repräsentanten) hätten es ja auch nicht erwähnt…
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Unwidersprochen zieht die Rede vom „Narcoterrorismus“ unterdessen bei den engen Verbündeten der Trump-Administration Kreise: Guatemala, El Salvador und Argentinien verwenden den Terminus. Ein Vertreter Argentiniens, den die USA zu dem erwähnten Podium geladen hatten, stellte es so dar, als ob die „Narcoterroristen“ kurz davor stünden, die Herrschaft in Lateinamerika zu übernehmen: „we are fighting for survival“. Indes: Argentinien hat vergleichsweise zu den Nachbarn relativ geringe Probleme mit Drogen und Organisierter Kriminalität. Die Regierung Milei pflegt bekanntlich aber besonders enge Beziehungen zur Trump-Administration und die Organisatoren hatten sicher ihre Gründe dafür, ausgerechnet einen Vertreter Argentiniens auf ein Podium zu laden, bei dem es um die Zusammenarbeit mit Europa ging (s.o.).
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Terrorismus und Narcoterrorismus
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          „Terrorismus“ (von lateinisch terror – Furcht oder Schrecken) wurde im 18. Jahrhundert im Zusammenhang mit der Französischen Revolution eingeführt und verwendet. Namentlich für die Schreckensherrschaft der Jakobiner, die als konterrevolutionär Verdächtige auf die Guillotine schickten. Es geht dabei um politische oder ideologische Ziele, nicht um territoriale Eroberungen wie bei Guerillas oder Befreiungsbewegungen. Russische Anarchisten versuchten durch Attentate das zaristische Russland zu destabilisieren, um den Boden für die russische Revolution zu bereiten. So wurden fälschlicherweise auch die Terroristen der RAF in der Öffentlichkeit oft als Anarchisten bezeichnet. Grenzen sind mitunter fließend. In Lateinamerika wurden erstmals Guerilleros des Sendero Luminoso und der FARC als
          &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           narcoterroristas
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
          etikettiert, Organisationen also, die politische Ziele und die Eroberung von Territorium anstrebten, sich aber auch durch Drogengeschäfte finanzierten. Das macht sie auch, aber nicht primär zu kriminellen Organisationen. Genauso wenig wie Drogenorganisationen, obwohl sie mitunter enorm gewalttätig und brutal vorgehen, deshalb zu politischen Organisationen (Terroristen) werden.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Um in der politischen Debatte Kleingeld zu machen, wird Terrorismus auch als Kampfbegriff herangezogen, um Widersacher zu verunglimpfen. So wurden hierzulande auch junge Leute als „Terroristen“ bezeichnet, die sich an Straßenkreuzungen festklebten (Klimakleber), um Verkehrsbehinderungen zu provozieren und damit gegen, ihrer Ansicht nach, unzureichende Maßnahmen für den Klimaschutz zu protestieren. Wenn‘s um „freie Fahrt für freie Bürger“ geht, verlieren die selbsternannten Lautsprecher der „Normaldenkenden“ leicht die Contenance. Dabei dürften die Erfinder des Terminus „Klimaterroristen“, selbst noch erlebt haben, wie sich der Terror der RAF, die Geiselnahme  israelischer Sportler bei der Olympiade 1972 oder das OPEC-Attentat in Wien 1975 anfühlten – von 9/11 nicht zu reden. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Die Vereinten Nationen verabschiedeten auf der UNO-Generalversammlung von 1994 im Konsens eine
          &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           Declaration on Measures to Eliminate International Terrorism
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
          . Demnach handelt es sich dabei dem Wesen nach um politische oder ideologische Gewalt. Gewinnorientierte Drogenhändler fallen unter die
          &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           UN Transnational Crime Convention
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
          aus dem Jahr 2000 sowie ihre Zusatzprotokolle und sind mit dem darin angeführten, breitgefächerten Instrumentarium von Maßnahmen zu bekämpfen. Der Sonderberichterstatter des UNO Menschenrechtsrats, der australische Völkerrechtler Prof. Ben Saul, wies auf einem
          &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           side event
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
          vom 10. März darauf hin, dass es bei der Ausarbeitung dieser Konvention gerade die USA waren, die auf einer Unterscheidung zwischen Organisierter Kriminalität und Terrorismus bestanden. Anders heute (ich zitiere und übersetze hier aus seinem Statement): „Organisierte kriminelle Gewalt in den Amerikas, die mit Drogenhandel, Kartellen und Gangs verbunden ist, sowie verbreitete Drogensucht, stellen ernste Bedrohungen der Menschenrechte dar, für das Leben von Personen, Freiheit und Gesundheit. In Teilen der Amerikas ist die Gewalt extrem ernst, namentlich in Haiti, Mexiko, Ecuador und Kolumbien. Staaten müssen alle möglichen und gesetzmäßigen Mittel ergreifen, um sie zu bekämpfen sowie auch die Korruption, die sie ermöglicht.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Bedauerlicherweise haben einige Amerikanische Staaten darauf kürzlich mit Ultra-Gewalt geantwortet, die im Rahmen eines falschen (oder scheinheiligen  -
          &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           phoney
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
          , R.L.) Kriegs gegen den sogenannten Narcoterrorismus auf flagrante Weise die Menschenrechte verletzt.“(i)
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Seit September 2025 seien durch die Vereinigten Staaten, bei solchen, ungesetzlichen militärische Attacken, mindestens 151 Menschen in 45 zivilen Booten auf hoher See getötet worden. (Inzwischen sind die Zahlen weiter angewachsen. R.L) Und weiter: „Diese unprovozierten, serienmäßigen, außergerichtlichen Tötungen haben keine Rechtfertigung durch das internationale Recht und verletzen auf grobe Weise das Recht auf Leben.“ Die missbräuchliche Bezeichnung eines imaginierten venezolanischen Kartells als ausländische, terroristische Organisation, habe als Vorwand für eine illegale Aggression gegen Venezuela, weitere Verstöße gegen das Recht auf Leben sowie die willkürliche Festnahme des venezolanischen Präsidenten gedient, so Saul weiter.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Die Täter müssten zur Rechenschaft gezogen werden. Die Opfer hätten ein Recht auf Entschädigung.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Drittens habe die USA „ohne Einverständnis der jeweiligen Regierungen auch mit illegaler Gewalt gegen Kartelle in Mexiko und Kolumbien gedroht. Die USA müssen von diesem ungesetzlichen, destabilisierenden und falschen Krieg gegen den Narcoterrorismus ablassen.“ (ii)
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Soweit – in Auszügen – die Rechtsmeinung eines international anerkannten, kompetenten Experten. Hätte man von den europäischen Vertretern da nicht eine klare Absage an eine solche Politik hören wollen? Brasilien tat dies im Plenum, wie auch der kolumbianische Präsident Gustavo Petro bei seinem Blitzbesuch gleich am ersten Tag.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Kolumbien im Visier
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Der scheidende Präsident Kolumbiens spannte den Bogen weiter, indem er auf die notorische Erfolglosigkeit der Drogenbekämpfung hinwies und auf den hohen Blutzoll, den gerade sein Land habe entrichten müssen.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Seine Politik des
          &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           Paz Total
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
          (totaler Friede) wird weithin als gescheitert betrachtet. Kokaanbau und Kokainproduktion liegen auf Rekordniveau. Die Befriedung des Landes und die freiwillige Reduzierung des Kokaanbaus im Rahmen des Friedensprozesses mit der größten Guerilla, den FARC (
          &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
          ), für den Vorvorgänger Präsident José Manuel Santos im Jahr 2016 den Friedensnobelpreis erhielt, haben nicht – oder nur begrenzt – funktioniert, weil die vereinbarten Maßnahmen von Nachfolger Iván Duque (2018-2022) nur widerwillig oder gar nicht vollzogen wurden. Gustavo Petro fand bei seiner Amtsübernahme insofern verbrannte Erde vor, ein polarisiertes Land mit desillusionierten Bauern, wo die Koka- und Kokainproduktion (schon seit 2020/2021) gerade wieder explodierten. Mit seinem Ansatz des
          &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           Paz Total
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
          versuchte er, neuerlich an den Friedensprozess anzuknüpfen.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Die Prohibition, so Petro in seiner Rede vor dem Plenum, habe zur Entstehung von Mafias und zu Gewalt geführt. Kolumbien war zunächst als Produzent von Cannabis betroffen, einer Droge der Aussteiger und des Protests. Dann von Kokain, einer Droge der Erfolgreichen, des Kapitals, der Wall Street. Heute lägen die Hauptprobleme bei der Todesdroge Fentanyl und anderen Opioiden, mit denen sein Land kaum etwas zu tun habe. Die Frage müsse sein: Wie begegnen wir als Gesellschaften diesen Problemen? Welche Konsequenzen hat die Prohibition für die jeweiligen Gesellschaften? Die Mafias seien heute gefährlicher denn je, weil wir nicht erfolgreich sind, weil wir nicht an ihre Finanzen gehen. Kokain sei in Kolumbien die Frucht einer Gesellschaft, die den Bodenbesitz nicht zu demokratisieren wusste. Reichtum und besonders der Grundbesitz seien extrem ungleich verteilt. Ihn selbst habe man als Komplizen des Drogenhandels bezeichnet und seinem Land die drogenpolitische Zertifizierung entzogen (iii) , gerade in einem Moment, als Kolumbien Rekordbeschlagnahmungen von Kokain vorzuweisen hat und es schließlich gelang, 42.000 Hektar Koka im Süden des Landes freiwillig und zusammen mit den Bauern zu substituieren.
          &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           Substitución voluntaria
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
          müsse die Antwort sein, nicht die Besprühung mit Glyphosat. In Kolumbien gebe es eine große und schmerzliche Tradition, zum Gewehr zu greifen und in die Berge zu gehen. „Wollen wir, dass sich das wiederholt?“, fragte Gustavo Petro die Delegierten. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Amazoniens Unterwelt
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Nun ist es freilich so, dass kriminelle Organisationen wie das brasilianische
          &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           Primeiro Comando da Capital
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
          , die kolumbianische ELN-Guerilla, Dissidenten der FARC und andere kriminelle Akteure in gewissen Regionen bereits territoriale Kontrolle gewonnen haben.(iv)  Auch Friedenspräsident Petro sah sich gezwungen, Militär in Gegenden im Süden des Landes zu schicken, wo sich neue Hochproduktivitätszonen von Koka und Kokain befinden, die von unterschiedlichen BACRIM (
          &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           bandas criminales
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
          ) kontrolliert werden. Daran besteht kein Zweifel, auch wenn Prof. Michael Weintraub von der Universidad de los Andes in Bogotá auf einem anderen
          &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           side event
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
          überzeugend darlegte, dass die Methodik der Berechnung der Kokainproduktion so hohe Fehlermargen aufweise, dass es sich eigentlich verbiete, aus ihnen konkrete Politiken abzuleiten. (So ähnlich hatte ich bereits vor mehr als 30 Jahren in meiner Doktorarbeit argumentiert und vom „Elend mit der Empirie“ gesprochen.)
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          In diesem Zusammenhang war ein weiterer
          &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           side event
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
          interessant, auf dem die brasilianische Initiative eines
          &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           territorial vulnerability index
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
          vorgestellt wurde. Bisher sei man auf Nachrichten über Vorfälle und Aktivitäten angewiesen gewesen, legte Koordinatorin Marta Machado dar. Nun habe man eine umfassende Karte mit sozio-ökonomischen und Sicherheitsparametern dazu, die auch proaktives Handeln in den vielen gefährdeten Regionen erlaube. Vielfach handle es sich dabei um indigene Territorien. Zum Beispiel sei es wichtig, die Rekrutierung junger Menschen durch kriminelle Netzwerke zu stoppen. Hierzu komme ein Mix aus
          &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           harm-reduction
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
          und alternativer Entwicklung zur Anwendung, in Abstimmung mit der Polizei und auch mit Interpol, da es sich oft um Grenzregionen handle.(v)  Man weiß schließlich, dass kriminelle Netzwerke heute multisektorial aktiv sind, was holistische Gegenmaßnahmen erfordert. Interessant ist in diesem Zusammenhang die Bemerkung von Prof. Weintraub, dass heute der illegale Goldabbau das Kokaingeschäft als wichtigsten kriminellen Sektor in Kolumbien verdrängt habe. Wobei sich beide Sektoren nicht ausschließen, sondern vielmehr in Symbiose koexistieren. Im letzten Jahrzehnt hat sich der Goldpreis nahezu verfünffacht.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Das heilige Blatt der Inkas bleibt unter Hausarrest
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Vor drei Jahren hatte Bolivien einen Vorstoß unternommen, das Kokablatt von der Liste der kontrollierten Substanzen der UN Drogen-Einheitskonvention von 1961 zu nehmen, wo es zusammen mit Substanzen wie Kokain und Heroin unter den besonders gefährlichen gelistet ist. Dazu bedarf es eines Gutachtens der WHO und einer abschließenden Entscheidung der CND. Das Gutachten der WHO liegt nun vor und ist negativ, das heißt, es wird keine Abstimmung über den bolivianischen Antrag geben. Verschiedene NGOs und die kolumbianische Regierung kritisierten das auf der CND in Wien. (Wir werden uns dem Thema an dieser Stelle in Kürze ausführlich widmen.) Nicht jedoch die bolivianische Regierung unter Rodrigo Paz Pereira, die im November 2025 die Amtsgeschäfte in La Paz übernommen hat. Sie scheint in ihrer Außenpolitik dort weiter zu machen, wo man im Dezember 2005 vor dem
          &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           proceso de cambio
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
          aufgehört hatte. In treuem Vollzug der Vorgaben Washingtons. Die neue Regierung zeigte keinerlei Initiative, den Antrag der Vorgängerregierung weiter zu verfolgen. Obwohl interessanterweise der Vater des amtierenden Präsidenten, Jaime Paz Zamora, gegen Ende seiner Präsidentschaft (1989-1993) der Erste war, der im Rahmen seiner
          &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           diplomácia de la coca
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
          eine Initiative in diese Richtung startete.(vi) 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Kein Klima für Reformen
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Furcht und Schrecken um politische Ziele besser durchsetzen zu können verbreitet aktuell gerade die Trump-Administration – und das nicht nur in Lateinamerika. Die augenblickliche politische Konjunktur scheint für drogenpolitische Reformen nicht förderlich. Da ist einmal die Rekordproduktion von Koka und Kokain, die auf den ersten Blick nicht zu einer Lockerung der Kontrollen einlädt, die freilich ohnehin nie funktioniert hatten. In der Tat waren nicht gesundheitliche Eigenschaften des Kokablattes an sich für das Urteil der Weltgesundheitsorganisation entscheidend, sondern die Möglichkeit, einen seiner Inhaltsstoffe chemisch zu isolieren – Kokain. Und obwohl sie aus der WHO ausgetreten ist, scheint die Politik der Trump-Administration durchaus wirkmächtig zu sein.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Dass Lateinamerika in der Vergangenheit häufiger als andere Regionen mit Reformbestrebungen zur internationalen Drogenpolitik hervorgetreten ist, mag mit Washingtons „War on Drugs“ zusammenhängen und damit, dass das internationale Regelwerk wenig Rücksicht auf seine spezifischen Interessen und Probleme nimmt. Gegenstand solcher Initiativen waren entweder Partikularinteressen oder das Bestreben, die Organisierte Kriminalität besser zu bekämpfen und Gewalt einzudämmen.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Auf Initiative Boliviens wurde in der Wiener Konvention von 1988 die Verpflichtung (aus der UN-Konvention von 1961) zu vollständiger Eradikation der Koka abgemildert, wo der Anbau historisch nachgewiesen ist.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          UNO Sondergeneralversammlungen zum Thema (UNGASS 1990, 1998, 2016) wurden jeweils von Lateinamerika initiiert. Die letzte von 2016 wurde von den Präsidenten Mexikos, Kolumbiens und Guatemalas beantragt. Angestoßen wurde der Prozess durch eine Lateinamerikanische Drogenkommission, die 2009 von den Expräsidenten Gaviria (Kolumbien), Zedillo (Mexiko) und Cardoso (Brasilien) gegründet wurde und die 2011 zu einer Global Commission mutierte, die auch von Prominenten wie Jimmy Carter und Kofi Annan unterstützt wurde. Ziel war eine Überarbeitung des bisherigen Ansatzes der internationalen Drogenkontrolle. Dazu kam es jedoch nicht. Im Rahmen der bestehenden Konventionen sollten vielmehr erweiterte Interpretationsspielräume toleriert werden. Eine Reaktion auf eine wachsende Zahl stillschweigender Desertationen – und eine Einladung zu weiteren. Auf europäische Initiative gewannen im Diskurs gesundheitspolitische und menschenrechtliche Erwägungen gegenüber dem strafrechtlichen Ansatz an Gewicht.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Zu den stillschweigenden Desertationen gehörten beispielsweise die niederländischen Coffeeshops, Entkriminalisierungen bei Cannabis auf Bundesländerebene und Abmilderungen strafrechtlicher Sanktionen.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Wiederum lateinamerikanische Länder waren es, die unilateral kühne Schritte setzten: Artikel 384 der neuen bolivianischen Verfassung vom Januar 2009 definiert das Kokablatt als schützenswertes andines Natur- und Kulturerbe. Präsident Morales reiste daraufhin gleich im März zur CND nach Wien – nicht um die Streichung des Kokablattes aus der Liste der kontrollierten Substanzen der Konvention zu beantragen – sondern nur die Streichung zweier Unterparagraphen (Art. 49 1c und 2e), die das Kokakauen verbieten. Als auch dies durch eine Allianz von „Freunden der Konvention“ abgelehnt wurde, trat Bolivien aus der UN-Konvention aus – und am 1. Februar 2013 mit sofortiger Wirkung wieder ein: Unter Vorbehalt gegen die beiden fraglichen Unterparagraphen. Ein historischer Präzedenzfall.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Im Dezember 2013 verabschiedete das Parlament in Montevideo ein Gesetz zur staatlichen Regulierung des Cannabis-Marktes. Uruguay war damit der erste Nationalstaat, der dies tat und wurde daraufhin von Internationalen Suchtstoffkontrollrat der UN (INCB) harsch als „Piratenstaat“ gerügt.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Im Frühjahr 2023 beantragte Bolivien mit Unterstützung Kolumbiens die Streichung des Kokablattes von der Liste 1 der UN-Drogen-Einheitskonvention, wozu es eines Gutachtens der WHO bedarf, auf dessen Grundlage dann der Wirtschafts- und Sozialrat mit seiner CND entscheidet.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Auf kolumbianische Initiative wurde im März 2025 auf der 68. CND eine Resolution verabschiedet, wonach ein 19-köpfiges Expertengremium geschaffen werden solle, um das Regelwerk der internationalen Drogenkontrolle zu überdenken. Mit Washington hatten damals nur Argentinien und Russland dagegen gestimmt. Nach einem als aggressiv und arrogant beschriebenen Eingangsstatement, bei dem unter anderem Mexiko, China und Kanada für die Opioidkrise verantwortlich gemacht worden waren, hatte sich die US-Delegation isoliert wie nie zuvor in diesem Gremium. Nach der 69. CND kann man sagen: zumindest ist diese Initiative noch am Leben, kommt aber schleppend voran.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Die Überlebenschancen stehen in der aktuellen politischen Konjunktur nicht gut. Lateinamerikanische Initiativen im Hinblick auf Reformen der internationalen Drogenpolitik waren schon bisher immer eher isoliert geblieben. Nie war Lateinamerika selbst dabei geeint aufgetreten – ja nicht einmal im Rahmen Gleichgesinnter wie etwa der ALBA (
          &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           Alianza Bolivariana para los Pueblos de Nuestra América
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
          ). Das dürfte vorerst auch so bleiben. Nicht nur, weil Washington den Preis für Widerspruch erhöht hat, sondern weil nunmehr der internationale Rechtsrahmen zu Gunsten unilateralen Vorgehens fürs Erste ohnehin obsolet geworden ist. Im Übrigen deutet wenig bis nichts darauf hin, dass Europa solche Initiativen mit Nachdruck unterstützen würde.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          i  United Nations Human Rights Council. Statement Special Rapporteur on the promotion and protection of human rights and fundamental freedoms while countering terrorism, Ben Saul. Statement beim Side Event: The Resurgent Logic of the „War on Drugs“ and it‘s Impact on Human Rights and International Cooperation“
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          https://www.ohchr.org/sites/default/files/documents/issues/terrorism/sr/activities/2026-03-12-sr-ct-commission-narcotic-drugs-plenary.pdf
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          ii ebd.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          iii Vgl. dazu u.a. den Beitrag „Kolumbien im Visier“ in diesem Blog.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
            
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          iv  Vgl. dazu den Beitrag „Amazoniens Unterwelt“ in diesem Blog.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          v  Preview der vulnerability-Karte: https://cdesc.shinyapps.io/app_eng/
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          vi  Vgl. dazu dessen Beitrag aus dem Jahr 1993: https://static.nuso.org/media/articles/downloads/2231_1.pdf
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Wed, 01 Apr 2026 16:08:25 GMT</pubDate>
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    </item>
    <item>
      <title>Die politische Rechte in Lateinamerika</title>
      <link>https://www.robert-lessmann.com/die-politische-rechte-in-lateinamerika</link>
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      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
         Die politische Rechte dominiert die Schlagzeilen. Keine Tagesschau/ ZIB ohne Trump, Netanyahu und Konsorten. Dagegen verblassen die Bolsonaro, Bukele, Kast und Milei beinahe. Die Rechten sind auf dem Vormarsch. Der vorliegende Band fasst die Ergebnisse der 8. Lateinamerika-Gespräche in der Evangelischen Akademie Hofgeismar zusammen, die Ende Januar 2025 stattfanden.
        &#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/s/4e3a91da2fa849afa260009be23256a9/dms3rep/multi/Hofgeismar_Rechte_Cover.png"/&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Es handelt sich um wissenschaftliche Abhandlungen – keine Frage – aber die Lektüre lohnt sich, zumal sie vor der Drucklegung noch aktualisiert wurden. So bieten etwa die Beiträge zu Kolumbien und Brasilien aktuelle Analysen kurz vor den dort bevorstehenden Wahlen.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Das Vorwort macht deutlich wo es lang geht: „Auffällig ist hier unter anderem die Herausbildung einer autoritären, gewaltvollen Demokratie, wie wir sie seit einiger Zeit in den USA, Italien oder Ungarn beobachten können. Bei der Aufrechterhaltung einer Fassade von Wahldemokratien werden Rechtsstaatlichkeit, Bürgerrechte, Wissenschaft und viele andere Bereiche von Demokratie ausgehöhlt, geschwächt, eingeschränkt und repressiv und gewaltvoll unterdrückt.“ (S. 18)
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Jonas Wolff versucht einleitend Begriffsklärungen. Was ist rechts, rechtsradikal, rechtsextrem? Das fällt nicht ganz leicht und schon hier wird deutlich, dass es Rechtsaußen erhebliche Unterschiede gibt, wobei die Rechte insgesamt aber global gut vernetzt ist. Eine Schlüsselrolle spielt dabei in Lateinamerika Eduardo Bolsonaro, der über beste Kontakte zu Steve Bannon und zur spanischen VOX verfügt.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Waren früher die katholische Kirche, die Streitkräfte, lokale Kapitalgruppen identitätsstiftend, so konkurrieren daneben heute auch rechte Think Tanks, Evangelikale, neue soziale Netzwerke und andere neue Akteure mit.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Zurecht legen die Autoren ihre Finger auch in die Wunden des Versagens der Linkspopulisten, behaupten die neuen Rechten doch landauf landab, gegen den Autoritarismus und die Korruption der Linken aufzustehen. Das „doppelte Versprechen einer sozio-ökonomischen und radikal-institutionellen Inklusion marginalisierter Gruppen (wurde) bestenfalls graduell und mitunter temporär erfüllt.“ (Jonas Wolff) Detaillierter geht insbesondere Hans-Jürgen Burchardt diesem Aspekt nach. Auf der Grundlage von Rohstoffrenten konnte großzügig umverteilt werden, wodurch Klientelismus, Nepotismus und Korruption begünstigt wurden, während strukturelle Veränderungen ausblieben. Ohne Besteuerung konnten die obersten 10 Prozent der ökonomischen Eliten ihre Vermögen oft sogar noch ausbauen. „Appeasement Strategien“ gegenüber dem rechten Trend seien gescheitert, befindet er in seinen Überlegungen zu Gegenstrategien. Wenn die Konservativen rechtsradikale und rechtsextreme Diskurse bedienen, würden noch diese bekräftigt, und letztlich erst recht das Original gewählt. In Anlehnung an Thomas Piketty schlägt Burchardt – im Detail durchaus ausbaufähig – Umverteilung (etwa aus einer Reichen- und Erbschaftssteuer) sowie Anerkennung (der Benachteiligten) vor.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Wirtschaftsliberalismus, Antikommunismus, eine Sicherheitspolitik der ‚harten Hand‘, Anti-Indigenismus, traditionelle „christliche“ Werte (wie Familie) gehören in unterschiedlicher Gewichtung zum Repertoire der neuen Rechten. Gemeinsam ist ihnen auch der Antifeminismus, der heute besonders aggressiv und unverschämt in Erscheinung tritt, in Argentinien fallweise sogar durch den Präsidenten höchstselbst (Beitrag von Suárez Estrada und Duarte Sckell).
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Die Verbindung von Religion und rechter Politik stellt sich heute weniger durch die Kirchen her als durch selbstorganisierte, kleinere Gruppen (Sekten), die allerdings wie moderne Medienunternehmer agieren und teilweise enorm finanzkräftig sind (Beitrag Heinrich Schäfer). Der eingangs bereits erwähnte Kolumbien-Beitrag liefert ein "who is who" der kolumbianischen Eliten und widmet deren Rolle einen eigenen Abschnitt: „4. Die Rechte in Kolumbien vor den Präsidentschaftswahlen 2026“.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Die neue Rechte an der Macht regiert vielfach per Dekret oder Notverordnung. Das ist weder ganz neu noch regionalspezifisch. Während ich diese Rezension schreibe kommt in den Nachrichten die Meldung von einer Selbstentmachtung des US-Parlaments. Mit einer Mehrheit von 53:47 habe der Senat beschlossen, dass eine in der Verfassung geforderte Zustimmung des Parlaments zum Krieg gegen den Iran nicht notwendig sei. Die Demokratie stirbt langsam. Es geht um „Zivilisationswandel“, wie Viktor Orbán sagt. Das macht die Sache so gefährlich und das Buch (nicht nur für Lateinamerikanisten) besonders lesens- und studierenswert.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Ahmad/ Burchardt/ Dietz/ Warnecke-Berger/ Wolff (Hrsg.): "Die politische Rechte in Lateinamerika",  Nomos, Baden Baden, 2026
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           © Robert Lessmann
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Sat, 21 Mar 2026 13:27:15 GMT</pubDate>
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    </item>
    <item>
      <title>9. Lateinamerikagespräche Hofgeismar: "Lateinamerika und die internationale Drogenpolitik"</title>
      <link>https://www.robert-lessmann.com/9-lateinamerikagesprache-hofgeismar-lateinamerika-und-die-internationale-drogenpolitik</link>
      <description />
      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
         Die Hofgeismarer Lateinamerikagespräche haben einen guten Ruf. Sie sind hochkarätig besetzt und erlauben einen fachkundigen Austausch in angenehmer Atmosphäre. Im letzten Jahr ging es um die aufstrebende politische Rechte in Lateinamerika. Die Buchpublikation dazu kam gerade beim Nomos-Verlag heraus und wird demnächst an dieser Stelle besprochen. Die 9. Tagung, die vom 30.1. bis 1.2.2026 stattfand, hatte „Lateinamerikas neue geopolitische Konstellation: Akteure, Interessen, Konflikte“ zum Thema und bot einen Querschnitt durch die aktuelle politische Situation, die übereinstimmend als so volatil angesehen wurde, dass vorerst noch nicht an eine Buchveröffentlichung gedacht ist. Die Vereinigten Staaten und ihr Präsident waren dabei in Nordhessen ebenso omnipräsent wie das Thema Rohstoffe.
        &#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/s/4e3a91da2fa849afa260009be23256a9/dms3rep/multi/DSC00914.JPG"/&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  
         Besondere Aufmerksamkeit wurde naturgemäß dem drogenpolitisch begründeten Vorgehen der Trump-Administration in der Karibik und in Venezuela zuteil, das unter anderem Gegenstand meines Vortrags, „Lateinamerika und die internationale Drogenpolitik“ war; hier einige Auszüge daraus:
         &#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
            
          &#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      
           Dieses stelle, so die Kernthese, für sich genommen beziehungsweise aus drogenpolitischer Perspektive nicht wirklich eine Zeitenwende dar, sondern eine extreme Interpretation des „
           &#xD;
      &lt;i&gt;&#xD;
        
            War on Drugs
           &#xD;
      &lt;/i&gt;&#xD;
      
           “, der von Washington seit einem halben Jahrhundert mit unterschiedlicher Intensität geführt wird. Eine Vorliebe für möglichst martialisches und militärisches Vorgehen war nicht nur in den Reihen der republikanischen Partei stets vorhanden, wobei vielfach der Verdacht aufkam, dass es im Grunde um weitergehende strategische Interessen ging – und nicht zuletzt auch um nach innen gerichtete Symbolpolitik. Bei hohen Kollateralschäden für die betroffenen Länder freilich. Bekräftigt wird diese These durch den Umstand der drogenpolitischen Erfolglosigkeit über mehr als vier Jahrzehnte.
          &#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      
           Der Konsum bewusstseinsverändernder Substanzen ist in der Menschheitsgeschichte seit langer Zeit bekannt. Meist war ihr Konsum an bestimmte Rituale gebunden oder Herrscher- und Priesterkasten vorbehalten. Drogenkonsum als rituellen und hierarchischen Kontexten enthobenes Massenphänomen tauchte erst mit der Steigerung des Wohlstands durch die Industrialisierung und die Globalisierung im Zuge des Kolonialismus auf. Internationale Drogenkontrolle war eine Antwort auf den grenzüberschreitenden Charakter des Handels mit psychoaktiven Substanzen wie Opium/Heroin, Kokain und Cannabis – und spiegelte stets auch internationale Machtverhältnisse wider. Das bekannteste Beispiel waren die beiden Opiumkriege (von 1839-1842 und 1856-1860), in deren Ergebnis sich britische Freihandelsinteressen gegen den chinesischen Versuch einer Kontrolle beziehungsweise eines Verbots der Opiumeinfuhren durchsetzten. Nebenbei bröckelte die Hegemonie Chinas im asiatischen Raum und Hongkong wurde britisch.
          &#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      &lt;b&gt;&#xD;
        
            State of the Art
           &#xD;
      &lt;/b&gt;&#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      
           In der puritanischen Einwanderergesellschaft der Vereinigten Staaten waren „Drogen“ stets als besonders gravierendes und meist von außen in den „gesunden Gesellschaftskörper“ hereingetragenes Problem wahrgenommen worden. Die USA waren es auch, die mit der Haager Opium-Konvention von 1912 das erste internationale Drogenabkommen überhaupt forciert hatten. Doch erst die
           &#xD;
      &lt;i&gt;&#xD;
        
            Single Convention on Narcotic Drugs
           &#xD;
      &lt;/i&gt;&#xD;
      
           der UN von 1961 verpflichtete die Mitgliedsstaaten zu umfassenden Verboten. Sie stellt das Basiswerk der internationalen Drogenkontrolle dar, das im Laufe der Jahre erweitert wurde, insbesondere durch die Wiener Konvention von 1988. Sie kennt nicht den Begriff „illegale Drogen“, sondern spricht von „kontrollierten Substanzen“, die auf vier unterschiedlichen Listen geführt werden und damit unterschiedlich strengen Kontrollregimes unterliegen. Ziel ist es, deren Verwendung auf medizinische und wissenschaftliche Zwecke zu beschränken.
          &#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      
           Erfolgreich war das nicht. Verteidiger des Status quo sprechen von „no-events“. Schlimmeres sei verhindert worden. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache. Die Zahl der Konsumenten kontrollierter Substanzen steigt kontinuierlich und schneller als das Bevölkerungswachstum. Sie liegt heute mit 316 Millionen auf Rekordniveau. Im Vergleichsjahr 2017 starben daran 585.000 Menschen gegenüber 200.000 – nicht einmal ein Jahrzehnt davor. Die häufigsten Komplikationen gibt es mit Opiaten (wie Heroin) und Opioiden (wie Fentanyl). Von den erwähnten 585.000 Drogentoten starb die Hälfte an unbehandelter Hepatitis C, die zu Leberzirrhose oder Krebs führt. Nach Schätzung des Drogenkontrollprogramms der Vereinten Nationen (UNODC) enden zwei Drittel der tödlich verlaufenden Drogenkarrieren durch Hepatitis C und/oder HIV. Die gesundheitspolitisch schwersten Probleme liegen also bei Menschen, die sich Drogen per Spritze verabreichen, und davon leben die Hälfte in nur drei Ländern: Russland, China und den USA.
          &#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      
           Dazu kommt eine Unübersichtlichkeit der illegalen Märkte durch neue, im Labor hergestellte, sogenannte
           &#xD;
      &lt;i&gt;&#xD;
        
            New Psychoactive Substances
           &#xD;
      &lt;/i&gt;&#xD;
      
           (NPS). Viele dieser Substanzen tauchen auf – oft auch nur regional – und verschwinden dann wieder. Zwischen 2009 und 2019 wurden dem UNODC 803 neue NPS gemeldet, rund dreimal so viele, wie auf den Listen der Konvention überhaupt erfasst sind. Damit stößt das herkömmliche Instrumentarium über Verbot und Gesetzesvollzug (engl.
           &#xD;
      &lt;i&gt;&#xD;
        
            law enforcement
           &#xD;
      &lt;/i&gt;&#xD;
      
           ) an seine Grenzen.
          &#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      
           Einen Sonderfall stellt hier die Opioid- oder Fentanylkrise dar. Im Jahr 2017 starben in den USA 70.237 Personen allein an Opioid-Überdosen, heute sind es 48.422 (UNODC 2019/2 bzw. 2025). Seit 2008 sind in den USA mehr als eine Million Menschen an Opioid-Überdosen gestorben. In Donald Trumps erster Amtszeit (2017-2021) vervierfachte sich ihre Zahl. Eine wichtige Ursache lag in der exzessiven Verschreibung von Schmerzmitteln in Verbindung mit aggressiver Werbung. Illegales Fentanyl oder noch potentere Nitazene erreichen Nordamerika überwiegend über Mexiko, wo sie aus Zutaten hergestellt werden, die aus China geliefert werden. Der erwähnte Rückgang der Opferzahlen dürfte auf stärkere Kontrollen durch China zurückzuführen sein.
          &#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      
           Mit dem umfassenden, prohibitionistischen Ansatz der Drogenkontrolle in Verbindung mit einem bisher unbekannten Nachfragesog in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts bildeten sich illegale Vermarktungsketten und mächtige kriminelle Organisationen heraus, die Rechtsstaatlichkeit und Gesellschaft herausfordern. Das geht so weit, dass sie in verschiedenen Zonen Mexikos, Kolumbiens, Amazoniens und in manchen brasilianischen Favelas territoriale Kontrolle ausüben. Im Herbst des Jahres 2011 legte das UNODC eine Studie über Geldwäsche vor, die deren jährliches Volumen auf zwischen 1,2 und 1,6 Billionen USD schätzte, wovon maximal 1 Prozent entdeckt und beschlagnahmt würden, wahrscheinlich eher 0,2 Prozent (UNODC 2011). Das dürfte inzwischen nicht besser geworden sein, doch an einer längst überfälligen Aktualisierung besteht offenbar kein Interesse.
          &#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      
           Die internationale Drogenkontrolle war bisher ebenso einseitig wie erfolglos auf die Unterbindung von Konsum, Produktion und Bereitstellung verschiedener Substanzen ausgerichtet. Dabei stellt der illegale Drogenhandel sozusagen das Rückgrat des Organisierten Verbrechens dar – allen voran der mit Kokain, der deutlich besser organisiert und zentralisiert ist als andere Sparten. Man hat Substanzen bekämpft statt Märkte und Personen statt Strukturen.
          &#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      &lt;b&gt;&#xD;
        
            War on Drugs
           &#xD;
      &lt;/b&gt;&#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      
           Kommen wir zurück zur USA und nach Lateinamerika, von wo der traditionell größte Markt für illegale Substanzen versorgt wird: Seitdem Präsident Richard Nixon den Drogen im Jahr 1971 „den Krieg“ erklärte, war es über Parteigrenzen hinweg ein politisches Tabu
           &#xD;
      &lt;i&gt;&#xD;
        
            soft on drugs
           &#xD;
      &lt;/i&gt;&#xD;
      
           zu erscheinen. Bereits unter Nixon wurden kurzfristig mexikanische Marihuanaplantagen mit Pflanzengift besprüht und die Grenzen geschlossen. Im Ergebnis wurden die USA selbst zum größten Cannabis-Produzenten. Während der Präsidentschaft von Ronald Reagan kamen in den 1980er Jahren die südamerikanischen Produzentenländer von Kokain in den Focus, das als Hauptproblem angesehen wurde. Bereits 1981 wurde der
           &#xD;
      &lt;i&gt;&#xD;
        
            Posse Comitatus Act
           &#xD;
      &lt;/i&gt;&#xD;
      
           aus dem Jahr 1878 novelliert, wodurch die Grundlagen für einen Einsatz der Streitkräfte im Kampf gegen den illegalen Drogenhandel geschaffen wurden.
           &#xD;
      &lt;i&gt;&#xD;
        
            Border Interdiction
           &#xD;
      &lt;/i&gt;&#xD;
      
           hieß die Devise und es wurden sogar Abfangjäger gegen verdächtige Kleinflugzeuge eingesetzt, um die Landesgrenzen zu versiegeln. Vergeblich.
          &#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      
           Ab Mitte der 1980er Jahre hieß es:
           &#xD;
      &lt;i&gt;&#xD;
        
            Going to the Source
           &#xD;
      &lt;/i&gt;&#xD;
      
           . Mit zwei Anti-Drogen-Gesetzespaketen von 1986 und 1988 wurde der Präsident dazu verpflichtet, eine Liste sogenannter drogenproduzierender und Transitländer zu erstellen, die automatisch von Sanktionen betroffen waren, wenn ihnen das Weiße Haus nicht alljährlich zur Mitte des Finanzjahrs im März bescheinigte, dass sie bei der Drogenkontrolle kooperativ waren. Oft war die Unterzeichnung eines bilateralen Drogenabkommens conditio sine qua non für eine solche
           &#xD;
      &lt;i&gt;&#xD;
        
            certification
           &#xD;
      &lt;/i&gt;&#xD;
      
           , worin sehr detaillierte Maßnahmen festgelegt wurden, etwa die Unterzeichnung eines Auslieferungsabkommens oder die Vernichtung einer bestimmten Kokaanbaufläche. Eine doppelte Konditionierung, mit der es Washington sehr weitgehend gelang, seinen drogenpolitischen Diskurs und als geeignet erachtete Maßnahmen durchzusetzen. Die Folge war eine Amerikanisierung und Militarisierung der Drogenkontrolle in Lateinamerika, verbunden mit teilweise schwerwiegenden Eingriffen in die nationale Souveränität: Eingriffe in die nationale Gesetzgebung; Schaffung, Ausrüstung und Training paramilitärischer Spezialpolizeieinheiten; Einbeziehung des Militärs in die Drogenbekämpfung; Tätigkeit von US-Polizei- und Militärpersonal im Gastland auch in leitenden Funktionen; Entführung mutmaßlicher Drogenstraftäter in die USA; temporäre Militärinterventionen in Bolivien (
           &#xD;
      &lt;i&gt;&#xD;
        
            Operation Blast Furnace
           &#xD;
      &lt;/i&gt;&#xD;
      
           1986) und Panama (
           &#xD;
      &lt;i&gt;&#xD;
        
            Operation Just Cause
           &#xD;
      &lt;/i&gt;&#xD;
      
           1989).
          &#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      
           Bei letzterer soll es sich um die größte Luftlandeoperation seit dem Zweiten Weltkrieg gehandelt haben, im Zuge derer Machthaber Manuel Noriega gefangen genommen und in die USA gebracht wurde. Elitesoldaten der US Special Forces wurden in den Drogenkrieg einbezogen und der Andenraum mit einem hochmodernen System der Radarüberwachung überzogen. Ab 1999 wurde die Luftwaffenbasis Manta in Ecuador als sogenannte
           &#xD;
      &lt;i&gt;&#xD;
        
            Forward Operation Location
           &#xD;
      &lt;/i&gt;&#xD;
      
           des
           &#xD;
      &lt;i&gt;&#xD;
        
            US Southern Command
           &#xD;
      &lt;/i&gt;&#xD;
      
           genutzt (2009 unter Präsident Correa geschlossen). Im Rahmen des
           &#xD;
      &lt;i&gt;&#xD;
        
            Plan Colombia
           &#xD;
      &lt;/i&gt;&#xD;
      
           wurden in Kolumbien seit dem Jahr 2000 sieben Militärbasen errichtet. Bereits ab 1996 wurden Flugzeuge, die im Verdacht standen, das Zwischenprodukt
           &#xD;
      &lt;i&gt;&#xD;
        
            Pasta Básica de Cocaína
           &#xD;
      &lt;/i&gt;&#xD;
      
           von Bolivien und Peru aus zur Weiterverarbeitung nach Kolumbien zu transportieren, zur Landung gezwungen oder abgeschossen. Wie viele Maschinen im Zuge dieser
           &#xD;
      &lt;i&gt;&#xD;
        
            Operation Airbridge
           &#xD;
      &lt;/i&gt;&#xD;
      
           tatsächlich abgeschossen wurden, ist nicht bekannt. Sie wurde im Jahr 2001 unterbrochen, nachdem irrtümlich die Cessna einer US-Missionarsfamilie abgeschossen worden war, worauf der Kongress kritische Fragen stellte und intervenierte.
          &#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      
           Diese Eingriffe in die nationale Souveränität der betroffenen Länder haben dort zu Protesten und innenpolitischen Auseinandersetzungen geführt. In Bolivien wurde der Chef der machtvollen Gewerkschaften der Kokabauern, Evo Morales,
          &#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      
           im Dezember 2005 zum Präsidenten gewählt.
          &#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      
           Diese Amerikanisierung und Militarisierung der Drogenkontrolle war von einem Denken bestimmt, das den lateinamerikanischen Ländern den politischen Willen und die Fähigkeit absprach, etwas gegen den Drogenhandel zu unternehmen:
          &#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      
           „Irgendwann müssen beide Seiten damit anfangen zu verstehen, dass es zum Beispiel in unseren Beziehungen zu bestimmten Ländern kein anderes außenpolitisches Thema gibt, dass die fraglichen Länder keine Regierungen sind. Nach U.S. Bundesgesetzen würden sie als fortgesetzte kriminelle Verschwörungen gelten.“ (Jack Blum, Special Counsel, U.S. Senate Committee on Foreign Relations in: U.S. Senate Caucus on International Narcotics Control – Seminar July 30, 1987, 1987, S. 5f.)
          &#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      
           Damit verbunden waren Plädoyers für möglichst martialische Maßnahmen. So argumentierte der Abgeordnete Henry Hyde aus Illinois: „In Vietnam hatten wir einen unerklärten Krieg. Hier, fürchte ich, haben wir eine Erklärung und keinen Krieg.“ Und weiter: „Ich war vor einigen Jahren dort (gemeint ist Malaysia, R.L.). Zwei Australier wurden am Flughafen geschnappt und hingerichtet. Die Queen von England trat für eine Begnadigung ein. Ich glaube auch der Papst. Aber Malaysia richtete sie hin. Darin liegt eine großartige Therapie.“ (U.S. Congress House Committee on Foreign Affairs – Hearing Sept. 12, 1989, 1989, S. 40f.)
          &#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      
           (Beide Zitate wurden von mir übersetzt und hier zitiert nach Robert Lessmann: „Der Drogenkrieg in den Anden“, 2016 S. 59 bzw. 62)
          &#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      
           Und heute: „Law Enforcement“ bringt nichts. „You have to blow them up.“ (US Außenminister Marco Rubio auf einer Pressekonferenz im September 2025.)
          &#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      
           Die Ergebnisse von vier Jahrzehnten Drogenkrieg unter der Regie Washingtons in Lateinamerika sind mehr als ernüchternd: Die Kokainproduktion, die ausgemerzt oder zumindest eingedämmt werden sollte, liegt heute (Zahlen von 2023) auf einem Allzeithöchststand von 3.708 Tonnen (UNODC 2025). Im letzten Jahrzehnt hat sie sich nahezu verdoppelt. Jener für Kokain ist der am schnellsten wachsende Markt für illegale Drogen. Europa hat die USA in der Bedeutung als Absatzmarkt überholt. Die Vereinigten Staaten bleiben aber Nummer 1 beim Konsum, vor Brasilien. Die Schwerpunkte des Kokaanbaus (Allzeitrekord 376.784 Hektar, UNODC 2025) verlagerten sich in den 1990er Jahren von Bolivien und Peru nach Kolumbien und zwischenzeitlich wieder etwas zurück. Heute hat Kolumbien wieder einen Anteil von rund 70 Prozent an Kokaanbau und Kokainproduktion. Der Anstieg der Kokainproduktion geht hauptsächlich auf Kolumbien (plus 50 Prozent) zurück, während er in Bolivien stabil und in Peru leicht rückläufig ist. Für dieses 
          &#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      
           Kokaanbau in Hektar, 2023
          &#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Kolumbien		253.000
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      
           Peru               92.784
          &#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      
           Bolivien         31.000
          &#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      
           Quelle: UNODC 2025
          &#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      
           Wachstum wiederum sind neu entstandene Hochproduktivitätszonen im Süden des Landes verantwortlich, die sich unter Kontrolle illegaler bewaffneter Gruppen (
           &#xD;
      &lt;i&gt;&#xD;
        
            Grupos Armados Ilegales
           &#xD;
      &lt;/i&gt;&#xD;
      
           , GAI) befinden. Durch diese Produktionsverlagerung wurde das ehemals friedliche Ecuador mit seinem Pazifikhafen in Guayaquil als Transitland wichtig, wo es durch Revierkämpfe rivalisierender Gruppen zu einem Anstieg der Mord- und Totschlagsrate von 7,8 (pro 100.000 Einwohner 2020) auf 45,7 (2023 UNODC 2025) gekommen ist.
          &#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      &lt;b&gt;&#xD;
        
            Drogenpolitik oder Drohnenpolitik? Kanonenbootpolitik in der Karibik
           &#xD;
      &lt;/b&gt;&#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      
           Treibende Kraft hinter der Externalisierung der Drogenbekämpfung im Zuge des „
           &#xD;
      &lt;i&gt;&#xD;
        
            War on Drugs
           &#xD;
      &lt;/i&gt;&#xD;
      
           “ war seinerzeit der Kongress, einzelne außenpolitische Interessengruppen und Waffengattungen, die sich nach dem Zusammenbruch des Warschauer Pakts um Daseinsberechtigung und Budgets sorgten. Nach 9/11 erfolgte eine Verschmelzung mit dem „
           &#xD;
      &lt;i&gt;&#xD;
        
            War on Terror
           &#xD;
      &lt;/i&gt;&#xD;
      
           “. Nur Weltpolizist Uncle Sam leistet sich bereits seit 1978/79 ein
           &#xD;
      &lt;i&gt;&#xD;
        
            Bureau for International Narcotics Control and Law Enforcement Affairs
           &#xD;
      &lt;/i&gt;&#xD;
      
           (INL) im Außenministerium, und im Fiskaljahr 2010 erhielten mit Afghanistan (272,5 Mio. USD) und Kolumbien (244,6 Mio. USD) zwei Schlüsselländer im Krieg gegen den Terror zusammen mehr als 50 Prozent des INL-Gesamtbudgets (878,7 Mio. USD).
          &#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      
           Mit der gezielten Tötung von Terroristen, Warlords und anderer Widersacher durch Drohnenangriffe (in Afghanistan, Jemen und Somalia) liegt im „
           &#xD;
      &lt;i&gt;&#xD;
        
            War on Terror
           &#xD;
      &lt;/i&gt;&#xD;
      
           “ auch die Blaupause für das gegenwärtige Vorgehen gegen mutmaßliche und angebliche Drogenschnellboote in der Karibik, das bis zum 18. Januar 124 Todesopfer gefordert hat. Dazu hat die Trump-Administration reale oder fiktive Drogennetzwerke zu Terrororganisationen erklärt. Bevor der Nachfolger von Osama bin Laden, Aiman az-Zawahiri, am 31. Juli 2022 auf dem Balkon seines Hauses in Kabul durch eine Drohne getötet wurde, sollen auf der Jagd nach ihm allein bis 2015 mehr als 100 andere Personen durch solche
           &#xD;
      &lt;i&gt;&#xD;
        
            signature strikes
           &#xD;
      &lt;/i&gt;&#xD;
      
           getötet worden sein, darunter 76 Kinder (Biermann 2015).
          &#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      
           Am 8. August 2025 berichtete die New York Times, dass Präsident Trump eine Direktive unterzeichnet habe, um militärisch gegen Gruppen vorzugehen, die seine Regierung als terroristisch einstuft. Im Herbst vergangenen Jahres kam es sukzessive zu einem beispiellosen Aufmarsch der US Marine in der Karibik vor der venezolanischen Küste. Am 13. Oktober 2025 trat Alvin Holsey zurück, der seine Vorgängerin Laura Richardson erst im November 2024 als Chef des dafür zuständigen
           &#xD;
      &lt;i&gt;&#xD;
        
            US Southern Command
           &#xD;
      &lt;/i&gt;&#xD;
      
           beerbt hatte. Er war erst kurz vorher zum Admiral ernannt worden und hätte noch zwei Jahre bis zu seinem Dienstende gehabt. Am 2. September hatte Präsident Trump berichtet, dass im Rahmen einer von ihm persönlich angeordneten Operation ein Boot der venezolanischen „
           &#xD;
      &lt;i&gt;&#xD;
        
            Tren de Aragua narcoterrorists
           &#xD;
      &lt;/i&gt;&#xD;
      
           “ versenkt worden sei. Am 8. Oktober hatte der Senat mit knapper Mehrheit (48:51) eine Resolution abgewiesen die verlangte, dass militärische Einsätze gegen „
           &#xD;
      &lt;i&gt;&#xD;
        
            narcoterrorists
           &#xD;
      &lt;/i&gt;&#xD;
      
           “ vom Kongress genehmigt werden müssten (orf.at/stories/3408760). Zumeist wurden keine Beweise vorgelegt, dass es sich tatsächlich um Drogentransporte handelte – diese wurden ja, sofern vorhanden, beim tödlichen Beschuss vernichtet. Der UNO Hochkommissar für Menschenrechte, Volker Türk, bezeichnet das Vorgehen als völkerrechtswidrig. Der UNO Sonderberichterstatter für Terrorismus und Menschenrechte, der australische Völkerrechtler Prof. Ben Saul, spricht von Mord, weil von diesen Booten weder eine terroristische Bedrohung für die USA ausgehe noch Krieg herrsche, also auch kein Kriegsverbrechen vorliege.
          &#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      
           In der Nacht vom 2. auf den 3. Januar wurde im Zuge einer Militäroperation mit 150 Flugzeugen und über 100 Todesopfern der venezolanische Machthaber Nicolás Maduro entführt. Eine drogenpolitische Begründung für dieses Vorgehen scheint nicht nur deswegen absurd, weil erst im Dezember der honduranische Expräsident Juan Orlando Hernández von Präsident Trump begnadigt und freigelassen wurde, der im März 2024 von einem New Yorker Gericht wegen Drogenhandels und Waffenvergehen zu 45 Jahren Gefängnis verurteilt worden war.
          &#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      
           Die USA sind nach wie vor ein Markt für Kokain, doch die Hauptprobleme haben sie heute mit Opioiden wie Fentanyl. Beides gelangt überwiegend von Mexiko aus über ihre Grenze. Venezuela spielt eine Rolle als Transitland für Kokain aus Kolumbien – insbesondere auf dem Weg nach Europa. Von einer geschätzten Gesamtproduktion von 3.708 Tonnen entfallen auf Kolumbien etwa 2.500 Tonnen, wovon nach Schätzung von Experten maximal 200 bis 250 Tonnen durch Venezuela gehen und davon wiederum 10 Prozent nach Norden Richtung USA. Die verbleibenden 90 Prozent gehen demnach über den 10. Breitengrad (die Fahnder sprechen von
           &#xD;
      &lt;i&gt;&#xD;
        
            highway number 10
           &#xD;
      &lt;/i&gt;&#xD;
      
           ) nach Westafrika und weiter nach Europa oder gleich direkt dorthin. Eine Besatzung tatsächlicher Drogenboote, die ihre Fracht häufig in einem ersten Schritt nach Trinidad and Tobago bringen, besteht durchschnittlich aus fünf Männern, die dafür vielleicht je 300 USD pro Überfahrt erhalten. Mit ihrer Tötung verzichtet man auf Verhaftung, Beweisaufnahme und Gerichtsverfahren – und damit auch auf Informationen über Drahtzieher und Hintermänner. Angeblich weiß man ja ohnehin schon alles. „Law enforcement“ bringe nichts, sagte Außenminister Marco Rubio auf einer Pressekonferenz dazu: „You have to blow them up“. Das entspricht – etwas zugespitzt – ziemlich genau dem Denken der Protagonisten des „
           &#xD;
      &lt;i&gt;&#xD;
        
            War on Drugs
           &#xD;
      &lt;/i&gt;&#xD;
      
           “ in den 1980er Jahren im Kongress. Damals wie heute wird solcherlei Vorgehen an den Drogenproblemen in den Vereinigten Staaten rein gar nichts ändern, aber durch die militärische Kontrolle der Karibik vielleicht den Sturz unbotmäßiger Regierungen dort erlauben.
          &#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      
           © Robert Lessmann
          &#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      
           Biermann, Kai: „Die zynischen Regeln des Drohnenkriegs“ in: DIE ZEIT, 16.10.2025
          &#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      
           Lessmann, Robert: „Der Drogenkrieg in den Anden“, Wiesbaden, 2016
          &#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      
           Lessmann, Robert: „Amazoniens Unterwelt“,26.11.2025 in diesem Blog
          &#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      
           UNODC jeweils World Drug Report entsprechend der angegebenen Jahre.
          &#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      
           Foto: © Robert Lessmann. So stellte man sich die Drogenbekämpfung in Lateinamerika vor. Denkmal in der Basis „Chimoré“ der UMOPAR im bolivianischen Kokaanbaugebiet Chapare. Die
           &#xD;
      &lt;i&gt;&#xD;
        
            Unidad Movil de Patrullaje Rural
           &#xD;
      &lt;/i&gt;&#xD;
      
           wurde ab 1986 auf US-Initiative geschaffen, trainiert und ausgerüstet. Schon damals fragte man sich, wozu eine solche Kaserne eine zweieinhalb Kilometer lange Landepiste brauche, die auch für große Transportmaschinen geeignet ist.
          &#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Wed, 11 Feb 2026 17:01:34 GMT</pubDate>
      <guid>https://www.robert-lessmann.com/9-lateinamerikagesprache-hofgeismar-lateinamerika-und-die-internationale-drogenpolitik</guid>
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        <media:description>main image</media:description>
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    </item>
    <item>
      <title>US  National Security Strategy: Von der Monroe - zur Donroe Doktrin</title>
      <link>https://www.robert-lessmann.com/us-national-security-strategy-von-der-monroe-zur-donroe-doktrin</link>
      <description />
      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
         Seit ihrer Veröffentlichung am 4. Dezember wird Donald Trumps
         &#xD;
  &lt;i&gt;&#xD;
    
          National Security Strategy
         &#xD;
  &lt;/i&gt;&#xD;
  
         in Europa beleidigt kommentiert. Ob man sie auch gelesen hat? Besonders der Abschnitt zu Lateinamerika, der mit "Western Hemisphere: The Trump Corollary to the Monroe Doctrine" überschrieben ist, hat es in sich.
        &#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/s/4e3a91da2fa849afa260009be23256a9/dms3rep/multi/Screenshot+2025-12-14+130729.png"/&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  
         Aus europäischer Sicht mag man darüber spekulieren, ob der Zeitpunkt der Veröffentlichung der Trumpschen
         &#xD;
  &lt;i&gt;&#xD;
    
          National Security Strategy
         &#xD;
  &lt;/i&gt;&#xD;
  
         am 4.12. mit der dreistelligen Millionenstrafe gegen Elon Musks Plattform X (verkündet am 5.12.) durch die Europäische Union zu tun hat. Eine ähnliche Strafe hat es ja bereits im September gegen Google gegeben. Weitere Verfahren gegen US Tech-Giganten – eine Kapitalfraktion, deren Eigentümer zu den reichsten Männern der Welt und den wichtigsten Unterstützern von
         &#xD;
  &lt;i&gt;&#xD;
    
          The Donald
         &#xD;
  &lt;/i&gt;&#xD;
  
         gehören – sind in Brüssel anhängig. Vorwürfe über Einschränkungen der Meinungsfreiheit und der Demokratie werden als Umkehr der Tatsachen wahrgenommen und zurückgewiesen, denn sie finden ja gerade unter der Trump-Regierung statt sowie bei deren besonders engen Freunden in Europa. Eine Überempfindlichkeit angesichts der globalen Reichweite des gesamten Papiers einerseits und seiner begrenzten praktisch-politischen Bedeutung als Richtschnur andererseits?
         &#xD;
  &lt;i&gt;&#xD;
    
          National Security Strategies
         &#xD;
  &lt;/i&gt;&#xD;
  
         hat es schon viele gegeben: G.W. Bush 2002 und 2006, Obama 2010 und 2015, Trump I 2017, Biden 2021 und 2022. Eine zunehmende Häufigkeit im 21. Jahrhundert mag mit der Volatilität der Weltlage zusammenhängen. Die vorliegende
         &#xD;
  &lt;i&gt;&#xD;
    
          Strategy
         &#xD;
  &lt;/i&gt;&#xD;
  
         ist mit 33 Seiten – inklusive Deckblatt und Vorwort – vergleichsweise sehr kurz und pamphlethaft.
         &#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Seit dem unverschämten Auftritt von Vizepräsident Vance auf der Münchener Sicherheitskonferenz im Februar sind die Vorwürfe an Europa ja hinlänglich bekannt. Nun hat man es auch noch schwarz auf weiß. Von wirtschaftlichem Niedergang, dem Verlust von Selbstvertrauen und der "starken Gefahr einer zivilisatorischen Auslöschung“ ist da die Rede. Es sei fraglich, ob Europa ein verlässlicher Verbündeter bleibe. Im Zentrum der Kritik steht in der Tat die Europäische Union mit ihrer Regulierungswut sowie multilaterale Regulierungen überhaupt:
          &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           „The larger issues facing Europe include activities of the European Union and other transnational bodies that undermine political liberty and sovereignty, migration policies that are transforming the continent and creating strife.“
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
          Schon einleitend heißt es unter ‚Prinzipien‘:
          &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           „We will oppose elite-driven, anti-democratic restrictions of core liberties in Europe, the Anglosphere, and the rest of the democratic world, especially among our allies.“
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
          Und:
          &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           „We reject the disastrous ‚climate change‘ and ‚Net Zero‘ ideologies that have so greatly harmed Europe, threaten the United States, and subsidize our adversaries.“
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
          Eine Scheidungsurkunde also, wie manche Kommentatoren meinen? Schlimmer! Ein Adoptionsangebot, verbunden mit einer Kriegserklärung gegen universelle Werte wie Menschenrechte, Gewaltenteilung, Demokratie und Rechtsstaat sowie ihre multilateralen Wächter.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Europa: „Promoting European Greatness“ 
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Nach allgemeinen Darlegungen zu Zielen, Prinzipien, Strategien und Werkzeugen folgen in der zweiten Hälfte des Papiers die Weltregionen. Der Abschnitt zu Europa ist mit ‚Förderung seiner Größe‘ überschrieben, was wohl nicht als Ausdehnung des Gebiets zu verstehen ist, sondern im Sinne von Großartigkeit. Europa bleibe
          &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           „strategically and culturally vital to the United States“
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
          . Europa abzuschreiben wäre selbstzerstörerisch. Und:
          &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           „…the growing influence of patriotic European parties indeed gives cause of great optimism.“
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
          Elon Musks offensive Parteinahme für die deutsche AfD im Wahlkampf kommt da in Erinnerung. Angestrebt ist demnach eine Partnerschaft mit einem Europa der Orbans und Ficos, der AfD und der FPÖ, der PiS, der VOX und des Rassemblement National. Übrigens: Russland wird nur in zwei Absätzen mit seinem Verhältnis zu Europa erwähnt, ansonsten in der ganzen Strategie nicht. In der Tat steht Putin weltanschaulich und gesellschaftspolitisch Trump ja näher als etwa Macron, Starmer oder Sánchez. Beider Denken geht mitunter hinter die Aufklärung zurück. Russland erscheint als wirtschaftlich irrelevant und als keine strategische Bedrohung wahrgenommen zu werden. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Die Vision: Eine Welt souveräner Nationalstaaten unter einem starken Führer
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Auch ansonsten gibt es große Übereinstimmungen in Weltsicht und Selbstbild, angefangen mit der Selbstüberhöhung. Idealbild ist, ähnlich wie bei den Identitären, eine Welt souveräner und kulturell homogener Nationen, die konkurrieren und kooperieren, frei von supranationalen Regulierungen und nach dem Gesetz des Stärkeren. Eine solche Ordnung der Welt sei gottgegeben, Multilateralismus erscheint implizit quasi als Teufelswerk. Die gesamte Strategie ist vom Gedanken an eine natur- oder gottgegebene Überlegenheit der USA als
          &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           gods own country
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
          oder
          &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           manifest destiny
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
          durchtränkt, die teilweise wiederhergestellt werden müsse. An verschiedenen Stellen beruft sie sich auf Gott. Noch häufiger erscheint der Name Trump.
          &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           „Over the past nine months, we have brought our nation – and the world – back from the brink of catastrophe and disaster. After four years of weakness, extremism, and deadly failures, my administration has moved with urgency and historic speed to restore American strength at home and abroad, and bring peace and stability to our world.
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           No administration in history has achieved so dramatic a turnaround in so short a time. (…)
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           „America is strong and respected again – and because of that, we are making peace all over the world.“
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
          So messianisch beginnt das Vorwort des Präsidenten.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Von Russland war bereits die Rede. Einen weiteren Hinweis auf geopolitische Gewichtungen gibt die Länge der jeweiligen Kapitel, wobei Europa mit zweieinhalb Seiten nach Asien und Lateinamerika erst an dritter Stelle kommt, vor Nahost mit zwei und Afrika mit einer halben Seite. Der Nahe Osten erscheint als eine von der Trump-Administration weithin befriedete Region, wo auf der arabischen Halbinsel exzellente Geschäfte winken. Die Rede ist tatsächlich von Frieden, nicht von einem fragilen Waffenstillstand, der täglich gebrochen wird und Todesopfer fordert. Die jeweiligen Regierungs- und Gesellschaftssysteme und ihre Entwicklung solle man dort sich selbst überlassen – im Gegensatz zu Lateinamerika, aber dazu später. Reformen könne man freilich begrüßen. Das gilt auch für die Menschenrechte und offenbar auch für Herrscher, die kritische Journalisten foltern und ermorden lassen. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Als geopolitischer roter Faden zieht sich die Eindämmung Chinas durch das ganze Dokument, nicht zuletzt durch das mit sechs Seiten längste, das Asienkapitel. Hier geht es um Marktanteile, legitimen oder unlauteren Wettbewerb und in geostrategischer Hinsicht um die freie Schifffahrt nicht nur im Südchinesischen Meer und um Taiwan, wobei auch hier die Verbündeten einen größeren Eigenbeitrag leisten müssten. Als solche werden ausdrücklich Europa, Japan, Korea, Australien, Kanada und Mexiko genannt. Indien solle hinzugewonnen werden. Um die Zurückdrängung Chinas geht es auch im zweitlängsten Kapitel, dem zu Lateinamerika:
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           „Western Hemisphere: The Trump Corollary to the Monroe Doctrine“
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Die Überschrift lässt keinen Zweifel daran, worum es geht. Die Monroe-Doktrin aus dem Jahr 1823 definierte Lateinamerika als exklusive Einflusszone der USA und war – keine fünfzig Jahre nach der eigenen Unabhängigkeitserklärung – gegen die europäischen Kolonialmächte gerichtet. Mit der Roosevelt-Corollary (Zusatz) von 1904 behielt sich Washington eine Schiedsrichterrolle bei inneramerikanischen Konflikten und ein exklusives Interventionsrecht vor, wie es bereits in der ersten Verfassung Kubas von 1902 festgeschrieben worden war, das nach dem Sieg im Spanisch-Amerikanischen Krieg den USA zugefallen war.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Die Überschrift des Lateinamerika-Kapitels unterstreicht, dass man an diese Tradition anknüpfen will, die nach dem Zweiten Weltkrieg ihre Fortsetzung in der
          &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           containment policy
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
          fand, der Eindämmung des „Kommunismus“ - und nach der Revolution von 1959 vor allem Kubas. Unter Marco Rubio, dem Außenminister mit kubanischen Wurzeln, geht es mit anderen Begrifflichkeiten weiterhin darum, vordergründig jedoch um Sicherheit. Nicht im Sinne einer Invasion fremder Truppen über die südliche Landesgrenze, sondern um Migration und Drogen. Darüber hinaus und vor allen Dingen aber geht es um die Zurückdrängung Chinas, den Zugriff auf Rohstoffe und die Schwächung unliebsamer Regierungen, die diesen erschweren.
          &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           „After years of neglect, the United States will reassert and enforce the Monroe Doctrine to restore American preeminence in the Western Hemisphere, and to protect our homeland and our access to key geographies throughout the region. We will deny non-Hemispheric competitors the ability to position forces or other threatening capabilities, or to own or control strategically vital assets, in our Hemisphere. This ‚Trump Corollary‘ to the Monroe Doctrine is a common-sense and potent restoration of American power and priorities, consistent with American security interests.“
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Dass auswärtige Wettbewerber, zum wirtschaftlichen und strategischen Nachteil der USA, bedeutenden Zutritt zur Region gewinnen konnten, ohne dass sie ernsthaft zurückgedrängt wurden, sei ein großer strategischer Fehler gewesen.
          &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           „The terms of our alliances, and the terms upon which we provide any kind of aid must be contingent on winding down adversarial outside influence – from control of military installations, ports, and key infrastructure to the purchase of strategic assets broadly defined.“
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
          Die Botschaften der USA sollen sich der Förderung von Geschäftskontakten widmen.
          &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           „At the same time, we should make every effort to push out foreign companies that build infrastructure in the region.“
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
          Das bezieht sich wohl insbesondere auf den neuen Megahafen in Chancay bei Lima in Peru, der von der chinesischen COSCO gebaut und unlängst eröffnet wurde.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Die USA wollen Partner „erster Wahl“ sein …
          &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           „and will (through various means) discourage their collaboration with others.“
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
          Die Länder der Hemisphäre hätten die Wahl zwischen einer
          &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           „American-led world of souvereign countries and free economies or a parallel one in which they are influenced by countries on the other side of the world.“
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Unter anderem solle auch die Militärpräsenz überdacht werden, was bedeute:
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           „A readjustment of our global military presence to adress urgent threats in our Hemisphere, especially the missions identified in this strategy, and away from theaters whose relative import to American national security has declined in recent decades or years." 
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
          (Anm. R.L.: siehe die Verlegung der USS Gerald Ford, des größten US Flugzeugträgers, vom Mittelmeer in die Karibik.)
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          (…)
          &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           „Targeted deployments to secure the border and defeat cartels, including where necessary the use of lethal force to replace the failed law enforcement -only strategy of the last several decades; and
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           Establishing or expanding access in startegically important locations.“
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Bereits im einleitenden Teil des Strategiepapiers wird unter ‚Prinzipien‘ deutlich gemacht, dass zwar die Gründerväter in der Unabhängigkeitserklärung den Vorzug für Interventionsverzicht niedergelegt hätten. Aber:
          &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           „For a country, whose interests are numerous and diverse as ours, rigid adherence to non-interventionism is not possible.“
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
           
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Die ersten Monate der Trump-Administration gaben reichlich Beispiele dafür, wie man sich das in der Praxis vorzustellen hat: Vom Druck auf die Regierung Panamas, weil ein chinesisches Unternehmen den Ausgang des Panama-Kanals kontrolliere;
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          über Interventionsdrohungen gegen die Regierung Claudia Sheinbaum in Mexiko, damit diese Grenzkontrollen und Drogenbekämpfung intensivieren und militarisieren solle;
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          zu Bestrebungen, den Luftwaffenstützpunkt Manta in Ecuador wieder zu nutzen (was bei einem Referendum von der Wählerschaft zurückgewiesen wurde);
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          über die flagranten Einmischungen in die brasilianische Justiz im Fall des Putschisten Jair Bolsonaro und in die Wahlen in Honduras;
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          bis zum beispiellosen Militäraufmarsch vor der Küste Venezuelas und der Versenkung angeblicher Drogenschnellboote auf offener See, die rein gar nichts zur Linderung der Drogenprobleme in den USA beitragen wird.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Letztere bezeichnet der UNO Hochkommissar für Menschenrechte als völkerrechtswidrig und der UN Sonderberichterstatter für Menschenrechte und Terrorismus, der australische Völkerrechtler Professor Ben Saul, spricht von Mord, weil weder eine militärische, noch eine terroristische Bedrohung und schon gar kein Krieg – also auch kein Kriegsverbrechen – vorliege. „Legalität ist eine Machtfrage“ hat Ulrike Meinhof gesagt. Ist es zulässig, eine Terroristin zu zitieren? Vielleicht, wenn es um Terrorismus geht, um die Frage, ob es sich – wie von der Trump-Administration behauptet – um „Narcoterrorismus“ handelt oder um „Staatsterrorismus“.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Es muss nicht wirklich verwundern, wenn bei schwierigeren Bedingungen für die Kapitalakkumulation, schärferer Weltmarktkonkurrenz, knappen Rohstoffen und multiplen Krisen Vernunft und gute Sitten über Bord geworfen werden, wenn bellizistische Rhetorik üblich wird, wenn Völker- und Menschenrecht dem Feuilleton überlassen bleiben. Bemerkenswert ist, dass es sich im vorliegenden Papier vielfach um die pseudo-konzeptionelle Untermauerung der realen politischen Praxis handelt, statt um eine Strategie für die Zukunft. Mehr als alles andere wird die Großartigkeit der Vereinigten Staaten und ihres aktuellen Präsidenten beschworen.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Anders als im vorliegenden Dokument stehen sich im realen Leben nicht einfach Nationalstaaten gegenüber. Noch gibt es auch in den Vereinigten Staaten eine Opposition, zivilgesellschaftliche Organisationen, unterschiedliche veröffentlichte Meinungen. Der diesseits des Atlantiks üblich gewordene Kotau gegenüber Trump und seiner Regierung ist nicht einfach nur peinlich. Er lässt ihn zuhause erfolgreich dastehen und stärkt ihm den Rücken gegenüber seinen Kritikern.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Ob die Lateinamerikaner – Progressisten oder Konservative – von der ihnen zugedachten Rolle als Arena des Ringens zweier Großmächte oder schlicht als Untergebene begeistert sein werden? Bisher gibt es kaum Reaktionen. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Interessant ist ferner, was nicht in der Strategie steht: Von einer Einverleibung Kanadas ist so wenig die Rede wie vom Kauf Grönlands. Übrigens: Es gibt auch durchaus richtige Wahrnehmungen und bedenkenswerte Einschätzungen in dem Dokument, das einmal mehr Einblick in die Denkweise seiner Väter gibt. Die darin zum Ausdruck gebrachte Weltsicht ist gefährlich anachronistisch.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          https://www.whitehouse.gov/up-content/uploads/2025/2025-National-Security-Strategy.pdf
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Fri, 19 Dec 2025 16:09:33 GMT</pubDate>
      <guid>https://www.robert-lessmann.com/us-national-security-strategy-von-der-monroe-zur-donroe-doktrin</guid>
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    </item>
    <item>
      <title>Bolivien: Rolle rückwärts?</title>
      <link>https://www.robert-lessmann.com/bolivien-rolle-rueckwaerts</link>
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      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
         Die Amtsübernahme durch Rodrigo Paz Pereira, den 68. Präsidenten Boliviens am, 8. November, stellt für nahezu alle Beobachter eine „Zeitenwende“ nach zwei Jahrzehnten der Regierung des
         &#xD;
  &lt;i&gt;&#xD;
    
          Movimiento al Socialismo
         &#xD;
  &lt;/i&gt;&#xD;
  
         (MAS) dar. Seine Christdemokratische Partei (PDC) ist freilich ein Wahlverein ohne Programm und Basis. Wohin die Reise geht, bleibt abzuwarten. Nach einem Wahlkampf, der von persönlichen Anfeindungen und Inhaltsleere geprägt war, sind allenfalls einige Wegweiser zu erkennen. Im Vordergrund steht die Aufgabe, das Land aus einer akuten Wirtschaftskrise zu führen. Die politischen Rahmenbedingungen laden nicht zur Zuversicht ein. Bolivien könnten weiter schwierige Jahre bevorstehen.
        &#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/s/4e3a91da2fa849afa260009be23256a9/dms3rep/multi/DSC00900.JPG"/&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  
         Der Wahlsieg war mit 54:45 Prozent in der Stichwahl ebenso überzeugend wie insgesamt überraschend. Rodrigo Paz Pereira ist auf der großen politischen Bühne seines Landes ein Newcomer. Vor den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen vom 17. August hatte ihn kaum jemand auf der Rechnung. Seine politische Karriere begann er im Jahr 2002 als Abgeordneter des
         &#xD;
  &lt;i&gt;&#xD;
    
          Movimiento de la Izquierda Revolucionaria
         &#xD;
  &lt;/i&gt;&#xD;
  
         (Bewegung der Revolutionären Linken - MIR), das sein Vater, Jaime Paz Zamora (später 60. Präsident von 1989 bis 1993), im Jahr 1971 während der Zeit der Militärdiktaturen im chilenischen Exil mitbegründete. Zwischen 2015 und 2020 war Paz Pereira Bürgermeister seiner Heimatstadt Tarija und ab 2020 Senator von Carlos D. Mesas
         &#xD;
  &lt;i&gt;&#xD;
    
          Comunidad Ciudadana
         &#xD;
  &lt;/i&gt;&#xD;
  
         . Nun gewann er auf dem Ticket der bisher bedeutungslosen Christdemokratischen Partei (PDC) zunächst mit 32,06 Prozent der Stimmen vor dem zweiten Jorge „Tuto“ Quiroga (
         &#xD;
  &lt;i&gt;&#xD;
    
          Libre
         &#xD;
  &lt;/i&gt;&#xD;
  
         ) mit 26,7 Prozent. Die Linke, die mit dem
         &#xD;
  &lt;i&gt;&#xD;
    
          Movimiento al Socialismo
         &#xD;
  &lt;/i&gt;&#xD;
  
         (MAS) in den letzten zwei Jahrzehnten seit 2005 stets absolute Mehrheiten erzielt hatte, ist zersplittert und in die Bedeutungslosigkeit gerutscht. (Wir berichteten in diesem Blog: "Bolivien: Totalschaden für die Linke" und frühere Beiträge.)
         &#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Das heißt auch: Im Parlament wird sich die neue Regierung Mehrheiten suchen müssen. Der ursprünglich favorisierte Unternehmer Samuel Doria Medina (
          &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           Unidad
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
          ), der unter Vater Jaime Paz einmal Minister war, landete auf dem dritten Platz und hat bereits seine Bereitschaft zur Zusammenarbeit erklärt. Ebenso wie der in Umfragen vor der Stichwahl ebenfalls favorisierte klare Verlierer „Tuto“ Quiroga (54:45 Prozent). Alle drei „Parteien“ sind rechts der Mitte zu verorten. Zusammen kämen sie sogar auf eine Zweidrittelmehrheit. In der Vergangenheit hatte bei Bedarf die US-Botschaft solche Allianzen geschmiedet.
          &#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      &lt;b&gt;&#xD;
        
            „Kapitalismus für alle…“
           &#xD;
      &lt;/b&gt;&#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      
           …lautet Paz‘ Versprechen. Bolivien ist ein Land ohne Kapitalisten (sprich: unternehmerische Tradition). Bis 1952 beherrschten drei Zinnbarone die wirtschaftlichen und politischen Geschicke. Nach der Revolution von 1952/53 folgte eine Periode des Staatskapitalismus, die politisch unter anderem deshalb scheiterte, weil sich mit Víctor Paz Estenssoro, Hernán Siles Suazo, Walter Guevara Arce und Juan Lechín mehrere Caudillos um die Kontrolle des regierenden
           &#xD;
      &lt;i&gt;&#xD;
        
            Movimiento Nacionalista Revolucionario
           &#xD;
      &lt;/i&gt;&#xD;
      
           (MNR) stritten. Eine Parallele zur Aktualität: Um die MAS und ihr Erbe stritten sich vor ihrem Niedergang Luis Arce, Evo Morales, Andrónico Rodríguez und Eduardo del Castillo. Seinerzeit folgten von 1964 bis 1982 lange Jahre teilweise blutiger Militärdiktaturen. Der Staatskapitalismus dauerte an.
          &#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      
           Ihm folgte ab 1982 eine gewählte Linksregierung, die 1986 an einer Hyperinflation zerbrach. Der Führer der Revolution von 1952, Víctor Paz Estenssoro, gewann die Wahlen und leitete eine neoliberale Strukturanpassung nach Vorgaben des IWF ein, die bei hohen sozialen Kosten makroökonomische Stabilisierung brachte. Für die maroden Staatsbetriebe wollte sich aber fast ein Jahrzehnt lang kein Käufer finden, bis sie in der ersten Hälfte der 1990er Jahre zu Sonderkonditionen überwiegend an ausländische Investoren verhökert wurden. Bolivien wurde zum Aid Regime, ausländische „Entwicklungshilfe“ zum Akkumulationsersatz. Das interne Steueraufkommen reichte oft nicht einmal aus, um die Staatsbediensteten zu bezahlen. Ein Jahrzehnt später war das Modell gescheitert und die MAS übernahm im Januar 2006 nach einem Erdrutschsieg das Ruder.
          &#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      
           Das Wirtschaftsmodell soll heute also weniger staatszentriert sein und mehr auf Marktwirtschaft und Privatinvestitionen setzen. Vor allem aber wird es auf Auslandsfinanzierung angewiesen sein. In der Ministerriege fallen erfahrene Technokraten auf. Einige haben für die Vereinten Nationen gearbeitet, andere waren vor 2006 schon einmal Minister. Die Umstellung dürfte weniger rabiat erfolgen als unter der selbsternannten Interimsregierung, die nach der Machtergreifung der Rechten im November 2019 ein Jahr lang nach Kräften versuchte, das Rad der Geschichte zurückzudrehen, oder auch unter Quiroga, der bereits unter dem Exdiktator Hugo Banzer (1997-2001) einmal als Vizepräsident und nach dessen Krebstod ein Jahr lang bis 2002 auch als Präsident einen strikt neoliberalen Kurs fuhr.
          &#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      
           Leicht wird es nicht werden. Die Kassen sind leer und das Land leidet seit Monaten unter Treibstoff- sowie Devisenknappheit. Gleich am Tag nach der Amtseinführung konnte der neue Präsident einen Lkw-Konvoi mit hunderten von Zisternen voll Treibstoff begrüßen. Erinnerungen an Chile 1973 drängen sich auf. Eine erste Auslandsreise hatte den designierten Präsidenten schon vorher nach Washington geführt, von wo er Kreditzusagen (die Rede ist von sechs Milliarden US-Dollar) mitbrachte sowie eine Vereinbarung, umgehend wieder diplomatische Beziehungen auf Botschafterebene aufzunehmen. Zur Erinnerung: Präsident Morales hatte diese nach dem Zivilputsch vom September 2008 abgebrochen; zur Jahrtausendwende entsprachen ausländische „Entwicklungshilfen“ jeweils etwa zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Zur Amtseinführung waren Vertreter Nicaraguas, Venezuelas, Kubas und des Iran ausdrücklich nicht eingeladen. Ein deutliches Zeichen für den Kurswechsel in der Außenpolitik.
          &#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      &lt;b&gt;&#xD;
        
            Ohne Basis, Programm und Struktur
           &#xD;
      &lt;/b&gt;&#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      
           Die PDC ist eine Partei ohne Programm und ohne Basis. Ein Blick auf die politische Landkarte zeigt aber ein Spiegelbild der bisherigen Polarisierung. Paz gewann die Stichwahl in sechs von neun Departements (in La Paz, Cochabamba, Potosí und Oruro mit mehr als 60 Prozent). Quiroga gewann in den Tieflanddepartements Santa Cruz und Beni; nahezu gleichauf lagen beide in Tarija. Darin zeigt sich noch einmal die Tragik des politischen Versagens der MAS. Deren frühere Wählerinnen und Wähler im Hochland entschieden sich nun doch eher für die moderate Rechte, zumal der Vizepräsidentschaftskandidat von
           &#xD;
      &lt;i&gt;&#xD;
        
            Libre
           &#xD;
      &lt;/i&gt;&#xD;
      
           , Juan Pablo Velasco, wiederholt durch rassistische Äußerungen aufgefallen war. 
          &#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      
           Damit ist nicht gesagt, dass die neue Regierung auch auf die Wünsche und Bedürfnisse ihrer Wählerklientel eingehen wird. Bei der konnte nicht zuletzt der nunmehrige Vizepräsident Edmand Lara punkten, ein Polizist, der aus dem Dienst entlassen worden war, nachdem er Polizeikorruption angeprangert hatte. Der erklärte Bewunderer des salvadorianschen Präsidenten Nayib Bukele erwarb sich so einen Ruf als unbestechlicher Korruptionsbekämpfer und besticht selbst durch fleißiges Posten populistischer Äußerungen auf TikTok. Seinen Amtseid legte er in Polizeiuniform ab. Es gibt Beobachter die meinen, mit ihm als Spitzenkandidat hätte die PDC im ersten Wahlgang eine absolute Mehrheit erreichen können. Dementsprechend fällt Lara durch großes Selbstbewusstsein und Ambitionen auf, beklagt mangelnde Kommunikation von Paz mit ihm und betont bei jeder Gelegenheit, er würde in der Regierung nicht fünftes Rad am Wagen sein. Möglich, dass Lara sich als stärkste Oppositionskraft in der eigenen Regierung herausstellt. Übrigens: Laras Frau wurde – wie Quirogas Schwester – schon im ersten Wahlgang auf einem sicheren Listenplatz Abgeordnete.
          &#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      
           Kapitalismus für alle, das Versprechen dürfte sich neben ausländischen Investoren vielleicht noch für eine neue Mestizo-Bourgeoisie erfüllen, die gestärkt aus dem
           &#xD;
      &lt;i&gt;&#xD;
        
            proceso de cambio
           &#xD;
      &lt;/i&gt;&#xD;
      
           der MAS-Jahre hervorgegangen ist. Sie sorgt sich um ihr kürzlich erworbenes Vermögen, scheut staatliche Kontrolle und Interventionismus, möchte aber auch nicht gänzlich auf Regulierung verzichten. Die Umverteilungspolitik der MAS beruhte auf dem Export von Erdgas und Erdöl, auf Extraktivismus, und war von der Preisentwicklung auf den Weltmärkten abhängig. Die Erschließung neuer Quellen hatte man vernachlässigt, auf Diversifizierung lange verzichtet. Obwohl Bolivien wahrscheinlich auf den weltweit größten Lithiumvorkommen sitzt und man von Anfang an gute Konzepte hatte – nicht nur den Rohstoff wollte man exportieren, sondern zumindest Batterien – ist auch dabei nichts Zählbares weitergegangen. Nachdem sich die Europäer 2019 selbst aus der Poleposition geschossen hatten, auch nicht mit zuletzt chinesischen und russischen Partnern. 
          &#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      
           Die Herausforderungen sind groß. Der informelle Sektor ist weiter angewachsen. 85 Prozent der Menschen sollen ganz oder teilweise auf ihn angewiesen sein. Das Budgetdefizit lag 2024 bei 10,62 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Jährlich wiederkehrende Großfeuer und die Vergiftung von Flüssen durch Goldsucher stellen große ökologische Herausforderungen dar. Ob es gelingt, den Kokainhandel weiterhin einzudämmen, ist eine Frage. Hier wird derzeit heiß über eine mögliche Rückkehr der
           &#xD;
      &lt;i&gt;&#xD;
        
            Drug Enforcement Administration
           &#xD;
      &lt;/i&gt;&#xD;
      
           (DEA) diskutiert, die aus Gründen der nationalen Souveränität von Morales zusammen mit der US-Botschaft des Landes verwiesen worden war.
          &#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      
           Schließlich stehen Fragen der gesellschaftlichen und staatlichen Verfasstheit an: Im zweiten Kabinett Morales gab es einmal Geschlechterparität. Darüber hinaus ist so wenig passiert wie beim Umweltschutz – den "Rechten der Pachamama“. Feminizide sind an der Tagesordnung. Die öffentliche Sicherheit ist generell ein wachsendes Problem, das Gefängniswesen katastrophal. Fälle indigener Autonomien lassen sich, anderthalb Jahrzehnte nachdem sie vielbeachtetes Novum in der neuen Verfassung waren, an den Fingern einer Hand abzählen. Immerhin: Im Gegensatz zu politischen Gegnern wie Quiroga steht Rodrigo Paz zu Bolivien als plurinationalem Staat, wie er in der Verfassung von 2009 verankert ist, und nicht für eine Rückkehr zur Republik, die stets
           &#xD;
      &lt;i&gt;&#xD;
        
            excluyente
           &#xD;
      &lt;/i&gt;&#xD;
      
           und diskriminierend war.
          &#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      
           Schon in der Woche nach der Amtseinführung wurde ein Dialog mit der Justiz gestartet. Deren erbärmlicher Zustand war mit unterschiedlichen Urteilen zum passiven Wahlrecht von Morales, je nach Maßgabe der jeweiligen Machtverhältnisse, unübersehbar geworden und erreichte bereits in der Woche nach den Wahlen mit der Einstellung von Verfahren sowie der Freilassung von Beschuldigten im Zusammenhang mit den Ereignissen vom November 2019 seinen Höhepunkt. Zuletzt wurde auch die „Interimspräsidentin“ Jeanine Añez freigelassen, die den Sicherheitskräften per Dekret Straffreiheit zugesichert hatte. Im nunmehr eingestellten Verfahren ging es unter anderem um die Massaker von Sacaba (15.11.) und Senkata (19.11.) mit zusammen mehr als 20 Todesopfern. 
          &#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      
           Just während dieser Beitrag online ging, hat Präsident Paz den frischernannten Justizminister Freddy Vidovic entlassen, der eine Vorstrafe wegen Bestechung und Beihilfe zur Flucht eines Geschäftsmannes verschwiegen hatte. Vidovic war Anwalt Laras gewesen und der einzige von dessen Gefolgsleuten im Kabinett. Nur Stunden später löste Paz gleich das ganze Justizministerium auf. Ob das der richtige Weg ist?
          &#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      &lt;b&gt;&#xD;
        
            Von der Straffreiheit zur „Unterhaltsamkeit“?
           &#xD;
      &lt;/b&gt;&#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      
           Die Absolution für die formal verantwortliche Frau Añez, die von MASistas als „fotogene Barbiepuppe der Putschisten von 2019“ und „Bauernopfer“ angesehen wird, mag nach fünf Jahren gerecht erscheinen. Gingen doch aktive Täter leer aus und wichtige Drahtzieher haben bei den zurückliegenden Wahlen sogar kandidiert, während sie im Frauengefängnis von Miraflores saß.
          &#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      
           Unterdessen wurde der glücklose Amtsvorgänger Luis Arce, der inzwischen wieder Wirtschaftsvorlesungen an der UMSA (
           &#xD;
      &lt;i&gt;&#xD;
        
            Universidad Mayor de San Andrés
           &#xD;
      &lt;/i&gt;&#xD;
      
           ) gibt, von den Verwaltern des Parteikürzels MAS (die mit 3,1 Prozent der Stimmen gerade noch Parteistatus behalten durfte) aus der Partei ausgeschlossen. Ein weiteres Bauernopfer? Soll so womöglich der Weg für eine Rückkehr von Morales bereitet werden? Letzterer sitzt weiterhin unter dem Schutz seiner Getreuen in einer tropischen Palisadenfestung in seiner Hochburg, dem Kokaanbaugebiet des Chapare. Gegen ihn liegt ein Haftbefehl vor, weil er nicht zu einer gerichtlichen Anhörung erschienen ist. Ihm wird vorgeworfen, mit einer seinerzeit 15-jährigen ein Kind gezeugt zu haben. Weil ihm wiederholt minderjährige Frauen ins argentinische Exil zugeführt worden sein sollen, lautet ein weiterer Vorwurf auf Menschenhandel.
          &#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      
           Mit seinem Aufruf, aus Protest gegen die Nichtzulassung zur Kandidatur ungültig zu wählen, landete der Hauptverantwortliche für den Zerfall der MAS im ersten Wahlgang indirekt immerhin bei rund 15 Prozent, mehr als die anderen Konkurrenten auf der Linken zusammen. Während die sich weiterhin in einer Art Schockstarre zu befinden scheinen, mischt Morales mit seinem kommunalen Radio bereits wieder in der politischen Auseinandersetzung mit. Von einem „Delinquenten mit Territorium, Radiostation und Straflosigkeit“, den man stoppen müsse, sprach der Präsidentenvater Jaime Paz Zamora. Morales sprach ihm seinerseits „die Moral“ zu urteilen ab, weil er in betrunkenem Zustand einen Passanten totgefahren und seinerzeit „Ströme von Blut“ durchschwommen habe, als er 1989 mit dem Exdiktator Banzer koalierte, um den Wahlsieger „Goni“ Sánchez de Lozada auszubremsen und selbst Präsident zu werden. (Vor den Wahlen hatte Jaime Paz damals erklärt: „Von Banzer trennen uns Ströme von Blut“. „Goni“ wurde später zweimal Präsident und noch später im Exil von einem US-Gericht wegen Menschenrechtsverbrechen verurteilt.)
          &#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      
           Es verbietet sich natürlich, vom Vater auf den Sohn zu schließen. Der erklärte, man habe nicht ein Land im Stillstand übernommen, sondern eine „Kloake der Korruption“ und spricht von „veruntreuten 15 Milliarden Dollar oder mehr“. Was aus den einstmals so starken sozialen Bewegungen wird, ob sie sich erholen? Auch sie sind tief gespalten. Gerade wurde der kürzlich als Chef des mächtigen Gewerkschaftsbundes COB zurückgetretene Juan Carlos Huarachi wegen Korruptionsvorwürfen verhaftet.
          &#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      
           Damit scheinen zumindest einige Wegweiser erkennbar, wie es politisch in Bolivien weitergehen könnte, das bis 2005 fast zwei Jahrhunderte lang als instabilstes Land Lateinamerikas gegolten hatte. Rechtsradikale und Kettensägenpolitiker scheinen dem Land vorerst erspart geblieben zu sein. Doch es könnte „unterhaltsam“ werden – zumindest für unbeteiligte Beobachter.
          &#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Thu, 20 Nov 2025 20:26:27 GMT</pubDate>
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    </item>
    <item>
      <title>Flying Dutchman:  Das drogenpolitische Geisterschiff kreuzt in der Karibik</title>
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      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
         Der Drogenkrieg ist zurück. Obzwar nach Jahrzehnten zuletzt auf dem Rückzug, war er doch nie ganz verschwunden. Nun lässt Captain Trump seine Marine in der Karibik mutmaßliche Drogenschnellboote versenken. Afghanistan, Bolivien, Kolumbien, Myanmar und Venezuela werden keine „certification“ bekommen, was sich bereits abgezeichnet hatte. (Vgl. „Drogen: Kolumbien im Visier“ vom 29.7.2025 in diesem Blog).
        &#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/s/4e3a91da2fa849afa260009be23256a9/dms3rep/multi/pirat01.webp"/&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  
         Während die eigentliche
         &#xD;
  &lt;i&gt;&#xD;
    
          certification
         &#xD;
  &lt;/i&gt;&#xD;
  
         für drogenpolitisches Wohlverhalten erst im kommenden Frühjahr verkündet wird, ist der Grundlagenbericht dazu bereits fertig und hat insbesondere in Kolumbien Staub aufgewirbelt. Zusammen mit Afghanistan, Bolivien, Myanmar und Venezuela wird dem traditionell engsten Verbündeten der USA in Südamerika bescheinigt, dass er im zurückliegenden Jahr seinen drogenpolitischen Verpflichtungen nicht nachgekommen sei (
         &#xD;
  &lt;i&gt;&#xD;
    
          demonstrably failed
         &#xD;
  &lt;/i&gt;&#xD;
  
         wie es heißt). Präsident Gustavo Petro protestierte, hat Waffenkäufe eingefroren und beschuldigt Washington, sich in den Wahlkampf einzumischen. Die mit einer
         &#xD;
  &lt;i&gt;&#xD;
    
          decertification
         &#xD;
  &lt;/i&gt;&#xD;
  
         verbundenen Sanktionen wurden aber aus Gründen der nationalen Sicherheit ausgesetzt.
         &#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Kurios ist das Verdikt im Fall Afghanistan, das ohnehin Sanktionen unterliegt. Dort steigt zwar die Produktion von Cannabis und Amphetaminen. Der Anbau von Schlafmohn wurde im weltweit wichtigsten Ursprungsland für Heroin von den Taliban aber um 95 Prozent reduziert. Ganz im Gegensatz zu den vorangegangenen 20 Jahren westlicher Sicherheitskooperation unter Führung Washingtons, wo Schlafmohnanbau und Heroinproduktion alljährlich neue Rekordhöhen erreicht hatten. Nebenbei: Für die USA ist Afghanistan drogenpolitisch eher uninteressant. Ihre illegalen Märkte werden aus Lateinamerika beliefert, insbesondere aus Mexiko und Kolumbien.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Auf internationaler Ebene wird das alljährliche Zertifizierungsritual Washingtons schon lange nicht mehr ernst genommen. Pure Symbolpolitik also? Nicht ganz, denn für die Regierung der Vereinigten Staaten ist es ein sehr preiswertes Druckmittel. So nahm die Opposition in Kolumbien den Steilpass aus Washington vor den im Mai 2026 stattfindenden Wahlen dankbar an. Die Linksregierung Gustavo Petro würde den Ruf des Landes ruinieren und ausländische Investitionen gefährden, so etwa die Journalistin und konservative Präkandidatin Vicky Dávila. Das Weiße Haus unterstreicht darüber hinaus, dass sich die Entscheidung ausdrücklich auf die politische Führung des Landes beziehe und lobt die Fähigkeiten und den Mut der kolumbianischen Sicherheitskräfte. US-Außenminister Rubio legte noch nach und nannte Präsident Petro einen „Agenten des Chaos“, seine Politik „irrlichternd“. Zuletzt wurde ihm sogar das Einreisevisum in die USA entzogen. Das renommierte Washington Office on Latin America (WOLA) hingegen kommentierte: Die jahrzehntealte Praxis, andere Staaten durch die
          &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           certification
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
          für ihre angeblich mangelhafte Drogenpolitik zu beurteilen und zu bestrafen, sei ein antiquiertes, grobschlächtiges und kontraproduktives außenpolitisches Instrument und sollte abgeschafft werden.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Näheres zu den drogenpolitischen Fakten in Kolumbien und den Ursprüngen der
          &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           certification
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
          im vorangegangenen Beitrag „Drogen: Kolumbien im Visier“.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Kanonenbootpolitik
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Der Militäraufmarsch der USA vor der venezolanischen Küste hat inzwischen Gestalt angenommen und zu ersten Opfern geführt. Am 2. September berichtete Präsident Trump auf seinen sozialen Kanälen, im Rahmen einer von ihm selbst ausdrücklich angeordneten Operation sei ein Boot der venezolanischen „
          &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           Tren de Aragua
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
          narcoterrorists“ versenkt worden. Ein unscharfes Video zeigte, wie ein mit mehreren Personen besetztes Boot in Flammen aufgeht. Stand heute (27.9.) sollen es vier Schnellboote sein. Die Zahl der getöteten Menschen soll inzwischen bei 17 liegen. Nur im letzten Fall wurden anschließend tatsächlich Drogen aus dem Wasser gefischt. Dominikanische Sicherheitskräfte wollen 1.000 Kilogramm Kokain sichergestellt haben. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Nach internationalem Recht handelt es sich dabei jedenfalls um außergerichtliche Tötungen. Gleich der erste, am besten dokumentierte, Fall, wirft Fragen auf. Weder wurden Drogen präsentiert, noch irgendwelche Beweise vorgelegt, dass das Boot für die Organisation „
          &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           Tren de Aragua
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
          “ unterwegs war. Nach Recherchen der investigativ-journalistischen Plattformen „The Intercept“ und „InSight Crime“ war das Boot im venezolanischen Bundesstaat Sucre gestartet und hatte außergewöhnlich viele Personen an Bord. Die Rede ist von 11. Die fragliche Route werde für Schmuggelgut aller Art und auch von Migranten genutzt. Ein Versuch, das Boot zu stoppen und zu beschlagnahmen sowie die Besatzung zu verhaften, wurde nicht unternommen, obwohl es nach Darstellung des Außenministers Marco Rubio möglich gewesen wäre. Vielmehr habe es nach einem ersten Angriff umgedreht, sei dann aber durch eine Drohne weiter beschossen worden und in Flammen aufgegangen. WOLA spricht von einer Gruppenexekution auf hoher See. „Polizeiliche Fahndung bringt nichts“, sagte Marco Rubio dazu auf einer Pressekonferenz in Mexiko: „Was sie stoppen wird ist, wenn du sie in die Luft jagst.“
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Das Vorgehen ist freilich nicht neu und erinnert an die
          &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           Operation Airbridge Denial
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
          . Ab Mitte der 1990er Jahre waren nicht identifizierte Kleinflugzeuge, die im Verdacht standen, das Zwischenprodukt
          &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           Pasta Básica de Cocaína
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
          aus den Anbaugebieten in Bolivien und Peru zur Weiterverarbeitung nach Kolumbien zu transportieren, zur Landung gezwungen oder notfalls abgeschossen worden. Im April 2001 führte anscheinend ein Kommunikationsfehler zwischen dem US-Aufklärer und dem peruanischen Jäger zum Abschuss einer Cesna mit einer US-Missionarsfamilie an Bord. Zwei Menschen starben und der Congress in Washington stellte Fragen. Das Programm wurde eingestellt. Der Unterschied ist die Unilateralität: Heute sind US-amerikanische Soldaten auch am Abzug.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Zu Recht wird die Begründung kritisiert, es handle sich um eine Bedrohung der nationalen Sicherheit. Der gewinnorientierte Drogenhandel, ein kleines Schnellboot gar, soll eine Bedrohung für die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten darstellen? Dieser juristische Winkelzug – also die Definition von organisierten Verbrechern des Drogenhandels zur Terrororganisation – dient dazu, dass man nach US-Recht das Militär gegen sie einsetzen darf. Auch dies ist nicht neu. Die Administrationen der Präsidenten Bush und Obama rechtfertigten mit dem „Krieg gegen den Terror“ außergerichtliche Tötungen von Al Qaeda- und Taliban-Führern. Und Präsident Ronald Reagan argumentierte bereits zu Beginn des Jahres 1986 in einer
          &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           National Security Decision Directive
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
          , Drogen seien zu einer Bedrohung der Nationalen Sicherheit geworden. Das diente damals schon dazu, mit den Anti-Drogen-Gesetzespaketen von 1986 und 1988 das Militär in die Drogenkontrolle einzubeziehen. Zunächst an den US-Außengrenzen (
          &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           border interdiction
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
          ), dann auch in den sogenannten Produzentenländern (
          &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           going to the source
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
          ). Hohe Militärs wandten damals dagegen ein, sie seien dafür nicht ausgebildet.
          &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           Search and destroy
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
          sei ihre Aufgabe, nicht Verhaftung und Beweisaufnahme. Wenn man sich das Ausmaß der seitdem angewachsenen Drogenimporte und des Drogenkonsums vor Augen führt, so kann man nur sagen: Die Militarisierung der Drogenkontrolle war ein absoluter Holzweg mit sehr hohen Nebenkosten: Teuer, wirkungslos und mit Verletzungen von Menschenrechten sowie der nationalen Souveränität der betroffenen Länder verbunden.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Mehrere Kriegsschiffe, ein atomgetriebenes U-Boot und insgesamt 4.000 Soldaten sollen am aktuellen Aufmarsch beteiligt sein. Zehn Kampfjets wurden nach Puerto Rico verlegt, einer nach Guyana, das sich im Grenzstreit mit Venezuela befindet. Der venezolanische Präsident Maduro persönlich wird beschuldigt, in den Drogenhandel verstrickt zu sein, ohne dass dafür Beweise vorgelegt wurden. Auf ihn wurde ein Kopfgeld in Höhe von 50 Millionen US Dollar ausgesetzt. Venezuela mobilisierte seine Reservisten, und Maduro 2.500 Soldaten und 12 Kriegsschiffe zu einer Militärübung
          &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           Operation Souveräne Karibik 200
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
          , erklärte aber gleichzeitig seine Gesprächsbereitschaft. Der frühere Chef des US Southern Command, General James Stavridis, fand klare Worte: „
          &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           Gunboat diplomacy is back, and it can work
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
          .“ Die Regierungen Mexikos, Kolumbiens und Brasiliens warnten vor der Gefahr einer militärischen Konfrontation.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Der sagenhafte fliegende Holländer ist dazu verdammt, ewig die Meere zu durchsegeln ohne jemals einen Hafen (ein Ziel) zu erreichen. Die europäischen Verbündeten haben in der Vergangenheit stets alle drogenpolitischen Absurditäten Washingtons und andere außenpolitische Abenteuer (stillschweigend) mitgetragen. Kann der politische Wiedergänger und derzeitige Kapitän des Geisterschiffs auch heute darauf bauen?
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Sat, 27 Sep 2025 12:03:33 GMT</pubDate>
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      </media:content>
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      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Bolivien: Totalschaden für die Linke</title>
      <link>https://www.robert-lessmann.com/bolivien-totalschaden-fuer-die-linke</link>
      <description />
      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Die Parlaments- und Präsidentschaftswahlen vom 17. August brachten erwartungsgemäß einen Rechtsruck. Für die zersplitterte und zerstrittene Linke fällt das selbstverschuldete Fiasko noch größer aus als erwartet. Wir analysierten die Gründe für das Zerwürfnis an dieser Stelle bereits mehrfach. Nach dem vorläufigen Sieg eines vermeintlichen Newcomers bleiben – auch unabhängig vom Ausgang der Stichwahl – eine Reihe von Fragezeichen. Wie kann es weiter gehen?
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/s/4e3a91da2fa849afa260009be23256a9/dms3rep/multi/DSC06484.JPG"/&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Noch vor der Bekanntgabe des amtlichen Endergebnisses ist die Lage klar: In die Stichwahl am 19. Oktober kommen Rodrigo Paz Pereira von den Christdemokraten (PDC mit vorläufig 32,09 Prozent der Stimmen) und der Rechtskonservative Jorge „Tuto“ Quiroga (
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Libre
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           mit 26,93). Dahinter liegt auf Platz 3 der liberale Unternehmer Samuel Doria Medina (
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Unidad Nacional
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           mit 19, 92). Es folgten der vormalige MAS-Senatspräsident Andrónico Rodríguez (
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Alianza Popular
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           8,11), der Bürgermeister von Cochabamba Manfred Reyes Villa (
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Sumate
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           6.63) und der vormalige Innenminister Eduardo del Castillo (MAS, im Bild), der mit 3,14 Prozent gerade noch die Dreiprozenthürde nehmen konnte.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Bei der Stichwahl zwischen Paz und Quiroga geht es im präsidentialistischen Bolivien um das besonders wichtige Präsidentenamt. Sieht man sich die voraussichtliche Sitzverteilung im Zweikammernparlament an, fällt der Abgesang der Linken noch krasser aus: Hatte die MAS dort zuletzt nach den Wahlen von 2020 noch knapp eine Zweidrittelmehrheit verfehlt, bleiben nach heutigem Stand der Dinge noch fünf Sitze für die
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Alianza Popular
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            und einer für die MAS. Doch auch für die Wahlsieger könnte es fraglich werden, ob sich eine Mehrheit ausgeht. Eine Rechtsallianz war vor den Wahlen gescheitert. Quiroga scherte aus, weil der in Umfragen besser platzierte Doria Medina Spitzenkandidat werden sollte. Letzterer hat bereits angekündigt, in der Stichwahl Paz zu unterstützen. Doch ob eine Allianz von Christdemokraten und
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Unidad
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            hält und sichere Mehrheiten bringt? Solche wird man sich suchen müssen. Ob Stabilität das bisherige Chaos ablöst ist fraglich.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;strong&gt;&#xD;
      
           Banzerismo durch die Hintertür?
          &#xD;
    &lt;/strong&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Alle drei stehen freilich für eine Rückkehr zum Neoliberalismus. Beziehungen zu Washington dürften schnell wieder angeknüpft werden. Dass es zu Umkehrungen des Prozesses des Wandels (
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           proceso de cambio
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            ) kommt ist wahrscheinlich. Schon ist von Freilassung der „politischen Gefangenen“ die Rede. Der Zementunternehmer Samuel Doria Medina war bereits zu Beginn der 1990er Jahre Minister im Kabinett des Präsidenten Jaime Paz Zamora, dessen ursprünglich sozialdemokratisches
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Movimiento de la Izquierda Revolucionaria
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            (MIR) einen hohen Preis im Kampf gegen die Militärdiktaturen gezahlt hatte, dann aber doch mit dem Exdiktator Hugo Banzer koalierte und letztlich in Korruptionsskandalen versank. Er gilt als gemäßigt liberal. „Tuto“ Quiroga war ein knappes Jahrzehnt später nach Banzers Krebstod ein Jahr lang zum Präsident aufgerückt. Teil der damaligen Megakoalition waren auch die Christdemokraten. Hugo Banzer, Absolvent der US Army School of the Americas, hatte sich im August 1971 an die Macht geputscht und war bis Juli 1978 einer der blutigsten Militärdiktatoren. Im Juli 1997 wurde er demokratisch zum Präsidenten gewählt.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Überraschungswahlsieger Rodrigo Paz Pereira wird als Newcomer gesehen. Seine Wahl ist Ausdruck des Überdrusses mit den politischen Dinosauriern sowie Misswirtschaft und Korruption, für die man die MAS verantwortlich macht. Die Umfragen vor den Wahlen hatten ihn gar nicht auf dem Radar. Zu Fernsehdebatten war er nicht eingeladen. Ohne nennenswerte Parteiinfrastruktur war er vielmehr persönlich durch das Land getourt. „Wir sind die Stimme derer, die bisher keine Stimme hatten“, sagte er bei einer spontanen Siegesfeier mit einer Handvoll seiner Anhänger auf der Hahnentreppe (
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           grados del gallo
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            ), die in La Paz den Prado mit der Calle Mexico verbindet. Wie sein Vater Jaime Paz Zamora (Präsident von 1989 bis 1993), dessen Spitzname „
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           el gallo
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            “ war, hat er einen Hahn als Symbol. Seine eigene Karriere hat er im Jahr 2002 als Abgeordneter in dessen MIR begonnen. Später war er Bürgermeister der Stadt Tarija (2015-2020) und zuletzt ab 2020 Senator für Carlos D. Mesas
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Comunidad Ciudadano
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            (CC). Wie gesagt: Seine Christdemokarten waren seinerzeit auch Teil von Hugo Banzers Megakoalition.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Paz Pereira, der im September 58 Jahre alt wird, ist also durchaus kein unbeschriebenes Blatt. Als Zugpferd und Sympathieträger gilt sein Vizepräsidentschaftskandidat Edman Lara, der sich bei der Polizei von Cochabamba als mutiger Korruptionsbekämpfer einen Namen gemacht hat und dort auch eine Degradierung dafür in Kauf nahm. Inwieweit Paz für einen Neuanfang stehen kann, bleibt abzuwarten. Doria Medina hat ihm bereits Unterstützung bei der Stichwahl zugesagt, und auch für Linke dürfte er eher wählbar sein als der Rechtsaußen Quiroga.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;strong&gt;&#xD;
      
           Nullsummenspieler
          &#xD;
    &lt;/strong&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Sofern diese nicht auf den Altpräsidenten Evo Morales setzen, der nicht mehr kandidieren durfte und sich in seiner Bastion, dem Kokaanbaugebiet
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Chapare
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            , von Anhängern protegiert verschanzt hat, weil gegen ihn ein Haftbefehl vorliegt. (Wir berichteten.) In Bolivien herrscht Wahlpflicht. Morales hatte dazu aufgerufen, aus Protest ungültig zu wählen (
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           voto nulo
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            )
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           und in der Tat liegen die ungültigen Stimmen mit 19,1 Prozent auf Platz 4. Er verfügt also durchaus noch über eine Anhängerschaft und ist täglich in den Medien präsent. Allerdings: Seine Aufrufe zu Märschen und Blockaden hatten zuletzt immer mehr an Zugkraft und Gefolgschaft verloren. Von den genannten 19,1 Prozent der Stimmen darf man getrost mindestens 5 Prozent üblicher Nullvoten abziehen; bei den äußerst politisierten Wahlen von 2020, die die MAS bei einer Rekordwahlbeteiligung von 88 Prozent mit 55,1 Prozent der Stimmen zur Abwahl der de facto-Regierung gewonnen hatte, waren es immerhin auch 3,5 Prozent Nullvoten. Bei einer Wahlbeteiligung von diesmal eher nur 77 Prozent und einer außergewöhnlich großen Unübersichtlichkeit angesichts eines beinahe unmerklichen Wahlkampfs sowie von last minute–Allianzen dürften es deutlich mehr sein, die damit nicht Morales’ Protestaufruf gefolgt sind. Bei Vorwahlumfragen waren die Unentschlossenen die größte Gruppe.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Rechnet man die Stimmen der MAS mit jenen von Andrónico Rodríguez zusammen und schlägt hypothetische Morales - Proteststimmen von 10 Prozent dazu, so hätte eine MAS – Krise und Querelen hin oder her – durchaus noch eine Rolle spielen können. Doch der Morales-Schüler Andrónico Rodríguez wollte durchaus nicht mit den Anhängern des glücklosen Präsidenten Luis Arce (MAS) paktieren, der ihm sogar den Spitzenplatz freigeräumt hatte.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Bis zur Stunde habe man das Wahlziel erreicht, die MAS-IPSP (
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Movimiento al Socialismo – Instrumento Político para la Soberanía de los Pueblos
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            ) vor der Auslöschung zu retten, erklärte der Spitzenkandidat Eduardo del Castillo. Mit nur 3,14 Prozent der Stimmen und nur einem Sitz in der Abgeordnetenkammer ein wahrlich bescheidener „Erfolg“ angesichts der Ergebnisse der letzten mehr als 20 Jahre. Selbst als die MAS im Jahr 2002 zum ersten Mal antrat wurde sie auf Anhieb zweitstärkste Kraft und gewann 8 von seinerzeit 27 Senatoren und 27 von 130 Abgeordneten. Del Castillo selbst wertet es als Resultat rücksichtsloser Egoismen ­– man könnte es auch einen kompletten Mangel an politischer Weitsicht und Verantwortungsgefühl bezeichnen. Immerhin schaut del Castillo nach vorne und lädt „desorientierte“ Abweichler dazu ein, in die Reihen der MAS zurückzukehren. Paz und Quiroga würden eine neoliberale Schocktherapie anwenden und die Krise für die einfachen Leute noch verschlimmern. Nach 20 Jahren habe die MAS sich verjüngt und die Kader mit Blick auf die nächsten 30 Jahre ausgetauscht. Im Unterschied zu den anderen Parteien, die seit 25 Jahren auf die gleichen Personen setzen. Zumindest Letzteres stimmt weithin. Hoffnungen auf einen Neuanfang im Jahr 201 nach der Unabhängigkeit von der Spanischen Krone bleiben bescheiden.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;strong&gt;&#xD;
      
           Nachtrag 24.8. Amtliches Endresultat
          &#xD;
    &lt;/strong&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Stimmen	PDC 32,06	Libre 26,70	Unidad 19,69    AP 8,51	MAS 3,17    Nulo 19,7
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            ﻿
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Sitze
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Diputados	PDC 56	        Libre 43	        Unidad 22        AP 6	        MAS 1         insg. 130
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Senado	       PDC 16	        Libre 12	        Unidad 7                                                   insg. 36
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Auflistung unvollständig; eine Allianz zwischen PDC und Unidad hätte demnach in beiden Kammern eine Mehrheit.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Tue, 19 Aug 2025 19:16:58 GMT</pubDate>
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      </media:content>
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    </item>
    <item>
      <title>Drogen: Kolumbien im Visier</title>
      <link>https://www.robert-lessmann.com/drogen-kolumbien-im-visier</link>
      <description />
      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
         Die verbliebenen progressiven Regierungen Lateinamerikas stehen unter Druck der Trump-Administration, die eine autoritäre Wende anstrebt. Mal ist die Migration der Hebel, mal die Justiz. In Kolumbien geht es um die Drogenpolitik. Haben eigenständige Politikansätze eine Chance oder steht eine Rückkehr zu Konzepten an, die seit Jahrzehnten mit verheerenden Konsequenzen scheitern?
        &#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/s/4e3a91da2fa849afa260009be23256a9/dms3rep/multi/DSC01053.JPG"/&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           „Wir werden nicht zulassen, dass wir wieder die Bösen sind“, sagte Laura Gil, die scheidende kolumbianische Botschafterin in Wien, die als Stellvertretende Generalsekretärin zur Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) geht. Kolumbien habe enorme Opfer im Kampf gegen den Drogenhandel gebracht. In der Tat berichtet der im Juni vom Drogenkontrollprogramm der Vereinten Nationen (UNODC –
           &#xD;
      &lt;i&gt;&#xD;
        
            United Nations Office on Drugs and Crime
           &#xD;
      &lt;/i&gt;&#xD;
      
           ) mit Sitz in Wien veröffentlichte
           &#xD;
      &lt;i&gt;&#xD;
        
            World Drug Report 2025
           &#xD;
      &lt;/i&gt;&#xD;
      
            von einer Kokainschwemme, die vor allem auf eine abermalige Rekordproduktion in Kolumbien zurückgeht. Kokain sei der am schnellsten wachsende illegale Drogenmarkt, konstatiert das UNODC. Die Kokainproduktion liege mit geschätzten 3.708 Tonnen (Zahlen für 2023) um 34 Prozent höher als 2022.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Was den Anbau des pflanzlichen Grundstoffs betrifft, die Blätter des Kokabusches, so entfallen auf Kolumbien 253.000 Hektar, auf Peru 92.784 und auf Bolivien 31.000. Und während er in Bolivien stabil und in Peru leicht zurückgegangen sei, nehme er in Kolumbien rapide zu – und nicht nur das. Verbesserte Sorten und Anbaumethoden sowie Innovationen bei der Weiterverarbeitung der Kokablätter bringen auch höhere Erträge. Während die Kokaanbaufläche dort um 10 Prozent angewachsen sei, rechnet man mit einem Anstieg der Kokainproduktion um 50 Prozent. Und so fürchtet man in Bogotá die alljährliche „certification“ durch den US-Präsidenten – auch wenn sie offiziell nicht mehr so heißt, denn dieser heißt nun Donald Trump.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Imperiale Zertifizierung
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Gemäß dem bereits 1986 in der Amtszeit von Ronald Reagan verabschiedeten
          &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           Anti-Drug-Abuse-Act
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
          muss der Präsident alljährlich überprüfen, ob sogenannte drogenproduzierende - oder Transitländer ihren drogenpolitischen Verpflichtungen nachgekommen sind und „kooperativ“ waren. Wenn nicht, werden automatisch eine Reihe von Sanktionen fällig, wie der Stopp von US-Hilfen, Handelssanktionen und US-Vertreter werden auch bei internationalen Organisationen wie der Weltbank gegen Kreditbewilligungen stimmen. Diese Sanktionen können wiederum ausgesetzt werden, wenn der Präsident erklärt, dass nationale Sicherheitsinteressen dies geraten erscheinen lassen. Für die betroffenen Länder ein beträchtliches Damoklesschwert, mit dem es Washington gelang, dort jeweils seine Sicht der Dinge und mitunter sehr konkrete Maßnahmen durchzusetzen. Nur Weltpolizist Uncle Sam verfügt (seit 1978) über ein Büro für internationale Drogenangelegenheiten und Gesetzesvollzug im Außenministerium, das unter anderem für eine permanente Überwachung sorgt. Im März dieses Jahres waren es Bolivien, Burma und Venezuela die, wie es heißt: „have demonstrably failed their obligations“. Doch noch unterzeichnete Präsident Biden das unter seiner Regierung entstandene Dokument, der ihnen bescheinigte, dass eine fortgesetzte Unterstützung „vital to the national interests of the United States“ sei.(1)
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Die „certification“ ist also keine Erfindung der Trump-Administration, passt aber als (un)diplomatische Anmaßung perfekt in deren imperiales Amerika-First-Weltbild. Schon die Auswahl der betroffenen Länder macht deutlich, dass es hier eben nicht primär um die Lösung drogenpolitischer Probleme geht: Bolivien ist mit weitem Rückstand nur der drittgrößte Kokaproduzent. Venezuela spielt eine Rolle beim Transit, aber vornehmlich nach Europa, nicht in die USA. Die Regierungen beider Länder sind Washington freilich ein Dorn im Auge. Desgleichen Brasilien, wo aktuell Richter und Staatsanwälte von den USA mit Sanktionen überzogen werden, die in Sachen der aktiven Beteiligung des Expräsidenten Jair Bolsonaro am Putschversuch gegen Wahlsieger Lula da Silva vom 8. Januar 2023 tätig sind. Und brasilianische Waren sind nun in USA mit 50-prozentigen Zöllen belegt. Da überrascht es nicht, wenn Außenminister Marco Rubio dem kolumbianischen Expräsidenten Álvaro Uribe (2002-2010) unverzüglich mit einer Richterschelte beispringt. Uribe, dem Verbindungen zu rechtsextremen Paramilitärs vorgeworfen werden, wurde soeben wegen Zeugenbeeinflussung verurteilt. Und die Verhängung von 50-prozentigen Zöllen auf Kupfer trifft vor allem die Linksregierung von Gabriel Boric in Chile, dem wichtigsten Kupferexporteur, die sich bei den im November bevorstehenden Wahlen einer wieder erstarkten extremen Rechten gegenüber sieht. Es geht hier um politischen Kulturkampf, nicht um die Lösung von Problemen.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Tatsächliche Drogenprobleme
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Diese stellen gesundheitspolitische Herausforderungen und Probleme im Bereich der Organisierten Kriminalität dar. So beklagt der World Drug Report 2025 einen weiteren Anstieg der Drogenkonsumenten auf 316 Millionen (6 Prozent der Weltbevölkerung im Alter zwischen 15 und 64 Jahren); davon 244 Cannabis-, 61 Opioid-, 30,7 Amphetamin-, 25 Kokain-, und 21 Millionen Ecstasykonsumenten. Die Gesamtzahl ist höher als 316 Millionen, weil häufig mehrere Substanzen konsumiert werden, was besonders riskant ist, wenn es gleichzeitig geschieht. Hier zeichnet sich aber eine positive Entwicklung ab. Der Cannabis-Konsum junger Menschen geht deutlich zurück. Das gelte unabhängig davon, ob strikte Prohibition herrsche oder liberalere Gesetze und sei auf gestiegenes Gesundheitsbewusstsein beziehungsweise Risikowahrnehmung zurückzuführen, hört man aus dem UNODC. Die Drogenberichte Deutschlands und Österreichs bestätigen dies und berichten Gleiches auch über den Alkoholkonsum, auch wenn konservative Politiker angesichts der neuen Cannabis-Gesetzgebung des vormaligen Gesundheitsministers Karl Lauterbach Zeter und Mordio schrien, noch bevor irgendwelche (belastbaren) Zahlen vorlagen und sogar den Kölner Bandenkrieg vom letzten Sommer damit in Verbindung brachten, wo es doch gerade darum geht, diesen Banden durch einen regulierten, legalen Markt den Boden zu entziehen.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Die größten Gesundheitsprobleme liegen nach wie vor sehr eindeutig bei Opiaten und ihrer Verabreichung durch Spritzen sowie Opioiden. Laut UNODC sind Hepatitis C- und HIV-Infektionen für zwei Drittel der tödlich endenden Drogenkarrieren verantwortlich. Und in Nordamerika sterben alljährlich Zehntausende im Rahmen der „Fentanyl-Krise“ an Opioid-Überdosen. Gerade hier zeichnet sich auch für Europa ein Problem ab, das paradoxerweise mit dem bislang erfolgreichen Anbauverbot für Schlafmohn durch die Taliban in Afghanistan verbunden ist. Die Opiumproduktion, Ausgangsprodukt für Heroin, ist dort um 95 Prozent gesunken; weltweit sind es nur 72 Prozent, weil Myanmar (Burma) nun wieder mehr produziert. Bisher haben üppige Lagerbestände dafür gesorgt, dass die Angebotsverknappung auf den europäischen Märkten kaum zu spüren war. Sie dürften noch bis 2026 halten. Doch schon sind einerseits die Opiumpreise in Afghanistan um das Zehnfache gestiegen und es besteht andererseits die Gefahr, dass eine Verknappung dazu führt, dass das Endprodukt Heroin durch wesentlich potentere und gefährlichere Fentanyle oder Nitazene gestreckt oder ersetzt wird. Ein unkalkulierbares Risiko.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Eine neue Ära globaler Instabilität habe die Herausforderungen im Kampf gegen das Drogenproblem intensiviert, Gruppen der Organisierten Kriminalität (OK) gestärkt und den Drogenkonsum auf Rekordniveau gehoben, schreibt die scheidende UNODC-Chefin Ghada Waly in ihrem Vorwort. Drogen sind weltweit die wichtigste Einkommensquelle für Gruppen der OK. Hier macht sich der World Drug Report 2025 Gedanken über ein gezieltes Vorgehen gegen solche Gruppen und deren Schlüsselpositionen und -figuren. Da geht es um dreistellige Milliardenbeträge, wenngleich Schätzungen schwierig sind. So gehe fast die Hälfte der Geldwäscheoperationen in Europa auf Drogengeschäfte zurück. Konventionelle Standardmaßnahmen hätten sich als wenig effizient erwiesen. Eine übergroße Anzahl von Verfahren betreffe Drogenbesitz und -konsum. Neue Töne aus Wien. Experten beklagen seit langem, dass überwiegend kleine Fische verfolgt werden.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Gerade für lateinamerikanische Länder stellt die OK mit ihren Einnahmen aus dem expandierenden Kokaingeschäft ein besonderes Problem dar. Verschiedene ihrer Gruppen fordern dort nicht nur Rechtstaatlichkeit und Demokratie heraus, sie haben vielfach auch territoriale Kontrolle erlangt: etwa in brasilianischen Favelas oder ganzen Landstrichen Mexikos und Kolumbiens. So stellt das im Jahr 1993 in einem Gefängnis in São Paulo gegründete
          &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           Primeiro Comando da Capital
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
          (PCC) in Brasilien, dem inzwischen zweitgrößten Konsumenten von Kokain nach den USA, laut
          &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           US State Department
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
          die größte Bedrohung für die nationale Sicherheit dar. Es sei dort in 22 der 27 Bundesstaaten aktiv sowie in 16 Ländern weltweit, darunter in den USA und im Nachbarland Bolivien. Im Mai 2024 hat man im Bundesstaat Amazonas 200 Meilen westlich von Manaus 2,2 Tonnen Kokain beschlagnahmt.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Kolumbien im Visier
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Warum also Kolumbien? Unter dem Etikett des Kampfes gegen den Drogenhandel und über den Hebel der „certification“ haben die Vereinigten Staaten in der Vergangenheit auch strategische Interessen verfolgt, die die Trump-Administration gefährdet sieht. Zudem duldet sie keine Unbotmäßigkeiten. Mexiko, wo es neben Drogen vor allem um illegale Migration geht, wurde außerhalb des regulären Verfahrens bereits per Dekret die „certification“ entzogen. Gleich zu seinem Amtsantritt definierte Präsident Trump mexikanische Drogenorganisationen als Terrororganisationen und brachte Präsidentin Claudia Sheinbaum mit Interventionsdrohungen dazu, die Grenzkontrollen zu militarisieren. Mexiko ist für die USA der mit Abstand wichtigste Zulieferer von Opioiden wie Fentanyl und Transitland für Kokain.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Kolumbien ist traditionell der wichtigste Verbündete der Vereinigten Staaten in Lateinamerika. Im Rahmen des noch unter Präsident Clinton initiierten Plan Colombia hat Washington dort seit der Jahrtausendwende 12,6 Milliarden USD in die Drogen- und Aufstandsbekämpfung gesteckt. Zwei Drittel davon waren Polizei- und Militärhilfe. Sieben Militärbasen entstanden, wo unter anderem kolumbianische Militärs von
          &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           US Special Forces
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
          für den Drogenkampf ausgebildet wurden, die heute im Rahmen der
          &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           Regional Security Cooperation
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
          ihrerseits Ausbildungsprogramme für Sicherheitskräfte anderer lateinamerikanischer Länder durchführen; im vergangenen Jahr sollen es 6.000 gewesen sein. Zumeist richteten die Regierungen in Bogotá ihre Politik nach den Wünschen Washingtons aus. Wo sie zu eigenwillig waren, half man nach. So führten Korruptionsvorwürfe und der Entzug der „certification“ dazu, dass Präsident Ernesto Samper Mitte der 1990er Jahre in ein Programm zur Besprühung von Kokafeldern mit Glyphosat aus der Luft einwilligte. Die Anbaufläche wuchs in den darauffolgenden Jahren trotzdem um das Dreifache. Waren es ursprünglich nur sechs, so wurde zur Jahrtausendwende in 23 der 33 Departments Koka angebaut. Seither will man mehr als 2,5 Millionen Hektar vernichtet haben – mehr als das Zehnfache der heutigen Rekordanbaufläche. Das Gegenteil einer nachhaltigen Strategie.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Insbesondere in den Jahren der Seguridad Democrática unter Präsident Álvaro Uríbe wurde schwerpunktmäßig über Guerillagebiet im Süden des Landes gesprüht. Landesweite Kokareduzierungen um 80.000 Hektar zwischen 2000 und 2004 wurden fast ausschließlich in den südlichen Departments Caquetá und Putumayo erzielt, Hochburgen der Guerilla
          &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
          (FARC). Diese Strategie, die Guerilla von ihrer wichtigsten Einkommensquelle abzuschneiden, hält man in Washington für ausschlaggebend dafür, dass die FARC schließlich zu Friedensgesprächen bereit waren. Zumindest ebenso wichtig dürfte aber der Einsatz von US-Militärtechnologie (
          &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           high value targeting
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
          ) gewesen sein, die es erlaubte, Guerillacamps unter dem Blätterdach aufzuspüren. Auf diese Weise konnten etliche ihrer Comandantes gezielt getötet oder gefangen genommen werden. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Wie dem auch sei: Im Jahr 2015 wurden die Besprühungen im Rahmen des Friedensprozesses eingestellt, für den Präsident Juan Manuel Santos 2016 den Friedensnobelpreis erhielt. Der Bürgerkrieg mit der ältesten und größten Guerillaorganisation war zu Ende. Tausende ihrer Kämpfer wurden entwaffnet, Hunderte später ermordet. Denn Nachfolger Iván Duque – wie auch etwa die Hälfte der Wahlbevölkerung – hielt nichts vom Friedensabkommen. Insbesondere das Kapitel 4 des Abkommens, wonach die Bauern ihre Kokafelder freiwillig aufgeben und mit Überbrückungskompensationen auf Alternativen umsteigen sollten, hat nicht funktioniert. Nicht nur, weil es eine sehr schwierige Aufgabe gewesen wäre, sondern vor allem, weil es unter der Regierung Duque nicht umgesetzt wurde. Insgesamt ist es nicht gelungen, in den von der Guerilla geräumten Gebieten (rechts-)staatliche Präsenz herzustellen.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          „You’re going to have to spray“, richtete Donald Trump Iván Duque schon bei dessen Besuch in Washington im Jahr 2020 aus. Der hätte das auch gerne getan, nur wollte die Biden-Administration (ab 2021) diesen Irrsinn nicht mehr finanzieren. Denn nicht nur hatte die Weltgesundheitsorganisation WHO das Pflanzengift Glyphosat in Verdacht, krebserregend zu sein. Die Politik der Zwangseradikation hatte sich längst überdeutlich als Nachhaltigkeitsdesaster mit hohen Nebenkosten wie Umweltschäden und Bauernvertreibung erwiesen.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Die amtierende Regierung von Gustavo Petro setzte unter dem Motto
          &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           Paz Total
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
           die Befriedungspolitik fort und dabei wieder auf Freiwilligkeit bei den Bauern und legte einen Schwerpunkt auf die Drogenhändler. Da wurden in den beiden vergangenen Jahren sowohl bei den Kokainbeschlagnahmungen (960 Tonnen im Jahr 2024) als auch bei der Entdeckung und Zerstörung von Drogenlabors Rekordergebnisse erzielt. Doch Kokaanbaufläche und Kokainproduktion wachsen weiter. Das Problem liegt heute nicht nur darin, dass Bauern einmal mehr von ihrer Regierung enttäuscht wurden und das Vertrauen verloren. Mit der Auflösung der FARC ist die Situation der territorialen Kontrolle noch komplizierter geworden. Die heutigen Hochproduktivitätszonen – paradoxerweise liegen sie gerade in den früheren Schwerpunktregionen der Guerillabekämpfung im Süden des Landes – befinden sich unter Kontrolle von Guerilla-Dissidenten, rechtsextremen Paramilitärs oder sonstiger bewaffneter Banden. Die Bauern werden dort manchmal sogar zum Anbau gezwungen. So sah sich die Regierung Gustavo Petro im vergangenen Jahr gezwungen 1.400 Polizei- und Militärkräfte in die Regionen El Plateado und Cañón de Micay im Department Cauca zu entsenden, wo es im März dieses Jahres zu bewaffneten Auseinandersetzungen mit FARC-Dissidenten der
          &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           Frente Carlos Patiño
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
          kam. Im Rahmen ihrer Nationalen Drogenpolitik von 2023 möchte sie bis 2026 40 Prozent der Kokaanbaufläche reduzieren und 50.000 Bauern in alternative Produktion bringen. Doch wurde bereits das bescheidene Eradikationsziel von 10.000 Hektar (2024: 9.403) knapp verfehlt.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Retourkutsche?
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Mit der weiteren Schwerpunktverlagerung der Kokainproduktion in den Süden Kolumbiens wurde das Nachbarland Ecuador mit seinen Pazifikhäfen zum wichtigen Transitland und zum Schauplatz blutiger Revierkämpfe von Drogengangs. Die Rate von Mord und Totschlag kletterte dort von 7,8 (pro 100.000 Einwohnern) im Jahr 2020 auf 45,7 (2023). In Deutschland liegt sie bei 0,82, in Österreich bei 0,87. Ein Fanal war die Besetzung eines Fernsehstudios vor laufenden Kameras durch Angehörige der Bande
          &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           Los Choneros
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
          und die Flucht von deren Chef José Adolfo Macías alias „Fito“ aus dem Gefängnis im Januar 2024, was zur Verhängung des Ausnahmezustands führte.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Die Politik der harten Hand des im Frühjahr wiedergewählten ecuadorianischen Präsidenten Daniel Noboa kann als Beispiel dafür gelten, was Washington gefällt. Nach seiner erneuten Verhaftung am 25. Juni 2025 wurde „Fito“ umgehend an die USA ausgeliefert. Im Gegensatz zu seiner Kollegin Claudia Sheinbaum in Mexiko, die einen Einsatz ausländischer Truppen auf ihrem Staatsgebiet ablehnt, bemüht sich Noboa darum, dass Washington ecuadorianische Gruppen ebenfalls als Terrororganisationen einstuft, was den Weg dafür frei machen würde. Bereits im Februar 2024 hat die ecuadorianische Regierung gemeinsame Operationen von US-Militärpersonal und ecuadorianischen Sicherheitskräften erlaubt. Bei seinem Besuch in den USA warb Noboa um US-Militärunterstützung und er verhandelte sogar mit dem privaten Söldnerunternehmen
          &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           Blackwater
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
          , das ecuadorianische Sicherheitskräfte für den Straßenkampf ausbilden soll. Der Sender CNN berichtete darüber hinaus über sehr konkrete Pläne, die Luftwaffenbasis Manta wieder zu aktivieren und zum Marinestützpunkt auszubauen. Manta war zwischen 1999 und 2009 eine sogenannte
          &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           Forward Operation Location
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
          – FOL des
          &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           US Southern Command
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
          zur Luftraumüberwachung im Andenraum, bevor ausländische Militärbasen in der neuen Verfassung von 2008 verboten und der Stützpunkt unter Präsident Rafael Correa geschlossen wurde. Die Funktionen von Manta wurden damals teilweise von den erwähnten sieben Militärbasen in Kolumbien übernommen.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Ganz anders stellt sich das Verhältnis der Trump-Administration zur kolumbianischen Regierung unter Gustavo Petro dar. Nicht nur steht man deren Politik des
          &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           Paz Total
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
           skeptisch gegenüber (um das Wenigste zu sagen). Gleich zu Beginn von Donald Trumps Amtszeit gab es einen
          &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           showdown
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
          in den Beziehungen, als Präsident Petro Flugzeuge mit abgeschobenen Flüchtlingen zurückwies und dann unter Sanktionsdrohungen zum Einlenken gezwungen wurde. Eine einmalige Brüskierung des wichtigsten Verbündeten.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Schon im vergangenen Jahrzehnt war Kolumbien durch Unbotmäßigkeit aufgefallen, als es zusammen mit Mexiko und Guatemala eine Sondergeneralversammlung der Vereinten Nationen (UNGASS 2016) zur Drogenpolitik mit dem Ziel einer Reform erwirkte, was letztlich dann nur teilweise erfolgreich war. In diesem Frühjahr wurde bei der 68.
          &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           UN Commission on Narcotic Drugs
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
          in Wien unter Federführung der eingangs zitierten kolumbianischen Botschafterin Laura Gil eine Resolution eingebracht, die eine Überprüfung des internationalen Regelwerks der Drogenkontrolle durch eine Expertengruppe verlangt. Die Resolution wurde mit 30 Stimmen, 18 Enthaltungen und drei Gegenstimmen angenommen, wozu ein verstörend arrogantes Eingangsstatement der US-Delegation beigetragen haben dürfte. Mit ihr stimmten nur Argentinien und Russland dagegen. Eine historische Abstimmungsniederlage für Washington in diesem Forum. Gerade vor diesem Hintergrund ist – abseits drogenpolitischer Probleme, Erfolge oder Misserfolge – eine „decertification“ als Retourkutsche denkbar.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          (1) U.S. Department of State/ Bureau for International Narcotics Matters and Law Enforcement Affairs: "International Narcotics Control Strategy Report", Vol. 1 Drugs and Chemical Control, Washington D.C., March 2025. Die zu Grunde liegende Bewertung erfolgt jeweils bereits im Herbst des Vorjahres.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           PS am 23.8.2025
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Rückkehr zur „Militarisierung des Drogenkriegs“?
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Die sogenannte Militarisierung des Drogenkriegs oder Andenstrategie wurde im Gefolge der Anti-Drug-Abuse-Gesetzespakete von 1986 und 1988 ab 1989 unter George Bush (sen.) ausgearbeitet und am 25. Januar 1990 dem Kongress vorgelegt. Sie sah im Kern die Einbeziehung der jeweiligen Militärs in die Drogenbekämpfung vor. Die Bereitschaft der betroffenen Länder dazu wurde über die
          &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           „certification“
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
          hergestellt. Nach dreieinhalb Jahrzehnten kann man sagen, dass sie bei hohen Nebenkosten drogenpolitisch erfolglos war. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Donald Trump geht nun einen Schritt weiter: Am 8. August meldete die New York Times, Präsident Trump habe eine Direktive an das Pentagon unterzeichnet, um mit Militäreinsätzen gegen jene lateinamerikanischen Drogenorganisationen zu beginnen, die seine Regierung als „terroristisch“ einstuft. Damit werden direkte Einsätze von U.S. Militärs auf fremdem Boden autorisiert. Die mexikanische Präsidentin Claudia Sheinbaum reagierte noch am selben Tag: „Die Vereinigten Staaten werden nicht mit ihrem Militär nach Mexiko kommen. (…) Wir kooperieren, wir arbeiten zusammen, aber es wird keine Intervention geben.“
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Wenige Tage später berichteten auch europäische Medien, dass Washington die Entsendung mehrerer P-8-Aufklärungsflugzeuge, mindestens eines Kriegsschiffs und eines U-Boots in die südliche Karibik vorbereite. Die Trump-Administration hatte neben dem
          &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           „Tren de Aragua“
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
          auch das venezolanische
          &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           „Cartel de los Soles“
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
          – ein dubioses Netzwerk hoher Militärs, die in den Drogenhandel verwickelt sein sollen und über gute Verbindungen zur Regierung verfügen – zur
          &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           Specially Designitated Global Terrorist
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
          (SDGT) erklärt und das Kopfgeld auf Präsident Maduro auf 50 Millionen US-Dollar erhöht. Dieser reagierte mit der Mobilisierung von 4,5 Millionen Milizionären in seinem Land. Damit zeichnet sich in einer Region, in der übrigens auch Kuba liegt, eine gefährliche Eskalation ab.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Tue, 29 Jul 2025 18:47:58 GMT</pubDate>
      <guid>https://www.robert-lessmann.com/drogen-kolumbien-im-visier</guid>
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    </item>
    <item>
      <title>Vereinte Nationen: UNO in Not</title>
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      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
         Achtzig Jahre nach ihrer Gründung steht die Weltorganisation durch die Mittelkürzungen der Trump-Regierung unter gewaltigem Druck. Das geschieht just zu einem Zeitpunkt, wo sie sich emanzipiert und zu ganzheitlicherem Denken findet. Auch Lateinamerika wird betroffen sein und ihre in der Wiener UNO-City ansässigen Unterorganisationen. Die Generaldirektorin des Büros der Vereinten Nationen in Wien, Ghada Waly, trat am 30. Mai überraschend zurück.
        &#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/s/4e3a91da2fa849afa260009be23256a9/dms3rep/multi/fee21a64f6914108bd75e7abf59009a4.jpg"/&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  
         Antonio Guterres muss sparen. Bei einem derzeitigen Haushalt von 3,26 Milliarden (Mrd.) € (3,7 Mrd. USD) will der UNO-Generalsekretär 15-20 Prozent einsparen. Allein im Sekretariat könnten 20 Prozent der Stellen wegfallen. Einzelne Unterorganisationen und Programme verfügen über gesonderte, oft erheblich höhere Budgets, doch auch sie sind von Kürzungen betroffen. Insgesamt könnten 7.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betroffen sein. Besondere Gefahr besteht für Einzelorganisationen wie das Flüchtlings- und das Palästinenserhilfswerk (UNHCR und UNRWA), die in Washington besonders ungeliebt sind. Aus der Weltgesundheitsorganisation WHO sind die Vereinigten Staaten gerade wieder ausgetreten; aus der UNESCO (Erziehung, Wissenschaft und Kultur) und dem UNHCHR (Menschenrechte) sind sie unter Trump aus- und unter Biden wieder beigetreten. Dabei sind die Vereinten Nationen wegen notorisch überfälliger Beitragszahlungen ohnehin unter Druck. So waren die USA als wichtigster Geber zum 1.1.2025 mit 1,5 Mrd. USD in Verzug. Der inzwischen zweitwichtigste Geber, China, zahlt auch immer erst zum Jahresende. Angesichts der drängenden Probleme (Kriege, Konflikte, Klima) sind eine regelbasierte Weltordnung und multilaterales Handeln wichtiger denn je.  Aber gerade sie sind ein Hindernis für Großmachtambitionen – und Reaktionären in ihrem Kulturkampf seit eh und je ein Dorn im Auge. Der Schweizer Unternehmer Christoph Blocher (Schweizerische Volkspartei) nannte die UNO in Ablehnung eines Beitritts (der dann 2002 doch erfolgte) bereits in den 1980er Jahren einen Hort des Kommunismus. Die USA, China und Russland haben den Internationalen Gerichtshof in Den Haag nie anerkannt und missachten seine Urteile, was nicht verwundert, verfolgen diese drei ständigen Mitglieder des UNO-Sicherheitsrats in ihrer Außenpolitik doch expansionistische Ziele.
         &#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Ganzheitliche Analysen und Nachhaltigkeit
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Mit den 2015 verabschiedeten nachhaltigen Entwicklungszielen (auch Agenda 2030) legen die Vereinten Nationen schon seit zehn Jahren mehr Wert auf ressortübergreifende Ansätze und Nachhaltigkeit. Soeben (20.5.2025) ist beim in Wien ansässigen Büro für Drogen und Verbrechensbekämpfung (UNODC) ein Bericht erschienen: „
          &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           Minerals Crime: Illegal Gold Mining
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
          “, als Teil einer in Arbeit befindlichen Globalanalyse von Verbrechen, die die Umwelt schädigen. Bereits der
          &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           World Drug Report 2023
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
          hatte ein ganzes Kapitel 4 der Verschränkung krimineller Aktivitäten und der Umweltzerstörung in Amazonien gewidmet. (Wir berichteten an dieser Stelle: „Amazoniens Unterwelt“, 26. November 2024, robert-lessmann.com/amazoniens-unterwelt/)
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Gleich fünf UNO-Unterorganisationen erarbeiteten einen Bericht über Ernährungsunsicherheit in Lateinamerika und der Karibik, der bereits 2024 erschienen ist.* Demnach ist die Region nach Asien am meisten von der Klimakrise betroffen. Unmittelbare Folgen sind Extremwetterereignisse und sinkende landwirtschaftliche Produktivität. Soziale Ungleichheit komme als verschärfender Faktor hinzu. Im Jahr 2023 waren 41 Millionen Menschen in der Region von Hunger betroffen; eine besonders starke Zunahme sei in der Karibik festzustellen. 187,6 Millionen Personen leiden unter Ernährungsunsicherheit, eines von zehn Kindern unter fünf Jahren leidet an Mangelernährung. Paradoxerweise gehen Unterernährung und Übergewicht miteinander einher, sagt Karin Hulshof, die Regionaldirektorin von UNICEF für Lateinamerika und die Karibik. Das Recht von Frauen und Kindern auf Nahrung müsse bei allen Entscheidungen zur Klimapolitik Priorität haben, fordert sie. Im Jahr 2022 waren weltweit 5,6 Prozent der Kinder unter fünf Jahren von Übergewicht betroffen. In Lateinamerika waren es 8,6 Prozent. Die Hälfte der Bevölkerung in der Karibik könne sich keine gesunde und ausgewogene Ernährung leisten, in Mittelamerika seien es 26,3 Prozent und in Lateinamerika 26 Prozent. Laut FAO müsse die Landwirtschaft klimaresilienter werden, damit sie zunehmende Herausforderungen durch den Klimawandel und Extremwetterereignisse besser überstehen kann.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Ein Bericht des UN-Weltentwicklungsprogramms (UNDP) vom Jänner 2025 analysiert ebenfalls Probleme durch den Klimawandel, geringe Produktivität, schwaches Wirtschaftswachstum, strukturelle Ungleichheit sowie Vertrauensverlust in Politik und Institutionen. Schon bald müsse man in vielen Ländern Lateinamerikas und der Karibik mit Wasserknappheit rechnen und bis zum Jahr 2080 mit einer schweren Wasserkrise. Das UNDP empfiehlt unter anderem Investitionen in Bildung, Wissenschaft und Technologie. Politische Entscheidungen – zum Beispiel in Argentinien – gehen in eine andere Richtung.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Von Seepferdchen und dem Kokain der Meere: Wildlife Crime Report 2024
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Auch ein halbes Jahrhundert nach Inkrafttreten des Washingtoner Artenschutzabkommens (CITES, verabschiedet 1973; heute 184 Unterzeichnerstaaten) sind viele Tier- und Pflanzenarten gefährdet oder vom Aussterben betroffen. Nur wenige Bereiche, wie Elfenbein und Nashorn, genießen globale Aufmerksamkeit. Andere Arten, wie akut vom Aussterben bedrohte Orchideen, werden kaum beachtet. In Südamerika liegen die gravierendsten Probleme im Bereich von Tropenhölzern, wie Großbeschlagnahmungen zeigen. Auch hier weist der Bericht auf gefährliche Verschränkungen verschiedener krimineller Sektoren hin, im konkreten Fall mit dem Drogenhandel und dem illegalen Goldabbau.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Auch eine soziale Sensibilität greift Platz, die man sich in anderen Bereichen, wie zum Beispiel dem Kokaanbau, auch längst gewünscht hätte. So sind Seepferdchen ein nicht zu unterschätzender illegaler Exportartikel Perus für Aquarien oder getrocknet (nach Asien, etwa Thailand oder die Philippinen). Peru ist übrigens die drittgrößte Fischereination nach China und Indonesien. Die Seepferdchen kommen meist tot oder sterbend als Beifang. Die Illegalität beginnt mit der Anlandung. Fischer sehen den Seepferdchen-Beifang als eine Art Bonus und wissen meist gar nicht, dass ihr Tun illegal ist. Sie wieder in die See zu werfen erscheint so sinnlos wie eine Bestrafung für das unabsichtliche Werk der kleinen Fischer. Illegal ist in Peru aber das Fischen mit Schleppnetzen innerhalb der Fünfmeilenzone, wo die meisten Seepferdchen hängen bleiben dürften. Gute Geschäfte machen Aufkäufer und Händler. Davon zeugen einzelne Beschlagnahmungen im Bereich von mehreren hundert Kilogramm. Im Jahr 2017 wurden 900 kg in Vietnam in einem Container aus Peru beschlagnahmt. Im September 2019 waren es 1.043 kg getrocknete Seepferdchen in einem Schiff vor der peruanischen Küste. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Besonders kurios ist die Symbiose von Drogenexport und der illegalen Fischerei durch Mitglieder mexikanischer Drogenorganisationen. Ursprünglich ein willkommenes Zubrot beim Drogentransit, entdeckte man mit der Schwimmblase eines vom Aussterben bedrohten Fisches (Totoaba) das „Kokain der Meere.** Die Fischer erhalten dafür pro Kilo zwischen 500 und 3.000 USD. In China, wo sie in Suppen, in der traditionellen Medizin oder sogar als Wertanlage verwendet wird, kann man 80.000 USD erzielen.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Washington isoliert
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Von einem Wendepunkt in der Geschichte der internationalen Drogenpolitik spricht Ann Fordham, Direktorin der NGO
          &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           International Drug Policy Consortium
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
          (IDPC): Mit 30 Stimmen, 18 Enthaltungen und drei Gegenstimmen (Argentinien, Russland und die USA) nahmen die Delegierten der
          &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           68. Commission on Narcotic Drugs
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
          (CND) des Wirtschafts- und Sozialrates der UN, die im März diesen Jahres in der Wiener UNO-City stattfand, eine unter Federführung Kolumbiens eingebrachte Resolution an, die die Einrichtung einer 19-köpfigen Expertengruppe vorsieht, um das Regelwerk der internationalen Drogenkontrolle zu überdenken und „to prepare a clear, specific, and actionable set of recommendations aimed at enhancing the implementation of the three drug conventions, as well as the obligation of all relevant international instruments, and the achievement of all international drug policy commitments.“ Zehn Mitglieder bestimmt die CND, fünf der Generalsekretär und drei das International Narcotics Control Board (INCB, der UN Suchtstoffkontrollrat zur Überwachung der Einhaltung der drei UN-Drogenkonventionen) und eines die Weltgesundheitsorganisation WHO. Dieser Beschluss reiht sich ein in eine Tendenz der allmählichen Öffnung der internationalen Drogenkontrolle, die ursprünglich fast vollständig von den USA dominiert war. So räumte die UN Sondergeneralversammlung zum Thema Drogen von 2016, bei deren Vorbereitung erstmals andere UN Unterorganisationen, wie die WHO oder das Hochkommissariat für Menschenrechte und zivilgesellschaftliche Organisationen mitwirkten, größere „Interpretationsspielräume“ bei der Auslegung der drei UN Drogenkonventionen ein, um Desertionen vorzubeugen. NGO-Vertreterinnen machen nicht zuletzt ein „atemberaubend arrogantes Eingangsstatement“ und völlig unflexible Positionen ohne Verhandlungsbereitschaft der US-Delegation für das klare Votum der Delegierten verantwortlich. So wurden China, Kanada und Mexiko entgegen aller Gepflogenheiten direkt angegriffen und für die vielen Überdosis-Toten der US-Opioidkrise verantwortlich gemacht.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Die kolumbianische Botschafterin Laura Gil in ihren Statement: „Alle Kolumbianerinnen und Kolumbianer verstehen und spüren, dass das globale Drogenproblem einen Schatten auf uns alle wirft, und dieses Forum ist eine Einladung, um unter dem Schirm der Konventionen das Prinzip der gemeinsamen und geteilten Verantwortung [für das Drogenproblem R.L.] jetzt und heute zu überdenken. Mein Land hat mehr Menschenleben geopfert als jedes andere in diesem Drogenkrieg, der uns aufgezwungen wurde. (…) Unsere besten Männer und Frauen und ein Löwenanteil unseres Budgets gingen in die Bekämpfung des illegalen Drogenhandels. Wir brauchen neue und effektivere Mittel um ein globales System zu verwirklichen. Weiter zu machen wie bisher wird zu nichts führen.“
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Ob diese Resolution tatsächlich einen Wendepunkt darstellen wird, muss ihre Umsetzung zeigen. Diese könnte, wie andere vielversprechende Ansätze, finanziellen Strangulierungen zum Opfer fallen. Laura Gil, die treibende Kraft dahinter, wurde am 5. Mai zur Stellvertretenden Generalsekretärin der OAS (Organisation Amerikanischer Staaten) gewählt und wird Wien verlassen. In der UNO-City kursieren Gerüchte und Spekulationen darüber, wie es mit den verschiedenen Unterorganisationen, wie etwa dem UNODC, weiter gehen könnte. Bei aller berechtigten Kritik an den Schwächen der Vereinten Nationen: Sie sind nur so stark wie ihre Mitgliedsländer es zulassen. Das Geschäft jener zu betreiben, die sie ohnehin schwächen oder abschaffen wollen, wäre abenteuerlich.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          * Food and Agriculture Organization (FAO), Fondo Internacional de Desarrollo Agrícola (FIDA) Organisación Panamericana de Salud (OPS), Programa Mundial de Alimentos (WFP) und UNICEF:
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          „El Panorama Regional de la Seguridad Alimentaria y la Nutrición 2024“ 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          ** Neben dem erwähnten UNODC-Bericht auch: Israel Alvarado Martínez and Aitor Ibáñez Alonso: „Mexican Organized Crime and the Illegal Trade in Totoaba Maw“ in: Organized Crime 24, No. 4, 1st Dec. 2021 (https://doi.org/10.1007/s12117-021-09436-9)
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Fri, 06 Jun 2025 08:32:43 GMT</pubDate>
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    </item>
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      <title>Bolivien: Lähmender Caudillismo</title>
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      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
         Am 6. August wird Bolivien 200 Jahre seiner Unabhängigkeit feiern. Am 17. August ist Wahltag. Doch drei Monate vor dieser symbolbeladenen Parlaments- und Präsidentschaftswahl gibt es keine Favoriten – ja nicht einmal Kandidaten. Nur Evo Morales, der Ende 2019 gestürzte einstige Hoffnungsträger der Linken und Indigenisten Lateinamerikas fordert unermüdlich seine Kandidatur ein. Doch laut Oberstem Gerichtshof und Nationalem Wahlgerichtshof darf er nicht kandidieren. Zudem droht ihm die Verhaftung. Das Land ist tief gespalten zwischen Regierung und Opposition. Gespalten ist aber auch die Regierungspartei (MAS – Movimiento al Socialismo) und die hinter ihr stehenden sozialen Bewegungen, zwischen den verfeindeten Anhängern des Expräsidenten („evistas“) und des amtierenden Präsidenten Luis Arce („arcistas“). Erstmals seit zwei Jahrzehnten hat die Opposition eine reale Chance auf den Wahlsieg, doch auch das Oppositionslager ist fragmentiert. Alle Versuche, aussichtsreiche Allianzen zu bilden, sind gescheitert. Das alles vor dem Hintergrund einer Wirtschafts- und Finanzkrise. Es scheint, als würde es zum 200. Jahrestag der Unabhängigkeit nicht wirklich etwas zu feiern geben. Ein Versuch, den politischen Scherbenhaufen zu sortieren.
         &#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/s/4e3a91da2fa849afa260009be23256a9/dms3rep/multi/bol5+-+Kopie.JPG"/&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  
         Das hatte sich der wohl erfolgreichste Präsident, den Bolivien je hatte, anders vorgestellt. Das kleine Land im Herzen des Halbkontinents war nach seinem Erdrutschsieg Ende 2005 vielbeachteter Hoffnungsträger. Könnte die Entwicklung dort ein Vorbild sein? Nichts weniger als die „Neugründung Boliviens“ hatte man sich vorgenommen. Eine Regierung der sozialen Bewegungen wollte man sein. Bereits sechs Wochen nach Amtsantritt wurde ein Einberufungsgesetz zu einer verfassunggebenden Versammlung verabschiedet. Die neue Verfassung wurde dann 2009 – erstmals durch eine Volksabstimmung – angenommen. Bolivien wurde durch sie zum „plurinationalen Staat“. Soziale Rechte, Indígena-Rechte und die Rechte der Pachamama wurden darin festgeschrieben. Indigene Sprachen wurden auch Amtssprachen und die bunte Wiphala-Fahne gleichwertig neben die rot-gelb-grüne Nationalflagge gestellt. Die Nationalisierung der Kohlenwasserstoffressourcen vom 1. Mai 2006 spülte bei günstiger Konjunktur Devisen in die Staatskasse, die für eine Umverteilungs- und Sozialpolitik verwendet wurden. Die Armutsquote sank deutlich, die durchschnittliche Lebenserwartung stieg um Jahre. Ein bedeutender Teil der Unterschicht stieg in die untere Mittelschicht auf. Deren Binnennachfrage stabilisierte die Wirtschaft, auch als die Exporteinnahmen nach 2015 einbrachen. Grundlage war der Extraktivismus, insbesondere die Exporte von Erdgas. Grundlegende Strukturreformen unterblieben. Die Präsidentschaft von Morales war von einer Serie von Wahlen und Abstimmungen begleitet, was manche Beobachter als
         &#xD;
  &lt;i&gt;&#xD;
    
          referenditis
         &#xD;
  &lt;/i&gt;&#xD;
  
         bezeichneten. Er hat sie alle mit absoluter Mehrheit gewonnen: eine bis dato in Bolivien unbekannte politische Stabilität. Nur nicht die beiden letzten...
         &#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Heute sitzt Morales im Trópico de Cochabamba ohne Kandidatenstatus, ohne Partei, von einem harten Kern seiner Getreuen beschützt. Gegen ihn läuft ein Verfahren wegen Sex mit Minderjährigen und Menschenhandel. Wie kam es dazu?
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Morales’ Fall
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    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Schon in seiner Zeit als Gewerkschaftsführer hat Morales Widersacher und Gegenkandidaten erfolgreich ausgeschaltet. Als Präsident wechselte er seine Minister in rascher Reihenfolge, servierte unter anderem seinen Mentor und Lehrmeister ab, den großen alten Gewerkschafter Filemón Escobar, und  war sehr erfolgreich darin, die wichtigsten der vielen sozialen Bewegungen zu bedienen, die seine Regierung unterstützten. Die neue Verfassung vom Januar 2009 sieht in Art. 168 nur zwei aufeinanderfolgende Amtsperioden vor. Ein Referendum zur Änderung dieses Artikels ging im Februar 2016 knapp verloren. Mitentscheidend waren damals Berichte eines „Enthüllungsjournalisten“ über ein gemeinsames außereheliches Kind des Präsidenten mit einer stets grell geschminkten Blondine, was dieser abstritt. Bilder von gemeinsamen Auftritten – etwa beim Karneval von Oruro – belegten demgegenüber zumindest eine gewisse Verbindung zwischen beiden und später wurde die Dame zu einer Haftstrafe verurteilt. Sie hatte in dieser Zeit millionenschwere Regierungsaufträge für die chinesische Firma an Land gezogen, für die sie arbeitete. Der Ruf war angekratzt, doch wurden keine Spuren eines angeblichen Kindes gefunden.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Politisch schlimmer wog, dass Morales das Ergebnis dieses Votums ignorierte und bei den Wahlen vom Oktober 2019 erneut kandidierte, was seinen Ruf als Demokrat nachhaltig beschädigte. Seine Popularität sank. Für die Opposition war klar: Es würde Wahlbetrug geben, das Regierungslager sah einen Putsch voraus. Die Wahlen brachten dann herbe Verluste von wahrscheinlich 14 Prozent, doch Morales gewann sie noch immer mit etwa 47 Prozent. Fraglich blieb, ob er 10 Prozentpunkte vor dem stärksten Oppositionskandidaten lag, wodurch eine Stichwahl vermieden würde. Als in der Wahlnacht die Schnellauszählung (nicht die amtliche!) angehalten wurde, nahmen die Ereignisse ihren Lauf. Sechs von neun Departments-Wahlzentralen gingen in Flammen auf. Straßenproteste wurden wenige Tage später durch eine Polizeimeuterei befeuert. Schließlich legte der Armeechef Morales den Rücktritt nahe. Präsident und Vizepräsident gingen erst ins mexikanische Exil, dann nach Buenos Aires. Dorthin – so die heutige Anklage – sollen Morales immer wieder junge Mädchen zugeführt worden sein. Mit einer seinerzeit Fünfzehnjährigen soll er eine Tochter haben. Es war Hybris der Macht, mit der sich Morales selbst ins Abseits manövrierte.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          In Bolivien übernahm eine De-facto-Regierung, die von der politischen Rechten getragen wurde, von Korruption gekennzeichnet war und ohne Umschweife versuchte, den Prozess des Wandels, der seit 2006 stattgefunden hatte, rückgängig zu machen. Sie scheiterte an den Herausforderungen der Corona-Pandemie und politischen Ambitionen der Beteiligten. So wurde der Zweitplatzierte bei der Wahl von 2019, Carlos D. Mesa, praktisch ausgeschaltet. Vor allem aber erzwangen die machtvollen sozialen Bewegungen, die die MAS-Regierung stets getragen hatten, durch Straßenblockaden Neuwahlen, die dann im November 2021 die MAS mit 55,1 Prozent eindrucksvoll zurück an die Macht brachten. Vom argentinischen Exil aus hatte Morales seinen langjährigen Superminister für Wirtschaft und Finanzen, Luis Arce, als Spitzenkandidaten nominiert und seinen Intimfeind David Choquehuanca als Kandidat für die Vizepräsidentschaft. Der langjährige Außenminister hatte sich nach dem verlorenen Referendum vom Februar 2016 als Kandidat ins Spiel gebracht und war von Morales daraufhin auf einen Diplomatenposten ins „Exil“ befördert worden. Die Parteibasis hatte zuvor für Choquehuanca und Andrónico Rodríguez als Vize votiert, einen jungen politischen Ziehsohn Morales’. Nach dem Amtsantritt der Regierung Arce/ Choquehuanca kehrte Morales, vom argentinischen Präsidenten Alberto Fernández bis an die Grenze begleitet, im Triumphzug nach Bolivien zurück und versuchte sogleich, als Parteichef und Übervater weiterhin die Regierung zu lenken. Das konnte nicht gutgehen. Schon die Regionalwahlen von Anfang 2021 wurden – obzwar deutlich gewonnen – zum relativen Misserfolg. Es reüssierten oftmals Kandidaten und Kandidatinnen, die von Morales ausgebremst worden waren. Der jungen Eva Copa, die als Senatspräsidentin das Fähnlein der MAS gegen die De-facto-Regierung hochgehalten hatte während die Parteispitze im sicheren Exil saß, wurde vorgeworfen, mit der Regierung kooperiert zu haben. Eine Nominierung wurde ihr verwehrt. Sie wurde dann auf einer indigenistischen Liste mit 70 Prozent zur Bürgermeisterin der zweitgrößten Stadt, El Alto, gewählt. Stichwahlen gingen verloren und wurden teilweise durch MAS-Dissidenten gewonnen. Die MAS-internen Spannungen nahmen zu und regelmäßig wurden Präsident und Vizepräsident oder einzelne Minister von den sozialen Bewegungen zum Rapport einbestellt, die damals noch hinter Morales standen.
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  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Währenddessen versuchte die Opposition von ihrer Hochburg Santa Cruz aus fortlaufend, die Regierung durch „Bürgerstreiks“ zu destabilisieren, was das Land in Summe Milliarden kostete. Unter anderem war man gegen so triviale Dinge wie eine Volkszählung. Ein Fanal war die Aufforderung von Morales an „seine Regierung“ endlich in Sachen Volkszählung zu handeln – und zwar mit den Argumenten der Opposition.
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  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          In dem Maße, wie die Kritik am Expräsidenten wuchs, der aus dem sicheren Exil heraus jene kritisiert hatte, die daheim für ihn den Kopf hingehalten hatten, wurde Morales’ Kritik an „seiner“ Regierung immer direkter und schriller. Morales warf ihr einen Rechtsruck und Paktieren mit der Opposition vor, nachdem man sich auf ein Verfahren zur Volkszählung geeinigt hatte. Zwölf Abgeordnete wurden aus der Partei ausgeschlossen, jegliche Kritik als „Verrat“ diffamiert. Als sich der junge Innenminister Eduardo del Castillo im Jänner 2022 „erdreistete“, Maximiliano Dávila zu verhaften, der unter Morales Chef der Spezialkräfte für den Kampf gegen den Drogenhandel gewesen war, nun aber von der DEA gesucht wurde und sich auf der Flucht nach Argentinien befand, wurde er neben Vizepräsident Choquehuanca und zusammen mit dem Justizminister zum Lieblingsfeind. Morales sprach von einem sinistren Plan gegen ihn und verlangte immer wieder deren Rücktritt. Man beschuldigte sich gegenseitig, mit dem Drogengeschäft unter einer Decke zu stecken. Als die MAS-Parlamentsfraktion zusammen mit der Opposition ein Amtsenthebungsverfahren gegen del Castillo durchsetzte, wurde er von Präsident Arce umgehend wieder berufen. Schließlich hatte er sich nicht nur aktiv gegen die Machtergreifung der Rechten 2019 gewehrt. Er hatte zusammen mit dem Justizminister auch dafür gesorgt, dass die maßgeblich Verantwortlichen vor Gericht gestellt wurden, darunter eine ganze Reihe hoher Militärs.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Selbstdemontage der MAS
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    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Im Oktober 2023 war das Band zerrissen. Es gab bereits zwei MAS-Parlamentsfraktionen und auch die sozialen Bewegungen waren in „evistas“ und „arcistas“ gespalten. Morales berief einen Parteitag in seiner Hochburg im Kokaanbaugebiet des Tropico de Cochabamba ein, wo sich der
          &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           lider indiscutible
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
          zwei Jahre vor den Wahlen zum Parteichef wiederwählen und vorzeitig zum Spitzenkandidat küren ließ. Dass Arce und Choquehuanca nicht kamen wurde als „Selbstausschluss“ gewertet. Freilich wurde der Parteitag als solcher wegen Verfahrensfehlern bei der Einberufung vom Wahlgerichtshof nicht anerkannt.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Der Oberste Gerichtshof untersagte Morales schließlich mit einer abenteuerlichen Auslegung der Verfassung überhaupt die Kandidatur, weil er schon zweimal Präsident war. Diese spricht freilich für diesen Fall wie gesagt von aufeinanderfolgenden Amtsperioden. Die „evistas“ erkennen das Urteil nicht an, weil die Amtszeit der Richter bereits abgelaufen war. Eine Neuwahl der Verfassungsrichter war wegen der Pattsituation im Parlament nicht möglich gewesen. Im Mai 2024 wählten die „arcistas“ auf „ihrem“ Parteitag in El Alto mit Unterstützung des ihnen nahe stehenden „Einheitspakts“ der sozialen Organisationen den Bauerngewerkschafter (CSUTCB) Grover García zum Parteichef der MAS. Die „evistas“ protestierten dagegen mit Märschen und Straßenblockaden, die teilweise gewalttätig verliefen und sukzessive an Zulauf verloren. Auch sie dürften Milliardenschäden für die Volkswirtschaft verursacht haben. Präsident Arce hielt sich derweil vornehm zurück: Es sei die Zeit zu arbeiten. Für eine Kandidatenwahl sei es zu früh, gab er den fleißigen Administrator. Ein Volkstribun ist er ohnehin nicht. Dafür verfügt er als Präsident über die Mittel, seine Gefolgschaft bei der Stange zu halten. Woher Morales sie nimmt, ist nicht bekannt.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Dabei steckt Bolivien in einer ernsten Wirtschaftskrise. Dollars sind knapp. Zeitweise muss händeringend Diesel importiert werden und die Lähmung des Transportsektors befeuert die Inflation. Ersatzinvestitionen wurden lange vernachlässigt. Die Regierung gibt die Schuld der Blockade der „evistas“, die im Parlament zusammen mit der Opposition Gesetze und Kreditbewilligungen blockierten. Die Devisenreserven fallen schon seit 2015 und liegen mit 1,9 Mrd. US-Dollars (USD; entspricht 4 Prozent des PIB) auf dem niedrigsten Stand seit 2005. Ein Bericht der UN Wirtschaftskommission für Lateinamerika und die Karibik (CEPAL) listet Bolivien unter den Ländern mit dem niedrigsten Wachstum und der höchsten Inflation auf. Präsident Arce wurde in der öffentlichen Wahrnehmung vom Architekten des bolivianischen Wirtschaftswunders zum Versager. In Umfragen liegt er bei 5 Prozent, während Morales immerhin noch rund 20 Prozent zugeschrieben werden.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Ein bolivianischer Elon Musk?
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Was diese Umfragen wert sind, ist die Frage. Am meisten Aufmerksamkeit genossen jene, die von Marcelo Claure in Auftrag gegeben wurden, einem Selfmade-Unternehmer und Besitzer von Fußballclubs in Bolivien und den Vereinigten Staaten. Er strebe selbst kein Regierungsamt an, sagt er, wolle aber gerne helfen, Bolivien aus der Krise zu führen. Hauptsache, die Herrschaft der MAS ende. Aber Andrónico wäre noch immer besser als ein Pädophiler (Morales) oder ein Unfähiger (Arce):
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
            „Andrónico es mil veces mejor que un pedófilo o un incapaz y tengo mucha fé que todos trabajaremos juntos para sacar a Bolivia de este hueco“.
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Seine politische Präferenz liegt rechts der Mitte. Dort tritt eine Reihe von Altpolitikern an. Manfred Reyes Villa, 2021 mit 59 Prozent erneut zum Bürgermeister von Cochabamba gewählt, kommt ursprünglich aus dem Umfeld der ADN von Exdiktator Hugo Banzer. Er gilt als ebenso effizienter wie korrupter Administrator. Nach der Machtübernahme der MAS 2006 musste er mit einem halben Dutzend Korruptionsverfahren im Gepäck außer Landes fliehen. Daneben scheint eine Rechtsallianz, die hauptsächlich aus Drahtziehern der 2019 eingesetzten „Interimsregierung“ bestand, mit dem Ausscheiden von „Tuto“ Quiroga zerbrochen. Ihr wurden rund 20 Prozent prognostiziert. Quiroga war nach dem Krebstod von Hugo Banzer als dessen Vize von August 2001 bis August 2002 schon einmal zum Präsident aufgerückt. Er gilt als Schlüsselfigur jener illustren Runde, die nach der Flucht von Morales 2019 in der Universidad la Católica die Strippen für die Einsetzung der „Interimsregierung“ zog. Frontmann ist nunmehr der Zementunternehmer Samuel Doria Medina, der bereits 1992 unter dem sozialdemokratischen Präsidenten Jaime Paz Zamora einmal Planungsminister war. Er gilt als liberal-gemäßigt. Ebenso wie Carlos D. Mesa der Zweitplatzierte bei den Wahlen vom Oktober 2019, vormals ein honoriger Journalist und Historiker, der jedoch wegen seiner Rolle bei den Novemberereignissen von 2019 als „verbrannt“ gilt. Mit von der Partie ist aus dem Gefängnis Chonchocoro heraus auch Fernando Camacho, Organisator der Blockadeaktionen von Santa Cruz gegen die Regierung Arce, der sich damit brüstet, dass sein Vater 2019 die Polizei geschmiert und zur Rebellion angestiftet hat. Er wurde deshalb am 28. Dezember 2022 verhaftet. Im Umfeld der Überreste der seinerzeit von Hugo Banzer gegründeten ADN geistert ferner der notorische Speiseöltycoon Branco Marincovic herum, der bereits beim Zivilputsch von Santa Cruz 2008 die Fäden zog.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Bolivien hat eine sehr junge Bevölkerung. Viele Wählerinnen und Wähler sind unter 30 Jahre alt und dürften sich kaum noch an die erfolgreichen ersten Jahre der Morales - Regierung erinnern, geschweige denn an das voraus gegangene Chaos und die damit verbundenen politischen Dinosaurier. Eine wichtige Rolle dürfte die Präsenz in den sozialen Medien spielen.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Der Faktor Andrónico
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Politologen sprechen von einem dysfunktionalen Parteiensystem. Die einzige Partei mit nationaler Reichweite und Verankerung ist die MAS – und selbst die hatte vor den Regionalwahlen 2021 Schwierigkeiten, geeignete Kandidaten zu finden. Die Finanzierung ist ein großes Problem. Man ist in einer Partei, weil man im Falle ihres Wahlsiegs auf einträgliche Posten hofft. Umgekehrt suchen sich Persönlichkeiten eingetragene Wahlkürzel, die sich mitunter sogar in Familienbesitz befinden und vermietet werden. Morales etwa ist aktuell verzweifelt auf der Suche nach so einer "Taxipartei". Ferner will er mit einem Marsch auf La Paz seine Kandidatur erzwingen.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Ebenfalls auf der Suche nach einer „politischen Heimat“ ist Andrónico Rodríguez. Der 36-jährige Senatspräsident stammt aus Morales’ Kernland im Trópico und wurde von ihm als potenzieller Nachfolger aufgebaut. Lange führte er im Parlament die Fraktion der „evistas“ an, war dabei aber eher moderat und besonnen. Nach langem Zögern ist er nun vielfachen Rufen nach einer politischen Frischzellenkur nachgekommen und hat erklärt, dass er kandidieren wolle. Die „evistas“ sprachen umgehend von Verrat. Er steht für eine Fortführung des
          &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           proceso de cambio
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
          und der bäuerlich-plebejischen Orientierung, kommt mit seiner Dialogbereitschaft aber auch bei den städtischen Intellektuellen an. Nun sucht der erklärte Kandidat nach einer Partei. Noch ist nicht abzusehen, wohin die Reise geht. In Frage kommen das
          &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           Movimiento Tercer Sistema
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
          von Felix Patzi, der einmal Bildungsminister unter Morales war und gefeuert wurde oder das
          &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           Movimiento de la Renovación Nacional
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
          der Bürgermeisterin Eva Copa, denen er erst Statur geben könnte. Oder ist Andrónico die letzte Chance für die MAS? Die hatte nach der Kandidatur von Andrónico Rodríguez einen Parteitag, auf dem Luis Arce zum Präsidentschaftskandidaten gekürt werden sollte, auf unbestimmte Zeit verschoben und Präsident Arce erklärte daraufhin, er würde nicht kandidieren und forderte Morales auf, es ihm gleich zutun. Beides vergeblich: Rodríguez wollte nicht für die "arcistas" kandidieren.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Nachtrag (26.5.) nach Registrierungsschluss
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Der Nationale Wahlgerichtshof gab nunmehr folgende Kandidatenlisten bekannt:
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;b&gt;&#xD;
        
            Nueva Generación Patriótica
           &#xD;
      &lt;/b&gt;&#xD;
      
           (NGP): Präsidentschaftskandidat Jaime Dunn mit Vizepräsidentschaftskandidat Édgar Uriona
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Partido Demócrata Cristiano
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
    
          (PDC): Rodrígo Paz mit Edman Lara
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Frente Izquierda Revolucionaria
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
    
          (FIR) y Demócratas: Jorge Quiroga mit Juan Pablo Velazco
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Unidad Nacional
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
    
          (UN) y
          &#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Creemos
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
    
          : Samuel Doria Medina mit José Luis Lupo
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           APB – Sumate
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
    
          : Manfred Reyes Villa mit Juan Carlos Medrano
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Libertad y Progreso/ ADN
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
    
          : Paulo Folster mit Antonio Saravia
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Fuerza del Pueblo
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
    
          : Jhonny Fernandez mit Felípe Quispe
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Aus der (noch) Regierungspartei MAS gingen letztlich drei Listen hervor:
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Movimiento al Socialismo
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
    
          (MAS): Eduardo del Castillo und Milán Berna (aus der Bauerngewerkschaft CSUTCB)
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Movimiento de Renovación Nacional
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
    
          (MORENA): Eva Copa mit Jorge Richter (vormals Regierungssprecher von Präsident Arce)
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Alianza Popular/ MTS
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
    
          : Andrónico Rodríguez mit Mariana Prado (von 2017-2019 Planungsministerin unter Morales; gegenwärtig läuft noch ein Verfahren, ob das Movimiento Tercer Sistema von Felix Patzi die rechtlichen Voraussetzungen erfüllt)
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Evo Morales hat seine ehemalige Ministerin für Kultur und Tourismus (2017-2019), Wilma Alanoca, als Vizepräsidentschaftskandidatin vorgesehen und kämpft mit einem für heute (26.5.) angekündigten Marsch auf La Paz weiterhin um nachträgliche Zulassung.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Wed, 14 May 2025 13:10:19 GMT</pubDate>
      <guid>https://www.robert-lessmann.com/bolivien-laehmender-caudillismo</guid>
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    </item>
    <item>
      <title>USA: Trump die Zweite und Lateinamerika</title>
      <link>https://www.robert-lessmann.com/usa-trump-die-zweite-und-lateinamerika5f0c1341</link>
      <description />
      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
                  
  
Musk, Zuckerberg, Bezos: Noch nie war das Großkapital so
offensichtlich und so unverschämt mit einer Regierung verwoben.
Meloni, Johnson und Milei: Noch nie war die globale extreme Rechte so
prominent bei einer Amtseinführung vertreten. Claudia Sheinbaum
(Mexiko) und Lula da Silva (Brasilien) waren gar nicht eingeladen.
Die Bedeutung Lateinamerikas für die US-Außenpolitik wird trotzdem
zunehmen. Mit der Androhung von Strafzöllen durchgesetzte
Zwangsabschiebungen in Rambo-Manier geben die Richtung vor.

                &#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/s/4e3a91da2fa849afa260009be23256a9/dms3rep/multi/Trump-Lateinamerika_1.jpeg" alt="" title=""/&gt;&#xD;
  &lt;span&gt;&#xD;
  &lt;/span&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Beim Thema Migration haben die Trump-Dekrete bereits Verzweiflung
ausgelöst. Als „scary“ (erschreckend oder beängstigend)
beschreibt unsere Kollegin Coletta Youngers, die bis vor Kurzem
jahrzehntelang für das Washington Office on Latin America (WOLA)
gearbeitet hat, die Atmosphäre seit der Amtseinführung des 47.
Präsidenten. In ihrem Stadtviertel wohnen viele Migranten, die sich
fragen, was mit den angekündigten Razzien auf sie zukommt. 

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Beängstigend ist auch die umgehende Begnadigung der Teilnehmer des
Sturmes auf das Kapitol, knapp 1.600 Angeklagte beziehungsweise
Verurteilte, darunter Führer und Mitglieder der paramilitärischen
und rechtsradikalen „Proud Boys“ und „Oath Keepers“, die
wegen schwerer bis schwerster Delikte vor Gericht kamen, zum Beispiel
Enrique Tarrio, Vorsitzender der „Proud Boys“, der wegen
Verschwörung zu 22 Jahren Haft verurteilt worden war. Die
nachträgliche Legitimierung eines Putschversuchs durch den
Anstifter? Seinerseits scheinbar legitimiert durch das aktuelle
Wahlergebnis, was die Sache eher schlimmer macht als besser.
Beängstigend auch der sofortige Ausstieg der USA aus dem Pariser
Klimaabkommen und der Weltgesundheitsorganisation WHO. Ein klares
Bekenntnis gegen den Multilateralismus in einer Zeit multipler
Krisen. „America First“, bedeutet das für Lateinamerika die
Rückkehr zur Monroe-Doktrin, wonach der Halbkontinent exklusives
Einflussgebiet oder Hinterhof der Vereinigten Staaten sind?
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Jedenfalls wird Lateinamerika an Aufmerksamkeit gewinnen. Zuletzt
spielte der Halbkontinent im Süden eine eher geringe Rolle in der
US-Außenpolitik, die dort auf Krisen wie Migration und Drogen
bezogen war und sich sonst um andere Regionen kümmerte. Während in
der ersten Amtszeit Trumps wichtige Posten, wie der des zuständigen
Undersecretary for Western Hemispheric Affairs im State Department,
monatelang unbesetzt blieb, legen das schon die
Personalentscheidungen nahe. Außenminister wird mit Marco Rubio ein
exilkubanischer Hardliner, sein Stellvertreter wird Christopher
Landau, der Botschafter in Mexiko war. Schon im Vorfeld wurden
Mitarbeiter des State Departments ausgetauscht und durch Getreue
ersetzt. Nicht zuletzt wurden eine Reihe von Botschaftsposten in
lateinamerikanischen Staaten umbesetzt. Mit Mauricio Claver-Carone
wurde ein weiterer Exilkubaner, Hardliner und Sanktionsbefürworter
Sonderbeauftragter für Lateinamerika. Schon während seiner ersten
Amtszeit war Trump dafür bekannt, unterschiedliche Positionen
gegeneinander auszuspielen. Sondergesandter – unter anderem für
Venezuela –  wurde mit Richard Grenell ein weiterer bekannter
Hardliner, vormals Botschafter in Berlin, doch er ist mehr
„Freihändler“ als Sanktionsbefürworter. Zentrale Themen dürften
neben Migration und Drogen nun auch der Kampf um Rohstoffe und gegen
die chinesische Dominanz sein. Hier kommt der omnipräsente Elon Musk
ins Spiel, der als Autobauer direkte Interessen am Lithium-Dreieck
(Argentinien, Bolivien, Chile) hat. Im WOLA erwartet man insgesamt
deutliche Rückschritte bei demokratischen Normen, Räumen für die
Zivilgesellschaft, dem Schutz der Minderheitenrechte, der
Unabhängigkeit der Justiz, bei Initiativen für Inklusion und
Vielfalt, Minderheitenrechten und beim Klimaschutz. Die Nähe zu
autoritären Führern, wie Javier Milei (Argentinien), Nayib Bukele
(El Salvador) oder der Bolsonaro-Familie könnte anti-demokratische
Elemente in der Region beflügeln und demokratische Institutionen,
bürgerliche Freiheiten und Sicherheiten sowie den Schutz der
Menschenrechte in Frage stellen. Ein Sohn Bolsonaros gilt als
Schlüsselfigur für die Vernetzung der lateinamerikanischen mit der
internationalen Rechten und Jair Bolsonaro rief seine Anhänger zu
Massendemonstrationen gegen die Einschränkungen für Musks Plattform
X auf. Zur Amtseinführung konnte er nicht kommen. Wegen laufender
Verfahren ist er mit einem Ausreiseverbot aus Brasilien belegt.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Thema Migration
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Die Bekämpfung der Migration war und ist ein Trump’sches
Kernthema. Er sieht sie gerne als gezielten Versuch (von wem
eigentlich?) die Vereinigten Staaten zu schwächen. Migranten
bezeichnet er als Terroristen, Vergewaltiger, Gesindel, Verbrecher
und drohte mit der größten Abschiebungswelle, die die Welt gesehen
hat. Dadurch werden vor allem Mexiko und die mittelamerikanischen
Länder unter massiven Druck geraten und die Beziehungen belastet.
Unter Androhung von Strafzöllen durchgesetzte Zwangsabschiebungen in
Rambo-Manier gaben einen Vorgeschmack.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Auch unter Biden war die Migrationspolitik restriktiv, aber durch
bestimmte Schutzmechanismen – 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Temporary Protection Status
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
     
etwa für Kinder oder Menschen aus Kuba, Haiti, Nicaragua und
Venezuela – abgemildert. Nun sollen flächendeckende Razzien, auch
in Spitälern und Kirchen, sowie Massendeportationen durchgeführt
werden. Grenzkontrollen sollen weiter militarisiert und
Grenzbefestigungen ausgebaut werden. Die mexikanische Präsidentin
Claudia Sheinbaum hat angekündigt, ihre Landsleute schützen zu
wollen, etwa durch Rechtsbeistand über die Konsulate.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Von
den angedrohten Abschiebevorhaben sind potenziell vier Millionen
Menschen aus Mexiko betroffen, zwei Millionen aus Mittelamerika, mehr
als 800.000 aus Südamerika und 400.000 aus der Karibik. Rhetorischer
Theaterdonner und Symbolpolitik also? Jenseits des dafür bewusst
in Kauf genommenen
menschlichen
Leids
und persönlicher
Katastrophen: Weder für die abschiebenden
Behörden
noch für die Länder, die sie aufnehmen sollen dürfte das überhaupt
auch nur annähernd zu
leisten sein. Mehr noch:
Nicht nur für Kuba, für eine ganze Reihe krisengeplagter
Volkswirtschaften sind Familienüberweisungen der wichtigste oder
zumindest ein wichtiger Devisenbringer. In Guatemala, Honduras und El
Salvador entsprechen sie jeweils etwa einem Viertel des
Bruttoinlandsprodukts.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Thema Drogen
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    In
der puritanistischen Einwanderergesellschaft waren „Drogen“ stets
als besonders gravierendes und meist als von Außen in den „gesunden
Gesellschaftskörper“ hereingetragenes Problem wahrgenommen
worden. Die USA waren es auch, die mit der Haager Konvention von 1912
das erste internationale Drogenabkommen überhaupt forciert hatten.
Seitdem Präsident Richard
Nixon den Drogen im Jahr 1972 „den Krieg“ erklärte, war es über
Parteigrenzen hinweg ein politisches Tabu

    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      soft on drugs
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
zu erscheinen. Während
der Präsidentschaft von Ronald Reagan kamen in den 1980er
Jahren die südamerikanischen Produzentenländer von Kokain in den
Focus, das als Hauptproblem angesehen wurde. 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Going
to the 
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    source
hieß die Devise. Während
innenpolitisch in den letzten Jahren stärker differenziert und mehr
Gewicht auf gesundheitspolitische Ansätze
gelegt wurde, hat sich bei der Externalisierung der Drogenpolitik
wenig geändert.
Nur
Weltpolizist Uncle Sam verfügt seit 1978 über ein Büro für
internationale Drogen- und Gesetzesvollzugsangelegenheiten im
Außenministerium, dessen Budget stets erheblich über dem des
entsprechenden Pendants
bei den Vereinten Nationen (UNDCP)
liegt;
hinzu kommen
einschlägige Budgets, etwa im Pentagon.*
Doch
der jahrzehntelange,
teilweise
militarisierte Drogenkrieg ist
bei hohen sozialen und ökologischen Kosten gescheitert. Die
Produktion von Kokain (Bolivien, Kolumbien, Peru) ist auf
Rekordniveau. Begleiterscheinung der militarisierten Drogenbekämpfung
waren ausufernde Gewalt und Menschenrechtsverletzungen. Doch
heute steht nicht mehr das pflanzenbasierte Kokain im Vordergrund,
sondern das synthetisch hergestellte Fentanyl, das aus Mexiko kommt.
Seit 2008 sind mehr als eine
Million Menschen
in den USA an Überdosen des
starken
Opioids
Fentanyl gestorben. Nach
Jahren
stetigen Anstiegs geht ihre Zahl aktuell zurück. Während Trumps
erster Amtszeit hatte sie sich vervierfacht. Die Biden-Administration
hatte darauf mit einem Bündel von Maßnahmen der 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      harm
reduction
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
(Schadensminderung) reagiert, während die Republikaner traditionell
eher auf das Strafgesetzbuch setzen. Trump
hat angekündigt, mexikanische Drogenorganisationen als Terrorgruppen
einzustufen und bedroht die
mexikanische Regierung mit Strafzöllen, um sie „zum Handeln zu
zwingen“.
In republikanischen Kreisen wurden darüber
hinaus Militäreinsätze in
Mexiko, einschließlich der

    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      US
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Special Forces 
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    angedacht.
Die mexikanische Regierung dürfte über diesen Unilateralismus alles
andere als begeistert sein, selbst wenn es im Endeffekt nicht so
weit kommen sollte. Es
drohen Gegenzölle und ein Handelskrieg zu beiderseitigem Nachteil.
Gefragt wäre vielmehr
Kooperation bei der Stärkung des Justizsystems und bei der
Korruptionsbekämpfung.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Der Fall
Venezuela
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Hier darf man eine Rückkehr zur Politik der ersten Amtsperiode
Trumps erwarten. Am Tag vor der Amtseinführung des selbsterklärten
Wahlsiegers Nicolás Maduro benannte Donald Trump in einem 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Post
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
dessen Gegenspieler Edmundo Gonzáles Urrutia als Präsident und
lobte die Unterstützung für ihn durch die venezolanische 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Community
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
in den USA. Marco Rubio sagte in seiner Anhörung
als designierter Außenminister vor dem Kongress, das Land sei von
kriminellen Organisationen und Drogenhändlern kontrolliert und
kritisierte die Biden-Regierung für die Lockerung von Sanktionen.
Trumps designierter Sicherheitsberater Michael Waltz traf Gonzáles Urrutia
(noch in seiner Eigenschaft als Kongressabgeordneter für Florida)
bei dessen Besuch in Washington. Dieser
wirbt mit dem Argument, dass nach
einem Systemwechsel Millionen Flüchtlinge freiwillig nach Venezuela
zurückkehren würden. Maduro
wiederum dürfte an einer Verlängerung der Öl-Lizenzen interessiert
sein und könnte im Gegenzug bei publikumswirksamen Abschiebeflügen
kooperieren. Venezuela ist der drittgrößte Öllieferant für die
USA (2024) und Trump braucht Öl zur Reduzierung der Energiekosten
(„
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      drill baby drill“
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    ).
Hier kommt der „Freihändler“ Richard Grenell ins Spiel, der
bereits in der Vergangenheit mit Maduro verhandelt hat.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Der
Fall Kolumbien
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Kolumbien ist traditionell der
wichtigste Verbündete der USA in der Region, die wichtigste Auffang-
und Durchgangsstation für Migranten aus Venezuela und priorisiert
den Handel mit den USA vor dem mit China – auch unter der
Linksregierung von Präsident Gustavo Petro. Die
USA haben dort im Rahmen des Drogenkriegs sieben Militärbasen. Zwar
ist seit dem Friedensabkommen mit den 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Fuerzas 
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Armadas

    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Revolucionarias de Colombia (
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    FARC)
von 2016 die Gewalt im Land
deutlich reduziert. Wichtig
wäre heute Unterstützung beim Ausbau rechtsstaatlicher Präsenz in
den von den FARC verlassenen Gebieten und die Bekämpfung der
Konfliktursachen. Doch
weiterhin bekämpfen sich die noch aktive Guerilla ELN (
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Ejército
de la Liberación Nacional
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    ),
FARC-Dissidenten (zuletzt in der
Region Catatumbo, wo es um
Transitrouten für Kokain
geht), rechtsextreme
Paramilitärs
untereinander – und
mit dem Militär. Alle
zusammen werden sie GAI (
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Grupos Armados Ilegales
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    )
genannt und diese Gruppen kontrollieren einen Großteil der
Kokainproduktion, die in Hochproduktivitätszonen vor allem im Süden
Kolumbiens konzentriert ist und auf historischem Rekordniveau liegt.
Hier bieten sich Kooperationsmöglichkeiten. Größer scheint jedoch
die Gefahr, dass die
Trump-Regierung auf die alten
martialischen
Strategien setzt und es darüber zu Auffassungsunterschieden mit der
Regierung
von Gustavo
Petro kommt, die man bereits
mit der Erpressung von Zwangsabschiebungen brüskiert hat.
Schließlich hatte man bis vor zehn Jahren unter US-Regie in großem
Stil Kokafelder mit Pflanzengift aus der Luft besprüht. 

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Der Fall 
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Zentralamerika
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Zentralamerika
ist neben Mexiko die wichtigste Heimat von Migranten, die in die USA
kommen. Die betroffenen Länder dürften mit der angedrohten
Abschiebungspraxis unter erheblichen Druck geraten. Hierzu
hat man in Washington noch keinerlei
spezifische Maßnahmen definiert, doch dürfte eine Abkehr von der
langfristig angelegten, proaktiven Politik der Ursachenbekämpfung
erfolgen,
für die Vizepräsidentin Kamala Harris zuständig war. Gewalt
ist die wichtigste Fluchtursache dort. Durch Massenabschiebungen
dürften Gewalt und Chaos zunehmen. So
werden keine Probleme gelöst, sondern neue geschaffen.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Politisch könnte Präsidentin Xiomara Castro in Honduras wegen ihrer
Beziehungen zu Venezuela, Kuba, Nicaragua und China unter Druck
geraten. Das Trump-Lager hatte ferner enge Beziehungen zu Leuten
unterhalten, die in Guatemala wegen Korruption sanktioniert wurden.
Sie könnten Frühlingsluft wittern.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Der Fall 
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Kuba
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Unter dem Druck des nunmehrigen
Außenministers Marco Rubio hatte Trump in seiner ersten Amtszeit die
Tauwetter-Politik unter Präsident Obama aufgehoben, neue Sanktionen
verhängt, gemeinsame Arbeitsgruppen – etwa zu Migration,
Menschenrechten und Umwelt – aufgelöst und Kuba wieder auf die
Liste der Staaten gesetzt, die Terror unterstützen. Einige dieser
Maßnahmen wurden von der Biden-Regierung
aufgehoben. Die Streichung Kubas von der „Terrorliste“ erfolgte
erst nach der Freilassung von 553 Inhaftierten kurz vor Ende seiner
Amtszeit und wurde nun von Trump umgehend wieder rückgängig gemacht. Mit dem Exilkubaner Marco Rubio und anderen Hardlinern in
Schlüsselpositionen dürfte sich die sowieso schon sehr begrenzte
Entspannung der Beziehungen erledigen.
Möglicherweise liegt in der Migration ein Anknüpfungspunkt für
politischen Pragmatismus, die mit der Zuspitzung der Wirtschaftskrise
auf der Insel seit 2022 auf Rekordhöhe liegt.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Thema
WHO
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Die Weltgesundheitsorganisation
WHO mit Sitz in Genf bedauert
in einem Statement den Austritt der USA. Mit
8.000 Beschäftigten ist sie die größte UNO-Unterorganisation. Sie
wurde am 7. April 1948 zu dem Zweck gegründet, sich für
„bestmögliche Gesundheit für alle“ einzusetzen. Zu ihren
Erfolgen gehört der Kampf gegen Infektionskrankheiten wie Polio und
Pocken. Für viele Länder, gerade im globalen Süden, sind ihre
Frühwarnungen, Koordination und Notfallfonds im Ernstfall
lebenswichtig. Mit 18 Prozent
sind die USA
der größte Beitragszahler zum WHO-Budget. Der Austritt muss
gegenüber dem UNO-Generalsekretär Guterres noch schriftlich erklärt
werden, dann dauert es ein Jahr bis er wirksam wird.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Thema
Klima
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
     Die
Klimakrise führt immer schneller zu immer mehr Katastrophen. Das
zeigen zuletzt auch die verheerenden Brände in Kalifornien, für die
Trump nur
mangelhaften
Katastrophenschutz verantwortlich macht. Allein im bolivianischen
Amazonien sind im letzten Jahr 10 Millionen Hektar – eine Fläche
größer als Österreich – abgebrannt (2023
waren es „nur“ 6,3 Millionen Hektar), während das Land nun, zur
Regenzeit, unter Überschwemmungen leidet. Für Donald Trump ist die
Klimakrise aber eine „Erfindung“ und er hat folgerichtig den
Austritt aus dem Pariser Klimaschutzabkommen angekündigt,
das mit seinem ohnehin
inzwischen
außer
Reichweite geratendem
1,5 Prozent-Ziel am 12. Dezember 2015 beschlossen wurde. Ganz im
Sinne der kurz vorher beschlossenen Agenda 2030, den Nachhaltigen
Entwicklungszielen der Vereinten Nationen. Eine
weitere Abkehr vom Multilateralismus.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Was
sonst?
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Außenminister
Marco Rubio hat alle Hilfsprogramme eingefroren. Es wird geprüft, ob
sie in Trumps Konzept passen. Einschlägige
Kooperationsprogramme
zum Minderheitenschutz, Gender, Anti-Rassismus stehen ebenso zur
Disposition wie die Unterstützung der in dieser Richtung aktiven
NGOs. So erwartet etwa das WOLA die Rückkehr zur sogenannten
Mexiko-City-Politik, die US-Hilfen an Organisationen untersagt, die
Abtreibung befürworten, um nur ein Beispiel zu nennen. Der
US-kolumbianische Anti-Rassismus-Aktionsplan könnten dem zum Opfer
fallen.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Für
die nächsten zwei Jahre wird Trump eine republikanische
Kongressmehrheit zur Durchsetzung seiner Politik hinter sich haben.
Lateinamerika muss steifen Nordwind im Sinne der Unterstützung
autoritärer Strömungen, Menschenrechtsprobleme
sowie wirtschaftliche und geostrategische Herausforderungen
befürchten.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Geopolitik
des Zugangs
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Nicht erst seit dem Krieg in der
Ukraine ist die Geopolitik zurück auf der Agenda. Dabei
hat Trump – neben den Drohungen an China – zuletzt
Kopfschütteln ausgelöst,
indem er ankündigte, Kanada
als 51. Bundesstaat integrieren und Grönland kaufen sowie den
Panama-Kanal notfalls militärisch besetzen zu
wollen: „Make America Great
Again“. Der in den USA geborene und emeritierte Politologe der Uni
Wien, Mitchell Ash, unterscheidet im Trump-Team Erzkonservative,
Milliardäre und Verrückte – und vielfach wurden die
geopolitischen Begehrlichkeiten als verrückt abgetan. Ganz so
einfach ist es nicht. Trump liebt es Drohkulissen und Druck
aufzubauen. Ein weiteres
Abschmelzen der Arktis würde neue Routen für die Schifffahrt
eröffnen und den Seeweg von Westeuropa nach Asien
um zwei Wochen verkürzen. Kontrollieren lassen sie
sich von Grönland aus, das
zum EU-Mitglied und NATO-Partner Dänemark gehört. Das Trump’sche
Getöse mag in einem ersten Schritt Abspaltungstendenzen beflügeln.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Über den Panama-Kanal laufen
5 Prozent des Welthandels. Besonders wichtig ist er für die
Verbindung der US-Westküste nach Asien. Die USA sind auch stärkster
Nutzer mit 40 Prozent der transportierten Container, vor China (21)
und Japan mit 14 Prozent. Überhaupt ist der Kanal
    
                    &#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
    
                    
    als solcher ein Produkt
des US-Imperialismus. Nach einer militärischen Intervention wurde
Panama
im Jahr 1903 von Kolumbien
abgespalten und noch im gleichen Jahr wurde der Vertrag zum Bau des
Kanals unterzeichnet, der dann 1914 fertig gestellt wurde. Panama war
mit der Howards Air Force Base bis 1999 das Hauptquartier des für
Südamerika zuständigen Southern Command der US-Streitkräfte. Im
gleichen Jahr wurde der Kanal aufgrund der Carter-Torrijos-Verträge
von 1977 an Panama übergeben.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Heute werden an beiden
Enden des Kanals die Häfen
von einer Tochter der CK Hutchinson Holding mit Sitz in Hong Kong
bewirtschaftet,
was nicht nur Trump beunruhigen dürfte, zumal es im vergangenen Jahr
2024
wegen Wassermangel
zu ernsten Behinderungen und Gerangel um die Passagen
kam. Gleichzeitig wurde
durch den Beschuss der
Huthi-Rebellen auch der Verkehr durch den Suez Kanal behindert.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Damit nicht genug wurde im November
2024 durch die peruanische Präsidentin Dina Boluarte, deren linker
Vorgänger im Dezember 2022
durch einen kalten
Putsch ins Gefängnis
befördert worden war,  der Hafen
Chancay bei Lima eröffnet. Die Eröffnung erfolgte im Beisein des
chinesischen Staatspräsidenten
Xi Jinping. Die staatliche chinesische Schifffahrtsgesellschaft COSCO
hatte 3,4 Milliarden USD investiert. Der
Sonderbeauftragte Claver-Carone trat mit dem Vorschlag hervor, Waren,
die den Hafen von Chancay durchlaufen, mit 60
Prozent Zoll zu belegen.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Zusammen
mit Argentinien bauen die USA
ihrerseits in aller Stille an
einer gemeinsamen Marinebasis in Ushuaia, dem Tor zur Antarktis, wie
bei einem gemeinsamen Besuch der Southcom Chefin Generalin
Laura Richardson, dem US Botschafter
und Präsident
Javier Milei im April 2024 deutlich wurde.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Nach
Verlegung des
Southcom
aus Panama war
die Basis auf dem ecuadorianischen Flughafen Manta (1999-2009) das
Zentrum der militärischen
US-Aktivitäten in Südamerika. Die Verträge wurden jedoch
vom damaligen Präsidenten
Rafael Correa nicht verlängert. Der aktuelle ecuadorianische
Präsident Daniel Noboa würde
sie gerne erneuern, was inzwischen
aber gegen die Verfassung
verstieße. Ferner
braucht er
die Unterstützung Washingtons bei seiner Politik der harten Hand im
Kampf gegen den Drogenhandel, womit er im Weißen Haus offene Türen
einrennen dürfte.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Generalin Laura
Richardson war es auch, die sich in der Vergangenheit mehrfach
öffentlich um
den Verlust der Kontrolle in Sachen Rohstoffe zu Gunsten Chinas
sorgte. Hier geht
es insbesondere um Kupfer und Lithium. Beides braucht man für
Elektroautos und Tesla-Chef
Musk dürfte ein massives Interesse am Lithium-Dreieck Argentinien,
Bolivien, Chile haben. Chile ist vor Peru auch der weltgrößte
Kupferproduzent.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Die
weltweit größten Lithium-Reserven liegen in Bolivien. Am 12.
Dezember 2018 war in Berlin im Beisein des bolivianischen
Außenministers und des deutschen Wirtschaftsministers Peter Altmaier
ein Joint Venture zur Lithiumgewinnung gegründet worden. Bis zum
November 2019 saß der beteiligte baden-württembergische
Mittelständler auf unterschriftsreifen Verträgen, die dann auf Eis
gelegt wurden, was zu Spekulationen über eine Beteiligung von
Mitkonkurrenten am seinerzeitigen
Sturz
der Regierung Morales Anlass gab, zumal Elon Musk, darauf angesprochen, in seiner bekannt
flapsigen Art später sagte: „Wir stürzen wen
wir wollen.“ Zweifellos hätte er die finanziellen Mittel dazu.
Sicher ist, dass es auch
innerhalb Boliviens Widerstände gegen die Verträge gab.
Nachdem
eine demokratisch gewählte Regierung Ende
2020 die
Regierungsgeschäfte
in
La Paz übernahm
wurden auch
Verhandlungen
wiederaufgenommen, an denen aber
kein
europäisches Land mehr beteiligt war, was möglicherweise der
zweifelhaften Rolle des damaligen EU-Botschafters León
de la Torre bei der Machtergreifung der politischen Rechten
geschuldet ist. Investiert haben inzwischen chinesische und ein
russisches Unternehmen im bolivianischen
Salar
de Uyuni.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Nicht
nur im Lithium-Dreieck hat China die USA überholt. Chinas
Handelsvolumen mit Lateinamerika ist zwischen 2000 und 2022 von 12
auf 485 Milliarden
USD gestiegen. Stark
gewachsen
ist auch die Bedeutung chinesischer Kredite. Für Argentinien,
Bolivien, Brasilien, Chile, Paraguay, Peru, Uruguay und Venezuela ist
China der wichtigste Handelspartner.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Drängen
die USA unter Trump nun in ihren alten Hinterhof – gemäß
der
Monroe-Doktrin von 1823 –
zurück? Diese war mit ihrem 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      „hands
off Latin America“
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
gegen den europäischen Imperialismus gerichtet. Heute könnte es
darum gehen, Terrain zurück zu gewinnen. Allzu großes Gepolter
dürfte dabei
nicht hilfreich sein, zumal die progressiven Länder heute besser
untereinander vernetzt sind und mit China eine mächtige Alternative
haben. So erfolgten beispielsweise auf
die aktuellen
Drohungen
gegen Mexiko und Panama umgehend Solidaritätsbekundungen aus dem
Süden. Während die
Lateinamerikaner
auf Diversifizierung ihrer Beziehungen setzen, hat Europa
ihre
Avancen stets eher verpuffen lassen und
ist im außenpolitischen „Beiwagerl“ Washingtons
sitzen
geblieben, wo Präsident Trump nun wieder mit der Abkoppelung droht.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Wie auch immer: Vieles von dem, was Trump mit Pauken und Trompeten
ankündigt, wird sich so gar nicht umsetzen lassen und könnte
letztlich auch für die Vereinigten Staaten und seine Oligarchen
selbst kontraproduktiv sein. Ungeachtet dessen dürften damit große
Probleme für Lateinamerika verbunden sein. Wie ein Blick auf
Lateinamerika zeigt: Das Liebäugeln mit dessen Politikstil sowie
unilaterale und autoritäre Ansätze führen in die Sackgasse und
schaffen mehr Probleme als sie lösen. In einer Zeit multipler und
sich verschärfender Krisen ist damit zusätzlich die Gefahr
zunehmender Konflikte und eines Abgleitens in den Faschismus
verbunden.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    *

Näheres siehe Lessmann, Der Drogenkrieg in den Anden, Wiesbaden,
2016; 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Bureau for
International Narcotics Matters and Law Enforcement Affairs
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    ;
UNODC

    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      United Nations
Office on Drugs and Crime.
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Mon, 27 Jan 2025 11:28:28 GMT</pubDate>
      <guid>https://www.robert-lessmann.com/usa-trump-die-zweite-und-lateinamerika5f0c1341</guid>
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      <media:content medium="image" url="https://cdn.website-editor.net/s/4e3a91da2fa849afa260009be23256a9/dms3rep/multi/Trump-Lateinamerika_1.jpeg">
        <media:description>thumbnail</media:description>
      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Gastbeitrag: Interview mit dem venezolanischen Soziologen Edgardo Lander</title>
      <link>https://www.robert-lessmann.com/gastbeitrag-interview-mit-dem-venezolanischen-soziologen-edgardo-lander29d06b2e</link>
      <description />
      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
                  
  Am
28. Juli 2024 fanden in Venezuela Präsidentschaftswahlen statt. Kurz
nach den Wahlen erklärte der Nationale Wahlrat den Amtsinhaber,
Nicolás Maduro, mit 51,2 Prozent der Stimmen zum Wahlsieger. Bis
heute fehlt jeglicher Beweis, dass Maduro die Wahlen gewonnen hat.
Weder der Präsident, noch der Nationale Wahlrat haben bisher die
Wahlprotokolle aus den Stimmbezirken veröffentlicht. Diese würden
mit ziemlicher Sicherheit bestätigen, dass nicht Maduro die Wahlen
gewonnen hat, sondern sein Herausforderer, Edmundo González Urrutia
vom Oppositionsbündnis Plataforma Unitaria Democrática. Denn in
Venezuela einen Wahlbetrug zu vertuschen ist nahezu unmöglich,
erklärt Edgardo Lander, Soziologe und emeritierter Professor der
Universidad Central de Venezuela. Kristina Dietz und Ulrich Brand haben Edgardo
Lander Anfang Oktober in Kolumbien getroffen und zur Situation in
Venezuela befragt.

                &#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/s/4e3a91da2fa849afa260009be23256a9/dms3rep/multi/IMG_0427.jpg" alt="" title=""/&gt;&#xD;
  &lt;span&gt;&#xD;
  &lt;/span&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Es scheint, als ob die Regierung von Nicolás Maduro trotz
offensichtlicher Wahlfälschungen, breiter Proteste und
internationaler Kritik, z
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      um 
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      B
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      eispiel
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
       von
den Regierungen Kolumbiens, Chiles und Brasiliens, an der Macht
bleiben kann. Wie siehst Du die Situation heute in Venezuela? 
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Die
aktuelle Situation in Venezuela ist durch das Zusammenwirken
verschiedener Ereignisse gekennzeichnet. Erstens haben der Wahlbetrug
vom 28. Juli und die Geschehnisse rund um die Wahl die venezolanische
Gesellschaft in ihren Grundfesten erschüttert. Die Wahlbeteiligung
war mit 73 Prozent sehr hoch.  Unabhängige Wahlbeobachter:innen
achteten darauf, dass es keine Unregelmäßigkeiten gab. Am Ende des
Wahltages gab es nicht den geringsten Zweifel daran, dass die
Regierung die Wahl verloren hatte, und zwar eindeutig. Der Mythos, die
venezolanische Gesellschaft würde mehrheitlich hinter dem Chavismus
stehen, wurde an diesem Tag ein für alle Mal zerstört. Die
Regierung hat nicht die geringste Chance, wieder Vertrauen von der
Bevölkerung zu erhalten. Maduro hat sich mit der Behauptung, er habe
die Wahlen gewonnen, gegen die Bevölkerung gestellt und für den Weg
der Repression entschieden. In den Tagen nach der Wahl wurden mehr
als 2000 Personen inhaftiert, etwa 100 Jugendliche wurden mit Vorwurf
des Terrorismus inhaftiert. Dieses brutale Vorgehen hat Angst,
Unsicherheit und Verwirrung in der Bevölkerung ausgelöst. Es ist
immer noch unklar, wie der repressiven und autoritären Haltung der
Regierung begegnet werden soll. Ein Aufstand der Bevölkerung, der
die Regierung bedrohen könnte, ist keine Option. Die venezolanische
Gesellschaft verfügt schlichtweg über keinen Organisationsgrad, mit
dem er gelingen könnte. Zudem haben die Leute Angst. 

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Zweitens
ist das, was die Regierung gerade inszeniert, nicht einfach nur die
Nichtanerkennung einer Wahlniederlage unter Beibehaltung der
bestehenden institutionellen Ordnung. Was in Venezuela gerade
passiert, ist die schrittweise Etablierung einer zunehmend
autoritären Rechtsordnung. Die Negation der Wahlniederlage ist ein
weiterer Schritt in einem Prozess, der sich bereits länger
angekündigt hat. In den letzten Jahren hat die Regierung eine Reihe
von Gesetzen verabschiedet, etwa das Gesetz gegen Hass, das Gesetz
gegen Terrorismus oder das Gesetz gegen Faschismus. Mit diesen
Gesetzen wurden die demokratischen Grundrechte immer mehr
eingeschränkt und die Befugnisse der Regierung und des Präsidenten
mehr und mehr ausgeweitet. Mit diesen neuen Gesetzen hat die
Regierung die politische Debatte im Land verändert, der Ton ist
zunehmend autoritär. Konzepte wie Hass oder Terrorismus werden
wahllos eingesetzt, um politische Gegner:innen auszuschalten. Der
Vorwurf des Terrorismus kann Haftstrafen von 20-30 Jahren zur Folge
haben. Was wir gerade beobachten, ist keine improvisierte Reaktion
auf eine Wahlniederlage, sondern die schrittweise Durchsetzung eines
autoritären Projektes. Allerdings markiert der 28. Juli 2024 einen
profunden Wendepunkt in diesem Prozess: Wenn die Souveränität der
Bevölkerung und die Verfassung missachtet werden, dann hört die
Demokratie auf zu existieren.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Hast
Du die Reaktion der Regierung so erwartet oder bist Du davon
ausgegangen, dass Maduro einen Sieg der Opposition akzeptieren würde?
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Die
Erfahrungen von Übergängen vom Autoritarismus zur Demokratie in den
verschiedenen Teilen der Welt haben gezeigt, dass Übergänge meistens
ausgehandelt werden, vor allem dann, wenn es keine Kraft gibt, die in
der Lage ist, eine Regierung zu besiegen. Es kommt zu einem
paktierten Übergang, einem Pakt zwischen alten und neuen politischen
Eliten. Das war in Chile zum Ende der Pinochet-Diktatur so, in
Spanien, in Griechenland. In Venezuela gab es im Vorfeld
zurückliegender Wahlen Diskussionen hierzu. Diesmal war es anders.
Anders als sonst, entschied sich die Opposition für die Teilnahme an
den Wahlen. In den Jahren zuvor hatte sie zur Wahlenthaltung
aufgerufen mit dem Ziel, die Regierung zu delegitimieren, nach dem
Motto, „die Regierung betrügt eh, eine Wahlbeteiligung lohnt sich
nicht“. Einige Oppositionelle forderten sogar die USA auf, in
Venezuela zu intervenieren. Das war diesmal anders. Die Opposition
begann sich zu organisieren und für die Wahl zu mobilisieren.
Nachdem den meisten der möglichen Oppositionskandidat:innen die
Einschreibung zur Wahl verweigert wurde, blieb am Ende fast zufällig
Edmundo González als Präsidentschaftskandidat der Opposition übrig.
Zu diesem Zeitpunkt ging es für die Mehrheit der Bevölkerung nicht
mehr darum, wer der Kandidat der Opposition war, sondern darum,
Maduro zu besiegen. Das politische Programm war vollkommen egal. Und
zwar so sehr, dass innerhalb von zwei Wochen eine Person, die der
großen Mehrheit der Bevölkerung völlig unbekannt war, viel mehr
Unterstützung in der Bevölkerung erhielt als Maduro. González
wurde zu dem Kandidat, der Maduro besiegen konnte. 

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Um
auf das Thema der ausgehandelten Übergänge zurückzukommen: In den
vergangenen Jahren und besonders in den Monaten vor Wahlen, wurde in
Venezuela immer viel über die Möglichkeit von Verhandlungen
diskutiert. Gefragt wurde, wie sich die Kosten des Verbleibs für die
Regierung erhöhen oder die Kosten des Ausstiegs senken ließen. Das
gab es diesmal nicht. María Corina Machado [Anführerin der rechten
Opposition, der 2023 die Ausübung politischer Ämter für 15 Jahre
seitens der Maduro-Regierung untersagt wurde] sprach stattdessen
davon, Maduro inhaftiert sehen zu wollen. Die US-Regierung lobte eine
Belohnung von 15 Millionen Dollar für Informationen aus, die es
erlauben würden, diesen „Kriminellen“ [Maduro] zu fassen. All
das machte jeden Raum für Verhandlungen zu. Der Diskurs der
Opposition und die US-Politik haben in gewisser Weise dazu
beigetragen, dass Maduro sich radikalisierte. Nach dem Motto: „Wenn
die Aufgabe der Präsidentschaft bedeutet, dass sie mich inhaftieren,
meine Ersparnisse konfiszieren und der Chavismus als Bewegung
zerstört wird, dann bleibt nur eins: Bis zum Ende an der Macht
festhalten“. Weder in den Positionen der rechtsgerichteten
nationalen Kräfte, noch in jenen der US-Regierung eröffneten sich
Chancen für einen Verhandlungsübergang.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Du
sprichst von der Regierung Maduro 
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      als 
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      von einem
„zivil-militärisch-polizeilichen Regime“. Was meinst Du damit?
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Die
Allianz zwischen Regierung, Militär und Polizei wird zunehmend
deutlich. Das war vor den Wahlen bereits so, aber eher diskret, nun
wird es immer klarer und öffentlich sichtbar. Nach den Wahlen gab es
eine gemeinsame Pressekonferenz des Oberkommandos des Militärs und
des Oberkommandos der Polizei, die Maduro absolute Rückendeckung
gaben und den Wahlsieg Maduros anerkannten. Das bedeutete einen
Bruch. Dass die Militärs autoritäre Regierungen vorbehaltlos
unterstützen, ist ein trauriger Teil der Geschichte Lateinamerikas.
Aber dass die Polizei sich dem öffentlich anschließt ist ein Novum
und weist eindeutig in Richtung Autoritarismus. Als Chávez zum
ersten Mal für die Präsidentschaft kandidierte, appellierte er an
die zivil-militärische Union, denn er war ein Vertreter des
Militärs. Er appellierte an die Idee, dass das Militär zusammen mit
zivilen Kräften die Gesellschaft verändern könnte. Das Thema der
zivil-militärischen Union gab es also schon vor der  ersten Wahl von
Chávez zum Präsidenten. Aber wenn zu dieser Union jetzt noch die
Polizei hinzugefügt wird, ist das so, wie einen Polizeistaat
auszurufen. Das ist sehr ernst.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Wie
ist die wirtschaftliche Situation im Land? Welche wirtschaftlichen
Interessen stehen hinter diesem Bündnis?
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Die
allgemeine Situation des Landes ist katastrophal. Es gibt einen
bekannten venezolanischen Wirtschaftswissenschaftler, der vor Kurzem
zynisch bemerkte, dass die Situation der venezolanischen Wirtschaft
sehr stabil sei. Stabil im Graben, sie bewege sich nicht. Das
Inlandsprodukt beträgt etwa 20 Prozent dessen, was es vor 10 Jahren
war – ein Einbruch von 80 Prozent der Wertschöpfung in zehn
Jahren. So etwas kommt nicht mal in Kriegszeiten vor. Und das
bedeutet, dass die Beschäftigungslage katastrophal ist. Der
Mindestlohn liegt bei drei Dollar im Monat, das Bildungs- und das
Gesundheitssystem brechen zusammen. In den Grundschulen kommen die
Lehrer:innen manchmal zwei Tage in der Woche zum Unterrichten. An den
anderen Tagen versuchen sie, andere Einkommensquellen zu erschließen,
um zu überleben. Die Krankenhäuser erfüllen nicht die
Anforderungen des öffentlichen Gesundheitswesens, die Zahl der
Krankenschwestern, die das Land verlassen haben, ist extrem hoch. Die
Löhne reichen nicht zum Überleben. Insgesamt haben 25-30 Prozent
der Bevölkerung das Land verlassen. Die jungen Leute haben das
Gefühl, dass sie ihrer Zukunft beraubt wurden, dass wir uns in einem
Land befinden, in dem es keine Zukunft gibt. Das Land zu verlassen
stellt für viele die einzige reale Alternative dar. Aber wenn die
Alternative für die Jüngeren nicht der politische Aktivismus, der
soziale Kampf und die Konfrontation mit der Regierung ist, sondern
das Verlassen des Landes, weil sie die Hoffnung verloren haben, dann
ist das dramatisch.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Wie
viele Menschen haben ungefähr das Land verlassen?
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Die
Schätzungen variieren, sie liegen zwischen sieben und acht Millionen
Menschen in einem Land mit vormals 30 Millionen Einwohner:innen. Die
Emigration begann langsam vor etwa zehn Jahren und hat in den letzten
sechs Jahren stark zugenommen. Die zweitgrößte Stadt Maracaibo ist
wahrscheinlich die Stadt mit der höchsten Abwanderungsrate. Manche
schätzen, dass bereits 40 Prozent der ehemaligen Bewohner:innen die
Stadt verlassen haben. Das hat natürlich Auswirkungen auf die
soziale und materielle Infrastruktur, die Gebäude, den sozialen
Zusammenhalt. Alles bricht zusammen.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Inwieweit
zieht der politisch-militärisch-polizeiliche Block auch
wirtschaftliche Vorteile aus der aktuellen Situation? 
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Wie
gesagt, die Regierung Chávez war eine zivil-militärische Regierung.
Das Militär hatte viel Macht und hatte wichtige Positionen inne, was
schon damals zu viel Korruption führte. Eine entscheidende
Institution in diesem Zusammenhang war in den Jahren der
Chávez-Regierung die Stelle, die für den Kauf von Devisen zuständig
war. Der Unterschied zwischen dem offiziellen Dollar, der dort
ausgegeben wurde, und dem Marktdollar betrug in einigen Fällen 10 zu
1. Wer also an die Devisen des offiziellen Dollars kam, konnte sich
bereichern. Mit einem Wechsel im Direktorium der venezolanischen
Zentralbank flog das alles auf. Die neue Direktorin begann die Konten
zu überprüfen und stellte fest, dass in jenem Jahr die Ausgaben von
20 Milliarden Dollar nicht belegt waren. Es handelte sich angeblich
um Importe des Staates, aber es gab keine Belege dafür, dass sie
tatsächlich getätigt worden waren. Allein in einem Jahr.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Und
sie wurde bald entlassen.
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Natürlich.
Mit Maduro hat sich diese Korruption deutlich verschlimmert. Chávez
kam aus dem Militär, er hatte von dort politisch-ideologische
Unterstützung und seine Führung war anerkannt. Nicht so bei Maduro,
der Zivilist aus einer linken Partei war, der Sozialistischen
Einheitspartei Venezuelas.  Er musste seine eigene Unterstützung
durch das Militär aufbauen, und das tat er im Wesentlichen, indem er
die Macht mit dem Militär teilte und viele öffentliche
Führungspositionen an das Militär gab. Schon unter Chávez und
unter dem Einfluss Kubas wurden viele Unternehmen verstaatlicht, was
zur wirtschaftlichen Krise beitrug, denn es fehlte oft ein
angemessenes Management, das Interesse an einer Entwicklung der
Produktion hatte. Sie wurden staatlich subventioniert. Der
Hintergrund der fehlenden Produktivität ist dramatisch: Die
Regierung hat in den letzten 25 Jahren nie ein eigenständiges
wirtschaftliches Projekt entwickelt. Im Zentrum stand immer die
Verteilung des Ölüberschusses. Als diese Überschüsse und die
Subventionen nachließen, fehlten die Möglichkeiten eigenständig zu
investieren, sich technologisch zu erneuern, Betriebsmittel zu
kaufen. Dazu kommen Wirtschaftssanktionen der USA. Beides zusammen
hat die Wirtschaft des Landes zerstört. Eine Wirtschaft, die 100
Jahre lang auf der Grundlage von Öl funktioniert hat. Der Staat war
der große Verteiler der Öleinnahmen, was die gesamte
Wirtschaftstätigkeit aufrechterhielt.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Vor
ein paar Jahren gab es ein Projekt der Regierung, dem
wirtschaftlichen Zusammenbruch mit der Erschließung des sogenannten
Orinoco-Bergbaubogens (
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      &lt;b&gt;&#xD;
        
                        
        Arco Minero del Orinoco
      
                      &#xD;
      &lt;/b&gt;&#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      )
entgegenzuwirken. Zusätzlich zum Öl sollten mit Bergbau Devisen ins
Land kommen. Wie hat sich dieses super-extraktivistische Projekt
entwickelt?
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Erstens
wurde erkannt, dass die Ölförderung als Grundlage der
Volkswirtschaft erschöpft ist. Die Fördermöglichkeiten nahmen ab,
die starken Preisschwankungen auf dem Weltmarkt führten immer wieder
zu Einbrüchen bei den Devisen- und Staatseinnahmen. Gleichzeitig gab
es seitens der Bevölkerung die Erwartung, dass die Wirtschaft weiter
wachsen würde, der Staat genug Mittel hätte und sich die
Lebensbedingungen verbessern würden. Doch es wurde, wie gesagt, kein
alternatives Projekt zur Schaffung von Wohlstand entwickelt. So etwas
benötigt ja auch Zeit. Stattdessen verkündete die Regierung im
Februar 2016, den Bergbau massiv zu fördern. Gerechtfertigt wurde
das damit, dass der illegale Kleinbergbau verschwinden müsse,
Ordnung zu schaffen sei und große Unternehmen, vor allem Goldfirmen
aus Kanada, investieren sollten. Das Gold sollte das Öl ersetzen.
Aber das ist nie passiert, unter anderem weil den internationalen
Unternehmen die Rechtssicherheit fehlte. 

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Die
großen Investoren blieben also aus. Stattdessen entwickelte sich ein
informeller Goldbergbau im Orinoco-Gebiet, an dem sich Teile des
Militär, die kolumbianische Guerilla ELN, kolumbianische
Paramilitärs und verschiedene venezolanische nichtstaatliche Akteure
bereichern. Unter diesen Akteuren bildeten sich so genannte
Syndikate, also nicht staatliche Gewaltakteure heraus, die die
Herrschaft in der Orinoco-Region übernahmen. Sie kontrollieren weite
Teile der Region, schlichten lokale Streitigkeiten, kontrollieren den
Goldbergbau, bestimmen den Preis, zu dem Gold verkauft werden kann.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Kommen
denn überhaupt internationale Investitionen nach Venezuela? Welche
Rolle spielt dabei die US-Regierung?
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Aktuell
kommen nur sehr wenige ausländische Investitionen ins Land. Anfang
Oktober war in der Presse zu lesen, dass die Regierung Biden die
Genehmigung für Chevron, in Venezuela Öl zu fördern und in die USA
zu exportieren, bis April nächsten Jahres verlängert. Die
Venezuela-Politik der US-Regierung ist durch kurzfristige und
langfristige Interessen gekennzeichnet, die nicht unbedingt
übereinstimmen. Zum einen verfolgt die US-Regierung die Strategie
der kurzfristigen Stabilisierung der venezolanischen Situation, das
heißt größtmögliche Stabilität im Inneren Venezuelas, um die
politischen Kosten einer steigenden venezolanischen Migration im
US-Wahlkampf gering zu halten. Nur so ist zu erklären, dass die
US-Regierung auf den Wahlbetrug nicht mit mehr Sanktionen reagiert
hat. Sie weiß, dass weitere Sanktionen zu verstärkter Migration,
weiterer Verschlechterung und größerer Instabilität führen
würden. Nach den Wahlen könnte sich dies also ändern. Zum anderen
bestimmt der langfristige geopolitische Wettbewerb mit China und der
Krieg in der Ukraine die US-Außenpolitik in Bezug auf Venezuela. Die
Vereinigten Staaten sind daran interessiert, mehr Öl auf den Markt
zu bringen, zur Not eben aus Venezuela, damit die europäischen
Staaten nicht in die Versuchung geraten, fossile Energien wieder aus
Russland zu kaufen.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Gleichzeitig
haben die Chinesen die Geduld mit Venezuela verloren. Venezuela
schuldet China etwa 60 Milliarden Dollar an Krediten, die es seit
einiger Zeit nicht bezahlt hat, die es vermutlich auch nicht bezahlen
wird. Eine ökonomische Unterstützung aus China gibt es praktisch
nicht mehr. Zwar arbeiten auch weiterhin chinesische Unternehmen in
Venezuela, etwa im Bereich Infrastruktur oder Ölförderung. Die
unterscheiden sich in Bezug auf Ausbeutung aber nicht von anderen
transnationalen Unternehmen.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Welche
Rolle spielen die Rücküberweisungen der Migrant:innen für die
Stabilität der Wirtschaft?
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Ich
kenne keine verlässlichen Schätzungen. Ein beträchtlicher Teil der
Menschen, die das Land verlassen haben, stammen aus sozialen
Schichten mit niedrigen Einkommen. Ihre Einkommensmöglichkeiten in
den Ankunftsländern sind begrenzt. Entsprechend gering sind die
Überweisungen nach Venezuela. Dennoch ist natürlich der Unterschied
für Familien, die zwischen einem Mindestlohn von 3 Dollar pro Monat
in Venezuela und einer Überweisung von 50 Dollar liegen, sehr groß.
Das Thema Migration hat in Venezuela eine tiefe gesellschaftliche
Wunde erzeugt. Alle sind betroffen; da ist etwa das Drama der
Großmütter, die davon überzeugt sind, dass sie ihre Enkel:innen
nie wieder sehen werden. Eines der Dinge, die die Kandidatin der
Opposition, María Corina Machado, in ihrer Wahlkampagne
vorgeschlagen hat, ist, dass die Kinder zurückkehren können
sollten, damit die Mütter ihre Kinder sehen können. Das ist etwas,
was die Gefühle der Menschen direkt anspricht. Die Migration ist
eine Realität, die das soziale Gefüge der venezolanischen
Gesellschaft und der Familien zerreißt.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Wie
fühlt sich die enorme Auswanderung im Alltag an? Was bedeutet das
für das soziale Gefüge?
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Für
die verschiedenen sozialen Schichten bedeutet es natürlich
Unterschiedliches. Die mittleren und oberen sozialen Schichten haben
die Möglichkeit zu reisen und können ihre Verwandten besuchen. In
den ärmeren Schichten wird es als eine Art Herzschmerz empfunden,
dass etwa Enkelkinder geboren werden und die Großeltern sie nie
kennen lernen werden. Da ist dieses Gefühl, dass es sich um einen
unumkehrbaren Prozess handelt.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Was
macht aktuell die Opposition und was machen die sozialen Bewegungen?
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Bei
der Opposition handelt es sich um ein heterogenes Spektrum
verschiedener Sektoren. Was in Venezuela als Opposition bezeichnet
wird ist ein Bündnis rechter Parteien, das Edmundo González Urrutia
und María Corina Machado unterstützte. Offensichtlich dachte dieser
Sektor, dass den Umfragen und den Mobilisierungen zufolge die
Niederlage der Regierung so absolut vernichtend sein würde, dass die
Regierung keine andere Wahl hätte, als die Macht abzugeben. Doch,
wie bereits weiter oben erwähnt, war das nicht möglich. Sie hatten
viele Beobachter:innen bei den Wahlen, Zeugen bei der Abstimmung,
Kopien der Protokolle, die sie veröffentlichten, um die Niederlage
zu belegen. Aber anscheinend gab es keinen Plan, wie man den Kampf
fortsetzen könnte, falls die Regierung so reagieren würde, wie sie
reagiert. Also sind sie gelähmt. María Machado traut sich nicht,
die Leute zum Straßenprotest zu mobilisieren, weil es zu viele
Repressionen gibt. Sie ist quasi untergetaucht, man hat sie schon
lange nicht mehr in der Öffentlichkeit gesehen. Sie ist zwar ständig
auf Pressekonferenzen, aber die sind alle virtuell. Es ist schwer zu
sagen, wie lange es dauert, bis ihr Aufenthaltsort bekannt wird.
Edmundo González hat das Land verlassen und ist mittlerweile in
Spanien.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Jenseits
der rechten Opposition gibt es Sektoren und Gruppen, die die
Notwendigkeit der Bildung eines breiten Bündnisses gegen die
Regierung erkennen. Die emanzipatorische Linke alleine wird den
Widerstand nicht leisten können. Es bedarf einer Art breiten Front
zur Verteidigung der Demokratie und der Verfassung. Es gibt einige
Schritte in diese Richtung, aber das wird nicht von heute auf morgen
geschehen. So hat zum Beispiel einer der Präsidentschaftskandidaten
einer Partei, die sich für soziale Fragen einsetzt aber nur sehr
wenig Stimmen erhalten hat, eine sehr aktive öffentliche Rolle in
den letzten Wochen eingenommen und alle zur Verfügung stehenden
rechtlichen Instrumente genutzt, um den Wahlbetrug anzuprangern. Ende
September hat er bei der höchsten Berufungsinstanz Venezuelas, der
Verfassungskammer des Obersten Gerichtshofs, einen Antrag auf
Aufhebung der Entscheidung der Wahlkammer gestellt, die den Betrug
besiegelte. Dafür hat er ein 80-seitiges Papier vorgelegt, in dem er
sehr präzise und minutiös alle Artikel der Verfassung, von
Wahlgesetzen und gesetzlich geregelter Verfahrensabläufe auflistet,
die während der Wahlen verletzt wurden. Eine kleine, mehr oder
weniger repräsentative Gruppe der Zivilgesellschaft hat das Dokument
unterschrieben, unter anderem wir als Bürger:innen-Plattform zur
Verteidigung der Verfassung in Venezuela. Das hat viel Aufmerksamkeit
in den sozialen Medien erzeugt, was sehr gut war. Die Idee im Moment
ist, viele kleinere Aktionen zu unternehmen, um die Kritik und den
Druck aufrechtzuerhalten, auch wenn es keinen Masterplan zum Sturz
einer Diktatur gibt. Es geht vielmehr darum Kanäle offen zu halten,
über die die Menschen ihre Unzufriedenheit ausdrücken, ihren
Protest formulieren und artikulieren können. Und es geht aktuell
darum, überhaupt wieder Vertrauen herzustellen zum Beispiel mit den
konservativen politischen Sektoren, zu denen es viel Misstrauen gibt.
Es gibt viele Leute, die schnell von Ultrarechten oder Faschismus
sprechen. Ich denke, wir müssen stärker differenzieren und
sprachlich abrüsten, wenn wir irgendwie eine breite Allianz aufbauen
wollen, bei allen politischen Differenzen, die es klarer Weise gibt.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Was
bedeutet das? Wie kann das gelingen?
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Aktuell
müssen wir es schaffen vom Links-Rechts-Gegensatz zum Gegensatz
zwischen Autoritarismus und Demokratie zu kommen. Wenn das erreicht
ist, dann werden wir sehen, wie konkrete Alternativen weiter
politisch diskutiert werden und welches Land wir wollen. Aber im
Moment ist das einfach nicht möglich.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Seit 1999 war Venezuela eine Referenz für die globale Linke. Chávez
erklärte um 2007 herum das Ziel, den Sozialismus im 21. Jahrhundert
zu verwirklichen. Was können wir als internationalistische globale
Linke aus den letzten 25 Jahren in Venezuela lernen?
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Ich
würde diese Frage aus zwei Perspektiven beantworten. Die erste
bezieht sich auf die Notwendigkeit der Selbstkritik hinsichtlich der
Bewertung der venezolanischen Entwicklungen. Rückblickend zeigt sich
eine große politische Blindheit gegenüber den Entwicklungen in
Venezuela. Das hat viel mit einem dogmatischen Glauben an die
Revolution zu tun. Es gab in der Tat schon früh Anzeichen
autoritärer Tendenzen, etwa den Messianismus von Chávez, die
massive Präsenz des Militärs, die Betonung des Extraktivismus, das
Fehlen eines alternativen Produktionsmodells. Später, als Chávez in
2007 die Revolution als sozialistisch deklarierte, identifizierte man
Sozialismus mit Etatismus, mit jenen Konsequenzen für die
Wirtschaft, auf die ich oben hingewiesen habe. Und mit Folgen für
die demokratische Basisorganisation. Die erfolgte in den ersten
Jahren der Regierung Chávez oft spontan, von unten, mit oder ohne
Unterstützung der Regierung, inklusiv und vielfältig und mit
umfassenden sozialen Errungenschaften wie der Alphabetisierung,
Zugang zu Wasser, die Verbesserung der Gesundheitsversorgung.
Spätestens die Entscheidung Chávez‘, eine sozialistische
Einheitspartei zu gründen, der sich alle Koalitionspartner
unterordnen sollten, stellte eine Zäsur dar. Das alles geschah mit
einem völligen Mangel an historischem Problembewusstsein, nicht nur
hinsichtlich des sowjetischen Sozialismus. In Venezuela gab es in den
1960er Jahren eine sehr ernsthafte Debatte über die Erfahrung des
Sozialismus und der Einheitspartei, über Alternativen, über das
Verhältnis von Partei und Bewegungen. Diese Diskussion verschwand
aus dem politischen Bewusstsein der jüngeren Generationen. Als der
Sozialismus des 21. Jahrhunderts ausgerufen wurde, war es, als würde
man von Null beginnen, ohne irgendeinen Blick zurück. Wie kann man
nach den Erfahrungen des sowjetischen Sozialismus zur Bildung einer
Einheitspartei aufrufen? Irgendetwas aus dieser Geschichte muss man
doch lernen im Sinne von „wie können wir verhindern, dass
dieselben autoritären Tendenzen entstehen“? Als sich die
Revolution für sozialistisch erklärte, nahm der kubanische Einfluss
in einem außerordentlich  Maße zu. Man schickte viele junge Leute
zur ideologischen Schulung nach Kuba. Das waren junge Leute, die
absolut an den Sozialismus glaubten, daran, dass dies die Wahrheit
war und das, was getan werden musste. 

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Ein
anderer wichtiger Aspekt ist, wie diese [etatistische] Vorstellung
von sozialistisch und revolutionär die demokratischen
Basisorganisationen beeinflusste. Nach und nach wurde ein umfassendes
Institutionengefüge von oben aufgebaut, mit klaren Vorgaben, wie die
Basisorganisationen, etwa die Gemeinderäte gebildet werden sollten.
Es wurde ein ganzer Apparat geschaffen, der absolut vom Staat
bestimmt und finanziert wurde.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Ab
wann nahmen diese starken Regulierungen und Vereinheitlichungen zu?
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Das
war ab 2008 noch unter Chávez. Dann kam das Problem hinzu, dass es
abgesehen vom Diskurs, kein alternatives Projekt zum Öl gab, das zur
Schaffung von Wohlstand führte. Die angesprochenen lokalen
Basisorganisationen wurden auch aus den Öleinnahmen finanziert. Und
mit den finanziellen Ressourcen erfolgte die politische Loyalität.
Die ehemals reiche Erfahrung der Vielfalt basisdemokratischer
Organisation  wurde schließlich Teil des Staates und der Partei.
Ohne jegliche Autonomie.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Was
sind die Lehren hieraus? Ist ein anderer, demokratischer „Sozialismus
im 21. Jahrhundert“ möglich?
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Ich
bin überzeugt, dass wir die Verbindung zwischen links sein und dem
Begriff des Sozialismus vollständig aufgeben müssen. Der
Sozialismus als historische Erfahrung ist gescheitert – und zwar
überall auf der Welt. In Afrika, in Asien, in Europa, in Osteuropa,
in Lateinamerika. Und jede dieser Erfahrungen endete ausnahmslos in
einem autoritären Regime. Das bedeutet natürlich nicht, dass wir
denken sollten, der Kapitalismus sei für ewig. Die
antikapitalistischen Kämpfe und die Kämpfe dessen, was wir
historisch als Linke definiert haben, sind viel breiter angelegt.
Viele der theoretischen Interpretationen eines Teils des Marxismus,
diese Vorstellungen von Stufen, von der Linearität des historischen
Seins, des historischen Subjekts, sind gescheitert. Dennoch haben sie
zusammen mit dem Lagerdenken und der Logik des Kalten Krieges in
Teilen der Linken weiterhin ein großes Gewicht. So unterstützt das
Forum von São Paulo, das
wichtigste Bündnis linker Parteien und Bewegungen in Lateinamerika,
auch weiterhin die Regierung von Daniel Ortega in Nicaragua und
natürlich auch die von Maduro. Damit schaden sie der Linken
zutiefst. Denn wenn wir eine Regierung „links“ nennen, die
autoritär, repressiv, korrupt und extraktivistisch ist, dann stehen
wir auf der Seite der Rechten.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Ulrich
Brand (Universität Wien) und Kristina Dietz (Universität Kassel)
führten das Gespräch Anfang Oktober beim Treffen der vom Anden-Büro
der Rosa-Luxemburg-Stiftung finanzierten, seit 2011 bestehenden
Permanenten Arbeitsgruppe „Alternativen zu Entwicklung“, 
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      deren
Mitglied auch Lander ist, der darüber hinaus auch der erwähnten
Plattform zur Verteidigung der Verfassung in Venezuela angehört.
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Foto Edgardo Lander © RLS
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Wed, 04 Dec 2024 09:19:23 GMT</pubDate>
      <guid>https://www.robert-lessmann.com/gastbeitrag-interview-mit-dem-venezolanischen-soziologen-edgardo-lander29d06b2e</guid>
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    </item>
    <item>
      <title>Amazoniens Unterwelt</title>
      <link>https://www.robert-lessmann.com/amazoniens-unterweltdc93f9bc</link>
      <description />
      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
                  
  
Während die Katastrophen sich häufen und die internationale
Klima- und Umweltdiplomatie weiterhin versagt – sie bringt seit
einem halben Jahrhundert nur ungenügende Ergebnisse hervor –
lassen Berichte der Vereinten Nationen und von NGOs aufhorchen, die
vor einer gefährlichen Dynamik von Umweltzerstörung,
Menschenrechtsverletzungen und dem Organisierten Verbrechen in
Amazonien warnen. 






                &#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/s/4e3a91da2fa849afa260009be23256a9/dms3rep/multi/DSC06819-klein.jpg" alt="" title=""/&gt;&#xD;
  &lt;span&gt;&#xD;
  &lt;/span&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Cali, Baku, Rio. Es war ein Herbst der Gipfel. Der Gipfel ohne
Höhepunkte, der Gipfel ohne Ankommen 
    
                    &#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      –
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
    
                    
     im Sinne von
angemessenen und glaubwürdigen Ergebnissen. Als ob die Welt Zeit
hätte. Wirbelstürme in der Karibik und den USA, ja selbst in
Südeuropa. Taifune in Taiwan und China. Unwetter kennen keine
ideologischen - oder Landesgrenzen. Starkregen und Überflutungen in
Nepal, Frankreich, in Spanien mit mehr als 200 Todesopfern, ja auch
in Österreich. Brände in Griechenland und in Amazonien. In Indien
fällt wegen Smog der Schulunterricht aus. Man soll im Haus bleiben.
Die Besucher der COP 16 Artenschutz-Konferenz in Cali wurden dort von
Ascheregen begrüßt, immer noch eine Begleiterscheinung der
Zuckerrohrernte. Bolivien erlebte die schlimmste Naturkatastrophe
seiner Geschichte und rief einen nationalen Notstand aus. Rund zehn
Millionen Hektar – eine Fläche deutlich größer als Österreich –
im amazonischen Umland sind abgebrannt. Im Vorjahr waren es „nur“
6,3 Millionen Hektar. Es geht um’s Klima, es geht um die Welt. Und
immer wieder geht es dabei um Amazonien, ihre „grüne Lunge“. Es
geht darum, Kipppunkte zu vermeiden, 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      points of no return
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    ,
wo die Schäden irreversibel sind und selbst weitere Schäden
hervorrufen. In
dieser Lage lassen Berichte der Vereinten Nationen und von NGOs
aufhorchen, die vor einer gefährlichen Verknüpfung von
Umweltzerstörung, Menschenrechtsverletzungen und dem Organisierten
Verbrechen in Amazonien warnen, wodurch
eine neue Dynamik entsteht.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Es war bei einem Lokalaugenschein im TIPNIS, einem Natur- und
Indígena-Schutzgebiet (Territorio Indígena y Parque Nacional
Isiboro – Securé; letzteres sind zwei Flüsse, die das
Schutzgebiet eingrenzen) am Fuße der Andenkette, wo die Berge enden
und Amazonien beginnt.   Damals waren Proteste von Umweltschützern
und indigenen Vertretern gegen ein Straßenbauprojekt durch das
unzugängliche Regenwaldgebiet von der Größe Tirols die erste große
Herausforderung für die Regierung Morales in Bolivien, weil es ohne
die verfassungsmäßig vorgeschriebene Konsultation der indigenen
Bevölkerung und ohne Umweltverträglichkeitsprüfung in Angriff
genommen wurde. Drei indigene Völker leben dort: Yuracaré, Moxeños
und Chimanes. In der Tat findet die meiste Entwaldung im
Umkreis von fünf Kilometern zu einer Straße statt. Im konkreten
Fall befürchteten die Gegner des Projekts insbesondere ein weiteres
Vordringen des Kokaanbaus und des Kokaingeschäfts im Schutzgebiet.
Der oberste Drogenbekämpfer des Landes, in etwa im Rang eines
Staatssekretärs, warnte beim Ortstermin vor Vereinfachungen. Das
TIPNIS sei ein komplexes Universum. Siedler, unter ihnen Kokabauern,
würden illegal vordringen, indigene Gemeinschaften ihren Lebensraum
verteidigen. Es gebe aber auch Indígenaführer die selbst in den
illegalen Export von Tropenhölzern verstrickt seien. Unlängst
hätten seine Spezialkräfte im TIPNIS ein 24-stündiges Feuergefecht
mit Kolumbianern gehabt, die dort ein Kokainlabor betrieben. Ich
selbst war der Auffassung, dass jedenfalls das Drogengeschäft die
Klandestinität suche und eine Straße eher das Vordringen der
Sicherheitskräfte erleichtern würde. Das war im Jahr 2011.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Triebkraft
Drogenhandel
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
 Die Kokainproduktion ist für die daran beteiligten Länder sowohl
ein wichtiger 


    
                    &#xD;
    &lt;!--StartFragment--&gt;                            –
    
                    &#xD;
    &lt;!--EndFragment--&gt;                            

 wenn auch illegaler – Wirtschaftsfaktor,
als auch ein ernstes gesellschaftspolitisches und ökologisches
Problem. Kokablätter werden überwiegend an den Ostabhängen der
Anden produziert, wo diese nach Amazonien hin abfallen. Bei der
Weiterverarbeitung kommen große Mengen verschiedener Chemikalien zum
Einsatz, beispielsweise rund 300 Liter Kerosin pro Kilo
Kokain-Hydrochlorid. Die drei wichtigsten Produzenten haben jeweils
Flächenanteile an Amazonien:  Kolumbien (7 Prozent), Peru (13), und
Bolivien (8), ergänzt noch durch Brasilien (59 Prozent), das eine
wichtige Rolle beim Transit der fertigen Droge zu den Absatzmärkten
spielt. Besonders verheerend wirkt sich die jahrzehntelang
vorherrschende Politik der Vernichtung von Kokafeldern aus, teilweise
durch Besprühen mit Pflanzengift aus der Luft. In Ermangelung
tragfähiger Alternativen zogen die Bauern ins Hinterland und legten
neue Felder an. Diese Drogenbekämpfungspolitik ohne Nachhaltigkeit
brachte alljährlich tolle Ergebnisse in den Statistiken, doch unter
dem Strich liegt die Koka- und Kokainproduktion nach beinahe fünf
Jahrzehnten dieser Politik heute auf historischem Rekordniveau. Und
während sie einerseits so erfolglos war, dass es das illegale
Drogengeschäft nicht einmal nötig hatte mit der Produktion in
andere Weltregionen auszuweichen* oder auf die Sorte Epadú, deren Blätter zwar weniger Kokain
enthalten, die aber unter dem amazonischen Blätterdach gedeihen kann
und insofern kaum aufspürbar ist, hat die Kokavernichtung ohne
Nachhaltigkeit im Laufe der Jahre wohl an sich schon Millionen von
Hektar (Sub-) Tropischen Regenwald gekostet.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Nachdem man in der internationalen Drogenpolitik langsam dabei ist,
jahrzehntelang getragene Scheuklappen abzulegen und ganzheitlicher zu
denken, öffnete das Drogenkontrollprogramm der Vereinten Nationen
(UNODC – United Nations Office on Drugs and Crime) mit seinem World
Drug Report 2023 noch eine andere Perspektive: Ein ganzes Kapitel 4
ist dort der Verschränkung verschiedener krimineller Aktivitäten
und der Umweltzerstörung in Amazonien gewidmet. Die Drogenökonomie,
so heißt es dort, wirke als Antrieb für andere illegale Aktivitäten
und Umweltzerstörung: illegale Landnahme, Abholzung, illegalen
Bergbau, illegalen Handel mit Tieren und Pflanzen (Wildlife Crime).
Geringe staatliche Präsenz, Armut und Korruption in Amazonien wirken
als fruchtbare Nährlösung dafür und als Katalysator für
Sekundärkriminalität: Steuer- und Finanzdelikte, Korruption,
Totschlag, Überfälle, sexuelle Gewalt, Ausbeutung von Arbeitern und
Minderjährigen sowie Gewalt, Mord und Totschlag gegenüber
Umweltschützern, Menschenrechtlern und indigenen Völkern. Größer
als der Umwelteffekt der Drogenproduktion an sich seien die
Folgeschäden der dadurch angefachten Drogenökonomie, zum Beispiel
die Anlage von Profiten in Viehzucht, Sojaanbau, im Holzgeschäft und
in Goldminen, die oftmals zu Konflikten mit der indigenen Bevölkerung
führen.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Katalysator Gold
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Vor 35 Jahren durfte ich als Referent bei einer
Menschenrechtsorganisation für das Volk der Yanomami kämpfen und
habe dabei einen Film des bekannten Survival-Experten Rüdiger
Nehberg und des Filmemachers Wolfgang Brög gegen Puristen in unserem
Verband verteidigt. Die beiden hatten sich unter dem Vorwand, für
einen deutschen Unterweltler Schwarzgeld investieren zu wollen, bei
illegalen Goldsuchern eingeschlichen. Resultat war eine bedrückende
Dokumentation über Umwelt- und Menschenrechtsverbrechen sowie die
Untätigkeit der zuständigen brasilianischen Regionalbehörden. Sie
hatten dabei auch Yanomami gefilmt, die dies offensichtlich nicht
wollten, was kritisiert worden war. Der Film war zur Hauptsendezeit
im öffentlich-rechtlichen Fernsehen ausgestrahlt worden und ich
verteidigte ihn mit dem Argument, ich könne wohl hunderte politisch
korrekter Pressmitteilungen schreiben ohne ein vergleichbar großes
Publikum zu erreichen. Genützt hat das alles ohnehin nichts. Die
Lage ist heute schlimmer denn je.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Es ist schwierig, gegen den Markt anzukämpfen. Das wissen nicht nur
Drogenfahnder. Der Goldpreis hat sich seit 2008 verdreifacht. Die
größten Produzenten sind China (370 Tonnen), Australien (310);
Russland (310), Kanada (200), die USA (170). Erst an 6. Stelle folgt
mit Mexiko (120) ein lateinamerikanisches Land, an 11. Peru (90) und
an 14. Brasilien (60). Brasilien soll über einige der größten
Goldvorkommen verfügen, hauptsächlich im Norden, in Amazonien, auf
dem Gebiet der Yanomami. Die Goldförderung in den Andenländern und
in Amazonien ist häufig illegal – geht also allenfalls indirekt in
die Statistik ein – und ist mit großen Umweltverheerungen
verbunden. Oft kommt dabei das giftige Schwermetall Quecksilber zum
Einsatz. In Brasilien dürfte die Hälfte der Goldförderung illegal
sein und findet – zum Beispiel im Yanomami-Gebiet an der Grenze zu
Venezuela – unter Kontrolle der großen brasilianischen
Drogenorganisationen, wie dem 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Primeiro Comando da Capital
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
(PCC) statt, das den Schürfern „Schutz“ anbietet, „Steuern“
verlangt, Schürfstellen kontrolliert und manchmal Maschinen stellt
und wartet. In Peru und Bolivien mischt das 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Comando Vermelho
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
mit, die älteste brasilianische Drogenorganisation, die 1979 in Rio
gegründet worden war.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
 Zwischen 2011 und 2021 sei es in Brasilien zu einem Anstieg des
Abbaus auf indigenen Territorien um 625 Prozent gekommen, besonders
stark seit 2019. Während der Covid-19-Pandemie sei es bei
abnehmenden Kontrollen und gekürzten Budgets zu einem regelrechten
Goldrausch gekommen, berichtet das UNODC. Von Januar 2019 bis
Dezember 2022 war dort der rechtsextreme Jair Bolsonaro Präsident,
dem Indianerschutzrechte und Umweltschutz wenig und die Erschließung
der „grünen Hölle“ Amazoniens viel bedeuten. Mit desaströsen
Folgen, verheerenden Ausbrüchen von Unterernährung und Krankheiten.
Besonders betroffen sind die Schutzgebiete der Yanomami mit etwa
30.000 Menschen. 50-90 Prozent von ihnen leiden unter
Quecksilbervergiftungen unterschiedlichen Grades sowie unter der
Zunahme von Gewalt.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
In Kolumbien, Peru und Bolivien findet man Gold häufig in den
Flüssen an den Ostabhängen der Anden, wo auch die wichtigen
Kokaanbaugebiete liegen. In allen diesen Gebieten ist ein
signifikanter Anstieg der Mord- und Totschlagsraten festzustellen.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Der Preis für einen Barren (ein Kilogramm) liegt mit rund 82.000 €
rund doppelt so hoch wie der für ein Kilo Kokain zu
Großhandelspreisen in europäischen Metropolen. Wobei mit Kokain im
Straßenverkauf dann doch noch weit höhere Preise erzielt werden.
Gold stinkt nicht. Im Vergleich zu Kokain ist es viel leichter
verkehrsfähig. Ideal zur Geldwäsche.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Kolumbien –
Ecuador – Connection
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Machtvolle Drogenorganisationen sind besonders im Dreiländereck
zwischen Brasilien, Kolumbien und Peru aktiv, einschließlich in und
um die benachbarten Städte Leticia in Kolumbien und Tabatinga in
Brasilien sowie Santa Rosa de Yavarí in Peru. Mit ihrer
Kontrollfunktion für das Kokaingeschäft und dem Reichtum an
ausbeutbaren Ressourcen weist diese Region heute möglicherweise die
höchste Dichte von Gruppen der Organisierten Kriminalität auf,
vermutet das UNODC. Menschenrechtsorganisationen beziffern die Mord-
und Totschlagsrate in Tabatinga mit 106,6, in Leticia mit 60 und in
Manaus mit 45 (pro 100.000 Einwohnern; in Deutschland liegt sie bei
0,8, in Österreich bei 0,9).
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Nördlich davon fließt der Río Putumayo, der weiter östlich in den
Amazonas mündet und im Oberlauf über hunderte von Kilometern die
Grenze zwischen Kolumbien und Peru beziehungsweise Ecuador bildet.
Der Vektor des Kokaingeschäfts verläuft hier stromaufwärts nach
Ecuador, das Anfang 2024 in einer Welle der Gewalt versank, weil sich
dort die Statthalter mexikanischer Organisationen blutige
Revierkämpfe lieferten. Ein Vierteljahrhundert militarisierter
Drogenkrieg und Milliarden von US-Hilfen im Rahmen des
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Plan
Colombia
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    haben nichts daran geändert, dass laut dem World
Drug Report des UNODC 230.028 Hektar Koka (von insgesamt rund
300.000) in Kolumbien angebaut werden und nach wie vor auch etwa zwei
Drittel der Kokainlabore in Kolumbien entdeckt und zerstört werden –
fast die Hälfte davon in den südlichen Departments Putumayo und
Nariño
im Grenzgebiet zu Ecuador. Die Verlagerung des Kokaanbaus in den
Süden wird ebenso als Konsequenz des
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      
Plan 
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Colombia
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    angesehen wie der
Friedensprozess mit der ältesten Guerilla, den
1964 gegründeten

    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Fuerzas Armadas
Revolucionarias de Colombia (FARC), 
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    vor
einem Jahrzehnt. Präsident
Juan Manuel Santos bekam dafür im Oktober 2016 den
Friedensnobelpreis.
Der
Friedensplan
wurde
jedoch nur halbherzig vollzogen. Nachfolger
Iván Duque lehnte ihn ab. Hunderte
früherer Guerillakämpfer, die ihre Waffen abgelegt hatten, wurden
später
ermordet.
Verschiedene ihrer 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      frentes 
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    (Fronten i.S. von Abteilungen)
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      ,

    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    die
große Autonomie genossen
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      ,
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    hatten
sich schon vorher mit dem Drogengeschäft finanziert und machten
einfach weiter. Letztlich
gelang es dem kolumbianischen Staat nicht, in den früheren
Guerillagebieten rechtsstaatliche Präsenz zu schaffen. Durch den
Einsatz verbesserter Sorten und Anbaumethoden soll die Ernte nach
Berechnungen des UNODC um durchschnittlich 24 Prozent angestiegen
sein und durch Optimierung der Weiterverarbeitung auch der
Kokainertrag. Solche neuen Hochproduktivitätszonen befinden sich
unter Kontrolle rechter 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Narcoparamilitares
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    ,
FARC-Dissidenten beziehungsweise des noch aktiven 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Ejercito
de la Liberación Nacional (
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    ELN
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      )
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    ,
einer weiteren Guerilla. Alle zusammen werden sie 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Grupos
Armados Ilegales (
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    GAI
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      )

    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    genannt.
35 Prozent der Kokaanbaufläche Kolumbiens befinden sich in Zonen, in
denen GAI präsent sind. Diese arbeiten fallweise zusammen oder
bekriegen sich. Aber alle sind um strikte Kontrolle des
Produktionsprozesses bemüht. Im Department Putumayo lassen sich
sechs Gruppen identifizieren, die nahezu umfassende Kontrolle
ausüben. Die größten sind ehemalige f
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      rentes

    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    der
FARC
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      , 
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    das
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      
Comando Frontera
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
und die 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Frente
Carolina Ramírez 
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      –
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    und
sie bekämpfen sich.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Amazon Underworld
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Im
Rahmen des 20. Treffens der Mitgliedsstaaten der UN Konvention gegen
das Organisierte Verbrechen treffe ich im
Herbst 2024 den
NGO-Vertreter Raphael Hoetmer und zwei Indígena-Vertreter aus dem
peruanischen Amazonien, die ihre Namen besser nicht veröffentlicht
wissen wollen. In ihre Heimatdörfer trauen
sie sich nicht zurück. Das
Hauptproblem dort sei der Kokainhandel, erzählen sie. Die drei sind
in die Wiener UNO-City gekommen, um das Projekt Amazon Underworld
vorzustellen, an dem mehrere NGOs und Investigativjournalisten
teilgenommen haben. Amazon Underworld
machte unter anderem mit 
Interviews von
Behördenvertretern,
Sicherheitskräften, Indígenas und verschiedenen
illegalen Akteuren vor Ort
dort weiter, wo der UN-Bericht aufhört, um zu einem kompletteren
Bild der Dynamik des Geschehens zu kommen. In
ihrem Bericht erscheint Amazonien als Karte, in
der die Grenzgebiete
von Brasilien,
Französisch Guayana,
Surinam, Venezuela, über Kolumbien, Ecuador, Peru bis Bolivien und
Paraguay von einem dicken Halbmond verschiedener illegaler
Aktivitäten und Akteure umgeben sind.
Aus der Nähe besehen
handelt es sich dabei um
einen bunten Flickenteppich krimineller Akteure; selten besteht
Hegemonie, häufig gibt es
Konflikte. In
70 Prozent der untersuchten Gemeinden waren irreguläre bewaffnete
Gruppen präsent: kolumbianische Guerillas, brasilianische
kriminelle Organisationen, venezolanische und peruanische Banden,
nicht selten auch unter Duldung oder in Komplizenschaft mit den
lokalen Behörden. Dabei
komme es auch zu
Fällen moderner Sklaverei und Menschenhandel. 

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Die
dort lebenden indigenen Gemeinschaften und ihre Territorien spielen
eine fundamentale Rolle beim Schutz der Regenwälder und sind
gleichzeitig den Attacken der Organisierten Kriminalität ausgesetzt.
Im letzten Jahrzehnt, so der Bericht in der Einleitung, sei Amazonien
zu einer der gefährlichsten Regionen Lateinamerikas geworden und die
marginalisierten Gemeinschaften litten am meisten unter der Gewalt.
In Brasilien seien indigene Gemeinden systematisch zum Opfer
gewalttätiger Invasionen von Goldsuchern geworden, während man in
den neun amazonischen Departments Kolumbiens seit 2020 43 Massaker
dokumentiert habe und bewaffnete Gruppen die ländlichen Gemeinden
terrorisierten. In Peru
rekrutieren Drogenhändler indigene Kinder, um in den Kokapflanzungen
zu arbeiten. Guerillagruppen schicken ganze Familien in die illegalen
Goldminen. Laut der
Menschenrechtsorganisation Global Witness sei einer von fünf Morden,
die im Jahr 2022 weltweit gegen Umweltschützer oder Verteidiger
ihres Territoriums verübt wurden,
in Amazonien geschehen,
nämlich 39.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Rember Yahuarcani aus dem Volk der Huitoto im peruanischen Amazonien
wies auf der Biennale 2024 in Venedig in einem seiner farbenfrohen
Großgemälde (Titelbild) darauf hin, dass dort zwischen 2013 und 2023 insgesamt
32 indigene Führer und Führerinnen von Eindringlingen,
Drogenhändlern und der Holzmafia ermordet wurden. Ihre amazonische
Heimat sei für Indigene einer der gefährlichsten Orte.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Eine entscheidende Rolle spielen Straßen. Wie erwähnt, findet die
meiste Entwaldung im Umkreis von fünf Kilometern zu einer Straße
statt – und in Amazonien entfallen auf einen legalen
Straßenkilometer drei illegale. Aber auch andere Infrastruktur
erleichtert das Vordringen: illegale Landepisten, desgleichen Flüsse,
bevorzugt zur Regenzeit. In Gegenden, wo indigene Territorien
fragmentiert, von Straßen durchschnitten oder wirtschaftlich und
sozial sehr von städtischen Märkten abhängig sind, wachsen
illegale Märkte rasch und machen die indigenen Völker sehr
verwundbar, mit der Gefahr einer Desintegration ihrer Gemeinden. In
den peruanischen Departments Ucayali und Madre de Dios
beispielsweise, wo  alle sozialen und politischen Aktivitäten sich
mit der illegalen Ökonomie überlappen und sich gegenseitig
unterstützen, werden die indigenen Gemeinden dieser Dynamik
unterworfen, und wenn sie in der Lage sind Widerstand zu leisten,
werden sie bis zu dem Punkt isoliert, dass der Zugang zu ihrem
Territorium gefährdet ist. Der Preis, den indigene Organisationen
und ihre Führer bezahlen, ist sehr hoch. Sie sind mit Drohungen
gegen sich und ihre Familien konfrontiert. Fälle von Gewalt gegen
sie werden häufig nicht gut untersucht und bleiben straflos, warnt
Amazonia Underworld.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Panorama der
kriminellen Akteure
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Das
Jahr 2016 brachte
in mehrfacher Hinsicht neue
kriminelle Dynamiken. Das
Friedensabkommen mit der ältesten Guerilla des Halbkontinents, den

    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Fuerzas Armadas
Revolucionarias de Colombia
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
(FARC), führte dazu, dass Tausende ihre Waffen niederlegten. Die
Guerilla hinterließ vielerorts ein Machtvakuum, das nicht mit
rechtsstaatlicher Präsenz gefüllt wurde, sondern von rechtsextremen
Paramilitärs, kriminellen Banden und FARC-Dissidenten.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
In Venezuela wurde 2016 ein Gesetz zur Erschließung des Grenzgebiets
zu Kolumbien, Brasilien und Guyana verabschiedet, des sogenannten

    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Arco Minero Orinoco
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    . Doch die Regierung Maduro ließ keine
Initiativen zur Erschließung durch legalen Bergbau folgen. Das
Vakuum füllten venezolanische kriminelle Gruppen, häufig in
Kooperation mit lokalen Behörden und Sicherheitskräften, aber auch
FARC-Dissidenten und ELN-Guerilleros, die schon länger beim
Drogentransit in Venezuela tätig waren.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Ebenfalls 2016 wurde auch ein Pakt zwischen drei großen
brasilianischen Gruppen der Organisierten Kriminalität aufgekündigt:
dem 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Primero Comando da Capital
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    , dem 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Comando Vermelho
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
und der 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Familia do Norte
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    , was zu Revierkämpfen führte. Mit
Kleinkriminellen überfüllte Gefängnisse bildeten eine ideale
Rekrutierungsquelle.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Die kolumbianische ELN hat eine strategische Präsenz zu beiden
Seiten der venezolanischen Grenze. Sie kontrolliert die illegale
Goldförderung in den venezolanischen Bundesstaaten Amazonas, Bolívar
und Delta Amacuro, wie auch die Routen des Drogenhandels nach Guyana
und Brasilien entlang des Cayuní-Flusses und des Río Negro.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Die
FARC hatten
historisch eine starke
Präsenz im kolumbianischen Amazonien, wo sie die Entwaldung
begrenzten,
weil sie den Schutz des Blätterdaches suchten.
FARC-Dissidenten tun dies
wieder. Die Entwaldung ist
2022/23 in den Departments
Meta, Caquetá und Guaviare drastisch zurückgegangen. Dort operieren

    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      La Segunda Marquetalía
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
(unter Luciano Marín Arango alias Iván Marquez) und 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Estado
Mayor Central
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
     – FARC
(unter Néstor
Gregorio Vera Fernandez alias Iván Mordisco). In Venezuela arbeitet
die 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Frente
Acacio Medina
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
     im
Drogentransfer.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Das 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Primero Comando da Capital
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
     (PCC) wurde 1993 im Gefängnis
in São Paulo gegründet
und ist inzwischen das wichtigste Drogenunternehmen Brasiliens.
Traditionell wurden Drogen aus Bolivien und Peru über Paraguay
importiert. Mittlerweile ist das PCC auch ins Grenzgebiet zu
Venezuela expandiert, wo es über 2.000 Mann verfügen soll und
Drogengewinne in die Goldförderung steckt. Verschiedene Quellen
berichteten Amazon Underworld, dass das Engagement des PCC dort
Supervision, Steuererhebung sowie Dienstleistungen einschließlich
Bordellen umfasst.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Das 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Comando Vermelho
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
     (CV) ist das älteste Drogenunternehmen
Brasiliens. Es wurde 1979 in Rio gegründet und ist in Paraguay und
Kolumbien aktiv sowie neuerdings auch in Bolivien und Peru. Die

    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Familia do Norte
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
     (FDN) als Drogenorganisation mit Sitz in
Manaus wurde in der zweiten Hälfte der Nullerjahre im Zuge von
Auseinandersetzungen weitgehend zerrieben und ist teilweise im CV
aufgegangen.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
In Ecuador bekriegen sich 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Los Lobos
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
     und die 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Choneros
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    ,
die im Drogenexport tätig sind und jeweils mit unterschiedlichen
mexikanischen Organisationen Beziehungen unterhalten.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Schlussfolgerungen
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Amazonien wird im Zusammenhang mit der Klimakrise und einem möglichen
ökologischen Kipppunkt diskutiert. Doch bis zu welchem Punkt muss
Amazonien vom Organisierten Verbrechen durchdrungen sein um zu sagen,
dass die illegalen Ökonomien die Oberhand haben? In manchen Regionen
übersteigen die Gewinne aus illegalen Geschäften bereits die
behördlichen Budgets. Mit schwacher Präsenz und geringen Mitteln
ist der Kampf dagegen ein Ding der Unmöglichkeit, resümiert der
Bericht von Amazon Underworld.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Seine Empfehlungen beziehen sich auf Kooperation und
Informationsaustausch, Stärkung der Grenzsicherheit. Whistleblower
und Zeugen müssten geschützt und Korruption bekämpft werden. Die
Drogenfahndung einschließlich der zu ihrer Herstellung benötigten
Chemikalien sollte intensiviert werden. Umweltprobleme und Gewaltakte
sollten in einer grenzüberschreitend zugänglichen Datenbank unter
besonderer Berücksichtigung der Erfassung Organisierter Kriminalität
dokumentiert werden. Generell sei ganzheitliches Denken erforderlich.
Umweltprobleme und Sicherheitsfragen müssten zusammen gedacht
werden,  Umweltschutzkonferenzen und Sicherheitskonferenzen
zusammengeführt. Besonders wichtig sind der Schutz und die Stärkung
indigener Gemeinschaften. Der Bericht empfiehlt ferner die Ausweisung
grenzüberschreitender Schutzgebiete.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Immerhin ein Lichtblick: Mit Gustavo Petro (Kolumbien) und Lula da
Silva (Brasilien) haben sich die Präsidenten der wichtigsten Staaten
Amazoniens – was Bevölkerungszahl und Wirtschaftskraft betrifft –
zu mehr Schutz und Zusammenarbeit bekannt.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;a href="http://Www.amazonunderworld.org/"&gt;&#xD;
      
                      
      Www.amazonunderworld.org
    
                    &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;a href="http://www.infoamazonia.org/"&gt;&#xD;
      
                      
      www.infoamazonia.org
    
                    &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;a href="http://www.amazonwatch.org/"&gt;&#xD;
      
                      
      www.amazonwatch.org
    
                    &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    * 


    
                    &#xD;
    &lt;!--StartFragment--&gt;                            Koka kann überall dort gedeihen, wo auch Kaffee wächst; so war holländisch Indonesien einstmals ein wichtiger Produzent.
    
                    &#xD;
    &lt;!--EndFragment--&gt;  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;p&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Tue, 26 Nov 2024 14:54:04 GMT</pubDate>
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        <media:description>thumbnail</media:description>
      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>"Gescheiterte Utopie?"</title>
      <link>https://www.robert-lessmann.com/gescheiterte-utopie40096a1b</link>
      <description />
      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
                  
  Tobias Lambert blickt aus linker Perspektive hinter die Kulissen Venezuelas, das mit seinem "bolivarianischen" Ansatz im neuen Jahrtausend ganz Lateinamerika mitreißen wollte. Eine Rezension.

                &#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/s/4e3a91da2fa849afa260009be23256a9/dms3rep/multi/DSC00894-206b2419.JPG" alt="" title=""/&gt;&#xD;
  &lt;span&gt;&#xD;
  &lt;/span&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Was passiert mit den einstigen
Hoffnungsmodellen Lateinamerikas? Kuba und Venezuela läuft die
Bevölkerung davon. In Nicaragua herrscht Ortega wie ein
abschreckender Diktator. Und in Bolivien arbeitet der erfolgreichste
Präsident, den das Land je hatte, heute mit Nachdruck an der
Zerstörung seines Erbes und seines Ansehens. Die Berichterstattung
unserer Medien – sofern sie von diesen Ländern überhaupt
berichten – goutiert Wirtschaftskrisen und die Glaubwürdigkeit von
Wahlen. Selten geht es darum, wie es den Menschen geht. Die
Solidaritätsbewegung, Freunde und Sympathisanten sehen konsterniert
zu – und schweigen.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Tobias Lambert blickt aus
linker Perspektive hinter die Kulissen Venezuelas, das mit seinem
„bolivarianischen“ Ansatz im neuen Jahrtausend ganz Lateinamerika
mitreißen wollte. Er bereist das Land seit mehr als 20 Jahren und
berichtet darüber. Kenntnis- und detailreich rekapituliert er die
Vorgeschichte und den politischen Prozess unter Hugo Chávez (im Bild auf der Klimakonferenz von Cochabamba, 2010) und
danach, bespricht Wahlergebnisse und politische Trends auf der Linken
wie auf der Rechten. An vielen Stellen vermisst man im Text
regelmäßige Jahreszahlen, die helfen würden, in der Komplexität
den roten Faden nicht zu verlieren. Eine Zeittafel wäre eine
hilfreiche Ergänzung bei allen weiteren Auflagen.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Drei Linien treten in Lamberts
Analyse als Erklärung hervor: erstens der fragile Extraktivismus.
Man könnte auch sagen, ein auf die Einkommen aus dem Export nicht
erneuerbarer Rohstoffe (Erdöl im konkreten Fall) gestützter
politischer und gesellschaftlicher Voluntarismus. Man hat zwar immer
gewusst: „hay que sembrar el petroleo“ (man muss die Öleinnahmen
säen, die Wirtschaft diversifizieren), es aber nicht getan. Die
Korruption im Land wurde durch den Exportboom noch gefördert. Mit
sinkenden Weltmarktpreisen bracht die Krise aus.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Zweitens: Die zentrale Rolle
einer charismatischen Führungsperson, auf die sich das Projekt
stützt und ins Wanken gerät, wenn diese wegbricht. Je stärker das
Modell wirtschaftlich und politisch unter Druck geriet, desto mehr
reagierte es mit antidemokratischen und repressiven Praktiken,
intransparenten Privatisierungen, Teilliberalisierungen unter
Beibehaltung staatlicher Kontrollen, steuerfreien Importen von denen
eine neue, sogenannte „Bolibourgeoisie“ profitierte. Vom
Sozialismus des 21. Jahrhunderts ist nur gelegentlich noch die Rede.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Und drittens die
unverbrüchliche Feindschaft der alten Eliten, der nationalen wie der
internationalen. In diesem Zusammenhang wird in Lamberts Buch
deutlich, wie desolat und zerstritten die venezolanische Opposition
zumeist war (und ist), und wie sie trotzdem von Washington und
seinen Verbündeten unterstützt wird, egal wie chaotisch sie
daherkommt. Man denke nur an die Anerkennung der „Präsidentschaft“
von Juan Guaidó. Nebenbei wirft das auch ein Schlaglicht auf viel
kritisierte Allianzen mit Schurkenstaaten wie dem Iran oder
Weißrussland. Mit wem, so könnte man sich in europäischen
Hauptstädten fragen, sollte ein Präsident denn Beziehungen
anknüpfen, auf den Washington ein millionenschweres Kopfgeld
aussetzt?
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Das Buch behandelt zuletzt
sogar noch das umstrittene Wahlergebnis von 2024. Regierung und
Opposition reklamieren den Wahlsieg für sich. Washington und seine
Verbündeten glauben der Opposition. Beide Seiten behaupten, dass sie
ihn dokumentieren können. Wer es definitiv und lückenlos könnte,
wäre die Regierung Maduro, woran Lambert keinen Zweifel lässt. Dass
sie es nicht tut, schmälert einmal mehr ihre Glaubwürdigkeit, nun
auch für die befreundeten Regierungen in Kolumbien und Brasilien,
die von der venezolanischen Krise ja mit betroffen sind. Das
katastrophale Patt (Antonio Gramsci) zwischen einer repressiv sich an der Macht
haltenden Regierung und einer Opposition, von der leider auch nichts
zu erwarten ist, können nur die Venezolanerinnen und Venezolaner
selbst aufheben. Und darauf besteht vorerst leider wenig Hoffnung.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Wie auch immer: Wer zu
Venezuela mitreden will, sollte Lamberts Buch lesen.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;!--StartFragment--&gt;  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Tobias Lambert: „Gescheiterte Utopie? Venezuela ein Jahrzehnt nach Hugo Chávez“, Mandelbaum Verlag, Wien, 2024, 238 S., € 23.-
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;!--EndFragment--&gt;  &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Wed, 13 Nov 2024 09:41:52 GMT</pubDate>
      <guid>https://www.robert-lessmann.com/gescheiterte-utopie40096a1b</guid>
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        <media:description>thumbnail</media:description>
      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>USA: Kamalamania und Lateinamerika</title>
      <link>https://www.robert-lessmann.com/usa-kamalamania-und-lateinamerika0054794338e17202</link>
      <description />
      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
                  
  
Mit
der Nominierung von Vizepräsidentin Kamala Harris zur
Spitzenkandidatin der Demokraten ging ein Ruck durch die Partei und
ein Aufatmen durch die Welt. Ein frischer Wind scheint durch die
US-Politik zu wehen, in einem freilich weithin inhaltsleeren
Wahlkampf. Nunmehr stehen ein Glücksversprechen ("joy") und eine begeisternd
lächelnde Kandidatin mit migrantischem Hintergrund gegen einen
grantigen, polternden Greis. Das Rennen um die Präsidentschaft ist
jedoch keineswegs schon entschieden, und jenseits aller Bauchgefühle
steht die Frage: Was hätte die Welt, was hat Lateinamerika von einer
möglichen Harris–Walz–Administration
zu erwarten?




                &#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/s/4e3a91da2fa849afa260009be23256a9/dms3rep/multi/DSC00101_150dpi+%281%29.webp" alt="" title=""/&gt;&#xD;
  &lt;span&gt;&#xD;
  &lt;/span&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Vorweg:
Außenpolitik spielt im US-Wahlkampf eine Nebenrolle und
Lateinamerika so gut wie gar keine, sieht man von Migration, Drogen
und Rohstoffen (Öl, Lithium) ab. Das ist nicht neu: Coletta
Youngers, bis vor Kurzem jahrzehntelange Mitarbeiterin des
renommierten 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Washington
Office on Latin America
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
nennt auch die Lateinamerikapolitik der Regierung Biden-Harris
„awful“ (heillos – um hier die schwächstmögliche Übersetzung
zu gebrauchen).
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Ausgerechnet
General Laura Richardson, Chefin des für Südamerika zuständigen US
Southern Command der Streitkräfte, beklagte im letzten Jahr mehrfach
öffentlichkeitswirksam, dass die Vereinigten Staaten im Ringen um
Rohstoffe ins Hintertreffen geraten seien, insbesondere im
Lithiumdreieck: Argentinien, Bolivien, Chile. Ziel müsse es sein 
(wörtlich) „to box out our adversaries, box out our competitors“
(Widersacher und Konkurrenten wegzuboxen). Diplomatie stellt man sich
in den betroffenen Ländern anders vor.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Vizepräsidentin
Harris führte eine Initiative zur Eindämmung des Migrantenstroms an
und konnte in diesem Zusammenhang mehr US-Hilfen für
zentralamerikanische Länder durchsetzen sowie Direktinivestitionen
von US-Unternehmen einfädeln. Auch wenn für viele NGOs, die in den
USA zu diesem Thema arbeiten, die ganze Strategie fragwürdig ist:
Der Ansatz, in Zusammenarbeit mit lokalen Akteuren Fluchtursachen zu
bekämpfen, unterscheidet sich deutlich von der menschenverachtenden
Mauerbaurhetorik der Vorgängerregierung unter Trump. Harris gilt als
besonnene, abwägende Politikerin, die langfristig denkt und
nachhaltige Lösungen anstrebt statt publicityträchtige
Schnellschüsse. Den frischgebackenen guatemaltekischen Präsident
Bernardo Arévalo hatte sie im Weißen Haus empfangen.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Harris
war allem Anschein nach direkt in die Verhandlungen zum
Häftlings-/Geiselaustausch mit Moskau eingebunden, was ein Plus auf
der Habenseite für sie und Präsident Biden darstellt. Und sie ist
deutlich kritischer gegenüber der israelischen Kampagne in Gaza und
lauter in ihrer Forderung nach humanitärer Hilfe für die Menschen
dort. Doch sicherlich kann sie nicht allzu kritisch gegenüber ihrer
eigenen Regierung sein. Und was in näherer Zukunft mit dem
Pulverfass Nahost geschehen wird, weiß niemand.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Kamala
Harris prägte den Begriff „smart on crime“ (klug oder clever bei
der Kriminalitätsbekämpfung), galt als Staatsanwältin aber eher
als Hardlinerin. Zum Thema Drogen hat sie sich nicht explizit
geäußert. Man darf annehmen, dass sie hier für Kontinuität der
Biden-Administration steht und eine Fortsetzung der
Angebotsbekämpfung. Und obwohl hier heutzutage Fentanyl und andere
künstliche Opioide mit jährlich mehr als 100.000 Toten durch
Überdosen klar das Hauptproblem darstellen – sie sind die
häufigste Todesursache für Männer zwischen 18 und 50 Jahren in den
USA und Opioide werden überwiegend aus Mexiko importiert – gilt
das auch für die klassischen, pflanzengestützten Substanzen wie
Kokain, wobei hier die Hoffnung besteht, dass eine über Jahrzehnte
ergebnislose Politik mit hohen Nebenkosten für die betroffenen
Länder stillschweigend einschläft. Seit Beginn der Opioid-Krise im
Jahr 2020 starben laut 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      World
Drug Report
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
der UN rund eine halbe Million Menschen an Überdosen – und auch
wenn hier aktuell die Zahlen leicht rückläufig sind, bleibt die
Situation sehr ernst und die Verfügbarkeit noch potenterer illegaler
Drogen, sogenannter Nitazene, gibt zu neuer Besorgnis Anlass (UNODC,
World Drug Report 2024).
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Außenminister
Antony Blinken sprach bei seiner Intervention auf der 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      UN
Commission on Narcotic Drugs
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
im vergangenen Frühjahr in Wien ausschließlich über die
Opioidkrise in seinem Land. Unterdessen ist im aktuellen 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Wildlife
Crime Report
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
desselben UNODC (ebenfalls 2024) zu lesen, dass mexikanische
Drogenorganisationen auch im illegalen Fischfang involviert sind, wo
sie einen Teil ihrer Gewinne investiert haben. Würde man die Dinge
in der Zusammenschau betrachten, könnte man sehen: Ob Kokain oder
Fentanyl, längst sind wichtige Akteure zu multidivisionalen
kriminellen Unternehmen geworden, denen mit den herkömmlichen,
eindimensionalen Ansätzen nicht beizukommen ist. Wann besinnt man
sich auf Giovanni Falcone, der im Fall der italienischen Mafia
forderte: „
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Follow
the money!“
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    ?
Und zwar konsequent.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Damm
gegen Rechts
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Als
sich Anfang Juli die Präsidenten der MERCOSUR-Mitgliedsländer in
Asunción/ Paraguay trafen, um die Aufnahme Boliviens als
Vollmitglied der Wirtschaftsgemeinschaft zu feiern, fehlte
Argentiniens Javier Milei. Der selbsternannte Anarchokapitalist nahm
lieber neben Jair Bolsonaro, dessen Sohn Eduardo (der als Bindeglied
zu rechtsextremen Parteien Europas fungiert) und dem gescheiterten
Präsidentschaftskandidaten Antonio Kast aus Chile an einem
zeitgleich stattfindenden Treffen der 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Confederación
de Acción Política Conservadora (CPAC) 
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    im
brasilianischen Santa Catalina teil. Die internationale Rechte ist
vernetzt. Ebendort verkündete der notorische Speiseöl-Tykoon Branco
Marinkovic seine Absicht, bei den im nächsten Jahr in Bolivien
angesetzten Präsidentschaftswahlen zu kandidieren. Marinkovic ist
eine langjährige Schlüsselfigur der extremen Rechten in Bolivien.
Er war dort wesentlich am Zivilputsch von Santa Cruz 2008 beteiligt
und nach der Machtergreifung der Rechten (2019) im Jahr 2020
kurzzeitig auch Wirtschaftsminister in der sogenannten
„Interimsregierung“ von Jeanine Añez. 

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Bedauert
wurde in Santa Catalina die Abwesenheit des wahlkämpfenden
Expräsidenten Donald Trump, doch dessen ehemaliger Chefstratege
Steve Bannon, der seit 1. Juli eine Haftstrafe wegen Missachtung des
Kongresses absitzt, gilt als Koordinator rechter Netzwerke weltweit.
Der Horror vor einer erneuten Präsidentschaft von Donald Trump ist
womöglich die größte Stütze der demokratischen Kandidatin, gerade
bei frustrierten, aber politisch wachen jungen Wählerinnen und
Wählern, um deren Reaktivierung an den Wahlurnen sie sich besonders
bemüht. Auch wenn die progressiven Kräfte eines Tages womöglich
von einer Harris-Adminstration enttäuscht sein werden – so, wie
sie es auch von Clinton und Obama waren –,
ist es doch das Gebot der Stunde, einen weiteren Vormarsch der
gesellschaftspolitisch reaktionären,
neonationalistischen und xenophoben Kräfte von Putin über Orban und
Erdogan bis hin zu Bolsonaro und eben Trump zu verhindern. Da steht
einiges auf dem Spiel – wie wir wissen auch in europäischen
Ländern wie Frankreich oder Österreich.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Unterschätzte
Vizepräsidentschaft
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    In
den Vereinigten Staaten kursiert ein Witz: Fragt ein Mann den
anderen: „Was ist eigentlich aus Ihren Kindern geworden? Man hat
lange nichts von ihnen gehört!“ Antwort: „Der
eine ist Matrose, der andere Vizepräsident.“
Eine Vizepräsidentschaft gilt als undankbarer Job, der wenig
Aufmerksamkeit
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    verspricht.
Dem oder der Vize werden gerne unlösbare Aufgaben übertragen.
Insofern mag Kamala Harris als Präsidentin im Amt womöglich für
viel mehr stehen als für eine ehemalige Staatsanwältin, die nun die
erneute Präsidentschaft eines verurteilten Straftäters verhindert.
Eine Vizepräsidentschaft ist jedenfalls alles andere als das Tor in
die politische Versenkung. Immerhin 15 von 49 US-Vizepräsidenten
wurden später Präsident. Manche durch Tod, wie Lyndon B. Johnson
für den ermordeten John F. Kennedy, oder wegen eines Rücktritts,
wie Gerald Ford für Richard Nixon. Der wiederum hatte es als
ehemaliger Vize im zweiten Anlauf geschafft, zum Präsidenten gewählt
zu werden. George Bush (sen.) schaffte es nach zwei Amtszeiten von
Ronald Reagan direkt, Joe Biden nach einer Amtszeit von Donald Trump.
Unter den bisher 49 Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten ist
Kamala Harris die erste und einzige Frau. Sie hat gute Chancen, die
sechzehnte ehemalige Vizepräsidentin unter dann 47 Präsidenten zu
werden und damit die historische erste Frau in diesem Amt. 

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Ihren
Vizepräsidentschaftskandidaten dürfte sie nach wahlstrategischen
Überlegungen ausgewählt haben. Jedenfalls wird das gegenwärtig so
diskutiert. Doch Tim Walz mag darüber hinaus eine Rolle spielen,
wenn es darum geht, in einer Harris-Walz-Administration stärker auf
Diplomatie zu setzen statt auf militärischen Interventionismus.
Seinen Wahlkampf zum Kongressabgeordneten führte er 2006 in
Opposition zum Irakkrieg. Später führte er im Kongress eine Gruppe
von Demokraten an, die Präsident Barack Obama vor einem Eintritt in
einen Krieg in Syrien warnte, und er trat für eine Resolution zur
Beendigung der Unterstützung Saudi Arabiens bei dessen Krieg im
Jemen ein. Daneben unterstrich er anlässlich der Öffnungspolitik
unter Präsident Obama 2016/17 die wechselseitigen Chancen eines
möglichen Handels mit Kuba. Dazu kam es dann freilich nicht.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Kamala
Harris’ 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      National
Security Advisor
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
Philip H. Gordon schließlich beschreibt in  seinem letzten Buch
„Losing the Game: The False Promise of Regime Change in the Middle
East“ von 2020, wie alle US-Versuche, im Mittleren Osten
Regimewechsel herbeizuführen, scheiterten. In der Einführung zu
diesem Buch nimmt er Bezug darauf, dass auch alle diesbezüglichen
Versuche im 20. Jahrhundert in Lateinamerika im Fiasko endeten.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Dollardemokratie
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Dass
der Zustand der Demokratie in den Vereinigten Staaten
besorgniserregend ist, weiß man nicht erst seit der Kandidatenwahl
bei den Republikanern, die von sich selbst gern als von der „Grand
Old Party (GOP)“ sprechen, und dem Sturm auf das Kapitol nach der
von Trump verlorenen Wahl. Während man sich weltweit als Wächter
der Demokratie geriert, spielt hier der Dollar eine entscheidende
Rolle. In der Demokratischen Partei hielt man trotz aller Zweifel an
einer Kandidatur Joe Bidens fest, bis die Wahlkampfspenden
wegbrachen. Und Kamala Harris setzte zum Höhenflug an und wurde im
Eilverfahren nominiert, als diese auf Rekordniveau kletterten. Da ist
es einmal mehr alarmierend, wenn der steinreiche Gegenkandidat mit
Elon Musk den reichsten Mann der Welt als glühenden Verehrer und
Wahlkämpfer an seiner Seite hat, der für seine Extravaganzen
bekannt ist und sich gleich auch noch selbst als möglichen Minister
vorschlägt. Daher: The Kamalamania must go on. Nicht nur, weil die
Alternative eine Katastrophe wäre. Es gibt auch Anlass zu
vorsichtigem Optimismus.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Thu, 15 Aug 2024 05:39:13 GMT</pubDate>
      <guid>https://www.robert-lessmann.com/usa-kamalamania-und-lateinamerika0054794338e17202</guid>
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      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Leonardo Padura:
„Anständige Leute“</title>
      <link>https://www.robert-lessmann.com/leonardo-padura-anstaendige-leutec666779a</link>
      <description />
      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
                  
  Neuer Roman des kubanischen Bestsellerautors, Unionsverlag, Zürich, 2024, 400 Seiten, €26.-. Rezension

                &#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/s/4e3a91da2fa849afa260009be23256a9/dms3rep/multi/DSC06500.JPG" alt="" title=""/&gt;&#xD;
  &lt;span&gt;&#xD;
  &lt;/span&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Es hat ein „bisserl“
gedauert bis die deutsche Übersetzung erschienen ist. Schon bei
Leonardo Paduras Wienbesuch im letzten Jahr war viel von „Personas
decentes“ die Rede. Von zwei Kriminalfällen würde der Roman
handeln und von zwei Hoffnungsmomenten. Havanna sei letztlich die
Hauptperson.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    In
der Tat ist es wohl der kriminalistischste von Paduras
Kriminalromanen, dessen Bücher darüber hinaus als die besten
soziologischen Studien über seine Heimat Kuba gelten, wo es
unabhängige soziologische Studien ja nicht gibt. Von der ersten
Seite an wird man unentrinnbar in den Strudel der beiden Geschichten
hineingezogen. Der Detektiv Mario Conde hilft seinen früheren
Polizeikollegen bei der Aufklärung von zwei grausamen Morden, weil
diese gerade alle Hände voll mit dem Besuch des US-Präsidenten
Barack Obama und der Rolling Stones zu tun haben. Wir schreiben das
Jahr 2016. Parallel dazu erzählt der Polizist Teniente Arturo
Saborit von Prostituiertenmorden in Havanna von 1909/10, das nach der
Unabhängigkeit von 1902 boomt und wo nichts unmöglich scheint.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Interessant
sind dabei die Parallelen der Hintergrundkulissen, die Padura mit
großem historischen und soziologischen Wissen aufbaut. Hier
atemberaubende Gegensätze zwischen Arm und Reich und ein Sumpf von
Korruption und Intrigen, wo Zuhälterclans nach belieben schalten und
walten, bis sie um die Vorherrschaft kämpfen. Im Rampenlicht der
Erzählung steht hier der schillernde Zuhälter Alberto Yarini, eine
reale Person. Dort zwei Mordopfer, die vor einem halben Jahrhundert,
im sogenannten
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
       quinquenio gris
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
(dem grauen Jahrfünft) für
die schlimmste Willkür, für Spitzeltum und Repression gegen
unangepasste Künstler verantwortlich waren – und die nebenbei in
Kunstraub und Hehlerei verstrickt sind.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Der
„Erzpessimist“ Mario Conde lässt sich von der Öffnungseuphorie
nicht anstecken. Schon ganz zu Anfang des Buches erinnert er sich,
wie in seiner Jugend heißbegehrte Raubkopien illegaler,
„subversiver“ Musik in Umlauf waren: „
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      A hard days night
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    “
– 1964 war das. Wieso sollte er heute, als „alter Knacker“ beim
Besuch der Stones euphorisch werden? Der Autor dieser Rezension
forschte vor dreißig Jahren zu den Wirtschaftsreformen nach dem
Zusammenbruch des Ostblocks („Empresas mixtas en Cuba“, 1994) und
warnte auch angesichts der Halbherzigkeit ihrer Umsetzung vor
Rechtsunsicherheit und der „Gefahr einer Generalisierung des
Illegalen“, später vor einem entstehenden
„Untergrundkapitalismus“. Heute ist dieser  der Wachstumssektor
in einer Wirtschaft, die ansonsten von Stillstand geprägt ist und
von Depression in den Köpfen der Menschen. Seit 2021 sollen eine
halbe Million Menschen die Insel verlassen haben. Überwiegend junge,
gebildete. Ein gewaltiger Verlust in einer Elfmillionen-Gesellschaft
mit sehr niedriger Geburtenrate. Inzwischen soll die Bevölkerungszahl auf unter 10 Millionen gesunken sein. (PS: Eine Studie vom Juli 2024 spricht gar von nur 8,6 Millionen.)
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
     In
der Bar, in der Mario Conde während des Booms von 2016 als Aufpasser
arbeitet, spendiert er einem Polizeikollegen ein Bier, das soviel
kostet wie der in zwei Tagen nicht verdient. Der Laden floriert nicht
zuletzt, weil regelmäßig ein „großer Unbekannter“ mit seiner
Entourage dort verkehrt, der ihn protegiert. Anspielung oder Fiktion?
Noch zur Zeit Fidel Castros kursierten Gerüchte, wonach ein
bestimmter Paladar (privat geführtes Restaurant)  regelmäßig von
einem prominenten Politiker besucht würde. Dort wurden auch
Meeresfrüchte serviert, die eigentlich für Paladares damals strikt
tabu waren. Jener prominente Politiker wurde später Präsident. Etwa
zur selben Zeit sprach der Rezensent mit einer jungen Frau, der man
die Lizenz für ihren Paladar entzogen hatte, weil sie zu Tagen der
Hochkonjunktur (Exportmesse Expokuba) eine Nachbarin gebeten hatte,
beim Putzen zu helfen. Die Mutter von zwei Kindern verdiente ihr Geld
nunmehr als Gelegenheitsprostituierte. Die Parallelen zwischen Condes
„großem Unbekannten“ und meinem prominenten Politiker mögen
fiktiv sein. Verzweiflung und Depression der Menschen sind angesichts
der wirtschaftlichen Dauerkrise sehr real. Leonardo Padura lässt sie
spürbar werden ohne dass seine Protagonisten die Liebe zu ihrer
Heimat verlieren. 

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Conde
„drehte sich um. Ein grandioser Impala Cabriolet, Baujahr 1958,
rollte langsam über die Avenida. Auf der Rückbank und den Türen
saßen drei Frauen und zwei Männer, ausgestattet mit Strohhüten und
Bierdosen, und brachten in voller Lautstärke ihre Begeisterung über
die Spazierfahrt zum Ausdruck, die der Chauffeur ihnen ermöglichte.
An der durch die Tropensonne bereits geröteten hellen Haut wie auch
an ihrer Kleidung und dem betrunkenen Gegröle waren sie mühelos zu
erkennen: es handelte sich um US-amerikanische Touristen, schließlich
kehrten die Gringos jetzt auf die Insel zurück, um sich mit eigenen
Augen einen Eindruck davon zu verschaffen, wie die Bewohner dieses
realsozialistischen Themenparks ihren Alltag organisierten. Es war
derselbe Ort, wo die Großeltern dieser Touristen einst dem Spaß an
Rum, Musik und Sex gefrönt hatten, in den zahllosen Kabaretts,
Kasinos, Bars und Bordellen dieser offenen, dem Laster verfallenen
Stadt. (…) Jetzt waren sie also wieder da, und ihre Dollars waren
mehr wert denn je.“ (S. 89)
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Fri, 12 Jul 2024 07:26:45 GMT</pubDate>
      <guid>https://www.robert-lessmann.com/leonardo-padura-anstaendige-leutec666779a</guid>
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      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Bolivien: Auf dem Weg zurück zum Operettenstaat?</title>
      <link>https://www.robert-lessmann.com/bolivien-auf-dem-weg-zurueck-zum-operettenstaat2b1aba10</link>
      <description />
      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
                  
  
In den Geschichtsbüchern
steht Bolivien exemplarisch als Heimat kurzlebiger Operettenregimes.
Zwischen 1964 und 1982 war das Land von einer raschen Abfolge
teilweise blutiger Militärdiktaturen geplagt. Es folgten Jahre einer
prekären demokratischen Stabilisierung unter neoliberalem Vorzeichen
und unter Obhut ausländischer Geber von „Entwicklungshilfe“, bis
2005 der junge Bauernführer Evo Morales die Wahlen mit einem
Erdrutschsieg gewann und eine demokratische Revolution im Sinne der
nationalen Souveränität und sozialer Emanzipation einleitete. Mit
der Machtergreifung der politischen Rechten im November 2019 endete
eine Periode ungekannter demokratischer Stabilität und sozialen
Fortschritts. Morales musste ins Exil fliehen. Von dort aus bestimmte
er die Spitzenkandidaten für Neuwahlen, die die sozialen Bewegungen
erzwungen hatten und die seine Partei (MAS) mit absoluter Mehrheit
gewann. Nach seiner Rückkehr entwickelte er sich als Parteichef
jedoch zum größten Gegner „seiner“ Regierung. Am 26. Juni 2024
kam es nun erneut zu einem militärischen Putschversuch, der viele
Fragen aufwirft.





                &#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/s/4e3a91da2fa849afa260009be23256a9/dms3rep/multi/DSC01117.JPG" alt="" title=""/&gt;&#xD;
  &lt;span&gt;&#xD;
  &lt;/span&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
„Hegel
bemerkt irgendwo, dass alle großen weltgeschichtlichen Ereignisse
und Personen sich sozusagen zweimal ereignen: das eine Mal als große
Tragödie, das andere Mal als Farce“, schrieb Karl Marx in
„Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte“ in Anspielung auf
einen Staatsstreich, der die Französische Revolution gewissermaßen
konterkarierte.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Am
26. Juni 2024 um 14.30 fuhr ein halbes Dutzend gepanzerter Fahrzeuge
auf der Plaza Murillo von La Paz auf, wo Parlament und
Präsidentenpalast Boliviens liegen.
Eines
der Fahrzeuge rammte die Eingangstür zum alten Präsidentenpalast
(
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Palacio
Quemado, 
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    der
verbrannte oder brenzlige Palast, wie er wegen seiner bewegten
Vergangenheit heißt).
Dort kam es zu einer verbalen Konfrontation zwischen Armeechef Juan
José
Zúñiga
und Staatspräsident Luis Arce, der ihn aufforderte, nach Hause zu
gehen, was der General mit „no“ beantwortete, dann aber doch auf
die Plaza zurückkehrte, wo er vor der Presse Statements abgab und in
seinem verdunkelten Panzerfahrzeug lange per Handy telefonierte: Das
Land sei in der Krise. Es könne so nicht weiter gehen. Man wolle das
Kabinett austauschen,
Neuwahlen ausrufen und die politischen Gefangenen freilassen. Um
17:30 war der Spuk zu Ende. Die Militärs zogen Richtung ihrer
Kaserne im Stadtteil Miraflores ab, wo Zúñiga
sowie
die ihn begleitenden Chefs von Marine, Juan
Arnez,
und Luftwaffe, Marcelo
Zegarra,
gegen
19:00 Uhr verhaftet
wurden. Präsident Arce hatte zwischenzeitlich neue
Oberkommandierende eingesetzt, die den Rückzug anordneten.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Die
gute Nachricht: Es
soll nur neun Verletzte gegeben haben. Die
sozialen Organisationen und die Zivilgesellschaft standen
unverzüglich zur Verteidigung der Demokratie parat. Massen von
Zivilisten strömten zur Unterstützung der Regierung auf die Plaza
Murillo. Der Gewerkschaftsbund COB und die Landarbeitergewerkschaft
CSUTCB riefen zum Generalstreik auf. Eva Copa, die Bürgermeisterin
der zweitgrößten Stadt, El Alto, wo sich wichtige Militäreinheiten
befinden, rief mit
der Verfassung in der Hand die
Bevölkerung dazu auf, die Straßen zu blockieren. Alle politischen
Kräfte,
einschließlich der inhaftierten Drahtzieher der rechten
Machtergreifung
von 2019, deren
Freilassung Zúñiga
gefordert hatte, verurteilten zunächst
den Putschversuch.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Die
Ereignisse zeigen freilich auch, wie fragil die vormals so stabilen
Verhältnisse inzwischen wieder sind. Kaum
war der bemerkenswert dilettantische Putschversuch gescheitert,
versuchten die politischen Akteure Kleingeld
daraus zu
ziehen
und sprachen von ‚
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      autogolpe
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    ‘,
einem selbstinszenierten Coup, der das Image des Präsidenten habe
stärken
sollen.
In der Tat galt General
Zúñiga
als Vertrauter Arces, war von diesem vor anderen Kandidaten erst
im November 2022 zum
Armeechef befördert
worden. Beide waren wohl noch
am Wochenende zuvor bei einem Basketballmatch zusammen gesehen
worden. Zusätzlichen Auftrieb hatte diese Version durch Zúñiga
selbst bekommen. Nachdem klar wurde, dass sein Unternehmen scheitern
würde, hatte er vor der Presse behauptet, Arce selbst habe ihn um
diese Inszenierung gebeten.
Glaubwürdig?
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Tatsache
ist, dass General
Zúñiga
zwei Tage zuvor bei einem Fernsehinterview, das er im Stile eines
Staatschefs gab, seine Kompetenzen krass überschritten hatte. Unter
anderem hatte er damit gedroht, den Arce-Widersacher, Expräsident
Morales, zu verhaften, sollte dieser bei den im nächsten Jahr
anstehenden Wahlen wieder kandidieren. Das Militär sei der
bewaffnete Arm des Volkes. Am nächsten Tag wurde ihm vom
Verteidigungsminister seine Entlassung mitgeteilt, diese aber noch
nicht offiziell kommuniziert. Am nächsten Morgen wurden ab 9:30
irreguläre Truppenbewegungen gemeldet. Zúñiga
und die anderen Beteiligten waren für ihre politischen Vorgesetzten
nicht mehr erreichbar. Zúñiga
selbst beklagte sich auf der Plaza Murillo gegenüber der Presse
darüber, dass gegenüber der Armee Treue mit Untreue vergolten
würde. Die Kurzschlusstat eines beleidigten Egomanen?
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Tragödie
oder Farce?
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Wie
bei der Machtergreifung der Rechten 2019 wurde deutlich, dass die
politische Führung das Militär nicht im Griff hat. Auch Armeechef
Williams
Kalimán,
der Morales damals zum Rücktritt aufforderte, hatte sich ja stets
als dessen Parteigänger und als ‚
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      soldado
del proceso de cambio‘ 
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    bezeichnet.
Hatte Zúñiga darauf gesetzt, dass Arce angesichts der
Panzerfahrzeuge die Flucht ergreifen würde? Bei Morales hatte ja
schon eine mündliche
Aufforderung genügt. Diente sein Telefonieren dazu, Verstärkung
herbeizurufen, die nicht eintraf? Möglicherweise werden die
Gerichtsverfahren Klarheit bringen. Jedenfalls scheinen die
bisherigen Ermittlungen darauf hinzudeuten, dass wohl mehr dahinter
steckte, als es zunächst den Anschein hatte. Insgesamt wurden mehr
als zwanzig hohe Militärs inhaftiert, darunter auch der Chef einer
Eliteeinheit aus der Stadt Cochabamba, die fünf Scharfschützen zur
Plaza Murillo entsandt hatte. Einschlägige Planungen seien seit Mai
gelaufen und ein Soziologe, der im Verteidigungsministerium
gearbeitet hatte, wurde unter dem Verdacht, der ideologische Kopf zu
sein, ebenfalls verhaftet.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Nicht
zuletzt sprachen manche Äußerungen und Forderungen Zúñigas vielen
Bolivianerinnen und Bolivianern aus der Seele. Die Regierungspartei
MAS ist zwischen Anhängern des amtierenden Präsidenten Arce und des
Expräsidenten Morales gespalten. Beide Lager halten getrennte
Parteitage ab. Erst Anfang Mai hatte das Arce - Lager mit Grover
García einen eigenen Parteichef gewählt, ein Amt, das auch Evo
Morales für sich in Anspruch nimmt. Die mächtigen sozialen
Bewegungen, die die Regierungspartei MAS tragen, sind ebenfalls
gespalten. Parteitage und ihre Ergebnisse werden jeweils von der
Gegenseite vor dem Wahlgerichtshof angefochten. Im Parlament fliegen
zwischen Angehörigen beider Lager mitunter auch die Fäuste. Die
reguläre Opposition scheint nach dem Fiasko der von ihren Parteien
getragenen „Interimsregierung“ von 2019/2020 nicht vorhanden.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Aktuell tobt der Streit um eine Parlamentssitzung, die der
Senatspräsident Andrónico Rodríguez (
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      evista
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    ) einberufen
hatte, was – so die 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      arcistas
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
     – nur dem Parlamentspräsident
David Choquehuanca (
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      arcista
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    ) vorbehalten sei. Der Oberste
Gerichtshof, der darüber urteilen kann, wird nicht anerkannt, weil
seine Angehörigen ihr Mandat selbst verlängert haben. Schon seit
einem halben Jahr hätten Nachfolger gewählt werden müssen, was
wiederum wegen der Paralysierung des Parlaments nicht möglich war.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Das Morales - Lager hatte für den 27. Juni zu Straßenblockaden
aufgerufen. Die Transportunternehmer blockieren wegen der
Treibstoffknappheit ohnehin. Daneben leidet das Land wegen sinkender Gaspreise und Fördermengen 


    
                    &#xD;
    &lt;!--StartFragment--&gt;                            unter Devisenknappheit
    
                    &#xD;
    &lt;!--EndFragment--&gt;                            

. Man
hatte es versäumt, rechtzeitig neue Quellen zu erschließen und die
Regierung beklagt nun, dass die Opposition zusammen mit den 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      evistas

    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    Kredite blockiere, die für Neuerschließungen nötig wären. Die
Nutzung der reichlichen Lithiumvorkommen wiederum kommt seit
anderthalb Jahrzehnten nur schleppend voran. Erst unlängst wurde der
staatliche YLB (Yacimientos de Litio Bolivianos) von einem
Korruptionsskandal geschüttelt. Angesichts dieser Probleme haben
viele Bolivianerinnen und Bolivianer den Eindruck, dass sich
maßgebliche Politiker nur um ihre Karriere – sprich: ihre
Kandidatur bei den 2025 bevorstehenden Wahlen - kümmern, allen voran
der 2019 gestürzte, einstige Hoffnungsträger Evo Morales. Dessen
Vizepräsident und Berater aus besseren Tagen, Álvaro García
Linera, sieht eine große Gefahr für die Institutionalität und die
Demokratie in Bolivien.* Das Spiel mit dem Feuer – sprich: dem
Militär – sei gefährlich
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      . 
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    Besonders in einem Land mit der
Putschtradition Boliviens. In der Tat mag fortgesetzte politische
Verantwortungslosigkeit dazu führen, dass die Menschen eines Tages
mit dem Militär die Hoffnung verbinden, das Chaos zu beseitigen.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
*
Álvaro García Linera: 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      „Lo malo es que, en esta pelea
intestina, muy egoista, muy mezquina, están jugando con monstruos.
De un lado y del otro, están jugando con los militares y eso es muy
peligroso. No se puede banalizar la presencia militar en la política.
No se puede banalizar el mal, decía Hannah Arendt. Es algo muy
peligroso. Más aún en Bolivia, que tiene un historial récord en el
mundo de golpes de Estado. (…) la diferencia entre ambos nace de
una mirada muy obtusa de sus luchas personales, sin entender que
están jugando con fuego.“
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Thu, 04 Jul 2024 13:12:47 GMT</pubDate>
      <guid>https://www.robert-lessmann.com/bolivien-auf-dem-weg-zurueck-zum-operettenstaat2b1aba10</guid>
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        <media:description>thumbnail</media:description>
      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title> „Stranieri Ovunque“ – „Strangers Everywhere“</title>
      <link>https://www.robert-lessmann.com/stranieri-ovunque-strangers-everywhere3d8b4651</link>
      <description />
      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
                  
  
Der am 20. April eröffneten 60. Biennale von
Venedig, die unter dem Motto steht „Fremde überall“, eilte der
Ruf voraus, besonders politisch zu sein. Zurecht. Mit
Migration, Flucht und Vertreibung setzte sich die Biennale auch in
den vergangenen Jahren immer wieder auseinander. „Fremde
überall“, das meint aber mehr: Flüchtlinge,
Migranten, Menschen mit anderer sexueller Orientierung, Andersartige,
Andersdenkende, ganz allgemein: Ausgegrenzte.

                &#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/s/4e3a91da2fa849afa260009be23256a9/dms3rep/multi/DSC06752.JPG" alt="" title=""/&gt;&#xD;
  &lt;span&gt;&#xD;
  &lt;/span&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Oft betraf und betrifft Außenseitersein oder Ausgrenzung auch
Künstler, die dann Sezessionen gründeten oder gar der Spionage
beschuldigt wurden, wie beispielsweise Caspar David Friedrich. Dem
brasilianischen Kurator Adriano Pedrosa (künstlerischer Leiter des
Museu de Arte von São
Paulo) ist es – nicht nur, aber auch – zu verdanken, dass der
globale Süden auf dieser ältesten internationalen Kunstbiennale
(seit 1895) so stark vertreten ist wie nie zuvor. Fremd sein im
eigenen Land wird da thematisiert, Kolonialismus und Dekolonisierung.
Ein kongolesisches Künstlerkollektiv (Cercle d’Art des
Travailleurs de Plantation Congolaise, CATPC) möchte mit seinen
Skulpturen „im heiligen Wald“ einen Übergang von einer
schmerzhaften Vergangenheit in ein ökologisch nachhaltiges Morgen
aufzeigen, fragt aber im Video der Theaterdarbietung einer hitzigen
Diskussion („Blasphemie oder Heiligkeit“) gleichzeitig, ob es
angemessen und akzeptabel sei, wenn die ehemaligen Kolonisatoren
Wiedergutmachung leisten mit dem Geld, das sie womöglich anderenorts
auch zusammengeraubt haben? Letztere besteht in einem großen, weißen
Würfel  (ein Fetisch oder ein Museum für zurückgegebene
Raubkunst?), der im „heiligen Wald“ gebaut und von den
Betroffenen heiß diskutiert wird. Die eindrucksvolle Präsentation
findet im holländischen Pavillon statt, gleich einem der ersten, die
man nach dem Betreten der Giardini erreicht. Er wird in
Zusammenarbeit des Kurators Hicham Khalidi mit dem Künstler Renzo
Martens und mit Unterstützung der holländischen Mondrian Stiftung
bespielt.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Das Konzept der Länderpavillons löst sich auf. Der russische
Pavillon, qua Sanktionen geschlossen, ist an Bolivien ausgeliehen.
Moskau pflegt auf diese preiswerte Weise die Beziehung zu Ländern,
die vom Westen eher Missachtung oder Zurückweisung erfahren. Der
israelische Pavillon bleibt auf Wunsch der Künstlerin Ruth Patir
geschlossen, bis ein Waffenstillstand im Gaza-Krieg erreicht und die
Geiseln freigelassen sind. Der polnische Pavillon wurde an ein
ukrainisches Künstlerkollektiv ausgeliehen.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Fremd sein, das heißt oft auch heute noch „fremd sein im eigenen
Land“. Indigene Völker spielen – passiv wie aktiv – eine große
Rolle auf der Biennale, häufig auch im Zusammenhang mit
Ressourcenabbau und Naturzerstörung. „Heute Lithium, morgen
Hunger“, konstatiert eine Aufschrift im spanischen Pavillon.  Und
der dänische Pavillon ist einer Fotoausstellung über die Inuit
gewidmet. Indigene Künstler der Yanomami (Brasilien), der Cherokee
(Nordamerika) und der Aborigines (Australien) kommen zu Wort. Rember
Yahuarcani aus dem Volk der Huitoto im peruanischen Amazonien weist
in einem seiner farbenfrohen Großgemälde darauf hin, dass dort
zwischen 2013 und 2023 insgesamt 32 indigene Führer und Führerinnen
von Eindringlingen, Drogenhändlern und der Holzmafia ermordet
wurden. Ihre amazonische Heimat sei für Indigene einer der
gefährlichsten Orte.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Im Haupthaus der Giardini wird ein Saal von Künstlern mit
körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen bespielt, darunter
der Österreicher Leopold Strobl. „Arpilleristas“ aus Chile
stellen in den Arsenale Textilkunst aus, mit der sie während der
Pinochet-Diktatur ihr Leben im Exil finanzierten. Louis Fratino
überrascht in den Giardini unter der Rubrik „Anonymous Homosexual“
mit expliziten Bildern männlicher Homosexualität. Die
bolivianischen „Mujeres Creando“ und Claudia (La Chola) Poblete
aus Argentinien thematisieren das Schicksal von Sexarbeiterinnen und
Transgender-Personen.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
In einem Raum im Haupthaus der Giardini widmet sich ein „Museum der
alten Kolonie“ dem imperialen Verhältnis USA/ Puerto Rico. Das
Foto eines guten Soldaten, der sich helfend zu einem nackten Jungen
hinabbeugt, stellt in diesem Kontext die Frage, inwieweit man
überhaupt „gut“ sein kann als Teil einer mörderischen
Maschinerie.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Flucht ist kein
Verbrechen
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Im Zentrum stehen indessen Flucht und Migration. Am Eingang zu den
Arsenale – einst Waffenschmiede des mediterranen Großreiches
Venedig – kreuzt ein schwerbepackter Lastenträger von Yinka
Shonibare („Refuge Astronaut“) mit seinem Hab und Gut den Weg der
Besucherinnen und Besucher. Im Inneren erzählen Flüchtlinge aus
allen Winkeln dieses Planeten in einer Serie von Videos von ihren
Schicksalen. Und ein Raum ist angefüllt von großen Landkarten, zu
und auf denen sie grafisch von ihren Odysseen berichten. Erst
zusammengenommen werden sie von der Dokumentation zum Kunstwerk.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Die Biennale ist noch bis zum 24. November geöffnet und immer eine
Reise wert. Das Tagesticket für Giardini und Arsenale (zusammen an
einem Tag kaum zu bewältigen) kostet 20€, ein Dreitagesticket 40€.
Dazu kommt für Tagesbesucher der Lagunenstadt neuerdings und vorerst
eine Besuchsgebühr von 5€. Beides ist auch im Internet erhältlich
und dann als QR-Code mitzuführen. Dass die Tagesgebühr nach
jahrelangen Diskussionen und Vorbereitungen ausgerechnet am
Nationalfeiertag und dem ersten langen Wochenende der Biennale
testweise eingeführt wurde, ist für die Verwaltung kein Ruhmesblatt
und führte zu chaotischen Zuständen an den Ankunftsmolen der
Tagestouristen. Und dass ausgerechnet dort im Block und quasi
flächendeckend die angekündigten „Stichproben“ vorgenommen
wurden, verdankt sich wohl entweder Gedankenlosigkeit oder einem
beabsichtigten Abschreckungseffekt. Kenner wählten eine etwas
längere Alternativroute und umgingen die mutwillig provozierten
Menschenknäuel am Kai elegant durch die engen Gassen, wo sie
vielleicht in einem der lokalen Cafes noch einen Espresso und ein
kleines Gebäck genossen – auch das findet man noch.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Persönliches Highlight des Autors war eine aufwendige
Videoprojektion des Schweizer Pavillons im Halbrund eines
Himmelsgewölbes, eine Art ungemein selbstironischer Werbefilm einer
„Super Superior Civilisation“. Gleichauf und von den meisten
anderen Kommentatoren favorisiert ist der Österreichische Pavillon,
bespielt von Anna Jermolaewa, die 1970 in Leningrad (UdSSR) geboren
wurde und 1989 aus politischen Gründen aus der Sowjetunion fliehen
musste. Ein Video von Proben zum Schwanensee-Ballett von Tschaikowski
kann als Code für einen erwünschten Machtwechsel gelesen werden. Zu
Sowjetzeiten wurde Schwanensee im Fernsehen oft in Phasen 
politischer Unruhe oder nach dem Tod eines Staatsoberhaupts gespielt
– manchmal in Dauerschleife. Ein Raum mit verschiedenen
Blumenarrangements ist alles andere als unschuldig: Sie stehen
jeweils für eine Revolution. Nelken stehen für die portugiesische
Revolution von 1974 und so weiter. Aufsehen erregen sechs
Telefonzellen nicht nur bei jungen Besuchern, die gar nicht mehr
wissen, was eine Telefonzelle überhaupt ist. Schon ihr Transport per
Vaporetto auf den Kanälen Venedigs zu den Giardini war ein
Spektakel. Sie stammen aus Traiskirchen. Für viele Flüchtlingen
waren sie 
    
                    &#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      das
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
    
                    
     Kommunikationsmittel in die alte Heimat. Auch
für Anna Jermolaewa. In einem Video von einer Sitzbank im
Westbahnhof erzählt sie von der Suche nach der bequemsten
Schlafstellung. Die Nächte ihrer ersten Woche in Wien hatte sie dort
zugebracht.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Tue, 14 May 2024 19:01:18 GMT</pubDate>
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      <media:content medium="image" url="https://cdn.website-editor.net/s/4e3a91da2fa849afa260009be23256a9/dms3rep/multi/DSC06752.JPG">
        <media:description>thumbnail</media:description>
      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Ecuador/ Kolumbien: Stationen einer gescheiterten Drogenpolitik</title>
      <link>https://www.robert-lessmann.com/ecuador-kolumbien-stationen-einer-gescheiterten-drogenpolitik2d85c59c</link>
      <description />
      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
                  
  Die internationale Drogenpolitik scheitert weiter vor sich hin. Doch es gibt auch vielversprechende Reformansätze.

                &#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/s/4e3a91da2fa849afa260009be23256a9/dms3rep/multi/FRAUENGEFA%C3%8C-NGNIS%C3%82-RobertLessmann002.jpg" alt="" title=""/&gt;&#xD;
  &lt;span&gt;&#xD;
  &lt;/span&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Wien im März 2024. 
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
    
                    
    Die
kolumbianische Botschafterin war in ihrem Schlusswort sehr klar: „Als
ich vor einem Jahr erstmals hier sprach, stellte ich mich mit den
Worten vor: ‚Ich heiße Laura Gil. Ich komme aus Kolumbien und ich
bin müde.‘“ Müde von der Gewalt, den Toten, den leeren
Versprechungen. Ein Jahr später müsse sie sagen: „Wir sind heute
60 Länder und wir sind es leid!“
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Laura Gil sprach auf einem so
genannten 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      side event 
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    im
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    Rahmen
der 67. UN Commission on Narcotic Drugs.(1)
Obwohl
eine Sondergeneralversammlung der Vereinten Nationen (UNGASS) zum
Thema Drogen im Jahr 2016 eine flexiblere Auslegung der einschlägigen
Konventionen versprochen hatte, sei in der Praxis alles so starr und
bürokratisch geblieben wie eh und je, sagte Gil, die
zuletzt als Vize-Außenministerin ihres Landes für multilaterale
Beziehungen zuständig war.
UNGASS 2016 war auf Initiative Mexikos,
Kolumbiens und Guatemalas einberufen worden: Eine Überarbeitung des
bisherigen Ansatzes der internationalen Gemeinschaft gegenüber
Drogen könne nicht länger aufgeschoben werden, hieß es bereits
in
einer gemeinsamen Erklärung vom 1. Oktober 2012. Dabei müssten die
Vereinten Nationen eine Führungsrolle übernehmen, um „alle
Optionen zu analysieren, einschließlich regulierender –  oder
Marktmechanismen, um ein neues Paradigma zu etablieren, das den
Ressourcenfluss zu Gruppen organisierter Kriminalität verhindert.“
Herausgekommen ist das Versprechen größerer Flexibilität. In der
Tat wurden seither Entkriminalisierungs- und Regulierungsmodelle bei
Cannabis toleriert.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Neustart als Rohrkrepierer
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Zu
einer energischen Schwerpunktsetzung beim Kampf gegen die
organisierte (Gewalt-) Kriminalität und die Geldwäsche – wie es
die Lateinamerikaner gefordert hatten – kam es jedoch nicht. Im
Jahr 2011 hatte das Büro für Drogen und Verbrechensbekämpfung der
Vereinten Nationen (UNODC) eine bahnbrechende Studie über Geldwäsche
vorgelegt. Demnach
lag deren jährliches Volumen damals zwischen 1,2 und 1,6 Billionen
US Dollar. Der größte Anteil entfalle mit 350 Mrd. auf den
Drogenhandel und dabei wiederum auf den mit Kokain, der besser
organisiert und zentralisierter sei als der mit anderen illegalen
Substanzen. Zum Vergleich: Der aktuelle Budgetentwurf der deutschen
Bundesregierung liegt bei 470 Mrd. €. Der
illegale Drogenhandel sei gewissermaßen das Rückgrat der
internationalen organisierten Kriminalität, hieß es damals in
UNODC-Papieren. Indes: Eine
längst überfällige Aktualisierung dieser Studie ist
nicht in Sicht.
Unter dem damaligen Exekutivdirektor des UNODC, Antonio Maria Costa
(2002-2010
- ein Banker übrigens),
habe man sich dieses heiklen Themas angenommen. Seither fehle der
politische Wille dazu, ist aus dem UNODC zu vernehmen.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Dabei
wäre es
sechs
Jahrzehnte nach der Verabschiedung der maßgeblichen UNO
Drogenkonvention und einem halben Jahrhundert von Washingtons
federführendem „War on Drugs“ höchste Zeit, neue und innovative
Wege einzuschlagen. Die Zahl der Drogenkonsumenten befindet sich auf
Rekordniveau und wächst schnell weiter. Schneller noch wachsen die
Opferzahlen, vor allem durch neue, im Labor hergestellte psychoaktive
Substanzen. Überdosen mit dem künstlichen Opioid Fentanyl sind
heute die häufigste Todesursache für Männer zwischen 18 und 45
Jahren in Nordamerika. Die Produktion der klassischen,
pflanzengestützten Drogen Kokain (Grundstoff sind
die Blätter des Kokabusches
aus Bolivien, Kolumbien und Peru) und Heroin
(Schlafmohn/Opium
aus Afghanistan, Myanmar und
Mexiko)
befindet sich jeweils auf Rekordniveau. Sogenannte 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Neue
Psychoaktive Substanzen 
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    drängen
mit einer Schnelligkeit und Vielfalt auf den Markt, die
schon ihre Erfassung und damit das Kontrollsystem der
Drogenkonventionen über Listen kontrollierter Substanzen
überfordert. Zusammen mit einer
wachsenden Rolle des 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Darknet

    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    beim
Handel
schränkt
das die Zugriffsmöglichkeiten der Exekutive drastisch ein. Therapie
und Prävention scheinen die wesentlich effektiveren Instrumente zu
sein.
Doch in der Praxis dominiert allenthalben noch immer der repressive
Ansatz über das Strafrecht.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Diese
konventionelle Politik ist in Bausch und Bogen gescheitert. Es gab
allenfalls regionale Schwerpunktverlagerungen. Inwieweit ein
Anbauverbot der Taliban für Schlafmohn in Afghanistan vom April 2022
nachhaltig sein wird, bleibt vor dem Hintergrund voller Lagerbestände
abzuwarten. Ein ebensolches Verbot
vom
Jahr 2000/2001 war es jedenfalls nicht. Immerhin ist aktuell ein
Rückgang der dortigen
Opiumproduktion
um
95 Prozent zu verzeichnen. Zwanzig Jahre westlicher
Sicherheitskooperation waren dagegen von einem stetigen Anwachsen des
Anbaus in Afghanistan begleitet.
Schon
nimmt der Anbau beim
vormals wichtigsten Schlafmohnproduzenten,
Myanmar, rapide zu.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Das
Epizentrum des Kokaanbaus verlagerte sich bereits
in den 1990er Jahren aus den traditionellen Anbauländern Bolivien
und Peru nach Kolumbien (ohne dort zu verschwinden oder auch nur
nachhaltig
vermindert
zu sein)
und zwischenzeitlich auch wieder zurück. Man
spricht vom 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Ballon
Effekt;
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
Druck an einer Stelle führt zur Ausdehnung anderenorts. Heute
befinden sich 204.300 Hektar Anbaufläche (von
insgesamt 296.000) in Kolumbien (2).
Die Schaltzentralen des Kokaingeschäfts verlagerten sich von
Kolumbien nach Mexiko, doch produziert
wird nach
wie vor in
Kolumbien, wo
rund zwei Drittel der Kokainlabors entdeckt und zerstört werden.
Mehr als von einer Verlagerung muss man also von einer Ausbreitung
des illegalen Drogengeschäfts und der mit ihm verbundenen Probleme
sprechen.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Ecuador, Kolumbien und der

      
                      &#xD;
      &lt;i&gt;&#xD;
        
                        
        War on Drugs
      
                      &#xD;
      &lt;/i&gt;&#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Jüngstes Beispiel dafür ist
Ecuador, das in einer Welle von Gewalt versinkt, wie die deutsche
Tagesschau am 11. Januar 2024 titelte. Ecuador, dabei dachte man an
Galapagos, den 6.263 Meter hohen Chimborazo, Charles Darwin und
Alexander von Humboldt, ein stark von seiner indigenen Bevölkerung
geprägtes Land und jenes mit der wahrscheinlich größten
Artenvielfalt. Doch heute ist Ecuador ein wichtiges Transitland für
Kokain geworden. Aus dem friedlichen und aufstrebenden Ecuador wurde
eines der gefährlichsten Länder Lateinamerikas.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Wie kam es dazu? Ecuador hat
mit Guayaquil einen großen Seehafen und eine fast 600 Kilometer
lange Grenze zum Nachbarland Kolumbien, wo seit vielen Jahren etwa
zwei Drittel des auf den illegalen Weltmärkten erhältlichen Kokains
erzeugt werden. Ein halbes Jahrhundert 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      War on Drugs
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    ,
Milliarden von Dollars, US- Militärbasen und Sprühflugzeuge mit
Glyphosat gegen Kokafelder haben daran nichts geändert. Älteren
Leserinnen und Lesern sind die Namen Pablo Escobar, Carlos Lehder,
die Ochoa-Familie und die Rodríguez-Orejuela in Erinnerung, das
Cali- und das Medellín-Kartell (der völlig falsche Ausdruck
übrigens, aber von der Journaille so eingebürgert) in Erinnerung,
die Ende der 1980er, Anfang der 90er Jahre gegen ein
Auslieferungsabkommen mit den USA anbombten. Allein drei
Präsidentschaftskandidaten starben, dutzende Richter, Staatsanwälte,
Journalisten wurden damals ermordet. Nach der Zerschlagung der
mächtigen „Kartelle“ übernahmen Dutzende kleinere
Organisationen das unvermindert boomende Geschäft, die nicht mehr
über die Kontakte in die Anbauregionen in Bolivien und Kolumbien
verfügten. Ungeachtet einer einsetzenden Besprühungskampagne mit
Pflanzengift aus der Luft wurde Kolumbien in der zweiten Hälfte der
90er selbst zum wichtigsten Grundstoffproduzenten.
Wirtschaftswissenschaftler nennen das Importsubstitution. Der
Kokaanbau in Kolumbien verdreifachte  sich. Und er breitete sich aus:
Waren es zu Beginn der Besprühungen sechs Provinzen, so wurde zur
Jahrtausendwende Koka in 23 der 33 kolumbianischen Departments
angebaut.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Kokaanbau historisch in Hektar
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
			        1986  	 	1995  	 	2000
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Bolivien    25.800   48.600   14.600
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Kolumbien   24.400   50.900   163.300
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Peru     150.400   115.300    43.400
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Total      200.440   214.800   221.300
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Quelle: UNODCCP Global Illicit
Drug Trends bzw. UNODC World Drug Reports 

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Washington hatte Mitte der
90er den Präsidenten Ernesto Samper mit Korruptionsvorwürfen unter
Druck gesetzt und zur Einwilligung in die Besprühungskampagne
genötigt. Mit einer
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
       Operation Airbridge
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
     hatte man zudem
versucht, den Import des Zwischenprodukts, der
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
       Pasta 
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      B
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      ásica
de Cocaína
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    , aus Bolivien und Peru einzudämmen. Nicht
identifizierte Kleinflugzeuge wurden zur Landung gezwungen oder
abgeschossen, bis der Kongress dieses Vorgehen stoppte. Wegen eines
Kommunikationsfehlers zwischen dem amerikanischen Aufklärer und dem
peruanischen Jäger hatte man versehentlich die Cessna einer
US-Missionarsfamilie abgeschossen.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Zunehmend bemächtigten sich
nun auch bereits seit 1964 in Kolumbien operierende Guerrillagruppen
des illegalen Geschäfts, und stärker noch die rechtsextremen
Paramilitärs, die gegen die Guerrilla kämpften. Teilweise hatten
diese Gruppen zigtausende Kämpfer unter Waffen, die alle verköstigt,
eingekleidet und bewaffnet werden mussten. Hatte die Guerrilla
anfangs nur die Kokabauern besteuert und Gebühren für die
klandestinen Landepisten der Drogenhändler in den Anbaugebieten
erhoben, so wurde das illegale Geschäft zunehmend zum Selbstzweck
und verschiedene ihrer 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
       frentes
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
     stiegen immer tiefer ein. Ab
der Jahrtausendwende hielt Washington mit dem
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
        Plan Colombia
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
dagegen. Milliarden wurden ausgegeben, sieben Militärbasen in
Kolumbien errichtet, Spezialkräfte ausgebildet und die Besprühung
mit Glyphosat noch einmal ausgeweitet. Der
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      W
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      ar on

    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      D
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      rugs
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
     verschmolz mit dem
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      W
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      ar on

    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      T
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      error. 
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    Nur Weltpolizist 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Uncle Sam 
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    verfügt
über eine Abteilung für internationale Drogen- und
Gesetzesvollzugsangelegenheiten (INL(3)) im Außenministerium. Ende
des vorletzten Jahrzehnts (FY 2010) gingen mehr als 50 Prozent des
INL-Budgets in Höhe von insgesamt 878,9 Mio. USD nach Afghanistan
und Kolumbien – zwei Schlüsselländer im Krieg gegen den Terror.
Zum Vergleich: Das Gesamtbudget des UNODC war nicht einmal halb so
hoch.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Nachhaltigkeitsdesaster und
Bürgerkrieg
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Besprüht wurde nun vor allem
in den Guerrilla-Hochburgen im Süden des Landes. Im Laufe der Jahre
will man laut Statistik deutlich mehr als das Zehnfache dessen an
Feldern vernichtet haben, was jemals als maximale Anbaufläche
vorhanden war. Ein Nachhaltigkeitsdesaster. Die Bauern zogen weiter,
legten neue Kokafelder an – teilweise schon prophylaktisch. Die
Politik der Kokavernichtung ohne Nachhaltigkeit dürfte damit enorme
Flächen tropischen Regenwaldes gekostet haben.(4) Doch nicht nur
das: Durch die zur Weiterverarbeitung notwendigen Chemikalien wurden
immer neue Böden und Gewässer vergiftet. Und Kolumbien war lange
noch vor Syrien das Land mit der höchsten Zahl von
Binnenflüchtlingen (8 von insgesamt 50 Millionen Einwohnern), wofür
hauptsächlich der Guerrillakrieg, aber eben auch Bauernvertreibung
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    durch Kokaeradikation verantwortlich war.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Die Umsetzung des 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Plan
Colombia
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
     hieß in Kolumbien unter Präsident Álvaro Uríbe
(2002-2010) S
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      eguridad 
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      D
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      emocrática 
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    und verfolgte
das Ziel, illegale bewaffnete Gruppen von ihrer Finanzierung
abzuschneiden. Gesprüht wurde nun insbesondere in den Hochburgen der

    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia 
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    (FARC) im Süden
des Landes in den Departments Caquetá und Putumayo. Landesweite
Kokareduzierungen um 80.000 Hektar zwischen 2000 und 2004 wurden
praktisch ausschließlich dort erzielt.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Im Jahr 2015 wurden die
Besprühungen eingestellt, im Jahr 2016 ein Friedensabkommen mit den
FARC unterzeichnet. Der Krieg mit der ältesten (seit 1964) und
größten Guerrilla war zu Ende. Präsident Juan Manuel Santos
erhielt dafür den Friedensnobelpreis. Mehr als 13.000 Kämpfer
wurden demobilisiert, Hunderte davon später ermordet. Nachfolger
Iván Duque hielt nichts von dem Abkommen und das ehrgeizige Programm
zur Schaffung von Alternativen für die Bauern wurde praktisch nicht
vollzogen. Duque setzte die Zwangseradikation von Kokafeldern fort
und wollte sogar zu einer Besprühung der Felder aus der Luft
zurückkehren. Es ist nicht gelungen, das Machtvakuum, das durch den
Abzug der Guerrilla entstand, durch staatliche Institutionen zu
füllen. Stattdessen geben dort nun FARC-Dissidenten (5.500 Kämpfer),
Kämpfer des 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Ejercito de la Lib
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      e
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      ración Nacional
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
(ELN 2.200) und Angehörige krimineller Banden (8.350 nach
offiziellen Zahlen) den Ton an. Bei seinem Amtsantritt im Jahr 2018
gab es in Kolumbien 169.000 Hektar Koka und Duque strebte bis 2023
eine Halbierung an. In einem Working-Paper von 2020/21 für das
deutsch-kolumbianische Friedensinstitut Capaz
(
    
                    &#xD;
    &lt;a href="http://www.instituto-capaz.org/"&gt;&#xD;
      
                      
      www.instituto-capaz.org
    
                    &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
                    
    )
schrieb der Autor dieser Zeilen damals: „Nichts deutet darauf hin,
dass die Zielvorgaben heute realistischer sind als vor 10 oder 20
Jahren. Es ist vielmehr zu erwarten, dass die neuerliche
Eradikationsoffensive auch diesmal nicht nachhaltig sein wird und es
besteht die Gefahr, dass damit die Unsicherheit der Lebensumstände
in den betroffenen Gebieten vergrößert wird.“
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Heute kämpft die Regierung
des Präsidenten Gustavo Petro unter dem Slogan 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Paz Total
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
gegen verbrannte Erde an. Die Bauern sind einmal mehr vom Staat
enttäuscht und desillusioniert. Statt der angestrebten Halbierung
ist die Kokaanbaufläche um gut ein Drittel weiter angewachsen und
liegt heute (2022) bei 230.028 Hektar, fast die Hälfte davon in den
südlichen Departments Putumayo und Nariño
im Grenzgebiet zu Ecuador (5).
Und damit nicht genug.
Durch
bessere Sorten und Anbaumethoden soll die
Ernte pro Hektar nach
Berechnungen des UNODC um
durchschnittlich 24
Prozent angestiegen sein
und durch Optimierung der Weiterverarbeitung auch der Kokainertrag.
Solche neuen
Hochproduktivitätszonen
befinden sich unter Kontrolle sogenannter 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      narcoparamil
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      i
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      tares,

    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    FARC-Dissidenten
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    bzw
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      .

    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    der ELN
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      .

    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    Alle zusammen werden
sie 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Grupos Armados
Ilegales 
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    (GAI)
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    genannt. 35 Prozent
der Kokaanbauflächen Kolumbiens
befinden sich in Zonen,
in denen eine oder
mehrere GAI präsent sind. Diese
arbeiten fallweise zusammen oder bekriegen sich. Aber alle sind um
eine strikte Kontrolle des Produktionsprozesses bemüht. Im
Department Putumayo lassen sich sechs Gruppen identifizieren, die
nahezu umfassende Kontrolle ausüben. Die größten sind ehemalige 

    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      frentes 
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    der
FARC, das 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Comando
Frontera 
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    und die

    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Frente Carolina
Ramírez 
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    und sie
bekämpfen sich
gegenseitig. Gemeinsam ist ihnen allen
der Vektor des
Kokainabsatzes:
der Rio Putumayo. Interessanterweise befindet sich auch auf der
südlichen, der peruanischen Seite des Grenzflusses im Departement
Loreto ein Koka-Kokain-Nukleus. Auf
ihm oder an ihm entlang gelangt die heiße Ware nach Ecuador. 

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Ecuador:
Neoliberalismus und Drogentransit
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Immer
wieder tauchten in den letzten Jahren in
Supermärkten Kokainpäckchen
in Bananen- oder Schnittblumenlieferungen aus Ecuador auf, die
von den Adressaten übersehen worden waren.
Ecuador ist selbst kein Anbauland in nennenswertem Umfang, doch wurde
es für den Drogenhandel nicht nur wegen des Pazifikhafens Guayaquil
interessant. Kokainbeschlagnahmungen
sind dort von 88 Tonnen (2019) auf 201 Tonnen (2022) kontinuierlich
angestiegen. Neben dem
Seehafen und der langen Landesgrenze zu den wichtigsten
Kokain-Produktionszentren verfügt Ecuador noch über weitere,
politisch-hausgemachte „Standortvorteile“.
Das notorisch
exportabhängige Land – vor allem Erdöl mit seinen schwankenden
Weltmarktpreisen – befindet sich seit langem in einer
wirtschaftlichen Dauerkrise, unterbrochen nur durch einen Boom im
ersten Jahrzehnt dieses Jahrtausends. Zur Jahrtausendwende wurde
daher die Wirtschaft „dollarisiert“, was Außenhandelsgeschäfte
ebenso erleichtert wie die Geldwäsche. Sie soll bei etwa 3,5 Mrd.
USD jährlich liegen, was etwa 3 Prozent des BIP entspricht, Geld,
das zu 75 Prozent im Land selbst in legale Wirtschaftskreisläufe
eingespeist werde. Kolumbianische
Wirtschaftswissenschaftler bezeichneten solcherlei
Verhältnisse
für ihr Land schon von mehr
dreißig Jahren als
„Verschmutzung der Wirtschaft“ (
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      la
economía se ensucia
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    )
und sprachen von einer „bewilligten Illegalität“ (
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      ilegalidad
consentida
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    ) (6),
die der Gesetzgeber billigend in Kauf nehme.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Ecuador
war mit seiner
neuen Verfassung von 2008
und einer zunächst
stärkeren Akzentuierung der
Sozial-, Indigena- und Umweltpolitik unter Präsident Rafael Correa
einer der Hoffnungsträger der progressistischen Welle in
Lateinamerika. Doch eine Abkehr vom Extraktivismus, eine Überwindung
der Abhängigkeit vom Erdöl gelang nicht und Correa ging 2017 unter
Korruptionsvorwürfen ins französische Exil. Sein
Nachfolger, Lenin Moreno, fiel nurmehr durch den scharfen Gegensatz
zwischen progressiver Rhetorik und neoliberaler Praxis auf. Proteste
ließ er im Jahr 2019 blutig niederschlagen. Das Verhältnis
zwischen dem indigenen und dem „progressistischen“ Lage ist so
zerrüttet, dass man 2021 den Wahlsieg quasi verschenkte. Während
der „Correist“ Andrés Arauz den ersten Wahlgang mit 14
Prozentpunkten Vorsprung
gewonnen hatte und Yaku
Pérez das historisch beste Ergebnis für das indigene Lager
erzielte, gewann der neoliberale Kandidat Guillermo Lasso die
Stichwahl, der im ersten Wahlgang nur 19,5 Prozent der Stimmen
bekommen hatte. Statt ein Bündnis einzugehen, bekämpften
sich die progressiven
Kräfte. Während der 900
Tage seiner Amtszeit soll das Vermögen von Guillermo Lasso um 21
Mio. USD angewachsen sein. Speziell seit der Pandemie wurde
unter Moreno und
Lasso eine extreme Sparpolitik betrieben,
um Auslandsschulden begleichen
zu können – nicht zuletzt auch im Sicherheitsbereich. Gerade Lasso
war in der Sicherheitspolitik gleichzeitig aber ein Verfechter der
„harten Hand“. Das in ganz Lateinamerika notorisch prekäre und
hier nun
noch einmal besonders vernachlässigte Gefängnissystem wurde mit
Kleinkriminellen überfüllt. Vor dem Hintergrund allgegenwärtiger
Korruption entwickelten sich die Haftanstalten geradezu zu
Hauptquartieren krimineller Banden.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Deren
wichtigste, die „Choneros“ arbeiten mit der mexikanischen
Sinaloa-Gruppe zusammen, „Los Lobos“ mit der
ebenfalls mexikanischen „Jalisco
Nueva Generación“. Beide Gruppen bekämpfen sich. Ein Fanal war
die Ermordung
des Präsidentschaftskandidaten Fernando
Villavicencio, dessen Hauptthemen der Kampf gegen die Korruption und den illegalen Drogenhandel waren, auf einer Kundgebung in Quito
im August 2023. Eine
Komplizenschaft aus den Reihen der Sicherheitskräfte wird vermutet.
Die Hauptverdächtigen
wurden später in zwei verschiedenen Gefängnissen ihrerseits
ermordet. Ein
zweites Fanal war der Ausbruch des Anführers der „Choneros“,
Adolfo „Fito“ Macias, Anfang Januar
2024, nachdem er in ein anderes Gefängnis verlegt werden sollte,
sowie die bewaffnete Besetzung eines Fernsehstudios während einer
Livesendung. Inzwischen hatte der heute 36-jährige, in
Miami geborene und
steinreiche Unternehmer
Daniel Noboa die Wahlen gewonnen. Nach
nur wenigen
Wochen im Amt, sprach er
am 9. Januar von einem
„internen bewaffneten Konflikt“
und rief
einen 60-tägigen
Notstand aus. In kurzer Zeit wurden mehr als 9.000 Menschen
verhaftet. Es wird sogar
über eine Wiedereröffnung der US-Luftwaffenbasis Manta diskutiert,
die im
Kontext des 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Plan
Colombia
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
     1999 als
sogenannte
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
       Forward
Operation Location 
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    zur
Luftraumüberwachung (AWACS)
eröffnet worden war. Insgesamt 500 Mann US-Personal genossen damals
quasi diplomatische Immunität und Bewegungsfreiheit in ganz Ecuador.
Sie war 2008/2009 unter Rafael Correa geschlossen worden und eine
Wiedereröffnung würde heute gegen die neue Verfassung verstoßen.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Der
Wirtschaftswissenschaftler Alberto Acosta, der unter anderem in Köln
studiert hat, war in den Jahren 2007 und 2008 Präsident der
Verfassungsgebenden Versammlung Ecuadors und im ersten Halbjahr 2007
Minister für Energie und Bergbau im Kabinett von Rafael Correa. Er
hat Zweifel am Erfolg dieser Politik der
Militarisierung: Die
Nationalpolizei werde zum
Erfüllungsgehilfen des Militärs degradiert. Er spricht vom
grundlegenden Problem
einer Koexistenz zwischen dem Staat und einigen kriminellen Banden,
die nach und nach die staatlichen Institutionen übernahmen. Der Grad
der Durchdringung des organisierten Verbrechens sei so groß, dass
seine Infiltration fast aller staatlichen Instanzen, der Justiz, der
Sicherheitskräfte, des Privatsektors und sogar des Sports öffentlich
anerkannt werde.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Vor
anderthalb Jahrzehnten
reagierte das Kokaingeschäft auf stärkere Kontrollen der
europäischen Seehäfen mit dem Absatz über Venezuela und Westafrika
entlang des 10. Breitengrades, der die kürzeste Verbindung zwischen
Lateinamerika und Westafrika darstellt. Fahnder
sprachen damals vom 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Highway
Number 10. 
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    Einige der
ärmsten Länder der Welt waren nun plötzlich mit einem
Millionengeschäft konfrontiert. In der
Wüste Malis wurde
im Jahr 2009 das Wrack
einer aufgelassenen Boeing 727
gefunden, mit der 10
Tonnen Kokain
transportiert worden
waren:
die
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      &lt;b&gt;&#xD;
      &lt;/b&gt;&#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Air
Cocaine.
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
     Der
Weitertransport durch die Sahara zum Mittelmeer erfolgte über
dieselben Routen und durch dieselben Organisationen, die auch im
Schleppergeschäft aktiv sind, unter
anderem 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Al Qaeda
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    .
Ab 2011 erhielten
sie üppige
Bewaffnung aus Beständen
des gestürzten Diktators Muhammar al Gaddhafi.
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    Und während
neuerdings
Ecuador die Aufmerksamkeit erregt, zeichnet sich bereits eine
Wiederbelebung des 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Highway
Number 10 
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    ab.
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    Wie auch immer die
Routen sich ändern: Die Fahnder laufen hinterher.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Drogenbekämpfung
und Menschenrechte: ein neuer Anlauf
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Zurück
nach Wien und zur
Commission on Narcotic Drugs.
Der 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      War on Drugs
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
sei gescheitert, sagt Volker Türk, der UNO Hochkommissar für
Menschenrechte: gescheitert
Leben zu retten; gescheitert die Würde, Gesundheit und Zukunft von
weltweit 296 Millionen Drogennutzern zu schützen; gescheitert, den
Politikwechsel herbeizuführen, den wir dringend brauchen, um weitere
Rückschläge bei den Menschenrechten abzuwenden. Die gegenwärtige
Drogenpolitik mit ihrem strafenden Ansatz und ihren repressiven
Politiken, so Türk,
hatte verheerende Folgen für die Menschenrechte auf allen
Ebenen. „Drogen töten und zerstören Leben und Gemeinschaften.
Aber unterdrückerische und rückwärtsgewandte Politiken tun das
auch.“ (Übers. aus dem Englischen R.L.)
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Seit der Vorbereitung der
UNGASS Konferenz von 2016 werden andere UNO-Organisationen (wie
UNAIDS oder das Hochkommissariat für Menschenrechte mit Sitz in Genf) sowie NGO’s
in die Drogendebatte einbezogen, die bis dato von den in Wien
ansässigen UN „Drogenorganisationen“ dominiert, wenn nicht
monopolisiert gewesen war. Drogenpolitik wurde in den Kontext der
nachhaltigen UN-Entwicklungsziele (oder Agenda 2030) gestellt –
zumindest in den Debatten. Im August 2023 legte das Büro des
Menschenrechts-Hochkommissars einen Bericht über Herausforderungen
für die Menschenrechte bei der Drogenbekämpfung vor. Der
kolumbianische Außenminister Murillo erkannte auf dem genannten
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      
side event
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
     sofort, den Gegensatz zwischen Wien und Genf. Und die
frühere Bundespräsidentin der Schweiz, Ruth Dreyfuss, plädierte
für eine dringend notwendige „Kommunion“ der Ansätze
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      ,
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
wie sie es formulierte. Es ist hohe Zeit, dass daraus Wirklichkeit
wird. Nicht nur in den Diskursen, sondern in der Praxis.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
(1)
Auf
der alljährlich in Wien stattfindenden „Commission“ kommen die
Delegierten der Mitgliedsländer zusammen, um die internationale
Drogenpolitik zu diskutieren und zu gestalten. Das erwähnte 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      side
event 
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      (Human
rights in global drug policy and the case of the current
classification of coca leaf in the 1961 single convention: A debate
on the implementation and effectiveness of the international drug
control regime) 
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    fand
am 14. März 2024 statt. Am
Podium saßen neben Laura Gil, der bolivianische Vizepräsident David
Choquehuanca, der kolumbianische Außenminister Luis Gilberto
Murillo, die ehemalige Bundespräsidentin
der Schweiz, Ruth Dreyfuss (als Mitglied der Global Commission on
Drug Policy) sowie der UN Hochkommissar für Menschenrechte, der
Österreicher Volker Türk.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
(2)
Der
World Drug Report 2023 des UNODC nennt für Bolivien 30.500 Hektar
und für Peru 80.681 Hektar, was zusammengenommen 315.481 Hektar
ergibt. Die Zahlen sind von daher inkonsistent bzw. die Addition
fehlerhaft.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
(3)
Das
Bureau
for International Narcotics Matters and Law Enforcement Affairs (INL)
im
State Department wurde
1978 gegründet und 1995 zum heutigen Namen umbenannt.
Insgesamt ist das Anti-Drogen-Budget der USA noch erheblich höher
und in seinen internationalen Aspekten auf State Department (INL
und USAID),
Justiz- (DEA) und Verteidigungsministerium verteilt.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
(4)
Eine
auch methodologische Auseinandersetzung mit dem Thema stellt fest:
„...that coca cultivation area, number of cattle, and municipality
area are the top three drivers of deforestation…“ und die
Gewichtung dieser Faktoren sei „highly context-specific“.
(Ganzenmüller/Sylvester/Castro-Nuñez:
„What Peace Means for Deforestation: An
Analysis of Local Deforestation
Dynamics in Times of Conflict and Peace in Colombia“ in: Frontiers
in Environmental Science Vol. 10, Bucharest, 21.2.2022
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
(5)
UNODC:
Monitoreo de los territorios con presencia de cultivos de coca 2022,
Bogotá/ Viena, Septiembre 2023.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
(6)
Arrieta/
Orejuela/ Sarmiento Palacio/ Tokatlián: „Narcotráfico en
Colombia“, Bogotá, 1990.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Volker
Türks bemerkenswerte Rede auf dem erwähnten 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      side
event
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    :

    
                    &#xD;
    &lt;a href="http://www.ohchr.org/en/statements-and-speeches/2024/03/war-drugs-has-failed-says-high-commissioner"&gt;&#xD;
      
                      
      www.ohchr.org/en/statements-and-speeches/2024/03/war-drugs-has-failed-says-high-commissioner
    
                    &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Sein Statement vor dem Plenum:
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;a href="http://www.ohchr.org/en/statements-and-speeches/2024/03/turk-urges-transformative-change-global-drug-policy"&gt;&#xD;
      
                      
      www.ohchr.org/en/statements-and-speeches/2024/03/turk-urges-transformative-change-global-drug-policy
    
                    &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Foto: Verurteilte Drogenkurierin, Frauengefängnis Bogotá 1990. Noch immer werden Haftanstalten mit Kleinkriminellen vollgestopft. 

	
	
	
	


  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
© Robert Lessmann
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Weitere Beiträge zum Thema
weiter unten in diesem Blog, insbesondere:
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;a href="http://www.robert-lessmann.com/proceso-de-paz-y-guerra-contra-las-drogas-en-colombia-sostenibilidad-y-alternativas"&gt;&#xD;
      
                      
      www.robert-lessmann.com/proceso-de-paz-y-guerra-contra-las-drogas-en-colombia-sostenibilidad-y-alter...
    
                    &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;a href="http://www.robert-lessmann.com/kolumbien-drogenbekaempfung-und-friedensprozess"&gt;&#xD;
      
                      
      www.robert-lessmann.com/kolumbien-drogenbekaempfung-und-friedensprozess
    
                    &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;a href="http://www.robert-lessmann.com/drogenpolitik-augen-zu-und-weiter-so"&gt;&#xD;
      
                      
      www.robert-lessmann.com/drogenpolitik-augen-zu-und-weiter-so
    
                    &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Sat, 06 Apr 2024 14:38:49 GMT</pubDate>
      <guid>https://www.robert-lessmann.com/ecuador-kolumbien-stationen-einer-gescheiterten-drogenpolitik2d85c59c</guid>
      <g-custom:tags type="string" />
      <media:content medium="image" url="https://cdn.website-editor.net/s/4e3a91da2fa849afa260009be23256a9/dms3rep/multi/FRAUENGEFA%C3%8C-NGNIS%C3%82-RobertLessmann002.jpg">
        <media:description>thumbnail</media:description>
      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Lateinamerika: Álvaro García Linera - Abschied vom Wolkenkuckucksheim</title>
      <link>https://www.robert-lessmann.com/lateinamerika-alvaro-garcia-linera-abschied-vom-wolkenkuckucksheimf7934fd1</link>
      <description />
      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
                  
  
Der Soziologe und ehemalige Vizepräsident Boliviens sprach in
Kolumbien im Rahmen einer Veranstaltungsreihe: „Die Zukunft vom
Süden aus denken“ unter dem Eindruck des Wahlsieges von Javier
Milei in Argentinien über die Perspektiven der Linken, den Vormarsch
der radikalen Rechten in Lateinamerika zu stoppen. Sein Interview für
die Zeitschrift „Jacobin“ wurde vom kolumbianischen Präsidenten
Gustavo Petro zur Lektüre empfohlen. Robert Lessmann hat es
übersetzt und fasst zusammen.

                &#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/s/4e3a91da2fa849afa260009be23256a9/dms3rep/multi/bol5+-+Kopie.JPG" alt="" title=""/&gt;&#xD;
  &lt;span&gt;&#xD;
  &lt;/span&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Álvaro García
Linera
kennt die politische Realität Lateinamerikas
aus Theorie und Praxis. Er wurde 1962 in Cochabamba/ Bolivien
geboren. Soziologie studierte der gelernte Mathematiker als
Autodidakt während einer fünfjährigen Untersuchungshaft, die er ab
1992 als Mitglied des 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Ejército
Guerillero Túpac Katari
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
(EGTC) verbüßte. Für sein
politisches Denken war neben Karl Marx
und Antonio Gramsci auch der Vordenker des bolivianischen
„Indianismus“ Fausto Reinaga von großer Bedeutung. Nachdem
er ohne Urteilsspruch entlassen wurde, arbeitete
er als Hochschullehrer und wurde einer der gefragtesten Talkshowgäste
und politischen Analytiker. Zentral für sein politisches Denken
blieb stets die Frage der indigenen Emanzipation. Im Jahr 2005 wurde
er an der Seite von Evo Morales zum Vizepräsidenten
seines Landes gewählt, ein Amt, das er bis zu beider
Sturz im November 2019 innehatte. (Bild von der Amtseinführung im Januar 2006.) Gemeinsam wurden sie ins Exil
gezwungen. Nach der Rückkehr der Regierungspartei 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Movimiento
al Socialismo
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
     (MAS) an
die Macht, kehrte auch er nach Bolivien zurück, hält sich aber im
Gegensatz zu Evo Morales aus der Tagespolitik heraus.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    García
Linera sieht Lateinamerika – und die Welt – in einer
Übergangsphase. Sie sei von Unklarheit  und Instabilität
gekennzeichnet, wo eine „monströse Rechte“ die Bühne betrete,
was wiederum in gewisser Weise eine Folge der Defizite
progressiver Kräfte sei. Er nennt diese
Zeit „tiempo liminar“.
Andere Autoren sprechen
vom Kampf zwischen 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      progresismo
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
und Regression. Die Linke,
so García Linera,
müsse kühner sein und einerseits mit historischer Verantwortung
Antworten auf die profunden Fragen an der Basis des sozialen
Zusammenhalts geben und andererseits die Sirenengesänge der neuen
Rechten neutralisieren. Sie müsse bei grundlegenden Reformen zu
Fragen der Eigentumsverhältnisse weiterkommen, bei Steuern, bei der
sozialen Gerechtigkeit, der Verteilung des Wohlstands und der
Wiedergewinnung der Ressourcen zum Wohle der Gesellschaft. Nur so
werde man, ausgehend von
den grundlegendsten Forderungen der Gesellschaft und realen
Fortschritten bei der Demokratisierung, die Ultrarechten in die
Schranken weisen.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Politische
Schubumkehr
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Das
Jahrhundert hatte mit einer Dominanz progressiver
Regierungen begonnen. Mit
dem Wahlsieg von Mauricio Macri in Argentinien habe 2015
gewissermaßen eine Schubumkehr in Lateinamerika eingesetzt.
 Andere Länder, wie Brasilien und Honduras, folgten. Teilweise
wurden diese Rechtsregierungen inzwischen wieder von progressiven
ersetzt. García Linera sieht das als Ausdruck einer Umbruchphase des
zeitgenössischen Kapitalismus –
Gramsci hatte von „Interregnum“ gesprochen –,
wo sich Wellen und Gegenwellen ablösen ohne dass sich eine Tendenz
durchsetzt. Lateinamerika
habe damit eine Entwicklung vorweggenommen, die wir heute auf der
ganzen Welt beobachten können. Der Halbkontinent erlebte eine
intensive progressive
Welle, die von einer konservativen Gegenbewegung gefolgt wurde und
dann von einer neuerlichen progressiven.
Möglicherweise, so García Linera, werden wir sehen, dass sich eine
solche Abfolge kurzfristiger Wechsel noch fünf
bis zehn
Jahre fortsetzt,
bis sich ein neues Modell der Akkumulation und Legitimation
durchsetzt, das neue Stabilität für Lateinamerika und die Welt
bringt. Insoweit
das nicht geschieht, werden wir in einem Wirbel der Zeit des
Interregnums feststecken. Man erlebe
progressive
Wellen, ihre Erschöpfung, konservative Gegenreformen, neue
progressive
Wellen. Und jede dieser Wellen sei
verschieden von der anderen. „Milei ist unterschiedlich zu Macri,
obwohl er manches von ihm übernimmt. Alberto Fernández, Gustavo
Petro und Manuel López Obrador unterscheiden sich auch von ihren
Vorgängern, obwohl sie einen Teil von deren
Erbe übernehmen“, stellt
García Linera fest: „Und
so wird es weiter gehen bis sich eines Tages eine neue Weltordnung
definiert, denn diese Instabilität und dieses Leid können nicht
endlos sein“, meint er. Im
Grunde würden
wir einen zyklischen Niedergang des Akkumulationsmodells sehen,
wie wir das bereits nach der liberalen Phase des Kapitalismus
(1870-1920), der staatskapitalistischen (1940-1980) und der
neoliberalen (1980-2010) gesehen haben, argumentiert er in Anlehnung
an Nicolai Kondratiews Theorie der Wirtschaftszyklen. Das Chaos sei
Ausdruck des historischen Niedergangs und des Kampfes um ein neues
und dauerhaftes Modell der Akkumulation, das wieder Wachstum und
sozialen Zusammenhalt bringt.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Polarisierung
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Die
Rechte verwende dabei
Praktiken, die man glaubte
überwunden zu haben, wie Putsche, politische Verfolgung,
Mordversuche. Zu dieser Übergangszeit gehöre, dass die politischen
Eliten auseinanderdriften. Wenn die Dinge gut liefen, wie etwa bis
zur Jahrtausendwende, fänden
sie sich um ein Akkumulations- und Legitimationsmodell zusammen. Die
Linke mäßigt
sich, „neoliberalisiert“
sich, obwohl es immer eine radikale Linke ohne Publikum geben wird.
Die Rechten streiten unter sich. Wenn der Niedergang beginnt, tauche
die extreme Rechte auf und werde
stärker. Die extreme Rechte
fresse
die moderate Rechte auf, und die radikale Linke trete
aus ihrer Marginalität und politischen Bedeutungslosigkeit. Sie
gewinne
an Resonanz und Publikum. Sie wachse.
„Im Interregnum ist das
Auseinanderdriften der politischen Projekte die Regel, weil es bei
der Suche nach Lösungen für die Krise der alten Ordnung Dissidenten
auf beiden Seiten gibt“, konstatiert
er. Die rechte Mitte, die
den Halbkontinent und
die Welt über 30 oder 40 Jahre regiert hat, finde keine Antworten
mehr auf die deutlichen Fehler des globalisierten, neoliberalen
Kapitalismus und die Zweifel und Ängste der Menschen. Es tauche eine
extreme Rechte auf, die weiter das Kapital verteidigt, die aber
glaubt, dass die alten Rezepte nicht mehr genügen und man die
Gesetze des Marktes mit Gewalt durchsetzen müsse. Sie will die
Menschen domestizieren, wenn nötig mit Gewalt, um zu einem reinen,
ursprünglichen freien Markt ohne Zugeständnisse und
Doppelbödigkeiten zurückzukehren. Sie konsolidiert sich, indem sie
von Autorität, von Schocktherapie des freien Marktes und Reduzierung
des Staates spricht. Und wenn es dagegen soziale Widerstände gibt,
müsse man dem mit Stärke und Zwang begegnen, und wenn nötig auch
mit Staatsstreich und Massakern, um die Widerspenstigen, die sich der
Rückkehr zur guten Gewohnheit des freien Unternehmertums und des
zivilisierten Lebens widersetzen,
zu disziplinieren: mit
den Frauen am Herd, den Männern, die befehlen, den Chefs, die
entscheiden und den Arbeitern, die schweigend ihre Arbeit tun. Ein
weiteres Symptom des liberalen Verfalls tritt zu Tage, wenn sie nicht
mehr überzeugen und verführen können, sondern Zwang brauchen, was
bedeutet, dass sie bereits dem Untergang geweiht sind.
Nichtsdestoweniger bleiben sie gefährlich.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Angesichts
dessen könnten die progressiven Kräfte und die Linke nicht
nachgiebig sein und versuchen, es allen sozialen Sektoren und
Fraktionen recht
zu machen. Die Linke tritt in der Übergangszeit aus ihrer
Marginalität heraus, indem sie sich als Alternative zum
wirtschaftlichen Desaster präsentiert, das vom unternehmerischen
Neoliberalismus verursacht wird. Ihre Funktion könne es nicht sein,
einen Neoliberalismus „mit menschlichem Antlitz“ einzuführen,
einen grünen oder progressiven Neoliberalismus. „Die Menschen
gehen nicht auf die Straße oder wählen die Linke, um den
Neoliberalismus zu verzieren. Sie mobilisieren sich und
wechseln radikal ihre alten politischen Bindungen, weil sie ihn satt
haben und ihn loswerden wollen, weil er nur einige wenige Familien
und Unternehmen reich gemacht hat. Und wenn die Linke es nicht
schafft, sich als Alternative zu präsentieren, ist es
unausweichlich, dass die Menschen sich der extremen Rechten mit ihren
(illusorischen) Auswegen aus der allgemeinen Misere zuwenden“,
fürchtet García Linera.
Dazu müsse
die Linke, wenn sie die Rechte aus dem Feld schlagen will, Antworten
auf die drängenden Fragen geben. Sie muss die Armut der Gesellschaft
bekämpfen, die Ungleichheit, die Unsicherheit der Dienstleistungen,
Bildung, Gesundheit, Wohnen. Und um die materiellen Bedingungen dafür
zu schaffen, muss sie radikal sein in ihren Reformen zu Fragen des
Eigentums, der Steuerpolitik,
der sozialen Gerechtigkeit, der Verteilung des Wohlstands, der
Wiedergewinnung der gemeinsamen Ressourcen zum Wohle der
Gesellschaft. Zurückhaltung dabei wird die sozialen Krisen
vergrößern. Angesichts des Ausmaßes der Krise wird moderates
Vorgehen die Extreme stärken. Wenn es die Rechten tun, stärken sie
die Linken und umgekehrt. Worum es geht, sind wirtschaftliche und
politische Reformen, die zu sichtbaren und dauerhaften materiellen
Verbesserungen der Lebensbedingungen für die gesellschaftliche
Mehrheit führen, zu
einer größeren Demokratisierung der Entscheidungen, einer größeren
Demokratisierung des Reichtums und der Eigentumsverhältnisse. Die
Eindämmung der extremen Rechten wird nicht einfach ein Diskurs sein,
sondern in einer Reihe von praktischen Maßnahmen zur Verteilung des
Reichtums bestehen, die es erlauben,
die wichtigsten Ängste und Forderungen der Bevölkerung anzugehen:
Armut, Inflation, Unsicherheit, Ungleichheit. Man darf nicht
vergessen, dass das Erscheinen
der extremen Rechten ja eine pervertierte Antwort auf diese Ängste
ist. „Je mehr du den
Reichtum verteilst, desto
mehr betrifft das die Privilegien der Mächtigen, aber die bleiben
bei deren
wütender
Verteidigung in der Minderheit, während sich die Linke in dem Maße
konsolidiert, wie sie sich um die grundlegenden Bedürfnisse des
Volkes kümmert“, sagt der
Exvizepräsident.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Analyse statt
Etikettierung
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Was
ist nun neu an der neuen Rechten? Soll man sie faschistisch nennen
oder was sonst? Bauen sie an einem postdemokratischen Labor, nicht
zuletzt in den USA? Ohne Zweifel tendiere die liberale Demokratie –
als bloßer Austausch der Eliten durch das Volk – zu autoritären
Formen. Wenn sie manchmal Früchte einer sozialen Demokratisierung
hervorgebracht habe, so war es durch das Wirken anderer
demokratischer Formen von unten, wie Gewerkschaften,
landwirtschaftlichen Organisationen, Stadtteilkomitees, unterstreicht
der Soziologe. Wenn man aber
die liberale Demokratie sich selbst überlasse, als bloße Auswahl
der Regierenden, tendiere sie zur Konzentration von Entscheidungen,
zu dem, was der Nationalökonom Josef Schumpeter ‚Demokratie als
bloße Auswahl der Regierenden, die über die Gesellschaft
entscheiden‘ nannte
und was eine autoritäre Form der Konzentration von Entscheidungen
ist. Und dieses
Monopol autoritärer Entscheidungen, fallweise auch ohne die Auswahl
aus den Eliten ist es, was die extreme Rechte auszeichnet. Daher gibt
es keinen Antagonismus zwischen der liberalen Demokratie und der
extremen Rechten. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass sie
durch Wahlen an die Macht kommt. „Was die liberale Demokratie am
Rande und lustlos erlaubt, die extreme
Rechte
aber offen ablehnt, sind andere Formen der Demokratisierung von
unten, wie Gewerkschaften, Stadtteilversammlungen, ländliche
Organisationen, kollektive Aktionen. In diesem Sinne
sind die extremen Rechten antidemokratisch“, sagt
García Linera. Sie erlauben
nur, dass man aus ihren Reihen jemanden wählt, der regiert, lehnen
aber andere Formen der Teilhabe und der Demokratisierung des
Reichtums ab, die sie als Beleidigung ansehen, als Absurdität, die
man mit der Ordnungsmacht und Zwangsdisziplinierung bekämpfen muss.
Ist das Faschismus? „Schwer zu sagen,“ meint García Linera. Es
gebe
dazu eine akademische Debatte, aber die politischen Auswirkungen sind
eher klein. Die Generation über 60 in Lateinamerika erinnere sich
vielleicht noch an die faschistischen Militärdiktaturen, aber der
jüngeren Generation sage
es nicht viel, vom Faschismus zu reden. Er ist nicht gegen diese
Debatte, sieht sie aber nicht als sehr nützlich an. Der soziale
Erfolg oder die Ablehnung von Forderungen der extremen Rechten hänge
schließlich nicht von alten Symbolen ab, sondern von der Antwort auf
die sozialen Ängste. Problematisch sei
es indessen,
sie als faschistisch zu bezeichnen ohne zu bedenken, auf welche
kollektiven Forderungen sie antworten oder vor dem Hintergrund
welchen Scheiterns sie auftauchen. Bevor man ihnen Etikette umhängt,
sei es besser über die sozialen Bedingungen für ihr Auftauchen
nachzudenken. Persönlich spricht er lieber von der extremen oder der
autoritären Rechten.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Ob
man Milei einen Faschisten nennen soll? Zuerst solle man sich fragen,
warum er gewonnen hat, wer ihn gewählt hat, als Reaktion auf welche
Sorgen. Ihm ein Etikett umzuhängen, erlaubt moralische Ablehnung,
aber es hilft nicht, die Realität zu verstehen oder zu verändern.
Wenn die Antwort ist, dass
Milei sich auf die Ängste einer verarmten Gesellschaft beruft, dann
ist klar, dass Armut das Thema ist. Darauf
muss der 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      p
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      rogresismo
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
und die Linke eine Antwort geben und die extreme Rechte
oder (wenn man so will)
den Faschismus stoppen. Man muss die Probleme erkennen, mit denen die
extreme Rechte in der
Gesellschaft Anklang findet,
denn ihr Anwachsen ist auch ein Symptom für das Scheitern der Linken
und der Progressiven. Sie tauchen nicht aus dem Nichts auf, nachdem
die Progressiven nicht sahen, nicht bereit waren, konnten oder
wollten, die Frage der
Klasse, der
prekären
Jugend, die Bedeutung der Armut, der Wirtschaft zu
verstehen und über jene des
Rechts
auf Identität zu stellen.
Man müsse verstehen, dass das Grundproblem die Wirtschaft ist, die
Inflation, „das Geld, das dir in der Tasche schmilzt“. Man dürfe
nicht vergessen, dass auch die Identität eine Dimension der
wirtschaftlichen und politischen Macht hat, die sie an Unterordnung
bindet. In Bolivien eroberte beispielsweise die indigene Identität
Anerkennung zunächst durch die Übernahme der politischen Macht und
dann schrittweise wirtschaftlicher
Macht innerhalb der Gesellschaft.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Schlüsselfrage
Informalität
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Das
grundlegende soziale Verhältnis der modernen Welt ist Geld,
entfremdet, aber immer noch fundamental, das, wenn es dir
wegschmilzt, auch deinen
Glauben und deine Treue auflöst. Das ist das Problem, das die Linke
zuerst lösen muss. Dann komme der Rest, befindet
García Linera. Wir
befinden uns in einer historischen Zeit, wo der 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      p
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      rogresismo
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
auftaucht und die extreme Rechte. Die klassische, neoliberale,
universalistische Rechte verfällt, und
zwar wegen der Wirtschaft.
Aber die Gesellschaft, deren wirtschaftliche Probleme die alte Linke
der 50er und 60er Jahre und der 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      p
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      rogresismo
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
der ersten Welle (im neuen Jahrtausend) anging, hat sich verändert.
Die Linke
hat sich immer um die formale, entlohnte, arbeitende Klasse
gekümmert. Heute ist die informelle arbeitende Klasse für den

    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      p
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      rogresismo
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
eine große Unbekannte. Die Welt der Informalität, die man auch
unter dem Begriff „la economía popular“ versteht, ist für die
Linke ein schwarzes Loch. Dafür hat sie keine produktiven
Vorschläge. In Lateinamerika umfasst dieser Sektor aber bis zu 60
Prozent der Bevölkerung. Und es handelt sich nicht um eine
vorübergehende Erscheinung, die bald in der formellen Wirtschaft
aufgehen würde. Nein, die
gesellschaftliche Zukunft wird eine mit Informalität sein, mit
diesen kleinen Arbeitern, diesen kleinen Bauern,
diesen kleinen Unternehmern, verbunden durch familiäre Bindungen und
kuriose lokale und regionale Wurzeln, wo die Beziehungen zwischen
Kapital und Arbeit nicht so klar sind wie im formellen Unternehmen.
Diese Welt wird noch in den nächsten 50 Jahren existieren und sie
schließt in Lateinamerika
die Mehrheit der Bevölkerung
ein. „Was sagst Du diesen Menschen? In welcher Weise kümmerst du
dich um ihr Leben, ihr Einkommen, ihre Lebensbedingungen, ihren
Konsum? Das sind die Schlüsselthemen für die Progressiven und die
zeitgenössische Linke in Lateinamerika. Was bedeutet das? Mit
welchen Werkzeugen macht man das?“, fragt
der Politiker und Soziologe.
Natürlich mit Enteignungen, Nationalisierungen, mit Umverteilung des
Reichtums, Erweiterung der Rechte. Das sind die Werkzeuge, aber
das Ziel muss die Verbesserung der Lebensbedingungen dieser 80
Prozent der Bevölkerung sein, gewerkschaftlich organisiert oder
nicht, formell oder informell, die „lo popular“ in Lateinamerika
darstellen, meint García
Linera. Und das außerdem
mit einer größeren Beteiligung an den Entscheidungen. Die Leute
wollen gehört werden, wollen teilnehmen.
Das vierte Thema ist die Umwelt, Umweltgerechtigkeit mit sozialer und
ökonomischer Gerechtigkeit, nie getrennt und nie vorweg.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Kolumbien als
Vorreiter
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Zur
Frage nach dem Kontext und der Rolle des Gastlandes, Kolumbien, sagt
García Linera: „Wenn
man sich die Vorgeschichte Kolumbiens ansieht, wo wenigstens zwei
Generationen von Aktivisten und Kämpfern für soziale Gerechtigkeit
von Ermordung bedroht waren und ins Exil gehen mussten, wo Formen
legaler kollektiver Aktionen vom Paramilitarismus in die Enge
getrieben wurden und wo die USA versuchten, nicht nur aus dem Staat
eine Militärbasis zu machen, sondern das Land auch kulturell zu
vereinnahmen,
ist es nur heroisch zu nennen, dass ein Kandidat der Linken hier an
die Regierung gewählt worden ist. Und klar, wenn man das machtvolle
Sediment des ‚tiefen Kolumbien‘ (colombia profunda) erfühlt, das
in den Gemeinschaften und den Stadtteilen keimt, versteht man die
soziale Explosion von 2021 und das „Warum“ dieses
Wahlsiegs.“ Dass ihm kollektive soziale Mobilisierungen
vorausgingen, habe
einen gesellschaftlichen Raum
für Reformen geschaffen. Daher sei
die Regierung von Präsident Gustavo
Petro heute die radikalste
dieser zweiten progressistischen Welle auf dem Halbkontinent.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Zwei
Aktionen machen die Regierung von Gustavo Petro zur Vorhut: Eine
Steuerreform mit progressivem Charakter, womit
jene, die mehr haben auch
höhere Steuern bezahlen. In der Mehrzahl der lateinamerikanischen
Staaten ist die wichtigste Steuer die Mehrwertsteuer, die eine höhere
Last für die darstellt,
die am wenigsten haben. An zweiter Stelle steht die Energiewende.
Kein Land auf der Welt, schon gar nicht die, die sie am meisten
kontaminieren – die
USA, Europa, China – hat über Nacht die fossilen Brennstoffe
aufgegeben. Man
hat sich vielmehr Jahrzehnte
zum Übergang vorgenommen und will immer noch einige Jahre lang mit
einer Rekordproduktion dieser Brennstoffe leben. Kolumbien gehört
zusammen mit Dänemark, Spanien und Irland zu den einzigen Ländern
auf der Welt, die neue Exploration von Erdöl verbieten. Im Fall
Kolumbiens
ist es besonders relevant, weil Erdölexporte mehr als die Hälfte
des Exportvolumens ausmachen, was diese Entscheidung zu einer sehr
kühnen und weltweit sehr fortschrittlichen macht. „Es handelt sich
um Reformen, die dem Leben
verpflichtet sind und die
den Weg
ausleuchten, den andere Progressive
über kurz oder lang auch gehen müssen.“ Man dürfe
jedoch die kontinuierliche Verbesserung der Einkommen der
kolumbianischen Unterschichten nicht aus dem Blick verlieren, weil
jede Klimagerechtigkeit ohne soziale Gerechtigkeit nichts als
liberale Umwelttümelei sei.
Das verlange
eine millimetergenaue Abstimmung zwischen dem, was die Regierung in
den nächsten Jahren an Einkommen verlieren wird, und der
Erschließung neuer Einkommen, sei es durch andere Exporte, höhere
Steuern für die Reichen und spürbaren Verbesserungen der
Lebensbedingungen für die Mehrheit des Volkes.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Was
die Rolle Lateinamerikas und der Karibik in der Welt betrifft, meint
García Linera: Am Beginn des 21. Jahrhunderts habe Lateinamerika den
ersten Gongschlag für die Erschöpfung des neoliberalen Zyklus
gegeben. Hier lag der Beginn der Suche nach einer hybriden Mischung
aus Protektionismus und Freihandel. „Heute ist die Welt im Wandel
hin zu einem Regime der Akkumulation und der Legitimation, das den
neoliberalen Globalismus ablöst –
trotz der melancholischen
Rückfälle in einen Paleo-Neoliberalismus wie in Brasilien unter
Bolsonaro und in Argentinien unter Milei.“ Trotzdem sei der
Halbkontinent heute etwas zu erschöpft. Es scheint, als müsse der
postneoliberale Übergang erst im globalen Maßstab voranschreiten,
damit Lateinamerika seine Kräfte erneuert, um den ursprünglichen
Antrieb wieder aufzunehmen. Die Möglichkeit postneoliberaler
Strukturreformen der zweiten Generation – oder noch radikalerer –
die die transformatorische Kraft auf dem Kontinent wiedererlangen,
wird auf größeren Wandel in der Welt warten müssen, und natürlich
auf eine Welle kollektiver Aktionen von unten, die das Feld der
denkbaren und der möglichen Transformationen verändern. Soweit dies
nicht geschieht, würde Lateinamerika ein Szenario von
Pendelschläge zwischen
kurzfristigen Siegen des Volkes und kurzfristigen Siegen der
Konservativen, zwischen kurzfristigen Niederlagen des Volkes und
solcher der
Oligarchien sein.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Das
ursprüngliche Interview führte die kolumbianische Politologin,
Feministin und Aktivistin Tamara
Ospina Posse. Übersetzung und Zusammenfassung: Robert Lessmann 

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
 Zahlreiche Beiträge zur politischen Situation in Bolivien, dem
Heimatland von García Linera, finden sich weiter unten in diesem
Blog.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;!--StartFragment--&gt;  &lt;!--EndFragment--&gt;  &lt;!--StartFragment--&gt;  &lt;!--EndFragment--&gt;  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Tue, 12 Mar 2024 08:04:35 GMT</pubDate>
      <guid>https://www.robert-lessmann.com/lateinamerika-alvaro-garcia-linera-abschied-vom-wolkenkuckucksheimf7934fd1</guid>
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        <media:description>thumbnail</media:description>
      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Afghanistan mit den Taliban drogenfrei?</title>
      <link>https://www.robert-lessmann.com/afghanistan-mit-den-taliban-drogenfreib05b82b8</link>
      <description />
      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
                  
   „Schlafmohnanbau in Afghanistan um 95 Prozent reduziert“, hieß
die Sensationsnachricht vom vergangenen November. Der Paukenschlag
war freilich nur kurz zu hören. Ob es daran lag, dass die Falschen
erfolgreich waren? Schließlich hatten ausgerechnet die Taliban
geschafft, woran westliche Sicherheitskooperation zwanzig Jahre lang
gescheitert war. Während dieser Zeit war der Anbau auf immer neue
Rekordhöhen geklettert, bis Afghanistan schließlich Ausgangspunkt
für 80 Prozent des auf den Weltmärkten erhältlichen Heroins wurde.
Ob die Reduzierung nachhaltig sein wird, ist freilich zweifelhaft.

PS: Diese Geschichte war fast fertig, da erschien in der „Zeit“
vom 4.1.2023 unter der Überschrift „Wahnsinn. Eine Riesenscheiße“
ein zweiseitiger Bericht über das Komplettversagen der deutschen
Bundesregierung vor und nach der Machtübernahme der Taliban im
August 2021. Der folgende Text lässt sich als Fortschreibung dieses
Befunds für den Bereich der Drogenpolitik lesen. Dies vor allem
zusammen mit der historisch tiefergehenden Analyse: „Drogenpolitik.
Augen zu und weiter so?“ vom 19. April 2022 weiter unten in diesem
Blog.





                &#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/s/4e3a91da2fa849afa260009be23256a9/dms3rep/multi/afghan_007.jpg" alt="" title=""/&gt;&#xD;
  &lt;span&gt;&#xD;
  &lt;/span&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Es war Anfang des letzten Jahrzehnts in der Wiener UNO City. Juri
Fedotow, ehemaliger Vizeaußenminister Russlands und diplomatisches
Schwergewicht, war unlängst Chef des Drogenkontrollprogramms der
Vereinten Nationen (UNODC – United Nations Office on Drugs and
Crime) geworden, ein Posten, den er von 2010 bis 2020 innehatte. Als
solcher leitete er höchstpersönlich eine Pressekonferenz, auf der
eine internationale Initiative zur Drogenbekämpfung in Afghanistan
vorgestellt wurde. Mit 123.000 Hektar war das Land am Hindukusch zum
mit Abstand größten Produzenten geworden. Mit einem ausgewogenen
Ansatz („balanced approach“) sollten unter anderem die Bauern vom
Schlafmohn weg zur Produktion legaler Alternativen geleitet werden.
Vielversprechend war vor allem die Beteiligung der Nachbarländer an
Kontrollmaßnahmen und Fahndung, denn Afghanistan ist ein Binnenland.
Der Weg auf die lukrativen Absatzmärkte führt über die Grenzen.
Von den wichtigsten Anbauregionen im Süden (Provinzen Helmand und
Kandahar) wurde der Export zu etwa zwei Dritteln nach Westen in den
Iran und die Türkei abgewickelt, und dann über die Balkanroute nach
Europa. Zu etwa einem Drittel  ging die illegale Ware 


    
                    &#xD;
    &lt;!--StartFragment--&gt;    &lt;!--EndFragment--&gt;    &lt;!--StartFragment--&gt;    &lt;!--EndFragment--&gt;                            

über Hunderte von Kilometern auf einem
prekären, gleichwohl aber übersichtlichen Straßensystem (Dschungel
gibt es keinen) und über eine Handvoll Grenzübergänge in die
ehemaligen Sowjetrepubliken Turkmenistan, Usbekistan und Tadschikistan
nach Norden. Ehemalige Ostblockländer – allen voran Russland  –
waren inzwischen ebenfalls zu wichtigen Absatzmärkten vor allem für
minderwertige Ware („Kompott“) geworden. Kein Vergleich also zu
südamerikanischen Kokainspediteuren, die mit Flugzeugen,
Hubschraubern und U-Booten operieren. Doch nicht einmal dies zu unterbinden gelang:
Beschlagnahmungen in Afghanistan gingen gegen Null und Korruption
spielte eine wesentliche Rolle dabei.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Fundamentales
Scheitern
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Zurück zur Pressekonferenz, an deren Ende niemand eine Frage stellte. Um das peinliche Schweigen zu durchbrechen, fragte ich, wer
sich denn mit welchen Summen der Initiative angeschlossen habe - und
vergrößerte damit die Verlegenheit. Bislang hatte die neue
Strategie nämlich noch keinerlei zählbare Unterstützung verbuchen können.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Dass die westliche Sicherheitskooperation fundamental scheitern würde,
hatte man im Drogenbereich lange vor der „überraschenden“
Machtübernahme durch die Taliban im Sommer 2021 sehen können. Als
Juri Fedotow den Chefsessel des UNODC übernahm, war Afghanistan mit
123.000 Hektar bereits der mit Abstand wichtigste
Schlafmohnproduzent. Und während die legale (Land-) Wirtschaft
keinerlei Dynamik­ entfaltete, kletterte der Anbau weiter von
einem Rekord zum nächsten, gebremst nur durch Marktsättigung und
gelegentliche Missernten, etwa durch Trockenheit, wie in den Jahren nach dem Allzeithoch von 2017.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
________________________________________________________________________________
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Schlafmohnproduktion in
Afghanistan (Hektar in ausgewählten Jahren)
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
1995	 2000	 2001 2002	 	 2010 	 
 2017	   2020	  2022  2023
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
55.759 82.171 7.606  74.100   123.000   328.000  224.000 233.000 10.800
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Quelle: UNODC: World Drug
Report, Vienna, verschiedene Jahrgänge und UNODC: Afghanistan Opium
survey 2023.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
________________________________________________________________________________________________
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Heute wirbt das UNODC abermals
um Unterstützung für Afghanistans Bauern, um den drogenpolitischen
Erfolg zu stabilisieren. Beides hat freilich nur geringe Aussichten
auf Erfolg, denn das Emirat der Taliban ist Schlusslicht bei
allen Menschenrechtsstandards, bekanntermaßen insbesondere was die
Lage der Frauen betrifft, und wird von Gebern gemieden. Ihr Dekret
„Prohibition of Poppy Cultivation and All Types of Narcotics“ vom
3. April 2022 umfasst nicht nur Anbau, sondern auch Konsum,
Transport, Verarbeitung, Handel, Import und Export – und zwar aller
Drogen. Am 8. März 2023 wurde es durch ein explizites
Cannabis-Verbot noch einmal bekräftigt. Ein solches Verbot galt zwar
auch schon vorher unter westlicher Aufsicht. Offenbar aber verfügten
die Machthaber damals über geringe Autorität, Legitimität oder politischen Willen. Jedenfalls sind nach dem Dekret der
Taliban die Anbauflächen von 233.000 Hektar (2022) auf 10.800 Hektar
(2023) zurückgegangen. Umgerechnet in Opium entspricht das einem
Rückgang von 6.200 Tonnen auf 333 Tonnen, in Heroin rein rechnerisch
von 350-480 Tonnen auf 24-38 Tonnen (bei einer durchschnittlichen
Reinheit der Exportware von 50-70 Prozent).
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Für die leidgeprüften Menschen und die kollabierte Volkswirtschaft bedeutet das eine riesige Herausforderung. Schon vor der abermaligen
Machtübernahme durch die Taliban im August 2021 war die Hälfte der
Bevölkerung auf externe Hilfe angewiesen, und die
Nahrungsmittelimporte waren genauso hoch wie die Eigenproduktion. Doch für
diese Importe fehlt nun das Geld. Afghanistans Bruttoinlandsprodukt pro Kopf
ist während der Herrschaft der Taliban gesunken: Um 20,7 Prozent im
Jahr 2021 und um weitere 3,6 Prozent in 2022. Fast 80 Prozent der
Bevölkerung leben von der Landwirtschaft, die in den letzten Jahren
auch noch von Wasserknappheit betroffen war. Man durchlebt dort
gerade einen weiteren Hungerwinter. Die Vereinten Nationen schätzen,
dass der Rückgang der Schlafmohnproduktion für die bäuerlichen
Produzenten Einkommenseinbußen von 1.360 Mio. US Dollar (USD –
2022) auf nunmehr 110 Mio. USD (2023) bedeutet. Eine schnelle Umstellung auf
Weizen wäre problemlos möglich, für die defizitäre
Nahrungsmittelversorgung wichtig und lässt sich in der Tat auch
vielfach beobachten, brächte aber Einkommenseinbußen von rund 1
Mrd. USD mit sich. Im Jahr 2022 machten die Einkommen aus dem
Opiumanbau 29 Prozent des gesamten Agrarsektors aus. Für die
krisengeschüttelte afghanische Volkswirtschaft lagen die
Exporterlöse des Opiumsektors stets über denen der legalen Exporte
von Gütern und Dienstleistungen. Im Jahr 2021 betrugen sie
schätzungsweise zwischen 1,4-2,7 Mrd. USD, was 9-14 Prozent des
gesamten Bruttoinlandsprodukts entsprach, heute liegen sie bei
190-260 Mio. USD. Ob sich diese Einbußen auf Dauer verkraften
lassen? Bei einer Gesamtbevölkerung von rund 40 Millionen Menschen
stellt die Abschiebung von 4,4 Millionen aus Pakistan in ihr
Heimatland eine zusätzliche Herausforderung dar. Und nun will auch
der Iran afghanische Flüchtlinge loswerden. Das Opiumgeschäft war
Afghanistans wichtigster und sicherster Wirtschaftszweig und
fungierte so auch als Kreditsicherheit. Die Vereinten Nationen
berichten, dass Bauern nun eine im Rahmen der „Alternativen
Entwicklung“ geplante Umstellung auf einträglichere Produkte als Weizen, wie zum Beispiel Granatapfel, Mandeln, Pistazien und Asant, mangels Liquidität nicht mehr schaffen, denn
die erfordert Investitionen und Geduld.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Unklare
Konsequenzen
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Bei
der verbleibenden
Schlafmohnproduktion
im Land, vor allem in der Provinz Kandahar, lässt sich ein Trend zu
kleineren, versteckten Flächen beobachten. In
den vergangenen Jahren wurden 40-60 Prozent der Ernte in Form von
Rohopium exportiert. Über die Qualität der Weiterverarbeitung zu
Heroin im Lande selbst ist wenig bekannt. Sie dürfte stark
variieren. Während
die Herstellung von Heroin in Afghanistan allem Anschein nach
zurückgeht, deutet vieles darauf hin, dass Händler nun
Lagerbestände verkaufen
–
und
die dürften nach Ansicht des UNODC nach mehreren
aufeinanderfolgenden Rekordernten beträchtlich sein. Die allermeisten Bauern verkaufen ihre Ernte aber direkt und nur
wenige verfügen über solche Bestände. Die
Verknappung
dürfte also nicht zuletzt größeren
Produzenten und Drogenhändlern
zugute kommen. In der Tat waren die 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      farmgate-Preise
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
für ein Kilogramm getrocknetes Opium im August 2023 mit 408 USD
fünfmal höher als zwei Jahre vor der Machtübernahme durch die
Taliban, als die Preise aufgrund immer neuer Rekordernten relativ
niedrig waren.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Um die Auswirkungen auf den
internationalen Drogenmärkten abzuschätzen sei es noch zu früh,
sagt das UNODC. Normalerweise braucht es ein bis zwei Jahre, bis die
Opiate zu den Konsumentenmärkten gelangen. Und auf dem Weg dorthin,
dürfte es reichhaltige Lagerbestände geben. Theoretisch wäre eine
Angebotsverknappung, ein Preisanstieg und sinkende Reinheit der Ware
denkbar. Auch eine Hinwendung der Konsumenten zu billigeren und
potenteren synthetischen Ersatzdrogen wie Fentalyl wäre zu
befürchten. Fentanyl ist 100 Mal potenter als Morphin und wird
häufig dem Heroin auch beigemischt. Fentanyl-Überdosen sind heute
die häufigste Todesursache für US-Amerikaner zwischen 18 und 45
Jahren. Europa ist davon weit entfernt, doch Probleme mit Fentanyl nehmen auch hier zu.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Schließlich könnten
mittelfristig andere Anbaugebiete die Lücke füllen. Bevor
afghanische Mudschaheddin-Gruppen in den 1980er Jahren Opium als
probates Produkt zur Finanzierung ihres Kampfes gegen die
sowjetischen Besatzer entdeckten – und der Westen dies
augenzwinkernd tolerierte – hatte der Anbau von Schlafmohn dort keine Rolle gespielt. Als
die Taliban 1996 zum ersten Mal in Kabul einmarschierten erzeugte
Afghanistan bereits zwei Drittel des Weltopiums. Beim vormaligen
Marktführer Myanmar bröckelt heute die Herrschaft der
Militärdiktatur. So erfreulich das ist, ein Machtvakuum würde
ideale Bedingungen für eine mögliche Rückkehr der Drogenwirtschaft
zu alter Größe dort schaffen. Myanmar ist schon heute wieder Nummer eins bei der Opiumproduktion. Und in Afghanistan selbst expandiert
derweil die Produktion von Metamphetamin.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Wie dem auch sei: Ein erstes
Anbauverbot durch die Taliban in den Jahren 2000/2001 hatte auf den
Konsumentenmärkten keine Auswirkungen. Damals hatte man vermutet,
die Taliban würden diese Maßnahme setzen, um auf der Grundlage
voller Lagerbestände die Preise zu stabilisieren. Ob es ernst
gemeint war, konnte man nicht mehr feststellen, denn Ende 2001 waren
die Taliban durch die Operation „Enduring Freedom“ vertrieben und
die Regierung Hamid Karzai auf der Petersberger Konferenz
installiert. Der Opiumanbau war damals tatsächlich von 82.171 auf
7.606 Hektar gefallen. Aber 2002 hatte er bereits wieder alte
Größenordnungen erreicht. Schlafmohn ist eine einjährige Pflanze.
Zwischen Aussaat und Ernte liegen nur einige Monate. Weshalb also
sollten die Taliban den dürren Halm kappen, an dem die
Volkswirtschaft noch hängt? Aus religiösen Gründen, sagen sie heute wie damals. Vielleicht ist es einfach ein Versuch, mächtige
Lokalfürsten und Warlords an die Kandare zu nehmen, die vom
illegalen Geschäft profitier(t)en. Eine Frist erlaubte im letzten
Jahr noch den Verkauf der Ernte 2022. Wie auch immer: Die
Entscheidung ist problemlos reversibel.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Sun, 07 Jan 2024 16:57:14 GMT</pubDate>
      <guid>https://www.robert-lessmann.com/afghanistan-mit-den-taliban-drogenfreib05b82b8</guid>
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    </item>
    <item>
      <title>Argentinien: Politisches Erdbeben</title>
      <link>https://www.robert-lessmann.com/argentinien-politisches-erdbeben806d2395</link>
      <description />
      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
                  
  Von einer wirtschaftlichen Dauerkrise gebeutelt, geht die zweitgrößte Volkswirtschaft Südamerikas, das achtgrößte Land der Erde, nun auch politisch einer ungewissen Zukunft entgegen.

                &#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/s/4e3a91da2fa849afa260009be23256a9/dms3rep/multi/DSC07520klein.JPG" alt="" title=""/&gt;&#xD;
  &lt;span&gt;&#xD;
  &lt;/span&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Mit einer unerwartet
deutlichen Mehrheit von 55,7 Prozent gewann der politische Newcomer
Javier Milei die Stichwahl um das Präsidentenamt. Wenn der
selbsternannte „Anarchokapitalist“ am 10. Dezember die
Amtsgeschäfte in der Casa Rosada in Buenos Aires übernimmt, so ist
zu befürchten, wird das Land am Rio de la Plata neben der
wirtschaftlichen Dauerkrise noch den Höhepunkt einer politischen
Krise erdulden müssen. Lateinamerikanische Bündnis- und
Integrationssysteme werden wohl geschwächt.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    „
    
                    &#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Buenos
Aires. 
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
    
                    
    Martín, ein 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      cartonero
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    ,
der bereits im Morgengrauen unterwegs ist, sammelt auf seinem Karren
Papier und Kartons. ‚Nein‘,
sagt er, Hoffnung habe er keine, dass es nach den Wahlen besser wird.
Aber schlechter könne es ja auch nicht mehr werden.“ So hatte ich
eine Reportage vor den letzten Wahlen 2019 begonnen. Martín hat sich
leider getäuscht. Armut
und Misere haben seither weiter
zugenommen.
Ich
brauche hier eigentlich
nur
die Ziffern
zu korrigieren:
Die Inflation ist von damals 50 auf heute
143
Prozent geklettert, die offizielle Arbeitslosigkeit ist von
damals 10 Prozent leicht
gesunken, dafür liegt
die verdeckte bei über 40 Prozent, und über 40 Prozent der Menschen
gelten als arm. Der gemäßigt linke Präsident Alberto Fernández,
Wahlsieger
von 2019,
konnte praktisch keines seiner Versprechen
einlösen und
trat aktuell
gar
nicht erst wieder an. Sein
Wirtschaftsminister, Sergio Massa, ging mit dem Manko ins Rennen,
dass er mit dem Niedergang identifiziert wird. Trotzdem
war er überraschend als Sieger aus dem ersten Wahlgang
hervorgegangen, konnte dann aber nicht mehr zulegen.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Argentinien
in der Dauerkrise
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
„Wir rechnen in Dollars“,
sagt Antonia, die eine kleine Reiseagentur betreibt. „Alles andere
wäre verrückt bei dieser Inflation.“ Ein Dauerthema im Heimatland
des Revolutionärs Ernesto „Che“ Guevara, der 1928 in der
Industriestadt Rosario geboren wurde. Als der aufwuchs, zählte
Argentinien zu den reichsten Ländern der Welt. Seine
landwirtschaftlichen Exporte waren besonders in der Zeit nach dem
Zweiten Weltkrieg gefragt. Eine Diversifizierung der Wirtschaft blieb
aber aus. Die Militärdiktatur (1976-83) häufte einen Schuldenberg
an. Aus der Schuldenfalle kam man nie mehr heraus. Als in den 1980er
Jahren die „Verschuldungskrise der Dritten Welt“ das
internationale Bankensystem an den Rand des Zusammenbruchs brachte,
gehörte Argentinien zusammen mit Brasilien zu den meistverschuldeten
Ländern. Die Auslandsguthaben reicher Argentinier waren schon damals
höher als die Rekordverschuldung des Landes. Daran hat sich im
Wesentlichen nichts geändert und so taumelt Argentinien von einer
Krise in die nächste. Das neue Jahrtausend begann bereits mit dem
Zusammenbruch des Finanzsystems. Unter Néstor Kirchner folgten ab
2003  auf der Grundlage hoher Rohstoffpreise stabile Jahre mit
Lohnerhöhungen, Sozialprogrammen und Politiken der
Importsubstitution. Dem Peronisten gelang 2005
auch eine spektakuläre Umschuldung eines Teils der
Verbindlichkeiten, wobei Anleihegläubiger auf rund zwei Drittel
ihrer Forderungen verzichten mussten. Die Auslandschulden hatten
damals ein Rekordniveau von fast 200 Milliarden US Dollar erreicht.
Heute sind sie mehr als doppelt so hoch. Unter seiner Frau Cristina
kam es 2010 zu einer Neuauflage dieser Umschuldung in kleinerem
Maßstab. Doch ab 2011 wurden bei sinkenden Exporteinnahmen
die Budget- und Handelsbilanzdefizite wieder chronisch und 2014
schrammte Argentinien abermals knapp an der Staatspleite vorbei.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Bis auf wenige Ausnahmen
regierten die linkspopulistischen Peronisten, mit einem breiten
Spektrum durchaus wandelbarer Positionen bis hin zum neoliberalen
Carlos Menem (1989-1999). Ab Dezember 2015 war der konservative
Unternehmer Mauricio Macri Staatspräsident. Unter ihm fielen
Devisenkontrollen und andere Regulierungen, mit denen
Steuerhinterziehung und Kapitalflucht verhindert werden sollten.
Seine „boys“ sprachen dieselbe Sprache, trugen die gleichen 
Anzüge und hatten dieselben Universitäten besucht wie die Manager
der Finanzzentren in Washington und London. Der Internationale
Währungsfonds gewährte neue Kredite, 2018 in der Rekordhöhe von 50
Milliarden US Dollar.  Mit  
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      fresh money
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
     sollte die Konjunktur
Fahrt aufnehmen, argentinisches Auslandskapital zurück gelockt und
im Land investiert werden. Doch die Erwartungen auf einen
Investitionsboom erfüllten sich nicht. Vielmehr machten
Zinserhöhungen in den USA Auslandsanlagen noch attraktiver und
sinkende Rohstoffpreise plagen Argentinien wie andere
Schwellenländer. Wieder setzte eine Abwärtsspirale ein. Die
Staatsverschuldung liegt bei 85 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und
auch wenn Argentinien regelmäßig seine Verpflichtungen nicht
erfüllt (oder erfüllen kann) ist es für die Finanzwelt 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      too big
to fail. 
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    Die Verschuldungsspirale dürfte sich also fortsetzen.
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    Nachdem die Bevölkerung auch von den Peronisten enttäuscht war,
hatte man bereits 2019 befürchtet, dass die extreme Rechte zulegen
könnte. Doch setzte sich der gemäßigt linke Peronist Alberto
Fernández durch. Der recht unorganisierten extremen Rechten fehlten
damals die konservativen Steigbügelhalter. Als „mugre“ – Dreck
– bezeichnete mein Taxifahrer mit deutlich italienischem Akzent die
bolivianischen Arbeitsmigranten, deren Hütten vor den Toren von
Buenos Aires den Weg zum Flughafen säumen: „Ich hasse sie!“ In
der Verzweiflung hat die Suche nach Sündenböcken auch im
Einwandererland Argentinien Konjunktur.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Kettensägenpolitik
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Nachdem der im ersten Wahlgang
zweitplatzierte Javier Milei das Mitte-Rechts-Bündnis 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Juntos por
el Cambio 
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    (JxC) deutlich hinter sich gelassen hatte, sprachen
dessen Kandidatin Patricia Bullrich und Expräsident Mauricio Macri
ihre Unterstützung für den politischen Newcomer aus, dem jedwede
Regierungserfahrung fehlt. Diese Stimmen aus dem konservativen Milieu
dürften mindestens ein Viertel der insgesamt 55,7 Prozent ausmachen
und entscheidend gewesen sein. Schon vorher, so sehen es viele
Beobachter, räumte das konservative Establishment Milei ungewohnt
breiten medialen Raum ein, um den politischen Diskurs nach rechts zu
verschieben. (Ein Phänomen, das man auch diesseits des Atlantiks zum
Überdruss kennt und vor dem man nicht genug warnen kann.)
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Ob ihre Rechnung nun aufgeht
und sie den Chaoten einhegen können? Wenn ja, wird das Ergebnis ein
radikaler Neoliberalismus ohne soziale Abfederung sein, wie er
bereits in den 1990er Jahren in Regierungskollaps und Staatsbankrott
mündete. Wenn nicht, dann ist es ein Kopfsprung ins Ungewisse. Milei
ist erst vor fünf Jahren mit ultralibertären Slogans und
Provokationen hervorgetreten. Seine „Bewegung“ verfügt kaum über
Struktur und Fachpersonal, aber über Kontakte zur rechtsradikalen spanischen VOX.
Wollte er ursprünglich „alles privatisieren“, die Bürokratie
und öffentliche Ausgaben „mit der Kettensäge bescheiden“, den
Dollar einführen und die „Zentralbank in die Luft sprengen“, so
hat er sich in den Wochen vor der Stichwahl eine gewisse verbale
Mäßigung auferlegt. Ungeachtet dessen reiht er sich unter die
ultrarechten, nationalistischen Marktschreier à la Trump und
Bolsonaro ein, die den frustrierten Menschen den Lautsprecher machen
ohne Lösungen anzubieten. So beleidigte der Katholik Milei den
Landsmann, Papst Franziskus. Lula da Silva, den Präsidenten des
wichtigsten Handelspartners, Brasilien, hat er als „Kommunist“
und als „korrupt“ bezeichnet. Auch der zweitwichtigste
Handelspartner, China, ist für Milei „kommunistisch“ und
unberührbar. Da wird er in Kürze den wirtschaftspolitischen
Realitäten ins Augen blicken müssen.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Aber die Befürchtung ist,
dass er den Peso absichtlich weiter absacken lassen könnte, um „zur
Rettung“, wie angekündigt, den Dollar einzuführen. Ganz sicher
sind Wissenschaft und Kultur, Arbeits-, Frauen-, Menschen- und
Minderheitenrechte sowie der Umweltschutz in Gefahr. Last but not
least werden der Staatsterror und die Menschenrechtsverbrechen der
argentinischen Militärdiktatur von Milei und seinen Gefolgsleuten
als „gewisse Exzesse“ relativiert oder gar geleugnet. Die Medien,
so kündigte Milei nach seinem Wahlsieg an,  sollen als "Propagandainstrumente“ sogleich privatisiert werden. Den
menschengemachten Klimawandel leugnet er. Als Partner für die
Erreichung der Klimaziele dürfte Argentinien ausscheiden. Seine
erste Auslandsreise will Milei folgerichtig nicht wie üblich ins
Nachbarland Brasilien machen, sondern bereits vor der Amtseinführung
in die USA. Das verheißt nichts Gutes für den gemeinsamen
Wirtschaftsraum MERCOSUR an sich - und als potentieller Partner für
Europa. Und auch nicht für die links regierten Nachbarländer
Bolivien und Chile. Eine Lithiumachse der drei Länder dürfte damit
unwahrscheinlicher werden. Besonders mit Chile gab es entlang der
4.000 Kilometer langen gemeinsamen Grenze in der Vergangenheit immer
wieder Konflikte. 

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Politisches Erdbeben
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Alberto
Fernández rief zu einer gründlichen Aufarbeitung des Wahldebakels
auf. Das Lager
der klassisch
Konservativen ist bereits
gespalten, denn ein Teil von
ihnen war nicht bereit, das politische Abenteuer der Macri- und
Bullrich-Fraktion mitzumachen, darunter Horacio
Rodríguez Larreta, der
scheidende Bürgermeister
von Buenos Aires, wo nahezu
ein Drittel der 45
Millionen Argentinierinnen und Argentinier leben.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Milei
hat im Parlament keine Mehrheit. Mit 39 Abgeordneten verfügt er nur
über die drittstärkste Fraktion. Mehrheiten wird er sich
zusammensuchen müssen oder per Dekret regieren, was
seinem Naturell ohnehin
besser entsprechen dürfte. In seinen Reden ist viel von Freiheit die
Rede, aber nie
von Demokratie. Ob
Argentinien in die Unregierbarkeit taumelt? So oder so kann er mit
starkem gewerkschaftlichem
und zivilgesellschaftlichem
Widerstand rechnen. 

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Sun, 26 Nov 2023 15:14:55 GMT</pubDate>
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    </item>
    <item>
      <title>Bolivien: MAS o menos</title>
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      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
                  
  
Die
Putschisten von 2019 könnten einen späten Erfolg feiern. Das
Movimiento
al Socialismo
(MAS), die erfolgreiche bolivianische Regierungspartei und Trägerin
des proceso
de cambio,
zerlegt sich selbst, womit auch der Prozess des Wandels an sich in
Frage stehen könnte.

                &#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/s/4e3a91da2fa849afa260009be23256a9/dms3rep/multi/DSC06480.JPG" alt="" title=""/&gt;&#xD;
  &lt;span&gt;&#xD;
  &lt;/span&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Zwei
„Parteitage“,
zwei Parlamentsfraktionen und – unausgesprochen – zwei
Präsidentschaftskandidaten
für die 2025 anstehenden Wahlen. Das ist das traurige Bild, das die
MAS allen Aufrufen zur Einigkeit zum Trotz derzeit abgibt. Der
innerparteiliche Streit paralysiert das Parlament. Die fragmentierte
und inhaltsleere Rechtsopposition – einzelne ihrer Parteien sind
ebenfalls gespalten –
tritt so gut wie nicht in Erscheinung und braucht eigentlich nur
abzuwarten. Der Streit innerhalb der Regierungspartei überlagert
alles. Umfragen sehen die beiden MAS-Fraktionen derzeit, das heißt
22 Monate vor den Wahlen, bei jeweils etwa 20 Prozent der Stimmen.
Das reicht für keines der Lager, würde aber im Fall ihrer Einigung
der Opposition reichen. Ein solches Szenario liegt näher, als es
vielleicht aussehen mag. Mehrfach wurden in der Vergangenheit unter
tätiger Mithilfe ausländischer Vertretungen solche Bündnisse auch
über ideologische und programmatische Differenzen hinweg
geschmiedet, um progressive Regierungen zu verhindern. Man denke nur
an die Megakoalition unter dem Exdiktator Hugo Banzer (1997-2001).
Die Protagonisten der MAS-Spaltung scheint das freilich wenig zu
kümmern.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Was
ist die MAS?
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Was
steht auf dem Spiel? Die bolivianische Gesellschaft ist hochgradig
organisiert und die MAS verstand sich in Abgrenzung zu den
Altparteien als politisches Instrument der sozialen Bewegungen:
MAS/IPSP –

    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Movimiento
al Socialismo/ Instrumento Pol
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      ítico
para la Soberanía de los Pueblos
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    .
Hervorgegangen ist sie in den 1990er Jahren aus den kampfstarken
Gewerkschaften der Kokabauern, die sich gegen   die von den
Vereinigten Staaten forcierte Zwangsvernichtung ihrer Felder wehrten.
Ihr wichtigster Anführer war Evo Morales. Mit der 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Participación
Popular
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
von 1994 bekamen die Gemeinden auf dem Lande erstmals eigenen
Rechtsstatus und Budgethoheit. Bereits 1995 beschloss die 12.
Nationalkonferenz der Kokabauern die Schaffung eines eigenen

    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Instrumento
Político. 
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    Man
empfand es als unbefriedigend, auf den Listen kleiner Linksparteien
zu kandidieren. Bei den ersten Wahlen zu den neuen
Gemeindevertretungen gewannen im Jahr 1996 Mitglieder der
Kokabauerngewerkschaft alle Rathäuser im Anbaugebiet des Chapare.
Bei den Parlamentswahlen 1997 gewann die kleine 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Izquierda
Unida
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
vier Direktmandate. Alle im Chapare, darunter mit 69 Prozent für Evo
Morales das landesweit stimmenstärkste. Zwei Gründungskongresse
scheiterten, bevor die MAS/IPSP im Jahr 1999 offiziell registriert
wurde. Ihr gelang die Verknüpfung der sozialen mit der indigenen
Frage und der nationalen Souveränität. Im krisengeschüttelten
Andenstaat entwickelte sich die MAS in enger Verbindung mit dem
Gewerkschaftsbund COB und der Landarbeitergewerkschaft CSUTCB rasch
zum Kristallisationspunkt der Unzufriedenen und stand daneben mit
ihrer Galionsfigur Evo Morales für die Verteidigung der nationalen
Souveränität gegen die von außen oktroyierte Politik der
Kokavernichtung und sonstige Bevormundungen. Die MAS wurde auf
demokratische und organische Weise von unten zu einer Art
Einheitspartei der sozialen Bewegungen. Bei den Parlamentswahlen vom
30. Juni 2002 wurde die MAS auf Anhieb zweitstärkste Partei, nur
ganz knapp hinter dem neoliberalen Wahlsieger „Goni“ Sánchez de
Lozada (heute im US-Exil wegen Menschenrechtsverbrechen verurteilt) –
und war mithin in der Stichwahl um das Präsidentenamt.
„Goni“
gewann und ging mit der gemäßigten
Linken eine Koalitionsregierung ein. Doch die Krise dauerte an. Nach
drei Präsidentenrücktritten ging schließlich die MAS mit einem
Erdrutschsieg aus den Wahlen vom 18. Dezember 2005 hervor. Noch
spektakulärer als deren absolute Mehrheit war der Absturz der
Altparteien, von denen nur eine einzige noch den Sprung über die
Dreiprozentklausel schaffte. Im Januar 2006 wurde Evo Morales als
Präsident vereidigt. Vizepräsident wurde der Linksintellektuelle
Álvaro García Linera. 

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Das
kleine Land im Herzen des Halbkontinents wurde zum vielbeachteten
Hoffnungsträger. Könnte die Entwicklung dort ein Vorbild sein?
Nichts weniger als die „Neugründung Boliviens“ hatte man sich
vorgenommen. Eine Regierung der sozialen Bewegungen wollte man sein.
Bereits sechs Wochen nach Amtsantritt wurde ein Einberufungsgesetz zu
einer verfassunggebenden Versammlung verabschiedet. Die neue
Verfassung wurde dann 2009 erstmals durch eine Volksabstimmung
angenommen. Bolivien wurde durch sie zum „plurinationalen Staat“.
Soziale Rechte, Indígena-Rechte und die Rechte der Pachamama wurden
darin festgeschrieben. Indigene Sprachen wurden auch Amtssprachen und
die bunte Wiphala-Fahne gleichwertig neben die rot-gelb-grüne
Nationalflagge gestellt. Die Nationalisierung der
Kohlenwasserstoffressourcen vom 1. Mai 2006 spülte bei günstiger
Konjunktur Devisen in die Staatskasse, die für eine Umverteilungs-
und Sozialpolitik verwendet wurden. Die Armutsquote sank deutlich,
die durchschnittliche Lebenserwartung stieg um Jahre. Ein bedeutender
Teil der Unterschicht stieg in die untere Mittelschicht auf. Deren
Binnennachfrage stabilisierte die Wirtschaft, auch als die
Exporteinnahmen nach 2015 einbrachen. Grundlage war der
Extraktivismus, insbesondere die Exporte von Erdgas. Grundlegende
Strukturreformen unterblieben. Die Präsidentschaft von Morales war
von einer Serie von Wahlen und Abstimmungen begleitet, was manche
Beobachter als 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      referenditis
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
bezeichneten. Er hat sie alle mit absoluter Mehrheit gewonnen: eine
bis dato in Bolivien unbekannte politische Stabilität.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Bis
zum Februar 2016, als Morales durch ein Referendum den Artikel 168
der Verfassung ändern lassen wollte, der nur zwei Amtsperioden in
Folge zulässt. Das Referendum ging knapp verloren. Morales
ignorierte das Resultat und kandidierte 2019 erneut. Viele
Bolivianerinnen und Bolivianer sahen sich nun durch ihn um das
einmalige Demokratieerlebnis betrogen, das er ihnen zuvor beschert
hatte. Die zersplitterte und inhaltsleere Opposition witterte
Morgenluft.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Anfang
vom Ende?
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Trotz
herber Verluste von etwa 14 Prozent gewann die MAS auch die Wahlen
vom 20. Oktober 2019 mit deutlicher (rund 47 Prozent), aber nicht
mehr mit absoluter Mehrheit. Die Frage war nun, ob sie zehn
Prozentpunkte vor dem Zweitplatzierten liegen würde, was nötig ist,
um eine Stichwahl zu vermeiden. Man fürchtete, die Opposition würde
in diesem Fall geschlossen auftreten. Als am Wahlabend die
Schnellauszählung angehalten wurde (nicht die amtliche), rief die
Opposition: „Wahlbetrug!“. Büros der Wahlbehörde in
verschiedenen Departements wurden angezündet. Ein vorschneller
Bericht der OAS-Wahlbeobachter unterstützte diese Sicht. Proteste
weiteten sich aus. Schließlich meuterte die Polizei und der
Armeechef legte Morales den Rücktritt nahe. Am 10. November floh
dieser zusammen mit dem Vizepräsidenten ins Exil nach Mexiko. Zwei
Tage später füllte eine selbsternannte „Interimsregierung“ der
politischen Rechten das Vakuum, an dessen Entstehung sie tatkräftig
mitgearbeitet hatte. Das geschah unter Missachtung des vorgesehenen
Prozederes, ohne ordentlich einberufene Sitzung und ohne Quorum.
Abgeordnete der MAS, die im Parlament über eine Zweidrittelmehrheit
verfügte, wurden am Betreten des Gebäudes gehindert. Einige junge
MAS-Abgeordnete, darunter der nun amtierende Innenminister,
versuchten es unter körperlichem Einsatz dennoch. Die junge
Parlamentspräsidentin Eva Copa hielt das Fähnlein der MAS dann
monatelang gegen die repressive de facto-Regierung hoch, sah sich
aber zu Kompromissen gezwungen, was ihr später zum Vorwurf gemacht
wurde.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Die
„Interimsregierung“
Añez
machte keine Anstalten, Neuwahlen abzuhalten, und war ein Desaster
auf der ganzen Linie. Sie ist heute Gegenstand mehrerer
Strafverfahren. Ihr Innenminister ist bereits wegen Korruption
verurteilt – und zwar in den USA. Schließlich erkämpften die
sozialen Bewegungen durch Straßenblockaden Neuwahlen, aus denen am
18. Oktober 2020 erneut die MAS mit 55 Prozent der Stimmen und fast
27 Prozentpunkten Vorsprung als Sieger hervorging. Morales hatte aus
dem Exil die Spitzenkandidaten nominiert. Sein langjähriger
Superminister für Wirtschaft und Finanzen, Luis Arce, wurde
Präsident. Sein früherer Außenminister David Choquehuanca Vize.
(Die Basis hätte Choquehuanca favorisiert, doch den hatte Morales
Anfang 2017 abgesägt, weil er sich nach dem verlorenen Referendum
von 2016 als Kandidat ins Spiel gebracht hatte.) Nach deren
Amtsübernahme kehrte Morales im Triumphzug aus dem Exil zurück und
blieb Parteichef. Als solcher versuchte er in gewohnter Manier, die
Geschicke des Landes und seiner Regierung zu lenken. Das konnte nicht
gutgehen. Schon die Regionalwahlen von Anfang 2021 wurden für die
MAS zum Misserfolg. Stichwahlen wurden durch MAS-Dissidenten
gewonnen, die Morales nicht genehm gewesen waren. Und Eva Copa, die
keinen aussichtsreichen Platz für eine Kandidatur erhalten hatte,
weil Morales ihr vorwarf, mit der Regierung Añez zusammengearbeitet
zu haben, wurde auf der Liste einer anderen Partei mit einem
Rekordergebnis zur Bürgermeisterin der zweitgrößten Stadt, El
Alto, gewählt.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    In
dem Maße, wie die Kritik am Expräsidenten wuchs, der aus dem
sicheren Exil heraus jene kritisiert hatte, die daheim für ihn den
Kopf hinhielten, wurde Morales’ Kritik an „seiner“ Regierung
immer direkter und schriller. Morales warf ihr einen Rechtsruck und
Paktieren mit der Opposition vor, nachdem man sich auf ein Verfahren
zur Volkszählung geeinigt hatte. Zwölf Abgeordnete wurden aus der
Partei ausgeschlossen, jegliche Kritik als „Verrat“ diffamiert.
Als sich der junge Innenminister Eduardo del Castillo (Bild)
im
Jänner 2022 „erdreistete“, Maximiliano Dávila zu verhaften, der
unter Morales Chef der Spezialkräfte für den Kampf gegen den
Drogenhandel gewesen war, nun aber von der DEA gesucht wurde und sich
auf der Flucht nach Argentinien befand, wurde er neben Vizepräsident
Choquehuanca und zusammen mit dem Justizminister zum Lieblingsfeind.
Morales verlangte immer wieder deren Rücktritt. Man beschuldigte
sich gegenseitig, mit dem Drogengeschäft unter einer Decke zu
stecken.  Als die MAS-Parlamentsfraktion mit der Opposition ein
Amtsenthebungsverfahren gegen del Castillo durchsetzte, wurde er von
Präsident Arce umgehend wieder berufen. Schließlich hatte er sich
nicht nur aktiv gegen die Machtergreifung der Rechten gewehrt. Er
hatte zusammen mit dem Justizminister auch dafür gesorgt, dass die
maßgeblich Verantwortlichen vor Gericht gestellt wurden, darunter
eine ganze Reihe hoher Militärs.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Spaltung
um jeden Preis?
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    So
spalteten sich die MAS-Fraktionen in Senat und Abgeordnetenkammer und
Meinungsverschiedenheiten wurden auch mal mit den Fäusten
ausgetragen. Gleiches gilt seit August dieses Jahres für die
sozialen Bewegungen, wo es heute jeweils eine Fraktion von 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      evistas

    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    beziehungsweise

    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      arcistas
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
gibt, stets mit Alleinvertretungsanspruch. Ihre Kongresse führten
teilweise zu Tumulten.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Am
3. und 4. Oktober fand ein Parteitag der MAS statt, der erneut Evo
Morales zum Parteichef und Spitzenkandidaten für die Wahlen 2025
nominierte. Die Parteiführung hatte ihn in Llauca Ñ anberaumt,
Morales’ Hochburg im Chapare. Vom Selbstausschluss von Präsident
und Vizepräsident war dort die Rede. Der „lider indiscutible“,
wie ihn seine Anhänger nennen, hatte bereits zwei Wochen vorher
erklärt, dass er „auf
Druck der Basis“ wieder kandidieren werde. Die regierungsnahen
Teile der MAS und der sozialen Bewegungen wiederum hielten Mitte
Oktober in El Alto, ein 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      cabildo
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
(Rat, kein Parteitag) ab, bei dem sie der Regierung von Präsident
Arce ihre Unterstützung versicherten und ihm eine Liste von
Forderungen übergaben.  Der Parteitag von Llauca Ñ wurde für
nichtig erklärt. Der Gewerkschaftsbund COB hatte bereits unmittelbar
danach erklärt, dass er dessen Beschlüsse nicht anerkennen würde. 
Schon
am
7. September hatte der „Einheitspakt“ der sozialen Bewegungen die
Einladung dazu für nichtig erklärt. Inzwischen wurde er vom
Obersten Wahlgerichtshof auch für ungültig erklärt, weil die
Einladung nicht gemäß der Parteistatuten erfolgt sei.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Der
ehemalige Vizepräsident Álvaro García Linera sagte in einem
Interview, man solle die Regierung Arce arbeiten lassen und warnte
vor „elektoralem Selbstmord“. Morales bezeichnete ihn daraufhin
als „falschen
Analytiker“, der sich die indigene Bewegung zunutze mache und als
„neuen Feind“. Andere Analysten hatten schon vor einiger Zeit
vorgeschlagen, dass die alte Garde das Feld einer neuen Generation
überlassen
solle, die 2019/20 vor Ort die Demokratie verteidigt hatte: Adriana
Salvatierra, Eva Copa, Gabriela Montaño und Diego Pary sind Namen,
die dabei fallen. Der Prominenteste von ihnen, Senatspräsident
Andrónico Rodríguez, gilt als 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      evista
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    ,
ist aber stets eher zurückhaltend und ausgleichend aufgetreten.
Auseinandersetzungen um seine Wiederwahl hatten wochenlang das
Parlament blockiert – unter anderem die Verabschiedung des Budgets.
Die 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      arcistas
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
hatten eine Gegenkandidatin nominiert, aus Gründen der
Genderparität, wie es hieß. Nunmehr ist er mit den Stimmen der

    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      evistas
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
und der Opposition wiedergewählt, wobei man als Gegenleistung eine
Neun-Punkte-Agenda der Opposition angenommen hat. Schon vorher war
das Parlament paralysiert, während draußen Bürgermeister die
Verabschiedung ihres Budgets verlangten. Unter anderem blockierten
Opposition und 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      evistas
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
Mitte September einen Gesetzesentwurf gegen sexuelle Gewalt, der als
Reaktion auf den Missbrauchsskandal des verstorbenen Jesuiten Alfonso
Pedrajas eingebracht worden war, der in seinen Aufzeichnugen
dutzendfachen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen zugegeben
hatte. Eva Copa sprach schon damals von einem 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      golpe
legislativo 
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    (einem
parlamentarischen Putsch). Hoffnungsträger und Vorbilder sehen
anders aus. Die Geschichte Boliviens und Lateinamerikas ist voll von
fortschrittlichen Projekten, die durch
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      
caudillismo 
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    und
Sektierertum gescheitert sind. Ob sich die Akteure ihrer
Verantwortung vor der Gesellschaft und der Geschichte bewusst sind?
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Tue, 14 Nov 2023 17:59:03 GMT</pubDate>
      <guid>https://www.robert-lessmann.com/bolivien-mas-o-menos92b6fd65</guid>
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      <media:content medium="image" url="https://cdn.website-editor.net/s/4e3a91da2fa849afa260009be23256a9/dms3rep/multi/DSC06480.JPG">
        <media:description>thumbnail</media:description>
      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Bolivien/Peru: Wasser!!!</title>
      <link>https://www.robert-lessmann.com/bolivien-peru-wasser5bbcdde5</link>
      <description />
      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
                  
  
Der Pegel des Titicaca-Sees
sinkt einem historischen Tiefstand entgegen. Das Problem ist freilich
weitreichender. Bisherige Lösungsansätze verliefen im Sand.

                &#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/s/4e3a91da2fa849afa260009be23256a9/dms3rep/multi/a4.JPG" alt="" title=""/&gt;&#xD;
  &lt;span&gt;&#xD;
  &lt;/span&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Man muss diese Farben gesehen
haben: 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      El lago
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    ,
der See: Gesprenkelt von 41 Inseln. Im Osten flankiert von der
Königskordillere, aus der am östlichsten Zipfel des 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Titicaca
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
der mächtige 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Ill
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      ampú

    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    mit 6.368 Metern
herausragt. 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      El lago
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    ,
wo der Himmel so nah ist, dass man die Wolken herunterpflücken zu
können glaubt; wo im Morgen- und Abendlicht das Blau des Wassers und
des Himmels, wo die Pastellfarben der umgebenden Landschaft die
unglaublichsten Nuancierungen annehmen. Ist es ein Wunder, dass zwei
Hochkulturen diesen Platz als Mittelpunkt der Welt angesehen haben?
Hat nicht der Schöpfergott 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Huiracocha
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    ,
aufgetaucht aus den Tiefen des 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Titicaca
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    -Sees,
von der Sonneninsel aus die Sonne und von der Mondinsel aus den Mond
ans Firmament befohlen?
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Mit
3.810 Metern höchster schiffbarer See der Erde; sechzehnmal so groß
wie der Bodensee. Dürre Superlative für diesen Platz, der wohl die
meiste 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      huaca
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
hat. 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Huaca
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
bedeutet für die Andenvölker soviel wie spirituelle Kraft. Ihre
Lebenswelt (Berge, Hügel, Seen, Flüsse) war und ist für sie von
Ahnengeistern, 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Achachilas
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
oder 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Apus
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
beseelt, von denen ihr Schicksal abhängt, mit denen sie sich gut
stellen und denen sie opfern müssen. Je größer, eigenartiger,
exponierter der Berg, der See, der Fels, desto mächtiger auch der
ihm innewohnende 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Apu
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    .
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Die
Kosmovision der Andenvölker ist nicht nur von allgegenwärtigen
Gegensatzpaaren gekennzeichnet männlich/ weiblich, Tag/ Nacht, 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Inti
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    /

    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Pachamama
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    ,
sie ist auch eine reziproke.
Für alles, was 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Pachamama,
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
die mehr Naturgesamtheit als einfach nur Mutter Erde ist, gibt, muss
sie auch etwas zurückbekommen: So geht zum Beispiel der erste
Schluck des Getränks stets an sie.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Die
Anden sind, zusammen mit dem Himalaya, die gewaltigste Wetterscheide
der Erde. Berge herrschen über Regen und Trockenheit. Ihre Gletscher
bringen das lebenswichtige Wasser (noch
immer) auch während
der Trockenzeit. In der Tat: Aufstieg und Niedergang der Hochkulturen
des Andenhochlands verliefen in erstaunlichem Maße parallel zu
klimatischen Phänomenen: Die Herausbildung einer Landwirtschaft ab
etwa 1.500 v. Chr. fiel mit einer feuchteren Periode zusammen, der
Niedergang der Hochkultur von Tiwanaku (ab 1.100) mit einer
Trockenheit, die bis ins 15. Jahrhundert hinein anhielt und die deren
intensiven, künstlich bewässerten Feldbau infrage stellte. Die
Sonne, die Berge und der See bestimmten ihr Schicksal.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Auch
heute noch: 8.372 qkm Wasserfläche hat der 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Titicaca
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    ,
und sein Pegel schwankt je nach Jahreszeit und Niederschlagsmenge um
bis zu sechs Meter. Er hat 25 Zuflüsse. Der einzige Abfluss, der 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Rio
Desaguadero
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
     im
Süden, ist nicht während des ganzen Jahres wasserführend und trägt
nur 5 Prozent zur Entwässerung des Sees bei. Der Rest ist Verdunstung durch den
trockenen Wind und die starke Höhensonne. So kommt es zu einer
allmählichen Versalzung und zunehmenden Umweltproblemen. Das Wasser
verdunstet, Schadstoffe bleiben im See.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Austrocknen
dürfte der an manchen Stellen fast 300 Meter tiefe See nicht so
bald. Doch wegen der
ausbleibenden Niederschläge nähert sich der Pegel des 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Titicaca
- 
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    Sees  mit
3.808,19 Metern derzeit dem historischen Tiefststand von 3.808,10
Metern (1996) an
und es könnte noch weniger werden. Betroffen sind rund zwei
Millionen Menschen, für die der See als Trinkwasserreservoir dient.
Auch Fischfang, Tourismus und die Landwirtschaft leiden. Die
Quinoa-Ernte – ein besonders eiweißhaltiges Andengetreide, das
auch in Reformhäusern in Übersee Absatz findet – ist
nach Angaben der Handelskammer des peruanischen Departements
Puno um 90 Prozent eingebrochen.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Die
Großstadt Puno
(130.000 Einwohner) liegt
direkt am See. Mit
Juliaca (218.000 Einwohner, 85
Kilometer) und
den bolivianischen
Metropolen El Alto (850.000) und La Paz (760.000 beide
ca. 130 Kilometer)
liegen weitere
Ballungsräume im Einzugsbereich.
Während der
bolivianische Vizeminister für Wasser noch Anfang September
beruhigte, die Reserven seien auf optimalem Niveau, lud der
Bürgermeister von La Paz, Iván Arias am 15. September zu einem
Wassergipfel ein und eine
persönliche Nachschau der Bürgermeisterin von El Alto, Eva Copa,
bei den beiden wichtigsten Trinkwasserspeichern ergab, dass diese nur
zu 50 bzw. zu 23 Prozent gefüllt sind. Während
sich neben der Klimakrise nun auch das periodisch auftretende
Wetterphänomen El Niño
ankündigt, das
neben großer Trockenheit oft auch katastrophale Starkregen bringt,
nimmt
die Nervosität zu. Brauchwasser solle verstärkt zum Einsatz kommen.
Nachts soll der
Wasserdruck in El Alto vermindert werden. Sieben von neun
bolivianischen Departements
sind aktuell von
Trockenheit betroffen, 71 Gemeinden haben
den Wassernotstand
ausgerufen.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    In
Potosí wird bereits rationiert. Neben ausbleibenden Niederschlägen
ist es dort vor allem die Belastung mit giftigen
Abwässern aus dem
Bergbau, die zur Wasserkrise beiträgt. In
der Tat sind die Probleme seit Jahren bekannt: "Der
Titicaca-See" erstickt in Algen", stand bereits
vor einem Vierteljahrhundert
in einigen Zeitungen. Das Problem beschränkte
sich damals auf
die flache Bucht von Puno, in die sich die ungeklärten Abwässer der
Großstadt ergossen.
Kläranlagen sollten
Abhilfe schaffen.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Bereits
im Jahr 1955 unterzeichneten die Regierungen von Peru und Bolivien
ein Abkommen über die gemeinsame Nutzung des 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Titicaca
–
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
Wassers, zwei Jahre
später folgte eine Wirtschaftlichkeitsstudie. Am 20. Februar 1987
wurde eine 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Subcomisión
Mixta para el Desarrollo de la Zona de Integración del Lago Titicaca
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
(SUBCOMILAGO) gegründet. Verlust
der umgebenden Vegetation durch Überweidung und Erosion, Reduzierung
der Wasservegetation (Totora-Schilf), abnehmende Fischpopulationen,
Kontaminierung der Bucht von Puno durch biologische Abwässer und des

    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Lago Poopó
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
durch Schwermetalle: Das waren
die wesentlichen Problemfelder die die
bolivianisch-peruanische Kommission, SUBCOMILAGO, auf der Grundlage
von Studien bereits
Anfang der 90er Jahre identifiziert hat. Mit Unterstützung der
Europäischen Union versuchte
die binationale Kommission den Problemen zu begegnen: Verbesserung
der Lebensbedingungen der Anrainer und Ressourcenschutz, vernünftige
Wasserregulierung durch Kleindämme am 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Desaguadero
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
in Verbindung mit bewässerter Landwirtschaft. 

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Überweidung,
Verlust der Bodenfruchtbarkeit, Desertifikation: Vergleichbare
Probleme treten im ganzen Andenraum auf. 60 Prozent des peruanischen
Berglandes waren nach Schätzung des PROAGUA-Projekts der deutschen
Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (damals GTZ, heute GIZ)
von der "Verwüstung" bedroht. Neben der Einführung
geeigneter Techniken der Bewässerung und des Wassermanagements ging
es bei PROAGUA (2015-2023) nicht zuletzt auch um Bewusstseinsbildung.
Die Erfolge sind überschaubar, die Probleme nehmen zu.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Der

    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Titicaca
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    -See
ist Teil des 56.000 qkm großen 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Titicaca
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    -Beckens.
Der 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Rio Desaguadero
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
mündet nach 400 Kilometern in den 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Lago
Poopó
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    , der wie der

    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Titicaca
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
und der 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Lago Uro
Uro
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    , ein
Überbleibsel des ursprünglich (gegen Ende der letzten Eiszeit) sehr
viel größeren Sees ist. An diesen beiden Seen kämpften
die letzten Uros und Chipayas ums Überleben, indianische Völker,
die sich vom Fischfang und Wasservögeln ernähren. Vergeblich!
Ungeachtet des

    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Pachamama
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
- Diskurses und der Umweltrhetorik der Regierung. In
diesen kleineren Seen nahe der bolivianischen Minenstadt Oruro, waren
die Umweltprobleme noch
viel markanter, nicht
zuletzt durch die Schwermetallbelastungen aus den Goldminen der
Umgebung. Der 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Poopó
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    -See
wurde bereits im Jahr 2015 für ausgetrocknet erklärt. Die Reste des

    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Uro-Uro
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
sind von Plastikabfällen bedeckt.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Thu, 21 Sep 2023 15:03:09 GMT</pubDate>
      <guid>https://www.robert-lessmann.com/bolivien-peru-wasser5bbcdde5</guid>
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        <media:description>thumbnail</media:description>
      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>EU/ Lateinamerika: Holpriger Neustart</title>
      <link>https://www.robert-lessmann.com/eu-lateinamerika-holpriger-neustart399723d7</link>
      <description />
      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
                  
  
Vergangenen Dienstag
(18.7.) ging in Brüssel der EU/ CELAC – Gipfel zu Ende. Die
Protagonisten sparten nicht mit Lob. Der deutsche Bundeskanzler Olaf
Scholz sprach von einem erfolgreichen Treffen, Kommissionspräsidentin
Ursula von der Leyen von einem ausgezeichneten Gipfel. Es fühle sich
an wie ein Neuanfang. Auch die Lateinamerikaner gaben sich vorsichtig
optimistisch, obwohl es im Vorfeld und zwischendurch ordentlich
geknirscht hatte. Was war los? Ist das Glas nun halbvoll oder
halbleer?




                &#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/s/4e3a91da2fa849afa260009be23256a9/dms3rep/multi/a7.jpg" alt="" title=""/&gt;&#xD;
  &lt;span&gt;&#xD;
  &lt;/span&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Dass der Gipfel nach acht
Jahren Abstinenz überhaupt stattfand ist sicherlich ein Erfolg per
se, der nicht zuletzt dem brasilianischen Präsidenten Lula da Silva,
beziehungsweise der Abwahl seines Vorgängers Jair Bolsonaro,
geschuldet ist. CELAC – die Gemeinschaft lateinamerikanischer und
karibischer Staaten (Comunidad de Estados Latinoamericanos y
Caribeños)
wurde Anfang Dezember 2011 in Caracas offiziell gegründet, noch
unter dem bereits an Krebs erkrankten venezolanischen Präsidenten
Hugo Chávez – und zwar ausdrücklich ohne die USA und Kanada, also
als Gegengewicht zu der von Washington dominierten OAS (Organisation
Amerikanischer Staaten). Manche Analysten sehen darin eine Reaktion
auf den von Washington unterstützten „Pyjama-Putsch“ 2009 in
Honduras. Die 33
Mitgliedstaaten haben
zusammen fast 600 Millionen Einwohner. Dass Brüssel heute mit der
CELAC verhandelt ist zunächst einmal Ausdruck ihrer historischen
Emanzipation von
Bevormundungen aus dem Norden.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Deutliche
Meinungsverschiedenheiten traten wegen des russischen Angriffskriegs
gegen die Ukraine zutage. Die Europäer hätten gerne eine
Verurteilung Russlands gesehen. Stattdessen wurde tiefe Besorgnis
über den anhaltenden Krieg konstatiert, eine friedliche Lösung
gefordert und die Einhaltung des Völkerrechts angemahnt –
immerhin. CELAC
erklärte sich solidarisch mit den Opfern, verschiedene
Redner stellten
den Konflikt in eine Reihe mit anderen, zum Beispiel dem in
Palästina.  Russland
wird im Abschlussdokument nicht genannt. Insbesondere Nicaragua,
Venezuela und Kuba hatten sich gesträubt. Letztlich
verweigerte aber nur Nicaragua die Unterschrift. Andererseits fand
der chilenische Präsident Gabriel Boric klare Worte zum russischen
Krieg gegen die Ukraine. Es gehe hier nicht um Sympathie oder
Antipathie, sondern um einen Verstoß gegen das Völkerrecht, und
zwar durch den Angreifer: Russland. Heute sei es die Ukraine, aber
morgen könne es jeder von uns sein, sagte er an seine Kolleginnen
und Kollegen gerichtet.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Aber
alle zusammen sind es leid, nach der Pfeife des Westens zu tanzen.
Schließlich ist man lange genug den Taktgebern aus Washington
gefolgt. Und während sich auch Europa nach deren Rhythmus bewegte –
seien es diverse
Sanktionen oder die
umgehende Anerkennung der gescheiterten Parallelregierung
unter Juan Guaidó in Venezuela – hatte Moskau die sogenannten
progressistischen Regierungen unterstützt. Der
scheidende argentinische Präsident Alberto Fernández hatte auch die
historische Schuld Europas an Sklavenhandel und Kolonialismus
angesprochen.
Angesichts der Diversität der Lateinamerikaner (von denen AMLO aus
Mexiko fehlte und Daniel Ortega aus Nicaragua, ebenso
„Interimspräsidentin“ Dina Boluarte aus Peru; anwesend war
dagegen Miguel Díaz-Canel
aus Kuba) sicherlich ein diplomatischer Kompromisserfolg.  Der
bolivianische Präsident Luis Arce
erklärte anschließend
seinen Landsleuten, dass
es nicht einfach sei, zwischen
60 Delegationen (33 aus CELAC
und 27 aus der EU) zu einem Konsens zu kommen. Dazu
sei viel
politische Reife nötig.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Die
wurde freilich aus Europa mit der Ankündigung von Investitionen in
Höhe von 45 Milliarden Euro (davon 9 allein von Pedro Sánchez aus
Spanien) gefördert. Bei diesem Punkt blieb Arce, der Präsident des
Landes mit den größten Lithium-Vorkommen, freilich sehr deutlich:
Lithium gebe es für alle, die sich an die Regeln halten. In seinem
Land müsse auf allen Ebenen der Staat in Gestalt des
Staatsunternehmens 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Yacimiento de Litio Bolivianos
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
     beteiligt
sein. Schließlich seien die Rohstoffe hier laut Verfassung Eigentum
des Volkes, verwaltet vom Staat. Zur Erinnerung: Die Europäer hatten
sich erst im November 2019 durch ihr (im besten Falle tollpatschig zu
nennendes) Verhalten beim Sturz von Präsident Evo Morales und der
kurzfristigen Machtergreifung der Rechten selbst aus der
Pole-Position geschossen. Das Geschäft machen nun einmal mehr
chinesische Investoren.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Der
große weiße Elefant im Raum
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Dass
hierzulande die selbsternannten
Anwältinnen und Anwälte
der „Normaldenkenden“ auf Kriegsfuß mit Begrifflichkeiten
stehen, dürfte hinreichend bekannt sein. Die Frage ist, ob sie
tatsächlich so schlampig denken, wie sie sprechen. Kanzler Karl
Nehammer jedenfalls ließ sich im Vorfeld des Gipfels vom ORF mit dem
Hinweis zitieren, dass es ja ein Veto des
Parlaments gegen MERCOSUR
gebe. Das gibt es
natürlich nicht. Gemeint
dürfte er damit den Entwurf eines Freihandelsabkommens zwischen der
EU und dem MERCOSUR haben. Dieser südamerikanischen Freihandelszone
gehören zwar nur vier der 33 CELAC–
Staaten an, aber mit Brasilien und Argentinien
(neben
Paraguay
und Uruguay) eben zwei
politische und wirtschaftliche Schwergewichte.
So wurde in Brüssel zwar
nicht darüber verhandelt, doch das Thema war ständig präsent und
es gab am Rande dazu
einen Dialog der
Außenminister.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Bereits
seit 24 Jahren verhandelt die EU mit dem MERCOSUR über ein
Freihandelsabkommen, das
einen gemeinsamen Markt für mehr
als 700
Millionen Menschen schaffen würde.
Das Veto der österreichischen Parlamentsmehrheit gegen den
vorliegenden Entwurf zeigt die vielen unterschiedlichen Interessen,
die im Spiel sind: Einerseits geht es um den Schutz der heimischen
Agrarlobby
vor vermeintlichen
Billigimporten, vor allem von Rindfleisch und Futtermitteln auf
Soyabasis. Andererseits
befürchten Umweltschützer eine weitere
Abholzung der Regenwälder, die gerade
zu deren Produktion nötig
sei. Noch grundsätzlichere Kritik stellt überhaupt das dahinter
stehende Wachstumsdenken in Frage: Stichwort
Lithium für Elektroautos statt neuer Mobilitätskonzepte. Den
Europäern gehe es bei ihrer Charmeoffensive in erster Linie um
Rohstoffe. Nutznießer
seien vor
allem transnationale
Automobil- und
Agrarkonzerne. Die
Südamerikaner wiederum wehren sich gegen Bevormundungen und wollen
sich nicht auf den Status von Rohstoffexporteuren reduzieren lassen.
Lula da Silva etwa will das Abkommen forcieren, nennt den
vorliegenden Entwurf der EU vom März diesen Jahres aber
„inakzeptabel“. Eine strategische Partnerschaft lasse sich nur
mit Vertrauen aufbauen und nicht mit Sanktionsdrohungen. Gerade die
sind aber Umweltschützern wichtig für den Fall einer erneuten
Präsidentschaft von Politikern vom Zuschnitt Bolsonaros. Vor allem
wegen dessen Umweltbilanz lagen die Verhandlungen seit 2009 auf Eis.
Brasilien will nun einen verbesserten Entwurf vorlegen. Die
Fortsetzung der Verhandlungen wird bereits für August erwartet.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Zwischenbilanz
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
In
Lateinamerika fand der Gipfel große Aufmerksamkeit. Vielleicht
weniger euphorisch als in Europa sieht man ihn auch dort als „Anfang
von etwas Neuem“. Konkrete Ergebnisse habe man auch gar nicht
erwartet. Viel sei von „Augenhöhe“ und
von „Dialog unter Gleichen“ die Rede gewesen. Wie weit das trägt,
ob es gar für den Bau einer „Brücke der Brüderlichkeit“
reicht, wie es der bolivianische Präsident Arce formulierte, wird an
den Akteuren
diesseits und jenseits des Atlantiks liegen. Dort erwartet man als
Voraussetzung, dass dies auf der Basis der Anerkennung von
Souveränität und
Selbstbestimmung geschieht, und ein größerer Teil der Wertschöpfung
in den Erzeugerländern verbleibt. Denn dass die europäische
Charmeoffensive von der Suche nach Rohstoffsicherheit getrieben und
die „Wiederentdeckung Lateinamerikas“ durch die geopolitische
Zeitenwende bestimmt ist,
blieb nicht verborgen.
Doch auch
die Lateinamerikaner
wollen ihren
Reichtum an Rohstoffen verwerten. In Kommentaren zum Gipfel wird
gefragt ob es gelingt, CELAG zu einer artikulations- und
handlungsfähigen Gemeinschaft zu verfestigen. Angesichts der
Herausforderung, zu einer
neuen Weltordnung zu finden, wird allseits das Bekenntnis zum
Multilateralismus hervorgehoben, das vom Gipfel ausging. 

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Im
letzten Jahrzehnt haben ausländische Direktinvestitionen in
erneuerbare Energien in Lateinamerika jene in Kohlenwasserstoffe
übertroffen. Tendenz steigend. Und 75 Prozent dieser Investitionen
in erneuerbare Energien kamen aus Europa. Unter den vorhandenen
Alternativen scheint die EU nicht die schlechteste, auch hinsichtlich
eines überfälligen wirtschaftlichen Umbaus.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Mon, 24 Jul 2023 19:09:13 GMT</pubDate>
      <guid>https://www.robert-lessmann.com/eu-lateinamerika-holpriger-neustart399723d7</guid>
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        <media:description>thumbnail</media:description>
      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Literarischer Chronist des zeitgenössischen Lebens in Kuba - Leonardo Padura</title>
      <link>https://www.robert-lessmann.com/literarischer-chronist-des-zeitgenoessischen-lebens-in-kuba-eduardo-paduraf28accb8</link>
      <description />
      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
                  
  
Mit den Kriminalgeschichten
um seine Detektivfigur Mario Conde hat Leonardo Padura ein
Weltpublikum erobert. Gleichzeitig gelten seine Romane unter Kennern
als die besten Studien über das gesellschaftliche Leben auf Kuba.
Mit ihm sprach Robert Lessmann.

                &#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/s/4e3a91da2fa849afa260009be23256a9/dms3rep/multi/DSC06495.JPG" alt="" title=""/&gt;&#xD;
  &lt;span&gt;&#xD;
  &lt;/span&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Willkommen in Wien, Herr
Padura. Sie werden hier zum Thema „Der Charme der Bücher“
sprechen. Worin besteht der?
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Lesen erschließt die
Möglichkeit zur Veränderung. Bücher haben nicht nur Personen
verändert, sondern die Welt. Literatur kann Wissen und Erfahrung
vermitteln, Formen, die Realität zu verstehen. Eine Form von
Literatur ist der Roman. Und der Roman erlaubt außerdem, nicht nur
die Realität zu verstehen, sondern versucht zu erklären, wie die
Menschen sind, wie sie denken, was sie fühlen. Ich glaube, das ist
der große Charme, den die Bücher haben können. Milan Kundera hat
einmal gesagt, der Daseinszweck der Bücher sei die Erforschung des
menschlichen Wesens. Und ich stimme dem voll und ganz zu.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Ihre
Bücher handeln hauptsächlich von Kuba. Ist das die wichtigste
Perspektive?
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Meine Arbeit, meine Form, das
Leben zu verstehen, mich mit den Menschen zu verbinden, ist von einer
Kultur geprägt und das ist die kubanische Kultur, der ich angehöre.
Vor 13 Jahren gab mir Spanien die Staatsbürgerschaft. Ich habe auch
einen spanischen Pass, und einige Journalisten fragten mich: „Nun,
wo Sie doppelte Nationalität haben…“ Und ich sagte: „Nein, ich
habe doppelte Staatsbürgerschaft“. Staatsbürgerschaft ist eine
juristische Kategorie. Die Nationalität ist eine Zugehörigkeit. Und
ich gehöre zu einer Kultur, der kubanischen.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
In meiner Literatur gibt es
Episoden, die an anderen Schauplätzen stattfinden. „Der Mann, der
Hunde liebte“ spielt in Russland, der Türkei, Frankreich,
Norwegen, Mexiko und Kuba, aber alles fängt mit Kuba an und hört
mit Kuba auf. Die Vision, die Perspektive dieses Romans ist von Kuba
aus. Es gibt eine Person, die die Geschichte empfängt und aus einer
kubanischen Perspektive weitererzählt.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Sie
sind im Oktober 1955 geboren und haben das ganze Leben mit der
kubanischen Revolution (1.1.1959) gelebt, einem Prozess mit
verschiedenen Phasen, das halbe Leben in der Krise, der sogenannten
„Spezialperiode“. Wie nehmen Sie diese Prozesse wahr?
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Die ganze Zeit seit 1959 ist
von einem revolutionären Prozess gekennzeichnet, der sehr
tiefgreifend war, weil er die wirtschaftlichen und politischen
Strukturen grundlegend veränderte. Das Land ist nach 1959 ein
anderes geworden und das hat auch die gesellschaftlichen Verhältnisse
verändert. Wir sind durch verschiedene Etappen gegangen. In den
1960er Jahren gab es große Veränderungen der gesellschaftlichen
Strukturen, eine neue Institutionalisierung des Landes, sehr nach
sowjetischem Vorbild, Veränderungen einschließlich der Beziehungen
zwischen den Personen. Und das rief verschiedene Reaktionen hervor.
Zum Beispiel in der Kultur gab es in den 1970er Jahren eine große
Repression, von der ich in meinem neuen Roman „Personas Decentes“
erzähle, der im kommenden Jahr auch auf Deutsch erscheinen wird.
(Der Titel auf Deutsch steht noch nicht fest.)
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
In den 1980er Jahren erlebte
das Land die besten Momente. Die Leute bekamen für ihren Lohn etwas
zu kaufen. Aber am Ende des Jahrzehnts fiel die Berliner Mauer und
die Sowjetunion bracht zusammen. Für uns begann damit eine kritische
Zeit, die euphemistisch „Spezialperiode“ genannt wurde, die aber
eine Krise aller Bereiche war. Für meine Generation zerschlugen sich
viele Möglichkeiten und Hoffnungen.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Darauf folgte eine seltsame
Epoche, wo die Wirtschaft sich nicht erholte und die Gesellschaft
zunehmend gespalten wurde. Heutzutage leben die Menschen in Kuba je
nach ihrem Zugang zu Geld, was nicht heißt, dass sie mit ihrer
Arbeit zu Geld kämen. Manche ja, andere spekulieren – und wieder
andere bekommen von ihrem Bruder aus den Vereinigten Staaten 500
Dollar und leben damit besser, weil ein durchchnittlicher Monatslohn
bei umgerechnet 20 Dollar liegt. Wenn dir jemand 100 Dollar schenkt,
sind das fünf Monatslöhne. Wir erleben einen Moment großer
Hoffnungslosigkeit im Hinblick auf die Zukunft.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Da
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      von handelt der
neue 
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Roman?
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Es geht um zwei historische
Momente. Um 1909/1910 herum, kurz nach der kubanischen
Unabhängigkeit, passieren viele Dinge in der Gesellschaft. Es ist
eine Zeit der Modernisierung, des wirtschaftlichen Aufschwungs, weil
die Präsenz der USA sehr stark ist. Kuba geht aus dem
Unabhängigkeitskrieg hervor und keine zehn Jahre später gibt es auf
den Straßen von Havanna mehr Automobile als in Madrid und Barcelona
zusammen. Havanna wächst, und im Zentrum dieser Geschichte steht
eine berühmte Person auf die alle schauen, ein  Zuhälter, eine
reale Person: Alberto Yarini, der italienische Wurzeln hat, aber 100
Prozent Kubaner ist. Um diese Figur herum entwickelt sich die
Geschichte, die von einem jungen Polizisten erzählt wird, der im
damaligen Rotlichtviertel von Havanna ermittelt. Und es gibt eine
zweite Ebene: Im Jahr 2016 ermittelt Mario Conde andere Fälle. Warum
2016? Weil das auch so ein Hoffnungsmoment war. Im Jahr 2016 wurden
die Beziehungen zu den USA wieder angeknüpft. Obama besuchte
Havanna, die Stones und Chanel kamen nach Kuba. Die Hauptfigur ist im
Grunde Havanna und was in diesen Momenten dort passierte. Die
Geschichte dreht sich um die Hoffnungen der Menschen, die sich später
auflösen.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Die
Figur Mario Conde wird von Kollegen als Romantiker beschrieben, mit
Widersprüchen, mit enttäuschten Hoffnungen, nostalgisch. Trägt er
autobiographische Züge?
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Mario
Conde ist eine fiktive Figur. Ursprünglich Polizist in den ersten
vier Romanen. Dann hört er auf, handelt mit Büchern aus zweiter
Hand und betätigt sich als
Detektiv. Er
ist ein Mann meiner
Generation mit den Erfahrungen des Lebens meiner Generation in Kuba
und einer Reihe von Zügen, die seine sind, die aber meinen nahe
kommen: Sein Gefallen
an der Literatur, an Büchern, sein Verhältnis zu Freunden – sehr
kubanisch, aber mit charakteristischen Eigenheiten. Zu romantisch für
seine Arbeit. Er hat einen pessimistischen Charakter in Bezug auf die
Wirklichkeit und eine Art, sich durch Ironie gegen die Aggressionen
der Welt zu verteidigen, die
ihn umgibt. Vor allem teilt
er mit mir die Sicht auf die kubanische Realität aus der Perspektive
eines einfachen Mannes.
Mario Conde ist kein Intellektueller, hat keine herausgehobene
politische oder wirtschaftliche Stellung. Er ist ein normaler,
einfacher Mann und aus dieser Perspektive schaut er auf die Realität.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Viele
„Kubanologen“ sehen in Ihren Romanen die besten soziologischen
Studien über die zeitgenössische kubanische Gesellschaft, denn
solche Studien im eigentlichen Sinne gibt es ja nicht. „Die
Durchlässigkeit der Zeit“ führt die Leserinnen und Leser in eine
Halbwelt der Homosexuellen, der „Palestinos“ („Palästinenser“
– halblegale Zuwanderer aus dem Osten der Insel) und der illegalen
Geschäfte mit Kunstwerken. Haben Sie Probleme mit den Behörden
bekommen, wenn Sie solche Themen aufgreifen?
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
In
gewisser Weise versuche ich, eine literarische Chronik des
zeitgenössischen Lebens in Kuba zu schreiben – ich betone: von der
Literatur aus. Es gibt viele Perspektiven, über die Wirklichkeit zu
schreiben: Historisch, soziologisch, journalistisch. In
meinem Fall ist es romanhaft. Ich
versuche also,
diese fiktive Chronik des zeitgenössischen Lebens in Kuba zu
schreiben. Im Fall der Romane mit Mario Conde zum Beispiel bin
ich mit ihm durch
die Jahre 1989 bis 2016
gegangen,
zuerst als Polizist und dann als Verkäufer von Büchern aus zweiter
Hand. „Der Mann, der Hunde liebte“ handelt von der Wahrnehmung
der egalitären Utopie des 20. Jahrhunderts und vom Stalinismus. Mein
Diskurs ist dabei nicht derselbe wie der offizielle kubanische. Das
hat dazu geführt, dass ich als Schriftsteller in Kuba eine sehr
geringe Sichtbarkeit habe. Ich stehe nicht in der Zeitung, bin nicht
im Fernsehen oder im Radio präsent.
Meine Bücher werden in Kuba wenig und schlecht publiziert. Aber ich
habe alle möglichen Preise bekommen, einschließlich des
kubanischen Literaturpreises. Das kubanische System ist weniger
kompakt als das der Sowjetunion. Aber ich lebe in Kuba, schreibe über
Kuba – doch wo ich die geringste mediale Präsenz habe, das ist in
Kuba.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Aber
in kulturellen und intellektuellen Kreisen liest man Sie?
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Ja, durchaus. Viele Leute
lesen meine Bücher. Aber sie lesen sie über die elektronischen
Medien. Mein jüngstes Buch, „Personas Decentes“, kam in Spanien
am 28. August letzten Jahres heraus und am 1. September gab es schon
eine Raubkopie in Kuba im Netz.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Ich möchte auf das Thema
der großen Einkommensunterschiede zurückkommen. In „Die
Durchlässigkeit der Zeit“ wird Mario Conde in ein Restaurant im
Stadtteil „El V
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      e
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      dado“ von Havanna eingeladen, über
das er dann sagt, seine Freunde und Kollegen
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      hätten keine
Vorstellung, dass es so etwas überhaupt gibt. Ich habe persönlich
auch den Eindruck, dass hier eine Neob
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      o
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      urgeoisie
entsteht.
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Ja, ja.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Und
die wächst. Das stellt doch eine Herausforderung für das System
dar. Wohin führt diese Entwicklung?
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Wie sich das in Zukunft
entwickeln wird, weiß ich nicht. Es ist sehr schwierig, die Zukunft
vorherzusagen. Überall auf der Welt. In Kuba ist es nahezu
unmöglich, weil uns Information fehlt. Die kubanische Gesellschaft
ist ja sehr wenig transparent. Das System generell und besonders das
Finanzsystem ist derart deformiert, dass man nicht weiß, was etwas
kostet. Man kann einen Artikel finden um 40 kubanische Pesos und am
anderen Tag zahlt man 40 Dollar dafür. Und auch das Verhältnis des
Peso zum Dollar schwankt stark. Mal entspricht der Peso dem Dollar,
dann liegt der Dollar bei 24 Pesos und am Schwarzmarkt bei 200. Im
Augenblick gibt es Leute, die wegen ihrer Beziehungen oder wegen
ihrer Fähigkeiten private Unternehmen besitzen, und einige davon
machen viel Geld. Das Problem ist die Ineffizienz der kubanischen
Regierung. Es passieren viele undurchsichtige Dinge, aber was ich
spüre ist: Da bewegt sich eine Menge Geld von der wir nicht wissen
wo es herkommt und wo es hingeht. 

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Ihr
letzter Roman, „Wie Staub im Wind“, handelt von einer Gruppe von
Freunden aus einer desillusionierten Generation, die sich
auseinanderlebt. Fast alle möchten Kuba verlassen. Doch die
Geschichte handelt auch von der Liebe als Verbindendem, der
untereinander und der Liebe zu Kuba. Haben die Kubaner ein besonderes
Verhältnis zu ihrer Insel?
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Ja. Ich glaube wir Kubaner
haben ein besonders inniges Verhältnis zu dem Land, zu dem wir
gehören. Wie überall, denke ich. Das Problem ist, wenn man
beschließt, irgendwo anders zu leben, sagen wir in Südafrika oder
Europa, dass dies mit Schwierigkeiten verbunden ist. Mal durfte man
überhaupt nicht raus, mal nicht wieder zurück. Eine Schlüsselfigur
in meinem Roman sagt an einer Stelle: „Die Gründe zu gehen, sind
triftig. Die Gründe zu bleiben, sind es auch.“ Darum geht es.
Beides sollte man respektieren.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Wed, 31 May 2023 09:39:00 GMT</pubDate>
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    </item>
    <item>
      <title>Vereinte Nationen: Neue lateinamerikanische Initiativen zur Drogenpolitik</title>
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      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
                  
  
Das Kokablatt ist fest in
der Kultur und der Kosmovision der Andenvölker verankert. Als
Grundstoff für die Kokainherstellung ist es aber international
geächtet. Bolivien hat nun einen neuen Ansatz gestartet, diese
„historische Ungerechtigkeit“ aufzuheben. Kolumbien unterstützt
den Vorstoß und kündigt seinerseits eine neue Drogenpolitik an, die
unter dem Motto „paz total“ in den Friedensprozess eingebettet
sein soll. In der Vergangenheit waren solche Bestrebungen isoliert
und auf halbem Wege stecken geblieben. Heute hat sich die Stimmung
geändert. Wirklich?

                &#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/s/4e3a91da2fa849afa260009be23256a9/dms3rep/multi/kokabauer.jpg" alt="" title=""/&gt;&#xD;
  &lt;span&gt;&#xD;
  &lt;/span&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Vom 13.-17. März fand in der
Wiener UNO-City die 66. 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      UN C
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      o
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      mmission on Narcotic
Drugs
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
     (CND) statt. Zum ersten Mal seit der Pandemie trafen sich
die Delegierten aus aller Welt wieder ohne Einschränkungen. Mit
Abstand ranghöchster Vertreter war der bolivianische Vizepräsident
David Choquehuanca.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Der Mann aus dem Volk der
Aymara trägt einen roten Poncho als er mit bedächtigen Bewegungen
ans Rednerpult tritt und sein Glas hebt: „Milch“, sagt er nach
einer längeren rhetorischen Pause zum Erstaunen der Zuhörer. „Die
Milch der Mutter Erde, von der wir alle leben. Wir sind alle Brüder
und Schwestern, alle gleich, aber auch unterschiedlich. Und nicht nur
wir leben von der Milch der Mutter Erde. Auch die Tiere und
Pflanzen.“ Und dann spricht er von der Harmonie im Kosmos und vom
Kokablatt, das diese Harmonie perfekt verkörpere und das für die
Andenvölker heilig sei: „Im Jahr 1961 hat die UNO Drogenkonvention
einen historischen Irrtum begangen, ein Attentat auf die
ursprünglichen Völker, indem sie das Kokablatt innerhalb der
nächsten 25 Jahre zum Aussterben verurteilte. Auf dieses Urteil
antwortete das Kokablatt: ‚Ich bin Tausende von Jahren alt. Ich bin
Ausdruck des Lebens in perfektem Gleichgewicht‘, sagte es zur
Konvention. ‚Ich bin Gesundheit, ich bin Nahrung, ich bin
tausendjährig, ich bin unzerstörbar.‘“ Am Ende seiner Rede
erhält er 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      standing ovations 
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    von
den gut hundert bei diesem 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      side-event
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
anwesenden NGO-Vertretern und Diplomaten.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Am Vortag, bei seiner Rede vor
dem Plenum, war es unspektakulärer. Auch hier trug der ranghohe Gast
einen roten Poncho, trat ansonsten aber ohne Showeffekte auf, erschien pünktlich und
hielt sich fast genau an die fünfminütige Redezeit. Im Mai will
Bolivien offiziell einen Antrag an den UNO-Generalsekretär stellen:
Das Kokablatt soll aus der Liste No. 1 der UNO-Drogenkonvention von
1961 gestrichen werden, wo es zusammen mit Substanzen wie Kokain und
Heroin aufgelistet ist und dem strengsten Kontrollregime unterliegt.
Dazu wird ein Expertenkomitee der Weltgesundheitsorganisation WHO ein
Gutachten erstellen und die Mitgliedsstaaten haben dann 18 Monate
Zeit zur Formulierung von Einwänden, bevor der Wirtschafts- und
Sozialrat (ECOSOC) eine Entscheidung trifft.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Bereits im Jahr 2009 war
Präsident Evo Morales nach Wien gekommen. Eine neue Verfassung hatte
das Kokablatt soeben in Artikel 384 zum schützenswerten „andinen
Natur- und Kulturerbe“ erklärt. Ein Kokablatt zum Mund führend
hatte er damals im Plenum den Chef des UNO-Drogenkontrollprogramms
UNODC aufgefordert: „Und nun müssten Sie mich eigentlich anzeigen.
Und deshalb bin ich gekommen: Damit die internationalen Bestimmungen
in Einklang kommen mit der Kultur meines Landes – und nicht
umgekehrt.“ Auch da hatte es Applaus eines Teils der Delegierten
gegeben. Rappelvoll war der Saal. Alle wollten den jungen, feschen,
indigenen Präsidenten aus ärmsten Verhältnissen und mit den
radikalen Ansichten sehen, der mit Verspätung kam,
herausfordernd-provokativ und seine Redezeit deutlich überzog.
Indes: Damals machte Bolivien unmittelbar einen Rückzieher und
beantragte nur die Streichung zweier Unterparagraphen (Art. 49/1c und
2e) aus der Konvention, die ein Verbot von Konsum und Anbau des
Kokablattes  verlangen. Selbst dies scheiterte damals am Widerspruch
einer Reihe selbsterklärter „Freunde der Konvention“. In einem
Akt einmaliger Präzedenz trat Bolivien daraufhin als erstes Land am
1. Februar 2013 aus der UNO-Drogenkonvention aus – und unter
Vorbehalt gegen die Artikel 49/1c und 2e wieder bei, wodurch das
Kokablatt dort quasi unter Hausarrest steht. Der Export bleibt
verboten. Geändert hat das am Status quo im Grunde nichts, denn
bereits die UN-Konvention von 1988 hatte Anbau und Konsum
ausnahmsweise gestattet, wo sie historisch und kulturell nachgewiesen
sind. Das gilt neben Bolivien auch für Peru und indigene Territorien
Kolumbiens.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Im gleichen Jahr 2009 erklärte
eine Lateinamerikanische Drogenkommission um die Expräsidenten
Zedillo, Gavíria und Cardoso, die rasch zu einer Internationalen
Drogenkommission mutierte, die internationale Drogenpolitik für
gescheitert und forderte Reformen. Doch der bolivianische Vorstoß
blieb isoliert und auf halben Wege stecken. Abgesehen vom Kokablatt
betrieb Bolivien eine sehr konservative Drogenpolitik und beteiligte
sich auch nicht an der Internationalen Drogenkommission, deren
Initiative immerhin in eine Sondergeneralversammlung (UNGASS 2016)
zum Thema Drogen mündete, die „erweiterte
Interpretationsspielräume für die Konvention“ einräumte, um sie
als Ganzes zu retten. Im Jahr des bolivianischen Aus- und
Wiedereintritts 2013 schuf Uruguay als erster Nationalstaat einen
regulierten und legalen Markt für Cannabis. Etliche US-Bundesstaaten
waren dem vorausgegangen und seitdem folgte eine Reihe weiterer
Länder, die mit unterschiedlichen Modellen ihre Drogenpolitik am
Rande oder jenseits der Bestimmungen der Konvention gestalten. Den
Cannabis-“Legalisierungen“ gilt heute die Hauptsorge des INCB
(
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      International Narcotics Control Board
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    ), der UNO
Wächterorganisation über die Einhaltung der Konventionen, und die
USA, die stets Hauptprotagonist des „Drogenkriegs“ waren, sind
heute mit der Eindämmung der Fentanyl-Krise beschäftigt, die Opfer
in bisher unbekanntem Ausmaß fordert.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Sind also heute die Chancen
für eine Entkriminalisierung des Kokablattes größer? Einerseits
hat die Welt ganz andere Sorgen. Andererseits ist die
herkömmliche Drogenpolitik in Bausch und Bogen gescheitert. Nach
einem halben Jahrhundert angebotsorientiertem „Drogenkrieg“
liegen die Kokain- und die Heroinproduktion auf Rekordniveau. Das
gilt auch für deren pflanzliche Ausgangsprodukte Koka (Bolivien,
Kolumbien und Peru) bzw. Schlafmohn (Afghanistan, Myanmar). Eine
wachsende Zahl von Ländern hält Prävention und Therapie inzwischen
für zielführender als deren Bekämpfung, die eine Menge negativer
Begleiterscheinungen hatte. „Drogenkonsum kann töten“, sagte der
UNO Hochkommissar für Menschenrechte, der Österreicher Volker Türk,
in seinem Videostatement zum Auftakt der diesjährigen Kommission:
„Drogenpolitik aber auch“. Er wandte sich damit insbesondere
gegen die Todesstrafe im Zusammenhang mit Drogendelikten. Doch
jahrzehntelang waren auch die Kokabauern der Andenländer Zielscheibe
des „Drogenkriegs“. Kolumbien, das einen hohen Preis an
Menschenleben und Bauernvertreibungen bezahlt hat, kündigte unter
dem Motto „paz total“ eine neue Drogenpolitik an, die in den
Friedensprozess eingebettet sein soll und insbesondere die Bauern aus
der Schusslinie nehmen will. „Wir sind es leid, die Toten zu
stellen“, sagte Delegationsleiterin Laura Gil. Bogotá unterstützte
explizit den bolivianischen Vorschlag. Und auf Initiative des
mexikanischen Präsidenten López Obrador soll es im August in Bogotá
eine internationale Konferenz zur Koordination dieser Politiken
geben. Man darf gespannt sein.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Andererseits sind den durchaus
radikalen Ankündigungen von Präsident Gustavo Petro zwar noch kaum
Veränderungen gefolgt, aber elf einschlägige US-Delegationen, die
zwischen Juli und Dezember 2022 Bogotá besuchten. Unterdessen gingen
die Zwangseradikationen von Kokafeldern weiter. Zwischen August und
Dezember 2022 wurden 23.000 Hektar vernichtet, ein Rhythmus
vergleichbar mit dem der Regierung Duque in ihrem letzten Semester.
Und Pedros Offerte an die Chefin des US Southern Commands, Laura
Richardson, Waldbrände im amazonischen Regenwald gemeinsam zu
bekämpfen, mag in Brasilia, Caracas und La Paz womöglich
ungläubiges Staunen verursacht haben. Dieselbe Generalin Richardson
übrigens, die sich in jüngster Vergangenheit wiederholt
aufsehenerregend um den schwindenden US-Einfluss im Lithiumdreieck
(Argentinien, Bolivien und Chile) gesorgt hatte. Die Monroe-Doktrin
lässt grüßen. Man darf also doppelt gespannt sein, inwieweit die
internationalen Initiativen ernst gemeint sind oder inwieweit sie
sich primär an das heimische Publikum richten. Die bolivianische
Delegation in Wien wurde von Vizepräsident David Choquehuanca und
Innenminister Eduardo del Castillo angeführt. Ersterer gilt als
stärkster innerparteilicher Widersacher des Expräsidenten und
Kokabauernführers Evo Morales, der wiederum fast im Wochenrhythmus
den Rücktritt von Letzterem fordert. Sympathien bei Morales’
Kernbasis, den Kokabauern, zu gewinnen könnte also zumindest ein
willkommener Nebeneffekt ihres Besuches in Wien gewesen sein.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Tue, 18 Apr 2023 13:52:31 GMT</pubDate>
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      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Lateinamerika: Zwischen 'Progresismo' und Regression</title>
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      <description />
      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
                  
  Die aktuellen Unruhen in Peru sind nur das jüngste Beispiel für Kämpfe um soziale Gerechtigkeit und Emanzipation, die seit einem Vierteljahrhundert in Lateinamerika toben.

                &#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/s/4e3a91da2fa849afa260009be23256a9/dms3rep/multi/b6a.jpg" alt="" title=""/&gt;&#xD;
  &lt;span&gt;&#xD;
  &lt;/span&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Ende Januar schaffte es Peru
in die Schlagzeilen und die Hauptabendnachrichten: „Proteste in
Peru laufen aus dem Ruder“, titelte der ORF. Papst Franziskus
schloss Peru in sein Angelus-Gebet ein und der UNO-Hochkommissar
sandte endlich einen Sonderbeauftragten nach Lima, der Aufklärung
über Menschenrechtsverletzungen verlangte und darüber, wie sie
künftig verhindert werden könnten. Zu diesem Zeitpunkt wurde die
Zahl der Todesopfer bereits mit etwa 50 beziffert, bis auf wenige
Ausnahmen Zivilisten und getötet mit Waffen, wie sie das Militär
verwendet.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    An
jenem Wochenende um den 20.-22. Januar 2023 hatten Protestbewegungen
aus dem ganzen Land zu einem Sternmarsch auf Lima aufgerufen unter
dem Motto: „Toma de Lima“, die Hauptstadt sollte „eingenommen“
werden. Der Marsch war deklariert als „Marcha de los Suyus“ –
eine klare Anspielung auf die indigene Protestkomponente, hatte sich
doch das Inkareich bis zur Conquista 1532/33 als Tawantinsuyu
verstanden, als Reich der vier Regionen: Chinchay Suyu im Norden bis
ins heutige Ecuador, Kunti Suyu an der Pazifikküste im Westen, das
Qolla Suyu im Andenhochland einschließlich des heutigen Bolivien und
das Anti Suyu in Amazonien. Doch diesen Kontext hatte die hiesige
Journalistik weder im Auge, noch im Kopf, als sie sich besonders um
den Tourismus rund um die ehemalige Inkahauptstadt Cusco sorgte und
um Besuchergruppen, die in Aguas Calientes unterhalb der Ruinen von
Machu Picchu festsaßen, weil die Bahnverbindung unterbrochen war.
Blockaden von Straßen- und Eisenbahnverbindungen sowie Versuche,
Flughäfen zu besetzen, dauerten zu diesem Zeitpunkt bereits seit
sechs Wochen an. Die Proteste hatten vor allem im südlichen Hochland
ihren Ausgang genommen, in den Provinzen Arequipa, Cusco und Puno am
Titicaca-See. Doch inzwischen war in einem Drittel der Provinzen der
Ausnahmezustand verhängt worden. Die gewalttätige Repression der
Staatsmacht hatte sie nur umso mehr befeuert. Sie sind getragen von
Gewerkschaftsorganisationen, Bauern, indigenen Organisationen,
zunehmend  auch von Studenten. Die Mittelschichten fehlen weitgehend
(noch). Im Gegensatz zur Behauptung der Regierung, sie seien von
Drogenhändlern, illegalen Minenarbeitern, Extremisten des „Sendero
Luminoso“ (der seit drei Jahrzehnten als zerschlagen gilt) und vom
benachbarten Bolivien gesteuert, scheinen sie weitgehend spontan
gewesen zu sein. Es ist keine klare Führung auszumachen und die
Forderungen sind uneinheitlich: Rücktritt der „Interimspräsidentin“
Dina Boluarte und Neuwahlen, Freilassung des abgesetzten Präsidenten
Pedro Castillo, Einberufung einer Verfassunggebenden Versammlung sind
die wichtigsten darunter. Eine zunehmend größere Rolle spielt auch
die Forderung nach Bestrafung der Verantwortlichen für die harte
Repression. Darüber hinaus herrscht auch eine profunde Ablehnung des
politischen Systems und seiner Repräsentanten, wie sie im
allgegenwärtigen Slogan „que se vayan todos“ – sie sollen alle
abhauen – zum Ausdruck kommt.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Auslöser
der Proteste waren der Sturz und die Verhaftung des gewählten
Präsidenten  Pedro Castillo am 7. Dezember 2022 nach nur 16 Monaten
im Amt. Pedro Castillo ist
ein Grundschullehrer und Gewerkschafter aus einer Kleinstadt der
Region Cajamarca im Norden. Der politische Newcomer gehörte der sich
als marxistisch-leninistisch bezeichnenden Partei „Perú
Libre“ an und setzte sich in der Stichwahl gegen die im politischen
Establishment bestens vernetzte Tochter des autoritären und später
zu einer langjährigen Gefängnisstrafe verurteilten Expräsidenten
Alberto Fujimori ganz knapp durch. Beide,
Pedro Castillo und Keiko Fujimori, hatten es im ersten Wahlgang nicht
auf 20 Prozent der Stimmen gebracht. Unter
dem Motto „keine Armen mehr im reichen Peru“ trat er am 7. Juli
2021 seine Präsidentschaft an.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Der Präsident vom Lande hatte
keine Mehrheit im Kongress. Die städtischen Eliten standen ihm
misstrauisch bis feindselig gegenüber und stellten, mit tätiger
Mitwirkung der Medien, die sich in ihren Händen befinden, von
Anbeginn seine Befähigung  in Frage. Hautfarbe und Hochsprache, wie
sie von den Eliten in Lima gesprochen wird, sind die zwei wichtigsten
Kriterien für rassistische Stigmatisierung. Von Anfang an hatte er
es mit teils offen rassistischen Anfeindungen,
Korruptionsermittlungen und Amtsenthebungsverfahren zu tun. Dutzende
Gesetzentwürfe wurden abgelehnt. Planlosigkeit, konfuse
Entscheidungen, mangelnde Transparenz und die Berufung unfähiger
Leute waren Wasser auf die Mühlen seiner Gegner. Wertkonservative
bis reaktionäre Haltungen – etwa in Fragen der sexuellen
Orientierung – brachten aber auch Sympathisanten zum Stirnrunzeln.
Bereits nach einem Vierteljahr Amtszeit raubte das Parlament der
Regierung mit dem Ley 31.355 vom Oktober 2021 die Möglichkeit,
Verfassungsreformen durchzusetzen, den Kongress aufzulösen und
Parlamentswahlen auszurufen. In 495 Amtstagen hatte Castillo fünf
Kabinette mit 78 Ministern, überstand zwei Amtsenthebungsverfahren
und unzählige politische Skandale.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Um
einem dritten Amtsenthebungsverfahren zuvorzukommen, kündigte
Castillo am 7. Dezember die Auflösung des Parlaments an. Unter den
gegebenen Umständen politischer Selbstmord. Stattdessen wurde er
unter dem Vorwurf eines versuchten Staatsstreichs und „moralischer
Unfähigkeit“ vom Parlament abgesetzt
und verhaftet.
Nachfolgerin wurde Vizepräsidentin Dina Boluarte. Ebenfalls
aus der Partei „Perú
Libre“ stammend und
politisch unerfahren, war sie
von Pedro Castillo erst
Anfang 2022 als
Verlegenheitslösung zur
Vizepräsidentin berufen worden, nachdem sein Wunschkandidat, der
Mediziner Vladimir Cerrón
Rojas, wegen juristischer
Hindernisse ausgefallen war. Sie ist legitime, verfassungsmäßige
Nachfolgerin, wird es aber schwer haben, sich mit der
Verantwortung für so viele Tote
zu behaupten. Drei ihrer
Minister sind schon zurückgetreten. Schwer zu sagen, ob es einen Weg
des Dialogs gegeben
hätte, aber sie hat von Anfang an darauf gesetzt, lange im Amt zu
bleiben und ihre Macht polizeilich-militärisch abzusichern. Wahlen
sind erst
für
April 2024 angesetzt. Vorgezogene
Neuwahlen – inzwischen auch
von Boluarte selbst ins
Spiel gebracht – wurden vom Parlament mehrmals
verworfen, allerdings mit
zunehmend schwindenden Mehrheiten. Eigentlich
starker Mann ist ihr Verteidigungsminister Luis Alberto Otárola, der
inzwischen zum Ministerpräsidenten aufgestiegen ist. Boluarte hat
sich damit rechten
Hardlinern ausgeliefert.
Sollte auch sie zurücktreten, wäre mit Parlamentspräsident José
Williams ein ultrarechter pensionierter Armeegeneral der
verfassungsmäßige Nachfolger.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Es handelt sich um eine
Dauerkrise. Peru hatte in fünf Jahren sechs Präsidenten. Alle
schieden unfreiwillig aus dem Amt. Viele sind mit der Justiz
konfrontiert und einer, Alan García, hat sich erschossen, um einem
Korruptionsverfahren zu entgehen. Ungeachtet des politischen Chaos
steht Peru mit soliden Wachstumsraten da. Aber mehr als 50 Prozent
des Bruttoinlandsprodukts werden im Großraum Lima erwirtschaftet und
ein großer Teil der Bevölkerung ist vom Wohlstand ausgeschlossen.
Während der Pandemie ist die Armutsquote von 20 auf 30 Prozent
angewachsen. Die Grenze zwischen Arm und Reich verläuft parallel zu
der zwischen indigen und nicht-indigen. Lima und das Landesinnere,
das sind zwei verschiedene Welten. Pedro Castillo, der für 36 Monate
in Untersuchungshaft sitzt, ist –
politisch möglicherweise unverdientermaßen – zu einer
gewissen Identifikationsfigur für die Unterdrückten und Beleidigten
(Dostojewski), die Bauern und Indigenen, die Armen und
Marginalisierten geworden. Der Historiker Gustavo Montoya von der

    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Universidad 
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Nacional Mayor de San Marcos
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
     sieht die
derzeitige Situation auch als historische Chance, darüber
nachzudenken, welchen Staat Peru hat und in welchem Verhältnis Staat
und Gesellschaft zueinander stehen. Vieles wird davon abhängen,
inwieweit sich die spontanen Proteste weiter  verstetigen, sich
organisatorisch zusammenfügen und eine Führung finden.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Demokratie
als u
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      mkämpftes Terrain
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Anders
geartet, aber in frischer Erinnerung ist der Sturm auf die
Regierungsgebäude in Brasilia nach dem Wahlsieg von Lula da Silva am
8. Januar, der nach ähnlichem Drehbuch abzulaufen schien, wie zwei Jahre zuvor der Sturm paramilitärisch organisierter Trump-Anhänger
auf das Kapitol in Washington. In beiden Fällen geschah dies unter
Vorwürfen von Wahlbetrug, den die Protagonisten jeweils schon vor
der Wahl prophezeiten. In Brasilia richteten sie sich gegen einen
Wahlsieger und frisch ins Amt eingeführten Präsidenten unter
Mithilfe von Teilen der Sicherheitskräfte. In Washington wurden sie
mutmaßlich von einem noch amtierenden Präsidenten gegen den
Wahlsieger orchestriert. Die Parallelen scheinen weniger erstaunlich,
wenn man weiß, dass die extreme Rechte weltweit gut vernetzt ist.
Eduardo Bolsonaro, Sohn des abgewählten brasilianischen Präsidenten,
ist beispielsweise Verbindungsmann von Trump-Berater Steve Bannon
nach Südamerika. Zu diesen Netzwerken lohnen weitere Recherchen und
Forschungen.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Schon im Herbst 2019 war ich
zu einer Serie von Veranstaltungen eingeladen mit der Frage:
„Flächenbrand in Lateinamerika?“ In Chile, Ecuador und Kolumbien
waren damals Proteste gegen das neoliberale wirtschaftliche Modell
eskaliert, die von Fahrpreiserhöhungen beziehungsweise
Benzinpreissteigerungen ausgegangen waren. In Chile führten sie zu
einem Linksruck, einem Regierungswechsel und einem Verfassungsprozess
zur Ablösung der alten Pinochet-Verfassung. In Kolumbien wurde
letztes Jahr mit Gustavo Petro zum ersten Mal ein Linker zum
Präsidenten gewählt. In Bolivien wurde dagegen 2019 mit Evo Morales
der Repräsentant eines Gegenmodells zum Neoliberalismus und
Hoffnungsträger der Linken gestürzt, der bereits bei den Wahlen vom
Oktober 2005 durch einen Erdrutschsieg an die Macht gekommen war, 
was auch als Revolution mit dem Stimmzettel bezeichnet wurde. Ein
Jahr später, 2020, erzwangen die sozialen Bewegungen dort Neuwahlen,
die wiederum die alte Regierungspartei MAS (
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Movimiento al
Socialismo
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    ) mit absoluter Mehrheit gewann. Damit ist dort der
Prozess des Wandels (
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      proceso de cambio
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    ) zurück. Die MAS
selbst ist allerdings heute von Spaltung bedroht. Statt von einer
Wellenbewegung zwischen Links und Rechts, zwischen fortschrittlichen
und regressiven Kräften, darf man also eher von einem permanenten
Machtkampf sprechen.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Nach einer Epoche der
Diktaturen in den 1960er bis 1980er Jahren und zwei bis drei
Jahrzehnten Neoliberalismus und Rückkehr zur Demokratie steht der
Halbkontinent makroökonomisch ganz gut da und formaldemokratisch
leidlich stabil. Das ändert sich gerade mit den Folgen der Pandemie
und der drohenden Rezession. Peru beispielsweise steht im 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      H
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      uman
Development Index
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
     der Vereinten Nationen unmittelbar nach Kuba
(83) auf Rang 84 vor Mexiko (86), Brasilien (87), Kolumbien (88) und
Ecuador (95). Lateinamerika ist aber die Region mit der markantesten
sozialen Ungleichheit, der höchsten Kriminalität und einem
ausgeprägten Hang zu gewalttätigen Konfliktlösungen. 

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Seit einer Welle
„progressistischer“ Regierungen tobt ein heftiger Machtkampf,
nicht mehr so sehr mit dem Militär oder Guerillagruppen, sondern an
der Grenze zum „
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      low intensity conflict
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    “ mit
Straßenprotesten, Blockaden und Prozessen (
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      lawfare
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
     statt

    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      warfare
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    ). Den Anfang machte 1999 Hugo Chávez in Venezuela,
gefolgt von Lula da Silva in Brasilien (2003), Néstor Kirchner in
Argentinien (2003), Tabaré Vasquez in Uruguay (2005), Evo Morales in
Bolivien (2006), Rafael Correa in Ecuador (2007). In Argentinien,
Brasilien und Bolivien kam zwischenzeitlich die Rechte zurück – in
Uruguay und Ecuador ist sie noch an der Regierung. In Chile und
Kolumbien gibt es neuerdings mit Gabriel Boric und Gustavo Petro
Linksregierungen, die vor großen Herausforderungen stehen. In Chile
ist das Verfassungsprojekt der Regierung Boric zunächst im
Referendum vom 4. September 2022 mit 62:38 Prozent krachend
gescheitert. Auch sie verfügt über keine Mehrheit im Parlament und
ist mit finanzkräftigen alten Eliten konfrontiert, die die Medien
kontrollieren und vor einer „Venezolanisierung“ und dem
Kommunismus warnen. Ein wichtiger Grund der Ablehnung des
Verfassungsentwurfs war das plurinationale Staatsmodell, das heißt
die Aufwertung der indigenen Völker. Nicht hilfreich war die
fehlende Einheit der Linken im Allgemeinen und das allzu radikale
Auftreten gewisser Gruppen im Besonderen.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Die genannten Präsidenten der
ersten „Linkswelle“ – man könnte beispielsweise noch Michelle
Bachelet in Chile (ab 2006) hinzufügen - verfolgten durchaus
unterschiedliche politische Agenden, wie sie vage als
„progressistisch“ bezeichnet werden. Sie alle waren aber mit
steifem Gegenwind konfrontiert. Hugo Chávez, der 1998 mit 56 Prozent
der Stimmen gewählt und im Jahr 2000 auf der Grundlage einer neuen
Verfassung mit 60,3 Prozent bestätigt worden war, wurde im April
2002 mit Unterstützung Washingtons kurzfristig aus dem Amt
geputscht. Er gewann übrigens alle Wahlen und Abstimmungen von
1998-2012, mit Ausnahme des Referendums um eine Verfassungsänderung
2007, dessen Ergebnis er respektierte. Zum Teil antworteten sie mit
dem Rückgriff auf populistische und autoritäre Herrschaftstechniken
bis zu einem Punkt, wo sie nicht mehr als Vorbild dienen, sondern als
abschreckendes Beispiel. Wo sie konnten, nutzten sie die Konjunktur
und stützten ihre Modelle auf den Verkauf nicht erneuerbarer
Rohstoffe (Extraktivismus), wie Öl und Gas, um Sozialprogramme zu
finanzieren – und verzichteten dabei auf strukturelle
Veränderungen, wie wirtschaftliche Diversifizierung.
„Progressistisches“ Regieren war nicht frei von Widersprüchen,
persönlichen Ambitionen und Korruption. In Ecuador, wo unter Rafael
Correa in einer neuen Verfassung umfänglich indigene Rechte und zum
ersten Mal die Rechte der „Mutter Erde“ festgeschrieben wurden,
hinkte die Umsetzung derart hinter dem Anspruch her, dass Correa 2017
ins Exil ging. Nachfolger Lenin Moreno fiel durch den Gegensatz von
progressistischer Rhetorik und neoliberaler Politik auf. Im Herbst
2019 ließ er Proteste blutig niederschlagen. Die Beziehungen
zwischen dem (ehemals) progressistischen und dem indigenen Lager
waren schließlich derart zerrüttet, dass man im Jahr 2021 einen
Wahlsieg quasi verschenkte. Während der „Correist“ Andrés Arauz
den ersten Wahlgang mit 14 Prozentpunkten Vorsprung gewonnen hatte
und Yaku Pérez (Pachakutik) das bislang beste Ergebnis für das
indigene Lager holte, gewann der neoliberale Guillermo Lasso die
Stichwahl, der im ersten Wahlgang nur 19,5 Prozent holen konnte.
Statt ein Bündnis einzugehen, bekämpfte man sich.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Qollasuyu
– andine Gemeinsamkeiten
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Dina
Boluarte und Jeanine Añez
haben Vieles gemeinsam. Auch wenn die eine den Jahreswechsel auf dem
Präsidentensessel des 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Palacio
de Gobierno
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
in
Lima verbrachte
und die andere hinter Gittern in La Paz.
Beide kamen unverhofft zur Präsidentschaft. Beide wurden dazu
eingeladen, nicht gewählt. Vizepräsidentin
Boluarte
wurde es dann
durch
die überraschende Entfernung ihres Vorgesetzten aus dem
Präsidentenamt. Añez
wurde durch eine Versammlung von Ex-Politikern,
mehrheitlich aus dem Umfeld des Ex-Diktators
Hugo Banzer, ausgewählt,
die in der 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Universidad
la Católica
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
von La Paz tagten, nicht im Parlament. Keiner von ihnen hatte
irgendein Mandat. Unter tätiger Mithilfe der Katholischen
Kirche und des damaligen EU-Botschafters, León de la Torre, wollten
sie ein Machtvakuum füllen, an dessen Entstehung sie regen Anteil
hatten. Die
Vorgänge sind Gegenstand laufender Gerichtsverfahren. Auch
Evo Morales, der gewählte Amtsvorgänger von Frau
Añez,
wurde
aus dem Amt entfernt, und zwar unter Vorwürfen des Wahlbetrugs.
Schon im Vorfeld der Wahlen vom
Oktober 2019 behauptete die Opposition, dass es Wahlbetrug geben
würde und es gab gewalttätige Übergriffe auf Kundgebungen und
Büros der Regierungspartei MAS. Organisiert wurden sie von
sogenannten
Zivilkomitees, besonders dem der größten Stadt Santa Cruz, dem Luis
Fernando Camacho vorstand und unter Beteiligung paramilitärischer
Schlägertrupps wie der 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Unión
Juvenil Cruce
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      ñ
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      ista
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
und der 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Resistencia
Juvenil Cochala
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    .
Als es dann bei der Schnellauszählung am Wahlabend zu
Unregelmäßigkeiten kam, die von Wahlbeobachtern der OAS vorschnell
öffentlich gemacht wurden (wirklich bewiesen wurde ein Wahlbetrug
bis heute nicht) eskalierten die Proteste. In
sechs von neun Departementshauptstädten gingen die Büros der
Wahlkommission in Flammen auf. Schlechtes Krisenmanagement der
Regierung tat ein Übriges. Schließlich stand der Wahlsieg der MAS
als solcher (mit rund 47 Prozentpunkten)
trotz herber Verluste gar nicht in
Zweifel. Es ging um 10 Prozentpunkte Abstand
vor
dem Zweitplatzierten,
die laut
Wahlgesetz nötig
sind, um eine Stichwahl
zu vermeiden. Als dann noch eine Polizeimeuterei ausbrach und die
Militärführung
Morales den Rücktritt nahelegte, flohen Präsident und Vizepräsident
außer Landes. Weder hatten sie ihren Rücktritt offiziell
eingereicht, noch war dieser vom Parlament angenommen worden, wie es
die Verfassung vorschreibt. Auch wäre Frau Añez
als zweite Vize-Präsidentin des Senats nicht an der von der
Verfassung definierten Reihe der Nachfolger gewesen. Trotzdem wurde
sie in den westlichen Hauptstädten genauso schnell anerkannt wie die
legitime Nachfolgerin Boluarte in Peru. Wie Boluarte dachte auch Frau
Añez
rasch
an mehr als nur eine Interimspräsidentschaft. Ein ums andere Mal
wurde ein möglicher Wahltermin unter Hinweis auf die Pandemie
verschoben und bereits nach zwei Monaten gab Añez
bekannt, dass auch sie kandidieren wolle – sehr zur Empörung des
Zweitplatzierten bei der umstrittenen Wahl, Carlos D. Mesa. Wie
Boluarte ließ sie ihre Präsidentschaft polizeilich-militärisch
absichern. Abgeordneten
der Regierungspartei, die über die absolute Mehrheit verfügte,
wurde an den entscheidenden Tagen
ihrer Machtergreifung der Zugang zum Parlament verwehrt. Es kam zu
Massakern gegen
protestierende MAS-Anhänger.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Zwischen
Castillo und Morales gibt es ebenfalls
Gemeinsamkeiten.
Auch die Regierung Morales war in der Anfangszeit von vielen
handwerklichen Schwächen gekennzeichnet und auch sie stand
von Anfang an unter immensem Druck. Die Verfassunggebende Versammlung
(ab
2006) wurde
sabotiert und behindert, sodass sie in eine Militärakademie
ausweichen und schließlich in eine andere Stadt
umziehen musste. Der Zivilputsch von Santa Cruz 2008 brachte das Land
an den Rand einer Spaltung. Aber Morales hatte die absolute Mehrheit
im Parlament und war – im Unterschied zu Castillo
– von starken sozialen Bewegungen getragen, aus deren Reihen
er hervorgegangen
war.
Er war also im Unterschied zu Castillo kampferprobt, nicht
unerfahren. Doch auch seinem Sturz gingen eklatante Fehler voraus.
Seine
Präsidentschaft war von vielen Erfolgen
begleitet. Eine neue Verfassung schrieb soziale Rechte,
Indígena-Rechte und die Rechte der 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Pachamama
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
fest. Bolivien
wurde zum „Plurinationalen Staat“. Indigene
Sprachen wurden auch
Amtssprachen und
die bunte 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Wip
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      h
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      ala
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    -Fahne
gleichwertig neben die rot-gelb-grüne Nationalflagge
gestellt. Die Nationalisierung der Kohlenwasserstoffressourcen spülte
bei günstiger Konjunktur Devisen in die Staatskasse, die für eine
Umverteilungs- und Sozialpolitik verwendet wurden. Die Armutsquote
sank
deutlich, die Lebenserwartung
wuchs
um
Jahre,
ein bedeutender Teil der Unterschicht stieg in die Mittelschicht auf.
Ihre Binnennachfrage stabilisierte die Wirtschaft, auch als die
Exporteinnahmen nach 2015 einbrachen. Grundlage war auch hier der
Extraktivismus, grundlegende Strukturreformen unterblieben. Die
Präsidentschaft von Morales war von einer Serie von Wahlen und
Abstimmungen begleitet, die manche Beobachter als „referenditis“
bezeichneten. Er hat sie alle mit absoluter Mehrheit gewonnen. Eine
in
Bolivien bis
dahin unbekannte demokratische Stabilität.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Bis
zum Februar 2016,
als Morales durch ein Referendum den Artikel 168
der Verfassung ändern lassen wollte, der nur zwei Amtsperioden
in Folge zulässt. Das Referendum ging knapp
verloren.
Morales ignorierte das Resultat und kandidierte 2019 erneut. Viele
Bolivianerinnen und Bolivianer sahen sich nun durch ihn um das
einmalige Demokratieerlebnis betrogen, das er ihnen zuvor
beschert
hatte. Die völlig zersplitterte und inhaltsleere Opposition witterte
Morgenluft.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Am
28. Dezember 2022
wurde
in Santa Cruz der nunmehrige

    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Gobernador
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
(Ministerpräsident)
des
Departements, Luis Fernando Camacho, festgenommen. Er hatte sich
geweigert, vor Gericht zu den Vorgängen um die Machtergreifung von
Jeanine Añez
auszusagen. An den Treffen in der 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Universidad
la Católica
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
hatte er selbst nicht teilgenommen, aber einen Vertreter geschickt.
Insbesondere hatte er sich öffentlich
damit
gebrüstet, dass sein Vater die Polizei geschmiert und zur Meuterei
angestiftet, und es mit dem Militär „geregelt“ habe. Schon kurz
nach seiner Inhaftierung bekam er Besuch von Vertretern des
chilenischen Boric-Widersachers  und Pinochet-Bewunderers
José Antonio Kast sowie der rechtsextremen spanischen Partei VOX.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Etwa
zur gleichen Zeit zog Peru seine Botschafterin aus La Paz ab und Evo
Morales, inzwischen MAS-Parteichef, erhielt Einreiseverbot. Die
Schuldzuweisungen an Bolivien für die Unruhen in Peru nahmen zu.
Ende
Januar bezeichnete der fujimoristische Abgeordnete Ernesto Bustamante die von den Protestierenden benutzte bunte 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Wip
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      h
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      ala
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    -Fahne
als
„trapo“ (Fetzen), wie ihn auch der „Narcoterrorist
Morales“ benutze. Bustamante forderte die Militarisierung der
Grenze und ein Ultimatum an das Nachbarland. Wenn Bolivien nicht
aufhöre, die Proteste in Peru anzustacheln und zu finanzieren, solle
das Militär dort einmarschieren und Rohstofflager besetzen, damit
man hinterher Reparationszahlungen geltend
machen
könne. Es gibt freilich keinerlei Beweise für eine
Einmischung Boliviens
in Peru. Vielmehr entstehen dem
Binnenland  Millionenschäden
dadurch, dass Peru seine Probleme
nicht geregelt bekommt und Hunderte
von Lastwagen seit Wochen beiderseits der Grenze in
Desaguadero festhängen.  Die
Bevölkerung in den südlichen Provinzen Perus, von denen die
Proteste ihren Ausgang nahmen, ist bäuerlich-indigen geprägt und
arm. Bei Puno verläuft die Sprachgrenze zwischen Quetschwa und
Aymara, das in der Gegend rund um den bolivianischen Regierungssitz
La Paz gesprochen wird. Die Menschen dort haben vieles,
was sie kulturell verbindet. Sie brauchen aber
gewiss
keine
auswärtigen Anstifter um
sich zu empören und zu
protestieren.
Was
die absurden Anschuldigungen
und die Beleidigungen
gegen Symbole wie die 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Wip
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      h
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      ala
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    -Fahne
zeigen, ist vor
allem,
dass hier wie dort die gleichen Kämpfe um soziale Gerechtigkeit und
Emanzipation geführt werden. Beim Einzug von Frau Añez
in den Präsidentenpalast in
La Paz wurden

    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Wip
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      h
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      ala
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    -Fahnen
verbrannt und Gobernador Camacho hatte sich stets geweigert, sie zu
hissen. Die
siebenfarbigen Quadrate fanden sich auf Inka-Textilien. Ob es sich um
eine Inka-Flagge handelte, ist nicht erwiesen. Doch im ganzen
Andenraum und darüber hinaus gilt sie heute als indigenes Symbol.
Sie
zu missachten zeigt nur Unverständnis und rassistische Verachtung
durch Eliten, die sich an die
Macht und
ein anachronistisches Herrschaftssystem klammern.
Und
genau darum geht es beim Kampf um die Demokratie.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Europa
und die Wiederentdeckung
Lateinamerikas
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Diesseits
des Atlantiks verhält
man sich
zu alledem bestenfalls
eher nicht. Oft
genug stand man
auf der falschen Seite.
Europa hat
Lateinamerika sträflich vernachlässigt. Die
Lateinamerika-Forschung an den Universitäten wurde ausgedünnt,
auswärtige Ämter und Vertretungen quantitativ wie
qualitativ unterbesetzt.
Die
Progressiven hat man
bestenfalls distanziert
mit der Pinzette angefasst, sich
an US-Sanktionen beteiligt und beispielsweise die gescheiterte
venezolanische Parallelregierung unter Juan Guaidó umgehend
anerkannt. In Wien geschah dies damals auf der Grundlage eines Tweets
des Lateinamerikaexperten
Sebastian Kurz. Nebenbei
führte das dort auch
zu seltsamen Allianzen mit Ländern wie Belarus oder dem Iran nach
dem Motto „der Feind meines Feindes ist mein Freund“ - und
weiterer Entfremdung.
Nicht Europa, China hat das Vakuum gefüllt, das die Vereinigten
Staaten auf dem Halbkontinent hinterlassen haben.  Mit
der geänderten geopolitischen Lage („Zeitenwende“)
scheint man das nun korrigieren zu wollen. Wie willkommen die
Kundfahrt des deutschen Bundeskanzlers Olaf Scholz im
Januar
aufgenommen wurde, zeigte
eine durchaus unübliche spontane Umarmung durch den brasilianischen
Präsidenten Lula da Silva auf offener Bühne während einer
gemeinsamen Pressekonferenz. Über die Ablehnung des Ansinnens von
Waffenhilfe an die Ukraine brauchte man sich trotzdem
nicht zu wundern. Wer mag
Scholz da beraten haben? Moskau
hatte – ob aus
Altruismus oder aus geopolitischen Erwägungen - die
„Progressisten“ unterstützt.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Neben
Brasilien besuchte Scholz auch Argentinien und Chile, was medial als
besonders weitsichtig hervorgehoben wurde. Handelt es sich doch um
zwei der wichtigsten Lithiumproduzenten. Lithium ist für die
geplante Energiewende von großer Bedeutung. Nicht besucht wurde das
kleinere, angrenzende
Bolivien, das über die größten Lithiumvorkommen der Welt verfügt.
Dass darüber mit keinem Wort berichtet wurde, erstaunt
erst auf den zweiten
Blick, dann aber umso mehr: Am
12. Dezember
2018 war in Berlin im Beisein des bolivianischen Außenministers und
des deutschen Wirtschaftsministers Peter
Altmaier
ein Joint Venture zur
Lithiumgewinnung gegründet worden. Bis zum November 2019 saß der
beteiligte baden-württembergische Mittelständler auf
unterschriftsreifen Verträgen, die dann
auf Eis gelegt wurden,
was zu Spekulationen über eine Beteiligung von Mitkonkurrenten am
Sturz der Regierung Morales Anlass gab, zumal Tesla-Chef Elon Musk in
seiner bekannt flapsigen Art, darauf angesprochen später
sagte: „Wir stürzen
wen wir wollen.“ Zweifellos hätte er die finanziellen
Mittel dazu. Sicher ist,
dass es Widerstand der umliegenden Gemeinden gegen das Projekt gab,
die um ihr knappes Grundwasser fürchten. Und das betroffene
Departement Potosí lehnte die Verträge ab, weil es eine höhere
Gewinnbeteiligung wollte. Der damalige Chef des dortigen
Zivilkomitees COMCIPO,
Marco Pumari, war deshalb während
des Wahlkampfes 2019
sogar in einen
zwölftägigen
Hungerstreik getreten. Pumari war übrigens einer der engsten
Verbündeten von Luis Fernando Camacho bei den Unruhen, die zum Sturz
von Morales führten, und
im Wahlkampf 2020 dessen Kandidat für die Vizepräsidentschaft.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Wie
auch immer: Als die MAS erneut
an die Regierung gewählt und diesbezügliche Verhandlungen wieder
aufgenommen wurden, standen fünf potenzielle Partner zur Auswahl.
Kein Unternehmen aus
Europa war mehr darunter. Den
Zuschlag erhielt ein chinesisches Konsortium und bereits in
der zweiten Jahreshälfte 2023
soll die Produktion von
Lithiumkarbonat industrielle Dimensionen annehmen.
Man rechnet dann  mit
Einnahmen in Höhe von 576 Millionen USD (gegenüber 37,8 in der
Pilotphase  2022).
Langfristig sollen es 30 Milliarden pro Jahr werden. Bolivien verfügt
über rund ein Viertel der bekannten Reserven.
Ob das nicht einen
Bericht wert gewesen wäre?
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Es
mag eine Reihe von Gründen dafür
geben, dass Europa nicht
mehr im Rennen
ist. Aber man darf wohl
davon ausgehen, dass die
fragwürdige Rolle des seinerzeitigen
EU-Botschafters bei der
Machtergreifung der Rechten im November 2019 das Vertrauen in
europäische Partner zumindest nicht gestärkt hat. Ob
ihm ein Vorwurf zu machen
ist? Das wenigste was man
sagen kann: Er spricht
zumindest Spanisch. Der
Mann war vormals spanischer Botschafter in Nicaragua.
Zeitgleich zur Rückkehr
der MAS an die Regierung wurde er als EU-Botschafter nach Santiago de
Chile versetzt.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Thu, 16 Feb 2023 12:51:32 GMT</pubDate>
      <guid>https://www.robert-lessmann.com/lateinamerika-zwischen-progresismo-und-regression164d25b7aa3e543a</guid>
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      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Peru/ Bolivien: Präsidentinnen auf dem Pulverfass</title>
      <link>https://www.robert-lessmann.com/peru-bolivien-verlegenheitspraesidentinnen8469c461</link>
      <description />
      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
                  
  
Dina
Boluarte und Jeanine
Añez
haben Vieles gemeinsam. Auch wenn die eine den Jahreswechsel auf dem
Präsidentensessel des Palacio de Gobiero in Lima verbrachte und die
andere hinter Gittern in La Paz.





                &#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/s/4e3a91da2fa849afa260009be23256a9/dms3rep/multi/DSC00814.JPG" alt="" title=""/&gt;&#xD;
  &lt;span&gt;&#xD;
  &lt;/span&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Hier
wie dort verlief der Jahreswechsel turbulent. Am Mittwoch, den 28.
Dezember wurde der starke Mann der bolivianischen Opposition, Luis
Fernando Camacho, in seinem Haus in Santa Cruz festgenommen. Der
Gobernador
(Landeshauptmann/
Ministerpräsident)
des  gleichnamigen Departements steht im Verdacht, der
Haupträdelsführer in der Krise vom November 2019 gewesen zu sein,
die nach Vorwürfen des Wahlbetrugs zum Sturz von Präsident Evo
Morales führte. Vor allem aber hatte er sich aktuell mehrfach
geweigert, Gerichtsvorladungen zur Aussage in dieser Sache
nachzukommen, weshalb seit Ende Oktober 2022 ein Haftbefehl gegen ihn
vorlag. Kurze Zeit später begann ein 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      paro
cívico
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
gegen eine von der Zentralregierung angesetzte Volkszählung –
genauer gesagt gegen eine Terminverschiebung. Er wurde letztlich
allerdings nur in Santa Cruz befolgt, wo es zu gewalttätigen
Auseinandersetzungen zwischen Gegnern und Protagonisten des 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      paro
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
und wirtschaftlichen Einbußen von mehr als einer Milliarde US-Dollar
(USD)
kam.
Er
dauerte dort mehr als vier Wochen.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Am
7. Dezember endete in Peru nach nur 16  Monaten die Präsidentschaft
von Pedro Castillo, die von Anfang an von Skandalen und politischer
Instabilität geprägt war. Der linksgerichtete Präsident vom Lande
hatte keine Mehrheit im Kongress und die städtischen Eliten standen
ihm misstrauisch bis feindselig gegenüber. Um dem dritten
Amtsenthebungsverfahren zuvorzukommen, kündigte er die Auflösung
des Parlaments an, wurde aber stattdessen selbst unter dem Vorwurf
eines versuchten Staatsstreichs und „moralischer Unfähigkeit“
verhaftet und entlassen. Nachfolgerin wurde Vizepräsidentin Dina
Boluarte. Proteste gegen diese Vorgänge in Peru dauern insbesondere
im Süden des Landes an und sollen mittlerweile 28 Todesopfer und
über 600 Verletzte gefordert haben. Die Forderungen sind
uneinheitlich, hauptsächlich geht es um vorgezogene Neuwahlen. In
Bolivien haben die Anhänger Camachos in Santa Cruz neue Blockaden
eingeleitet und Regierungsgebäude sowie unter anderem das Haus eines
Ministers bei Protesten geplündert und angezündet.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Im
Vorfeld seiner
Aussagen zirkulieren
Berichte über Zahlungen Camachos an Militärs während der
Novemberereignisse von 2019. Sein Vater
hatte sich zudem öffentlich damit gebrüstet, hohe Polizeioffiziere
geschmiert und zur Meuterei angestiftet zu haben. Während man also
in Bolivien gespannt darauf wartet, was das Verfahren tatsächlich
ans Licht bringt –
vor allem: woher das Geld eigentlich kam, das an die Militärs und
die Polizei
geflossen sein soll, wurde in Florida ein anderes Verfahren mit einem
Schuldspruch abgeschlossen. Arturo Murillo, Innenminister und
eigentlich starker Mann der „Interimsregierung“ Añez
hatte
sich nach dem Wahlsieg der MAS im November 2020 dorthin abgesetzt, wo
er nun wegen Korruption und Geldwäsche zu 70 Monaten Gefängnis verurteilt wurde. Während seiner Amtszeit hatte
er bei einem US-Unternehmen Tränengas im Wert von 2,3 Millionen USD
eingekauft, dafür aber 5,6 Mio. bezahlt; die Differenz wurde unter
den Beteiligten aufgeteilt.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Notorische
Instabilität
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
In
beiden Fällen ist die politische Instabilität hervorzuheben.
Darüber hinaus gibt es viele Parallelen zwischen der ersten
Präsidentin Perus
und der zweiten Boliviens, deren Vorgängerin, Lidia Gueiler
(November 1979 – Juli 1980) zwischen den Obristen verschiedener
Militärdiktaturen seinerzeit
auch
keine lange Amtszeit beschieden war. Dina Boluarte (1962, Apurímac)
und Jeanine Añez
(1967,
Beni) sind beide in den 1960er Jahren
in der Provinz geboren und aufgewachsen. Beide stammen aus Familien
der Mittelschicht, beide haben Jura studiert und bezeichnen sich als
Anwältinnen, obwohl sie diesen Beruf als solchen nie wirklich
ausgeübt haben. Die eine arbeitete am Einwohnermeldeamt, die andere
als Fernsehmoderatorin. Beide waren mit jeweils wandelbarer
politischer
Ausrichtung auf dem politischen Parkett um Posten bemüht. Die
Peruanerin scheiterte zweimal als Kandidatin für das
Bürgermeisteramt beziehungsweise zur Abgeordneten. Die Bolivianerin
war erfolgreicher und wurde zweimal in den Senat gewählt, wo sie
zuletzt stellvertretende Vizepräsidentin war. Boluarte wurde ohne
wirkliche politische Erfahrung von Pedro Castillo kurzfristig zur
Kandidatin für das Vizepräsidentenamt erkoren, weil sein
 Wunschkandidat, Vladimir Cerrón Rojas, an rechtlichen Hürden
scheiterte.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Beide
bestreiten vehement, durch einen Staatsstreich an die Macht gekommen
zu sein. Frau Añez
wurde
in der Novemberkrise von einer illustren Runde aus ehemaligen
Politikern (mehrheitlich aus dem Umfeld des verstorbenen früheren Präsidenten und Exdiktators Hugo Banzer und
alle ohne irgendein Mandat),
Kirchenvertretern und mit
dubioser
Mitwirkung des damaligen EU-Botschafters León de la Torre zur
Kandidatin erkoren.
Man tagte in den Räumen der Universidad la Católica in La Paz.
Nachdem
Präsident und Vizepräsident außer Landes geflohen waren, aber ohne
dass sie ihren Rücktritt formal erklärt hätten und dieser vom
Parlament
angenommen worden wäre (wie es die Verfassung vorsieht), hatte sie
sich dann ohne ordentlich einberufene Sitzung, unter Ausschluss der
Abgeordneten der Mehrheitsfraktion (MAS),
ohne Quorum und unter Missachtung der von der Verfassung vorgegebenen
Reihung für eine Vertretung oder Nachfolge von einer Handvoll
Abgeordneter zunächst zur Senatspräsidentin wählen lassen und sich
anschließend praktisch selbst zur Präsidentin ernannt.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Dina
Boluarte ist als Vizepräsidentin verfassungsgemäße Nachfolgerin
von Pedro Castillo.
Soziale Medien berichten von einer Zusammenkunft des damaligen
peruanischen Verteidigungsministers
Emilio Gustavo Bobbio Rojas mit der US-Botschafterin in Lima, Lisa D.
Kenna,
wenige Stunden vor der Verhaftung Pedro Castillos. Dina
Boluarte schwor ihren Amtseid auf „Gott, das Vaterland und die
Peruaner“.  Añez
präsentierte
sich als neue Präsidentin mit der Bibel in der Hand. Sie galt
MAS–Anhängern
als fotogene „Barbie“ der Regierung, während Innenminister
Arturo Murillo und
Verteidungsminister Luis Fernando López die eigentlich starken
Männer waren.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
In
Peru
scheinen Verteidigungsminister Luis Alberto Otárola und
Innenminister
César Augusto Cervantes das Zepter in der Hand zu halten – zumal
bei der Niederschlagung der teilweise auch gewalttätigen Proteste;
die
Rede ist bisher von 28 toten Zivilisten und mehr als 600 Verletzten.
Wie in Bolivien 2019/20 spricht die Regierung Boluarte von Akten des
Vandalismus und der Gewalt, die von Extremisten und den Terroristen
des Sendero Luminoso (der seit drei
Jahrzehnten
als zerschlagen gilt; regionale
Überbleibsel widmen sich dem Drogengeschäft)
organisiert seien. In Bolivien hieß das seinerzeit „die
gewalttätigen Horden der MAS“. Dagegen helfe nur die harte Hand
der Staatsmacht. Kein Gedanke soll
aufkommen,
dass Proteste in irgendeiner Weise legitim sein könnten. Und so
wurde, wie in Bolivien auch, keinen Augenblick gezögert, das Militär
gegen sie einzusetzen. Wie Añez,
so
wurde auch die Regierung Boluarte umgehend von Washington und den
Regierungen der EU anerkannt. Übergangspräsidentin Boluarte möchte
erst im April 2024 vorgezogene Neuwahlen durchführen.
„Interimspräsidentin“ Añez
hatte
angekündigte Neuwahlen immer wieder verschoben, bis sie von den
starken sozialen Bewegungen schließlich erzwungen wurden. Luis Arce,
der Kandidat der alten Regierungspartei MAS, gewann sie im Oktober
2020 mit 55 Prozent der Stimmen. In den
langen Jahren des schmutzigen Krieges zwischen der Guerilla Sendero
Luminoso und der Armee wurden die Organisationen der
Zivilgesellschaft in
Peru weitgehend
zerrieben und stehen heute viel schwächer da als im Nachbarland
Bolivien. Dass es sich bei den Demonstranten um fremdgesteuerte
Marionetten handeln
würde,
ist freilich absurd. Neuerdings wird sogar
der
bolivianische Expräsident Evo Morales als Drahtzieher beschuldigt. Er hat Einreiseverbot. Wie nervös die Regierung in Lima ist zeigt der Umstand, dass sie
ihre Botschafterin bis auf Weiteres aus La Paz abgezogen hat.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;ol&gt;&#xD;
    &lt;li&gt;&#xD;
      
                      
      PS am 13.1.23: Luis Alberto Otárola ist inzwischen zum Premierminister aufgestiegen. Die Zahl der Todesopfer ist auf 45 gestiegen. Die meisten durch Schussverletzungen und in Juliaca im Department Puno. Dort wurde eine Ausgangssperre verhängt. 
    
                    &#xD;
    &lt;/li&gt;&#xD;
    &lt;li&gt;&#xD;
      
                      
      PPS am 15.1.23 Inzwischen sind drei Minister der Regierung Boluarte zurückgetreten, darunter auch Innenminister Cervantes. Er wurde durch einen pensionierten Polizeigeneral ersetzt.
    
                    &#xD;
    &lt;/li&gt;&#xD;
    &lt;li&gt;&#xD;
      
                      
      PPSP am 27.1.23 Unterdessen spitzt sich die Schuldzuweisung an Bolivien für die Proteste zu. Expräsident Morales wurde vom Parlament zur Persona non grata erklärt. Man spricht von Waffenlieferungen, was der bolivianische Innenminister heftig dementierte. Der fujimoristische Abgeordnete Eduardo Bustamente forderte gar die Militarisierung der Grenze und drohte mit dem Einmarsch des Militärs, sollte Bolivien nicht aufhören, die Proteste zu finanzieren. Real entstehen der bolivianischen Wirtschaft Millionenverluste, weil die Transitwege in Peru blockiert sind. Bis zu 800 LKW hängen am Grenzübergang in Desaguadero fest.
    
                    &#xD;
    &lt;/li&gt;&#xD;
  &lt;/ol&gt;&#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Sun, 08 Jan 2023 16:00:08 GMT</pubDate>
      <guid>https://www.robert-lessmann.com/peru-bolivien-verlegenheitspraesidentinnen8469c461</guid>
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      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Bolivien: Zurück zur Politiquería</title>
      <link>https://www.robert-lessmann.com/bolivien-zurueck-zur-politiqueria6e96a5cd</link>
      <description />
      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
                  
  
Politiquería,
so bezeichnete man in den 1990er Jahren in Bolivien die politische
Kaste, der es nur um Posten und Pfründe gehe. Dann kam 2005 der
Erdrutschsieg von Evo Morales und seinem MAS (Movimiento
al Socialismo).
Mit ihrem proceso
de cambio
– dem Prozess des Wandels – sollte Bolivien neu gegründet
werden. Evos Sturz Ende 2019 brachte die Machtergreifung der
politischen Rechten und chaotische Verhältnisse. Im Oktober 2020
gewann Luis Arce (MAS) von den sozialen Bewegungen erzwungene
Neuwahlen mit absoluter Mehrheit und leitete einen erfolgreichen
Prozess der Krisenbewältigung, die Rückkehr zu Wirtschaftswachstum
und Politiken der Umverteilung ein. Doch politisch bleibt die Lage
konfliktiv.

                &#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/s/4e3a91da2fa849afa260009be23256a9/dms3rep/multi/DSC00037.JPG" alt="" title=""/&gt;&#xD;
  &lt;span&gt;&#xD;
  &lt;/span&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Samstag,
12.11. Kurz nach Mitternacht legte Präsident Luis Arce in einer
Fernsehansprache den Termin für einen umstrittenen nationalen Zensus
(Volkszählung) auf den 23. März 2024. Er kam damit Protesten ein
Stück weit entgegen, die einen früheren Termin verlangt hatten, und
kündigte insbesondere eine Ausbezahlung der daran geknüpften
Ressourcen bereits für den September 2024 an. Hintergrund der
Kontroverse ist ja eine Neuverteilung von Haushaltsmitteln, aber auch
der Parlamentssitze bei den Wahlen 2025.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Destabilisierungsbemühungen
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Wie
eine Reihe anderer lateinamerikanischer Länder auch, hatte die
bolivianische Regierung einen geplanten Zensus aus technischen
Gründen (Corona u.a.) verschoben und damit Widerstand ausgelöst.
Ein landesweiter
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      
paro cívico
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
(Generalstreik mit Blockaden) fand jedoch eigentlich nur im reichsten
und von der Opposition dominierten Departement Santa Cruz ein
nachhaltiges Echo und Unterstützung, die auch dort bröckelte, je
länger der 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      paro
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
andauerte und je isolierter seine Initiatoren wurden. So war es der
Regierung gelungen, durch eine Reihe von Konsultationen und
„technischen runden Tischen“ die Bedenken der anderen acht
Departemente und der allermeisten Bürgermeister auszuräumen. Auch
der Bürgermeister von Santa Cruz zeigte sich zuletzt
kompromissbereit und wurde von den Hardlinern um 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      ﻿gobernador
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    ﻿ (Landeshauptmann/Ministerpräsident) Luis
Fernando Camacho und dem Chef des 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      comité
cívico,
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
Rómulo Calvo, umgehend als Verräter geschmäht. 

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Schließlich
eskalierte die Lage, als am 11.11. Mitglieder der den beiden
Hardlinern nahestehenden
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    UJC
(
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Unión
Juvenil Cruceñista
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    ,
eine Art paramilitärischer Motorradgang)
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    einen
Demonstrationszug angriffen, dessen Teilnehmer nach mittlerweile drei
Wochen
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      
paro
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
mit mehreren Konfrontationen und Todesopfern ihr Recht auf Arbeit
einforderten. Anschließend setzten die UJC-Mitglieder die Büros der
Landarbeitergewerkschaft sowie der MAS-nahen Frauenorganisation
„Bartolina Sisa“ in Brand und verwüsteten das Regionalbüro des
Gewerkschaftsbundes. Die Gewaltorgie veranlasste Präsident Arce
schließlich zum Handeln und dürfte das Oppositionslager weiter
isolieren. Schon wurde auch das Haus von Rómulo Calvo von
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      
paro
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    -Unterstützern
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    attackiert.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Bereits
am Vortag der Ausschreitungen hatte eine Reihe von MAS-Abgeordneten
Arce zum Einlenken bezüglich eines vorgezogenen Zensustermins
aufgefordert und Parteichef Evo Morales hatte von der Regierung noch
am Abend des 11.11.  „endlich eine Entscheidung“ gefordert, um
den Konflikt zu beenden. Am Sonntag, den 13.11., ging er in seiner
wöchentlichen Radioansprache noch weiter. Er habe Arce von Anfang an
vor einer Verschiebung des Zensustermins gewarnt, weil dies der
Opposition Munition liefern könne. Seine Regierung habe schließlich
im Jahr 2012 in nur zehn Monaten von der Ankündigung bis zur
Durchführung einen Zensus durchgeführt. Das war nichts weniger als
ein Frontalangriff auf den Präsidenten mit den Argumenten der
Opposition.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Das
Lager um g
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      obernador
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
Camacho in Santa Cruz hat eine Fortsetzung des
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      
paro
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
bis zur Freilassung der inhaftierten Gewalttäter gefordert.
Interessanterweise hatte Rómulo Calvo auf die Ankündigung des
Präsidenten reagiert und weitere Zugeständnisse verlangt, aber den
Termin als solchen akzeptiert. Camacho hingegen ging zunächst gar
nicht auf den Zensus ein, sondern forderte den Innenminister heraus:
„Wenn er mich verhaften will, soll er kommen“. Gegen ihn und
seinen Vater liegen Haftbefehle wegen der Unruhen 2019 vor, die zum
Sturz von Morales führten. Sein Vater brüstete sich, damals die
Polizei geschmiert und zur Meuterei angestiftet zu haben. Angesichts
des im Grunde nebensächlichen Anlasses und seiner zunehmenden
Isolation liegt die Vermutung nahe, dass es Camacho darum geht, eine
Atmosphäre der Konfrontation und Mobilisierung seiner Anhänger
aufrecht zu erhalten, die ihn vor Strafverfolgung schützt. Darüber
hinaus dient die unablässige Organisation von 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      paros

    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    der
Destabilisierung der Regierung – und inhaltlich farblosen 
Oppositionspolitikern dazu, im Gespräch zu bleiben. Meist verlaufen
sie im Sande. Im Jahr 2021 schafften sie es aber, einen Gesetzentwurf
gegen Geldwäsche zu kippen.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Während
also ein weiterer
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      
paro
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
der Opposition ins Leere führte – um den Preis von  vier Toten,
180 Verletzten und wirtschaftlichen Einbußen für Santa Cruz, die
auf mehr als eine Milliarde US-Dollar geschätzt werden – und sich
das Lager der politischen Rechten einmal mehr als zersplittert und
inhaltsleer erweist, scheint die ernsteste Herausforderung für die
Regierung Arce und den
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      
proceso de cambio
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
aus den Reihen der MAS selbst zu kommen.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      ﻿Gut beraten?
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    In
seinem Rechenschaftsbericht zwei Jahre nach Amtsantritt wies Arce am
8.11. auf die schwierige Situation inmitten der Pandemie hin. Nach
einem Einbruch der Wirtschaft unter der „Interimspräsidentin“
Añez (2020: - 8,7 %) habe man zu einem Wachstum von 6,1 %
zurückgefunden; die Prognose für 2022 liegt bei 5,1 %. Dabei setzt
man weiter auf den Export nicht erneuerbarer Rohstoffe, auch wenn
Arce bei jeder Gelegenheit die Notwendigkeit einer wirtschaftlichen
Diversifizierung betont. 

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Es
ist kein Geheimnis, dass Expräsident und Parteichef Morales den
heutigen Vizepräsidenten, seinen langjährigen Außenminister David
Choquehuanca, im Jahr 2017 als potentiellen Konkurrenten abgesägt
hatte. Choquehuanca war dann 2020 der bevorzugte Kandidat der Basis.
Morales setzte aus dem Exil aber Luis Arce, seinen Superminister für
Wirtschaft und Finanzen, als Spitzenkandidaten durch. Spannungen
zwischen Vizepräsident und Parteichef dauerten an. Je mehr er in
Umfragen an Popularität einbüßt, desto deutlicher kritisiert
Morales die Regierung, spricht von einem „sinistren Plan“ gegen
ihn und fordert den Rücktritt des Innen- und des Justizministers. Da
nützt es auch nichts, dass Verteidigungsminister Edmundo Novillo,
sein jahrzehntelanger Mitstreiter, die Existenz eines solchen Plans
energisch dementierte. Teilweise fast im Wochenrhythmus bestellten
Morales nahestehende soziale Bewegungen die Regierung zu
„Konsultationen“ ein, die stets mit Beschwörungen der Einheit
endeten. Auch der MAS wohlgesonnene Kommentatoren forderten, man
solle doch endlich die Regierung in Ruhe arbeiten lassen.
Mittlerweile gibt es im Parlament zwei MAS-Fraktionen, und deren
Differenzen wurden am 9.11. nicht mehr nur verbal („Verrat“)
ausgetragen, sondern auch mit Fäusten.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Parteichef
Morales, „el líder indiscutible“, wie er von seinen Anhängern
genannt wird, wäre hier gefordert, wäre er denn neutral. Er hatte
die MAS de facto zu einer Einheitspartei der progressiven sozialen
Bewegungen aufgebaut und genießt bei ihnen weiterhin hohes Ansehen –
insbesondere auf dem Land. Doch auch in wochenlange
Auseinandersetzungen zwischen zwei Fraktionen von Kokabauern aus den
Yungas, die auf den Straßen von La Paz gewaltsam ausgetragen wurden,
schaltete er sich nicht ein. Dabei könnte er sich gerade dabei als
charismatischer  Übervater profilieren, der „seiner“ Regierung
den Rücken frei hält. Doch scheint es ihm vor allem darum zu gehen,
potentielle Mitbewerber um die Präsidentschaftskandidatur im Zaum zu
halten. Vergeblich, denn inzwischen werden auch Luis Arce Ambitionen
auf eine erneute Kandidatur nachgesagt – und eine junge Generation
scharrt mit den Hufen.
    
                    &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Kenner
der politischen Kultur in Bolivien sind überzeugt, dass dabei auch
die Verteilung von Posten für die jeweiligen Unterstützer eine
Rolle spielt. Als Präsident hatte Morales da natürlich sehr viel
mehr Spielraum als heute als Parteichef. Und dass er manchmal den
Kontakt zur Realität verliert, wurde in seiner Radioansprache vom
27.2. deutlich, als er sagte, es handle sich in der Ukraine nicht um
eine Invasion, sondern Russland verteidige sich gegen eine Invasion
der NATO.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;!--StartFragment--&gt;    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Proceso de cambio wichtiger als Personen
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
    &lt;!--EndFragment--&gt;    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Die
MAS befindet sich in einem Dilemma. Ihre Regierung macht solide
Arbeit und würde Wahlen gewinnen. Unsicher wäre aber eine absolute
Mehrheit. Um diese zu holen, braucht man die ländliche Basis von
Morales, der für die städtischen Mittelschichten zunehmend
unwählbar geworden ist, ohne die die MAS auch keine Absolute
erreichen kann. Als brüchiges Band, das die beiden Sektoren noch
eint, dient einzig die Opposition, die ohne Programm und völlig
zersplittert dasteht. Die MAS scheint ihrerseits auf dem Weg dorthin.
Aufbruchsstimmung sieht anders aus.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Der
renommierte Soziologe Fernando Mayorga brachte unlängst in einem
Interview den Vorschlag ins Spiel, Arce, Choquehuanca und Morales
sollten sich freiwillig und geordnet aus dem Kandidatenrennen für
die symbolträchtigen Präsidentschaftswahlen 2025 (Bolivien feiert
da 200 Jahre Unabhängigkeit) zurückziehen und einer neuen
Generation der „Helden“, wie er sagte, „die 2020 die Demokratie
zurückerkämpften“, das Feld überlassen. Schon hat eine
Neugründung der 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Partido
Socialista-1
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
Luis Arce angeboten, für sie als Spitzenkandidat aufzutreten. Mit
der ersten Option könnte das beispiellose Projekt einer linken
(Einheits-)Partei der sozialen Bewegungen gerettet werden. Mit der
zweiten wäre es gescheitert und die Putschisten von 2019 hätten
einen späten, aber wichtigen Teilerfolg errungen. Oder aber die drei Politveteranen raufen sich im Dienste der Sache zusammen und konzentrieren sich auf ihre jeweiligen Aufgaben. 
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Tue, 22 Nov 2022 16:54:43 GMT</pubDate>
      <guid>https://www.robert-lessmann.com/bolivien-zurueck-zur-politiqueria6e96a5cd</guid>
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        <media:description>thumbnail</media:description>
      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Drogenpolitik: Augen zu und weiter so?</title>
      <link>https://www.robert-lessmann.com/drogenpolitik-augen-zu-und-weiter-so7af51f03</link>
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      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
                  
  
Afghanistan
und Kolumbien sind Lehrbeispiele. Seit
Jahrzehnten tritt die internationale Drogenpolitik auf der Stelle –
mit miserablen Ergebnissen und verheerenden Nebenwirkungen. Blinde
Gefolgschaft im Schlepptau Washingtons zahlte sich nicht aus. Das
Fiasko in Afghanistan hat sich im Bereich der Drogenpolitik längst
abgezeichnet. Inzwischen läuft eine Reformdebatte langsam an. Die
großen Bremser dabei sind heute arabische
und asiatische
Länder, nicht zuletzt China und vor allem Russland.

                &#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/s/4e3a91da2fa849afa260009be23256a9/dms3rep/multi/afghan_004.jpg" alt="" title=""/&gt;&#xD;
  &lt;span&gt;&#xD;
  &lt;/span&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Auf
der 62. Sitzung der UN-Suchtstoffkommission (
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Commission
on Narcotic Drugs
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    )
im Frühjahr 2019 in Wien konnte man sich noch ohne
Corona-Einschränkungen treffen. Die wohl interessanteste
Veranstaltung war gleich am ersten Tag ein „side-event“ zur
„Zukunft der
Alternativen Entwicklung“. Das sind Programme, um
Lebensalternativen für
Bäuerinnen und Bauern zu fördern, die sogenannte Drogenpflanzen
anbauen. Organisiert von Deutschland, Österreich, der EU, dem UNODC
(Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung)
und moderiert von der deutschen GIZ (Gesellschaft für Internationale
Zusammenarbeit) warb ein hochkarätig besetztes Podium wortreich für
diesen Ansatz und stellte Erfolgsgeschichten vor. Tatsächlich können
entwicklungspolitische Maßnahmen einen wichtigen und wirksamen
Beitrag zu einer Angebotsreduzierung leisten. Meist waren sie bisher
jedoch eher kosmetisches Beiwerk repressiver Politiken. Meine
Sitznachbarin lächelte milde, als ich ihr nach einer Weile ins Ohr
flüsterte: „Das hören wir nun seit 30 Jahren“. Aus Coletta
Youngers’ Studie „
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Clear
and Present Dangers
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    “,
die 1991 vor den Abgründen
einer Militarisierung der Drogenbekämpfung warnte, hatte ich schon
für meine Dissertation über den Drogenkrieg in den Anden zitiert.
Seit jener Zeit hören wir Berichte über erfolgreiche Projekte,
schlüssige Strategien, „geteilte Verantwortung“ zwischen
Produzenten- und Konsumentenländern, „entschlossenes
Engagement“ und „ausgewogene Ansätze“
(
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      balanced approach
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    ).
Doch die Fakten sprechen eine andere Sprache. Die alljährlich
publizierten Welt-Drogenberichte der UNO dokumentieren eine stetige
Zunahme des Drogenkonsums und der Todesopfer im Zusammenhang damit.
Die Drogenmärkte sind komplexer geworden. Neue, im Labor
hergestellte Substanzen drängen mit einer Dynamik auf den Markt, die
den Kontrollrahmen über die Erfassung und Definition „kontrollierter
Substanzen“ sprengt –
ohne jedoch die traditionellen, pflanzenbasierten zu verdrängen,
wie man das vermuten konnte. Kokain- (Kokabusch) und Heroinproduktion
(Schlafmohn) liegen auf Rekordniveau. Neue Vermarktungsformen über
das Darknet haben gerade während der Pandemie noch einmal an
Bedeutung gewonnen und stellen die klassische Interdiktionspolitik
(Verbot und Fahndung) vor ungeahnte Schwierigkeiten.
    
                    &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
                    
    
Während
auf der Ebene der Diskussionen, der Berichte und der Strategien
längst von Reformen die Rede ist, im Sinne einer Abkehr von
Repression und Strafverfolgung auf der Angebotsseite hin zu
Prävention und Therapie auf der Nachfrageseite, ist davon in der
Praxis noch herzlich wenig zu sehen. Dabei ist es hohe Zeit, neue
Wege auszuprobieren, statt sich weiterhin an der eigenen
Großartigkeit zu berauschen.
    
                    &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
                    
    
„
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Wie
so oft waren es nicht die klugen K
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      öpfe,
die bereitwillig zugeben konnten, dass der Kaiser gar nichts anhatte:
Sie verbrachten ihre Zeit lieber damit, neue Theorien auszudenken, um
zu erklären, warum diese Kleider sowohl prächtig als auch
unsichtbar waren.“ Eric J. Hobsbawm
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
                    
    
„
    
                    &#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      War
on Drugs“
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
                    
    
Die
internationale Drogenpolitik war und ist in hohem Maße von den
Vereinigten Staaten dominiert. Nur Weltpolizist Uncle Sam verfügt
(seit 1978) über ein 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Bureau
for International Narcotics Control and Law Enforcement Affairs
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
(INL) im Außenministerium, dessen Mittel stets um ein Mehrfaches
über dem Budget des UNODC liegen, wobei noch mehrere weitere
Ministerien und Behörden beteiligt sind, wie beispielsweise USAID.
Einschlägige Budgets des Pentagon unterliegen der Geheimhaltung.
    
                    &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
                    
    
Zwei
Länder standen und stehen im Mittelpunkt der angebotsorientierten
Drogenbekämpfung, die bis vor wenigen Jahren noch als „
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      War
on Drugs
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    “
bezeichnet wurde. Kolumbien, wo heute zwei Drittel der globalen
Kokablätter produziert
und wo nach wie vor zwei Drittel der Kokainlaboratorien entdeckt und
zerstört werden, sowie Afghanistan, das 85 Prozent des Schlafmohns
produziert, der Ausgangspunkt für 80 Prozent des Heroinangebots ist.
Zwischen beiden Ländern bestehen bemerkenswerte Gemeinsamkeiten.
Koka- beziehungsweise Schlafmohnproduktion sind in beiden Ländern
relativ neuen Datums. Beiden Ländern galt besondere geopolitische
Aufmerksamkeit Washingtons.
    
                    &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
                    
    
Weder
„endete die
Geschichte“ mit dem Zusammenbruch des Ostblocks, wie der
neokonservative Politologe Francis Fukuyama prophezeit hatte, noch
begann sie mit der Jahrtausendwende, auch wenn dies in
geschichtsvergessenen Darstellungen der Drogenpolitik bisweilen so
aussehen mag. In Kolumbien begann der „Drogenkrieg“ bereits in
den 1970er Jahren. Ziel war damals noch der Anbau von Marihuana, der
zwar nicht verschwand, aber aus zwei Gründen
an Bedeutung verlor. Nachdem Plantagen mit Pflanzengift besprüht
wurden, befürchteten nordamerikanische Konsumenten, ‚Pot‘ aus
Kolumbien und Mexiko könnte wegen der Vernichtungspolitik ihrer
Regierung gegen den Anbau dort kontaminiert sein, und gingen deshalb
zum Eigenanbau über. Gleichzeitig nutzten kolumbianische
Drogenhändler ihre Kenntnisse des nordamerikanischen Marktes und
machten ihr Land zum Epizentrum des wesentlich lukrativeren
Kokaingeschäfts. Sie organisierten die Weiterverarbeitung der 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Pasta
Básica de Cocaína
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    ,
die als Zwischenprodukt aus den klassischen Anbauländern Bolivien
und Peru importiert wurde, und den lukrativen Export auf die
Absatzmärkte. Washington versuchte damals mit seiner 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Operation
Airbridge
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    , die
Anlieferung von 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Pasta
Básica
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
     zu
unterbrechen, im Rahmen derer nichtidentifizierte Flugzeuge zur
Landung gezwungen oder notfalls abgeschossen wurden. 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Operation
Airbridge
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
     wurde
durch die Intervention des Kongresses zwischen April 2001 und August
2003 ausgesetzt, nachdem wegen eines Kommunikationsfehlers zwischen
dem U.S.-Aufklärer und dem peruanischen Jäger versehentlich die
Cesna einer nordamerikanischen Missionarsfamilie abgeschossen wurde.
Wahrscheinlich wichtiger für den Strukturwandel war jedoch die
Zerschlagung der großen Drogenorganisationen von Medellín und Cali
in der ersten Hälfte der 1990er Jahre, deren Geschäfte von
Dutzenden kleineren Organisationen (mehr und mehr auch von linken
Guerillas und rechten Paramilitärs) fortgeführt wurden, die aber
nicht mehr über die Verbindungen in die Anbaugebiete verfügten. Wie
auch immer: Ergebnis war ein Prozess der Importsubstitution. Die
Nachfolger der berühmt-berüchtigten „Kartelle“ kauften nun zu
Hause
ein. Zwischen 1995 und 2000 verdreifachte sich der Kokaanbau in
Kolumbien ungeachtet einer unter dem Druck Washingtons ab 1994
initiierten Besprühungskampagne von Kokafeldern mit Pflanzengift aus
der Luft. Der Anbau nahm unter dem Strich weiter zu, wurde aber durch
die Besprühungen zu einer extrem volatilen Angelegenheit. Es wurde
anderenorts weiter neu angebaut, oft auch prophylaktisch. Während er
zu Beginn der Kampagne auf sechs Provinzen beschränkt war, wurde
Koka im Jahr 2000 in 23 der 33 Departements angebaut.
Begleiterscheinungen waren fortschreitende Entwaldung zur Anlage
immer neuer Pflanzungen, Ausbreitung der Vergiftung von Böden und
Gewässern, nicht nur durch die Sprühflugzeuge,  sondern vor allem
durch die großen Mengen von Chemikalien, die zur Weiterverarbeitung
nötig sind – und Bauernvertreibung.
    
                    &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Geist
aus der Flasche
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
                    
    
Wir
halten fest: Weder hatte der Kokaanbau in Kolumbien historisch eine
Rolle gespielt, noch der Schlafmohnanbau in Afghanistan. Dorthin
fuhren die Hippies mit dem 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Magic
Bus
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
     unter anderem
wegen des guten „Schwarzen Afghanen“ (Haschisch). Beim Anbau von
Schlafmohn zur Opiumgewinnung war das heutige Myanmar führend. In
Afghanistan fasste er in größerem Stil erst nach der sowjetischen
Invasion (1979) Fuß. Er diente Mudschahedin-Gruppen zur
Finanzierung, was im Westen toleriert wurde, weil man diese Gruppen
im Kampf gegen die sowjetischen Truppen unterstützte. Welchen Geist
man da aus der Flasche gelassen hatte, wurde nicht erst nach dem 11.
September 2001 deutlich. Der Krieg gegen die sowjetischen Invasoren
kostete nach verschiedenen Schätzungen zwischen 600.000 und zwei
Millionen Zivilisten das Leben. Nach deren Abzug versank Afghanistan
in Scharmützeln zwischen unterschiedlichen Mudschahedin-Gruppen, bis
Mitte der 1990er Jahre die Taliban die Macht übernahmen. Die
Opiumproduktion war inzwischen um das 15-fache angewachsen. Als die
Taliban 1996 in Kabul einmarschierten, erzeugte das Land bereits zwei
Drittel des Weltopiums. Freilich passte das streng genommen nicht zur
Ideologie der Islamisten und die Taliban erließen im Jahr 1999 ein
Anbauverbot bei drakonischen Strafen, womit er in den von ihnen
kontrollierten Gebieten gegen Null sank. Das Jahr 1999 hatte eine
Rekordernte von 4.565 Tonnen Opium gebracht und die Preise waren in
den Keller gegangen. Die Lager waren voll, und Schlafmohn ist – im
Gegensatz zu Koka –
eine einjährige
Pflanze. Zwischen Anbau und Ernte liegt nur ein gutes halbes Jahr.
Hintergrund des Verbots könnte also auch die Verhinderung eines
weiteren Preissturzes gewesen sein. Ob es von Dauer gewesen wäre,
weiß man nicht.
    
                    &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
                    
    
Denn
im Oktober 2001 begann die 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Operation
Enduring Freedom
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    .
Bis zum Dezember waren die Taliban bereits weitgehend vertrieben, und
auf der Petersberger Konferenz bei Bonn wurde die Regierung unter
Hamid Karzai installiert. Es begannen 20 Jahre
„Sicherheitskooperation“ –
mit bekanntem Resultat.
    
                    &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
                    
    
„
    
                    &#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      War
against Terror“
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
                    
    
So
setzte mit der Jahrtausendwende sowohl in Afghanistan als auch in
Kolumbien eine Zeitenwende ein –
auch drogenpolitisch. In Kolumbien begann im Jahr 2000 der 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Plan
Colombia
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
     zur
Aufstands- und Drogenbekämpfung
mit der Einrichtung von neun Militärbasen zur Ausbildung
kolumbianischer Spezialkräfte durch U.S.-Militärs. Von den 12,6
Milliarden USD des 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Plan
Colombia
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
     waren zwei
Drittel Polizei- und Militärhilfe. Der Drogenhandel sei zur
wichtigsten Quelle der bewaffneten Aufständischen geworden, von der
man diese abschneiden wollte. Die Besprühungen mit Glyphosat wurden
noch einmal dramatisch ausgeweitet. Gesprüht wurde nun vor allem in
Gebieten, die von der Guerilla kontrolliert wurden. Ende des letzten
Jahrzehnts (FY 2010) erhielten mit Afghanistan (272,5 Mio. USD) und
Kolumbien (244,6 Mio. USD) zwei Schlüsselländer im „Krieg gegen
den Terror“ mehr als 50 Prozent des INL-Gesamtbudgets von 878,7
Mio. USD.
    
                    &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
                    
    
Ein
Kongressbericht vom Dezember 2020 –
an dem Demokraten und Republikaner mitgearbeitet hatten,
unterzeichnet noch von Donald Trumps Außenminister
Mike Pompeo – bezeichnet den 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Plan
Colombia
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
     als
erfolgreich bei der Aufstandsbekämpfung, aber drogenpolitisch als
gescheitert. In der Tat: Kokaanbau und Kokainproduktion liegen auf
einem Allzeithoch. Und die Bereitschaft der FARC-Guerilla zu
Friedensverhandlungen hatte wohl eher militärstrategische
Hintergründe. Offenbar erlaubte moderne U.S. Militärtechnologie
(sog. 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      high value
targeting
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    ), ihre
Camps unter dem Blätterdach der tropischen Wälder zu orten. Eine
Reihe ihrer Comandantes wurde auf diese Weise gezielt getötet oder
gefangen.
    
                    &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
                    
    
„You
are going to have to spray“, richtete Präsident
Trump dem amtierenden kolumbianischen Präsidenten Iván Duque bei
dessen Besuch in Washington Anfang 2020 aus. Nachdem die
Weltgesundheitsorganisation WHO erklärt hatte, Glyphosat sei
„möglicherweise krebserregend“, waren die Besprühungen im Jahr
2015 im Rahmen der Friedensverhandlungen zwischen der
Vorgängerregierung und den FARC eingestellt worden. Präsident Juan
Manuel Santos erhielt für das Friedensabkommen im Jahr 2016 den
Friedensnobelpreis. Nach sechs Jahrzehnten war der Kampf gegen die
älteste und größte Guerilla zu Ende.
    
                    &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
                    
    
Doch
in einer Volksbefragung stellte sich eine knappe Mehrheit gegen das
Friedensabkommen und die Regierung von Iván Duque, der von Anfang an
dagegen war, vollzog es seit 2018 nur widerwillig bis gar nicht. Eine
Fünfjahresbilanz sieht düster aus. Zwar verlief die Demobilisierung
der FARC weitgehend erfolgreich: 6.804 Kämpfer gaben 8.994 Waffen ab
und wurden in 19, von Polizei und Militär bewachten 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Transitional
Normalization Concentration Zones
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
untergebracht. Heute gelten 13.608 FARC-Kämpfer als demobilisiert.
Weniger erfolgreich verlief dagegen deren gesellschaftliche
Integration. Bis Ende Oktober 2021 wurden fast 300 ehemalige
FARC-Kämpfer ermordet. Taten, die fast immer straflos blieben.
    
                    &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
                    
    
Der
kolumbianischen Regierung ist es nicht gelungen, in den von den FARC
verlassenen Gebieten (rechts-) staatliche Präsenz herzustellen.
Außerstaatliche bewaffnete Gruppen füllten das Vakuum. Seit 2017
sind alle diese bewaffneten Gruppen stärker geworden. Amtliche
Zahlen sprechen von der Guerilla 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Ejercito
de la Liberación Nacional
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
(ELN, 2.200 Kämpfer), FARC-Dissidenten 5.500, kriminelle Banden
8.350 – zusammengenommen mehr als 16.000; NGO-Zahlen liegen noch
höher. Mord- und Totschlagsverbrechen haben in den ersten neun
Monaten des Jahres 2021 um 18 Prozent zugenommen, Massaker um 9
Prozent. Für Menschenrechts- und Ökoaktivisten ist Kolumbien das
gefährlichste Land der Welt. Auch Massenvertreibungen nehmen weiter
zu. Bis September 2021 registrierten die Vereinten Nationen 46.321
Fälle.
    
                    &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
                    
    
Nicht
erst seit der Verquickung von Drogen- und Terrorbekämpfung mündet
diese Art der martialischen Angebotsbekämpfung in ein
Nachhaltigkeitsdesaster: Seit Präsident Samper unter
Korruptionsvorwürfen Washingtons im Jahr 1994 zur Einwilligung in
das Besprühungsprogramm gedrängt wurde, hat man in Kolumbien rund
2,5 Millionen Hektar Koka vernichtet, etwa das 15-fache des
historischen Maximums der Anbaufläche (171.000 Ha im Jahr 2017). Bis
zum Jahr 2013 wurde laut Statistik alljährlich das Mehrfache dessen
„vernichtet“, was überhaupt vorhanden war –
das Gegenteil einer rationalen und nachhaltigen Strategie. Der
Kokaanbau ist dadurch zu einer extrem volatilen Angelegenheit
geworden. Verschwunden oder auch nur entscheidend vermindert ist er
nicht. Mit der besonders umstrittenen Besprühung
von Kokafeldern mit Pflanzengift aus der Luft kann man vielmehr von
einer regelrechten Bauernvertreibung sprechen. Bei einer
Gesamtbevölkerung von knapp 50 Millionen Menschen sind in Kolumbien
fast 8 Millionen Menschen auf der Flucht – vor allem infolge des
Bürgerkriegs. Kolumbien ist damit noch vor Syrien das Land mit den
meisten Binnenflüchtlingen. Die Politik der Kokavernichtung ohne
Nachhaltigkeit hat zum Problem unfreiwilliger Migration sicherlich
nicht unwesentlich beigetragen.
    
                    &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
                    
    
Kapitel
4 des Friedensabkommens von 2016 sah das bestausgestattete aber auch
ehrgeizigste Programm (PNIS – 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Programa
Nacional Integral de Sustitución de Cultivos de Uso Ilícito
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    )
zur Kokareduzierung vor. Die Reduzierung sollte von den Bauern
freiwillig und bei einer Überbrückungskompensation erfolgen. Die
Regierung würde danach mit Programmen der Alternativproduktion und
Infrastrukturförderung eine Umstellung der bäuerlichen Produktion
auf legalen Anbau fördern. Auch wenn die vorgesehenen Fristen nach
allen Erfahrungen viel zu ehrgeizig waren. Ein Problem bestand darin,
dass verschiedentlich extra Koka angebaut wurde, um in den Genuss der
Kompensation zu kommen. Unter der Regierung Santos wurden immerhin
noch 106 solcher kollektiven Abkommen in 98 Gemeinden geschlossen.
Nachfolger Iván Duque war schon während seines Wahlkampfes dagegen
und das Programm wurde faktisch gestoppt. Kokaanbau sei eben einfach
illegal, sagte der Verantwortliche. Man kehrte zur zwangsweisen
Eradikation unter dem Schutz von Polizei und Militär zurück. Ein
Dekret erlaubt ferner die Rückkehr zur Besprühung mit Pflanzengift,
die jedoch nicht erfolgte, weil nunmehr Washington sich weigerte, es
weiter zu finanzieren.  Freiwillige Kokaeradikation findet praktisch
überhaupt nicht mehr statt. Von den Familien, die sich auf das
Programm eingelassen hatten, erhielten nach Auskunft des
kolumbianischen Rechnungshofes bis zum Dezember 2020 nur 1 Prozent
das vollständige Hilfspaket. Die Enttäuschung ist groß und das
Misstrauen gegenüber der Regierung nahm zu. Bis Juli 2021 hatten
67.235 am PNIS teilnehmende Familien zusammen 44.294 ha. reduziert.
Und wo freiwillig reduziert worden war, waren bis Ende 2020 98
Prozent der Flächen auch kokafrei geblieben.
    
                    &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
                    
    
Ein
Monitoring-Bericht des 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Washington
Office on Latin America
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
(WOLA) über fünf Jahre Friedensprozess beklagt vor allem, dass
Kapitel 4, dem Kapitel 1 „Agrarreform“ davongeeilt sei und auch
an sich viel zu zögernd bis gar nicht umgesetzt wird. Denn
überraschenderweise: Wo es denn umgesetzt wurde, hat PNIS
erstaunlich gut funktioniert. Voraussetzung zum Erfolg sei eine
zivile Regierungspräsenz. Diese hat es nun noch schwerer. „Die
einzige Präsenz des Staates, die wir sehen, sind die
Eradikationstrupps, geschützt von Polizei und Militär“, klagen
betroffene Bauern.
    
                    &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
                    
    
Der
erwähnte WOLA-Bericht spricht von einem starken Abkommen und
mangelndem politischem Willen, es umzusetzen. Präsident Iván Duque
nannte es vor der UNO-Generalversammlung im September 2021 ein
„schwaches Abkommen mit der FARC-Terroristengruppe“. In der Tat
standen die FARC bis vor kurzem noch auf einer U.S.-Terrorliste,
wodurch für bestimmte Aspekte eine U.S.-Unterstützung blockiert
war. Bleibt die Hoffnung auf eine Wiederbelebung des
Friedensprozesses,  wenn ab August 2022 eine neue Regierung die
Amtsgeschäfte in Bogotá führt.
    
                    &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Totalfiasko
in Afghanistan
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
                    
    
Während
ich diese Zeilen schreibe, ist der Ukrainekonflikt zum Krieg geworden
und das Thema Waffenlieferungen ist entschieden. Teile der
veröffentlichten Meinung waren vorher bereits nicht müde geworden,
eine Aufrüstung der Ukraine zu fordern, um den Preis einer Invasion
in die Höhe zu treiben. Das ist nun plausibler denn je. Indes: Den
Hauptpreis zahlen jedenfalls immer Zivilisten. Manche Studien
sprechen von 80-90 Prozent der Todesopfer in kriegerischen
Auseinandersetzungen seit 1945. Und nicht zuletzt sollte man sich
über die – auch zukünftige –
innere Verfassung des Empfängerlandes
im Klaren sein. In Afghanistan haben westlicher Interventionismus und
Militärkooperation eben eine bestens mit modernem Kriegsgerät
ausgestattete Extremistengruppe an der Regierung hinterlassen.
Militärisch und geostrategisch ein Totalfiasko. Und wie steht es um
Wirtschaft und Gesellschaft? Nach zwanzig Jahren westlicher Dominanz
erlebte
das Land am Hindukusch gerade einen Hungerwinter. Schon vor dem
August 2021 war die Hälfte der Bevölkerung auf externe Hilfe
angewiesen. Die Nahrungsmittelimporte sind so hoch wie die
Eigenproduktion. Doch dafür ist kein Geld vorhanden. Die Exporte
(nach Indien, Pakistan und die Vereinigten Arabischen Emirate) lagen
im Jahr 2020 bei rund 780 Millionen USD; die Reserven der Notenbank
in Kabul schätzten die UN im letzten Herbst auf 362 Mio. USD in bar;
die (hauptsächlich in den USA) eingefrorenen Devisenreserven, über
deren Teilfreigabe aus humanitären Gründen man gerade nachdenkt,
auf 9 Mrd. USD. Laut einem Bericht der Vereinten Nationen vom
November 2021 besteht die Gefahr, dass 97 Prozent der Bevölkerung
unter die Armutsgrenze abrutschen.
    
                    &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
                    
    
Inmitten
dieser dramatischen Situation gibt es einen Bereich, der nach zwanzig
Jahren westlicher Sicherheitskooperation floriert: Drogen. In den
vergangenen fünf Jahren hat Afghanistan stets Rekordernten von über
6.000 Tonnen Opium eingefahren. Wenigstens hier konnte man also seit
Jahren sehen, dass da etwas schief läuft. Von 2020 auf 2021
verbuchte man einen Zuwachs um 8 Prozent auf nunmehr 6.800 Tonnen,
aus denen sich 270-320 Tonnen reines Heroin gewinnen lassen. Die
afghanischen Einnahmen aus dem Opiatgeschäft werden auf 1,8 – 2,7
Mrd. USD geschätzt und liegen damit weit über denen der legalen
Exporte – die Erlöse
auf den internationalen Märkten dürften bei 40 Mrd. liegen. Die
bäuerlichen Schlafmohnproduzenten beziehen daraus zirka 425
Millionen. Wie werden sich die Taliban dazu verhalten? Für
nichtstaatliche Akteure, wie Warlords, waren und sind Drogengeschäfte
jedenfalls eine formidable Einkommensquelle. Und während die
Preisentwicklung auf den internationalen Märkten zuletzt auf eine
Marktsättigung beziehungsweise Überproduktion hindeutete, hat die
Unsicherheit seit dem August 2021 die Preise in Afghanistan in die
Höhe schnellen lassen. Vor diesem Hintergrund ist eine neuerliche
Rekordernte 2022 vorprogrammiert.
    
                    &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
                    
    
Wer
sagt, dass zwanzig Jahre nach dem Beginn der 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Operation
Enduring Freedom
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
nur das Opiumgeschäft floriere, hat trotzdem Unrecht. Seit 2014
produziert Afghanistan auch Metamphetamin für die Märkte der
Region, und Cannabis erlebt eine Renaissance; hier liegen die
Hektarerträge mit 7.400 USD/ha im Verhältnis zum Opium (2.200)
sogar noch deutlich höher, die Bauern haben also mehr davon. Ein
eben von den Taliban verhängtes Verbot für Anbau und Produktion von
Drogen muss den Test auf seine Ernsthaftigkeit und Vollziehbarkeit
erst noch bestehen.
    
                    &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
                    
    
Der
deutsche Bundespräsident Frank Walter Steinmeier sagte seinerzeit
als frischgebackener Außenminister der Großen Koalition in seiner
Rede vor der Münchener Sicherheitskonferenz sinngemäß, die
Bundesrepublik sei zu wichtig, um das internationale Geschehen nur
von der Außenlinie zu kommentieren. Als jahrzehntelanger Beobachter
der internationalen Drogenpolitik hatte man sich damals schon
gewünscht, wenigstens dies wäre der Fall gewesen. Tatsächlich hat
man in Europa die desaströsen Interventionen Washingtons stets
mitgetragen – allenfalls noch arbeitsteilig begleitet im Sinne
einer entwicklungspolitischen Behübschung durch „Alternative
Entwicklung“, sozusagen als „Damenprogramm“ zum 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      War
on Drugs
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    . Heute
muss man sagen: Es ist höchste Zeit, mit blinder Gefolgschaft
aufzuhören und weiterhin dafür Geld aus dem Fenster zu werfen.
Projekte „Alternativer Entwicklung“ können einen Beitrag
leisten, wo die Rahmenbedingungen stimmen, wo politischer Wille und
Geduld vorhanden sind. Ein nachhaltig positives Gegenbeispiel ist das

    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Thai-German Highland
Development Project
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    .
Mit langem Atem (18 Jahre, von April 1981 – Dezember 1998) und
einem partizipativen Ansatz gelang es, den Opiumanbau im
thailändischen Projektgebiet von 9.000 Hektar auf 1.000 Hektar zu
reduzieren; seither fluktuiert er zwischen 400 und 900 Hektar. Es
geht nur mit den Bauern, nicht gegen sie. Nullsummenspiele sind
unrealistisch. Zur Bekämpfung der Organisierten Kriminalität sollte
man vor allem verstärkt dort ansetzen, wo es richtig weh tut: Beim
bisher arg vernachlässigten Kampf gegen Geldwäsche. Angesichts der
Herausforderungen durch neuartige Substanzen und die Vermarktung über
das Darknet scheinen Prävention und Therapie vielversprechender als
Verbote und Kontrollen. Man hilft den Betroffenen 
    
                    &#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      und
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
    
                    
    
trägt indirekt dazu bei, den illegalen Markt auszudünnen.
Hardcore-Konsumenten und Suchtkranke stellen nämlich eine
verlässliche und relativ preisunelastische Dauernachfrage dar. So
verbrauchen beispielsweise in den USA ein Viertel der
Kokainkonsumenten zwei Drittel des geschätzten Angebots. Die
Debatten auf der Sondergeneralversammlung der Vereinten Nationen
(UNGASS 2016) zum Thema Drogen haben einen Weg in die richtige
Richtung aufgezeigt. Die Einbettung der Drogenpolitik in die
Nachhaltigen Entwicklungsziele der Agenda 2030 hat einen
entsprechenden Rahmen vorgegeben. Nun gilt es zu handeln. Die
internationale Drogenpolitik braucht keine Schönredner, sondern neue
Spielmacher.
    
                    &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
                    
    Weitere Beiträge zum Thema weiter unten in diesem Blog.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Tue, 19 Apr 2022 13:07:25 GMT</pubDate>
      <guid>https://www.robert-lessmann.com/drogenpolitik-augen-zu-und-weiter-so7af51f03</guid>
      <g-custom:tags type="string" />
      <media:content medium="image" url="https://cdn.website-editor.net/s/4e3a91da2fa849afa260009be23256a9/dms3rep/multi/afghan_004.jpg">
        <media:description>thumbnail</media:description>
      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Bolivien: Rückkehr zur Demokratie. Eine Bilanz.</title>
      <link>https://www.robert-lessmann.com/bolivien-rueckkehr-zur-demokratie-eine-bilanze1a4c0a8</link>
      <description />
      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
                  
  
Am
8. November 2020 wurde nach einem fulminanten Wahlsieg von 55,1
Prozent die Regierung von Luis Arce (MAS) angelobt. Carlos D. Mesa
(Comunidad
Ciudadana)
landete mit 28,8 Prozent abgeschlagen auf Platz zwei. Das
konterrevolutionäre Abenteuer des Kleinbürgertums war nach einem
Jahr zu Ende. Doch handelte es sich nach 37 Jahren nur um eine kurze
Unterbrechung der Demokratie oder ist sie dauerhaft gefährdet? Wie
geht es weiter? Zeit für eine Bilanz.

                &#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/s/4e3a91da2fa849afa260009be23256a9/dms3rep/multi/DSC00041.JPG" alt="" title=""/&gt;&#xD;
  &lt;span&gt;&#xD;
  &lt;/span&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Blicken
wir zurück: Langzeitpräsident Evo Morales (MAS) hatte das knappe
Votum eines Referendums vom Februar 2016 ignoriert und war entgegen
der Verfassungsbestimmungen erneut zu den Wahlen vom Oktober 2019
angetreten. Die schwache und zersplitterte Rechtsopposition nützte
die Gunst der Stunde und mobilisierte bereits vor den Wahlen –
teilweise auch gewalttätig – gegen angeblich bevorstehenden
Wahlbetrug. Als dann noch in der Wahlnacht die Schnellauszählung
(nicht die amtliche!) angehalten wurde, sah sie sich bestätigt.
Menschen gingen auf die Straße. Sechs von neun
Departements-Wahlbüros gingen in Flammen auf. OAS-Wahlbeobachter
unterstützten vorschnell die Wahlbetrugsvorwürfe der Opposition.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Ein
von ihr ausgerufener 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      paro
cívico
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
(Generalstreik) nahm zunächst nur langsam Fahrt auf, wurde dann aber
mithilfe bewaffneter Schlägerbanden, wie der
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      
Resistencia Juvenil Cochala
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    ,
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    sukzessive
ausgeweitet. Immer mehr Polizeieinheiten meuterten und der
erfolgreichste Präsident des Landes sah sich schließlich mit
Rücktrittsaufforderungen des Armeechefs, aber auch aus den Reihen
MAS-naher sozialer Bewegungen konfrontiert. Am 10. November 2019 floh
er in einer Situation offener Befehlsverweigerung zunächst ins
mexikanische Exil. Es folgte eine brutale Hexenjagd auf
Kabinettsmitglieder und vermeintliche oder echte MAS-Anhänger:innen.
Manches wirkte dabei orchestriert, vieles aber auch improvisiert. Die
MAS spricht von Putsch, ich nenne es – vorsichtiger –
Machtergreifung. Zur Erinnerung: Morales hatte – trotz erheblicher
Stimmenverluste – auch diese Wahlen mit rund 47 Prozent der Stimmen
gewonnen. Strittig war, ob er zehn Prozentpunkte Vorsprung hatte, die
nötig sind, um eine Stichwahl zu vermeiden. Nicht nur in dieser
Hinsicht wählte das Krisenmanagement der Regierung treffsicher stets
die schlechteste Option.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Machtergreifung
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Noch
während Morales die Flucht ergriff, traf sich unter der
Schirmherrschaft der katholischen Kirche und des damaligen
EU-Botschafters León de la Torre ein illustrer Kreis von
Exmandataren und Abgesandten von Oppositionspolitikern in der

    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Universidad
la Católica
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
von La Paz, die Mehrzahl davon aus dem Umfeld des verstorbenen
Exdiktators Hugo Banzer. Der Wahlzweite, Carlos D. Mesa, war nicht
dabei. Keiner der Anwesenden hatte zu dieser Zeit irgendein Mandat.
Doch es war Jorge Quiroga, Banzers Vizepräsident (der nach dessen
Krebserkrankung und -tod von August 2001 bis August 2002 auch
Präsident gewesen war), der per Handy dem Luftwaffenkommandanten
grünes Licht für den Abflug von Morales und seines Vizepräsidenten
García Linera ins Exil gab. 

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Dieser
Kreis von Männern einigte sich darauf, dass die zweite
Vizepräsidentin des Senats, Jeanine Añez, die zur gleichen Zeit in
ihrem Haus in Trinidad/ Departement Beni saß, das Machtvakuum füllen
solle, zu dessen Entstehung sie selbst beigetragen hatten. Zwei Tage
später, am 12. November, ernannte sie sich im Parlament zunächst
zur Senatspräsidentin und dann zur Interimspräsidentin, bevor sie
mit einer Bibel in der Hand in den Präsidentenpalast einzog, wobei
indigene 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Whipala
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    -Fahnen
verbrannt wurden. Zu einem späteren Zeitpunkt erklärte sie, man
würde eine Rückkehr „der Wilden“ dorthin verhindern. Den
Abgeordneten der MAS, die über eine Zweidrittelmehrheit verfügten,
wurde der Zugang zum Parlament verwehrt, sofern sie sich nicht
ohnehin in eine Botschaft geflüchtet hatten. 

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Die
Sitzung – sie soll nur acht Minuten lang gedauert haben – war
weder ordnungsgemäß einberufen worden, noch hatte die Handvoll
anwesender Abgeordneter (11 von 36) ein Quorum. Das in der Verfassung
für eine Nachfolge vorgesehene Verfahren wurde vollkommen
missachtet. Morales und García Linera hätten zunächst formal ihren
Rücktritt einreichen und dieser hätte vom Parlament bestätigt
werden müssen. Dann wäre Senatspräsidentin Adriana Salvatierra an
der Reihe gewesen, der man den Zugang zum Parlament verwehrte. Diese
Vorgänge sind Gegenstand eines ersten Verfahrens gegen Añez, das am
28.
März begann.
Der frühere Interimspräsident und Präsident des
Verfassungsgerichtshofs, Rodríguez Veltzé, nannte sie zurückhaltend
„eine grobe Entgleisung der Institutionalität“.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
War
Frau Añez angetreten, um Sicherheit und Ordnung wiederherzustellen
und Neuwahlen zu organisieren, so unterzeichnete sie zwei Tage später
das umstrittene Dekret 4048, das Polizei und Armee Straffreiheit für
den Schusswaffengebrauch zusicherte. Weitere zwei Tage später
starben protestierende (teilweise auch bewaffnete)
Morales-Anhänger:innen im Kugelhagel der „Sicherheitskräfte“.
Bei den Massakern von Sacaba und Senkata wurden im November 2019
insgesamt mehr als 30 Personen getötet. Sie werden Gegenstand eines
weiteren Verfahrens sein. Während Frau Añez seit März 2021 in
Untersuchungshaft sitzt, laufen die Strippenzieher aus der

    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Universidad
la Católica
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
frei herum.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Rückkehr
zur Demokratie
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Zu
einer gewissen Entfremdung im Lager der Rechten kam es, als
„Interimspräsidentin“ Añez bereits im Jänner 2020 erklärte,
sie wolle selbst kandidieren und die Wahlen mehrfach verschob –
zuletzt auch durchaus plausibel wegen der Pandemie. In der
Zwischenzeit war ihre Regierung nach Kräften bemüht, die Ergebnisse
von anderthalb Jahrzehnten 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      proceso
de cambio 
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    zu
revidieren. Die diplomatischen Beziehungen wurden auf den Kopf
gestellt, 700 kubanische Ärzte und Ärztinnen (die man in der
Pandemie gut hätte brauchen können) mit Schimpf und Schande aus dem
Land gejagt und Staatsbetriebe reprivatisiert. Die Korruption, die
leider nie überwunden worden war, nahm ungeahnte Dimensionen an. 

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Aufsehen
erregte der Ankauf völlig überteuerter und funktionsuntüchtiger
Beatmungsgeräte. Der neue Chef der Telefongesellschaft ENTEL, Elio
Montes (ein Freund von Luis Fernando Camacho, des heutigen
Gouverneurs des Depts. Santa Cruz), setzte sich nach nur 82 Tagen
unter Veruntreuungsvorwürfen in die Vereinigten Staaten ab, wo er
wegen versuchter Einfuhr großer Mengen nicht deklarierten Bargeldes
schon an der Grenze festgenommen wurde. Die Wirtschaft befand sich
ein Vierteljahr nach der Machtergreifung im freien Fall und die
politische Rechte war erneut heillos gespalten. Schließlich
erzwangen die sozialen Bewegungen unter Führung des
Gewerkschaftsbundes COB und der Landarbeitergewerkschaft CSUTCB im
August 2020 durch landesweite Straßenblockaden Neuwahlen.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Überwiegend
positive Bilanz
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Ein
Jahr nach der Amtseinführung von Präsident Arce und Vizepräsident
Choquehuanca kann man eine überwiegend positive Bilanz ziehen. Unter
dem Pragmatiker Arce wurden große Anstrengungen für eine
Impfkampagne unternommen und Bolivien kam mit seiner jungen
Bevölkerung relativ glimpflich durch die Pandemie. Der Architekt des
bolivianischen Wirtschaftswunders setzte auf die bewährten Rezepte:
Keynesianismus. Die Wirtschaft ist zurück auf Wachstumskurs – auch
dank wieder gestiegener Rohstoffpreise. Es gibt wieder einen
Außenhandelsüberschuss (1,7 Mrd. USD) und die internen Sparguthaben
sind um 23 Prozent gewachsen. Die Armutsquote konnte auf 36,3 Prozent
gesenkt werden; die der absoluten Armut auf elf Prozent. Dabei setzt
man weiter auf Extraktivismus, auch wenn der Präsident immer wieder
von der Notwendigkeit einer Diversifizierung und Importsubstitution
spricht. So will man das Projekt einer Verhüttung riesiger
Eisenvorkommen (
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      El
Mutún
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    )
wieder in Angriff nehmen. Aber das braucht Zeit, und im Vordergrund
stand zunächst Krisenmanagement.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Politisch
dauern die Turbulenzen an. Die Regional- und Gemeindewahlen vom 7.
März 2021 erwiesen sich für die MAS als vertane
Konsolidierungschance. Von den großen Städten konnte sie nur Sucre
und Oruro gewinnen, von neun Departements auf Anhieb nur drei. Bei
Stichwahlen in vier weiteren gingen alle verloren, drei davon an
MAS-Dissidenten oder ideologisch affine Kandidat:innen: Ergebnis von
Fehlern im Parteimanagement und bei der Auswahl der Kandidat:innen.
Die zweitgrößte Stadt des Landes, El Alto, ging mit fulminanten 70
Prozent an die ehemalige MAS-Senatspräsidentin Eva Copa, die
ausgetreten war, nachdem man ihr keine aussichtsreiche Kandidatur
eingeräumt hatte.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Das
größte und reichste Departement, Santa Cruz, ging mit Luis Fernando
Camacho an einen radikalkatholischen Rechtsaußen vom Zuschnitt
Bolsonaros und eine Schlüsselfigur beim Sturz von Morales. Gegen ihn
und seinen Vater liegen nicht vollzogene Haftbefehle vor. Letzterer
brüstete sich damit, wichtige Polizeikommandanten geschmiert und
damit zur Meuterei angestiftet zu haben. In La Paz wurde mit Iván
Arias ein Minister der Añez-Regierung zum Bürgermeister gewählt.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Camacho
(
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Creemos
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    )
und sein Nachfolger als Vorsitzender des 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Comité
Pro Santa Cruz
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    ,
Rómulo Calvo, traten im November 2021 als Organisatoren eines 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      paro
cívico
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
hervor, mit dem das öffentliche Leben im ganzen Land lahmgelegt
werden sollte. Er richtete sich gegen konkrete Gesetzesvorhaben –
insbesondere das Anti-Geldwäschegesetz Ley 1.382 – und forderte
mit aggressiver Rhetorik den Sturz der Regierung. Er war dann
letztlich aber nur in wenigen großen Städten spürbar, insbesondere
in Santa Cruz. Die MAS und ihr nahestehende soziale Bewegungen
konterten mit einem Marsch Zehntausender von Oruro nach La Paz. 

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Marco
Antonio Pumari, Camachos Vizepräsidentschaftskandidat, sitzt in
Untersuchungshaft. Man kann ihm wohl per Videoaufnahmen die direkte
Beteiligung am Brandanschlag auf das Wahlbüro von Potosí in der
Wahlnacht 2019 nachweisen; zwei Personen hatten sich durch einen
Sprung aus dem zweiten Stock gerade noch vor den Flammen retten
können. Selbst innerhalb von Santa Cruz gehen Risse durch das
Oppositionslager, seit bekannt wurde, dass in der Stadtverwaltung
jahrelang 800 Stellen entlohnt wurden, die nie besetzt waren:
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      
ítems fantasmas.
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
Der Hauptverdächtige wartet in Brasilien auf seine Auslieferung. Er
war 2004 von Rómulo Calvo eingestellt worden, damals
interimistischer Bürgermeister. Eine ehemalige Vizebürgermeisterin
sitzt in Untersuchungshaft. Die Ermittlungen laufen im Herzen des
politischen Estabishments von Santa Cruz, auch im engeren Umfeld von
Camacho.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Carlos
D. Mesa ist zwar qua Wahlergebnis mit seiner 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Comunidad
Ciudadana
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
stärkste Oppositionsfraktion im Parlament, persönlich aber
weitgehend unsichtbar. Sein Ruf als honorige bürgerliche Kraft des
Ausgleichs kam dem ehemaligen Journalist und Historiker durch seine
Allianzen in der Novemberkrise 2019 wohl für immer abhanden.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Ausblick
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Von
Anfang an hatten sich die alten Eliten schwer getan mit der
Machtübernahme durch die indigene und populäre
Bevölkerungsmehrheit. Das zeigte sich im Widerstand gegen die
Verfassunggebende Versammlung (Juli 2006 – Jänner 2009), die
schließlich aus Sicherheitsgründen in eine Militärkaserne vor den
Toren der Hauptstadt Sucre umziehen musste, ebenso wie im permanenten
Widerstand der Tieflanddepartements mit Separationsgelüsten und
verfassungswidrigen Autonomieabstimmungen, der im gescheiterten
Zivilputsch vom September 2008 seinen Höhepunkt fand. Durch
Selbstgefälligkeiten und eklatante Fehler animiert witterten sie
zehn Jahre später ihre Chance. Der Sturz von Morales brachte sie
kurzfristig zurück an die Macht. Dabei sind sie intellektuell
farblos, ohne Programm und so zersplittert wie eh und je. Es wäre
naiv zu glauben, dass sie aus ihrem krachenden Scheitern gelernt
hätten. Sie suchen weiter ihre Chance.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Die
Grundbesitzeroligarchie des Oriente und die kleine Bourgeoisie sowie
die internationale Gemeinschaft hatten durchaus ihren Frieden mit dem
extraktivistischen Wachstumsmodell der Morales-Regierung gemacht,
nicht zuletzt dank des Nichtvollzugs der Landreform, auch wenn ihnen
eine Rückkehr zum Status quo ante gelegen kam. Nicht zu
unterschätzen sind aber die subjektiven Abstiegsängste eines
Kleinbürgertums, von dem Viele es schwer ertragen, dass nun
womöglich die 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      empleada
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
neben ihnen im Flugzeug sitzt – oder schlimmer noch, dass
vielleicht deren Sohn ihnen im Amt gegenübersitzt, und zwar hinter
dem Schreibtisch. Indigener Triumphalismus ist zwar verständlich,
aber schädlich, weil er Gräben weiter aufreißt und die
zersplitterte Rechte eint, wo es nötig wäre, denkende Köpfe aus
der Mittelschicht zurückzugewinnen.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Bolivien
verfügt über eine enorm stark organisierte Zivilgesellschaft. Die
MAS-Regierung verstand sich immer als eine der sozialen Bewegungen.
Im August 2020 haben sie die Wahlen erkämpft, die zur Rückkehr der
MAS an die Regierung führten: der Gewerkschaftsbund COB, die
Landarbeitergewerkschaft CSUTCB, Innungsorganisationen,
Nachbarschaftskomitees, die Frauenorganisation 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Bartolina
Sisas, Vertreter:innen von insgesamt 36 indigenen
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
Völkern.
Die wichtigsten sind im Einheitspakt
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      
Pacto Unidad 
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    zusammengeschlossen.
Das ist die Stärke der MAS und die Basis des 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      proceso
de cambio
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    .


  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Dass
es bei dieser Vielfalt Interessenunterschiede und Begehrlichkeiten
gibt, ist klar. Der charismatische Übervater Morales hatte sie lange
zusammenhalten können. „Wir kennen kein anderes Land, wo
organisierte Kollektive von Bauern, Indigenen, Frauen, Arbeiter:innen
und eine bedeutende Vielfalt von Innungen die Möglichkeit haben, von
der Regierung auf direkte Weise Rechenschaft zu verlangen“, schrieb
unlängst der Kolumnist Julio Peñaloza Bretel. 

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Im
Vorfeld des Verfassungstags (22.1.) verlangte die CSUTCB ultimativ,
sieben Minister und drei Vizeminister müssten ausgetauscht werden.
Präsident Arce und Vizepräsident Choquehuanca wurden vom 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Pacto
Unidad
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
förmlich „einbestellt“. Die beiden verkörpern sozusagen das
pragmatisch-marxistische beziehungsweise das indigenistische Lager.
Die Opposition jubelte und malte bereits eine Spaltung der MAS an die
Wand. Selbst Teile der Solibewegung reagierten aufgeregt bis
hysterisch. Morales und García Linera kalmierten im Vorfeld. Nach
dem Treffen des 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Pacto
Unidad
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
mit Präsident und Vize gab es bisher noch keine Kabinettsumbildung
und ein Sprecher der CSUTCB sprach von „voller Unterstützung“
und von einem „der am meisten unterstützten Präsidenten
Lateinamerikas“.
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Klar
ist, dass man nicht über die Köpfe der sozialen Bewegungen hinweg
regieren kann. Das tut auch niemand. Ebenso klar ist, dass sich diese
sozialen Bewegungen inmitten einer noch kaum überwundenen Krise
durch ein Vorpreschen mit Partikularinteressen und (persönlichen)
Begehrlichkeiten selbst ein Bein stellen und das Gesamtprojekt
gefährden können.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Hier
wäre eine umsichtige und auf zukunftsorientierte Diskussionskultur
setzende Parteiführung gefragt, doch Parteichef Morales ist selbst
umstritten. Wo es um ihn selbst geht, scheint seine Fähigkeit zur
Integration endlich. Kritik pauschal als Spaltungsversuche „der
Rechten“ und „Verrat“ abzutun ist wenig hilfreich.
Parteiausschlüsse von Kritikern noch weniger. Faktenbefreite
Statements, wie unlängst zum Krieg in der Ukraine, legen nahe dass
Eva Copa recht haben könnte, die meinte - „bei allem Respekt“ –
Morales’ Zyklus sei abgelaufen und ein Generationswechsel
überfällig. Wie
auch immer: Nicht nur die Obstruktionspolitik der Opposition, auch
Differenzen im Regierungslager und Querelen um die Person des
Parteichefs erschweren einen Übergang von der Krisenlösung hin zur
Entwicklung einer neuen Agenda des Wandels.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Bolivien
ist ein stark von Exporten abhängiges Binnenland im Herzen
Südamerikas. Auch regional ist es politisch wie wirtschaftlich eher
ein Fliegengewicht. Mit den Wahlsiegen von Castillo in Peru und Boric
in Chile hat sich die Lage an der Pazifikflanke enorm verbessert. Bei
einer Rückkehr von Lula da Silva in Brasilien wäre sie besser denn
je und Bolivien wäre von freundlichen Nachbarn umgeben. Im Jahr 2008
hat deren kompromissloses „Nein“ den separatistischen Zivilputsch
von Santa Cruz versanden lassen. Es wäre mehr als fahrlässig, diese
Chance nun durch Sektiererei zu vergeben.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Sun, 27 Mar 2022 15:59:21 GMT</pubDate>
      <guid>https://www.robert-lessmann.com/bolivien-rueckkehr-zur-demokratie-eine-bilanze1a4c0a8</guid>
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        <media:description>thumbnail</media:description>
      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Kolumbien: Fünf Jahre Friedensabkommen  -ernüchternde Bilanz</title>
      <link>https://www.robert-lessmann.com/kolumbien-fuenf-jahre-friedensabkommen-ernuechternde-bilanzbe4b9932</link>
      <description />
      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
                  
  Als im November 2016 das Friedensabkommen zwischen der Regierung und den Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia – Ejercito Popular (FARC-EP) durch das kolumbianische Parlament gebilligt wurde, verbanden sich damit große Hoffnungen. Präsident Juan Manuel Santos bekam den Friedensnobelpreis. Fünf Jahre später wird eine überwiegend ernüchternde Bilanz gezogen.

                &#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/s/4e3a91da2fa849afa260009be23256a9/dms3rep/multi/boliv007.jpg" alt="" title=""/&gt;&#xD;
  &lt;span&gt;&#xD;
  &lt;/span&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Als
das Parlament das 310 Seiten starke Dokument schließlich billigte,
lagen bereits drei gescheiterte Anläufe (Bild:
San Vicente de Caguán, 2001) und
zuletzt vierjährige Verhandlungen mit Hilfe Kubas und Norwegens in
Havanna zurück. Kurz vorher noch war es in einem Referendum knapp
zurückgewiesen worden. Seit sich im Jahr 1964 zwei linksgerichtete
ländliche Guerillabewegungen gründeten (weitere sowie
rechtsgerichtete Paramiltärs folgten später) hatte der Konflikt
260.000 Todesopfer gefordert; 80.000 Menschen werden vermisst.
Kolumbien ist noch vor Syrien das Land mit den meisten
Binnenvertriebenen – neun Millionen, bei knapp 50 Millionen
Einwohnern; hinzu kommen zwei Millionen Flüchtlinge aus Venezuela.
    
                    &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Nach
mehr als fünf Jahrzehnten sollte nun der Frieden mit der ältesten
und stärksten Guerilla, den FARC-EP, eine neue Zeit einleiten. Nicht
nur sollten die Waffen abgegeben und die Kämpfer demobilisiert
werden. Die schwersten Menschenrechtsverbrechen würden bestraft.
Auch die Konfliktursachen wollte man angehen, namentlich die
Landfrage, das heißt den extrem ungleichen Zugang zu Boden und
Ressourcen, sowie den Drogenhandel.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Ende
November 2021 legte die Menschenrechtsorganisation 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Washington
Office on Latin America
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
(WOLA) eine detaillierte und ausführliche Bestandsaufnahme der
Implementierung vor: „
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      A
Long Way to Go: Implementing Colombia’s peace accord after five
years
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    “.
Eine Bilanz mit Licht, viel Schatten und einem optimistischen
Ausblick auf die Zukunft: „Ein starkes Abkommen brauche eine starke
Implementierung“, heißt es da. Die war bisher nicht gegeben.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Schleppende
Umsetzung und chronische Unterfinanzierung der vereinbarten Maßnahmen
werden beklagt. Wichtige Schlüsselgesetze zur Implementierung wurden
noch nicht verabschiedet. Als Hauptgrund sieht der Bericht den Mangel
an politischem Willen. Präsident Iván Duque, der im August 2018 die
Regierung übernahm, war von Anfang an ein Gegner des Abkommens.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Demobilisierung
zu 95 Prozent erfolgreich
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Zwar
verlief die Demobilisierung der FARC weitgehend erfolgreich: 6.804
Kämpfer gaben 8.994 Waffen ab und wurden in 19, von Polizei und
Militär bewachten ‚Normalisierungs- und Übergangszonen‘
untergebracht. Heute gelten 13.608 FARC-Kämpfer als demobilisiert.
Weniger erfolgreich verlief dagegen deren gesellschaftliche
Integration. Bis Ende Oktober 2021 wurden fast 300 ehemalige
FARC-Kämpfer ermordet. Taten, die fast immer straflos bleiben.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Der
kolumbianischen Regierung ist es nicht gelungen, in den von den FARC
verlassenen Gebieten (rechts-)staatliche Präsenz herzustellen.
Außerstaatliche bewaffnete Gruppen füllten das Vakuum, die seit
2017 alle stärker geworden sind. Amtliche Zahlen sprechen von 2.200
Kämpfern der Guerilla 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Ejercito
de la Liberación Nacional
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
(ELN), 5.500 FARC-Dissidenten, 8.350 Bewaffneten krimineller Banden–
zusammengenommen mehr als 16.000; NGO-Zahlen liegen noch höher.
Fälle von Mord und Totschlag haben in den ersten neun Monaten des
Jahres 2021 um 18 Prozent zugenommen, Massaker um 9 Prozent. Für
Menschenrechts- und Ökoaktivisten ist Kolumbien das gefährlichste
Land der Welt. Auch Massenvertreibungen nehmen weiter zu. Bis
September 2021 registrierten die Vereinten Nationen 46.321 Fälle.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Wenig
verwunderlich ist es vor diesem Hintergrund, dass auch die
gesellschaftliche Partizipation nicht zugenommen hat, wie im
Friedensabkommen angestrebt. Ein Fanal war die äußerst brutale
Niederschlagung sozialer Proteste (
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Paro
Nacional
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    )
seit dem 28. April 2021 – begleitet von einem regierungsamtlichen
Diskurs, der Demonstranten je nach Kontext als „Terroristen“ oder
als „Drogenhändler“ bezeichnete.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
So
gut wie nichts hat sich an der Situation der Afro-Kolumbianer (13,6
Prozent der Bevölkerung) und der Indígenas verbessert. Die
Forderung einer Verbesserung war unter dem Druck der
Zivilgesellschaft erst spät in das Abkommen aufgenommen worden. Sie
leiden besonders unter der Abwesenheit des Staates und von
Schutzmaßnahmen. Am schlimmsten betroffen ist hier das Departement
Cauca. Bis April 2021 waren 51 Prozent der dort ermordeten sozialen
Führer indigen; elf Prozent waren Afro-Kolumbianer.
Gleiches gilt für die Besserstellung sexueller Minderheiten. Eine in
Kapitel 6 des Friedensabkommens vorgesehene Kommission zur
Begleitung, Promotion und Verifizierung der Umsetzung des Abkommens
(CSIVI) sei praktisch bedeutungslos, so der WOLA-Bericht: Sie
moribund zu nennen, sei keine Übertreibung. Dagegen funktioniere die
externe  Begleitung durch die 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      United
Nations Verification Mission in Colombia
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    .
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Mangel
an politischem Willen
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Kapitel
1 des Friedensabkommens stellt die Landfrage als Konfliktursache in
den Mittelpunkt. Wenige Länder der Welt weisen eine derartige
Ungleichheit auf. 0,2 Prozent der Produzenten besitzen Flächen über
1.000 Hektar und damit 32,8 Prozent des Farmlandes; 69,5 Prozent
dagegen weniger als 5 Hektar und damit 5,2 Prozent des Farmlandes.
Kolumbien ist eines der wenigen Länder, wo es im 20. Jahrhundert
keine Landreform gegeben hat, vielmehr eine brutale Gegen-Landreform.
Und die Bauernvertreibung durch bewaffnete Gruppen, oft im Dienste
von Großgrundbesitzern oder Drogenhändlern, gehe weiter. Daher sei
es sehr enttäuschend, dass man gerade hier dem Budget- und Zeitplan
schlimm hinterherhinke, so der Report.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Relativ
gut funktioniere die 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Jurisdicción
Especial para la Paz
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
(JEP). Der erste vor diesen Spezialgerichten behandelte Fall betraf
Massenentführungen. Sieben FARC-Kommandanten waren geständig. Der
zweite Fall waren die sogenannten
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      
falsos positivos
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    ,
ermordete Zivilisten, die in Guerillauniformen gesteckt wurden, um
die „Erfolgsstatistik“ der „Sicherheitskräfte“ aufzubessern.
Dokumente des Verteidigungsministeriums sprechen für den Zeitraum
von 2002 bis 2008 von 12.908 getöteten Kämpfern – fast die Hälfte
davon, nämlich 6.402, waren unschuldige Zivilisten.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
-------------------------------------------------------------------------------------------------
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Zum
12. November 2021 waren vor der JEP angeklagt:
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
frühere
FARC-Mitglieder				9.819 (73,9%)
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Sicherheitskräfte						3.313
(24,9%)
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
zivile
Regierungsmitglieder				   151 (1,1%)
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Straftäter
im Rahmen sozialer Proteste		     12 (0,1%)
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Kritisiert
wird an den Gerichten insbesondere, dass auch schwerste
Menschenrechtsverbrechen mit 5-8 Jahren Freiheitsentzug außerhalb
regulärer Gefängniseinrichtungen geahndet werden können, in
manchen Fällen
gekoppelt an einen automatischen Sitz im Parlament. Iván Duque nennt
das Straflosigkeit.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Drogenkrieg
scheitert vor sich hin
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Kokaanbau
und Kokainproduktion liegen auf Rekordniveau. Trotz – oder
vielleicht gerade wegen – heute beinahe fünf Jahrzehnten des „War
on Drugs“. 12.6 Milliarden USD hat Washington im Rahmen des 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Plan
Colombia
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
seit dem Jahr 2000 dafür ausgegeben, Geheimdienstkooperation nicht
mitgerechnet. Die Einnahmen aus dem illegalen Geschäft stellen eine
wichtige Finanzierungsquelle für irreguläre bewaffnete Gruppen dar.
Mit dem 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Programa
Nacional Integral de Sustitución de Cultivos Ilícitos
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
(PNIS) sah Kapitel 4 des Friedensabkommens das bisher
bestausgestattete, aber auch ehrgeizigste Programm zur
Kokareduzierung vor. Sie sollte von den Bauern freiwillig und bei
einer Überbrückungskompensation erfolgen. Die Regierung würde
danach mit Programmen der Alternativproduktion und
Infrastrukturförderung eine Umstellung der bäuerlichen Produktion
auf legalen Anbau fördern. 

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Auch
wenn die vorgesehenen Fristen nach allen Erfahrungen viel zu
ehrgeizig waren, wurden unter der Regierung Santos immerhin 106
solcher kollektiven Abkommen in 98 Gemeinden geschlossen. Ein Problem
bestand darin, dass verschiedentlich extra Koka angebaut wurde, um in
den Genuss der Kompensation zu kommen. Nachfolger Iván Duque war
schon während seines Wahlkampfes dagegen und das Programm wurde
faktisch gestoppt. Kokaanbau sei eben einfach illegal. Man kehrte zur
zwangsweisen Eradikation unter dem Schutz von Polizei und Militär
zurück. 

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Ein
Dekret erlaubt ferner die Rückkehr zur Besprühung der Kokafelder
mit Pflanzengift, die im Rahmen der Friedensverhandlungen 2015
eingestellt worden war, nachdem die Weltgesundheitsorganisation WHO
das verwendete Herbizid 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Glyphosat
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
als „wahrscheinlich krebserregend“ bezeichnet hatte. Die Rückkehr
zur Besprühung erfolgte jedoch bisher nicht, weil nunmehr Washington
sich weigerte, das Programm weiter zu finanzieren. Freiwillige
Kokaeradikation findet praktisch überhaupt nicht mehr statt. Von den
Familien, die sich auf das Programm eingelassen hatten, erhielten
nach Auskunft des Rechnungshofes bis zum Dezember 2020 nur 1 Prozent
das vollständige Hilfspaket. Die Enttäuschung ist groß und das
Misstrauen gegenüber der Regierung nahm weiter zu. Indes: Bis Juli
2021 hatten 67.235 am PNIS teilnehmende Familien zusammen 44.294
Hektar
reduziert. Und wo freiwillig reduziert worden war, waren bis Ende
2020 98 Prozent der Flächen auch kokafrei geblieben.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Der
Monitoring-Bericht des WOLA über fünf Jahre Friedensprozess beklagt
vor allem, dass Kapitel 4 dem Kapitel 1 ‚Agrarreform‘ davongeeilt
sei und auch an sich viel zu zögernd bis gar nicht umgesetzt wird.
Denn überraschenderweise: Wo es umgesetzt wurde, hat PNIS
erstaunlich gut funktioniert. Voraussetzung für den Erfolg sei eine
zivile Regierungspräsenz. Diese hat es nun noch schwerer. „Die
einzige Präsenz des Staates, die wir sehen, sind die
Eradikationstrupps, geschützt von Polizei und Militär“, klagen
betroffene Bauern.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Während
der WOLA-Bericht von einem starken Abkommen spricht und mangelnden
politischen Willen zur Umsetzung beklagt, nannte Präsident Iván
Duque es vor der UNO-Generalversammlung im September 2021 ein
„schwaches Abkommen mit der FARC-Terroristengruppe“. In der Tat
standen die FARC bis vor kurzem noch auf einer US-Terrorliste,
wodurch für bestimmte Aspekte des Friedensprozesses eine
US-Unterstützung blockiert war. Bleibt die Hoffnung auf eine
Wiederbelebung der  Programme, wenn ab August 2022 eine neue
Regierung die Amtsgeschäfte in Bogotá führt. Ihre Laufzeit ist bis
2032 angesetzt.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
wola.org/analysis/a-long-way-to-go-implementing-colombias-peace-accord-after-five-years
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Zum
Weiterlesen:
robert-lessmann.com/proceso-de-paz-y-guerra-contra-las-drogas-en-colombia-sostenibilidad-y-alternativas
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
robert-lessmann.com/kolumbien-drogenbekaempfung-und-friedensprozess
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Wed, 02 Feb 2022 11:17:43 GMT</pubDate>
      <guid>https://www.robert-lessmann.com/kolumbien-fuenf-jahre-friedensabkommen-ernuechternde-bilanzbe4b9932</guid>
      <g-custom:tags type="string" />
      <media:content medium="image" url="https://cdn.website-editor.net/s/4e3a91da2fa849afa260009be23256a9/dms3rep/multi/boliv007.jpg">
        <media:description>thumbnail</media:description>
      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Irrlichtern im Europaparlament: Jeanine Añez für Menschenrechtspreis vorgeschlagen</title>
      <link>https://www.robert-lessmann.com/irrlichtern-im-europaparlament-jeanine-anez-fuer-menschenrechtspreis-vorgeschlagenc6a6b120</link>
      <description />
      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
                  
  
Interfraktioneller Kuhhandel ermöglicht den Rechtspopulisten
Propagandasiege der besonderen Art. Die bolivianischen Zeitungen
waren voll davon, und auch hierzulande schaffte es die Meldung bis in
die Schlagzeilen und Hauptabendnachrichten: Jeanine Añez
für den Sacharow-Menschenrechtspreis nominiert. Das Ansehen der
europäischen Institutionen könnte beschädigt
 werden.

                &#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/s/4e3a91da2fa849afa260009be23256a9/dms3rep/multi/037.JPG" alt="" title=""/&gt;&#xD;
  &lt;span&gt;&#xD;
  &lt;/span&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Es sei ja nichts passiert, ist
zu hören. Bekommen wird den
Preis nun Alexei
Nawalny. Doch die Nominierung der nach dem Sturz von Evo Morales im
November 2019 selbsternannten „Interimspräsidentin“ Jeanine Añez
unter den ersten drei Kandidaten war ein veritabler Propagandaerfolg
und wurde von der politischen Rechten in Bolivien entsprechend
zelebriert. Geht es ihr
doch darum, die vor einem Jahr mit 55 Prozent
der Stimmen gewählte Regierung von Luis Arce (MAS – Movimiento al
Socialismo) und damit auch
die Rückkehr zur
Demokratie im Andenland zu diffamieren und zu destabilisieren:
Aktuell durch
verfassungswidrig separatistische
„Gesetzgebungsprojekte“
in oppositionellen Departementen (in
Bereichen, die in die Kompetenz der Zentralregierung fallen);
durch die Organisation von landesweiten Streiks (die
regelmäßig scheitern)
und durch die Diffamierung der Aufarbeitung der Geschehnisse
rund um die extralegale
Machtergreifung vom November 2019 als „Rachejustiz der MAS“. Und
es war nicht der erste Propagandacoup. Im
Frühsommer forderte eine Resolution des
Europaparlaments die
sofortige Freilassung von Frau Añez nach ihrer „ungerechtfertigten
und willkürlichen“ Festnahme. Beide Projekte wurden von der
rechtpopulistischen spanischen VOX initiiert.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Worum
geht es?
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Der
Sacharow-Preis für geistige Freiheit (auch EU-Menschenrechtspreis
genannt) wird seit 1988 vom Europäischen Parlament an
Persönlichkeiten oder Organisationen verliehen, die sich in
herausragender Weise für
die Verteidigung der Menschenrechte
und der Meinungsfreiheit einsetzen. Erster
Preisträger
war Nelson Mandela. Jeanine Añez ist freilich
nie
durch den
Einsatz
für Meinungsfreiheit und Menschenrechte hervorgetreten. Vielmehr
sitzt sie selbst seit März dieses
Jahres
unter anderem wegen des
Vorwurfs,
Menschenrechtsverbrechen begünstigt
zu haben, in
Bolivien in Untersuchungshaft. Neben ihr unter anderem vier Generäle
der Streitkräfte. In
den Tagen vor und nach dem Sturz von Präsident Evo Morales am 10.
November 2019 herrschten heftige Unruhen. Zwei
Tage nach ihrer Machtergreifung jenseits der Verfassungsbestimmungen
- das
heißt unter Missachtung
der in Artikel 169 vorgesehenen Abfolge, ohne reguläre
Parlamentssitzung, unter Ausschluss der MAS-Mehrheitsfraktion und
ohne Quorum - unterzeichnete
sie am
14. November 2019 das
Dekret 4078, das den Sicherheitskräften bei ihren Einsätzen
Straffreiheit zusicherte. Bereits einen
Tag
später starben sechs Demonstranten im Kugelhagel von Polizei und
Militär, als ihr Marsch bei Sacaba vor den Toren der Stadt
Cochabamba gestoppt wurde. Weitere
115 erlitten Schussverletzungen. Nur
vier Tage später folgte das Massaker von Senkata/ El Alto. Insgesamt
starben mindestens 30 Menschen. Die
postwendende Behauptung des damaligen Innenministers
Arturo Murillo, der vielen als der eigentlich starke Mann der
„Interimsregierung“ gilt, die Sicherheitskräfte hätten keinen
einzigen Schuss abgegeben, die protestierenden
Morales-Anhänger hätten
sich vielmehr gegenseitig erschossen, ist in ihrem ganzen Zynismus
längst widerlegt. Alle
starben durch Kugeln der Sicherheitskräfte. Es
folgte Ende 2019, Anfang 2020 eine beispiellose Welle der politischen
Repression gegen Funktionäre und Anhänger der gestürzten
MAS–Regierung.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Die
Verfahren gegen Añez drehen sich um drei Kategorien von
Tatbeständen:
Die außerkonstitutionelle Machtergreifung,
die Verantwortung
für die Repression (insbesondere das Dekret 4078) und um Fälle der
Korruption, mit denen sie direkt in Verbindung stehen
soll.
Noch handelt es sich um Untersuchungshaft. Für
die Eröffnung eines sogenannten „juicio de responsabilidades“
(gegen ehemalige Mandatsträger) bedarf es der Zustimmung des
bolivianischen Parlaments. Als „Präsidentin“ trägt Frau Añez
nominell sicherlich eine Hauptverantwortung für die Vorkommnisse
während
ihrer Amtzeit. Andererseits wird sie vielfach als fotogenes
Aushängeschild gesehen, während andere im Hintergrund die Fäden
zogen, die nun versuchen, Jeanine Añez als Opfer der „Rachejusitz
der MAS“ darzustellen. Aus
deren Perspektive könnte
sie tatsächlich
das
„Bauernopfer“ sein. Die Vorgänge aufzuklären ist sicherlich der
wichtigste Aspekt der
Verfahren und Jeanine
Añez
hat
selbstverständlich das Recht auf ein faires Verfahren und
ordentliche Haftbedingungen. Beides ist in Bolivien keine
Selbstverständlichkeit. Insofern ist aufmerksame Beobachtung
angebracht. Frau Añez
soll unter Bluthochdruck und Depressionen leiden. Wie man hört,
steht ihr rund um die Uhr ein Arzt zur Verfügung und stets darf ein
Familienangehöriger bei ihr sein. Andere Häftlinge im
Frauengefängnis von Miraflores/ La Paz protestierten gegen diese
Sonderbehandlung.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Internationale
Kampagne eines rechten Netzwerks
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Während
Añez in der politischen Auseinandersetzung als
Opfer stilisiert wird, muss
sich ihr
Innenminister Arturo Murillo
wegen Bestechung, Korruption  und Geldwäsche im Zusammenhang mit dem
Kauf von Tränengas (zum doppelten des marktüblichen Preises)
verantworten. Nicht
etwa vor der „Rachejustiz der MAS“, sondern vor einem US-Gericht.
Seine
Komplizen waren bereits geständig. Eine
zentrale Rolle für
die Internationalisierung der
Opfer-Kampagne
spielt die rechtspopulistische spanische VOX, die
im
Europaparlament
der
Fraktion ECR angehört
(European
Conservatives and Reformists; stärkste Kraft in
der Fraktion ist
die polnische PiS). VOX
hat dort 
sowohl die Nominierung von Frau Añez für den Menschenrechtspreis
als auch die erwähnte Resolution betrieben. Unter die drei
Kandidaten
der
Endauswahl schaffte
sie es dann im Rahmen eines Kuhhandels mit der Unterstützung der
Sozialdemokraten, die sich durch die Nominierung einer im Grunde
unwählbaren Kandidatin vielleicht größere Chancen für ihre
eigenen
Kandidatinnen,
elf afghanische Menschenrechtlerinnen, ausrechneten.
Ob sie sich der verheerenden Wirkung jenseits des Atlantiks bewusst
waren? Die
im Jahr 2014
mit Geld aus Unternehmergruppen und ultrakatholischem
Hintergrund gegründete VOX wendet sich im Rahmen
eines Kulturkampfes vehement gegen baskischen
Separatismus sowie ganz allgemein gegen Sozialismus
und Kommunismus. Auf internationaler Ebene widmet sich VOX
insbesondere der Vernetzung mit
der
„Iberoesfera“, dem ehemaligen spanischen Kolonialraum. Zu
den Unterzeichnern ihrer
einschlägigen „Carta de Madrid“ gehört unter anderem Arturo
Murillo. Intensive Kontakte bestehen daneben zum Uribe–Lager in
Kolumbien, zu den Fujimoristas in Perú - und bestanden zumindest zur
Trump-Familie und zu Steve Bannon.
Eine
zentrale Rolle als Netzwerker in Südamerika spielt Eduardo
Bolsonaro, ein Sohn des amtierenden brasilianischen Präsidenten. Im
Wissen um diesen Kontext dürften
die Dreistigkeit
des
Anliegens und die Tatsache, dass man den größten Teil der
Hintergründe verschweigt, nicht überraschen.
Verheerend kann das ausgehen, wenn sich diese Initiativen in einem
Umfeld der Ahnungslosigkeit und des Desinteresses entfalten können.
Das
Ansehen des Menschenrechtspreises und der europäischen Institutionen
könnte Schaden nehmen.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Fri, 05 Nov 2021 17:24:52 GMT</pubDate>
      <guid>https://www.robert-lessmann.com/irrlichtern-im-europaparlament-jeanine-anez-fuer-menschenrechtspreis-vorgeschlagenc6a6b120</guid>
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      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Kolumbien: Kokabesprühung aus der Luft - Hundert Jahre Einsamkeit?</title>
      <link>https://www.robert-lessmann.com/kolumbien-kokabespruehung-aus-der-luft-hundert-jahre-einsamkeit9d3c4e49</link>
      <description />
      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
                  
  
"Die
Definition von Wahnsinn ist, immer das Gleiche zu tun und andere
Ergebnisse zu erwarten." Der Satz wird Albert Einstein
zugeschrieben. Während in der internationalen Drogenpolitik nach
Jahrzehnten der Beharrung und angesichts zunehmender Probleme die
Weichen auf Reformen stehen, setzt die kolumbianische Regierung auf
Maßnahmen, die seit einem Vierteljahrhundert in ein
Nachhaltigkeitsdesaster mit hohen ökologischen und sozialen Kosten
münden. Kritiker vermuten, der „Wahnsinn“ hat Methode:
Bauernvertreibung und Landraub.

                &#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/4e3a91da2fa849afa260009be23256a9/dms3rep/multi/bol40.JPG" alt="" title=""/&gt;&#xD;
  &lt;span&gt;&#xD;
  &lt;/span&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Als
katastrophales Jahr für die Menschenrechte bezeichnete das
katholische Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat das Jahr 2020. Kolumbien
gilt als das gefährlichste Land der Welt für
Menschenrechtsaktivist:innen. Das Büro der UN-Hochkommissarin für
Menschenrechte, Michelle Bachelet, verzeichnete bis zum 16. Dezember
66 Massaker, die Menschenrechtsorganisation INDEPAZ gar 93. Die
Anzahl der Tötungen von Aktivist:innen (
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      lideres
sociales
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    )
erreichte ein schockierendes Ausmaß: 292 laut INDEPAZ.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Dahinter
stehe die Drogenmafia, versicherte auf dem Höhepunkt einer Welle der
Gewalt im August der inzwischen verstorbene damalige
Verteidigungsminister Holmes Trujillo, der in Kolumbien auch für die
Polizei zuständig ist. Daher müsse man die Besprühung der
illegalen Drogenpflanzen aus der Luft mit Glyphosat wieder aufnehmen.
Die illegalen Kokapflanzungen und der Drogenhandel seien der
wichtigste Feind des Friedens in Kolumbien. 

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
In
der Tat spielte der Kampf gegen den Drogenhandel und den Kokaanbau
auch im Friedensabkommen zwischen der Regierung und den FARC (Fuerzas
Armadas Revolucionarias de Colombia) von 2016 eine wichtige Rolle.
Dazu müssten nachhaltige und partizipative Strategien mit den
Produzentengemeinschaften entwickelt werden, heißt es da. Die
umstrittenen Besprühungen waren während der Verhandlungen im Jahr
2015 ausgesetzt worden, nachdem die Weltgesundheitsorganisation WHO
Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft hatte.
Seither waren Kokaanbau und Kokainproduktion auf ein Rekordniveau
geklettert, weshalb Donald Trump dem kolumbianischen Präsidenten
Iván Duque bei dessen Besuch im Weißen Haus im März 2020
ausrichtete: „You’re going to have to spray.“
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Nachhaltigkeitsdesaster
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Kampagnen
zur Reduzierung des Kokaanbaus sind in Kolumbien mehr als ein
Vierteljahrhundert alt. Besprühungen mit Pflanzengift gegen
Kokafelder vom Flugzeug aus begannen im Jahr 1994. Präsident Ernesto
Samper willigte in eine deutliche Ausweitung der umstrittenen
Besprühungsprogramme ein, nachdem Kolumbien zweimal die

    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      certification
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
für drogenpolitisches Wohlverhalten durch Washington entzogen worden
war (1996 und 1997) und Sanktionen drohten.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Interessanterweise
kam es gleichzeitig zu einem Prozess der Importsubstitution. Die
großen „Kartelle“ von Medellín und Cali waren zerschlagen
worden und ihre kleineren Nachfolger kauften nicht mehr in den
traditionellen Koka-Produzentenländern Peru und Bolivien ein,
sondern zu Hause. Drogenpolitische Erfolge wurden vom Markt direkt in
ihr Gegenteil gewendet; man spricht auch von einem Ballon-Effekt. Gab
es zu Beginn der 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      fumigaciones
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
im Jahr 1994 44.700 Hektar Koka in Kolumbien, so waren es im Jahr
2000 163.300. Und während der Kokaanbau 1994 auf sechs Provinzen
beschränkt war, gab es zur Jahrtausendwende Kokaanbau in 23 der 33
Departements. (Alle Zahlen aus Berichten des Drogenkontrollprogramms
der Vereinten Nationen, UNODC).
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      ﻿ 
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
    
                    
    Die
Besprühungen wurden – nun im Rahmen der 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      seguridad
democrática 
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    (
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Plan
Colombia
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    )
vermehrt unter dem Schutz des Militärs – noch einmal ausgeweitet
und von einer Kampagne der manuellen Eradikation (ebenfalls unter dem
Schutz des Militärs) ergänzt. Die Drogenpolitik unter der Prämisse
der 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      seguridad
democrática
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
des Präsidenten Álvaro Uribe Vélez ging davon aus, dass
Drogeneinnahmen die wichtigste Stütze illegaler bewaffneter Gruppen
darstellen, und wollte ihnen diese entziehen.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Eine
Halbierung des Kokaanbaus zwischen 2000 und 2004 wurde durch eine
aggressive Besprühungskampagne erreicht, die sich auf die beiden
FARC-Guerillahochburgen Caquetá und Putumayo konzentrierte: In
Caquetá ging die Kokaanbaufläche von 26.000 Hektar (2000) auf 6.500
Hektar (2004) zurück; in Putumayo von 66.000 (2000) auf 4.386 Hektar
(2004). Das heißt: Eine landesweite Reduzierung um 80.000 Hektar
wurde praktisch ausschließlich in Caquetá und Putumayo erzielt –
Hochburgen der FARC, wo der Anbau in den folgenden Jahren dann auch
am stärksten wieder zunahm.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;!--StartFragment--&gt;    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Eradikation als Waffe im Bürgerkrieg
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
    &lt;!--EndFragment--&gt;    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Der
Ballon-Effekt wurde auch innerhalb Kolumbiens wirksam. Sehen wir uns
die Details des Erfolgsjahres 2008 nach einzelnen Departements an:
Den wichtigsten Reduzierungen in Cundinamarca (-91%), Arauca (-79%),
Meta (-47%), Vichada (-56%) stehen Zuwächse gegenüber in Caldas
(234%), Valle de Cauca (361%), Chocó (159%) und Boyacá (149%).
Insgesamt konnte die Kokaanbaufläche damals um 18 Prozent reduziert
werden (UNODC June 2009).
    
                    &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Im
Ergebnis kann man diese Politik als Nachhaltigkeitsdesaster
bezeichnen. Seit Präsident Samper unter Korruptionsvorwürfen
Washingtons im Jahr 1994 zur Einwilligung in das Besprühungsprogramm
gedrängt wurde, hat man in Kolumbien rund 2,5 Millionen Hektar Koka
vernichtet, etwa das 15-fache des historischen Maximums der
Anbaufläche (171.000 ha im Jahr 2017). Bis zum Jahr 2013 wurde laut
Statistik alljährlich das Mehrfache dessen „vernichtet“, was
überhaupt vorhanden war – das Gegenteil einer rationalen und
nachhaltigen Strategie. Der Kokaanbau ist dadurch zu einer extrem
volatilen Angelegenheit geworden. Verschwunden oder auch nur
entscheidend vermindert ist er nicht.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Bei
der besonders umstrittenen Besprühung von Kokafeldern mit
Pflanzengift aus der Luft kann man vielmehr von einer regelrechten
Bauernvertreibung sprechen. Bei einer Gesamtbevölkerung von knapp
49,6 Millionen Menschen sind in Kolumbien fast 8 Millionen auf der
Flucht – vor allem infolge des Bürgerkriegs. Kolumbien ist damit
noch vor Syrien das Land mit den meisten Binnenflüchtlingen (UNHCR
2019). Hinzu kommen rund zwei Millionen Flüchtlinge aus Venezuela.
Die Politik der Kokavernichtung ohne Nachhaltigkeit hat zum Problem
unfreiwilliger Mobilität in Kolumbien sicherlich noch beigetragen.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Es
gibt unzählige Berichte und Studien über schädliche
gesundheitliche und ökologische Auswirkungen der Besprühung mit
Glyphosat und anderen Beimischungen, ebenso wie Klagen über
mangelnde Zielgenauigkeit. Auch Felder mit legitimen Produkten und
selbst Projekte der Alternativen Entwicklung wurden versehentlich
besprüht. Es wird von Gegenmaßnahmen der Bauern berichtet, weshalb
die empfohlene Konzentration von Glyphosat überschritten und
aggressivere Chemikalien beigemischt würden. Der langjährige
Experte Ricardo Vargas geht davon aus, dass nur weniger als ein
Drittel der besprühten Felder auch tatsächlich vernichtet würden.
Doch selbst wenn man nur die Angaben über die manuelle Eradikation
zwischen 2008 und 2018 addiert, kommt man auf  442.947 Hektar, das
Zweieinhalbfache des historischen Maximums des Anbaus (171.000 Ha.).
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Die
Strategie der zwangsweisen Kokaeradikation ist nicht nachhaltig und
daher zur Drogenkontrolle unbrauchbar. Sie hat stattdessen
ökologische Probleme geschaffen und die Lebensunsicherheit in den
betroffenen Regionen erhöht. Die Frage muss erlaubt sein, weshalb
man ungeachtet desaströser Ergebnisse an dieser Strategie festhält
und sogar zu einer Politik der 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      fumigaciones
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
zurückkehren will.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Präsident Iván
Duque – allein zu Haus
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Im
Rahmen des Friedensprozesses wurde mit dem 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Programa
Nacional Integral de Sustitución de Cultivos Ilícitos 
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    das
bis dato umfassendste und beste Programm der Alternativen Entwicklung
verabschiedet. Die Bauern würden Überbrückungshilfen und
technische Unterstützung bei der Umstellung der Produktion erhalten.
Experten hielten allerdings die Fristen für viel zu ambitiös.
Innerhalb des ersten Jahres sollten 100.000 Hektar reduziert werden.
Das hatte noch nie geklappt – nirgendwo! Vor allem aber wurde es
auch nicht umgesetzt. Mit dem Regierungswechsel von 2018 ging auch
noch der politische Wille verloren und damit einmal mehr das
Vertrauen der bäuerlichen Produzent:innen. Zwischen 2015 (96.000
Hektar) und 2017 (171.000 Hektar) hat sich die Anbaufläche beinahe
verdoppelt. Die von den FARC-Kämpfern geräumten Territorien wurden
oftmals nicht von den staatlichen Institutionen besetzt, sondern von
anderen Guerillagruppen, FARC-Dissidenten, die aus dem
Friedensprozess ausscherten, Neo-Paramilitärs und kriminellen
Banden, die um die territoriale Kontrolle kämpfen.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Stets
war Washington mit seiner Sanktionspolitik die treibende Kraft hinter
Politiken der Zwangseradikation. So hat man mit Washington im Oktober
2019 eine Halbierung des Kokaanbaus bis 2023 vereinbart, wobei man
von solchen Reduzierungen in der Praxis weit entfernt ist. Das
Eradikationsziel für 2020 lag bei 130.000 Hektar – 2019 erreichte
man 15.000 von geplanten 80.000. Eine Halbierung des Kokaanbaus wurde
beim Stand von 169.000 Hektar auch zum Auftakt des
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      
Plan Colombia
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
im Jahr 1999 vereinbart. Seither hat der US-Steuerzahler dafür zehn
Milliarden US-Dollar ausgegeben und die Produktion ist auf
Rekordhöhe, wie ein kritischer Kongressbericht vom Dezember 2020
anmerkt. 

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Nichts
weist darauf hin, dass dieses Ziel heute realistischer ist. 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Plan
Colombia
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
sei ein Erfolg für die Aufstandsbekämpfung, aber drogenpolitsch
gescheitert, heißt es in dem noch von Trumps Außenminister Mike
Pompeo mitunterzeichneten Bericht beider Kongressparteien, von dem
man eben deshalb annimmt, dass er die Grundlage für die
Drogenpolitik der Biden-Administration darstellen dürfte. In der
Tat: In einem Strategiepapier für das erste Amtsjahr kommt das Wort
Eradikation nicht einmal vor.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Nichtdestoweniger
hat Präsident Iván Duque im April per Dekret 380 die Tür zu einer
Rückkehr zur Besprühung von Kokafeldern aus der Luft geöffnet.
Doch er steht mit seiner Position zunehmend einsam da. In Kolumbien
selbst haben die Senatoren Iván Marulanda (Grüne) und Feliciano
Valencia (
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Movimiento
Alternativo Indígena Social
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
- MAIS) bereits im letzten Jahr einen Gesetzentwurf  (236) zur
Regulierung der Kokaproduktionskette vorgelegt, mit Fokus auf
Menschenrechten, öffentlicher Gesundheit und Schadensminderung. Es
geht dabei um Unterstützung für indigene und marginalisierte
Gemeinschaften, die Koka anbauen. Aber er schlägt auch vor, dass der
kolumbianische Staat die Rolle eines globalen Anbieters für Kokain
auf einem regulierten Markt übernimmt. Obwohl es unwahrscheinlich
ist, dass es verabschiedet wird, ist dieses Reformprojekt doch
geradezu revolutionär für die internationale Debatte. Und: Auch
Gustavo Petro, der frühere Bürgermeister von Bogotá und in
Umfragen aussichtsreiche Präsidentschaftskandidat, kann der Idee,
den illegalen Drogenmärkten die Rentabilität zu entziehen, etwas
abgewinnen, wie er unlängst in einem TV-Interview erklärte. Eine
Rückkehr zur Besprühungspolitik lehnt er strikt ab.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Der
Beitrag fußt auf einem Arbeitspapier für das deutsch-kolumbianische
Friedensforschungsinstitut CAPAZ (
    
                    &#xD;
    &lt;a href="http://www.instituto-capaz.org/"&gt;&#xD;
      &lt;u&gt;&#xD;
        
                        
        www.instituto-capaz.org
      
                      &#xD;
      &lt;/u&gt;&#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
                    
    ); spanische und deutsche Vorabversionen weiter unten in diesem Blog.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <enclosure url="https://cdn.website-editor.net/4e3a91da2fa849afa260009be23256a9/dms3rep/multi/bol40.JPG" length="583614" type="image/jpeg" />
      <pubDate>Tue, 15 Jun 2021 11:30:15 GMT</pubDate>
      <guid>https://www.robert-lessmann.com/kolumbien-kokabespruehung-aus-der-luft-hundert-jahre-einsamkeit9d3c4e49</guid>
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        <media:description>thumbnail</media:description>
      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Proceso de Paz y Guerra contra las Drogas en Colombia: Sostenibilidad y Alternativas</title>
      <link>https://www.robert-lessmann.com/proceso-de-paz-y-guerra-contra-las-drogas-en-colombia-sostenibilidad-y-alternativas5b881a7d</link>
      <description />
      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
                  
  Contexto internacional, experiencias regionales y locales

                &#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/4e3a91da2fa849afa260009be23256a9/dms3rep/multi/b22.jpg" alt="" title=""/&gt;&#xD;
  &lt;span&gt;&#xD;
  &lt;/span&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Lista
de siglas y acrónimos
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
ACNUDH	Alto
Comisionado de las Naciones Unidad para los Derechos Humanos
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
CIA	Central
Intelligence Agency ‘Agencia Central de Inteligencia’
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
DEVIDA	Comisión
Nacional para el Desarrollo y Vida sin Drogas
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
ELN	Ejército
de Liberación Nacional 

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
ETA	estimulantes
de tipo anfetamínico
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
FARC-EP	Fuerzas
Armadas Revolucionarias de Colombia – Ejército del Pueblo 

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
FELCN	Fuerza
Especial de Lucha Contra el Narcotráfico
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
FIP	Fundación
Ideas para la Paz 

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
HCL	clorhidrato
de cocaína —cocaína en polvo—
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
INCB	International
Narcotics Control Board ‘Junta
Internacional de Fiscalización de Estupefacientes’ (JIFE)
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
INCSR	International
Narcotics Control Strategy Report
‘Reporte
de la Estrategia Internacional de Control de Narcóticos’
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
INDEPAZ	Instituto
de Estudios para el Desarrollo y la Paz
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
INL	Bureau
of International Narcotics and Law Enforcement Affairs ‘Oficina
Internacional de Narcóticos y Aplicación de la Ley’, U.S. Dept.
of State
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
LSD	dietilamida
de ácido lisérgico
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
NAS	Law
Enforcement and Narcotics Affairs Section
‘Sección
de Asuntos de Aplicación de la Ley y Narcóticos’ 

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
NSP	nuevas
sustancias psicoactivas
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
OMS	Organización
Mundial de Salud 

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
ONU	Organización
de Naciones Unidas
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
PACS	Programa
de Apoyo a la Conservación Sostenible de la Biodiversidad
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
PBC	pasta
base de cocaína
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
PIB	producto
interno bruto 

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
PNIS	Programa
Nacional Integral de Sustitución de Cultivos Ilícitos


  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
PWID
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      	people
who inject drugs
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
‘personas que se inyectan drogas’
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
SIMCI	Sistema
Integrado de Monitoreo de Cultivos Ilícitos 

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
UDESTRO	Unidad
de Desarrollo Económico Social del Trópico de Cochabamba 

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
UDESY	Unidad
de Desarrollo Económico y Social de los Yungas de
La Paz 

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
UMOPAR	Unidad
Móvil de Patrullaje Rural
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
UNAIDS	Joint
United Nations Programme on HIV/AIDS ‘Programa Conjunto de las
Naciones Unidas sobre el VIH/SIDA’
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
UNGASS	United
Nations General Assembly Special Session ‘Sesión Especial de la
Asamblea General de las Naciones Unidas’
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
UNODC	United
Nations Office on Drugs and Crime ‘Oficina de Naciones Unidas
contra la Droga y el Delito’
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
UNODCCP 	United
Nations Office on Drug Control and Crime Prevention
‘Oficina de las Naciones Unidas para el Control de las Drogas y la
Prevención del Delito’
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Introducción
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
“Un
año
catastróphico”, así llama la institución católica benéfica
alemana, 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Adveniat
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    ,
el 2020 para los derechos humanos en Colombia.
    
                    &#xD;
    &lt;a href="#sdfootnote1sym"&gt;&#xD;
      
                      
      1
    
                    &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
                    
    
Colombia
está considerada el país más peligroso para defensores de los
derechos humanos y activistas del medio ambiente.  Los homicidios a
líderes sociales alcanzaron una magnitud chocante.
    
                    &#xD;
    &lt;a href="#sdfootnote2sym"&gt;&#xD;
      
                      
      2
    
                    &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
                    
    
Hasta
el 16 de diciembre de 2020, la Oficina del Alto Comisionado de las
Naciones Unidas para los Derechos Humanos (ACNUDH) había registrado
66 masácres; el Instituto
de Estudios para el Desarrollo y la Paz (INDEPAZ)
publica la cífra de 93 con 381 víctimas para 2020.
    
                    &#xD;
    &lt;a href="#sdfootnote3sym"&gt;&#xD;
      
                      
      3
    
                    &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
                    
    
Según
informes de INDEPAZ
también han
sido asesinados
64
excombatientes de las FARC-EP (Fuerzas Armadas Revolucionarias de
Colombia – Ejército del Pueblo), quienes, aun habiendo entregado
las armas en el marco de los acuerdos de paz concertados con el
Gobierno colombiano, fueron asesinados
    
                    &#xD;
    &lt;a href="#sdfootnote4sym"&gt;&#xD;
      
                      
      4
    
                    &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
                    
    .
El número total de víctimas aumenta si se revisan los registros de
años atrás; en el año 2019, por ejemplo, fueron asesinados en
Colombia 64 defensores del medioambiente, tantos como en ningún otro
país. Esta cantidad representa un incremento del 150 % en
relación con el año anterior, y en la mayoría de los casos se
trata de indígenas (Global Witness, 2020).
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
El
recién fallecido Ministro de Defensa, Carlos Holmes Trujillo
    
                    &#xD;
    &lt;a href="#sdfootnote5sym"&gt;&#xD;
      
                      
      5
    
                    &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
                    
    ,
ya en agosto del último año
aseguró, que detrás de estos hechos se encuentra la mafia de la
droga. En consecuencia, debería retomarse la aspersión aérea con
glifosato para la erradicación de cultivos ilícitos, en la medida
en que los cultivos ilegales y el narcotráfico son considerados los
principales enemigos de la paz en Colombia (Redacción Digital,
2020).
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
La
lucha contra el narcotráfico y el cultivo de la coca
    
                    &#xD;
    &lt;a href="#sdfootnote6sym"&gt;&#xD;
      
                      
      6
    
                    &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
                    
    
tiene un papel importante en el Acuerdo
Final para la Terminación del Conflicto y la Construcción de una
Paz Estable y Duradera de
2016, expresado en el punto 4 “Solución al Problema de las Drogas
Ilícitas” así:
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Para contribuir al propósito de
sentar las bases para la construcción de una paz estable y duradera
es necesario, entre otros, encontrar una solución definitiva al
problema de las drogas ilícitas, incluyendo los cultivos de uso
ilícito y la producción y comercialización de drogas ilícitas.
(Acuerdo Final, 2016, p. 98)  

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Adicionalmente,
las partes consensuaron sobre la necesidad de introducir: “1.
Programas de sustitución de cultivos de uso ilícito. Planes
integrales de desarrollo con participación de las comunidades
—hombres y mujeres— en el diseño, ejecución y evaluación de
los programas de sustitución y recuperación ambiental en las áreas
afectadas por dichos cultivos” (Acuerdo de Paz).
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Con
base en este contexto, el presente documento de trabajo desea aportar
un panorama global sobre el desarrollo y control del comercio
internacional de las drogas ilícitas, enfocándose en las
experiencias en torno a la lucha contra la siembra de materia prima
en países andinos, particularmente en Colombia, así como también
en sus repercusiones en la economía, la sociedad y el proceso de
paz, y así, finalmente, llegar a una serie de recomendaciones.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      El
control internacional de las drogas: estado del arte y nuevos retos
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
La
UNODC (Oficina de Naciones Unidas contra la Droga y el Delito) estima
en 269 millones el número total de consumidores de sustancias
controladas en todo el mundo. En 35.6 millones de casos se trata de
un “consumo problemático”. Solamente uno de cada siete de estos
casos  puede
encontrar
 un lugar de terapia adecuado (UNODC,
2020a). En 2017, fallecieron por esta causa alrededor de 585 000
personas en relación con las aproximadamente 200 000 en hace
menos de una década. La mayoría de las complicaciones de salud y de
víctimas fatales están relacionadas con el consumo de heroína y de
otros opioides, a causa de sobredosis, y también debido a los
efectos nocivos para la salud que a largo plazo produce el alto nivel
de adicción, o a las infecciones por VIH o VHC, virus que provocan
el sida y la hepatitis C, respectivamente (UNODC, 2019b). Las
personas que se inyectan drogas (
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      people
who inject drugs
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
—PWID—) corren el riesgo de infección por VIH, que es 23 veces
más alto que el del promedio de la población, y más del 80 %
de las PWID tienen o han tenido infección por VHC (UNODC, 2019).
Según estimaciones de la ONU, hay 11.3 millones de PWID, de las
cuales 5.6 millones están infectadas con hepatitis y 1.4 millones
han dado positivo en VIH. De las 585 000 personas fallecidas por
el consumo de drogas en 2017, la mitad había desarrollado hepatitis
C, enfermedad que, al no ser tratada médicamente, provoca cirrosis o
cáncer de hígado (UNODC, 2019b).
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Por
el contrario, los problemas de salud relacionados con el consumo de
cocaína son mucho menos. El número de consumidores de cocaína
(según la prevalencia anual) a nivel mundial se estima en 19
millones —en relación con el cannabis (192 mills.), los opioides
(58 mills.), las anfetaminas y los estimulantes de prescripción
obligatoria (27 mills.), el éxtasis (21 mills.)— (UNODC, 2020b).
Con respecto a la cocaína, se trata en gran medida de consumo libre
ocasional. Así, por ejemplo, en Australia se contabiliza que solo el
3 % de sus consumidores la usan una vez por semana o con mayor
frecuencia (UNODC, 2020b). Sin embargo, el tráfico de cocaína
representa una importante fuente de financiamiento para las
organizaciones criminales e insurgencias armadas. Según la UNDOC
(2011),
el volumen global de lavado de dinero está entre 1.2 y 1.6 billones
(1000 mil
millones)
de dólares estadounidenses, de los cuales cerca de 350 000
millones se ubican en el mercado global de las drogas, y de
estos, 85 000 millones proceden de la cocaína. Cabe
señalar que probablemente menos del 1 % del
capital lavado
 es descubierta y confiscada. Estas cifras evidencian no solamente la
dimensión del problema, sino también que se ha descuidado su
atención. El tráfico ilícito de drogas representa la columna
vertebral del crimen organizado internacional. Y el tráfico de la
cocaína desempeña un papel fundamental, ya que está mucho mejor
organizado y centralizado que las otras ramas (Lessmann, 2017).
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Los
estudios de la UNODC sobre lavado de dinero estiman las utilidades de
las organizaciones colombianas, producto de la cocaína, en 9.4 mil
millones
de dólares estadounidenses (en el año 2009). Esto representó
aproximadamente el 11 % de las utilidades globales de la
cocaína, lo que equivalía al 3 % del producto interno bruto
(PIB) colombiano (UNODC, 2011). Desde entonces estas utilidades deben
haberse incrementado ligeramente. Es claro que ahora se está
produciendo mucha más cocaína. Sin embargo, al mismo tiempo ha
aumentado el promedio del grado de pureza de los productos en las
ventas al consumidor y los precios han caído, es decir que hay menor
ganancia por unidad
    
                    &#xD;
    &lt;a href="#sdfootnote7sym"&gt;&#xD;
      
                      
      7
    
                    &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
                    
    .
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
“La
economía se ensucia”, con esta expresión economistas colombianos
describieron hace ya dos décadas el proceso de una corrupción y
degeneración social, no solamente a través del soborno, sino
mediante la penetración de larga data del capital “negro” en la
economía legal, proveniente de los negocios ilegales (Arrieta, 1990;
Dietz
et ál.,
2001). Hasta ahora, el régimen internacional de control de drogas se
ha centrado —de manera unilateral y sin éxito— en impedir
 el consumo, la producción y el procesamiento de drogas,
fundamentándose en la Convención Única de 1961 sobre
Estupefacientes
    
                    &#xD;
    &lt;a href="#sdfootnote8sym"&gt;&#xD;
      
                      
      8
    
                    &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
                    
    .
Pero ¿nos hemos acercado a su objetivo general, consistente en
erradicar o al menos en frenar el uso no medicado de sustancias
controladas durante los últimos cincuenta años? Los defensores del

    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      statu
quo
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
de la política de drogas se refieren a los denominados “no
eventos” en el terreno: argumentan que, sin una represión
estricta, todo habría empeorado. La realidad es que el número de
consumidores de droga se eleva. Como ya se mencionó, a nivel mundial
se estima hoy en 269 millones de personas. Aun teniendo en cuenta el
crecimiento poblacional, esta cantidad es muy superior a la reportada

    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      ad
portas
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
del nuevo milenio (141 millones de consumidores en 1999); casi se ha
duplicado. Por consiguiente, los retos también
han
aumentado; mientras que, en el tiempo del primer tratado de
fiscalización internacional sobre drogas, la Convención de La Haya
de 1912, eran siete “sustancias controladas”, en su centésimo
cumpleaños (2012) ya eran 234 —de todas formas 2.75 veces más que
en 1961 al cierre de la Convención Única— (UNODC, 2013a)
    
                    &#xD;
    &lt;a href="#sdfootnote9sym"&gt;&#xD;
      
                      
      9
    
                    &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
                    
    .
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Los
mercados internacionales de drogas y la gama de sus productos se han
tornado mucho más complejos e imprevisibles durante la última
década, y, por ende, también los problemas relacionados con las
drogas, por ejemplo, la variedad de nuevas sustancias producidas en
laboratorios: nuevas sustancias psicoactivas (NSP), estimulantes de
tipo anfetamínico (ETA), euforizantes legales, las cuales llegan al
mercado en altas cantidades y a través de nuevas dinámicas. Frente
a esta situación el régimen internacional de control de drogas, con
sus listados de “sustancias controladas”, llega a sus límites,
teniendo en cuenta que estos no se pueden adaptar con la rapidez
requerida (UNODC, 2019). Estas nuevas sustancias suelen ser más
fáciles de producir y más difíciles de controlar. Generalmente las
transacciones internacionales
o transcontinentales no son necesarias y, por lo tanto, las
posibilidades del Ejecutivo para detectarlas son menores. Aunque se
esperaba que las nuevas sustancias desplazaran las sustancias
clásicas de origen vegetal, no ha ocurrido así; hoy en día
representan mucho más una ampliación y complementación de la
oferta. 

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Actualmente,
con la denominada “crisis
de opioides”,
se presentan de nuevo problemas agravados relacionados con el consumo
de sustancias con prescripción obligatoria, debido a su producción
ilegal o a la desviación de sus cadenas de mercadeo legales y
controladas. Se estima que en los Estados Unidos hay 10.5 millones de
personas que utilizan opioides farmacéuticos de forma no medicada
(UNODC, 2019/3). En el año 2017, fallecieron en este país 70 237
personas por sobredosis de opioides, lo que representa un incremento
del 10 % en relación con el año anterior. En Canadá se
contabilizaron 3998 fallecidos por esta misma razón, un incremento
del 33 % (UNODC, 2019a). Vale aclarar que, aunque la crisis de
opioides (fentanyl) se ha concentrado hasta ahora en Norteamérica,
el alto número de confiscaciones es hoy un motivo de preocupación
también en Europa (UNODC, 2019/3). Y en África, por ejemplo, hay
problemas con el consumo del tramadol no medicado, sustancia que no
se encuentra bajo el control internacional (UNODC, 2019/3).
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Por
último ,
los esfuerzos realizados durante décadas para mantener la
prohibición y el control policial sobre la oferta de drogas están
siendo socavados por los mercados globales de drogas que operan en la

    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      darknet
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
(‘red oscura’). El mercado de drogas en internet es un fenómeno
que tiene apenas una década de existencia, aún con poco alcance
debido a que, en gran medida, está todavía restringido al comercio
minorista y al Norte global. Sin embargo, durante la pandemia del
coronavirus este segmento de mercado está registrando fuertes
incrementos. 

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Teniendo
en cuenta tales desarrollos, los enfoques políticos de salud,
prevención y terapia ganan mayor peso en los debates sobre políticas
de drogas frente a la lucha contra la oferta (Lessmann, 2020). Al
darle prioridad a la salud pública, se llega al punto neurálgico
del tema. El debate se centra en el consumo no solamente porque busca
ayudar a los afectados, sino también porque contribuye
indirectamente a la reducción del mercado ilegal. Los consumidores
duros y los adictos representan una demanda confiable, constante y,
relativamente, inelástica al precio. Así, por ejemplo, en los
Estados Unidos una cuarta parte de los consumidores de cocaína
consumen dos tercios de la oferta estimada (UNODC, 2016).
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      La
cocaína  
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      y

    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      la
lucha contra la droga 
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      por
el lado de la oferta
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Durante
los años setenta y ochenta, en los países industriales
occidentales, especialmente en los Estados Unidos, se incrementó la
demanda de determinadas sustancias controladas, sobre todo de
marihuana, heroína y cocaína, como también de LSD (dietilamida de
ácido lisérgico). Esto se vio reflejado en el fuerte aumento de las
superficies cultivadas con materias primas de base vegetal de donde
provienen estas sustancias y en el montaje de cadenas de
procesamiento y comercialización ilegales. Ya en 1971, el presidente
norteamericano Richard Nixon había “declarado la guerra” a las
drogas. No obstante, solamente el presidente Ronald Reagan
(1981-1989) tomó en serio la declaración de guerra. Con la
modificación del acta Posse Commitatus en 1981 se logró establecer
la base legal para hacer uso del Ejército en la lucha contra el
comercio ilegal de drogas (Lessmann, 1996). Si bien la militarización
se limitó inicialmente al control de las fronteras nacionales
(
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      border
interdiction
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    ),
a partir de mediados de los
años
1980
se dio una externalización del control  de las drogas por
parte de los Estados Unidos
(Lessmann, 1996). Dado que el “control de fronteras” no tuvo el
éxito esperado, el lema, entonces, fue: “¡Vamos a la fuente!”.
Mediante una serie de leyes antidrogas generadas entre 1986 y 1988 se
impusieron sanciones a los llamados “países
productores
de drogas” —también a los países de tránsito más
importantes—, que cada presidente podía suspender por un año
(
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      certificación
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    ,
hoy: 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      determinación
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    )
en el caso de que se trabajara de manera cooperativa en el control de
las drogas. Se trató de una espada de Damocles peligrosa, mediante
la cual Washington logró en lo sucesivo imponer su política en los
países involucrados. Como la
percepción del
problema número uno de la droga estaba relacionado con la cocaína,
fue principalmente en países productores suramericanos (Bolivia,
Colombia y Perú) donde se dio una americanización y militarización
del control de la droga (Lessmann, 1996; 2015). Dicha política
estuvo ligada a intromisiones graves en la soberanía nacional:
intromisión en los actos legislativos; creación
,
armamento y capacitación de unidades policiales especializadas;
involucramiento de los militares en la lucha contra la droga;
actividades del personal militar y de la policía de los Estados
Unidos en el país anfitrión intervenido, aun en funciones
directivas; secuestro de presuntos narcotraficantes para
extraditarlos a Estados Unidos; intervenciones militares temporales
en Bolivia (Operation
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    Blast
Furnace en
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    1986)
y en Panamá (Operation
Just Cause en
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    1989-1990).
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Con
la “estrategia Andina” (Lessmann, 1996) de enero de 1990, bajo el
gobierno de George Bush sénior, se incrementó drásticamente la
ayuda policial y militar a Bolivia, Colombia y Perú. Al mismo tiempo
se amplió el presupuesto para las operaciones antidrogas del Comando
Sur de las Fuerzas Militares de
los Estados Unidos 
en Panamá, de 230 pasó a 430 millones de dólares. Luego, estos
tres países andinos fueron sometidos a un sistema altamente
sofisticado de vigilancia por radar. Soldados élite de las Fuerzas
Especiales del Ejército de los Estados Unidos fueron involucrados en
la guerra contra la droga, y
los así llamados
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      
Tactical Analisis Teams
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
(equipos de análisis táctico – hoy en día conocidos cómo
Sección de Acción Narcóticos, NAS), compuestos de personal militar
y del servicio de inteligencia, conducían las operaciones
antinarcoticos desde las embajadas respectivas de los  Estados Unidos

(Lessmann, 1996). Estas intromisiones en la soberanía nacional de
los países afectados provocaron protestas y controversias políticas
internas.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Los
resultados de más de treinta y cinco años de “guerra
contra la droga” bajo  la
dirección
de Washington en Latinoamérica son más que desencantador:
la producción de coca que debiera haber sido eliminada, o al menos
contenida, registró en 2017 su volumen más alto en la historia con
1976 toneladas
    
                    &#xD;
    &lt;a href="#sdfootnote10sym"&gt;&#xD;
      
                      
      10
    
                    &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
                    
    .
El centro de los cultivos de coca (en 2017 eran 245 400 ha)
    
                    &#xD;
    &lt;a href="#sdfootnote11sym"&gt;&#xD;
      
                      
      11
    
                    &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
                    
    
se trasladó en los años noventa de Bolivia y Perú hacia Colombia
y, entre tanto, retornaron de nuevo a esos países. Hoy en día
Colombia tiene una participación del 70 % en el cultivo y la
producción de coca. Y en ese sentido, la política de erradicación
de cultivos -
controlada
desde
el exterior
- ha causado que en las zonas de cultivo se vulneren derechos
humanos, exista inestabilidad política y ocurran muertes violentas. 

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Tabla
1. 
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
    
                    
    Cultivo
de coca en hectáreas, recuento histórico 1986-2010
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;table&gt;&#xD;
    &lt;tbody&gt;&#xD;
      &lt;tr&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            &lt;br/&gt;&#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            &lt;b&gt;&#xD;
              
                              
              1986
            
                            &#xD;
            &lt;/b&gt;&#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            &lt;b&gt;&#xD;
              
                              
              1990
            
                            &#xD;
            &lt;/b&gt;&#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            &lt;b&gt;&#xD;
              
                              
              1995
            
                            &#xD;
            &lt;/b&gt;&#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            &lt;b&gt;&#xD;
              
                              
              2000
            
                            &#xD;
            &lt;/b&gt;&#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            &lt;b&gt;&#xD;
              
                              
              2005
            
                            &#xD;
            &lt;/b&gt;&#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            &lt;b&gt;&#xD;
              
                              
              2010
            
                            &#xD;
            &lt;/b&gt;&#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
      &lt;/tr&gt;&#xD;
      &lt;tr&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			Bolivia
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			25 800
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			50 300
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			48 600
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			14 600
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			25 400
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			30 900*
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
      &lt;/tr&gt;&#xD;
      &lt;tr&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			Colombia
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			24 400
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			40 100
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			50 900
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			163 300
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			86 000
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			57 000**
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
      &lt;/tr&gt;&#xD;
      &lt;tr&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			Perú
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			150 400
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			121 300
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			115 300
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			43 400
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			48 200
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			61 200
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
      &lt;/tr&gt;&#xD;
      &lt;tr&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            &lt;b&gt;&#xD;
              
                              
              Total
            
                            &#xD;
            &lt;/b&gt;&#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            &lt;b&gt;&#xD;
              
                              
              200 440
            
                            &#xD;
            &lt;/b&gt;&#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            &lt;b&gt;&#xD;
              
                              
              211 700
            
                            &#xD;
            &lt;/b&gt;&#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            &lt;b&gt;&#xD;
              
                              
              214 800
            
                            &#xD;
            &lt;/b&gt;&#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            &lt;b&gt;&#xD;
              
                              
              221 300
            
                            &#xD;
            &lt;/b&gt;&#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            &lt;b&gt;&#xD;
              
                              
              159 600
            
                            &#xD;
            &lt;/b&gt;&#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            &lt;b&gt;&#xD;
              
                              
              149 100
            
                            &#xD;
            &lt;/b&gt;&#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            &lt;br/&gt;&#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
      &lt;/tr&gt;&#xD;
    &lt;/tbody&gt;&#xD;
  &lt;/table&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Fuentes:
Oficina de las Naciones Unidas para el Control de la Droga y la
Prevención del Crimen [UNODCCP] (1999, pp. 41-42, tabla 9;
2002, pp. 54-55, tabla “coca”) (inclusive hasta 1990) y
UNODC (2010, p. 64, tabla 6; 2011, p. 99, tabla 20) (desde
1995).
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
*
Dato/cifra de 2009.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
** Tomando
en cuenta los predios más pequeños, serían 62 000 ha, por
ende, el total en 2010 sería de 154 100 ha.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Nota:
en estas cifras son estimaciones con base problemática de extractos
de promedios para cinco años. Los detalles se discutirán más
adelante, cuando se aborden con mayor precisión los ejemplos
individuales.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Tabla
2. 
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
    
                    
    Cultivo
de coca en hectáreas, en la actualidad.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
___________________________________________________________
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;table&gt;&#xD;
    &lt;tbody&gt;&#xD;
      &lt;tr&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            &lt;br/&gt;&#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            &lt;b&gt;&#xD;
              
                              
              2011
            
                            &#xD;
            &lt;/b&gt;&#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            &lt;b&gt;&#xD;
              
                              
              2012
            
                            &#xD;
            &lt;/b&gt;&#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            &lt;b&gt;&#xD;
              
                              
              2013
            
                            &#xD;
            &lt;/b&gt;&#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            &lt;b&gt;&#xD;
              
                              
              2014
            
                            &#xD;
            &lt;/b&gt;&#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            &lt;b&gt;&#xD;
              
                              
              2015
            
                            &#xD;
            &lt;/b&gt;&#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            &lt;b&gt;&#xD;
              
                              
              2016
            
                            &#xD;
            &lt;/b&gt;&#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            &lt;b&gt;&#xD;
              
                              
              2017
            
                            &#xD;
            &lt;/b&gt;&#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            &lt;b&gt;&#xD;
              
                              
              2018
            
                            &#xD;
            &lt;/b&gt;&#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
      &lt;/tr&gt;&#xD;
      &lt;tr&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			Bolivia
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			27 200
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			25 300
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			23 000
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			20 400
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			20 200
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			23 100
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			24 500
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			23 100
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
      &lt;/tr&gt;&#xD;
      &lt;tr&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			Colombia
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			64 000
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			48 000
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			48 000
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			69 000
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			96 000
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			146 000
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			171 000
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			169 000
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
      &lt;/tr&gt;&#xD;
      &lt;tr&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			Perú
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			62 500
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			60 400
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			49 800
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			42 900
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			40 300
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			43 900
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			49 000
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            &lt;br/&gt;&#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
      &lt;/tr&gt;&#xD;
      &lt;tr&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            &lt;b&gt;&#xD;
              
                              
              Total
            
                            &#xD;
            &lt;/b&gt;&#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            &lt;b&gt;&#xD;
              
                              
              155 600
            
                            &#xD;
            &lt;/b&gt;&#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            &lt;b&gt;&#xD;
              
                              
              133 700
            
                            &#xD;
            &lt;/b&gt;&#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            &lt;b&gt;&#xD;
              
                              
              120 800
            
                            &#xD;
            &lt;/b&gt;&#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            &lt;b&gt;&#xD;
              
                              
              132 300
            
                            &#xD;
            &lt;/b&gt;&#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            &lt;b&gt;&#xD;
              
                              
              156 500
            
                            &#xD;
            &lt;/b&gt;&#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            &lt;b&gt;&#xD;
              
                              
              213 000
            
                            &#xD;
            &lt;/b&gt;&#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            &lt;b&gt;&#xD;
              
                              
              245 000
            
                            &#xD;
            &lt;/b&gt;&#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            &lt;br/&gt;&#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
      &lt;/tr&gt;&#xD;
    &lt;/tbody&gt;&#xD;
  &lt;/table&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Fuentes:
UNODC (2016, Anexo V; 2020a, anexo estadístico 6.1.1. “Cultivo
ilícito de la mata de coca”.  Sobre Perú no hay aún cifras
completas.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Tabla
3. 
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
    
                    
    Erradicación
de coca en hectáreas.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;table&gt;&#xD;
    &lt;tbody&gt;&#xD;
      &lt;tr&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            &lt;br/&gt;&#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            &lt;b&gt;&#xD;
              
                              
              2008
            
                            &#xD;
            &lt;/b&gt;&#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            &lt;b&gt;&#xD;
              
                              
              2009
            
                            &#xD;
            &lt;/b&gt;&#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            &lt;b&gt;&#xD;
              
                              
              2010
            
                            &#xD;
            &lt;/b&gt;&#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            &lt;b&gt;&#xD;
              
                              
              2011
            
                            &#xD;
            &lt;/b&gt;&#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            &lt;b&gt;&#xD;
              
                              
              2012
            
                            &#xD;
            &lt;/b&gt;&#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            &lt;b&gt;&#xD;
              
                              
              2013
            
                            &#xD;
            &lt;/b&gt;&#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            &lt;b&gt;&#xD;
              
                              
              2014
            
                            &#xD;
            &lt;/b&gt;&#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            &lt;b&gt;&#xD;
              
                              
              2015
            
                            &#xD;
            &lt;/b&gt;&#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            &lt;b&gt;&#xD;
              
                              
              2016
            
                            &#xD;
            &lt;/b&gt;&#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            &lt;b&gt;&#xD;
              
                              
              2017
            
                            &#xD;
            &lt;/b&gt;&#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            &lt;b&gt;&#xD;
              
                              
              2018
            
                            &#xD;
            &lt;/b&gt;&#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
      &lt;/tr&gt;&#xD;
      &lt;tr&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			Bolivia
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			5484
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			6341
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			8200
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			10 506
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			11 044
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			11 407
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			11 144
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			11 020
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			6577
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			7237
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			11 174
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
      &lt;/tr&gt;&#xD;
      &lt;tr&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			Colombia
			(técnica manual)
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			96 003
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			60 565
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			43 804
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			35 201
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			30 456
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			22 121
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			11 703
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			13 473
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			17 642
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			52 001
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			59 978
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
      &lt;/tr&gt;&#xD;
      &lt;tr&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			Colombia
			(mediante aspersión)
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			133 496
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			104 772
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			101 940
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			103 302
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			100 549
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			47 052
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			55 532
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			37 199
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			0
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			0
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			0
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
      &lt;/tr&gt;&#xD;
      &lt;tr&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			Perú
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			10 143
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			10 025
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			12 033
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			10 290
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			14 171
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			23 785
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			31 205
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			35 868
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			30 150
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			23 025
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			26 1077
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
      &lt;/tr&gt;&#xD;
      &lt;tr&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			Fuente:
			UNODC (2020a, anexo estadístico 6.1.2. “Erradicación del
			arbusto de coca”).
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            &lt;br/&gt;&#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
      &lt;/tr&gt;&#xD;
    &lt;/tbody&gt;&#xD;
  &lt;/table&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Si
bien surgieron las iniciativas norteamericanas para controlar la
droga en Bolivia, Colombia y Perú, la producción de coca en los
tres países cultivadores se incrementó fuertemente hasta el año
1990. Después de la derrota de los grandes carteles de droga de
Medellín y Cali en la primera mitad de 1990, el negocio siguió en
manos de docenas de pequeñas organizaciones, las cuales ya no
disponían de una infraestructura similar a la de los grandes capos
para comprar la materia prima vegetal al Perú y a Bolivia, que eran
los países productores tradicionales
. A
partir de
1995, los Estados Unidos, mediante la Operación
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    Airbridge
(Lessmann, 2000), intentaron impedir el envío del producto
intermedio
(pasta
base de cocaína
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    —PBC—)
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    desde
el Perú hasta Colombia. Estos dos factores generaron un quiebre al
cultivo de la coca en el Perú. Al mismo tiempo inició en Colombia
un proceso de sustitución de importaciones. Aunque la campaña de
fumigación aérea con veneno vegetal contra los campos sembrados de
coca ya había iniciado en 1994, su cultivo se triplicó entre los
años 1995 y 2000. La disminución de la superficie cultivada durante
la última década se debió a una nueva expansión dramática de
esta política en Colombia, mientras que en Perú y Bolivia se
registraba un nuevo incremento. A esto se le conoce como “efecto
balón”:
ante una demanda persistente, el aumento de la presión en un lugar
genera la expansión en otro lugar. En lo que respecta a Bolivia, la
baja temporal del cultivo de coca en el año 2000 marcó el final de
la erradicación forzada bajo protección de los militares, en el
marco del 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Plan
por la Dignidad 
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    dirigido
por el entonces presidente Hugo Banzer.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
La
reubicación constante de los cultivos provocó considerables daños
ecológicos directos e indirectos, tales como: la deforestación de
los bosques tropicales y subtropicales, la erosión de los suelos y
la intoxicación del suelo y el agua a causa de los químicos
necesarios para el procesamiento de la cocaína
    
                    &#xD;
    &lt;a href="#sdfootnote12sym"&gt;&#xD;
      
                      
      12
    
                    &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
                    
    .
Debido a que se trata de daños de larga duración o permanentes, un
análisis más detallado nos muestra que no se trata simplemente de
una reubicación, sino de una difusión del problema, y esto no se
restringe al ámbito ecológico. Por ejemplo, cuando Colombia se
encontraba en el punto álgido de la violencia de los carteles de la
droga, hace alrededor de treinta años, en
los años
siguientes los
centros de acción de las exportaciones de cocaína
para el mercado norteamericano se trasladaron a México, donde el
número de víctimas —desde el momento en que se involucraron los
militares en la “guerra de la droga” en el 2006— probablemente
hoy se acerque a las 300 000 personas
    
                    &#xD;
    &lt;a href="#sdfootnote13sym"&gt;&#xD;
      
                      
      13
    
                    &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
                    
    .
Si bien fueron implementadas estas acciones para controlar la droga,
hoy por hoy dos terceras partes del total de laboratorios de cocaína
son descubiertos y destruidos en Colombia, y el 89 % de la
cocaína incautada en los Estados Unidos es de origen colombiano
(U.S.
Dept. of State INL,
2020). 

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Después
de casi cuatro décadas de lucha contra la droga en estos países
andinos, basada en atacar el cultivo de coca y la producción de
cocaína, no ha disminuido ninguna de estas dos actividades ni la
violencia relacionada con estas. Todo lo contrario. Las experiencias
en combatir la oferta de heroína (amapola, opio) subrayan lo mismo:
también su producción llegó al registro más alto, y después de
casi dos décadas de luchar contra las drogas en Afganistán, allí
se sigue produciendo el 80 % global de la amapola (UNODC,
2019a). 

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Hay
que anotar también que los resultados de proyectos de Desarrollo
Alternativo  han mostrado que los cultivadores de coca suelen estar
preparados para asumir incluso pérdidas en los ingresos si, a
cambio, su calidad de vida mejora y, ante todo, sienten sus vidas
seguras (Dietz
et ál.,
2001; UNODC, 2015). No obstante, aun cuando la totalidad de las
estrategias han sido consideradas como una “aproximación
balanceada” —en el sentido de una mezcla equilibrada de
represión, prevención, terapia y desarrollo alternativo—, las
medidas policiales y militares ocuparon el primer plano, pues en la
mayoría de los casos el desarrollo alternativo fue tan solo
accesorio, convirtiendo así al grupo destinatorio
en oponente de los proyectos. A menudo los campesinos experimentaron
el control de las drogas, principalmente, como un ataque frontal a
sus medios de vida, cuando de lo que debería tratarse es de ganar la
confianza y la cooperación de estos grupos. 

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
El
proyecto de desarrollo Thai-German Highland, al contrario, es un
ejemplo sostenible y positivo. Con mucha perseverancia (durante
aproximadamente dieciocho años; de abril de 1981 a diciembre de
1998), mediante este proyecto de enfoque participativo se logró
reducir el cultivo del opio en el área del proyecto tailandés; de
9000 ha pasaron a ser 1000, y desde entonces fluctúa entre 400
y 900 ha (Deutsche
Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit [GIZ], 2019).


  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
En
este sentido, también iba por buen camino el proyecto de desarrollo
regional para la reducción de la coca UNFDAC/UNDCP-AD/COL/85/ 426 en
el departamento del Cauca y en el norte de Nariño, Colombia, el cual
tuve la oportunidad de visitar a finales de 1990. Desde el inicio del
proyecto en 1985 hasta esa fecha, se logró reducir el 40 % del
área cultivada con coca. Aunque la prohibición del cultivo de coca
se había estipulado en el artículo 32 del Estatuto Nacional de
Estupefacientes de 1986, no se exigió ninguna erradicación forzosa
previa. El proyecto tuvo un enfoque amplio de desarrollo rural
integrado con alta participación y aportes personales de los
campesinos, incluyendo la aplicación de formas tradicionales andinas
de trabajo colectivo, como la minga
inca. Los partidos en conflicto se habían retirado de la zona en el
marco de un acuerdo de caballeros o se mantuvieron al margen,
inclusive las fuerzas de seguridad estatales. El proyecto finalizó
en 1996. Lamentablemente solo se financiaron 3.1 millones de dólares
de los 11.1 que habían sido presupuestados (Lessmann, 1996).
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
“
    
                    &#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Coca
sí, cocaína no”:
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      
cambio de paradigma en Bolivia
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
La
zona cocalera del trópico de Cochabamba (conocida popularmente como
el Chapare) en Bolivia, que durante dos décadas estuvo plagada de
conflictos en torno a la erradicación de la coca, ha tenido un
desarrollo notable. Estos conflictos lograron su clímax con el 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Plan
Dignidad 
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    durante
la segunda presidencia del exdictador Hugo Banzer (1997-2000).
Mediante la erradicación forzosa bajo protección militar se logró
una reducción considerable de los cultivos de coca, aun cuando no se
llegó a “coca
cero”,
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    como
se afirmó y celebró en febrero de 2001, en

la base de
la
policía paramilitar
antidrogas
 en el municipio de Chimoré
    
                    &#xD;
    &lt;a href="#sdfootnote14sym"&gt;&#xD;
      
                      
      14
    
                    &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
                    
    .
De todos modos, esta reducción no
 fue sostenible y, además, se consiguió luchando contra las
protestas violentas de los campesinos. Los enfrentamientos provocaron
violaciones de los derechos humanos y numerosas muertes. Entre 1997 y
2003 fueron asesinados 57 cultivadores de coca y más de 500 fueron
heridos gravemente. El líder de los productores de coca, Evo
Morales, saltó a la luz pública como “defensor de la soberanía
nacional” y como núcleo de cristalización de los descontentos del
país. En diciembre de 2005 fue elegido como presidente de la
república
    
                    &#xD;
    &lt;a href="#sdfootnote15sym"&gt;&#xD;
      
                      
      15
    
                    &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
                    
    .


  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Después
de que el presidente Morales asumió el cargo en enero de 2006 la
política boliviana de coca y drogas cambió. La nueva constitución
de enero de 2009 protege en su artículo 384 la hoja de coca, como
herencia natural y  cultural andina. En marzo del mismo año, Bolivia
solicitó la eliminación de dos subpárrafos de la Convención Única
de 1961 sobre Estupefacientes de las Naciones Unidas (49/1c y 2e),
que prohibían la masticación de la coca y su cultivo. Ante su
fracaso, en un hecho único sin precedentes, Bolivia se retiró de la
convención en julio de 2011, para reincorporarse de nuevo el primero
de febrero de 2013, bajo reserva frente a estos dos subpárrafos
(Lessmann, 2017).
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
A
nivel político interno, en el Chapare la nueva política de la coca
pasó a llamarse “racionalización” mediante “control social”
    
                    &#xD;
    &lt;a href="#sdfootnote16sym"&gt;&#xD;
      
                      
      16
    
                    &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
                    
    .
Su eslogan pegadizo “Coca
sí, cocaína no”
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    se
implementó con una política consistente en interdicción; las
incautaciones de PBC y HCL se duplicaron.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      __________________________________________________________________________

    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;u&gt;&#xD;
      &lt;b&gt;&#xD;
        
                        
        Tabla
4. 
      
                      &#xD;
      &lt;/b&gt;&#xD;
      
                      
      Incautaciones
en Bolivia: PBC/ HCL en toneladas
    
                    &#xD;
    &lt;/u&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;table&gt;&#xD;
    &lt;tbody&gt;&#xD;
      &lt;tr&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            &lt;b&gt;&#xD;
              
                              
              2003
            
                            &#xD;
            &lt;/b&gt;&#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            &lt;b&gt;&#xD;
              
                              
              2004
            
                            &#xD;
            &lt;/b&gt;&#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            &lt;b&gt;&#xD;
              
                              
              2005
            
                            &#xD;
            &lt;/b&gt;&#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            &lt;b&gt;&#xD;
              
                              
              2006
            
                            &#xD;
            &lt;/b&gt;&#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            &lt;b&gt;&#xD;
              
                              
              2007
            
                            &#xD;
            &lt;/b&gt;&#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            &lt;b&gt;&#xD;
              
                              
              2008
            
                            &#xD;
            &lt;/b&gt;&#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            &lt;b&gt;&#xD;
              
                              
              2009
            
                            &#xD;
            &lt;/b&gt;&#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
      &lt;/tr&gt;&#xD;
      &lt;tr&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			12.9
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			8.7
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			11.5
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			14.0
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			17.8
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			28.8
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
        &lt;td&gt;&#xD;
          &lt;p&gt;&#xD;
            
                            
            
			26.8
          
                          &#xD;
          &lt;/p&gt;&#xD;
        &lt;/td&gt;&#xD;
      &lt;/tr&gt;&#xD;
    &lt;/tbody&gt;&#xD;
  &lt;/table&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Fuente:
Viceministerio de Defensa Social, La Paz, Bolivia.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
La
expresión 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Coca
sí
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
procede de la percepción de que el uso de las hojas de coca en
estado natural es legítimo y de que Bolivia está quizás en
capacidad de frenar la producción de coca, pero no de erradicarla
totalmente, como lo exige la
Convención
Única de 1961 sobre Estupefacientes, aunque la Convención de las
Naciones Unidas de Viena, realizada en 1988, permite el cultivo y el
consumo de hojas de coca en los lugares donde esta práctica se puede
confirmar históricamente. Con su enfoque participativo y el respeto
por los derechos humanos, esta senda boliviana representa el primer
concepto sobre 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      reducción
del daño 
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    desde
la oferta. El entonces viceministro de Defensa Social, Felipe
Cáceres, lo expresaba así: “Hemos decidido dejar atrás la
ametralladora, las balas y las bombas. Elegimos involucrar a las
comunidades productoras de coca en los debates y análisis que
guiaron nuestras políticas” (entrevista
personal durante una visita al Chapare en 2015 vease
anotación
17).
Esta política significa que cada miembro del sindicato
puede tener un 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      cato
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
de coca, unidad de medida andina que equivale aproximadamente a 1600
metros
cuadrados.
Su objetivo es garantizar, mediante el control social, que cada quien
se restringe a cultivar un cato.
Con este fin, desde 2009 opera el Programa
de Apoyo a la Conservación Sostenible de la Biodiversidad
(PACS) apoyado por la Unión Europea, cuyos principios rectores son:
participación democrática y derecho comunitario sobre derecho
individual. Adicional a esto, en los mismos sindicatos
se establecieron secretarios capacitados para el control de la coca.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Un
factor importante para el éxito del control social fue la fuerte
lealtad al entonces presidente Evo Morales en el Chapare. Conforme a
su estructura jerárquica, desde el presidente, pasando por el
viceministro Felipe Cáceres, hacia abajo, el programa fue liderado
por campesinos cocaleros
    
                    &#xD;
    &lt;a href="#sdfootnote17sym"&gt;&#xD;
      
                      
      17
    
                    &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
                    
    .
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
En
el conjunto de las seis federaciones
del Trópico de Cochabamba hay 45 000 miembros del sindicato,
es decir, 45 000 catos
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    —que
en su totalidad suman algo más de 7000 ha—. Los resultados del
monitoreo son compartidos con las comunidades de los pueblos
(sindicatos),
quienes los discuten y verifican en el terreno. Las inspecciones se
realizan con la participación de representantes de los sindicatos
de las vecindades, lo cual genera una presión mutua. Quienes
sobrepasan los límites son criticados en la emisora de radio de las
federaciones;
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    “una
bofetada pública”, como dicen los campesinos. El incumplimiento
también puede acarrear desventajas materiales para las comunidades
de los pueblos, por ejemplo, menor apoyo estatal para proyectos
públicos, como la construcción de escuelas o la reparación de
carreteras, etc.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Existe
un mecanismo adicional de control con la Unidad
de Desarrollo Económico y Social del Trópico
de Cochabamba (UDESTRO)
y con la de Yungas —su acrónimo es UDESY—,
que consiste en la visita de personal (limitado) a las fincas
aproximadamente cada dos años, en la que se puede ordenar la
erradicación de toda la coca de una familia si se excede
el
límite de un cato
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      .

    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    Además,
se les prohíbe una nueva plantación durante un año, hecho que
priva a esa familia de esa fuente de ingresos durante al menos dos o
tres años. Las infracciones repetidas pueden derivar en una
prohibición de por vida del cultivo de coca; hasta julio de 2014,
esto sucedió en 800 casos. 

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
El
registro histórico más alto de cultivo de coca en Bolivia fue de
50 300 ha en 1990. Sin embargo, en 2005, ya se había
destruido una cantidad dos veces y media mayor que esa
    
                    &#xD;
    &lt;a href="#sdfootnote18sym"&gt;&#xD;
      
                      
      18
    
                    &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
                    
    ,
lo opuesto a la sostenibilidad. Si suponemos que las familias
campesinas se trasladan al interior para volver a cultivar y que,
además del equivalente en coca, también necesitan tierras para
productos de subsistencia como el arroz seco, el banano, entre otros,
como también para la construcción de sus casas y vías de acceso,
concluimos que, hasta ese entonces, la destrucción no sostenible de
la coca solamente en el Chapare habría costado de 200 000 a
400 000 ha de selva subtropical (Lessmann,
2010).
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Desde
el momento en que el entonces presidente Morales asumió el cargo, se
negoció el 88 % de la erradicación. La erradicación forzosa
continúa ocurriendo fuera de las zonas definidas para el cultivo de
coca, por ejemplo, en los parques nacionales. Los incentivos
positivos incluyen mejores instalaciones educativas y de salud,
carreteras, como también la producción y comercialización
diversificada de productos agrícolas
    
                    &#xD;
    &lt;a href="#sdfootnote19sym"&gt;&#xD;
      
                      
      19
    
                    &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
                    
    .
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Cualquiera
que sea sorprendido produciendo PBC, pierde su cato.
Sin embargo, cuando en los años 2013 y 2014 imperaron serios
problemas de financiamiento, las comunidades continuaron de todas
formas con el programa, lo cual es una señal del 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      sentido
de propiedad
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
que disfruta el programa de control social. Durante una visita, el
jefe de la policía antidroga de la Unidad Móvil de Patrullaje Rual
(Umopar) / Leopardos, René Salazar Ballesteros, me dijo:
“Anteriormente los campesinos avisaban a los narcotraficantes
cuando nos acercábamos. Hoy vienen a nosotros y avisan cuando se
hace pasta base en algún lugar” (vease
anotación
17).
En Bolivia sigue habiendo cultivos ilegales —especialmente en zonas
como reservas naturales, donde el control social no funciona— y
también
producción
de cocaína.
Pero, sobre todo, Bolivia tiene un problema de tránsito. Alrededor
del 50 % de la pasta de coca y de la cocaína incautada proviene
de Perú y se destina para enviarla a Brasil o Argentina y, en última
instancia, parcialmente a Europa
    
                    &#xD;
    &lt;a href="#sdfootnote20sym"&gt;&#xD;
      
                      
      20
    
                    &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
                    
    .
Para contrarrestar esto, existen cooperaciones de pesquisas
regionales con los países vecinos.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
En
los primeros años del mandato presidencial de Evo Morales aumentó
la superficie sembrada con cultivos ilícitos, y a partir de 2010
hubo una reducción significativa y estabilización del cultivo de
coca. El presidente había ampliado, inicialmente por decreto, el
área de cultivo permitida a nivel nacional; de 12 000 a
20 000 ha (con 25 000 ha, de facto, existentes);
la nueva Ley
General de la Coca de marzo de 2017 permite ahora 22 000 ha
    
                    &#xD;
    &lt;a href="#sdfootnote21sym"&gt;&#xD;
      
                      
      21
    
                    &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
                    
    .
Desde hace quince años la reducción de la coca en Bolivia ha sido
pacífica y consensuada, lo que representa una victoria grande para
el país. Claro está que, para lograr este resultado, desde 2006 se
han “racionalizado” más de 100 000 ha, vale decir,
destruido. Por consiguiente, sigue existiendo un problema de
sostenibilidad. La dinámica del mercado se separa aquí también de
la política. Es difícil luchar contra un mercado dinámico y con
poder adquisitivo persistente.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Sin
embargo, en el marco de las posibilidades bolivianas, el cultivo de
coca y la producción de cocaína se encuentran bajo control. El
enfoque de “Coca
sí,
cocaína
no”,
en adelante guiado por problemas e intereses nacionales, ha logrado
eliminar la notoria violencia y los estallidos sociales y políticos
que imperaron durante más de veinticinco años. El alejamiento de
políticas dirigidas desde el exterior también significó que el
control de la coca en las relaciones exteriores pasara de ser el tema
más importante —o el único— a ser uno entre muchos otros.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      La
erradicación de la coca y la paz en Colombia: ¿cien años de
soledad?
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Colombia
ha realizado grandes esfuerzos en su lucha contra la droga y ha
pagado un alto precio por ello. Durante décadas Colombia se ha
anotado la mayor cantidad de incautaciones, de laboratorios
destruidos, de arrestos, entre otros importantes indicadores. Si bien
Colombia logró en la primera mitad de 1990 la disolución de los dos
carteles de la droga más poderosos del país (el de
Medellín
y el de Cali) —también con ayuda de la política de pacificación
del Gobierno Gaviria—, la dinámica del mercado persistió.
Organizaciones criminales más pequeñas continuaron con este negocio
y los grupos armados ilegales se involucraron cada vez más, su
financiación así fue creciendo. En la segunda mitad de la década
de 1990, aun cuando Colombia no tenía una tradición fuerte en el
cultivo de coca —exceptuando los territorios indígenas—,
emprendió un proceso de sustitución de importaciones hasta
convertirse en el mayor productor de hoja de coca. Se desarrollaron
variedades y métodos de cultivo de mayor rendimiento, y asimismo
métodos más eficaces de procesamiento. Hoy en día, tanto en Perú
como en Bolivia, los rendimientos de la extracción de PBC a partir
de las hojas de coca se incrementan con el 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      método
colombiano
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    .
A
partir del año
2008, el
 expresidente
César Gaviria (1990-1994) —como cofundador de la Comisión
Latinoamericana sobre Drogas y Democracia
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    junto
con los expresidentes
Fernando Enrique Cardoso (Brasil) y Ernesto Zedillo (México)—, se
convirtió en uno de los proponentes más destacados de las reformas
de la política contra las drogas, tal
como él me lo expresó en una entrevista: “La guerra contra las
drogas ha fracasado” (Lessmann, 2016). 

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Las
campañas para la reducción del cultivo de coca tienen ya en
Colombia más de veinticinco años. Las fumigaciones de los campos
con cultivos de coca empleando sustancias venenosas comenzaron en
1994. Sin embargo, después de que Washington le revocó a Colombia
dos veces la certificación de buen comportamiento en política de
drogas (en 1996 y 1997), el entonces presidente Ernesto Samper aceptó
una expansión significativa de los controvertidos programas de
fumigación. Sín
embargo, es
cierto que las
fumigaciónes no podían frenar al
mencionado proceso de sustitución de importaciones, es
decir
no podían

detener la producción de coca: aunque al inicio de las fumigaciones
en 1994 había 44 700 ha de coca en Colombia, en el año
2000 ya eran 163 300. Y, mientras que en 1994 el cultivo de coca
se limitaba a seis provincias, en el cambio de siglo había cultivos
de coca en 23 de los 33 departamentos (Lessmann, 2010).
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Años
después, en el marco de la política de 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      seguridad
democrática
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
del expresidente Álvaro Uribe Vélez (
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Plan
Colombia
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    )
y cada vez más con la protección de los militares, las fumigaciones
nuevamente fueron expandidas, solo que complementadas con una campaña
de erradicación manual (también bajo protección militar). La
política de drogas con la premisa de 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      seguridad
democrática
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
partió del convencimiento de que los ingresos provenientes de las
drogas constituían el pilar principal de los grupos armados, motivo
por el cual este Gobierno quería retirárselos. El cultivo de coca
se redujo a la mitad entre los años 2000 y 2004 mediante una
agresiva campaña de fumigación que se centró en los dos bastiones
guerrilleros de las FARC-EP (Caquetá y Putumayo). En Caquetá, la
superficie cultivada con coca se redujo de 26 000 ha (en el
2000) a 6500 (en el 2004); en Putumayo, de 66 000 ha (en el
2000) a 4386 (en el 2004) (UNODC, 2009, p. 13, cuadro 3). Es decir,
la reducción de 80 000 ha a nivel nacional se logró casi
que exclusivamente en Caquetá y Putumayo, departamentos donde el
cultivo aumentó con más fuerza en los años siguientes.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
El
efecto balón ya mencionado también ocurrió en Colombia. Veamos los
detalles del exitoso año 2008, discriminados por departamentos: las
reducciones más importantes se registraron en Cundinamarca (-91 %),
Arauca (-79 %), Meta (-47 %), Vichada (-56 %),
mientras que los incrementos se dieron en Caldas (234 %), Valle
de Cauca (361 %), Chocó (159 %) y Boyacá (149 %). En
términos generales, se pudo reducir la superficie cultivada con coca
en un 18 % en ese momento (UNODC, 2009, p. 13, cuadro 3). 

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
En
suma, esta política puede denominarse como un desastre de
sostenibilidad. Desde 1994, cuando Washington instó mediante
acusaciones de corrupción al presidente Samper a dar su
consentimiento al programa de fumigación, se han “destruido”
alrededor de 2.5 millones de hectáreas de coca en Colombia
    
                    &#xD;
    &lt;a href="#sdfootnote22sym"&gt;&#xD;
      
                      
      22
    
                    &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
                    
    ,
aproximadamente 15 veces más que el máximo histórico de las
superficies cultivadas (171 000 ha en 2017). Hasta 2013,
cada año se “destruía”  más de lo que realmente existía (cfr.
las tablas 1 y 2 con la 3 de este documento); lo opuesto a una
estrategia racional y sostenible. Esto ha convertido el cultivo de
coca en un asunto extremadamente volátil; no ha desaparecido ni se
ha reducido significativamente
    
                    &#xD;
    &lt;a href="#sdfootnote23sym"&gt;&#xD;
      
                      
      23
    
                    &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
                    
    .
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Con
la particularmente controvertida fumigación aérea de los campos de
coca con veneno vegetal, se provocó más bien una expulsión de
campesinos hacia distintos lugares del país (Lessmann, 2010)
    
                    &#xD;
    &lt;a href="#sdfootnote24sym"&gt;&#xD;
      
                      
      24
    
                    &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
                    
    .
De los 49.6 millones de personas en Colombia, casi 8 millones están
desplazadas, principalmente, a causa del conflicto armado interno,
hecho que convierte a Colombia en el país con más desplazados
internos por delante de Siria (ACNUR,
2019). A ello se suman alrededor
de
2
millones de desplazados desde Venezuela. En efecto, la política de
erradicación de la coca sin un enfoque basado en la sostenibilidad
ha incidido en este problema de la movilidad involuntaria
    
                    &#xD;
    &lt;a href="#sdfootnote25sym"&gt;&#xD;
      
                      
      25
    
                    &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
                    
    .


  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Existen
numerosos informes y estudios acerca de los efectos nocivos sobre la
salud y el medioambiente de la fumigación con glifosato y otros
aditivos, y, así mismo, quejas sobre su focalización deficiente.
También se fumigaron por accidente campos con cultivos legítimos e,
incluso, proyectos de desarrollo alternativo. Y como se conocen
reportes sobre las contramedidas empleadas por los campesinos, se
excedió la concentración recomendada de glifosato y se agregaron
químicos más agresivos. Vargas (1999) asume que apenas menos de un
tercio de los campos fumigados habría sido realmente destruido. Sin
embargo, aunque solo se sume la información sobre erradicación
manual (tabla 3) entre 2008 y 2018, se obtienen 442 947 ha,
lo que equivale a dos veces y media el máximo histórico de cultivo
(171 000 ha).
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
La
estrategia de erradicación forzosa de la coca es insostenible y, por
tanto, inútil para el control de las drogas. Además, generó
problemas ecológicos e intensificó la inseguridad, hecho que ha
puesto en riesgo la vida en las regiones afectadas. Por todo esto, es
válido preguntarse por qué, a pesar de los desastrosos resultados,
uno se aferra a esta estrategia e, incluso, quiere volver a la
política de las fumigaciones.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      La
coca y el proceso de paz
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Conforme
al Acuerdo Final de 2016, la reducción de la coca debería ir
acompañada de medidas de desarrollo alternativo, como nunca antes.
Las familias afectadas recibirían un sustento estatal durante un año
(340 dólares/mes)
    
                    &#xD;
    &lt;a href="#sdfootnote26sym"&gt;&#xD;
      
                      
      26
    
                    &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
                    
    ,
y para ello tendrían que arrancar ellos mismos su coca, dentro de un
plazo de sesenta días. Luego, el Estado ayudaría con asistencia
financiera y técnica en el proceso de conversión a cultivos
alternativos, así como con proyectos de infraestructura, cuya
implementación la aseguraría la presencia institucional. La oferta
de una solución consensuada
en el marco del Programa
Nacional Integral de Sustitución de Cultivos Ilícitos
(PNIS).
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
De
esta forma, durante el primer año se deberían reducir por consenso
100 000 ha de coca. Muchos expertos consideraron que este
programa era el más prometedor que había tenido Colombia hasta la
fecha, aunque fuera demasiado ambicioso, pues el plazo sería muy
corto, sobre todo porque establecer una presencia institucional y
confiar en la cooperación de los campesinos en las zonas de
conflicto sería una tarea ingente.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Estos
planes extremadamente ambiciosos, en especial sus plazos ajustados,
se justificaron en aquel momento con el argumento de que se quería
evitar la aparición de vacíos de poder. No obstante, cuatro años
después, los informes actuales de campo confirman el escepticismo
inicial. No ha sido posible llenar los vacíos de poder que han
surgido ni establecer una presencia institucional, y mucho menos
generar confianza. En muchos casos, las zonas abandonadas por las
FARC fueron ocupadas o disputadas por bandas criminales (Bacrim),
narcotraficantes, disidentes de las FARC o del ELN y por grupos
neoparamilitares. En medio de este clima de violencia, las
organizaciones locales se debilitaron aún más. Las comunidades
sufren las erradicaciones forzosas, las cuales son contrarias a los
consensos alcanzados en el marco del Acuerdo Final (Vargas, 2020)
    
                    &#xD;
    &lt;a href="#sdfootnote27sym"&gt;&#xD;
      
                      
      27
    
                    &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
                    
    .
Según cifras de la ONG Fundación Ideas para la Paz (FIP), en el
primer trimestre de 2020 se realizaron operaciones de erradicación
forzosa en la gran mayoría de los 46 municipios participantes del
PNIS. Los grupos afectados a menudo resisten porque ven las
erradicaciones forzosas como una violación del Acuerdo Final, pues
se han presentado violaciones a derechos humanos, uso excesivo de la
fuerza, muertes
    
                    &#xD;
    &lt;a href="#sdfootnote28sym"&gt;&#xD;
      
                      
      28
    
                    &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
                    
    
y detenciones de agricultores por parte de fuerzas especiales, de las
cuales se sospecha que son disidentes de las FARC. Este tipo de
operaciones suceden frecuentemente en áreas remotas donde no hay
presencia estatal, por ende, no están supervisadas por el Ministerio
Público o la Defensoría del Pueblo, como lo dispone el capítulo
VII de la Ley 30 de 1986, Ley de Drogas, (Arenas y Vargas, 2020).
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Grupos
criminales y disidencias de las FARC buscan lograr el control sobre
las rentas lucrativas y los mercados de la pasta base. En este
intento aparecen también alianzas entre delincuentes y miembros de
las fuerzas de seguridad del Estado. En definitiva, las acciones
militares de erradicación y las ofertas de alternativas no
coexisten: “De
cualquier manera, es notoria la descoordinación institucional”
(Vargas, 2020a). Según este autor, el comando militar en el Cauca,
por ejemplo, considera el Acuerdo Final (“del gobierno anterior”)
un impedimento para la erradicación; y esta “un deber
constitucional”
    
                    &#xD;
    &lt;a href="#sdfootnote29sym"&gt;&#xD;
      
                      
      29
    
                    &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
                    
    .
De la misma forma se condena el cultivo en áreas de protección
indígena, amparado por la Constitución. No fue sino hasta junio de
2020, cuatro años después de la firma del Acuerdo Final, que
comenzaron las negociaciones con los productores en las áreas
protegidas (Arenas y Vargas, 2020). “Todo
el contenido, implicaciones, compromisos del problema de los cultivos
de uso ilícito, en el marco del Acuerdo para el fin del conflicto,
es desconocido” (Vargas, 2020a).
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Bajo
estas circunstancias, el Gobierno aspira a reintroducir la fumigación
de los cultivos de coca con toxinas vegetales desde
el avión,
que fue suspendida en 2015. Así, se espera que en 2023 el cultivo de
coca en Colombia se reduzca a la mitad, la
misma meta como en 1999 al inicio del Plan Colombia.
En 2018, había 169 000 ha de coca, con las que, según
Vargas (2020a), se sostenían económicamente alrededor de 230 000
familias, entre indígenas, afrocolombianas y campesinas. La meta de
erradicación para 2020 es de 130 000 ha, considerablemente
más de las 80 000 ha que se habían fijado para 2019, de
las cuales se alcanzó una reducción real de 15 000 ha
    
                    &#xD;
    &lt;a href="#sdfootnote30sym"&gt;&#xD;
      
                      
      30
    
                    &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
                    
    .
Los patrones de erradicación y producción discutidos páginas atrás
parecen continuar de forma ininterrumpida. Las reducciones
en Caquetá, Antioquia, Nariño y Bolívar se mantienen frente a
incrementos actuales en Norte de Santander y Valle del Cauca (UNODC
Informe de Monitoreo 2020). Todo esto evidencia paralelos con lo  ya
descrito respecto al año 2008. Nada sugiere que los objetivos sean
hoy más realistas y que los resultados sean más sostenibles que
hace diez o veinte años. Más bien, es de esperar que la renovada
ofensiva de erradicación tampoco sea sostenible esta vez, y existe
el riesgo de que aumente la inseguridad en las zonas rurales
afectadas.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Conclusiones
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
La
lucha internacional contra las drogas se encuentra en una
encrucijada. Durante décadas no ha traído el éxito deseado. Los
problemas van en aumento. Un número creciente de Estados  con
algunos aspectos de su política de drogas está
saliendo de las  determinaciones de 
las Convenciones de las Naciones Unidas (Lessmann,
2017). La Sesión Especial de la Asamblea General de las Naciones
Unidas (UNGASS) dedicada al tema de las drogas, que tuvo lugar del 19
al 21 de abril de 2016, se ocupó de indagar sobre las reformas
necesarias. En esta sesión, los impulsores latinoamericanos
propusieron “analizar todas las opciones, incluidos los mecanismos
regulatorios o de mercado, con el fin de establecer un nuevo
paradigma que impida el flujo de recursos a los grupos del crimen
organizado” (Declaración Conjunta, 2012). Aun cuando los
impulsores no pudieron imponer sus pretensiones, la declaración
final de la UNGASS y los documentos posteriores establecen un enfoque
nuevo y mucho más centrado en los conceptos de las políticas de
salud pública (prevención y terapia), así como en el respeto a los
derechos humanos. Desde la perspectiva de las Naciones Unidas, la
política internacional de drogas está ahora integrada al
contexto de
los Objetivos de Desarrollo Sostenible. Durante los preparativos de
la UNGASS 2016 se convocó a la Organización Mundial de Salud (OMS)
y, además, por primera vez, a otras suborganizaciones de la ONU,
como el Programa
Conjunto de las Naciones Unidas sobre el VIH/SIDA
(UNAIDS) y el Alto Comisionado de las Naciones Unidas para los
Derechos Humanos (ACNUDH). Cabe anotar el retiro explícito de la
organización de la ONU al
uso
del término “Guerra
contra las Drogas”, determinante en el tema
    
                    &#xD;
    &lt;a href="#sdfootnote31sym"&gt;&#xD;
      
                      
      31
    
                    &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
                    
    .
No obstante, la declaración final otorga sobre todo un margen de
interpretación más amplio a lo expuesto en las convenciones,
reconociendo así que no existe el
problema de las drogas, sino una multitud de problemas diversos en
diferentes regiones y países, así como distintos requisitos para
abordarlos
    
                    &#xD;
    &lt;a href="#sdfootnote32sym"&gt;&#xD;
      
                      
      32
    
                    &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
                    
    .
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Este
margen de acción ampliado se puede utilizar para desarrollar
políticas de drogas que estén orientadas hacia los problemas e
intereses propios de los países afectados. Colombia no puede ni
tiene que resolver los problemas complejos de las drogas del mundo.
Cuando se aborda la dimensión del tema de la salud a nivel global,
estas se relacionan con otras sustancias que no se producen en el
país. En lo que respecta a la cocaína, Colombia puede ayudarse a sí
misma y al mundo mediante una lucha consecuente contra las
organizaciones criminales, las cuales representan una amenaza para el
Estado de derecho y la democracia. En este tema, debería
concentrarse en el propósito de su existencia: las rentas (palabra
clave: el lavado de dinero).
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
En
resumen, se puede decir que la lucha contra el cultivo de las
denominadas “plantas de las drogas” ha demostrado ser ineficaz
como política contra drogas, porque los resultados no son
sostenibles en la dinámica propia del mercado. Los resultados
sostenibles de un control y cierta contención de su cultivo solo se
pueden lograr de manera conjunta con los productores rurales, no
contra ellos, y para esto se requieren estrategias participativas a
largo plazo. Es incorrecto considerar a los productores como parte de
las redes criminales del narcotráfico. Aunque existan actores
individuales, no se puede generalizar. Un requisito previo para una
cooperación exitosa es establecer la confianza en el Estado y crear
instituciones locales con capacidad para trabajar. Con medidas
coercitivas militares o, incluso, con el retorno a una política de
fumigaciones aéreas se logra lo contrario.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Si
no es la intención o no es posible seguir el camino boliviano de
cambiar la ley, porque con ello hay que atenerse a una fuerte
resistencia por parte de la comunidad internacional, valdría la pena
considerar la idea de que la pandemia del coronavirus ofrece
actualmente una oportunidad para una moratoria de erradicación
basada en consideraciones epidemiológicas, y también para un
reinicio, en el sentido de un retorno a una implementación
consistente de las disposiciones relevantes del Acuerdo Final y a la
aplicación tanto del Estado de derecho como de los mecanismos de
control de los derechos humanos estipulados en la Ley 30 de 1986. 

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Este documento de trabajo ha sido elaborado para el Instituto CAPAZ: 
    
                    &#xD;
    &lt;a href="http://www.instituto-capaz.org"&gt;&#xD;
      
                      
      www.instituto-capaz.org
    
                    &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Traducción por CAPAZ
    
                    &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Referencias
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Arenas,
P. y Vargas, R. (2020, 15 de julio). Erradicación forzada de
cultivos de uso ilícito y derechos humanos. 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Transnational
Institute (TNI).
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    &lt;u&gt;&#xD;
      &lt;a href="http://www.tni.org/es/articulo/erradicacion-forzada-de-cultivos-de-uso-il%C3%ADcito-y-derechos-humanos"&gt;&#xD;
        
                        
        www.tni.org/es/articulo/erradicacion-forzada-de-cultivos-de-uso-ilícito-y-derechos-humanos
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;/u&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Arrieta,
C. (1990.) 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Narcotráfico
en Colombia: 
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      dimensiones
políticas, económicas, jurídicas e internacionales.
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
Bogotá:
Universidad de los Andes - Tercer Mundo Editores.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Bureau
for International Narcotics Matters and Law Enforcement Affairs
[INL]. (2020, 2 de marzo). 2020 International Narcotics Control
Strategy Report. 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      U.
S. Department of State.
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Comunicado
Conjunto Gobierno de Colombia y Farc sobre drogas ilícitas.
Observatorio de Drogas de Colombia [ODC]. (s. f.).
odc.gov.co/comunicado-solucion-al-problema-de-las-drogas-ilícitas
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Declaración
Conjunta de Colombia, México y Guatemala. (2012).
Nueva York, Primero de octubre de 2012.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Deutsche
Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit [GIZ]. (2019, 3 de
junio). 
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Dietz,
E.; Lessmann, R.; Kotowski-Ziss, J. y Berg, Ch. (2001). 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Drogen
und Entwicklung in Lateinamerika
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    .
Eschborn: GTZ
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Director
Ejecutivo de la UNODC: el impulso de la UNGASS puede conducir al
progreso en el tratamiento del problema mundial de las drogas. (2016,
21 de abril).
    
                    &#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      UNODC.
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    &lt;u&gt;&#xD;
      &lt;a href="https://www.unodc.org/bolivia/es/Director-Ejecutivo-de-la-UNODC-El-impulso-de-la-UNGASS-puede-conducir-al-progreso-en-el-tratamiento-del-problema-mundial-de-las-drogas.html"&gt;&#xD;
        
                        
        https://www.unodc.org/bolivia/es/Director-Ejecutivo-de-la-UNODC-El-impulso-de-la-
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
      &lt;a href="https://www.unodc.org/bolivia/es/Director-Ejecutivo-de-la-UNODC-El-impulso-de-la-UNGASS-puede-conducir-al-progreso-en-el-tratamiento-del-problema-mundial-de-las-drogas.html"&gt;&#xD;
        
                        
        UNGASS-puede-conducir-al-progreso-en-el-tratamiento-del-problema-mundial-de-las-drogas.html
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;/u&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Farthing,
L. y Ledebur, K. (2014, 17 de junio). To the beat of a different
drum: Bolivia's community coca control. 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Nacla.
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    &lt;u&gt;&#xD;
      &lt;a href="https://nacla.org/article/beat-different-drum-bolivia%27s-community-coca-control"&gt;&#xD;
        
                        
        https://nacla.org/article/beat-different-drum-bolivia%27s-community-coca-control
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;/u&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;a&gt;&#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
                    
    
Gabriel,
L., López y Rivas, G. (Coords.). (2005). Autonomía Indígenas en
América Latina. C. d. México. latautonomy.com/la_wor.htm
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Global
Witness. (2020). Defending
Tomorrow – Land and Environment Defenders.

    
                    &#xD;
    &lt;a href="http://www.globalwitness.org/en/environmental-activists/defending-tomorrow/"&gt;&#xD;
      
                      
      www.globalwitness.org/en/environmental-activists/defending-tomorrow/
    
                    &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Grisafi,
Th.; Farthing, L. y Ledebur, K. (2018).
The Plurinational State of Bolivia shifting the focus from
eradication to poverty alleviation. 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Boletín
sobre narcóticos, 61
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    ,
2017, Viena, 2018.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
International
Narcotics Control Board [INCB]. (2016a, 2 de marzo). Report 2015. The
international drug control treaties do not mandate a “war on
drugs”, says INCB Report.

    
                    &#xD;
    &lt;u&gt;&#xD;
      &lt;a href="https://www.incb.org/documents/Publications/AnnualReports/AR2015/English/war_drugs.pdf"&gt;&#xD;
        
                        
        https://www.incb.org/documents/Publications/AnnualReports/AR2015/English/war_drugs.pdf
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;/u&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
International
Narcotics Control Board [INCB]. (2016b, 2 de marzo). Report of the
International Narcotics Control Board for 2015.

    
                    &#xD;
    &lt;u&gt;&#xD;
      &lt;a href="https://www.incb.org/documents/Publications/AnnualReports/AR2015/English/AR_2015_E.pdf"&gt;&#xD;
        
                        
        https://www.incb.org/documents/Publications/AnnualReports/AR2015/English/AR_2015_E.pdf
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;/u&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Jelsma,
M. y Youngers, C. (2017, 11 de agosto). La coca y el Acuerdo de Paz
en Colombia. 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Transnational
Institute [TNI].
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    &lt;a href="https://www.tni.org/my/node/23629"&gt;&#xD;
      
                      
      https://www.tni.org/my/node/23629
    
                    &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Ledebur,
K. y Youngers, C. (2013). From conflict to collaboration: An
innovative approach to reducing coca cultivation in
Bolivia. 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Stability:
International Journal of Security and Development
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      ,
2
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    (1).
DOI: 
    
                    &#xD;
    &lt;u&gt;&#xD;
      &lt;a href="http://doi.org/10.5334/sta.aw"&gt;&#xD;
        
                        
        http://doi.org/10.5334/sta.aw
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;/u&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Lessmann,
R. (1991, 18 de agosto).  “Estábamos cambiando aplauso en el
exterior por muertos en Colombia”. Entrevista con Juan Gómez
Martínez, director de un diario y ex alcalde de Medellín,
partidario del diálogo con narcotraficantes extraditables. 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      La
Razón.
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    &lt;a href="https://cdn.website-editor.net/4e3a91da2fa849afa260009be23256a9/files/uploaded/larazon_18_8_1991_1_web.jpg"&gt;&#xD;
      
                      
      https://cdn.website-editor.net/4e3a91da2fa849afa260009be23256a9/files/uploaded/larazon_18_8_1991_1_w...
    
                    &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Lessmann,
R. (1996). 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Drogenökonomie
und internationale Politik.
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
Frankfurt/M: Vervuert Verlag.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Lessmann,
R. (2000). Amerikanisierung und Militarisierung. Die auswärtige
Drogenpolitik der USA. En P. Rudolph y J. Wilzewski (Eds.), 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Weltmacht
ohne Gegner. Amerikanische Außenpolitik zu Beginn des 21.
Jahrhunderts
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    .
Baden-Baden: Nomos Verlag.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Lessmann,
R. (2003, noviembre). 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Proyecto
Latautonomy: autonomías multiculturales, ¿una condición necesaria
para el desarrollo sostenible?
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
(Informe sobre condiciones políticas marco para procesos de
autonomía multicultural. SEC: Bolivia/Trópico de Cochabamba).

    
                    &#xD;
    &lt;u&gt;&#xD;
      &lt;a href="http://latautonomy.com/EstudioPolitico_BO_Lessmann.pdf"&gt;&#xD;
        
                        
        http://latautonomy.com/EstudioPolitico_BO_Lessmann.pdf
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;/u&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Lessmann,
R. (2005). La
autonomía clandestina: raíces, rasgos y marco político del proceso
autonómico en el Trópico de Cochabamba.
En L. Gabriel y G. López y Rivas (auch: ders.: 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Bolivia:
Condiciones políticos marco para procesos de autonomía
multicultural.
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
latautonomy.com/EstudioPolitico_Bo_Lessmann.pdf
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Lessmann,
R. (2010). Flying Dutchman. Die internationale Drogenpolitik der
Obama – Administration. 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Z
Außen Sicherheitspolit, 
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    3,
379-396. 
    
                    &#xD;
    &lt;u&gt;&#xD;
      &lt;a href="https://link.springer.com/article/10.1007/s12399-010-0140-0"&gt;&#xD;
        
                        
        https://link.springer.com/article/10.1007/s12399-010-0140-0
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;/u&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Lessmann,
R. (2012). Drogenpolitik am Scheideweg – Zwischen Legalisierung und
Drogenkrieg. 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Z
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      eitschrift
für
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      
Außen- 
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      und
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      
Sicherheitspolit
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      ik
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      ,

    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    5,
563-574. 
    
                    &#xD;
    &lt;u&gt;&#xD;
      &lt;a href="https://doi.org/10.1007/s12399-012-0292-1"&gt;&#xD;
        
                        
        https://doi.org/10.1007/s12399-012-0292-1
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;/u&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Lessmann,
R. (2015). „Der
Drogenkrieg in den Anden“, Springer Verlag, Wiesbaden, 

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Lessmann,
R. (2016). Ende des Drogenkriegs? 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Lateinamerika
Anders,
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
1. 
    
                    &#xD;
    &lt;u&gt;&#xD;
      &lt;a href="http://robert-lessmann.com/ende_des_drogenkrieges"&gt;&#xD;
        
                        
        robert-lessm
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;/u&gt;&#xD;
    &lt;u&gt;&#xD;
      &lt;a href="http://robert-lessmann.com/ende_des_drogenkrieges"&gt;&#xD;
        
                        
        ann.com/ende_des_drogenkrieges
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;/u&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Lessmann,
R. (2017). 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Internationale
Drogenpolitik. 
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Herausforderungen
und Reformdebatten
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    .
Wiesbaden: Springer Verlag.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Lessmann,
R. (2019). Drogenproduktion und Drogenbekämpfung: Ein Ökodesaster.

    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Lateinamerika
Anders,
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
1.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Lessmann,
R. (2020). Internationale Drogenpolitik: “Vom Zwang zum
Zusammenhalt. Abschied vom Drogenkrieg. 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Z
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      eitschrift
für
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      
Außen- 
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      und
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      
Sicherheitspolit
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      ik
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      ,

    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    13,
197-213. 
    
                    &#xD;
    &lt;u&gt;&#xD;
      &lt;a href="http://link.springer.com/article/10.1007/s12399-020-00810-z"&gt;&#xD;
        
                        
        link.springer.com/article/10.1007/s12399-020-00810-z
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;/u&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Redacción
Digital. (2020, 24 de agosto). Mindefensa anuncia creación de unidad
especial para ubicar a autores de masacres. 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Revista
El Congreso
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    .

    
                    &#xD;
    &lt;u&gt;&#xD;
      &lt;a href="http://www.revistaelcongreso.com/actualidad/mindefensa-anuncia-creacion-de-unidad-especial-de-identificacion-ubicacion-y-judicializacion-de-perpetradores-de-homicidios-colectivos"&gt;&#xD;
        
                        
        www.revistaelcongreso.com/actualidad/mindefensa-anuncia-creacion-de-unidad-especial-de-identificacion-ubicacion-y-judicializacion-de-perpetradores-de-homicidios-colectivos
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;/u&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Resumen
Ejecutivo.
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      
Las hectáreas de coca bajaron, pero la producción de cocaína sigue
en la parte alta de la serie histórica…
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    &lt;u&gt;&#xD;
      &lt;a href="http://unodc.org/documents/colombia/2020/Junio/Resumen_Ejecutivo_Censo_Coca_2019_COL.pdf"&gt;&#xD;
        
                        
        unodc.org/documents/colombia/2020/Junio/Resumen_Ejecutivo_Censo_Coca_2019_COL.pdf
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;/u&gt;&#xD;
    
                    
    
(Zugriff: 8.10.2020).
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Thai-German
Highland Development Project (TG-HDP). 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      GIZ.
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    &lt;u&gt;&#xD;
      &lt;a href="https://www.thai-german-cooperation.info/en_US/history_rural_6/"&gt;&#xD;
        
                        
        https://www.thai-german-cooperation.info/en_US/history_rural_6/
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;/u&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
United
Nations General Assembly Special Session [UNGASS]. (2016).
Abschlussdokument

    
                    &#xD;
    &lt;a href="http://www.drogenbeauftragte.de/fileadmin/dateien-dba/DrogenundSucht/Illegale_Drogen/Ungass-N1610572.pdf"&gt;&#xD;
      
                      
      www.drogenbeauftragte.de/fileadmin/dateien-dba/DrogenundSucht/Illegale_Drogen/Ungass-N1610572.pdf
    
                    &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
UNIS/NAR/1275,21(abril
de 2016);

    
                    &#xD;
    &lt;a href="http://www.unis.unvienna.org/unis/en/pressrels/2016/unisnar1275.html"&gt;&#xD;
      
                      
      www.unis.unvienna.org/unis/en/pressrels/2016/unisnar1275.html
    
                    &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
                    
    )
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
United
Nations High Commission on Refugees [UNHCR]. (2019). 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Global
Trends Forced Displacement in 2019.

    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    unhcr.org/dach/wp-content/uploads/sites/27/2020/06/unhcr_global-trends2019.pdf.
(Aufruf 8.10.2020)
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;a&gt;&#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
                    
    
United
Nations Office on Drugs and Crime [UNODC]. (2011, octubre).

    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Estimating
illicit financial flows from drug trafficking and other transnational
organized crimes.
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
 (Research Report). Viena.

    
                    &#xD;
    &lt;u&gt;&#xD;
      &lt;a href="https://www.unodc.org/documents/data-and-analysis/Studies/Illicit_financial_flows_2011_web.pdf"&gt;&#xD;
        
                        
        https://www.unodc.org/documents/data-and-analysis/Studies/Illicit_financial_flows_2011_web.pdf
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;/u&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
United
Nations Office on Drugs and Crime [UNODC]. (2015). 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      World
Drug Report 2015
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    .
Nueva York.

    
                    &#xD;
    &lt;u&gt;&#xD;
      &lt;a href="https://www.unodc.org/documents/data-and-analysis/Studies/Illicit_financial_flows_2011_web.pdf"&gt;&#xD;
        
                        
        https://www.unodc.org/documents/data-and-analysis/Studies/Illicit_financial_flows_2011_web.pdf
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;/u&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
United
Nations Office on Drugs and Crime [UNODC]. (2016). 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      World
Drug Report 2016
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    .
Nueva York.

    
                    &#xD;
    &lt;u&gt;&#xD;
      &lt;a href="https://www.unodc.org/documents/scientific/WORLD_DRUG_REPORT_2016_web.pdf"&gt;&#xD;
        
                        
        https://www.unodc.org/documents/scientific/WORLD_DRUG_REPORT_2016_web.pdf
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;/u&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
United
Nations Office on Drugs and Crime [UNODC]. (2019a).

    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      World
Drug Report 2019
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    .
Nueva York.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
United
Nations Office on Drugs and Crime [UNODC]. (2019b).

    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Global
Study on Homicide 2019.
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
(Executive Summary). Viena.

    
                    &#xD;
    &lt;u&gt;&#xD;
      &lt;a href="https://www.unodc.org/documents/data-and-analysis/gsh/Booklet1.pdf"&gt;&#xD;
        
                        
        https://www.unodc.org/documents/data-and-analysis/gsh/Booklet1.pdf
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;/u&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
United
Nations Office on Drugs and Crime [UNODC]. (2020a). Annex of the
world drug report 2020. 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      UNODC
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    .

    
                    &#xD;
    &lt;u&gt;&#xD;
      &lt;a href="http://wdr.unodc.org/wdr2020/en/maps-and-tables.html"&gt;&#xD;
        
                        
        wdr.unodc.org/wdr2020/en/maps-and-tables.html
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;/u&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
United
Nations Office on Drugs and Crime [UNODC]. (2020b, 17 de junio).
Informe
de Monitoreo de Territorios Afectados por Cultivos Ilícitos en
Colombia (2019). 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      UNODC.

    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    &lt;u&gt;&#xD;
      &lt;a href="http://unodc.org/colombia/es/informe-de-monitoreo-de-territorios-afectados-por-cultivos-ilicitos-en-colombia-2019.html"&gt;&#xD;
        
                        
        unodc.org/colombia/es/informe-de-monitoreo-de-territorios-afectados-por-cultivos-ilicitos-en-colombia-2019.html
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;/u&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;a&gt;&#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
                    
    
United
Nations Office on Drug Control and Crime Prevention [UNODCCP].
(1999). 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Global
Illicit Drug Trends 1999
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    .
Nueva York: Naciones Unidas.

    
                    &#xD;
    &lt;u&gt;&#xD;
      &lt;a href="https://www.unodc.org/pdf/report_1999-06-01_1.pdf"&gt;&#xD;
        
                        
        https://www.unodc.org/pdf/report_1999-06-01_1.pdf
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;/u&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
United
Nations Office on Drug Control and Crime Prevention [UNODCCP].
(2002). 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Global
Illicit Drug Trends 2002.
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
Nueva York: Naciones Unidas.

    
                    &#xD;
    &lt;u&gt;&#xD;
      &lt;a href="https://www.unodc.org/pdf/report_2002-06-26_1/report_2002-06-26_1.pdf"&gt;&#xD;
        
                        
        https://www.unodc.org/pdf/report_2002-06-26_1/report_2002-06-26_1.pdf
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;/u&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Vargas,
R. (1999, 1 de octubre). Drug cultivation, fumigation and the
conflict in Colombia, 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Transnational
Institute [TNI]. 
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    &lt;u&gt;&#xD;
      &lt;a href="https://www.tni.org/es/node/12070"&gt;&#xD;
        
                        
        https://www.tni.org/es/node/12070
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;/u&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Vargas,
R. (2020a, 9 de julio). Colombia: persistencia del conflicto y
pandemía en territorios bajo estado de excepción. 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Transnational
Institute [TNI]
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    .

    
                    &#xD;
    &lt;u&gt;&#xD;
      &lt;a href="http://www.tni.org/es/articulo/colombia-persistencia-del-conflicto-y-pandemia-en-territorios-bajo-estao-de-excepcion"&gt;&#xD;
        
                        
        www.tni.org/es/articulo/colombia-persistencia-del-conflicto-y-pandemia-en-territorios-bajo-estao-de-excepcion
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;/u&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Vargas,
R. (2020b, 6 de agosto). Cocaína colombiana: ¿Dónde estamos?

    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Transnational
Institute (TNI).
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    &lt;u&gt;&#xD;
      &lt;a href="https://www.tni.org/es/articulo/cocaina-colombiana-donde-estamos"&gt;&#xD;
        
                        
        https://www.tni.org/es/articulo/cocaina-colombiana-donde-estamos
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;/u&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;p&gt;&#xD;
      &lt;a href="#sdfootnote1anc"&gt;&#xD;
        
                        
        1
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
      &lt;a href="http://Www.blickpunkt-lateinamerika.de/artikel/kolumbien-katastrophales-jahr-fuer-die-menschenrechte/"&gt;&#xD;
        
                        
        w
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
      &lt;a href="http://Www.blickpunkt-lateinamerika.de/artikel/kolumbien-katastrophales-jahr-fuer-die-menschenrechte/"&gt;&#xD;
        
                        
        w
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
      &lt;a href="http://Www.blickpunkt-lateinamerika.de/artikel/kolumbien-katastrophales-jahr-fuer-die-menschenrechte/"&gt;&#xD;
        
                        
        w.blickpunkt-lateinamerika
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
      &lt;a href="http://Www.blickpunkt-lateinamerika.de/artikel/kolumbien-katastrophales-jahr-fuer-die-menschenrechte/"&gt;&#xD;
        
                        
        .de/artikel/kolumbien-katastrophales-jahr-fuer-die-menschenrechte/
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
      
                      
      
	(Aufruf: 12.6.2021)
    
                    &#xD;
    &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;p&gt;&#xD;
      &lt;a href="#sdfootnote2anc"&gt;&#xD;
        
                        
        2
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
      
                      
      
	381, según cífras
	del Instituto de Estudios para el Desarrollo y la Paz (INDEPAZ):
	
      
                      &#xD;
      &lt;a href="http://www.indepaz.org.co/wp-content/uploads/2021/04/CON-LIDERES-HAY-PAZ.pdf"&gt;&#xD;
        
                        
        www.indepaz.org
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
      &lt;a href="http://www.indepaz.org.co/wp-content/uploads/2021/04/CON-LIDERES-HAY-PAZ.pdf"&gt;&#xD;
        
                        
        .co/wp-content/uploads/2021/04/CON-LIDERES-HAY-PAZ
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
      &lt;a href="http://www.indepaz.org.co/wp-content/uploads/2021/04/CON-LIDERES-HAY-PAZ.pdf"&gt;&#xD;
        
                        
        .pdf
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
      
                      
      
	(Aufruf: 12.6.21)
    
                    &#xD;
    &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;p&gt;&#xD;
      &lt;a href="#sdfootnote3anc"&gt;&#xD;
        
                        
        3
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
      &lt;a href="http://Www.indepaz.org.co/informe-de-masacres-en-colombia-durante-el-2020-2021/"&gt;&#xD;
        
                        
        w
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
      &lt;a href="http://Www.indepaz.org.co/informe-de-masacres-en-colombia-durante-el-2020-2021/"&gt;&#xD;
        
                        
        ww.indepaz.org.co
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
      &lt;a href="http://Www.indepaz.org.co/informe-de-masacres-en-colombia-durante-el-2020-2021/"&gt;&#xD;
        
                        
        /informe-de-masacres-en-colombia-durante-el-2020-2021/
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
      
                      
      
	(Aufruf: 12.6.2021)
    
                    &#xD;
    &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;p&gt;&#xD;
      &lt;a href="#sdfootnote4anc"&gt;&#xD;
        
                        
        4
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
      
                      
      
	La
	lista de personas asesinadas en el 2020, entre líderes sociales,
	defensores de derechos humanos, familiares de estos y excombatientes
	del las FARC-EP, se puede consultar
	en la página: 
      
                      &#xD;
      &lt;u&gt;&#xD;
        &lt;a href="http://www.indepaz.org.co/lideres"&gt;&#xD;
          
                          
          www.
        
                        &#xD;
        &lt;/a&gt;&#xD;
        &lt;a href="http://www.indepaz.org.co/lideres"&gt;&#xD;
          
                          
          .org.co/lideres
        
                        &#xD;
        &lt;/a&gt;&#xD;
      &lt;/u&gt;&#xD;
    &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;p&gt;&#xD;
      &lt;a href="#sdfootnote5anc"&gt;&#xD;
        
                        
        5
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
      
                      
      
	Fue
	nombrado ministro de Defensa el 16 de noviembre de 2019, y falleció
	el 26 de enero de 2021 a causa de una neumonía provocada por
	covid-19.
    
                    &#xD;
    &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;p&gt;&#xD;
      &lt;a href="#sdfootnote6anc"&gt;&#xD;
        
                        
        6
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
      
                      
      
	Después
	de un proceso de sustitución de importaciones mediante el cultivo
	propio en los Estados Unidos, la marihuana colombiana no tiene
	prácticamente ningún papel en los mercados internacionales de la
	droga, y el mercado norteamericano de la heroína es dominado  por
	México.
	Respecto
	a la producción de amapola a nivel mundial, Colombia produce hoy
	menos del 1 % (UNODC, 2020/3).
    
                    &#xD;
    &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;p&gt;&#xD;
      &lt;a href="#sdfootnote7anc"&gt;&#xD;
        
                        
        7
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
      
                      
      
	Se estima que actualmente los ingresos brutos colombianos
	provenientes de la producción de la cocaína muy preciada son de
	1928 millones
	de dólares
	estadounidenses de los cuales, en su conjunto, los productores
	rurales de coca, de pasta base y de clorhidrato de cocaína (HCL)
	—cocaína en polvo—, reciben 810 000 millones de dólares
	(unodc.org/documents/colombia/2020/junio/Resumen_Ejecutivo_Censo_Coca_2019_COL.pdf).
    
                    &#xD;
    &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;p&gt;&#xD;
      &lt;a href="#sdfootnote8anc"&gt;&#xD;
        
                        
        8
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
      
                      
      
	Aprobada en la Conferencia de Naciones Unidas celebrada
	en Nueva York del 24 de enero al 25 de marzo de 1961.
    
                    &#xD;
    &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;p&gt;&#xD;
      &lt;a href="#sdfootnote9anc"&gt;&#xD;
        
                        
        9
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
      
                      
      
	En la actualidad son 273 sustancias controladas listadas
	la Convención (UNODC, 2019b).
    
                    &#xD;
    &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;p&gt;&#xD;
      &lt;a href="#sdfootnote10anc"&gt;&#xD;
        
                        
        10
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
      
                      
      
	Cfr.
	UNODC (2019a,
	p. 68, cuadro 10). Según UNODC (2020),
	son
	1723 toneladas, tal y como consta en el último
	Informe Mundial sobre las Drogas de la UNODC, aún no existen datos
	seguros y actualizados sobre el cultivo de la coca correspondientes
	a 2019 y hay ciertas dudas metodológicas, razón por la cual en
	este documento
	 
	se toman sobre todo los datos del informe de 2019. El reporte de la
	Estrategia Internacional de Control de Narcóticos (INCSR) del
	Departamento de Estado norteamericano arroja con frecuencia cifras
	diferentes
	—por lo general, más altas—. Estas cifras son en su mayoría
	levantadas por la Agencia Central de Inteligencia (CIA). En
	este estudio
	utilizamos
	las
	informaciones de las Naciones Unidas, provenientes del Sistema
	Integrado de Monitoreo de Cultivos Ilícitos (SIMCI), el cual existe
	desde 1999, y en cuyo levantamiento participó también el Gobierno
	colombiano.
    
                    &#xD;
    &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;p&gt;&#xD;
      &lt;a href="#sdfootnote11anc"&gt;&#xD;
        
                        
        11
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
      
                      
      
	Cfr.
	UNODC (2019a,
	p. 67, cuadro 8).
    
                    &#xD;
    &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;p&gt;&#xD;
      &lt;a href="#sdfootnote12anc"&gt;&#xD;
        
                        
        12
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
      
                      
      
	 En
	cuanto a su magnitud, dependemos de estimaciones. La UNODC (2015)
	reporta que entre 2001 y 2014 fueron deforestadas 290 992 ha de
	bosque para el cultivo de coca en Colombia. La Comisión Nacional
	para el Desarrollo y Vida sin Drogas (Devida) del Perú estima 2.3
	millones de hectáreas de deforestación para la siembra de coca en
	este país durante la última mitad del siglo y advierte sobre los
	residuos de hierro, cadmio, ácido, sulfúrico, éter etílico,
	cloruro de amonio y otros de los llamados químicos precursores, en
	los suelos y aguas. Durante una misión de la Unión Europea en la
	Región Pozuzo-Palcazu
	del Perú en 1998 los campesinos declararon que, debido a la quiebra
	del mercado de coca, se vieron obligados a deforestar los bosques y
	vender la madera rio abajo en Pucallpa. Los yuquis, una etnia
	pequeña
	de cazadores, recolectores y pescadores que vive en la
	zona boliviana de cultivo de coca del Chapare, que fue
	contactada
	por primera vez por misionarios en la década de 1950, llevan años
	quejándose de que los peces de los ríos son cada vez menos debido
	al envenenamiento de las aguas (Lessmann, 2019).
    
                    &#xD;
    &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;p&gt;&#xD;
      &lt;a href="#sdfootnote13anc"&gt;&#xD;
        
                        
        13
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
      
                      
      
	Entre
	tanto, países de Centroamérica, como El Salvador y Honduras,
	reportan de nuevo un número más alto de asesinatos que en México,
	muchos de los cuales están relacionados con el narcotráfico. El
	número de víctimas por asesinato y homicidio por cada 100 000
	habitantes en México es de
	24.8;
	en Colombia, 24.9
	y
	en El Salvador, 51
	(UNODC, 2019b).
    
                    &#xD;
    &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;p&gt;&#xD;
      &lt;a href="#sdfootnote14anc"&gt;&#xD;
        
                        
        14
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
      
                      
      
	En Chimoré estuvo presente,
	entre otros diputados, el director ejecutivo del Programa
	del Control de Drogas de las NN.UU., Pino Arlacchi, y el presidente
	de Estados Unidos, Bill Clinton, envió un telegrama de
	felititación.
    
                    &#xD;
    &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;p&gt;&#xD;
      &lt;a href="#sdfootnote15anc"&gt;&#xD;
        
                        
        15
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
      
                      
      
	La
	base de su ascenso fue el
	movimiento
	sindical
	de
	los productores campesinos de la hoja de coca,
	el cual, a partir de la resistencia frente a la erradicación de
	coca protagonizada por una autoorganización de colonos
	campesinos, se convirtió en una de las organizaciones más
	poderosas de la sociedad civil en Latinoamérica. Véase
	Lessmann (2005) y también (2003), en particular, pp. 26-37.
    
                    &#xD;
    &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;p&gt;&#xD;
      &lt;a href="#sdfootnote16anc"&gt;&#xD;
        
                        
        16
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
      
                      
      
	Los siguientes comentarios se basan particularmente en una visita al
	Chapare (Trópico de Cochabamba) en noviembre
	de 2015.
	En aquella ocasión, junto con el viceministro para la Defensa
	Social, Felipe Cáceres, y con comandantes de la Fuerza Especial de
	Lucha Contra el Narcotráfico (FELCN), viajé en helicóptero para
	visitar un laboratorio de cocaína en Yapacani y realizar
	entrevistas a cultivadores de coca de la zona. Véanse Lessmann
	(2016); vease
	también
	Farthing
	y Ledebur (2014), Grisafi,
	Farthing y Ledebur (2018)
	y Ledebur y Youngers (2013).
    
                    &#xD;
    &lt;/p&gt;&#xD;
    &lt;p&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;p&gt;&#xD;
      &lt;a href="#sdfootnote17anc"&gt;&#xD;
        
                        
        17
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
      
                      
      
  En el marco del proyecto de investigación Latautonomy (2000-2005)
  sobre modelos de autonomía multicultural, financiado por la Unión
  Europea, se determinó para el Chapare boliviano y sus
  organizaciones sindicales
  campesinas el indicador
  más
  alto de
  la cohesión social entre
  los casos en consideración (Gabriel/López
  y Rivas 2005; 
      
                      &#xD;
      &lt;a href="http://www.latautonomy.com)"&gt;&#xD;
        
                        
        www.latautonomy.com)
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
      
                      
      .
    
                    &#xD;
    &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;p&gt;&#xD;
      &lt;a href="#sdfootnote18anc"&gt;&#xD;
        
                        
        18
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
      
                      
      
	Según la UNODCCP (2002), en
	1989 había incluso 52 900 ha. En Bolivia y Perú solamente se
	permite la erradicación manual; las sustancias biológicas o
	químicas están prohibidas por la ley.
    
                    &#xD;
    &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;p&gt;&#xD;
      &lt;a href="#sdfootnote19anc"&gt;&#xD;
        
                        
        19
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
      
                      
      
	En 2011, se inauguró una
	fábrica de productos de coca en el Chapare; en los Yungas se
	reactivaron dos fábricas de bolsas de té de coca y de harina de
	coca. Pero sin la aprobación internacional de la coca a través de
	un cambio en la Convención Única de 1961 sobre Estupefacientes, la
	exportación de dichos productos permanecerá bloqueada, y no es
	suficiente el mercado nacional, pues es demasiado pequeño.
    
                    &#xD;
    &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;p&gt;&#xD;
      &lt;a href="#sdfootnote20anc"&gt;&#xD;
        
                        
        20
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
      
                      
      
	Por cierto, Perú continúa
	con una política de erradicación manual forzada. 
	
    
                    &#xD;
    &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;p&gt;&#xD;
      &lt;a href="#sdfootnote21anc"&gt;&#xD;
        
                        
        21
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
      
                      
      
	Esta constatación se basó
	en un estudio sobre el cultivo de coca y el consumo tradicional,
	financiado por la Unión Europea en otoño de 2013.
    
                    &#xD;
    &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;p&gt;&#xD;
      &lt;a href="#sdfootnote22anc"&gt;&#xD;
        
                        
        22
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
      
                      
      
	Según
	cálculos propios basándome ​​en las cifras de erradicación de
	los informes mundiales sobre drogas de la UNODC. Entre 1994 y 2008,
	se erradicaron 1 615 663 ha
	(véase
	Lessmann, 2010, pp. 383-384); en el periodo 2009-2018 fueron 346 944
	ha
	de forma manual; y hasta 2015 fueron 550 346 ha
	mediante fumigación (UNODC, 2020a, anexo estadístico 6.1.2.), para
	un total de 2 512 953
	ha.
    
                    &#xD;
    &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;p&gt;&#xD;
      &lt;a href="#sdfootnote23anc"&gt;&#xD;
        
                        
        23
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
      
                      
      
	Este hecho refleja
	parcialmente que no todas las hectáreas fumigadas fueron
	destruidas. Los agricultores usaron contramedidas, por su lado
	rociaron las hojas con soluciones grasas para protegerlas y, sobre
	todo, volvieron a plantar nuevos campos. Probablemente se
	contabilizaron varias fumigaciones.
    
                    &#xD;
    &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;p&gt;&#xD;
      &lt;a href="#sdfootnote24anc"&gt;&#xD;
        
                        
        24
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
      
                      
      
	Finalmente,
	después de dos décadas, en mayo de 2015 se detuvieron las
	fumigaciones. Se dice que esto produjo un aumento inmediato del 44 %
	en el área cultivada en
	Colombia;
	en toda
	la
	región Andina aumentó del
	10 por ciento. (UNODC, 2016,
	anexo 5). La fumigación con glifosato se reanudó en abril de 2016,
	solo que desde el suelo, ya no desde el aire. Sin embargo, en abril
	de 2021,
	el gobierno del presidente Iván Duque, mediante
	el decreto 380, abrió la puerta para
	reanudar la fumigación aérea de los campos de coca con glifosato.
    
                    &#xD;
    &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;p&gt;&#xD;
      &lt;a href="#sdfootnote25anc"&gt;&#xD;
        
                        
        25
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
      
                      
      
	Varios autores describen el acaparamiento de tierras como un
	fenómeno de largo plazo en Colombia. “Ganaderos, inversionistas y
	agricultores comerciales legales han creado estrictos ejércitos
	privados, presentados a la opinión pública como una defensa contra
	los abusos de la guerrilla. Sin embargo, estos grupos armados sirven
	como medio para expropiar violentamente tierras de indígenas,
	campesinos y colonos. Esta toma violenta de tierras tiene un impacto
	social tremendo, contribuyendo a ciclos de violencia y
	desplazamiento forzado continuo con resultados más graves que la
	producción y exportación de sustancias ilícitas” (Vargas,
	1999).
    
                    &#xD;
    &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;p&gt;&#xD;
      &lt;a href="#sdfootnote26anc"&gt;&#xD;
        
                        
        26
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
      
                      
      
	Los campos que fueran creados en adelante serían excluidos de esta
	regulación, a fin de evitar el oportunismo.
    
                    &#xD;
    &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;p&gt;&#xD;
      &lt;a href="#sdfootnote27anc"&gt;&#xD;
        
                        
        27
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
      
                      
      
	“El investigador Ricardo Vargas, asociado del TNI, analiza la
	crisis de seguridad y la situación de vulnerabilidad que padecen
	varias comunidades rurales e indígenas en Colombia en medio de la
	pandemia. Además de los riesgos de contagio, las comunidades hoy
	enfrentan operaciones de erradicación forzada de cultivos ilícitos
	por parte del Estado, contrario a lo pactado en el Acuerdo de Paz; y
	al último tiempo sufren las acciones violentas contra
	organizaciones y asesinatos de líderes sociales por parte de grupos
	armados ilegales que han visto en la crisis una oportunidad para
	desplazar comunidades y acaparar territorios” (Vargas, 2020a).
    
                    &#xD;
    &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;p&gt;&#xD;
      &lt;a href="#sdfootnote28anc"&gt;&#xD;
        
                        
        28
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
      
                      
      
	En los operativos de erradicación forzada realizados durante los
	siete primeros meses de 2020 murieron 7 personas (Vargas, 2020b).
    
                    &#xD;
    &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;p&gt;&#xD;
      &lt;a href="#sdfootnote29anc"&gt;&#xD;
        
                        
        29
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
      
                      
      
	Vargas (2020a anotación
	7) se refiere a la
	declaración del alcalde general Wilson Chávez en el debate sobre
	el Cauca en la Comisión Segunda del Senado, del 6 de mayo de 2020.
    
                    &#xD;
    &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;p&gt;&#xD;
      &lt;a href="#sdfootnote30anc"&gt;&#xD;
        
                        
        30
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
      
                      
      
	En 2018, fueron 169 000 ha; en 2019, 154 000 ha.
	de coca.
	De la mencionada meta inicial de erradicación de 100 000 ha
	en el primer año posterior al Acuerdo Final, se han
	implementado
	52 001 ha en 2017 y 59 978 ha en 2018 (UNODC,
	2020b).
    
                    &#xD;
    &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;p&gt;&#xD;
      &lt;a href="#sdfootnote31anc"&gt;&#xD;
        
                        
        31
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
      
                      
      
	En este contexto, el distanciamiento repetido y explícito de la
	“guerra contra las drogas” y su lenguaje fue completamente
	nuevo. El comunicado de prensa del 2 de marzo de 2016 de la Junta
	Internacional de Fiscalización de Estupefacientes (INCB/JIFE),
	para la publicación del informe anual de 2015, lo encabezó con una
	declaración clave: “Los tratados de fiscalización internacional
	de drogas no exigen una ‘guerra contra las drogas’, dice el
	Informe de la INCB/JIFE”.
	Y en el informe mismo se lee, entre otras cosas: “Algunas de las
	políticas existentes en algunos países, como la aplicación de la
	ley militarizada, las políticas que ignoran los derechos humanos,
	el encarcelamiento excesivo, la negación de enfoques médicamente
	apropiados, no están de acuerdo con los principios de las
	convenciones” (INCB/JIFE,
	2015, p. 6).
    
                    &#xD;
    &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;p&gt;&#xD;
      &lt;a href="#sdfootnote32anc"&gt;&#xD;
        
                        
        32
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
      
                      
      
  Un comunicado de prensa de la UNODC después de finalizada la
  conferencia de la UNGASS enfatiza explícitamente: “En la apertura
  de la plenaria, los Estados miembros aprobaron el documento final de
  la sesión, que reafirma su compromiso de adoptar enfoques
  innovadores para el control de las drogas en el marco de las tres
  convenciones internacionales de control de las drogas. También
  reconocen que las convenciones permiten suficiente flexibilidad para
  que las partes de los Estados diseñen políticas nacionales de
  drogas eficaces” (El Director Ejecutivo de la UNODC, 2016,. UNIS
  / NAR / 1275, 21 de abril de 2016, también:
  
      
                      &#xD;
      &lt;a href="http://www.unis.unvienna.org/unis/en/pressrels/2016/unisnar1275.html)"&gt;&#xD;
        
                        
        www.unis.unvienna.org/unis/en/pressrels/2016/unisnar1275.html)
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
      
                      
      .
    
                    &#xD;
    &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <enclosure url="https://cdn.website-editor.net/4e3a91da2fa849afa260009be23256a9/dms3rep/multi/b22.jpg" length="36532" type="image/jpeg" />
      <pubDate>Tue, 15 Jun 2021 10:57:38 GMT</pubDate>
      <guid>https://www.robert-lessmann.com/proceso-de-paz-y-guerra-contra-las-drogas-en-colombia-sostenibilidad-y-alternativas5b881a7d</guid>
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        <media:description>thumbnail</media:description>
      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Bolivien: Neue politische Landkarte</title>
      <link>https://www.robert-lessmann.com/bolivien-neue-politische-landkarte621bb04b</link>
      <description />
      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
                  
  
Nach
dem Sturz von Evo Morales im November 2019 und mit der Abwahl der
selbsternannten „Interimsregierung“
unter Jeanine Áñez
im Oktober 2020 ist die MAS (Movimiento al Socialismo) mit
fulminanten 55 Prozent zurück an der Macht. Doch mit den
Departements- und Gemeindewahlen wurden die Karten nun auf regionaler
Ebene neu gemischt. Gleichzeitig hat die juristische Aufarbeitung der
Krise begonnen. Jeanine Áñez wartet seit dem 13. März in
Untersuchungshaft auf ein „juicio
de responsabilidades“.
Dabei werden spannende Details bekannt, auch zur fragwürdigen Rolle
des EU-Vertreters bei der Machtergreifung.

                &#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/4e3a91da2fa849afa260009be23256a9/dms3rep/multi/a9.jpg" alt="" title=""/&gt;&#xD;
  &lt;span&gt;&#xD;
  &lt;/span&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Die
Departements- und Gemeindewahlen vom 7. März brachten gegenüber den
Parlaments- und Präsidentschaftswahlen vom Oktober 2020 deutliche
Einbußen für die MAS. Zwar konnte die Partei von Evo Morales mit
240 der 339 mehr als zwei Drittel der 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      alcaldías
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
gewinnen; doch im Oktober 2020 war man in 300 Gemeinden stärkste
Partei gewesen. Insofern wurde das Wahlziel verfehlt. Vor allem: Von
den großen Städten konnte die MAS nur die Hauptstadt Sucre (knapp)
und Oruro gewinnen. Das sorgte für Katerstimmung und führte
innerparteilich sogar zu Rufen nach „Sanktionen“.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Parteichef
Morales versuchte zu beruhigen. Tatsächlich kann man eher von einer
Konsolidierung der Position der MAS in turbulenten Zeiten sprechen.
Auch bei den letzten 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      subnacionales
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
2015 hatte man nur zwei große Städte gewinnen können und die
politische Rechte steht heute stärker zersplittert da denn je.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      &lt;b&gt;&#xD;
        
                        
        La
derecha
      
                      &#xD;
      &lt;/b&gt;&#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      
– die abgedroschene Leerformel
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Gleichzeitig
redet Morales das Ergebnis schön, weil erheblich mehr möglich
gewesen wäre. Die vielbeschworene „Rechte“ hat sich eben gerade
nicht vereint. Da ist zuallererst der Erdrutschsieg der ehemaligen
MAS-Senatspräsidentin Eva Copa, der man keine aussichtsreiche
Kandidatur eingeräumt hatte. Mit
annähernd 70 Prozent wurde sie zur Bürgermeisterin von El Alto
gewählt, der zweitgrößten Stadt und an sich einer MAS-Hochburg.
Aber eben nicht auf der Liste der MAS, sondern für die
aymara-nationalistische 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Jallalla
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    .


  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Sie
ist bei diesen Wahlen übrigens die einzige Frau, die in ein wirklich
bedeutendes Amt gewählt wurde. In La Paz gewann mit Iván Arias
(46,7 Prozent) ein Minister der Áñez-Regierung vor dem honorigen
früheren „
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Mi
Teleférico
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    “-Chef
César
Dockweiler (MAS). Bemerkenswert: Die Liste 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Sol.bo

    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    (vormals

    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Movimiento
sin Miedo 
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    und
mit der MAS alliiert), die viermal hintereinander sehr erfolgreiche
Bürgermeister von La Paz und zuletzt auch die Bürgermeisterin von
El Alto gestellt hatte, ist praktisch ausradiert. Ihr Kandidat Álvaro
Blondel erreichte in La Paz nur fünf Prozent. Auch die 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Comunidad
Ciudadana
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
des Expräsidenten Carlos D. Mesa landete praktisch in der
Bedeutungslosigkeit. Im Oktober 2020 hatte sie als zweitstärkste
Kraft noch 28,8 Prozent erreicht und ist damit immerhin im Parlament
vertreten. Unter dem Strich kann man sagen, dass die moderate Rechte
kolossal verloren hat. Die Beteiligung am putschistischen Abenteuer
von 2019/20 ist ihr nicht bekommen. Konsolidiert ist dagegen die
extreme Rechte – und mithin die politische Landschaft weiter
polarisiert.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Die
MAS konnte von der Auflösung der rechten Mitte aber nicht
profitieren. Sie gewann mit Cochabamba, Oruro und Potosí drei von
neun Departements auf Anhieb. Das reiche Departement Santa Cruz ging
deutlich an den Rechtsaußen Luis Fernando Camacho. In der Hauptstadt
Sucre scheiterte der Falangist Horacio Poppe nur um Haaresbreite am
Bürgermeisteramt, das an die MAS ging. In der Stadt Cochabamba wurde
mit komfortabler Mehrheit der Exbürgermeister Manfredo Reyes Villa
(55%) gewählt, den der Ruf einer effizienten, aber bis in die
Knochen korrupten Amtsführung begleitet. Nach dem Erdrutschsieg der
MAS 2005 war er vor einem halben Dutzend Korruptionsverfahren außer
Landes geflüchtet und auch jetzt erlaubte der Wahlgerichtshof seine
Kandidatur erst in letzter Minute, nachdem er alte Steuerschulden
beglichen hatte. Camacho, Poppe und Reyes Villa könnten den
Kristallisationskern einer neuen Rechtsopposition bilden: territorial
verankert, ultrakonservativ, religiös und identitär. 

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Waterloo
für Parteichef Morales
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
In
vier Departements standen am 11. April Stichwahlen an. Insofern
bestand für die MAS die Chance, ihr Ergebnis von zuletzt sechs
Departements (2015) zu egalisieren oder gar zu verbessern. Alle vier
gingen verloren. Drei davon an MAS-Dissidenten oder ideologisch
affine Kandidaten, beispielsweise aus dem 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Movimiento
Tercer Sistema
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
(
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      MTS
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    )
des Aymara-Intellektuellen Félix Patzi, der unter Morales von 2006
bis 2007 Bildungsminister war. Zuletzt Gouverneur des Departements La
Paz, kam Patzi selbst dort zwar nur auf fünf Prozent, doch wurde mit
Alejandro Unzueta ein 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      MTS
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    -Kandidat
Gouverneur des Departements Beni. Im Departement Pando gewann mit
„Papito“ Richter ein MAS-Bürgermeister (!) für die 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      MTS
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    .
Und die frischgebackene Bürgermeisterin der Departementshauptstadt
Cobija, Ana Lucía Reis, ebenfalls 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      MTS
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    ,
erklärte: Morales habe ihr gesagt, sie könne nicht
Spitzenkandidatin der MAS werden, weil es ihr an Unterstützung aus
den sozialen Bewegungen fehle. Im Departement Sucre gewann der
Bauernführer Damian Condori gegen den MAS-Kandidaten. Condori gehört
der Bewegung des MAS-Mitbegründers und -dissidenten Román Loayza
an. So konnte die MAS unter dem Strich ihre Position zwar
konsolidieren, doch für sie war es auch eine Wahl der vergebenen
Chancen und der personellen Fehlentscheidungen. Statt diese im
Nachhinein schönzureden, wären vorwärtsgewandte
Kooperationsangebote an die Dissidenten unter den Wahlsiegern
angezeigt, denn die Lage bleibt schwierig und die Situation explosiv.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Indes:
Die Probleme liegen tiefer. Im Departement La Paz gewann mit Santos
Quispe (
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Jallalla
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    )
der Sohn des im Jänner überraschend verstorbenen, indigenen
Evo-Widersachers Felipe Quispe (
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      El
Mallku
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    ).
Der politische Newcomer war mit Programmpunkten wie einer
Aymara-Universität und einer Fußballakademie zur Ausbildung von
Aymara-Profis hervorgetreten. Dass ihn gerade auch die städtische
Bevölkerung in La Paz und El Alto gewählt hat, ist wohl auf einen
Eva-Copa-Effekt zurückzuführen – und ein Anti-MAS-Votum gegen ein
„weiter so“. Unterhalb einer bloß miserablen Parteiführung
liegen strukturelle Schwächen des Parteiensystems. Es fehlt, nicht
nur in der MAS, an Kaderbildung, gefestigten Strukturen und
innerparteilicher Demokratie. Sie bleibt aber die einzige Partei von
landesweiter Bedeutung.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
„
    
                    &#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Causa
Putsch“: Gerechtigkeit oder politische Justiz?
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Am
12. März wurden von der Staatsanwaltschaft Haftbefehle gegen Jeanine
Áñez und fünf ihrer Minister sowie fünf Generäle ausgestellt.
Präsident Luis Arce hatte das militärische Oberkommando bereits
Ende Dezember ausgetauscht, nachdem dieses sich geweigert hatte,
Unterlagen über die Massaker von Sacaba und Senkata vom November
2019 herauszugeben. Von den Ministern sind zwei in Untersuchungshaft,
von den Generälen drei. Die anderen sind untergetaucht oder ins
Ausland geflüchtet. Ein ziemlich einmaliger Vorgang statt der
üblichen „Straflosigkeit“. Auf die ehemaligen Mandatsträger
wartet ein sogenanntes „
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      juicio
de responsabilidades
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    “
(Amtshaftungsklage), das vom Parlament mit Zweidrittelmehrheit
abgesegnet werden muss, die die MAS nicht hat. Gegen Áñez
laufen drei solcher Verfahren wegen Korruption (ein viertes wurde
bereits eingestellt). Ein weiteres ist wegen der politischen
Repression, insbesondere der Massaker von Sacaba und Senkata in
Vorbereitung. Um Letztere geht es auch bei den Militärs sowie bei
den flüchtigen Exministern Murillo (Inneres) und López
(Verteidigung). Ein nicht vollzogener Haftbefehl liegt auch gegen den
designierten Gouverneur des Departements Santa Cruz, Luis Fernando
Camacho (und seinen Vater) vor, der sich damit brüstet, im Vorfeld
der Unruhen vom November 2019 die Polizei geschmiert und zur Meuterei
angestiftet zu haben.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Die
heutige Opposition protestierte und sprach von politischer Justiz,
desgleichen die katholische Kirche, die OAS und Brasilien; sorgenvoll
kritisch äußerten sich auch US-Außenminister Blinken und die EU.
In der Tat wird es eine Herausforderung sein, ordentlich
rechtsstaatliche Verfahren zu gewährleisten, hat die bolivianische
Justiz doch nicht den besten Ruf. Andererseits: Mehr als 1.500
Verhaftungen und flächendeckende Verfahren gegen MAS-Funktionäre
und Anhänger nach der Machtergreifung durch Áñez hatten keine
vergleichbaren Sorgen hervorgerufen. Die internationale Diplomatie
verfuhr damals nach dem Motto: Wer im Präsidentenpalast sitzt, egal
mit welcher Legitimität, ist auch unser rechtmäßiger
Ansprechpartner.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Das

    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Comité
Cívico
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
von Santa Cruz rief zum Generalstreik auf, Rechtsaußen Camacho gar
zum Sturz der Regierung („Lasst uns zu Ende führen, was wir 2019
begonnen haben“). Doch wichtige MAS-Widersacher unter den
Wahlsiegern wie Arias und Reyes Villa spielen vorerst nicht mit. Und
Eva Copa beschied, sie würde sich nicht mit Leuten an einen Tisch
setzen „die meine Wähler Bestien genannt haben. Uns trennen
Abgründe, ideologisch und praktisch politisch“. Camacho selbst
sagt inzwischen, die Vorgänge von Ende 2019 sollten aufgeklärt und
die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. Jeanine Áñez
ist zwar verantwortlich für alles, was in ihrer „Interimsregierung“
geschah, gerät so aber zum Bauernopfer.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Sie
war in den Tagen nach dem Rücktritt von Morales am 10. November 2019
in ihrer amazonischen Heimat in Trinidad. Die Fäden wurden in der
Universidad Católica in La Paz gezogen. Dort saßen der frühere
Vizepräsident und Nachfolger von Exdiktator Hugo Banzer, „Tuto“
Quiroga (später kurz Minister unter Áñez), der Wahlzweite Carlos
D. Mesa, der Zementunternehmer und Oppositionspolitiker Samuel Doria
Medina, der Direktor der Universität UMSA, der Anwalt Camachos,
Jerjes Justiniano  (später ebenfalls kurz Minister) und andere mit
Vertretern der katholischen Kirche, dem spanischen und dem
EU-Botschafter zusammen. Es sei kein Putsch gewesen, sondern eine
Konsensentscheidung, sagt dazu heute die katholische Kirche. Aber
statt im Parlament, wo die MAS über eine Zweidrittelmehrheit
verfügte, wurde in jener illustren Runde über die Morales-Nachfolge
entschieden. 

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Eindrücklich
beschrieb die spätere Senatspräsidentin Eva Copa die drei
Sicherheitskordons (zivil, polizeilich, militärisch), die Drohungen
und Repressalien, mit denen MAS-Abgeordneten der Zugang zum Parlament
verwehrt wurde. Und die MAS-Abgeordnete Susana Rivero, nach Artikel
169 der Verfassung ebenfalls in der Rangordnung für eine
Interimspräsidentschaft vor Áñez, berichtet von vergeblichen
Chauffeur- und Kurierdiensten des damaligen EU-Botschafters, um
versprengte MAS-Abgeordnete zu einer Zustimmung zur Einsetzung von
Frau Áñez zu bewegen. Hätte er nicht auf strikte Einhaltung der
Institutionalität im Sinne des Artikels 169 als Voraussetzung für
seine Dienste bestehen sollen? Präsidentensprecher Jorge Richter
nennt seine Rolle „ziemlich unausgewogen“. Während es also
zweifelhaft ist, ob es überhaupt zu einem „
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      juicio
de responsabilidades
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    “
kommt, bleibt vor allem die Aufarbeitung der Geschehnisse spannend.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
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      <pubDate>Fri, 11 Jun 2021 11:22:56 GMT</pubDate>
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    </item>
    <item>
      <title>Kolumbien: Drogenbekämpfung und Friedensprozess</title>
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      <description />
      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
                  
  "Die Definition von Wahnsinn ist, immer das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten." Der Satz wird Albert Einstein zugeschrieben. Die internationale Drogenpolitik steht am Scheideweg. Nach Jahrzehnten der Beharrung und angesichts zunehmender Probleme stehen die Weichen auf Reformen. In Kolumbien stehen dagegen Maßnahmen zur Debatte, die seit einem Vierteljahrhundert in ein Nachhaltigkeitsdesaster mit hohen ökologischen und sozialen Kosten münden. 

                &#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/4e3a91da2fa849afa260009be23256a9/dms3rep/multi/bol19.jpg" alt="" title=""/&gt;&#xD;
  &lt;span&gt;&#xD;
  &lt;/span&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Ende
August 2020 kündigte der inzwischen
verstorbene kolumbianische
Verteidigungsminister Carlos Holmes Trujillo García die Schaffung
einer Spezialeinheit zur Identifizierung, Lokalisierung und
juristischen Verfolgung der Täter von Kollektivmorden an, nachdem es
im gleichen Monat erneut zu einem dramatischen Anstieg von Massakern
gekommen war. Zuvor waren innerhalb von nur 48 Stunden 20 Personen
ermordet worden, darunter viele Jugendliche. Nach Aussagen des
Instituts für Entwicklung und Frieden (Indepaz) gab es 2020 bis zum
25. August des Jahres in Kolumbien 48 Massaker, bei denen 192
Personen getötet wurden; darüber hinaus sei in diesem Jahr bereits
die Tötung von 196 sozialen Anführern (
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      dirigentes
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    )
 sowie 41 ehemaligen Mitgliedern der FARC-Guerilla zu beklagen, die
trotz und nachdem sie ihre Waffen im Rahmen des mit der Regierung
vereinbarten Friedensabkommens niedergelegt hatten, getötet wurden.
    
                    &#xD;
    &lt;a href="#sdfootnote1sym"&gt;&#xD;
      
                      
      1
    
                    &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Verteidigungsminister
Holmes Trujillo versicherte, dass hinter diesen Taten die Drogenmafia
stehe. Daher müsse man die Besprühung der illegalen Drogenpflanzen
aus der Luft wieder aufnehmen. Die illegalen Pflanzungen und der
Drogenhandel seien der wichtigste Feind des Friedens in Kolumbien.
    
                    &#xD;
    &lt;a href="#sdfootnote2sym"&gt;&#xD;
      
                      
      2
    
                    &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Der
Kampf gegen den Drogenhandel und den Kokaanbau
    
                    &#xD;
    &lt;a href="#sdfootnote3sym"&gt;&#xD;
      
                      
      3
    
                    &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
                    
    
spielt auch im Friedensabkommen von 2016 eine wichtige Rolle. Dort
heißt es unter Punkt 4 „Solución al Problema de las Drogas
Ilícitas“: Consideramos que: „Para contribuir al propósito de
sentar las bases para la construcción de una paz estable y duradera
es necesario, entre otros, encontrar una solución definitiva al
problema de las drogas ilícitas, incluyendo los cultivos de uso
ilícito y la producción y comercialización de drogas ilícitas.“
Weiter drücken die Parteien ihre Übereinstimmung über die
Notwendigkeit aus: „1. Programas de sustitución de cultivos de uso
ilícito. Planes integrales de desarrollo con participación de las
comunidades en el diseño,
ejecución y evaluación de los programas de sustitución y
recuperación ambiental en las áreas afectadas por dichos cultivos.“
(Acuerdo de Paz)
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Dieses
Working Paper möchte einen Überblick über die Entwicklung des
internationalen Drogenhandels und der Drogenkontrolle geben, mit
Fokus auf den Erfahrungen bei der Bekämpfung der pflanzlichen
Grundstoffe, den Andenraum und speziell Kolumbien, sowie die
Auswirkungen auf Wirtschaft, Gesellschaft und den Friedensprozess
dort, um schließlich zu einer Reihe von Empfehlungen zu gelangen.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      INTERNATIONALE
DROGENKONTROLLE: STATE OF THE ART UND NEUE HERAUSFORDERUNGEN
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Das
Büro für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) der Vereinten
Nationen schätzt die Zahl der Konsumenten kontrollierter Substanzen
heute auf 269 Millionen weltweit; bei 35,6 Millionen handelt es sich
um „problematischen Konsum“; nur einer von sieben findet einen
adäquaten Therapieplatz (UNODC 2020/1). Im Jahr 2017 starben daran
etwa 585.000 Menschen gegenüber rund 200.000 noch vor weniger als
einem Jahrzehnt; die meisten gesundheitlichen Komplikationen und
Opfer sind in Verbindung mit dem Konsum von Heroin und anderer
Opioide zu beklagen, durch Überdosen, aber auch durch
gesundheitliche Langzeitfolgen aufgrund des hohen Suchtpotenzials und
durch Infektionen wie HIV oder Hepatitis (UNODC 2019/1, S.19). Das
Infektionsrisiko mit HIV ist für Personen, die sich Drogen per
Spritze verabreichen (PWID – People who inject drugs) 23 mal höher
als im Durchschnitt, und mehr als 80 Prozent der PWID haben oder
hatten eine Hepatitis C-Infektion (UNODC March 2019, S.16). Nach
Schätzung der UNO gibt es 11,3 Mio. PWID. Davon sind 5,6 Mio. mit
Hepatitis infiziert und 1,4 Mio. HIV positiv. Von den 585.000
Drogentoten (2017) starb die Hälfte an unbehandelter Hepatitis C,
die zu Leberzirrhose oder -krebs führt (UNODC 2019/1, S. 19).
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Die
gesundheitlichen Probleme im Zusammenhang mit dem Kokainkonsum sind
dagegen deutlich geringer. Die Zahl der Kokainkonsumenten
(Jahresprävalenz) wird auf weltweit 19 Mio. geschätzt - gegenüber
Cannabis (192 Mio.), Opioide (58), Amphetamine und
verschreibungspflichtige Stimulanzen (27), Ecstasy (21 Mio.) (UNODC
2020/2, S.7). Ganz überwiegend handelt es sich bei Kokain um
gelegentlichen Freizeitkonsum; so geben beispielsweise in Australien
nur 3 Prozent der Konsumenten an, Kokain einmal pro Woche oder öfter
zu nehmen (UNODC 2020/2, S.25–30).
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Der
Kokainhandel stellt aber eine wichtige Finanzierungsquelle für
kriminelle Organisationen und bewaffnete Aufständische dar. Laut
UNODC (2011) dürfte das globale Volumen der Geldwäsche bei 1,2–1,6
Billionen (1.000 Mrd.) USD liegen, wovon etwa 350 Mrd. auf den
globalen Drogenhandel und davon wiederum 85 Mrd. auf den mit Kokain
entfallen. Hiervon wird vermutlich weniger als 1 Prozent entdeckt und
beschlagnahmt. Diese Zahlen machen sowohl die Dimension des Problems
als auch die Vernachlässigung dieses Feldes deutlich. Dabei stellt
der illegale Drogenhandel das Rückgrat des internationalen
organisierten Verbrechens dar - allen voran der mit Kokain, der
deutlich besser organisiert und zentralisiert ist als andere Sparten
(Lessmann 2017, S. 14–15).
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Die
Geldwäschestudie des UNODC schätzt die Kokainprofite
kolumbianischer Organisationen auf 9,4 Mrd USD (im Jahr 2009), was
etwa 11 Prozent der globalen Kokainprofite und 3 Prozent des
kolumbianischen GDP (2010) entsprach (UNODC 2011). Diese Profite
dürften seitdem leicht angestiegen sein. Einerseits wird inzwischen
in Kolumbien deutlich mehr produziert. Gleichzeitig sind aber der
durchschnittliche Reinheitsgrad der Ware im Endverkauf gestiegen und
die Preise gesunken, d.h. es wird weniger pro Einheit verdient.
    
                    &#xD;
    &lt;a href="#sdfootnote4sym"&gt;&#xD;
      
                      
      4
    
                    &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    „La
economía se ensucia“ - mit diesen Worten beschrieben
kolumbianische Wirtschaftswissenschaftler bereits vor zwei
Jahrzehnten den Prozess einer gesellschaftlichen Korrumpierung und
Degenerierung, nicht etwa nur durch Bestechung, sondern durch die
langjährige Penetration der legalen Ökonomie mit 'schwarzem'
Kapital aus illegalen Geschäften (Arrieta u.a. 1990, auch: GTZ 2001,
S. 10-12).
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Die
internationale Drogenkontrolle war bisher ebenso einseitig wie
erfolglos auf die Unterbindung von Konsum, Produktion und
Bereitstellung ausgerichtet. Ihr Fundament ist die Single Convention
on Narcotic Drugs der Vereinten Nationen aus dem Jahr 1961. Ist man
deren Oberziel, den nicht-medizinischen Gebrauch kontrollierter
Substanzen auszumerzen oder zumindest einzudämmen im letzten halben
Jahrhundert näher gekommen? Verfechter des drogenpolitischen Status
quo führen sogenannte „no-events“ ins Feld: Ohne strenges
Durchgreifen, so argumentieren sie, wäre alles noch schlimmer
gekommen. Tatsache ist: Die Zahl der Drogenkonsumenten steigt. Wie
bereits erwähnt, schätzt man ihre Zahl heute weltweit auf 269
Millionen. Das ist selbst unter Berücksichtigung des
Bevölkerungswachstums deutlich mehr als zur Jahrtausendwende (141
Mio. 1999) – nahezu eine Verdoppelung. Allerdings sind in der Tat
auch die Herausforderungen gewachsen. Waren es zur Zeit des ersten
internationalen Drogenabkommens, der Haager Opiumkonvention von 1912,
sieben, so sind es zu ihrem hundertsten Geburtstag (2012) 234
„kontrollierte Substanzen“ – immerhin 2,75 Mal mehr als 1961
bei der Verabschiedung der Single Convention (UNODC 2013a, S. xi).
    
                    &#xD;
    &lt;a href="#sdfootnote5sym"&gt;&#xD;
      
                      
      5
    
                    &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Internationale
Drogenmärkte und ihre Produktpalette sind im letzten Jahrzehnt
erheblich komplexer und unübersichtlicher geworden – und damit
auch die mit ihnen verbundenen Probleme. Dazu gehört die Vielfalt
von neuen, im Labor hergestellten Substanzen: New Psychoactive
Substances (NPS), Amphetamin-type Stimulants (ATS), Legal highs, die
mit großer Anzahl und Dynamik auf die Märkte kommen und das
Kontrollsystem der Konvention mit seinen Listen „kontrollierter
Substanzen“ an  Grenzen bringen, weil sie gar nicht schnell genug
erfasst werden können
(UNODC March 2019, S. 36). Sie sind häufig leichter herzustellen und
schwieriger zu kontrollieren. Länder- oder kontinentübergreifende
Transaktionen sind zumeist unnötig, die Zugriffsmöglichkeiten für
die Exekutive insofern geringer. Doch während man erwartet hatte,
dass sie die klassischen, pflanzengestützten Substanzen verdrängen
könnten, ist dies offenbar nicht der Fall. Sie stellen vielmehr eine
Erweiterung und Ergänzung des Angebots dar.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Gleichzeitig
treten heute mit der sogenannten 
    
                    &#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Opioid-Krise
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
    
                    
    
verstärkt wieder Probleme mit dem Konsum verschreibungspflichtiger
Substanzen auf, sei es aus illegaler Herstellung oder durch Abzweigen
aus den legalen, kontrollierten Vermarktungsketten. In den USA
schätzt man die Zahl der Menschen, die pharmazeutische Opioide auf
nicht-medizinische Weise nutzen auf 10,5 Millionen  (UNODC 2019/3, S.
17). Im Jahr 2017 starben dort 70.237 Personen allein an
Opioid-Überdosen – ein Anstieg um 10 Prozent gegenüber dem
Vorjahr; in Kanada waren es 3.998, ein Anstieg um 33 Prozent (UNODC
2019/2, S. 30). Während das Opioid (Fentanyl-) Problem sich bisher
klar auf Nordamerika konzentriert, geben größere Beschlagnahmungen
auch in Europa Anlass zur Sorge (UNODC 2019/3, S.61 ff). In Afrika
gibt es Probleme mit dem nicht-medizinischen Konsum von Tramadol, das
nicht unter internationaler Kontrolle steht (UNODC 2019/3, S.23ff).
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Schließlich
unterlaufen globale Drogenmarktplätze im 
    
                    &#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Darknet
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
    
                    
    
die jahrzehntelangen Bemühungen zur Einhaltung der Prohibition und
polizeilicher Kontrolle des Drogenangebots. Drogenvermarktung
im Internet ist ein noch kaum ein Jahrzehnt altes Phänomen, mit noch
geringer Reichweite, weil es noch weitgehend auf den Kleinhandel und
den globalen Norden beschränkt ist. Während der Corona-Pandemie
erlebt dieses Marktsegment starke Zuwächse.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Vor
dem Hintergrund dieser Entwicklungen gewinnen gesundheitspolitische
Ansätze, Prävention und Therapie, gegenüber der Angebotsbekämpfung
in der drogenpolitischen Debatte neues Gewicht (Lessmann 2020). Mit
einer gesundheitspolitischen Priorität trifft man den neuralgischen
Punkt und setzt auf der Konsumseite dort an, wo die eigentlichen
Probleme liegen. Man hilft den Betroffenen 
    
                    &#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      und
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
    
                    
    
trägt damit indirekt dazu bei, den illegalen Markt auszudünnen.
Hardcore-Konsumenten und Suchtkranke stellen nämlich eine
verlässliche und relativ preisunelastische Dauernachfrage dar. So
verbrauchen beispielsweise in den USA ein Viertel der
Kokainkonsumenten zwei Drittel des geschätzten Angebots (UNODC 2016,
S.41-42). 

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      KOKAIN
UND DIE ANGEBOTSORIENTIERTE DROGENBEKÄMPFUNG
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    In
den 1970er und 80er Jahren war es – insbesondere in den westlichen
Industrienationen, allen voran in den USA - zu einem rasanten Anstieg
der Nachfrage nach bestimmten kontrollierten Substanzen gekommen:
namentlich nach Cannabis, Heroin und Kokain, aber auch LSD. Dieser
schlug sich in einem ebenso starken Anwachsen der Anbauflächen der
pflanzlichen Ausgangsprodukte dieser Stoffe nieder und in der
Herausbildung illegaler Verarbeitungs- und Vermarktungsketten. 
Bereits im Jahr 1971 hatte U.S.-Präsident Richard Nixon den Drogen
„den Krieg erklärt“, doch erst unter Präsident Ronald Reagan
(1981-1989) wurde aus der Kriegserklärung Ernst. Mit der
Novellierung des Posse Commitatus Act im Jahr 1981 wurde die
gesetzliche Grundlage für einen möglichen Einsatz der Armee im
Kampf gegen den illegalen Drogenhandel geschaffen (Lessmann 1996, S.
34). War diese Militarisierung zunächst auf die Versiegelung der
Landesgrenzen (
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      border
interdiction
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    )
beschränkt, so erfolgte ab Mitte der 1980er Jahre die
Externalisierung der U.S.-Drogenkontrolle (Lessmann 1996). Nachdem
die „border interdiction“ nicht den erhofften Erfolg gebracht
hatte, hieß das Motto nun: „Going to the source!“ Mit den
Anti-Drogen-Gesetzespaketen von 1986 und 1988 wurden sogenannte
drogenproduzierende – oder wichtige Transitländer mit
obligatorischen Sanktionen belegt, die der Präsident jeweils für
ein Jahr aussetzen konnte (
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      certification
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    ,
heute: 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      determination
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    ),
wenn sie in der Drogenkontrolle kooperativ waren. Ein bedrohliches
Damoklesschwert mit dem es Washington weitgehend gelang, seine
Politik in den betroffenen Ländern durchzusetzen. Mit der
Wahrnehmung von Kokain als der Problemdroge Nummer 1 waren dies
zunächst vor allem die südamerikanischen Produzentenländer
Bolivien, Kolumbien und Peru, wo es in der Folge zu einer
Amerikanisierung und Militarisierung der Drogenkontrolle kam
(Lessmann 1996 und 2015). Diese war verbunden mit schwerwiegenden
Eingriffen in die nationale Souveränität: Eingriffe in die
nationale Gesetzgebung; Aufstellung, Ausrüstung und Training von
paramilitärischen Spezialpolizeieinheiten; Einbeziehung des Militärs
in die Drogenbekämpfung; Tätigkeit von U.S.-Polizei- und
Militärpersonal im Gastland auch in leitenden Funktionen; Entführung
mutmaßlicher Drogenstraftäter in die USA; temporäre
Militärinterventionen in Bolivien (
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Operation
Blast Furnace
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    ,
1986) und Panama (
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Operation
Just Cause
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    ,
1989-90).
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Mit
der „Andenstrategie“ (vgl. Lessmann 1996, S. 54-64) vom Januar
1990 wurde unter George Bush (Sen.) die Polizei- und Militärhilfe an
Bolivien, Kolumbien und Peru drastisch erhöht. Gleichzeitig wurde
das Budget für Anti-Drogen-Operationen des Southern Command der U.S.
Streitkräfte in Panama von 230 auf 430 Millionen USD ausgeweitet. In
der Folge wurde der Andenraum mit einem hochmodernen System der
Radarüberwachung überzogen. Elitesoldaten der U.S. Special Forces
wurden in den Drogenkrieg einbezogen und mit Militär- und
Geheimdienstpersonal besetzte Tactical Analysis Teams (heute meist
Narcotics Action Section (NAS) genannt) steuerten von der jeweiligen
U.S.-Botschaft aus die Drogeneinsätze im Gastland (Lessmann 1996, S.
54-64). Diese Eingriffe in die nationale Souveränität der
betroffenen Länder haben dort zu Protesten und innenpolitischen
Auseinandersetzungen geführt.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Die
Ergebnisse von mehr als fünfunddreißig Jahren „Drogenkrieg“
unter der Regie Washingtons in Lateinamerika sind mehr als
ernüchternd: Die Kokainproduktion, die ausgemerzt oder zumindest
eingedämmt werden sollte, lag 2017 auf einem  Allzeithöchststand
von 1.976 Tonnen (UNODC 2019/2, Tab. 10, S.68; lt. UNODC 2020, S.3
nunmehr 1.723 Tonnen)
    
                    &#xD;
    &lt;a href="#sdfootnote6sym"&gt;&#xD;
      
                      
      6
    
                    &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
                    
    .
Die Schwerpunkte des Kokaanbaus (2017: 245.400 Hektar, UNODC 2019/2,
Tab. 8, S.67) verlagerten sich in den 1990er Jahren von Bolivien und
Peru nach Kolumbien und zwischendurch wieder zurück. Heute hat
Kolumbien wieder einen Anteil von gut 70 Prozent an Kokaanbau und
Kokainproduktion. Außengesteuerte Politiken der Kokavernichtung
haben in den Anbauzonen zu Menschenrechtsverletzungen, politischen
Unruhen und Todesopfern geführt.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    ____________________________________________________________________
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;a&gt;&#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
                    
    
Tab.1 Kokaanbau in Hektar, historisch
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    		      1986      1990      	1995  		2000  		2005  		2010
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Bolivien	   25.800 		
 50.300 	 48.600    14.600  25.400           30.900*
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Kolumbien  24.400 		
40.100 	50.900 		163.300	 86.000           57.000#
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Peru	   	150.400 121.300 115.300	    43.400 		48.200           61.200
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Total	 	  200.440    211.700  214.800 	221.300 159.600   149.100
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;a&gt;&#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
                    
    
Quellen :
United Nations Office on Drug Control and Crime Prevention
(UNODCCP) : « Global Illicit Drug Trends 1999 »,
N.Y., 1999, Tab. 9, S.41 (bis einschl. 1990) und ODCCP
 2002, Tab. Coca S. 54.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
United
Nations Office on Drugs and Crime (UNODC): “World Drug Report
2010”, N.Y. 2010, Tab. 6, S. 64 (ab 1995)
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
United
Nations Office on Drugs and Crime (UNODC): World Drug Report 2011”,
N.Y. 2011, Tab. 20, S.99.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
*Zahl von 2009
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;a&gt;&#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
                    
    
# Unter Berücksichtigung von
Kleinstfeldern wären es 62.000  und die Gesamtsumme dann 154.000.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Es handelt sich bei den Zahlen
um Schätzungen auf schwieriger Grundlage, Auszüge in Form von
Fünfjahresschnitten; auf Details wird eingegangen, wenn wir uns
sogleich einzelne Beispiele genauer ansehen.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Tab.2 Kokaanbau in Hektar, aktuell 
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    		      2011  	
 2012          2013  	2014  	  2015  	   2016  	      2017  	2018
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Bolivien	  27.200  	
 25.300      23.000     20.400 	20.200	     23.100      24.500     23.100         

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Kolumbien	 64.000	     48.000      48.000     69.000  	96.000 	  146.000    171.000  169.000 
       

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Peru       62.500  60.400     49.800      42.900 	40.300     43.900     49.000
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Total	   155.600 
133.700  120.800 132.300  156.500    213.000     245.000
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Quellen :
UNODC 2016, Annex V
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;a&gt;&#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
                    
    
UNODC 2020,
Statistical Annex, 6.1.1. Illicit cultivation of the coca bush;
wdr.unodc.org/wdr2020/en/maps-and-tables.html; zu Peru liegen nur
unvollständige Zahlen vor.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Tab.3
Kokaeradikation in Hektar
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    		        2008 	2009 	2010 	2011   2012 	 2013 	 2014 	 2015 	 2016 	 2017 	 2018
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Bolivien	    	5.484 	6.341 8.200 10.506   11.044	 11.407   11.144   11.020  6.577 	7.237	 11.174
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Kolumbien
man.
96.003 60.565  43.804 35.201  30.456   22.121   11.703   13.473    17.642    52.001 59.978
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Kolumbien
spray133.496	104.772	101.940	103.302   100.549	 47.052    55.532   37.199    0	   0	   0 
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Peru	     	10.143 10.025   12.033 10.290    14.171 	23.785    31.205	  35.868  30.150    23.025    26.107
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Quelle:
UNODC 2020, 6.1.2._Eradikation_of_coca_bush.xlsx;
wdr.unodc.org/wdr2020/en/maps-and-tables.html
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Bis
zum Jahr 1990 kam es ungeachtet der beginnenden U.S.-Initiativen zur
Drogenkontrolle zu einem Anstieg der Kokaproduktion in allen drei
Anbauländern. Mit der Zerschlagung der großen kolumbianischen
Drogenorganisationen von Medellín und Cali in der ersten Hälfte der
1990er Jahre, wurde deren Geschäft von Dutzenden kleineren
Organisationen weitergeführt, die nicht mehr in gleichem Maße über
eine Infrastruktur verfügten, um in den klassischen Anbauländern
Peru und Bolivien den pflanzlichen Rohstoff einzukaufen. Gleichzeitig
versuchten die USA mit ihrer 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Operation Airbridge
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
     seit 1995
(vgl. dazu Lessmann 2000, 347f), die Zulieferung des Zwischenprodukts

    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Pasta Básica de Cocaína
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
     (PBC) von Peru nach Kolumbien zu
unterbinden. Beide Faktoren führten zu einem Einbruch des Kokaanbaus
in Peru. Gleichzeitig begann in Kolumbien ein Prozess der
Importsubstitution. Der Kokaanbau verdreifachte sich dort zwischen
1995 und dem Jahr 2000 ungeachtet einer ab 1994 initiierten
Sprühkampagne aus der Luft mit Pflanzengift gegen Kokafelder. Der
Rückgang der Anbaufläche im vergangenen Jahrzehnt geht auf eine
abermalige dramatische Ausweitung dieser Politik in Kolumbien zurück,
während es in Peru und Bolivien zu einem Neuanstieg kam. Man spricht
in diesem Zusammenhang auch von einem 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Ballon-Effekt:
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
verstärkter Druck an einer Stelle führt bei persistenter Nachfrage
zur Ausdehnung anderenorts.
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    Das temporäre Tief im Kokaanbau
in Bolivien im Jahr 2000 markiert das Ende der Zwangseradikation
unter dem Schutz des Militärs im Rahmen von Hugo Banzers 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Plan por
la Dignidad
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    .
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Die
konstante Verlagerung des Anbaus führte zu direkten und indirekten
ökologischen Schäden beträchtlichen Ausmaßes, wie das Abholzen
(sub-) tropischer Wälder, Bodenerosion und die Vergiftung von
Erdreich und Gewässern durch die zur Weiterverarbeitung notwendigen
Chemikalien.
    
                    &#xD;
    &lt;a href="#sdfootnote7sym"&gt;&#xD;
      
                      
      7
    
                    &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
                    
    
Da es dabei um langanhaltende oder bleibende Schäden geht, handelt
es sich bei genauerer Betrachtung auch nicht einfach um eine
Verlagerung, sondern um eine Ausbreitung der Probleme. Nicht nur im
ökologischen Bereich: Stand beispielsweise vor 30 Jahren Kolumbien
im Brennpunkt der Gewalt der „Drogenkartelle“, so haben sich
inzwischen die Schaltzentralen des Kokainexports für den
nordamerikanischen Markt nach Mexiko verlagert, wo die Zahl der
Todesopfer seit der Einbeziehung des Militärs in den „Drogenkrieg“
im Jahr 2006 inzwischen auf die 300.000 zugehen dürfte.
    
                    &#xD;
    &lt;a href="#sdfootnote8sym"&gt;&#xD;
      
                      
      8
    
                    &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
                    
    
Doch weiterhin werden zwei Drittel aller Kokainlabors in Kolumbien
entdeckt und zerstört, und 89 Prozent des in den USA beschlagnahmten
Kokains soll kolumbianischen Ursprungs sein (INCSR 2020, S. 127).
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Fast
vier Jahrzehnte angebotsorientierter Drogenbekämpfung in den
Andenländern haben nicht zu einer Verminderung von Kokaanbau und
Kokainproduktion sowie der damit verbundenen Probleme geführt – im
Gegenteil. Die Erfahrungen mit der Angebotsbekämpfung bei Heroin
(Schlafmohn, Opium) unterstreichen diesen Befund: Auch deren
Produktion steht auf Rekordniveau und nach beinahe zwei Jahrzehnten
Drogenbekämpfung in Afghanistan werden dort noch immer mehr
als 80
Prozent der globalen Schlafmohnernte erzeugt (UNODC 2019/2, Tab. 5,
S.62f).
    
                    &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Die
Projektarbeit im Rahmen der „Alternativen Entwicklung“ hat
andererseits gezeigt: Kokabauern sind in aller Regel bereit, auch
Einkommenseinbußen hinzunehmen, wenn sich im Gegenzug Lebensqualität
und vor allem Lebenssicherheit erhöhen (GTZ 2001; UNODC 2015,
S.77-118). Doch obwohl sämtliche Strategien als „balanced
approach“ - im Sinne einer ausgewogenen Mischung von Repression,
Prävention, Therapie und Alternativer Entwicklung – bezeichnet
wurden, standen doch zumeist polizeilich-militärische Maßnahmen im
Vordergrund, war die Alternative Entwicklung in den meisten Fällen
nur Beiwerk. Häufig wurde dadurch die Zielgruppe der Projekte
zunächst zum Gegner gemacht. Die Bauern erlebten Drogenkontrolle oft
primär als Frontalangriff auf ihre Lebensgrundlage. Es muss
demgegenüber darum gehen, das Vertrauen und die Mitwirkung der
Zielgruppe zu gewinnen.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Ein
nachhaltig positives Gegenbeispiel ist das Thai-German Highland
Development Project. Mit langem Atem (18 Jahre, von April 1981 –
Dezember 1998) und einem partizipativen Ansatz gelang es, den
Opiumanbau im thailändischen Projektgebiet von 9.000 Hektar auf
1.000 Hektar zu reduzieren; seither fluktuiert er zwischen 400 und
900 Hektar. (thai-german-cooperation.info/en_US/history_rural_6).
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    In
dieser Hinsicht auf gutem Wege war auch das Kokareduzierungs- und
Regionalentwicklungsprojekt UNFDAC/UNDCP-Projekt AD/COL/85/426 im
Departement Cauca und im nördlichen Nariño,
das ich Ende des Jahres 1990 besuchen konnte. Seit Beginn des
Projekts im Jahr 1985 hatte man bis dahin 40 Prozent der
Kokaanbaufläche im Projektgebiet reduzieren können. Trotz des
Kokaanbauverbots des Art. 32 des Estatuto Nacional de Estupefacientes
von 1986 verlangte man keine vorauseilende Eradikation. Der Ansatz
war ein umfassender der integrierten ländlichen Entwicklung bei
hoher Partizipation und Eigenleistungen der Bauern, einschließlich
der Anwendung alter andiner Formen der Kollektivarbeit, wie der
inkaischen 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Mink'a.

    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    Die
Konfliktparteien hatten sich im Rahmen eines Gentleman-Agreements aus
der Zone zurückgezogen oder hielten sich zurück – einschließlich
der staatlichen Sicherheitskräfte. Das Projekt wurde 1996 beendet.
Leider waren nur 3,1 von insgesamt budgetierten 11,1 Mio. USD
finanziert worden (Lessmann 1996, S. 194-196).
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    „
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      &lt;b&gt;&#xD;
        
                        
        COCA
SÍ, COCAÍNA NO“ - 
      
                      &#xD;
      &lt;/b&gt;&#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      PARADIGMENWECHSEL
IN BOLIVIEN
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Eine
bemerkenswerte Entwicklung hat die Kokaanbauzone des Trópico de
Cochabamba (im Volksmund oft kurz: Chapare) in Bolivien genommen, die
über zwei Jahrzehnte hinweg von Auseinandersetzungen um die
Kokavernichtung geplagt war. Diese fanden ihren Höhepunkt mit dem

    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Plan por la Dignidad 
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    während
der zweiten Präsidentschaft von Exdiktator Hugo Banzer (1997-2000).
Mit Zwangseradikationen unter dem Schutz des Militärs wurde eine
deutliche Reduzierung des Kokaanbaus erreicht; wenn auch nicht 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      coca
zero
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    ,
wie behauptet und im Februar 2001 auf der Basis der paramilitärischen
Drogenpolizei in Chimoré gefeiert wurde.
    
                    &#xD;
    &lt;a href="#sdfootnote9sym"&gt;&#xD;
      
                      
      9
    
                    &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
                    
    
Doch die Reduzierung war nicht nachhaltig und wurde gegen heftige
Proteste der Bauern erkämpft. Auseinandersetzungen führten zu
Menschenrechtsverletzungen und zahlreichen Todesopfern. Zwischen 1997
und 2003 sollen dabei 57 Kokabauern getötet und mehr als 500 schwer
verletzt worden sein. Kokabauernführer Evo Morales stieg in der
öffentlichen Wahrnehmung zum „Verteidiger der nationalen
Souveränität“ und zum Kristallisationskern der Unzufriedenen im
Land auf. Im Dezember 2005 wurde er zum Präsident gewählt.
    
                    &#xD;
    &lt;a href="#sdfootnote10sym"&gt;&#xD;
      
                      
      10
    
                    &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Nach
dem Amtsantritt von Präsident Morales im Januar 2006 änderte sich
die bolivianische Koka- und Drogenpolitik. Die neue Verfassung vom
Januar 2009 schützt das Kokablatt in Artikel 384 als andines Natur-
und Kulturerbe. Bolivien beantragte im März des gleichen Jahres die
Streichung zweier Unterparagraphen aus der UN Single Convention von
1961 (49/1c und 2e), die das Kokakauen und den Kokaanbau verbieten.
Als dies scheiterte, trat Bolivien im Juli 2011 in einem bisher
einmaligen Präzendenzfall aus der Konvention aus und mit Wirkung zum
1. Februar 2013 unter Vorbehalt gegen diese beiden Unterparagraphen
wieder bei. (Lessmann 2017, S. 31).
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Innenpolitisch
hieß die neue Kokapolitik nun „
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      racionalización
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    “
durch „
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      control
social
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    “
im Chapare.
    
                    &#xD;
    &lt;a href="#sdfootnote11sym"&gt;&#xD;
      
                      
      11
    
                    &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
                    
    
Ihr
griffiger Slogan „
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Coca
sí, cocaína no“
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
wurde einerseits mit einer konsequenten Interdiktionspolitik
umgesetzt; die Beschlagnahmungen von Pasta Básica und Kokain-HCL
verdoppelten sich.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Tab.
4 Beschlagnahmungen in Bolivien: PBC/ HCL in Tonnen
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
       2003  		2004  		2005  		2006  		2007  		2008  		2009
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
       12.9   		8.7     11.5    14.0  17.8      28.8  		26.8
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Quelle:
Viceministerio de Defensa Social, La Paz.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
     ____________________________________________________________________
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Coca sí 
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    geht
andererseits von der Einsicht aus, dass der Gebrauch von Kokablättern
im Naturzustand legitim und dass Bolivien vielleicht in der Lage ist,
die Kokaproduktion einzudämmen, aber nicht, sie vollständig
auszumerzen, wie es die UN Single Convention verlangt, während die
Wiener UN-Konvention von 1988 im Gegensatz dazu Anbau und Konsum von
Kokablättern dort erlaubt, wo er historisch nachgewiesen ist. Mit
seinem partizipativen Ansatz und dem Respekt für die Menschenrechte
stellt dieser bolivianische Weg den ersten 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      harm-reduction
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    -Ansatz
auf der Angebotsseite dar. Vizeminister Felípe Cáceres drückte es
so aus: „Wir beschlossen, das Maschinengewehr, die Kugeln und
Bomben hinter uns zu lassen. Wir entschieden uns, die
kokaproduzierenden Gemeinschaften in die Debatten und Analysen
einzubeziehen, die unsere Politik bestimmten.“ Jedes Mitglied im

    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      sindicato
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
darf einen 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      cato
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
Koka haben, das ist eine alte, andine Maßeinheit, die etwa 1.600
Quadratmeter entspricht. Ziel der Politik ist es, durch soziale
Kontrolle dafür zu sorgen, dass es bei einem 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      cato
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
bleibt. Dazu gibt es seit 2009 das 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Programa
de Apoyo a la Conservación Sostenible de la Biodiversidad
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
(PACS), das von der EU unterstützt wird und das nach den Prinzipien:
demokratische Partizipation und Gemeinschaftsrecht vor individuellem
Recht arbeitet. In den 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      sindicatos
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
selbst wurden ausgebildete Kokakontrollsekretäre etabliert. 

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Ein
wichtiger Faktor für den Erfolg der sozialen Kontrolle war die
starke Loyalität zu Präsident Evo Morales im Chapare. Vom
Präsidenten abwärts über Vizeminister Felípe Cáceres wurde das
Programm von (ehemaligen) Kokabauern geleitet.
    
                    &#xD;
    &lt;a href="#sdfootnote12sym"&gt;&#xD;
      
                      
      12
    
                    &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Es
gibt in den sechs 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      federaciones
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
des Trópico zusammengenommen 45.000

    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      sindicato
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    -Mitglieder,
also 45.000 rechtmäßige 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      catos
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
– insgesamt etwas mehr als 7.000 Ha. Die
Monitoring-Ergebnisse werden den Dorfgemeinschaften (
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      sindicatos
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    )
mitgeteilt, von diesen diskutiert und am Boden verifiziert. Die
Inspektion erfolgt dann unter Einbeziehung von Vertretern der
Nachbar
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      sindicatos
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    ,
was gegenseitigen Druck erzeugt. Wer die Limits überschreitet, wird
im Radio der 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      federaciones
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
kritisiert. Eine öffentliche Ohrfeige, wie die Bauern sagen.
Nichterfüllung kann für die Dorfgemeinschaft außerdem auch
materielle Nachteile mit sich bringen: etwa weniger staatliche
Unterstützung bei öffentlichen Vorhaben, wie etwa dem Bau von
Schulen oder der Ausbesserung von Straßen etc.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Ein
weiterer Kontrollmechanismus besteht mit der UDESTRO (
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Unidad
de Desarrollo Económico y Social del Trópico
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    ;
in den Yungas: UDESY), deren (begrenztes) Personal etwa alle zwei
Jahre die Farmen besucht und bei Überschreitung des 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      cato
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    -Limits
die Eradikation der gesamten Koka der Familie anordnen kann.  Eine
Neubepflanzung ist dann ein Jahr lang verboten, was die betroffene
Familie für mindestens zwei bis drei Jahre dieser Einkommensquelle
beraubt. Wiederholte Verstöße können mit lebenslänglichem
Kokaanbauverbot belegt werden; bis Juli 2014
erfolgte das in 800 Fällen.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Das
historische Maximum des Kokaanbaus in Bolivien lag bei 50.300 Hektar
im Jahr 1990. Bis zum Jahr 2005 hatte man in Bolivien aber das
Zweieinhalbfache dessen vernichtet.
    
                    &#xD;
    &lt;a href="#sdfootnote13sym"&gt;&#xD;
      
                      
      13
    
                    &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
                    
    
Das Gegenteil von Nachhaltigkeit. Wenn man davon ausgeht, dass
Bauernfamilien ins Hinterland weiterziehen, um erneut anzubauen und
dass sie neben dem Äquivalent an Koka auch Fläche für
Subsistenzprodukte wie Trockenreis, Bananen u.a. sowie für Häuser
und Zugangswege brauchen, so dürfte die nicht-nachhaltige
Kokavernichtung allein im Chapare bis dahin etwa 200.000 bis 400.000
Hektar subtropischen Regenwald gekostet haben (Lessmann 2010, S.
387).
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Seit
der Amtseinführung von Präsident Morales wurden 88 Prozent der
Eradikation auf dem Verhandlungsweg erwirkt. Zwangseradikation findet
weiterhin außerhalb der definierten Kokaanbauzonen statt, z.B. in
Nationalparks. Zu den positiven Anreizen gehören verbesserte
Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen, Straßen, sowie
diversifizierte landwirtschaftliche Produktion und Vermarktung.
    
                    &#xD;
    &lt;a href="#sdfootnote14sym"&gt;&#xD;
      
                      
      14
    
                    &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Wer
bei der Herstellung von Pasta Básica de Cocaína erwischt wird,
verliert seinen c
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      ato
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    .
Als in den Jahren 2013 und 2014 ernste Finanzierungsproblem
herrschten, führten die Gemeinden das Programm trotzdem weiter. Ein
Zeichen für den 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      sense
of ownership
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    , den
das Programm der sozialen Kontrolle genießt. Der Chef der
paramilitärischen Drogenpolizei UMOPAR/Leopardos, René Salazar
Ballesteros, sagte mir bei einem Besuch: „Früher haben die Bauern
die Drogenhändler gewarnt, wenn wir im Anmarsch waren. Heute kommen
sie zu uns und zeigen an, wenn irgendwo Pasta Básica hergestellt
wird.“
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Weiterhin
gibt es in Bolivien illegalen Anbau – insbesondere in Gegenden wie
Naturschutzgebieten, wo die soziale Kontrolle nicht greift - und
Kokainproduktion. Vor allem aber hat Bolivien ein Transitproblem.
Rund 50 Prozent der beschlagnahmten Kokapaste und des Kokains kommt
aus Peru und ist für den Transport nach Brasilien oder Argentinien –
und damit teilweise letztlich Europa - bestimmt.
    
                    &#xD;
    &lt;a href="#sdfootnote15sym"&gt;&#xD;
      
                      
      15
    
                    &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
                    
    
Um dem entgegenzuwirken gibt es regionale Fahndungskooperationen mit
den Nachbarländern.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Bei
Reduzierungen zwischen 5.000 und 11.000 Hektar gab es in den ersten
Jahren seit dem Amtsantritt von Morales zunächst ein Anwachsen der
Anbaufläche, ab 2010 dann eine deutliche Reduzierung und
Stabilisierung des Kokaanbaus. Der Präsident hatte die landesweit
zulässige Anbaufläche zunächst per Dekret von 12.000 auf 20.000
Hektar ausgeweitet (bei de facto vorhandenen 25.000 Hektar); das neue
Ley General de la Coca vom März 2017 erlaubt nun 22.000 Hektar.
    
                    &#xD;
    &lt;a href="#sdfootnote16sym"&gt;&#xD;
      
                      
      16
    
                    &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
                    
    
Seit anderthalb Jahrzehnten verläuft die Kokareduzierung/
Rationalisierung in Bolivien friedlich und im Konsens. Ein großer
Gewinn für das Land. Aber: Um dieses Ergebnis zu erreichen wurden
seit 2006 erneut mehr als 100.000 Hektar „rationalisiert“, d.h.
vernichtet. Ein Nachhaltigkeitsproblem bleibt. Die Marktdynamik
sticht auch hier die Politik aus. Es ist schwierig, gegen einen
dynamischen und mit persistenter Kaufkraft versehenen Markt zu
kämpfen.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Trotzdem:
Kokaanbau und Kokainproduktion sind im Rahmen der bolivianischen
Möglichkeiten unter Kontrolle. Durch den nunmehr von nationalen
Problemen und Interessen geleiteten Ansatz des 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Coca
sí, Cocaina no 
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    ist
es gelungen, die notorische Gewalt und den sozialen und politischen
Sprengstoff aus dem Thema zu nehmen, die mehr als ein
Vierteljahrhundert lang vorherrschten. Die Abkehr von außengeleiteten
Politiken brachte es auch mit sich, dass das Thema Kokakontrolle in
den Außenbeziehungen vom wichtigsten – oder einzigen -  Thema zu
einem unter vielen wurde.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;a&gt;&#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      KOKA-ERADIKATION
UND FRIEDEN IN KOLUMBIEN: HUNDERT JAHRE EINSAMKEIT?
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Kolumbien
hat große Anstrengungen bei der Drogenbekämpfung unternommen und
dafür einen hohen Preis bezahlt. Jahre und Jahrzehnte lang konnte
Kolumbien die meisten Beschlagnahmungen, die meisten zerstörten
Labors, die meisten Verhaftungen und andere Erfolge verbuchen. Nicht
zuletzt gelang in der ersten Hälfte der 1990er Jahre – auch mit
Hilfe der Befriedungspolitik der Regierung Gavíria - die
Zerschlagung der beiden wichtigsten Drogenorganisationen in Medellín
und Cali. Doch die Marktdynamik blieb bestehen. Kleinere kriminelle
Organisationen führten das Geschäft weiter, illegale bewaffnete
Gruppen stiegen tiefer ein und finanzierten sich in wachsendem Maße
damit. Kolumbien, wo der Kokaanbau - abgesehen von Territorien
indigener Völker - keine ausgeprägte Tradition hatte, stieg in
einem Prozess der Importsubstitution in der zweiten Hälfte der
1990er Jahre selbst zum größten Produzenten von Kokablättern auf.
Ertragreichere Sorten und Anbaumethoden sowie effektivere Methoden
der Weiterverarbeitung wurden entwickelt. Heute steigert man auch in
Peru und Bolivien die Erträge bei der Gewinnung von Pasta Básica de
Cocaína aus den Kokablättern mit der 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      método
colombiano
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    .
Der ehemalige Präsident César Gavíria (1990-1994), wurde - u.a.
als Mitbegründer der 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Comisión
Latinoamericana sobre Drogas y Democrácia
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
zusammen mit Fernando Enríque Cardoso und Ernesto Zedillo im Jahr
1999 - einer der prominentesten Befürworter drogenpolitischer
Reformen, wie er u.a. in einem Interview mit dem Autor darlegte: „Der
Drogenkrieg ist gescheitert“  (Lessmann 1/2016).
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Kampagnen
zur Reduzierung des Kokaanbaus sind in Kolumbien mehr als ein
Vierteljahrhundert alt. Besprühungen mit Pflanzengift gegen
Kokafelder vom Flugzeug aus begannen im Jahr 1994. Präsident Ernesto
Samper willigte in eine deutliche Ausweitung der umstrittenen
Besprühungsprogramme ein, nachdem Kolumbien zweimal die

    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      certification
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
für drogenpolitisches Wohlverhalten durch Washington entzogen worden
war (1996 und 1997). Den erwähnten Prozess der Importsubstitution in
der zweiten Hälfte der 1990er Jahre vermochten sie freilich nicht
aufzuhalten: Gab es zu Beginn der 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      fumigaciones
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
im Jahr 1994 44.700 Hektar Koka in Kolumbien, so waren es im Jahr
2000 163.300. Und während der Kokaanbau 1994 auf sechs Provinzen
beschränkt war, gab es zur Jahrtausendwende Kokaanbau in 23 der 33
Departments (Lessmann 2010, S. 384).
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Die
Besprühungen wurden – nun im Rahmen der 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      seguridad
democrática 
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    (
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Plan
Colombia
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    )
vermehrt unter
dem Schutz des Militärs – noch einmal ausgeweitet und von einer
Kampagne der manuellen Eradikation (ebenfalls unter dem Schutz des
Militärs) ergänzt. Die
Drogenpolitik unter der Prämisse der 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      seguridad
democrática
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
des Präsidenten Álvaro Uribe Vélez ging davon aus, dass
Drogeneinnahmen die wichtigste Stütze illegaler bewaffneter Gruppen
darstellen und wollte ihnen diese entziehen. Eine Halbierung des
Kokaanbaus zwischen dem Jahr 2000 und 2004 wurde durch eine
aggressive Besprühungskampagne erreicht, die sich auf die beiden
FARC-Guerillahochburgen Caquetá und Putumayo konzentrierte: In
Caquetá ging die Kokaanbaufläche von 26.000 Hektar (2000) auf 6.500
Hektar (2004) zurück; in Putumayo von 66.000 (2000) auf 4.386 Hektar
(2004) (UNODC 2009, Tab. 3, S. 13). Das heißt: Die landesweite
Reduzierung um 80.000 Hektar wurde praktisch ausschließlich in
Caquetá und Putumayo erzielt – Hochburgen der FARC, wo der Anbau
in den folgenden Jahren dann auch am stärksten wieder zunahm.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Der
Ballon-Effekt wurde auch innerhalb Kolumbiens wirksam. Sehen
wir uns die Details des Erfolgsjahres 2008 nach einzelnen Departments
an: Den wichtigsten Reduzierungen in Cundinamarca (-91%), Arauca
(-79%), Meta (-47%), Vichada (-56%) stehen Zuwächse gegenüber in
Caldas (234%), Valle de Cauca (361%), Chocó (159%) und Boyacá
(149%). Insgesamt konnte die Kokaanbaufläche damals um 18 Prozent
reduziert werden (UNODC June 2009, Tab. 3, S. 13).
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Im
Ergebnis kann man diese Politik als Nachhaltigkeitsdesaster
bezeichnen. Seit Präsident Samper unter Korruptionsvorwürfen
Washingtons im Jahr 1994 zur Einwilligung in das Besprühungsprogramm
gedrängt wurde, hat man in Kolumbien rund 2,5 Millionen Hektar Koka
vernichtet
    
                    &#xD;
    &lt;a href="#sdfootnote17sym"&gt;&#xD;
      
                      
      17
    
                    &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
                    
    ,
etwa das 15-fache des historischen Maximums der Anbaufläche (171.000
Ha. Im Jahr 2017). Bis zum Jahr 2013 wurde alljährlich das Mehrfache
dessen „vernichtet“, was überhaupt vorhanden war (vgl. Tab. 1
und 2 mit Tab. 3). Das Gegenteil einer rationalen und nachhaltigen
Strategie. Der Kokaanbau ist dadurch zu einer extrem volatilen
Angelegenheit geworden. Verschwunden oder auch nur entscheidend
vermindert ist er nicht.
    
                    &#xD;
    &lt;a href="#sdfootnote18sym"&gt;&#xD;
      
                      
      18
    
                    &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Mit
der besonders umstrittenen Besprühung von Kokafeldern mit
Pflanzengift aus der Luft kann man vielmehr von einer regelrechten
Bauernvertreibung sprechen (vgl. Lessmann 2010, S. 383-385).
    
                    &#xD;
    &lt;a href="#sdfootnote19sym"&gt;&#xD;
      
                      
      19
    
                    &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
                    
    
 Bei einer Gesamtbevölkerung von knapp 49,6 Millionen Menschen sind
in Kolumbien fast 8 Millionen Menschen auf der Flucht – vor allem
infolge des Bürgerkriegs. Kolumbien ist damit noch vor Syrien das
Land mit den meisten Binnenflüchtlingen (UNHCR 2019). Hinzu kommen
1,5 Millionen Flüchtlinge aus Venezuela. Die Politik der
Kokavernichtung ohne Nachhaltigkeit hat zum Problem unfreiwilliger
Mobilität in Kolumbien sicherlich noch beigetragen.
    
                    &#xD;
    &lt;a href="#sdfootnote20sym"&gt;&#xD;
      
                      
      20
    
                    &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Es
gibt unzählige Berichte und Studien über schädliche
gesundheitliche und ökologische Auswirkungen der Besprühung mit
Glyphosat und anderen Beimischungen, ebenso wie Klagen über
mangelnde Zielgenauigkeit.
    
                    &#xD;
    &lt;a href="#sdfootnote21sym"&gt;&#xD;
      
                      
      21
    
                    &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
                    
    
Auch Felder mit legitimen Produkten und selbst Projekte der
Alternativen Entwicklung wurden versehentlich besprüht. Es wird von
Gegenmaßnahmen der Bauern berichtet, weshalb die empfohlene
Konzentration von Glyphosat überschritten und aggressivere
Chemikalien beigemischt würden. Vargas (1999) geht davon aus, dass
nur weniger als ein Drittel der besprühten Felder auch tatsächlich
vernichtet würden. Doch selbst wenn man nur die Angaben über die
manuelle Eradikation (Tab. 3) zwischen 2008 und 2018 addiert kommt
man auf  442.947 Hektar, das Zweieinhalbfache des historischen
Maximums des Anbaus (171.000 Ha.).
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Die
Strategie der zwangsweisen Kokaeradikation ist nicht nachhaltig und
daher zur Drogenkontrolle unbrauchbar. Sie hat stattdessen
ökologische Probleme geschaffen und die Lebensunsicherheit in den
betroffenen Regionen erhöht. Die Frage muss erlaubt sein, weshalb
man ungeachtet desaströser Ergebnisse an dieser Strategie festhält
und sogar zu einer Politik der 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      fumigaciones
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
zurückkehren will?
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      KOKA
UND FRIEDENSPROZESS
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Mit
dem Friedensabkommen von 2016 sollte die Kokareduzierung wie nie
zuvor von Maßnahmen der Alternativen
Entwicklung begleitet sein. Die betroffenen Familien würden
ein Jahr lang eine staatliche Existenzsicherung beziehen (340
USD/ Monat).
    
                    &#xD;
    &lt;a href="#sdfootnote22sym"&gt;&#xD;
      
                      
      22
    
                    &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Dafür
müssten sie ihre Koka innerhalb von 60 Tagen selbst ausreißen. Der
Staat würde in der Folge mit finanzieller und technischer Hilfe bei
der Umstellung auf alternative Produkte sowie mit
Infrastrukturprojekten helfen. Institutionelle Präsenz würde die
Umsetzung dieser Vorhaben sicherstellen. Das Angebot einer
einvernehmlichen Lösung im Rahmen eines 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Programa
Nacional Integral de Sustitución de Cultivos Ilícitos
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
(PNIS).
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Im
ersten Jahr sollten auf diese Weise 100.000 Hektar Koka im Konsens
reduziert werden. Viele Experten hielten dieses Programm für das
vielversprechendste, das Kolumbien bis dato hatte, aber zu ambitiös.
Insbesondere der Zeitrahmen sei zu kurz, zumal die Herstellung
institutioneller Präsenz und vertrauensvoller Zusammenarbeit mit den
Bauern in den Konfliktzonen eine Herkulesaufgabe sein würde.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Diese
äußerst ehrgeizigen Pläne, genauer ihre knappen Fristen, wurden
seinerzeit damit begründet, dass
man die Entstehung von Machtvakuen verhindern wolle. Doch drei
Jahre später bestätigen aktuelle Berichte aus dem Feld die
anfängliche Skepsis. Es ist nicht gelungen, entstandene Machtvakuen
zu füllen und institutionelle Präsenz herzustellen; noch weniger,
Vertrauen aufzubauen. Vielfach wurden von den FARC verlassene Zonen
von kriminellen Banden und Drogenhändlern (BACRIM),
FARC-Dissidenten, der ELN oder neoparamilitärischen Gruppen besetzt
beziehungsweise umkämpft. Lokale Selbstorganisationen wurden in
einem Klima der Gewalt weiter geschwächt. Gemeinschaften leiden
unter Zwangseradikationen, die im Gegensatz zu den, im Rahmen des
Friedensabkommens getroffenen Übereinkünften stehen (vgl. Vargas
9.7.2020)
    
                    &#xD;
    &lt;a href="#sdfootnote23sym"&gt;&#xD;
      
                      
      23
    
                    &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
                    
    
Nach Zahlen der NGO Fundación Ideas para la Paz (FIP) gab es in den
ersten drei Monaten des Jahres 2020 in der großen Mehrheit der 46
Gemeinden, die am PNIS teilnehmen, Operationen der Zwangseradikation.
Betroffene Gruppen leisten oft Widerstand, weil sie diese
Zwangseradikationen als Verstoß gegen das Friedensabkommen sehen. Es
komme zu Menschenrechtsverletzungen, exzessiver Anwendung von Gewalt,
Todesopfern
    
                    &#xD;
    &lt;a href="#sdfootnote24sym"&gt;&#xD;
      
                      
      24
    
                    &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
                    
    
und Festnahmen von Bauern durch Spezialkräfte, die sie verdächtigen,
FARC-Dissidenten zu sein. Oft geschieht dies in abgelegenen Gebieten,
ohne staatliche Präsenz. Folglich finde keine Beaufsichtigung dieser
Operationen durch das Ministerio Público oder die Defensoría del
Pueblo statt, wie es nach Kapitel VII des Drogengesetzes Ley 30
vorgesehen sei (vgl. Vargas 15.7.2020).
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Kriminelle
Gruppen und FARC-Dissidenten versuchen, die Kontrolle über lukrative
Ressourcen und die Märkte für Pasta Básica zu erlangen. Mitunter
komme es dabei auch zu Allianzen zwischen Verbrechern und Angehörigen
staatlicher Sicherheitskräfte. Militäraktionen der Eradikation und
Angebote von Alternativen würden nicht im Zusammenhang gesehen: „De
qualquier manera, es notorio la descoordinación institucional“
(Vargas 9.7.2020). Das Militärkommando im Cauca, so Vargas,
betrachte das Friedensabkommen („der vergangenen Regierung“,
sic.) beispielsweise als Hindernis für die Eradikation, letztere als
„Verfassungspflicht“.
    
                    &#xD;
    &lt;a href="#sdfootnote25sym"&gt;&#xD;
      
                      
      25
    
                    &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
                    
    
So verurteile man auch den durch die Verfassung geschützten Anbau in
Indígena-Schutzgebieten. Erst im Juni 2020 – vier Jahre nach der
Unterzeichnung des Acuerdo de Paz – wurde damit begonnen, Abkommen
mit Produzenten in Schutzgebieten auszuhandeln (Vargas 15.7.2020).
„Todo el contenido, implicaciones, compromisos del problema de los
cultivos de uso ilícito, en el marco del acuerdo para el fin del
conflicto, es desconocido“ (Vargas 9.7.2020).
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Unter
diesen Gegebenheiten strebt die Regierung die Wiedereinführung der
Besprühung von Kokafeldern mit Pflanzengift aus der Luft an, die
2015 eingestellt wurde. Bis 2023 soll so eine Halbierung des
Kokaanbaus in Kolumbien erreicht werden.
    
                    &#xD;
    &lt;a href="#sdfootnote26sym"&gt;&#xD;
      
                      
      26
    
                    &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
                    
    
Im
Jahr 2018 gab es 169.000 Hektar Koka, von denen nach Vargas
(9.7.2020) schätzungsweise 230.000 indigene, afro-kolumbianische und
bäuerliche Familien lebten.
Das Eradikationsziel für 2020 liegt bei 130.000 Hektar, erheblich
mehr als die 80.000, die man sich für 2019 vorgenommen hatte und von
denen man an realer Verminderung wohl 15.000 erreichte.
    
                    &#xD;
    &lt;a href="#sdfootnote27sym"&gt;&#xD;
      
                      
      27
    
                    &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
                    
    
Die oben diskutierten Muster von Eradikation und Produktion scheinen
sich ungebrochen fortzusetzen. Reduzierungen in Caquetá, Antioquia,
Nariño
und Bolívar stehen aktuell Zuwächse in Norte de Santander und Valle
de Cauca gegenüber (UNDCP Informe de Monitoreo 2020). Parallelen zum
oben dargestellten Jahr 2008 werden deutlich. Nichts
deutet darauf hin, dass die Zielvorgaben heute realistischer und die
Ergebnisse nachhaltiger sind als vor 10 oder 20 Jahren. Es ist
vielmehr zu erwarten, dass die neuerliche Eradikationsoffensive auch
diesmal nicht nachhaltig sein wird, und es besteht die Gefahr, dass
damit die Unsicherheit der Lebensumstände in den betroffenen
ländlichen Gebieten vergrößert wird.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      SCHLUSSFOLGERUNGEN
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Die
internationale Drogenbekämpfung ist am Scheideweg. Sie hat
jahrzehntelang nicht die gewünschten Erfolge gebracht. Die Probleme
nehmen zu. Eine wachsende Zahl von Staaten (oder Bundesstaaten)
verlässt jeweils mit gewissen Aspekten ihrer Drogenpolitik die
Bestimmungen der UN Konventionen (Lessmann 2017). Eine
Sondergeneralversammlung der Vereinten Nationen (UNGASS) zum Thema
Drogen (19.-21.4.2016) suchte nach notwendigen Reformen. Dabei ging
es den lateinamerikanischen Initiatoren darum „...alle Optionen zu
analysieren, einschließlich regulierender – oder Marktmechanismen,
um ein neues Paradigma zu etablieren, das den Ressourcenfluss zu
Gruppen organisierter Kriminalität verhindert.“ (Declaración
Conjunta 2012) Auch wenn sich die Initiatoren mit ihren Forderungen
so nicht durchsetzen konnten, so legen die UNGASS-Abschlusserklärung
und nachfolgende Dokumente doch einen neuen, deutlich stärkeren
Fokus auf gesundheitspolitische Ansätze (Prävention und Therapie)
sowie die Einhaltung der Menschenrechte. Internationale Drogenpolitik
aus der Sicht der Vereinten Nationen ist nun eingebettet in die Metas
de Desarrollo Sostenible/Sustainable Development Goals. Schon bei den
Vorbereitungen zu UNGASS 2016 waren neben der WHO (OMS) erstmals auch
andere Unterorganisationen der UN, wie UNAIDS und das Office des High
Commissioner for Human Rights (OHCHR) zugezogen worden. Bemerkenswert
war insbesondere die explizite Abkehr auch einschlägiger
UN-Organisationen vom „War on Drugs“.
    
                    &#xD;
    &lt;a href="#sdfootnote28sym"&gt;&#xD;
      
                      
      28
    
                    &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
                    
    
Vor allem aber räumt die Abschlusserklärung erweiterte
Interpretationsspielräume zur Auslegung der Konventionen ein und
erkennt damit an, dass es nicht 
    
                    &#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      das
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
    
                    
    
Drogenproblem gibt, sondern eine Vielzahl unterschiedlicher Probleme
in verschiedenen Regionen und Ländern, sowie unterschiedliche
Voraussetzungen, um diese anzugehen.
    
                    &#xD;
    &lt;a href="#sdfootnote29sym"&gt;&#xD;
      
                      
      29
    
                    &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Diese
erweiterten Spielräume können genutzt werden, um Drogenpolitiken zu
entwickeln, die an den eigenen Problemen und den eigenen Interessen
orientiert sind. Kolumbien muss und kann nicht die komplexen
Drogenprobleme der Welt lösen. Wenn es um deren gesundheitliche
Dimension geht, stehen sie im Zusammenhang mit anderen Substanzen,
die dort nicht produziert werden. Geht es um Kokain, so kann
Kolumbien sich und der Welt mit einem konsequenten Kampf gegen
kriminelle Organisationen helfen, die eine Bedrohung für
Rechtstaatlichkeit und Demokratie darstellen. Dabei sollte man
insbesondere an deren Daseinszweck ansetzen: den Profiten (Stichwort:
Geldwäsche).
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Der
Kampf gegen den Anbau sogenannter Drogenpflanzen hat sich dagegen als
drogenpolitisch unwirksam erwiesen, weil die Ergebnisse bei gegebener
Marktdynamik nicht nachhaltig sind. Nachhaltige Ergebnisse einer
Kontrolle und gewissen Eindämmung von deren Anbau lassen sich nur
mit, nicht gegen die bäuerlichen Produzenten erzielen. Hierzu sind
langfristig angelegte, partizipative Strategien gefragt. Es ist
falsch, sie als Teil krimineller Netzwerke des Drogenhandels
anzusehen. Das mag für einzelne Akteure zutreffen, nicht aber für
das Gros der Produzenten. Voraussetzung für eine erfolgreiche
Zusammenarbeit ist es, Vertrauen zum Staat herzustellen und
arbeitsfähige lokale Institutionen zu schaffen. Mit militärischen
Zwangsmaßnahmen oder gar einer Rückkehr zu einer Politik der

    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      fumigaciones aereas
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    ,
erreicht man das Gegenteil.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Sofern
man nicht den bolivianischen Weg einer Gesetzesänderung gehen will
oder kann, weil man dabei mit großem Widerstand der internationalen
Gemeinschaft rechnen muss, bietet die Corona-Pandemie eine
Gelegenheit zu einem Eradikations-Moratorium aus epidemiologischen
Erwägungen und einem Neustart im Sinne einer Rückkehr zur
konsequenten Umsetzung der einschlägigen Bestimmungen des
Friedensabkommens sowie zur Anwendung der rechtsstaatlichen und
menschenrechtlichen Kontrollmechanismen aus dem Ley 30.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Deutsche
Vorabversion eines Working Papers für das deutsch – kolumbianische
Friedensinstitut CAPAZ. (
    
                    &#xD;
    &lt;a href="http://www.instituto-capaz.org/"&gt;&#xD;
      
                      
      www.instituto-capaz.org
    
                    &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
                    
    )
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      LITERATUR:
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Acuerdo
de Paz
(odc.gov.co/comunicado-solucion-al-problema-de-las-drogas-ilícitas).
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Arrieta
(u.a.): „Narcotráfico en Colombia“, Universidad de Los Andes/
Tercer Mundo Editores, Bogotá, 1990.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Declaración
Conjunta (de Colombia, México y Guatemala), N.Y., Oct. 1st 2012.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;a&gt;&#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
                    
    
Gabriel,
Leo/López y Rivas, Gilberto (coord.): „Autonomía Indígenas en
América Latina“, C. d. México, 2005 (latautonomy.com/la_wor.htm).
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Grisafi,
Thomas/ Farthing, Linda/ Ledebur, Kathryn: „The Plurinational State
of Bolivia shifting the focus from eradication to poverty
alleviation“. p. 131ff  in: UNODC: „Bulletin on Narcotics“,Vol.
LXI, 2017, Vienna, 2018.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Farthing,
Linda/Ledebur, Kathryn: „To Beat a Different Drum: Bolivia's
Community Coca Control“ in: NACLA – North American Council on
Latin America: Report on the Americas, N.Y., June 2014.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    GTZ
(Berg, Dietz, Kotowski-Ziss. Lessmann): „Drogen und Entwicklung in
Lateinamerika“, Eschborn, 2001.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    INCB
– International Narcotics Control Board (2016a): „Report 2015 –
The international drug control treaties do not mandate a 'war on
drugs', says INCB Report“, Vienna 2016.
(
    
                    &#xD;
    &lt;u&gt;&#xD;
      &lt;a href="https://www.incb.org/documents/Publications/AnnualReports/AR2015/English/war_drugs.pdf"&gt;&#xD;
        
                        
        https://www.incb.org/documents/Publications/AnnualReports/AR2015/English/war_drugs.pdf
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;/u&gt;&#xD;
    
                    
    ;
Zugriff: 21.7.2020).
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    INCB.
(2016b). Report of the International Narcotics Control Board for
2015.
(
    
                    &#xD;
    &lt;a href="https://www.incb.org/documents/Publications/AnnualReports/AR2015/English/AR_2015_E.pdf"&gt;&#xD;
      
                      
      https://www.incb.org/documents/Publications/AnnualReports/AR2015/English/AR_2015_E.pdf
    
                    &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
                    
    .
Zugriff: 21. Juli 2020).


  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    INCSR
– U.S. Department of State – Bureau for International Narcotics
Matters and Law Enforcement Affairs: „International Narcotics
Control Strategy Report 2020, Washington D.C., March 2020.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Jelsma,
Martin/ Youngers, Coletta: „La Coca y el Acuerdo de Paz en
Colombia“, TNI  - Transnational Institute, Amsterdam, Agosto de
2017.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;a&gt;&#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
                    
    
Ledebur, Kathryn/ Youngers,
Coletta: „From Conflict to Collaboration. An Innovative Approach to
Reducing Coca Cultivation“ in: Stability – International Journal
of Security &amp;amp; Development
(stabilityjournal.org/articles/10.5334/sta.aw/)
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Lessmann,
Robert: „Estábamos cambiando aplausos en el exterior por muertos
en Colombia“ (Interview mit dem Herausgeber der Tageszeitung „El
Colombiano“ und Exbürgermeister von Medellín; „La Razón“, La
Paz, Bolivien, 18 de agosto 1991 (
    
                    &#xD;
    &lt;u&gt;&#xD;
      &lt;a href="http://www.robert-lessmann.com/"&gt;&#xD;
        
                        
        www.robert-lessmann.com
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;/u&gt;&#xD;
    
                    
    
&amp;gt; Publikationen &amp;gt; Pressearchiv

    
                    &#xD;
    &lt;a href="https://cdn.website-editor.net/4e3a91da2fa849afa260009be23256a9/files/uploaded/larazon_18_8_1991_1_web.jpg)"&gt;&#xD;
      
                      
      https://cdn.website-editor.net/4e3a91da2fa849afa260009be23256a9/files/uploaded/larazon_18_8_1991_1_w...
    
                    &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
                    
    .
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Lessmann,
Robert: „Drogenökonomie und internationale Politik“, Vervuert
Verlag, Frankfurt/M., 1996.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Lessmann,
Robert: „Amerikanisierung und Militarisierung. Die auswärtige
Drogenpolitik der USA“ in: Rudolph/ Wilzewski (Hg.): „Weltmacht
ohne Gegner. Amerikanische Außenpolitik zu Beginn des 21.
Jahrhunderts“, Stiftung Wissenschaft und Politik, Nomos Verlag,
Baden-Baden, 2000.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Lessmann,
Robert: „La Autonomía Clandestina. Raices rasgos y marco político
del proceso autonómico en el Trópico de Cochabamba“ in:
Gabriel/López y Rivas 2005 (auch: ders.: „Bolivia: Condiciones
políticos marco para procesos de autonomía multicultural“,
latautonomy.com/EstudioPolitico_Bo_Lessmann.pdf).
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Lessmann,
Robert: „Flying Dutchman. Die internationale Drogenpolitik der
Obama – Administration“ (S. 379-396) in: ZFAS – Zeitschrift für
Außen- und Sicherheitspolitik, 3/2010, Springer Verlag, Wiesbaden,
2010.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Lessmann,
Robert: „Drogenpolitik am Scheideweg – Zwischen Legalisierung und
Drogenkrieg“ in: ZFAS4/2012, Springer Verlag, Wiesbaden, 2012.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Lessmann,
Robert: „Der Drogenkrieg in den Anden“, Springer Verlag,
Wiesbaden, 2015.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Lessmann,
Robert: „Ende des Drogenkriegs?“ in: Lateinamerika Anders 1/2016,
Wien (robert-lessmann.com/ende_des_drogenkrieges).
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Lessmann,
Robert: „Internationale Drogenpolitik. Herausforderungen und
Reformdebatten“, Springer Verlag, Wiesbaden, 2017.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Lessmann,
Robert: „Drogenproduktion und Drogenbekämpfung: Ein Ökodesaster“
in: Lateinamerika Anders, Wien, 1/2019.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Lessmann,
Robert: „Internationale Drogenpolitik: 'Vom Zwang zum
Zusammenhalt'. Abschied vom Drogenkrieg“ („International Drug
Policy: 'From Coercion to Cohesion': Taking Leave From the War on
Drugs?“) in: Zeitschrift für Außen- und Sicherheitspolitik (ZFAS)
2/2020, Wiesbaden, 2020
(link.springer.com/article/10.1007/s12399-020-00810-z).
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;a&gt;&#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
                    
    
 ODCCP  -
United Nations Office on Drug Control and Crime Prevention: “Global
Illicit Drug Trends 1999”, N.Y. 1999.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    ODCCP
 - United Nations Office on Drug Control and Crime Prevention:
“Global Illicit Drug Trends 2002”, N.Y. 2002.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    UNGASS
(United Nations General Assembly Special Session) –
Abschlussdokument 2016
(
    
                    &#xD;
    &lt;a href="http://www.drogenbeauftragte.de/fileadmin/dateien-dba/DrogenundSucht/Illegale_Drogen/Ungass-N1610572.pdf"&gt;&#xD;
      
                      
      www.drogenbeauftragte.de/fileadmin/dateien-dba/DrogenundSucht/Illegale_Drogen/Ungass-N1610572.pdf
    
                    &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
                    
    )
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    UNHCR
– United Nations High Commission on Refugees: „Global Trends
Forced Displacement in 2019“,
(unhcr.org/dach/wp-content/uploads/sites/27/2020/06/unhcr_global-trends2019.pdf;
Aufruf 8.10.2020).
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    UNODC
– United Nations Office on Drugs and Crime. „Estimating illicit
financial flows from drug trafficking and other transnational
organized crimes“, Vienna, 2011.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    UNODC
– United Nations Office on Drugs and Crime: “World Drug Report
2015”, New York, 2015.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    UNODC
Chief: Press Release “UNGASS momentum can drive progress in 
addressing world drug problem”, UNIS/NAR/1275, 21 April 2016
(
    
                    &#xD;
    &lt;a href="http://www.unis.unvienna.org/unis/en/pressrels/2016/unisnar1275.html"&gt;&#xD;
      
                      
      www.unis.unvienna.org/unis/en/pressrels/2016/unisnar1275.html
    
                    &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
                    
    )
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;a&gt;&#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
                    
    
UNODC –
United Nations Office on Drugs and Crime: “World Drug Report 2016”,
New York, 2016.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    UNODC
– United Nations Office on Drugs and Crime: “World Drug Report
2019”, New York, 2019.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    UNODC
– United Nations Office on Drugs and Crime: “Global Study on
Homicide 2019”, Vienna, 2019.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    UNODC
– United Nations Office on Drugs and Crime: “World Drug Report
2019”, New York, 2020
(wdr.unodc.org/wdr2020/en/maps-and-tables.html).
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    UNODC
– United Nations Office on Drugs and Crime: „Informe de Monitoreo
de Territorios Afectados por Cultivos Ilícitos en Colombia (2019)“,
Bogotá, 17. de junio de 2020
(unodc.org/colombia/es/informe-de-monitoreo-de-territorios-afectados-por-cultivos-ilicitos-en-colombia-2019.html,
Zugriff: 7.10.2020) und
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    unodc.org/documents/colombia/2020/Junio/Resumen_Ejecutivo_Censo_Coca_2019_COL.pdf,
Zugriff: 8.10.2020).
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Vargas,
Ricardo/ Transnational Institute (TNI): „Drug Cultivation,
Fumigation and the Conflict in Colombia“, Amsterdam, October 1999.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Vargas,
Ricardo/ Transnational Institute (TNI): „Colombia: Persistencia del
Conflicto y Pandemía en Territorios Bajo Estado de Excepción“,
Amsterdam, 9.7.2020
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;u&gt;&#xD;
      
                      
      (
      
                      &#xD;
      &lt;a href="http://www.tni.org/es/articulo/colombia-persistencia-del-conflicto-y-pandemia-en-territorios-bajo-estao-de-excepcion"&gt;&#xD;
        
                        
        www.tni.org/es/articulo/colombia-persistencia-del-conflicto-y-pandemia-en-territorios-bajo-estao-de-excepcion
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;/u&gt;&#xD;
    
                    
    
Zugriff: 20.10.2020).
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Vargas,
Ricardo/ Transnational Institute (TNI): „Erradicación Forzada de
Cultivos de Uso Ilícito y Derechos Humanos“, Amsterdam, 15.7.2020
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;u&gt;&#xD;
      
                      
      (
      
                      &#xD;
      &lt;a href="http://www.tni.org/es/articulo/erradicacion-forzada-de-cultivos-de-uso-il%C3%ADcito-y-derechos-humanos"&gt;&#xD;
        
                        
        www.tni.org/es/articulo/erradicacion-forzada-de-cultivos-de-uso-ilícito-y-derechos-humanos
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;/u&gt;&#xD;
    
                    
    
Zugriff: 20.10.2020).
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Vargas,
Ricardo/ Transnational Institute (TNI): „Cocaína Colombiana:
¿Donde Estamos?“,
Amsterdam, 6.8.2020
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    (
    
                    &#xD;
    &lt;a href="http://www.tni.org/es/articulo/cocaína-colombiana-donde-estamos"&gt;&#xD;
      
                      
      www.tni.org/es/articulo/cocaína-colombiana-donde-estamos
    
                    &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
                    
    
Zugriff: 23.10.2020).
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Fußnoten:
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;p&gt;&#xD;
      &lt;a href="#sdfootnote1anc"&gt;&#xD;
        
                        
        1
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
      &lt;u&gt;&#xD;
        &lt;a href="http://www.indepaz.org.co/lideres"&gt;&#xD;
          
                          
          www.indepaz.org.co/lideres
        
                        &#xD;
        &lt;/a&gt;&#xD;
      &lt;/u&gt;&#xD;
    &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;p&gt;&#xD;
      &lt;a href="#sdfootnote2anc"&gt;&#xD;
        
                        
        2
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
      &lt;u&gt;&#xD;
        &lt;a href="http://www.revistaelcongreso.com/actualidad/mindefensa-anuncia-creacion-de-unidad-especial-de-identificacion-ubicacion-y-judicializacion-de-perpetradores-de-homicidios-colectivos"&gt;&#xD;
          
                          
          www.revistaelcongreso.com/actualidad/mindefensa-anuncia-creacion-de-unidad-especial-de-identificacion-ubicacion-y-judicializacion-de-perpetradores-de-homicidios-colectivos
        
                        &#xD;
        &lt;/a&gt;&#xD;
      &lt;/u&gt;&#xD;
    &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;p&gt;&#xD;
      &lt;a href="#sdfootnote3anc"&gt;&#xD;
        
                        
        3
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
      
                      
      	
	Nach einem Prozess der
	Importsubstitution durch Eigenanbau in den USA spielt
	kolumbianisches Marihuana auf den internationalen Drogenmärkten
	praktisch keine Rolle mehr und der nordamerikanische Markt für
	Heroin wird von Mexiko dominiert; Kolumbien produziert heute weniger
	als 1 Prozent des globalen Schlafmohns (UNODC 2020/3, S. 9).
    
                    &#xD;
    &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;p&gt;&#xD;
      &lt;a href="#sdfootnote4anc"&gt;&#xD;
        
                        
        4
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
      
                      
      	
	Eine aktuelle Schätzung der kolumbianischen Bruttoeinnahmen aus der
	geschätzten Kokainproduktion liegt bei 1.928 USD, wovon die
	ländlichen Produzenten von Koka, Pasta Básica und Kokain-HCL
	zusammengenommen 810 Mio USD erhalten.
	(unodc.org/documents/colombia/2020/junio/Resumen_Ejecutivo_Censo_Coca_2019_COL.pdf)
    
                    &#xD;
    &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;p&gt;&#xD;
      &lt;a href="#sdfootnote5anc"&gt;&#xD;
        
                        
        5
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
      
                      
      	
	Augenblicklich sind es 273
	kontrollierte Substanzen im Sinne der Konvention (UNODC 2019/2,
	S.50).
    
                    &#xD;
    &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;p&gt;&#xD;
      &lt;a href="#sdfootnote6anc"&gt;&#xD;
        
                        
        6
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
      
                      
      	
	Laut dem neuesten „World Drug Report“ (UNODC 2020) gibt es noch
	keine gesicherten, aktuellen Zahlen zum Kokaanbau im Jahr 2019 und
	gewisse methodologische Unsicherheiten, weshalb hier überwiegend
	die Zahlen des UNODC 2019 herangezogen werden. Häufig abweichende –
	und zumeist etwas höhere – Zahlen liefert der jährlich
	erscheinende International Narcotics Control Strategy Report (INCSR)
	des U.S. Department of State. Dessen Zahlen beruhen überwiegend auf
	Erhebungen der CIA. Wir ziehen hier die Angaben der Vereinten
	Nationen heran, die auf dem seit dem Jahr 1999 bestehenden Sistema
	Integrado de Monitoreo de Cultivos Ilícitos (SIMCI) beruhen, an dem
	auch die kolumbianische Regierung beteiligt ist. 
	
    
                    &#xD;
    &lt;/p&gt;&#xD;
    &lt;p&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;p&gt;&#xD;
      &lt;a href="#sdfootnote7anc"&gt;&#xD;
        
                        
        7
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
      
                      
      	
	 Hinsichtlich der
	Größenordnung sind wir auf Schätzungen angewiesen. Das UNODC
	(2015) nennt die Zahl von 290.992 Hektar Wald, die zwischen 2001 und
	2014 für den Kokaanbau in Kolumbien abgeholzt worden seien. Die
	peruanische Nationale Kommission für Entwicklung und Leben (DEVIDA)
	schätzt die Entwaldung für den Kokaanbau in Peru im letzten halben
	Jahrhundert auf 2,3 Millionen Hektar und warnt vor hohen Rückständen
	von Blei, Kadmium, Schwefelsäure, Äthyläther, Ammonium-Chlorid
	und anderen sogenannten Precursor-Chemikalien in Böden und
	Gewässern. Bei einer EU-Mission in die Region Pozuzo-Palcazu im
	Jahr 1998 erklärten mir Bauern, dass sie nach dem Zusammenbruch des
	Kokamarktes dazu übergegangen seinen, Wälder abzuholzen und das
	Holz flussabwärts in Pucallpa zu verkaufen. Das sei die einzige
	Alternative, die unmittelbar 
      
                      &#xD;
      &lt;i&gt;&#xD;
        
                        
        cash
      
                      &#xD;
      &lt;/i&gt;&#xD;
      
                      
      -Einkommen
	bringe. Die
	
      
                      &#xD;
      &lt;i&gt;&#xD;
        
                        
        Yuquis,
	
      
                      &#xD;
      &lt;/i&gt;&#xD;
      
                      
      ein
	kleines Volk von Jägern, Sammlern und Fischern, das im
	bolivianischen Kokaanbaugebiet des Chapare lebt und erst in den
	1950er Jahren erstmals von Missionaren kontaktiert wurde, klagen
	seit Jahren darüber, dass die Fische in den Flüssen durch die
	Vergiftung immer weniger werden (vgl. Lessmann 2019). 
	
    
                    &#xD;
    &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;p&gt;&#xD;
      &lt;a href="#sdfootnote8anc"&gt;&#xD;
        
                        
        8
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
      
                      
      	
	 Zwischenzeitlich
	haben zentralamerikanische Länder, wie El Salvador und Honduras
	wiederum erheblich höhere Mordraten als Mexiko, wobei viele dieser
	Taten im Zusammenhang mit dem Drogenhandel stehen. Opfer
	von Mord und Totschlag pro 100.000 Einwohner: Mexiko 24,8, Kolumbien
	24,9, Honduras 41,1, El Salvador 51,0 (UNODC 2019 Homicide Study).
    
                    &#xD;
    &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;p&gt;&#xD;
      &lt;a href="#sdfootnote9anc"&gt;&#xD;
        
                        
        9
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
      
                      
      	
	In Chimoré anwesend war u.a.
	der Exekutivdirektor des Drogenkontrollprogramms der Vereinten
	Nationen, Pino Arlacchi. U.S.-Präsident Bill Clinton schickte ein
	Glückwunschtelegramm.
    
                    &#xD;
    &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;p&gt;&#xD;
      &lt;a href="#sdfootnote10anc"&gt;&#xD;
        
                        
        10
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
      
                      
      	
	Basis
	für diesen Aufstieg war die 
      
                      &#xD;
      &lt;i&gt;&#xD;
        
                        
        sindicato
      
                      &#xD;
      &lt;/i&gt;&#xD;
      
                      
      -Bewegung
	der Kokabauern, die sich im Widerstand gegen die Kokaeradikation von
	einer Selbstorganisation bäuerlicher 
      
                      &#xD;
      &lt;i&gt;&#xD;
        
                        
        colonos
      
                      &#xD;
      &lt;/i&gt;&#xD;
      
                      
      
	zu einer der schlagkräftigsten Organisationen der Zivilgesellschaft
	in Lateinamerika entwickelt hatte (vgl. Lessmann 2005;
	latautonomy.com/EstudioPolitico_Bo_Lessmann.pdf, insb. S.26-37). 
	
    
                    &#xD;
    &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;p&gt;&#xD;
      &lt;a href="#sdfootnote11anc"&gt;&#xD;
        
                        
        11
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
      
                      
      	
	Die nachfolgenden
	Ausführungen beruhen insbesondere auf einem Besuch im Chapare
	(Trópico de Cochabamba) im Herbst 2015. Bei dieser Gelegenheit
	konnte ich zusammen mit dem Vizeminister für Defensa Social, Felípe
	Cáceres, und den Kommandeuren der Spezialkräfte für den Kampf
	gegen den Drogenhandel per Hubschrauber ein Kokainlabor bei Yapacaní
	besuchen sowie Interviews mit Kokabauern der Zone führen (vgl.
	Lessmann 2016 sowie Farthing/ Ledebur 2016, Grisafi/ Farthing/
	Ledebur 2018 und Ledebur/Youngers).
    
                    &#xD;
    &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;p&gt;&#xD;
      &lt;a href="#sdfootnote12anc"&gt;&#xD;
        
                        
        12
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
      
                      
      	
	Im
	Rahmen des EU-gesponserten Forschungsprojekts Latautonomy
	(2002-2005) über Modelle multikultureller Autonomie wurde für den
	bolivianischen Chapare und seine bäuerlichen
	
      
                      &#xD;
      &lt;i&gt;&#xD;
        
                        
        sindicato
      
                      &#xD;
      &lt;/i&gt;&#xD;
      
                      
      -Organisationen
	der höchste Wert sozialer Kohäsion ermittelt (Gabriel/ López y
	Rivas 2005; latautonomy.com).
    
                    &#xD;
    &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;p&gt;&#xD;
      &lt;a href="#sdfootnote13anc"&gt;&#xD;
        
                        
        13
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
      
                      
      	
	Laut ODCCP 2002 (waren) es im
	Jahr 1989 sogar 52.900 Hektar. In Bolivien und Peru ist nur manuelle
	Eradikation erlaubt. Biologische oder chemische Mittel sind
	gesetzlich verboten.
    
                    &#xD;
    &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;p&gt;&#xD;
      &lt;a href="#sdfootnote14anc"&gt;&#xD;
        
                        
        14
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
      
                      
      	
	Im Jahr 2011 wurde unter anderem im Chapare auch eine Fabrik für
	Kokaprodukte eingeweiht; in den Yungas wurden zwei Fabriken für
	Kokateebeutel und -mehl reaktiviert. Aber ohne eine internationale
	Kokafreigabe durch eine Änderung der Single Convention bleibt der
	Export solcher Produkte versperrt und der nationale Markt ist zu
	klein.  
	
    
                    &#xD;
    &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;p&gt;&#xD;
      &lt;a href="#sdfootnote15anc"&gt;&#xD;
        
                        
        15
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
      
                      
      	
	Peru verfolgt übrigens nach
	wie vor eine Politik der manuellen Zwangseradikation.
    
                    &#xD;
    &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;p&gt;&#xD;
      &lt;a href="#sdfootnote16anc"&gt;&#xD;
        
                        
        16
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
      
                      
      	
	Grundlage für diese
	Festlegung war eine EU-finanzierte Studie über den Kokaanbau und
	den traditionellen Verbrauch vom Herbst 2013.
    
                    &#xD;
    &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;p&gt;&#xD;
      &lt;a href="#sdfootnote17anc"&gt;&#xD;
        
                        
        17
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
      
                      
      	
	Eigene
	Berechnungen auf der Grundlage der Eradikationszahlen in den UNODC
	World Drug Reports. Zwischen 1994 und 2008 betrug das
	Eradikationsergebnis demnach 
      
                      &#xD;
      &lt;b&gt;&#xD;
        
                        
        1.615.663
	Hektar
      
                      &#xD;
      &lt;/b&gt;&#xD;
      
                      
      
	(vgl. Lessmann 2010, S. 383-384); zuzüglich von 2009-2018 manuell
	
      
                      &#xD;
      &lt;b&gt;&#xD;
        
                        
        346.944
	Hektar
      
                      &#xD;
      &lt;/b&gt;&#xD;
      
                      
      
	und durch Besprühung (bis 2015) 
      
                      &#xD;
      &lt;b&gt;&#xD;
        
                        
        550.346
	Hektar
      
                      &#xD;
      &lt;/b&gt;&#xD;
      
                      
      
	(UNODC 2020, Statistical Annex, Tab. 6.1.2.) ergibt dies ein
	Gesamtergebnis von 
      
                      &#xD;
      &lt;b&gt;&#xD;
        
                        
        2.512.953
	Hektar
      
                      &#xD;
      &lt;/b&gt;&#xD;
      
                      
      .
	 
	
    
                    &#xD;
    &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;p&gt;&#xD;
      &lt;a href="#sdfootnote18anc"&gt;&#xD;
        
                        
        18
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
      
                      
      	
	Diese Tatsache mag teilweise
	den Umstand reflektieren, dass nicht jeder besprühte Hektar
	tatsächlich auch vernichtet war. Die Bauern hatten Gegenstrategien,
	besprühten die Blätter ihrerseits zum Schutz mit Fettlösungen und
	legten vor allem gleich wieder neue Felder an. Möglicherweise
	wurden Mehrfachbesprühungen mit eingerechnet.
    
                    &#xD;
    &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;p&gt;&#xD;
      &lt;a href="#sdfootnote19anc"&gt;&#xD;
        
                        
        19
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
      
                      
      	
	Die Besprühungen wurden dort im Mai 2015 nach zwei Jahrzehnten
	schließlich gestoppt. Dadurch soll es unmittelbar zu einem Anstieg
	der Anbaufläche um 44 Prozent – im Andenraum um 10 Prozent auf
	132.300 Hektar gekommen sein (UNODC 2016, Annex 5). Die Besprühungen
	mit Glyphosat wurden im April 2016 wieder aufgenommen, allerdings
	nun vom Boden aus und nicht mehr aus der Luft. Die Regierung von
	Präsident Iván Duque plant unterdessen, die Besprühung von
	Kokafeldern mit Glyphosat auch aus der Luft wieder aufzunehmen.
    
                    &#xD;
    &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;p&gt;&#xD;
      &lt;a href="#sdfootnote20anc"&gt;&#xD;
        
                        
        20
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
      
                      
      	
	Verschiedene Autoren
	beschreiben Landraub als langandauerndes Phänomen in Kolumbien:
	„Ranchers, investors and legal commercial farmers have created and
	strenghened private armies, presented to public opinion as a defense
	against guerilla abuses. However, these armed groups serve as a
	means to violently expropriate land from indigenous people, peasants
	and settlers. This violent seizing of land has a tremendous social
	impact, contributing to cycles of violence and continual forced
	displacement with more serious results than the production and
	export of illicit substances.“ (Vargas 1999)
    
                    &#xD;
    &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;p&gt;&#xD;
      &lt;a href="#sdfootnote21anc"&gt;&#xD;
        
                        
        21
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
      
                      
      	
	Es wird geschätzt, dass
	zwischen 1994 und 2014 mehr als 1,75 Millionen Hektar mit Glyphosat
	besprüht wurden (vgl. Morales 2017, S.11), eine Zahl, die mir
	aufgrund eigener Berechnungen zur Gesamteradikation eher niedrig
	erscheint (vgl. FN 17).
    
                    &#xD;
    &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;p&gt;&#xD;
      &lt;a href="#sdfootnote22anc"&gt;&#xD;
        
                        
        22
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
      
                      
      	
	Neuangelegte Felder würden
	von dieser Regelung ausgeschlossen sein, um Trittbrettfahrer
	auszuschließen.
    
                    &#xD;
    &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;p&gt;&#xD;
      &lt;a href="#sdfootnote23anc"&gt;&#xD;
        
                        
        23
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
      
                      
      	
	„El investigador Ricardo
	Vargas, asociado del TNI, analiza la crisis de seguridad y la
	situación de vulnerabilidad que padecen varias comunidades rurales
	e indígenas en Colombia en medio de la pandemía. Además de los
	riesgos de contagio, las comunidades hoy enfrentan operativos de
	erradicación forzada de cultivos ilícitos por parte del Estado,
	contrario a lo pactado en el Acuerdo de Paz; y al último tiempo
	sufren las acciones violentas contra organizaciones y asesinatos de
	líderes sociales por parte de grupos armados ilegales que han visto
	en la crisis una oportunidad para desplazar comunidades y acaparar
	territorios.“ (Vargas 9.7.2020)
    
                    &#xD;
    &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;p&gt;&#xD;
      &lt;a href="#sdfootnote24anc"&gt;&#xD;
        
                        
        24
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
      
                      
      	
	Bei Operationen der
	Zwangseradikation waren in den ersten 7 Monaten 2020 7 Personen
	gestorben (Vargas 6.8.2020).
    
                    &#xD;
    &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;p&gt;&#xD;
      &lt;a href="#sdfootnote25anc"&gt;&#xD;
        
                        
        25
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
      
                      
      	
	Vargas (9.7.2020 FN 7)
	bezieht sich hier auf die Aussage des Oberkommandierenden
	Generalmayors Wilson Chávez vor der Comisión Segunda del Senado
	vom 6.5.2020.
    
                    &#xD;
    &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;p&gt;&#xD;
      &lt;a href="#sdfootnote26anc"&gt;&#xD;
        
                        
        26
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
      
                      
      	Übrigens
	das gleiche Ziel, wie zur Jahrtausendwende am Beginn des 
      
                      &#xD;
      &lt;i&gt;&#xD;
        
                        
        Plan
	Colombia
      
                      &#xD;
      &lt;/i&gt;&#xD;
      
                      
      .
    
                    &#xD;
    &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;p&gt;&#xD;
      &lt;a href="#sdfootnote27anc"&gt;&#xD;
        
                        
        27
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
      
                      
      	
	UNODC (Informe de Monitoreo
	2020): 2018 waren es 169.000 Hektar, 2019 154.000 Hektar. Vom
	erwähnten, ursprünglichen 100.000-Hektar-Eradikationsziel im
	ersten Jahr nach dem Acuerdo de Paz hat man 52.001 Hektar (2017) und
	59.978 Hektar (2018) umgesetzt (Tab.3).
    
                    &#xD;
    &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;p&gt;&#xD;
      &lt;a href="#sdfootnote28anc"&gt;&#xD;
        
                        
        28
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
      
                      
      	
	Völlig neu war in diesem
	Zusammenhang die wiederholte und explizite Distanzierung vom
	'Drogenkrieg' und seiner Sprache. So war schon die Presseerklärung
	des INCB (JIFE) zum Erscheinen des Jahresberichts 2015 am 2. März
	2016 mit der Kernaussage überschrieben: „The international drug
	control treaties do not mandate a „war on drugs“, says INCB
	Report“. Und
	im Bericht selbst heißt es unter anderem: „Some of the existing
	policies in some countries, such as militarized law enforcement,
	policies that disregard human rights, overincarceration, the denial
	of medically appropriate approaches, are not in accordance with the
	principles of the conventions.“ (INCB
	2015, S. 6)
    
                    &#xD;
    &lt;/p&gt;&#xD;
    &lt;p&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;p&gt;&#xD;
      &lt;a&gt;&#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
      &lt;a href="#sdfootnote29anc"&gt;&#xD;
        
                        
        29
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
      
                      
        
  Eine
  Presseerklärung des UNODC zum Abschluss der UNGASS-Konferenz hebt
  dazu ausdrücklich hervor: „At the opening of the plenary, Member
  States adopted the outcome document of  the session, which reaffirms
  their commitment to undertake innovative approaches to drug control
  within the framework of  the three international drug control
  conventions. It also recognizes that the conventions allow for
  sufficient flexibility for States parties to design effective
  national drug policies.” (UNODC Chief: UNGASS momentum can drive
  progress in addressing world drug problem, UNIS/NAR/1275, 21 April
  2016 auch:
  
      
                      &#xD;
      &lt;a href="http://www.unis.unvienna.org/unis/en/pressrels/2016/unisnar1275.html"&gt;&#xD;
        
                        
        www.unis.unvienna.org/unis/en/pressrels/2016/unisnar1275.html
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
      
                      
      )
    
                    &#xD;
    &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <enclosure url="https://cdn.website-editor.net/4e3a91da2fa849afa260009be23256a9/dms3rep/multi/bol19.jpg" length="930786" type="image/jpeg" />
      <pubDate>Mon, 05 Apr 2021 14:28:02 GMT</pubDate>
      <guid>https://www.robert-lessmann.com/kolumbien-drogenbekaempfung-und-friedensprozessf7511ae9</guid>
      <g-custom:tags type="string" />
      <media:content medium="image" url="https://cdn.website-editor.net/4e3a91da2fa849afa260009be23256a9/dms3rep/multi/bol19.jpg">
        <media:description>thumbnail</media:description>
      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Bolivien: Revolution auf Raten?</title>
      <link>https://www.robert-lessmann.com/bolivien-revolution-auf-raten31a51ee0</link>
      <description />
      <content:encoded>&lt;h2&gt;&#xD;
  
                  
  „Eine
Gesellschaftsformation geht nie unter bevor alle Produktivkräfte
entwickelt sind, für die sie weit genug ist, und neue, höhere
Produktionsverhältnisse treten nie an die Stelle,
bevor die materiellen Existenzbedingungen derselben im Schoß der
alten Gesellschaft selbst ausgebrütet worden sind,“ schrieb
Karl Marx in der Kritik der politischen Ökonomie. Die unvollendeten
bolivianischen Revolutionsprojekte gaben jeweils Anlass zu großen
Hoffnungen und Enttäuschungen. Trotzdem wurde viel erreicht.
Insofern können sie Denkanstöße geben, im positiven wie im
negativen Sinn. Für eine „Bewegung zum Sozialismus“ bleibt aber
noch ein weiter Weg  zu gehen.

                &#xD;
&lt;/h2&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/4e3a91da2fa849afa260009be23256a9/dms3rep/multi/bol5+-+Kopie.JPG" alt="" title=""/&gt;&#xD;
  &lt;span&gt;&#xD;
  &lt;/span&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;!--StartFragment--&gt;  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;!--StartFragment--&gt;  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Als im Dezember 2005 Evo Morales und sein Movimiento al Socialismo (MAS) die Wahlen mit einem Erdrutschsieg (54 Prozent) gewannen, sprachen viele Beobachter von einer Revolution mit dem Stimmzettel. Die indigene Bevölkerungsmehrheit hatte sich durchgesetzt und der erste „Indígena-Präsident“ hatte sich mit seiner Regierung eine „Entkolonisierung“ und eine „Neugründung Boliviens“ vorgenommen. Der französische Soziologe Alain Touraine sah in dem angestrebten 
      
                      &#xD;
      &lt;i&gt;&#xD;
        
                        
        proceso de cambio
      
                      &#xD;
      &lt;/i&gt;&#xD;
      
                      
       ein neues Paradigma für Lateinamerika, ein mögliches Modell auch für andere Länder, die unter Armut, Ungleichheit und Ausgrenzung großer Teile der Bevölkerung leiden. Mit dem Sturz von Morales und der Machtergreifung durch eine rechte „Interimsregierung“ am 12. November 2019 schien diese Hoffnung begraben. Doch am 18. Oktober 2020 brachte eine weitere „Revolution mit dem Stimmzettel“ die MAS mit 55 Prozent der Stimmen zurück. Und mit ihr auch den Prozess des Wandels? Was bedeutet das für Bolivien und Lateinamerika? Welche Lehren lassen sich daraus ziehen? Wie konnte es überhaupt so weit kommen?
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;!--EndFragment--&gt;  &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;!--EndFragment--&gt;                      

Im
Herbst 2019 schaffte es Lateinamerika länderübergreifend in die
Schlagzeilen: „Flächenbrand in Lateinamerika?“, fragte die
Journaille. Neben den Dauerkrisenherden Venezuela und Nicaragua
erregten Unruhen in Chile, Ecuador, Kolumbien und Bolivien die
Aufmerksamkeit. In allen vier Fällen waren die sogenannten
Sicherheitskräfte brutal vorgegangen, was einige Analysten
zur Frage nach einer Götterdämmerung der Militärs, einer möglichen
Rückkehr der Generäle, inspirierte. Überall spielte das Militär
in den Auseinandersetzungen wieder eine wichtige Rolle. Ein Drittel
der Kabinettsmitglieder von Jair Bolsonaro in Brasilien hat - wie er
selbst - einen militärischen Hintergrund. In Chile hatten
Fahrpreiserhöhungen, in Ecuador gestiegene Benzinpreise das Fass zum
Überlaufen gebracht und zu Protesten gegen das neoliberale Modell
geführt. In Ecuador wurde der Ausnahmezustand ausgerufen und der
Regierungssitz kurzfristig von Quito nach Guayaquil verlegt. Größere
Veränderungen brachten die Proteste in Chile mit einer
Kabinettsumbildung und dem Prozess zu einer neuen Verfassung. Die
gültige stammt noch von 1980 aus den Jahren der Pinochet-Diktatur.
Bolivien war – wieder einmal – anders. Hier handelte es sich
nicht um Protest gegen Neoliberalismus, sondern um den Sturz eines
Gegenmodells, vielbeachtet vor allem, weil mit Präsident Evo Morales
ein Hoffnungsträger stürzte, mit indigener Herkunft und aus
einfachsten Verhältnissen.
  
                  &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Und ewig grüßt das
Murmeltier? Oder aus der Geschichte lernen
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    „Rebellion
in the Veins“ (Rebellion in den Venen) lautet ein Standardwerk über
die politische Entwicklung in Bolivien, das der britische
Politikwissenschaftler James Dunkerley im Jahr 1984 veröffentlichte,
als nach 18 Jahren Militärdiktaturen seit zwei Jahren die Demokratie
zurück war. Das Land war wirtschaftlich am Boden und international
isoliert. Trotzdem – oder gerade deshalb - glaubten viele linke
Aktivisten, die Revolution stünde vor der Tür. Der mächtige
Gewerkschaftsbund COB verlangte ein 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      co-gobierno,

    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    paritätische
Teilhabe an den Ministerposten. Linksparteien wie das Movimiento de
la Izquierda Revolucionaria
(MIR), die, wie die Gewerkschaften, einen hohen Blutzoll im Kampf
gegen die Diktaturen bezahlt hatten, übertrafen sich in der
Radikalität ihrer Forderungen – und spalteten sich mehrmals.
Die gemäßigt linke Regierung von Präsident Siles Zuazo (UDP) stand
mit dem Rücken zur Wand. Der Absturz der Zinnpreise, damals
Boliviens wichtigstes Exportgut, gab ihr den Rest. Eine fünfstellige
Hyperinflation war die Folge und führte zum Rücktritt. Die erste
neoliberale Strukturanpassung (1985) nach den Vorgaben des IWF unter
demokratischen Verhältnissen (die in Chile erfolgte nach dem
Pinochet-Putsch vom 11. September 1973) wurde unter Nachfolger Víctor
Paz Estenssoro (MNR) eingeleitet, dem Wahlsieger Hugo Banzer das Amt
überlassen hatte, weil es gar zu frivol schien, dass der
dienstälteste Militärdiktator nur sieben
Jahre nach seinem Sturz demokratischer Präsident würde. Die Wahlen
vom 7. Mai 1989 gewann dann „Goni“ Sánchez de Lozada von der MNR
(25,7 Prozent) vor Hugo Banzers ADN (25,2 Prozent) und Jaime Paz
Zamora (MIR, 21,8 Prozent). Jaime Paz, der im Wahlkampf noch gesagt
hatte: „Von Banzer trennen uns Ströme von Blut“, schloß mit ihm
das 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      acuerdo
patriótico
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
und wurde Präsident. Nur ein Jahrzehnt nach seinem Sturz, war Banzer
Königsmacher im demokratischen Bolivien – 1997 wurde er dann
selbst zum Präsidenten gewählt. Der Beginn der 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      politiquería
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    ,
die letztlich zur Delegitimierung der Parteien und des politischen
Systems führte. Persönliche Ambitionen und Machtstreben bei
inhaltlicher Beliebigkeit führten zum Vertrauensverlust.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Die Revolution von 1952/53
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Warum
dieser historische Exkurs? Weil sich bereits hier die Geschichte
wiederholte! Bolivien musste seit seiner Unabhängigkeit 1825 mehr
Regierungen erdulden als Jahre ins Land gingen, hat mehr als 50
Prozent seines Territoriums verloren und war synonym für kurzlebige
Operettenregimes. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts
beherrschten drei Zinnbarone, Patiño,
Hochschild und Aramayo, die wirtschaftlichen und politischen
Geschicke des Landes. Es herrschten brutale Ausbeutungsverhältnisse,
doch mit dem technischen Fortschritt kamen auch neue Ideen aus
Europa: Im Jahr 1914 wurde eine Partido Socialista gegründet und mit
der Federación Obrera de Trabajo entstand 1926 ein erster Vorläufer
des Gewerkschaftsbundes COB, 1941 erfolgte die Gründung des
Movimiento Nacionalista Revolucionario (MNR). Die Demokratie war
nicht aufzuhalten. Die MNR gewann 1951 mit 43 Prozent die relative
Mehrheit, doch eine Militärjunta annullierte die Wahlen. Die
Revolution brach aus, in deren Zentrum die bewaffneten Milizen der
Bergarbeiter standen. Am 11. April 1952 handelte Revolutionsführer
Hernán Siles Zuazo mit General Torres einen Waffenstillstand aus.
Die Revolution hatte gesiegt!
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Diese
zweite lateinamerikanische Revolution nach der mexikanischen (1910)
und vor der kubanischen (1959) brachte das allgemeine Wahlrecht - 
auch für Frauen, Arme, Analphabeten und Indios - Partizipation für
70 Prozent der Bevölkerung, die bisher ausgeschlossen gewesen waren.
1955 folgte die verpflichtende, unentgeltliche Grundschule für alle.
Am 31. Oktober 1952 wurde der Bergbau verstaatlicht, am 2. August
1953 folgte eine Landreform. Beide Projekte blieben auf halbem Wege
stecken. Unter der Führung des Staatskonzerns COMIBOL wurde der
Bergbau zur Melkkuh für die Staatskasse. Modernisierungen wurden auf
die lange Bank geschoben. Die Landreform führte im kargen Hochland
zu unproduktiven Minifundien. Ins Tiefland reichte ihr Arm meist
nicht. Und mit ihrem individualistischen Slogan „das Land dem, der
es bebaut“, war sie nicht nur gegen den Großgrundbesitz gerichtet,
sondern auch gegen indigene Kollektivstrukturen. Angeführt wurde die
Revolution gleich von drei charismatischen Führern: Víctor Paz
Estenssoro, der Kopf aus dem Exil, wurde Präsident – und drei
Jahrzehnte später zum Exekutor der neoliberalen Reformen. Ihm zur
Seite standen der Revolutionsführer Hernán Siles Zuazo und Juan
Lechín, der federführend war bei der Gründung des
Gewerkschaftsbundes COB (17. April 1952); mit Ñuflo de Chávez und
Walter Guevara Arce waren es eigentlich sogar fünf. Die Erwartungen
waren hoch. Die Gewerkschaften bekamen Ministerposten (
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      co-gobierno
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    ),
es kam zu Meinungsverschiedenheiten – vor allem um die
Inflationsbekämpfung -, Streit, Spaltungen, wobei auch Washington
eine Hand im Spiel hatte. Das Ende vom Lied: Ab 1964 folgten 18
düstere Jahre zum Teil blutiger Militärdiktaturen. Der
Staatskapitalismus blieb dabei erhalten.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Revolution mit dem
Stimmzettel
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Unter neoliberalem Vorzeichen
gelang ab Mitte der 1980er Jahre eine makroökonomische
Stabilisierung bei hohen sozialen Kosten. Doch der wirtschaftliche
Motor wollte nicht anspringen. Ein nennenswertes Privatunternehmertum
gab es nicht. Privatisierungen in größerem Umfang erfolgten erst
ein knappes Jahrzehnt später – durch ausländisches Kapital. Dafür
wurde Bolivien nach der Überwindung der Militärdiktaturen zum
Hätschelkind und Vorzeigeland der internationalen
Entwicklungskooperation. Oft hatten deren Berater ihre Büros gleich
in den Ministerien. Um die Jahrtausendwende entsprach
„Entwicklungshilfe“ rund zehn Prozent des BIP. Bescheidene
Exporterlöse und nicht unerhebliche Einnahmen aus dem Kokaingeschäft
komplettierten das Modell. In der Drogenpolitik zeigte sich die
ausländische Einmischung am klarsten. Sie folgte dem Diktat
Washingtons. Im Widerstand gegen die Politik der Kokavernichtung
wurden Evo Morales und sein Movimiento al Socialismo groß – und
sie wurden zum Kristallisationskern für die Unzufriedenen im Land.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Fünf
Krisenfaktoren waren es, die schließlich zum Kollaps des Modells und
zum Erdrutschsieg der MAS bei den Wahlen vom Dezember 2005 führten:
1. Die sozio-ökonomische Krise. Bolivien war das ärmste Land
Südamerikas mit krassen sozialen Ungleichheiten. 2. Die
sozio-kulturelle Krise. Die indigene Bevölkerungsmehrheit fühlte
sich ausgegrenzt. 3. Das Ressourcentrauma. Das ressourcenreiche Land
fühlte sich als Bettler auf dem goldenen Thron; die Gewinne flossen
ins Ausland. 4. Die Souveränitätskrise. Man hatte das Gefühl, die
wichtigen Kursbestimmungen würden im Ausland vorgenommen, und in
Verbindung damit: 5. Die Legitimitätskrise von Parteien und
politischem System. Der 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      politiquería

    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    gehe
es nur um Posten und Pfründe, und ihre Kompetenz sei begrenzt.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Gegen
all das stand Morales wie kein Zweiter: Aufgrund seiner Herkunft,
seiner Karriere, seiner Programmatik. Getragen wurde er von den
starken sozialen Bewegungen. Die bolivianische Gesellschaft ist in
hohem Maße organisiert. Gewählt wurde er, weil er „einer von uns“
war. Noch klarer als der Wahlsieg von Morales' MAS mit 54 Prozent im
Dezember 2005 war der Abgesang der Altparteien. Nicht Partei wollte
die MAS sein, sondern politisches Instrument, und ihre Regierung eine
der sozialen Bewegungen. Eine Neugründung Boliviens hatte man sich
vorgenommen, eine Entkolonisierung im Rahmen eines 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      proceso
de cambio
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    .


  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Mit
der neuen Verfassung von 2009 wurde Bolivien zum Plurinationalen
Staat. Die Rechte der Indigenen wurden aufgewertet, ihre
Organisationsformen sollten gleichwertig sein. Die Rohstoffe gehören
nun dem Volk, verwaltet von der Regierung. Das Kokablatt wurde mit
Artikel 384 zum andinen Natur- und Kulturerbe. Und während die Welt
gebannt auf Bolivien schaute und fürchtete, nunmehr mit Kokain
überflutet zu werden, gelang es gerade unter einem Kokabauern, den
Anbau und das Drogengeschäft einzudämmen: Durch soziale Kontrolle,
nicht gegen, sondern durch die Bauern und ihre
Gewerkschaftsorganisationen. So konnten die Dauerkonflikte beendet
und die Gewalt aus dem Thema genommen werden.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Die
Nationalisierung der Erdöl- und Erdgasressourcen erfolgte
medienwirksam am 1. Mai 2006. Im Wesentlichen wurden die Gewinne neu
verteilt. Weniger für die ausländischen Investoren, mehr für die
Staatskasse. Die jährlichen Einnahmen stiegen von 247 Mio. US Dollar
auf 2,8 Mrd. Das Bruttoinlandsprodukt wuchs um 327 Prozent: Platz
eins beim Wirtschaftswachstum in Lateinamerika zusammen mit Uruguay.
Und Platz zwei hinter Peru für das einstige Armenhaus ohne Bonität
bei den Devisenreserven im Verhältnis zur Wirtschaftskraft.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Der
Ressourcenboom ermöglichte eine Sozial- und Umverteilungspolitik.
Ein Mindestlohn wurde eingeführt und eine Mindestrente – beide
mehrfach angehoben, ein konjunkturabhängiges 14. Jahresgehalt ab
einem Wirtschaftswachstum von vier
Prozent, ein Mutter- und Kind-Bonus sowie eine
Schuljahresabschlussprämie. Die Schulbesuchsquote liegt bei 98
Prozent, die durchschnittliche Lebenserwartung stieg von 64,4 (2004)
auf 71,2 Jahre (2018). Die extreme Armut im Land konnte von 38 auf 18
Prozent gesenkt werden; 1,7 Millionen Bolivianerinnen und Bolivianer
(rund 15 Prozent der Bevölkerung) stiegen aus der Unterschicht in
eine Kategorie „gefährdete Mittelschicht“ auf. Morales war damit
der erfolgreichste Präsident seit Langem. Er hat das Leben einer
großen Zahl von Bolivianerinnen und Bolivianern verbessert, für die
Vorgängerregierungen nur Missachtung, manchmal Verachtung übrig
hatten.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Sparguthaben
und Binnenkaufkraft wuchsen und federten erste Krisensymptome ab.
Denn bereits seit 2015 gibt es Defizite. Die Devisenreserven
schmelzen und liegen heute gerade noch bei einem Drittel ihres
Höchststandes von 2014. Das Erfolgsmodell beruhte auf
Extraktivismus, dem Export nicht erneuerbarer Rohstoffe, und war mit
dem Fall der Weltmarktpreise für Erdöl und Erdgas gefährdet. Ein
Strukturwandel fand nicht statt, eine Diversifizierung der Wirtschaft
höchstens ansatzweise. Die Einkommen stiegen. Doch nach wie vor sind
die meisten Arbeitsverhältnisse prekär. Gleichbleibend seit der
Jahrtausendwende sind 58 Prozent der arbeitenden Bevölkerung ganz
oder teilweise auf den informellen Sektor angewiesen. Frauenlöhne
liegen um 44 Prozent unter denen der Männer.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Aber
es war (noch) keine Wirtschaftskrise, die die politische Krise nach
den Wahlen vom Oktober 2019 auslöste. Es war politisches Versagen,
die Hybris der Macht: Einsame Entscheidungen, autoritäre Tendenzen,
Diskrepanzen zwischen Anspruch und Wirklichkeit (etwa in der Umwelt-
und Indígena-Politik)
und der Verlust der Mittelschichten, gerade auch der
Linksintellektuellen, durch zunehmend sterile und inhaltsleere
Diskurse. Neue Ideen suchte man vergeblich. Einigendes Band und quasi
einziges Thema der schwachen und fragmentierten Opposition war aber

    
                    &#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      F21
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
    
                    
    .
Bolivien hatte seit 2005 Jahre ungekannter demokratischer Stabilität
erlebt: Präsidentschaftswahlen, Wahlen zur Verfassunggebenden
Versammlung, ein Abwahlreferendum und das Referendum zur Annahme der
neuen Verfassung – die MAS hatte sie alle mit komfortablen
absoluten Mehrheiten gewonnen und verfügte über eine
Zweidrittelmehrheit in beiden Kammern des Parlaments. Doch am 
    
                    &#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      21.
Februar 2016
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
    
                    
    
entschied sich eine knappe Mehrheit im Referendum gegen eine Änderung
des Verfassungsparagraphen 168, der nur eine Wiederwahl des
Präsidenten in Folge erlaubt. Morales setzte sich über dieses Votum
hinweg und die Menschen sahen sich nun um das neue Demokratieerlebnis
betrogen, das er ihnen zuvor beschert hatte.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
So gelang es einer schwachen
und zersplitterten Rechten mit einem ansonsten inhaltsleeren
Anti-Morales/ Anti-MAS- und Wahlbetrugsdiskurs im November 2019 das
Ruder herumzureißen. Das konterrevolutionäre Abenteuer des
Kleinbürgertums scheiterte ein Jahr später an eigener Unfähigkeit.
Es fehlte die Führung durch „die Botschaft“; seit 2008 waren die
diplomatischen Beziehungen zu Washington gekappt und Präsident Trump
hatte – abgesehen von Kuba und Venezuela – kein Interesse an
Lateinamerika. Es zerschellte darüber hinaus an den wiedererstarkten
sozialen Bewegungen, die mit ihren Straßenblockaden im August die
Wahlen durchgesetzt hatten – und an den Wahlurnen.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Die
MAS hatte 2019 zwar noch eine deutliche Mehrheit errungen, aber
gegenüber den Wahlen 2014 14 Prozentpunkte verloren. Handelte es
sich dabei zum Teil um eine Abstrafung des „Evismo“, so war das
Votum vom November 2020 eines für die Demokratie und eine
ordentliche Regierung angesichts von Pandemie und Wirtschaftskrise.
Regional und sektorial
konnten Stimmen von der MAS  zurückgewonnen werden. Und es war ein
Votum für die Fortsetzung des 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      proceso
de cambio
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    .
      

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Neuanlauf:
Stabilität, Glaubwürdigkeit, Einheit
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Indes:
Fast 43 Prozent der Bolivianerinnen und Bolivianer haben für den
liberalkonservativen Carlos D. Mesa oder den Rechtsaußen Fernando
Camacho gestimmt. Einige demonstrierten nach dem Wahlerfolg der MAS
vor den Kasernentoren für eine Machtübernahme durch das Militär.
Die bolivianische Gesellschaft ist tief gespalten, es gibt Rassismus
und
Angst
vor einer „Venezolanisierung“.
Der
November 2019 hat gezeigt, dass die MAS-Regierung die
Sicherheitskräfte nicht unter Kontrolle hatte. Im Jahr 2005 konnte
die MAS Stimmen aus der Mittelschicht gewinnen, die sich ein Ende der
Dauerkonflikte erhofften und weil sie für Stärkung der nationalen
Souveränität stand. Auch heute könnte Stabilität ein einigendes
Band sein: Die Bewältigung der Pandemie und der Wirtschaftskrise.
Auf politischen Realismus wird es ankommen und auf Einheit. Beides
darf man von Präsident Arce erwarten, der bereits erklärt hat, nur
für diese eine Amtsperiode zur Verfügung zu stehen.
Pandemiebekämpfung, Stärkung der Binnenkaufkraft, Umschuldung von
Krediten und die Aufarbeitung der jüngsten Vergangenheit waren
bisher die Eckpunkte seiner kurzen Regierung. Kann es einen
Generationswechsel geben?
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Im
Hintergrund steht die Riege der erfahrenen, alten Funktionäre, die
noch gar nicht so alt sind und ambitioniert. Die MAS hat bei den
zurückliegenden Präsidentschaftswahlen
in 300 der 339 Gemeinden gewonnen. Das gibt Parteichef Morales
zusätzlich Macht. Die Parteibasis hatte auf eine Erneuerung
gedrungen: Keine alten Minister in der neuen Regierung. Bei der
Kandidatenaufstellung für die am 7. März angesetzten Departements-
und Gemeindewahlen hat die Basis in verschiedenen Departementen
„dedazos“ (Fingerzeige zur Kandidatenbestimmung von Oben)
zurückgewiesen. In seiner politischen Kernbasis, dem Kokaanbaugebiet
des Chapare, flogen Morales deshalb sogar „fuera, fuera“ (raus!)
– Rufe  entgegen und Plastiksessel um die Ohren.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
     Schon
jetzt führte der Fall der jungen Senatspräsidentin, Eva Copa, zu
einer Zerreißprobe innerhalb der MAS, zumindest in El Alto, der
zweitgrößten Stadt des Landes.  Die 34-jährige Mutter von zwei
Kindern war nach der Machtergreifung der „Interimsregierung“ an
die Spitze des Parlaments gekommen, nachdem praktisch die gesamte
Führung der MAS ins Exil geflohen oder inhaftiert worden war. Dort
hat sie unter schwierigsten Bedingungen das blaue Parteifähnlein
hoch gehalten und sich dabei immer wieder auch gegen Zurufe aus dem
Exil in Buenos Aires verwahrt. Präsident des neuen Senats wurde
nunmehr Andrónico Rodríguez, den Morales als Nachfolger hatte
aufbauen wollen. Nachdem ihr auch ein Spitzenplatz bei den
bevorstehenden Departements-
und Gemeindewahlen verwehrt wurde, schloss sich Eva Copa der Liste
„Jallalla“ des indigenen Morales-Widersachers Felipe Quispe („El
Mallku“) an, nicht ohne zu erklären, dass ihr Herz immer für die
MAS schlagen werde. Sie wurde ausgeschlossen und junge MAS-Anhänger
aus El Alto folgten ihr scharenweise. In Umfragen liegt sie bei 66,4
Prozent, der MAS-Kandidat bei 10,4. Immerhin hatte „El Mallku“
bei den zurückliegenden Präsidentschaftswahlen dazu aufgerufen, MAS
zu wählen – um der Einheit willen. Mit seinem unerwarteten Tod am
19. Januar könnte es sein, dass die ehrgeizige Eva Copa
„Jallalla“-Chefin wird und sich – noch nicht gleich, aber in
Zukunft – die Frage stellt: Eva statt Evo? 

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Andererseits ist die
politische Rechte heute noch zersplitterter als vor den
Präsidentschaftswahlen 2020. Das Parteiensystem ist schwach. Nur die
MAS verfügt ansatzweise über so etwas wie einen landesweiten
Parteiapparat. Ihn weiter zu festigen und zu verjüngen ist eine
historische Aufgabe. Auch innerhalb der sozialen Bewegungen streiten
Fraktionen nun oft handfest um Macht und Infrastrukturen, wie
Bürogebäude. Dem charismatischen Morales war es bisher weitgehend
gelungen, ihre Vielzahl unter einem Dach zu integrieren. In der
Vergangenheit hatte er laut darüber nachgedacht, ob er auf einer
Stufe mit Gandhi und Mandela in die Geschichtsbücher eingehen würde.
Als Parteichef und Architekt der Einheit böte sich heute eine
Gelegenheit zu einem Neuanlauf. Im Weg stehen kann er sich dabei vor
allem selbst. Wie wichtig Einheit ist und politischer Realismus –
nicht nur hier – zeigt die Geschichte der unvollendeten
bolivianischen Revolutionsprojekte.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
PS: ECKDATEN DER
WIRTSCHAFTSKRISE
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Zum 12. Jahrestag der Gründung
des Estado Plurinacional (seit Inkrafttreten der Verfassung im Januar
2009) beschrieb Präsident Luis Arce die schwierige wirtschaftliche
Situation, für die er nicht nur die COVID-19 Pandemie verantwortlich
machte, sondern auch „Fehlentscheidungen und die Abwesenheit einer
klaren, angemessenen und effektiven Wirtschaftspolitik der
Übergangsregierung“.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
„Wir haben die öffentlichen
Investitionen reaktiviert, haben die Binnenkaufkraft angekurbelt und
die Umverteilung der Einkommen wieder aufgenommen, um wieder die
Armut und den Hunger zu bekämpfen, wie auch die wirtschaftliche und
soziale Ungleichheit“, sagte Arce.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Nach seinen Angaben sei die
Wirtschaft im zweiten Trimester 2020 um 11 Prozent eingebrochen –
der schwerste Absturz seit 1953, wo es 9,5 Prozent Negativwachstum
gegeben hatte. Die öffentlichen Investitionen seien im Jahr 2020
(bis Oktober) um 66 Prozent geschrumpft, die Importe um 27, die
Exporte um 30 Prozent. Die urbane Arbeitslosigkeit sei von 4,8 auf 9
Prozent gestiegen, das öffentliche Defizit auf 12 Prozent des BIP
angewachsen, die Devisenreserven der Zentralbank von 6.830 Mio. USD
(2019) auf 5.778 Mio. USD (2020, Stand jeweils Oktober) weiter
geschmolzen.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;a href="http://www.la-razon/economia/2021/01/22/la-situacion-economica-del-pais-es-critica-no-sera-facil-de-enfrentarla-dice-arce/"&gt;&#xD;
      
                      
      www.la-razon/economia/2021/01/22/la-situacion-economica-del-pais-es-critica-no-sera-facil-de-enfrent...
    
                    &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
                    
    
(Aufruf: 22.1.21)
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
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      <pubDate>Sun, 31 Jan 2021 14:07:51 GMT</pubDate>
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    </item>
    <item>
      <title>Bolivien: Die Demokratie ist zurück</title>
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      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
                  
  ...und mit ihr die MAS mit ihrem proceso de cambio. Die Machtergreifung der Rechten wurde an den Wahlurnen zurückgewiesen.

                &#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/4e3a91da2fa849afa260009be23256a9/dms3rep/multi/DSC01206.JPG" alt="" title=""/&gt;&#xD;
  &lt;span&gt;&#xD;
  &lt;/span&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;!--StartFragment--&gt;    &lt;!--EndFragment--&gt;    &lt;!--StartFragment--&gt;    &lt;!--EndFragment--&gt;  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Das
hatten die Demoskopen nicht erwartet. Mit 55,1 Prozent der Stimmen
setzte sich das Kandidatenduo des Movimiento al Socialismo (MAS),
Luis Arce und David Choquehuanca, bei den Wahlen vom 18. Oktober 2020
bereits im ersten Wahlgang mit absoluter Mehrheit durch. Sie selbst
waren davon ähnlich überrascht wie seinerzeit beim Erdrutschsieg
vom Dezember 2005 (54%), mit dem Evo Morales erstmals zum Präsident
gewählt wurde. Bei einer Wahlbeteiligung von 88,4 Prozent inmitten
der Corona-Pandemie war dies ein überzeugendes Votum für die
Demokratie und die Fortführung des von der MAS getragenen Prozesses
des Wandels (
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      proceso
de cambio)
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    .
Der Zweitplatzierte, der liberalkonservative Carlos D. Mesa, errang
mit seiner 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Comunidad
Ciudadana 
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    28,8
Prozent, gefolgt vom radikalkatholischen Rechtsaußen Fernando
Camacho (
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Creemos
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    )
mit 14 Prozent.
    
                    &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Damit
endet auch das dubiose Interregnum von Jeanine Añez, die am 12.
November 2019 entgegen der verfassungsmäßigen Reihenfolge in den
alten Präsidentenpalast Palacio Quemado eingezogen war, nachdem
Präsident Evo Morales zwei Tage vorher unter dem Eindruck massiver
Proteste gegen angeblichen Wahlbetrug und unter dem Druck von Polizei
und Militär zunächst über Mexiko nach Argentinien ins Exil
gegangen war. Añez hatte bei der umstrittenen Wahl vom 20. Oktober
2019  gerade einmal 4 Prozent der Stimmen bekommen, Morales 47,8,
Mesa 36,8 und der Evangelikale Chi Hyun Chung 9 Prozent.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Beinharter
Machtkampf
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Viele
sprachen von einem Putsch. Von Anfang an hatten sich die alten Eliten
schwer getan mit der Machtübernahme durch die indigene und populäre
Bevölkerungsmehrheit. Das zeigte sich im Widerstand gegen die
Verfassunggebende Versammlung (Juli 2006 – Jänner 2009), die
schließlich aus Sicherheitsgründen in eine Militärkaserne vor den
Toren der Hauptstadt Sucre umziehen musste,  ebenso wie im
permanenten Widerstand der Tieflanddepartements mit
Separationsgelüsten und verfassungswidrigen Autonomieabstimmungen,
der im Zivilputsch vom September 2008 seinen Höhepunkt fand. Nun
nutzte man eklatante Fehler und Schwächen der MAS zur
Machtergreifung. Morales hatte das Votum einer Volksabstimmung vom
Februar 2016 missachtet und war entgegen Art. 168 der Verfassung
erneut angetreten. Schon vor der Wahl vom Oktober 2019 hatte es
Warnungen vor einem bevorstehenden Wahlbetrug beziehungsweise einem
Putsch gegeben, war es zu gewalttätigen Übergriffen gegen Wahlbüros
und Kundgebungen der MAS gekommen. Als am Wahlabend die
Schnellauszählung (nicht die amtliche!) bei einem für Mesa
unerwartet günstigen Zwischenstand angehalten wurde und die
regierungsnahe Presse am nächsten Tag den Sieg für die MAS
verkündete (ein amtliches Endergebnis lag erst Tage später vor),
sah sich die Opposition bestätigt. Eine Protestwelle nahm ihren
Lauf, die Büros der Wahlbehörde gingen in sechs der neun
Departements in Flammen auf und die ganze Auszählung endete im
Chaos. Die Wahlbeobachter der OAS monierten vorzeitig schwere
Unregelmäßigkeiten und heizten so die Stimmung weiter an.
Unabhängige Untersuchungen zweifelten später das Urteil der OAS
überhaupt an. Die Regierung reagierte wenig souverän, Morales wenig
staatsmännisch. Schließlich meuterte die aus dem Lager Camachos
bestochene Polizei und Morales verlor die Unterstützung des
Militärs. Eine Verkettung von Zufällen oder sorgfältige
Choreografie?
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Der
Machtergreifung folgte eine beispiellose Kampagne der Repression und
Einschüchterung. In Sacaba und Senkata wurden Proteste von Polizei
und Armee zusammengeschossen: 26 Tote und hunderte Verletzte blieben
zurück. Innen- und Verteidigungsminister der „Interimsregierung“
behaupteten, die Sicherheitskräfte hätten „nicht einen Schuss
abgegeben“, die Protestierenden hätten sich gewissermaßen
gegenseitig erschossen. Polizei und Militärs genossen durch ein am
14. November eigens erlassenes Dekret No. 4078 Straffreiheit. Die
Massaker von Sacaba und Senkata werden erst jetzt unabhängig
untersucht. MAS-Angehörige und Sympathisanten wurden systematisch
verfolgt und eingeschüchtert, die Justiz als politisches
Kampfinstrument missbraucht. Gegen MAS-Funktionäre wurden hunderte
Verfahren angestrengt. Den angesehenen früheren Wirtschafts- und
Finanzminister und heutigen Präsidenten Luis Arce hatte man zur
dringend notwendigen Nachbehandlung seiner Krebserkrankung erst nicht
ausreisen lassen wollen. Als er dann als designierter
Präsidentschaftskandidat zurückkam, wurde er noch vor der Pass- und
Zollkontrolle mit einer Gerichtsvorladung konfrontiert. 

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;a&gt;&#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
                    
    
Auch
der Geschäftsführer des Vorzeigeunternehmens „Mi Teleférico“,
das mit der österreichischen Firma Doppelmeier zusammenarbeitet,
klagte, er wisse nun was politische Verfolgung sei und verließ das
Land. Seinen Posten übernahm ein Widersacher aus der Stadtverwaltung
von La Paz. Neben politischen steckten oft handfeste materielle
Motive dahinter. Der öffentliche Sektor wurde filetiert, der Chef
der staatlichen Fluggesellschaft BOA vom Geschäftsführer der
privaten Konkurrenzlinie AMAZONAS abgelöst. Die Korruption, die
schon immer eine Rolle gespielt hatte, erlebte wahre Höhenflüge.
Der neue Geschäftsführer der Telefongesellschaft ENTEL, ein Freund
Camachos, setzte sich nach nur 82 Tagen unter Veruntreuungsvorwürfen
ins Ausland ab – und wurde bei der Einreise in die USA wegen
illegaler Einfuhr großer Mengen von Bargeld festgenommen. Dann kam
Corona. In den vergangenen anderthalb Jahrzehnten war viel im Bereich
der Basisgesundheit geleistet worden, wie es sich für ein armes Land
gehört. Doch auf eine solche Pandemie war man unvorbereitet. 700
kubanische Ärzte waren nach der Machtergreifung mit Schimpf und
Schande des Landes verwiesen worden. Dass nun im großen Stil
Beatmungsgeräte eingekauft wurden, die nicht nur völlig überteuert
waren, sondern auch nicht funktionstüchtig, empörte auch viele, die
von Morales enttäuscht waren und der „Interimsregierung“ bislang
noch die Stange gehalten hatten. Die internationale Diplomatie hat
sich – bis auf wenige Ausnahmen – mit ihrer Indifferenz gegenüber
diesen Vorgängen nicht mit Ruhm bekleckert.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    „
    
                    &#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Frau
A
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      ñ
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      ez'
neue Kleider“
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Dass
Frau Añez
im Januar bekannt gab, selbst für die Präsidentschaft kandidieren
zu wollen, zerstörte das Image einer „Interimsregierung“, die
behauptete, nur Sicherheit und Demokratie wiederherstellen wollen,
und spaltete die politische Rechte. Deren desolater Zustand hatte
sich vorher schon gezeigt, als der Rechtsaußen Camacho und sein
Sozius Marco Antonio Pumari von den „Zivilkomitees“ von Santa
Cruz bzw. Potosí sich unter heftigen gegenseitigen
Korruptionsvorwürfen öffentlich zerstritten und dann wieder
versöhnten. Eine wiederholte  Verschiebung des Wahltermins war nun
auch mit dem Hinweis auf Corona unglaubwürdig geworden. Die sozialen
Bewegungen mit dem Gewerkschaftsbund COB an der Spitze organisierten
im August landesweite Straßenblockaden und wurden aus dem Exil in
Buenos Aires noch einmal zurückgepfiffen, sonst wäre Añez
möglicherweise bereits da gestürzt oder bürgerkriegsähnliche
Situationen entstanden. Das Machtergreifungsprojekt der „Rechten“
war da eigentlich schon gescheitert.
Jedenfalls machten die Augustaktionen der sozialen Bewegungen den Weg
zu den Wahlen vom 20. Oktober frei.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Das
Votum von 55,1 Prozent ist angesichts des Klimas von Repression und
Einschüchterung umso höher zu bewerten. Und es stützt die
Putschthese: Auch beim Stopp der Schnellauszählung mit 45 Prozent
Stimmanteilen der MAS am Wahlabend 2019 wäre durchaus noch eine
absolute Mehrheit denkbar gewesen, weil Stimmen aus den ländlichen
und weit entfernten MAS-Hochburgen erfahrungsgemäß später
eintreffen. Aus heutiger Sicht ist der Wahlsieg der MAS vor allem ein
Votum für Stabilität und Sicherheit. Der MAS ist es gelungen, ihre
Kernwählerschaft aus populären Sektoren und indigener
Bevölkerungsmehrheit zu mobilisieren. Darüber hinaus: Knapp die
Hälfte der Wahlberechtigten ist 35 oder jünger. In ihrer politisch
bewussten Lebenszeit haben sie nichts anderes gekannt als eine
Regierung „Evo“. Deren Fehler und Versäumnisse wogen insofern
doppelt schwer. An das Chaos der vorherigen „Politiquería“
werden sie sich kaum erinnern. Mit der „Interimsregierung“
bekamen sie nun ein Jahr lang eine geballte Kostprobe davon: 
Korruption, Repression, Selbstprivilegierung, eine Wirtschaft auf
Pump und in freiem Fall – plus Coronakrise mit 8.889 Toten (Stand:
20.11.). 

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Große
Herausforderungen
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Gleichwohl
sind die Herausforderungen groß: Eine überfällige Umstrukturierung
der exportorientierten Wirtschaft ist heute viel schwieriger. Die
Devisenreserven schmelzen schon seit 2015. Zudem hat die
„Interimsregierung“
in großem Stil Kredite aufgenommen, die zurückgezahlt werden
müssen. Die Pandemie dauert an. Die Gesellschaft ist entlang
sozialer, aber auch rassistischer Trennlinien gespalten. Mehr als
einmal hatte Añez versprochen, eine Rückkehr „der Wilden“ an
die Regierung zu verhindern. Es war 2019 weniger eine
Konterrevolution der Großgrundbesitzer und der Bourgeoisie (die es
ohnehin kaum gibt). Es war vielmehr die Revolte eines
Kleinbürgertums, das um seine Privilegien fürchtete. Auch an der
Basis der Gemeinden und in den sozialen Bewegungen wurden
Bürgermeister und 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      dirigentes

    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    vertrieben
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      .

    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    Im
März stehen Gemeindewahlen an. Und man sagt, Arce hätte 142
Ministerposten gebraucht, um alle Begehrlichkeiten aus den sozialen
Bewegungen zu befriedigen.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    In
diesem Zusammenhang gilt es auch, eine Spaltung der MAS zu
verhindern. Der charismatische Morales konnte die 36 verschiedenen
Völker und die Vielzahl von sozialen Bewegungen unter einen Hut
bringen. Gleichzeitig ist er aber für viele zur Reizfigur geworden.
Nicht nur aus der Mittelschicht. Auch die sozialen Bewegungen haben
sich mehrheitlich gegen eine Präsenz der alten Minister in der neuen
Regierung ausgesprochen. Andererseits wurde das Kandidatenduo Luis
Arce und David Choquehuanca (Vize) von Wahlkampfleiter Morales im
Exil in Buenos Aires bestimmt. Die Basis hätte Choquehuanca als
Präsident bevorzugt. Und auch wenn das Wahlergebnis zeigt, dass dies
wohl ein kluger Schachzug war. Ob das Gespann aus dem „Technokraten“
Arce und dem „Indígena“ Choquehuanca Partei und Gesellschaft
zusammenhalten kann, muss die Zukunft zeigen. Auf die Expertise von
anderthalb Jahrzehnten Regierungserfahrung zu verzichten, wäre
unklug. Nur die MAS hat das zu bieten. Diese in den Dienst der neuen
Regierung und der Parteiorganisation zu stellen, ohne sich in den
Vordergrund zu spielen, ist aber eine Herausforderung für die alte
Garde.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Insgesamt
gilt es, Fehler und Irrtümer der Vergangenheit zu korrigieren. Die
MAS und ihr 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      proceso
de cambio
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
hatten Kratzer bekommen und waren verblasst. Wahlsiege mit mehr als
60 Prozent der Stimmen (2009 und 2014) liegen lange zurück. Ein
kontinuierlicher Niedergang in Ansehen und Wählergunst lässt sich
nicht leugnen. Im Parlament hat die MAS die Zweidrittelmehrheit
verloren, aber die einfache Mehrheit in beiden Kammern behalten.
Aktuell läuft nun die Opposition Sturm dagegen, dass die MAS auf der
letzten Parlamentssitzung der alten Legislaturperiode noch
beschlossen hat, dass für die Nominierung von Botschaftern und hohen
Sicherheitsposten künftig die einfache Mehrheit ausreicht. Das mag
uncharmant sein, aber legal. Dass die „Interimsregierung“
seinerzeit die ordnungsgemäß von Regierung und Senat bestimmten
Botschafter ohne jeden Parlamentsbeschluss aus dem Amt gejagt hat und
noch kurz vor dem Amtswechsel einen Botschafter von Juan Guaidó in
Bolivien akkredidierte, ist ihr in ihrer Larmoyanz scheinbar nicht
mehr erinnerlich. Trotzdem: Das Wahlergebnis in eine Hegemonie in
Gesellschaft und Staat umzusetzen ohne in Triumphalismus und Rache zu
verfallen, wird nach allem was geschehen ist eine große
Herausforderung sein.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
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      <pubDate>Sun, 22 Nov 2020 17:14:47 GMT</pubDate>
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    </item>
    <item>
      <title>75 Jahre Vereinte Nationen</title>
      <link>https://www.robert-lessmann.com/75-jahre-vereinte-nationenb8bbf61d</link>
      <description />
      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
                  
  Multilateralismus in der Zerreißprobe

                &#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/4e3a91da2fa849afa260009be23256a9/dms3rep/multi/fee21a64f6914108bd75e7abf59009a4.jpg" alt="" title=""/&gt;&#xD;
  &lt;span&gt;&#xD;
  &lt;/span&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    „Wir
können untergehen. Aber wir werden eine Welt mitnehmen“, sagte
Adolf Hitler im Dezember 1944. Am 8. Mai 1945 war es so weit. Die
Gewalt- und Schreckensherrschaft der Nazis war untergegangen: 65
Millionen Tote blieben auf den Schlachtfeldern, in den
Konzentrationslagern und den zerbombten Städten zurück. Die Welt
blieb bestehen - wenngleich die Atombomben von Hiroshima und Nagasaki
die modernen Zerstörungspotenziale im August 1945 noch einmal
drastisch vor Augen führten. Eine neue Weltordnung entstand, mit den
Siegermächten – allen voran den USA – im Zentrum. Eine
Friedensordnung sollte es sein: Vereinte Nationen.
    
                    &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Als
die UN Charta am 24. Oktober 1945 in Kraft trat, waren es 51
Gründungsmitglieder. „Die Ziele der Vereinten Nationen sind die
Erhaltung des Weltfriedens und die internationale Sicherheit, die
freundschaftliche Zusammenarbeit der Mitglieder sowie der Schutz der
Menschenrechte,“ heißt es dort. Im Jahr 1948 folgte die Allgemeine
Erklärung der Menschenrechte – ein Meilenstein. Vor 50 Jahren, im
März 1970,  trat der Atomwaffensperrvertrag in Kraft. Über seine
Einhaltung wacht unter anderem die in Wien ansässige Internationale
Atomenergiebehörde (IAEA). Ebenfalls in der Wiener UNO-City hat die
CTBTO ihren Sitz, die über die Einhaltung des nuklearen
Teststoppabkommens von 1963 wacht. Beides vergeblich, könnte man
sagen, denn weiterhin beschafften sich Staaten die Bombe. Aktuell
stehen der Iran und Nordkorea im Verdacht. Und weiterhin gibt es
Atomtests. Doch von insgesamt 2.056 fand im neuen Jahrtausend nurmehr
eine Handvoll statt; allein 1962 waren es noch 140 gewesen. Seit 1945
hat es so viele Kriege gegeben wie nie zuvor, vor allem im globalen
Süden. Friedenserhaltende Missionen (aktuell sind es 14) gehören zu
den wichtigsten UNO-Engagements. Nicht immer sind sie glücklich
verlaufen. Beim Massaker von Srebrenica (1995) haben Blauhelme nur
zugesehen. Einen Atomkrieg oder einen 3. Weltkrieg gab es aber nicht.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Ist
das Glas also halbleer oder halbvoll? Das könnte man im Hinblick auf
die UN fast in allen Bereichen fragen. Mit wachsendem
Problembewusstsein und der Einsicht in den globalen Charakter vieler
Probleme, ist auch die Zahl der UN Unterorganisationen und ihrer
Tätigkeitsfelder bis zur Unübersichtlichkeit angewachsen. 193
Mitgliedsstaaten sind es heute, die 7,5 Milliarden Menschen
beherbergen. In der Generalversammlung gilt das Prinzip: ein Land,
eine Stimme - ob Demokratie oder Diktatur. Und zwar für den
pazifischen Inselstaat Nauru mit seinen 10.000 Einwohnern ebenso wie
für Österreich mit 8,8 Millionen oder die VR China mit 1,39
Milliarden. Das ist nicht unproblematisch. Beschlüsse sind nicht
bindend und viele bleiben symbolisch. So verurteilt die
Generalversammlung seit Jahrzehnten ebenso regelmäßig wie folgenlos
das US Embargo gegen Kuba mit jeweils nur einer Handvoll
Gegenstimmen. In den Sonderorganisationen Weltbank und IWF ist das
Stimmrecht an Einlagen gekoppelt wie in einer Aktiengesellschaft, was
noch problematischer ist: Wer zahlt, bestimmt! Und im Sicherheitsrat
haben die fünf ständigen Mitglieder ein Vetorecht, was regelmäßig
zu Selbstblockaden führt. Fast alle Syrien-Resolutionen scheiterten
am Veto Rußlands und Chinas. Weitgehend unbemerkt bleibt aber, dass
die meisten Resolutionen dort im Konsens verabschiedet werden.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      UNO
unter Druck
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Die
USA (22 Prozent), China (12), Japan (8,5) und die Bundesrepublik
Deutschland (6) finanzieren zusammen 49 Prozent des UN-Budgets. Immer
mehr Staaten ziehen sich aus ihrer finanziellen Verantwortung zurück.
Stiftungen und Unternehmen  - und damit auch deren Interessen -
gewinnen an Gewicht. Zweitwichtigster Geldgeber der WHO im Zeitraum
2018/19 war mit 367,2 Millionen USD nach den USA die Bill &amp;amp;
Melinda Gates Foundation. Beim Flüchtlingshilfswerk UNHCR steht auf
Platz neun der Geberliste ein spanisches Privatunternehmen.
    
                    &#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
    
                    
    Ein
noch unter Generalsekretär Kofi Annan (1997-2006) eingesetztes Panel
zur stärkeren Beteiligung der Zivilgesellschaft stieß dagegen auf
begrenztes Interesse der Mitgliedsstaaten. Faktisch finden NGOs heute
aber viel mehr Gehör als früher. War es noch vor zwei Jahrzehnten
schier unmöglich, einem Vertreter der bolivianischen Kokabauern drei
Minuten Redezeit auf der alljährlich in Wien stattfindenden UN
Commission on Narcotic Drugs zu verschaffen (ein Jahrzehnt später
kam er als gewählter Präsident seines Landes wieder), so finden
heutzutage auf der Commission Dutzende sogenannter Side Events zu
spezifischen Themen statt, die von NGOs oder von NGOs zusammen mit
Regierungen organisiert werden. Neben der UN-Bürokratie waren es vor
allem einige europäische Staaten, die sich für die Mitsprache von
NGOs offen zeigten.
    
                    &#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
    
                    
    Daneben
hat die Vernetzung und Zusammenarbeit verschiedener UNO
Unterorganisationen zugenommen. In der Drogendebatte reden heute
neben dem UNODC und der WHO etwa auch der Menschenrechtsrat oder
UNAIDS mit. Zudem haben UN-Bürokraten, die oft seit vielen Jahren zu
ihren Themen arbeiten, ein großes Maß an Expertise angesammelt, was
ihnen mitunter einen deutlichen  Kompetenzvorsprung vor den
nationalen Entscheidungsträgern verschafft. Bei günstiger
politischer Konjunktur werden sie zunehmend gehört – und UN
Berichte sind auch in der wissenschaftlichen Fachwelt sehr geschätzt.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    „Die
UNO ist ein Instrument zur Verbreitung des Kommunismus“, sagte der
Schweizer Rechtspopulist Christoph Blocher, als er den Beitritt der
Eidgenossen Mitte der 80er Jahre ablehnte; erst im Jahr 2002 stimmte
eine Mehrheit der SchweizerInnen für den Beitritt.
    
                    &#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
    
                    
    Mit
dem Ende des Kalten Krieges wurde die Welt multipolarer und
Washington verlor zunehmend das Interesse an den Vereinten Nationen.
Bereits unter Präsident Clinton traten die USA 1994 aus der Kultur-
und Wissenschaftsorganisation UNESCO aus. Mit dem
Helms-Biden-Abkommen senkte man 1997 die Beitragszahlungen, die seit
vielen Jahren verzögert erfolgen. Bei einem regulären
UNO-Gesamtbudget von 5.8 Milliarden USD (mit Sonderprogrammen sind es
47,8) hat Washington dort 3,5 Milliarden Beitragsschulden
angesammelt. 2017 verließen die USA das Pariser Klimaschutzabkommen.
Den Flüchtlingspakt (2018) haben sie nicht unterschrieben. Zuletzt
trat Washington inmitten der Corona-Pandemie aus der WHO aus. Mit dem
Vormarsch autokratisch regierter Staaten nahm auch die Zahl der
Skeptiker und Verächter des Multilateralismus zu. Der philippinische
Präsident Rodrigo Duterte missachtet offen und systematisch
internationale Menschenrechtsstandards. Bürokratisierung und
Intransparenz liefern ihnen Argumente.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    In
Corona-Zeiten ist die WHO für viele arme Länder die wichtigste
Quelle für Informationen, Beratung und Hilfe. Gleichzeitig steht sie
im Kreuzfeuer der Kritik: Sie habe zu spät gewarnt, sei China-lastig
oder Bill Gates-hörig. Spätes Handeln und Vernachlässigung des
Südens hatte man ihr auch bei der Ebola-Epidemie in Afrika 2014/15
vorgeworfen. Vorangegangen war damals eine Budgetkürzung um 25
Prozent. Die WHO-Notfallabteilung war drastisch verkleinert worden;
in Afrika waren noch ganze drei Notfallberater übrig geblieben. Bei
der Vogelgrippe 2009 wiederum, war der WHO vorgeworfen worden, sie
habe im Interesse der Pharmakonzerne zu früh gewarnt. Österreich
hatte zu viele Schutzmasken eingekauft, woraus sogar ein
Korruptionsfall wurde.  Aktuell zeigt sich: Die meisten Covid 19 - Opfer gibt es
dort, wo die Politik die Warnungen zu lange ignoriert hat: USA,
Großbritannien, Brasilien beklagen zusammen fast die Hälfte der
Todesopfer. 

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    „Wenn
das UNO-Gebäude in New York zehn Stöcke verlöre, würde das nicht
den geringsten Unterschied machen“, meinte John Bolton, 2005/2006
US-Botschafter dort und später Sicherheitsberater von Präsident
Trump.
    
                    &#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
    
                    
    Ein
eben angelaufener Reformprozess soll für mehr Effizienz sorgen. Die
UNO soll in Zukunft weniger Staatenorganisation und mehr
Dienstleister an den Menschen sein. „Das Ziel der Reform sind
Vereinte Nationen, die sich im 21. Jahrhundert mehr auf Menschen als
auf Prozesse, mehr auf Handlungen als auf Bürokratie fokussieren.“,
sagt Generalsekretär António Guterres. Den Klimaschutz hat er als
Jahrhundertthema erkannt. Mehrfach bot er der Fridays-for-Future
Bewegung eine prominente Bühne.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    War
es anfangs der Frieden, so wurden Entwicklung und Zusammenarbeit
zunehmend wichtiger. Die stärkere Vernetzung der einzelnen
Unterorganisationen hat auch mit der Definition übergeordneter Ziele
zu tun, die alle anstreben: Die acht Millenniums-Entwicklungsziele
(2000-2015), die Armutsbekämpfung in Entwicklungsländern in den
Fokus rückten, und die 17 Nachhaltigen Entwicklungsziele (SDG oder
Agenda 2030) seit 2015.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    „Die
UNO wurde nicht gegründet, um uns den Himmel zu bringen, sondern um
uns vor der Hölle zu bewahren,“ meinte einst Winston Churchill.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Bei
allen Defiziten: Gäbe es sie nicht, müsste man die Vereinten
Nationen erfinden.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    unric.org/de/17ziele
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    unric.org/de/das
un-system
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <enclosure url="https://cdn.website-editor.net/4e3a91da2fa849afa260009be23256a9/dms3rep/multi/fee21a64f6914108bd75e7abf59009a4.jpg" length="37298" type="image/jpeg" />
      <pubDate>Wed, 15 Jul 2020 13:15:23 GMT</pubDate>
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        <media:description>thumbnail</media:description>
      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Der "liebe Peter"* ist überall</title>
      <link>https://www.robert-lessmann.com/der-liebe-peter-ist-ueberall49fb9c10</link>
      <description />
      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
                  
  Corona in Lateinamerika und der Welt

                &#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/4e3a91da2fa849afa260009be23256a9/dms3rep/multi/Pangolin.jpg" alt="" title=""/&gt;&#xD;
  &lt;span&gt;&#xD;
  &lt;/span&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Die
Welt ist im Ausnahmezustand. Ein großer Teil der Erdbevölkerung
steht unter „Hausarrest“, um die Verbreitung eines Virus
einzudämmen, das man noch nicht gut kennt und gegen das man kein
Mittel hat. Fast
drei Millionen bekannte
Infizierte, mehr
als 200.000
Todesopfer (Stand 26.4.).
Die Dunkelziffer ist vermutlich hoch.
    
                    &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Das
Virus unterscheidet nicht. Und doch trifft es (wie immer) jene am
heftigsten, die am wenigsten dafür können, die Ärmsten und
Schwächsten – im Süden wie im Norden. Die Gründe dafür sind
politisch. Das zeigt das Epidemiegeschehen wie in einem Brennglas. Noch
ist kein Ende abzusehen, sind die Zahlen und Erkenntnisse vorläufig,
sind die Dunkelziffern hoch, besonders im Süden. Eine erste
Zwischenbilanz zeigt: Das „alte Europa“ (US-Verteidigungsminister
Donald Rumsfeld, anno 2003) hat die Krise bisher ganz gut gemeistert.
Italien und Spanien wurden von der Pandemie überrascht. Andere
hatten mehr Zeit, Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Die höchsten
Opferzahlen gibt
es in
Ländern, die früh betroffen waren, die stark in den globalen
Personenverkehr eingebunden sind, in Ballungsräumen sowie in
Ländern, deren Gesundheits- und Sozialsystem mangelhaft bis
ungenügend ist 
    
                    &#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      und
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
    
                    
    
deren Machthaber der Krise intellektuell und/oder charakterlich nicht
gewachsen sind. Die
liegen nicht unbedingt in der Dritten Welt. Ein Viertel aller
Corona-Todesopfer weltweit ist in den USA zu beklagen, mehr als 10 Prozent in
Großbritannien; zwei Drittel aller Covid-Toten Lateinamerikas
starben in Jair Bolsonaros Brasilien.
    
                    &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Die
Welt ist im Ausnahmezustand und im Verordnungsmodus. Auch in
Österreich: Zwischen Verschleierungsverbot und Maskenzwang liegen
nur zweieinhalb Jahre. Die Bürger nehmen es hin, die Parlamente
schweigen, folgen epidemiologischen Geboten. Zu unbekannt und
tückisch ist die Krankheit, zu verheerend sind die Opferzahlen,
besonders dort, wo man sich nicht vorbereiten konnte – oder wollte.
 Die normative Kraft des Faktischen. Wer möchte schon als „lieber
Peter“ dastehen. Aber: Was kommt als nächstes?  Masken, so hieß
es noch vor vier Wochen (als noch keine erhältlich waren), seien
nutzlos bis kontraproduktiv. Würden wir es auch hinnehmen, wenn sich
morgen eine Auffassung durchsetzte, wonach Dunkelhäutige oder
Grünäugige oder Träger der Blutgruppe xy besonders virulent und
daher temporär zu isolieren seien? 

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    „
    
                    &#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      ...aber
wo bitte ist Greta?
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Als
ich an diesem Beitrag zu arbeiten begann, beging die UNO gerade den „Tag der Mutter
Erde“ (22.4.), der auf bolivianische Initiative (eigentlich war es
primär der damalige bolivianische UNO-Botschafter Pablo Solón)
eingerichtet wurde: Die aktuelle Krise sei ein letzter Weckruf. Die
Biodiversität nehme rapide ab, der Klimawandel treibe auf einen
unumkehrbaren Punkt zu. Vor wenigen Jahren hätte man diese Aussagen
leicht einem überspannten Ökosozialisten zugeschrieben. Heute
stammen sie von UNO-Generalsekretär António Guterres. Er ruft zu
mehr internationaler Zusammenarbeit auf. Nur wenige Tage nachdem
Donald Trump inmitten der größten globalen Gesundheitskrise der
Weltgesundheitsorganisation WHO den Geldhahn zugedreht hat, weil er
unermüdlich neue Sündenböcke präsentieren muss, um von der
eigenen Ignoranz und jahrzehntelangen Versäumnissen seiner Partei
abzulenken.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Gleichzeitig
steuern wir auf den nächsten Sommer der Hitzerekorde und der
Trockenheit zu. In Deutschland brennen schon jetzt (Mitte April) die
ersten Wälder. Ernteausfälle sind zu befürchten. Wird der „liebe Peter“ auch noch schweigen, wenn
die Regierung das Trinkwasser rationiert? Die UNO-Klimakonferenz
wurde wegen der Coronakrise abgesagt. Viele fragen sich ohnehin,
worin der Nutzen solcher Zusammenkünfte besteht, auf denen ungenügende Ziele vereinbart und dann doch nicht eingehalten
werden. Aber was ist die Alternative?
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Im
Automobilland Deutschland wird für das „Wiederhochfahren“ der
Wirtschaft nach der Coronakrise tatsächlich eine Neuwagenprämie
vorgeschlagen. Die desaströse Braunkohleverstromung soll dort bis
2038 weiter gehen, wegen der Arbeitsplätze; in Österreich endete
sie erst heuer. Der „liebe Peter“ lässt grüßen.
Reglementierungen der wirtschaftlichen Entfaltungsmöglichkeiten
verabscheut er oder hält sie zumindest für kleinlich. Wie lange
können und wollen wir uns den „lieben Peter“ in uns allen noch
leisten?
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Kriminelle Strukturen
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
 Arbeitnehmerschutz?
Lästig. Artenschutzabkommen? Peanuts! Die Suche nach der Quelle der
Pandemie bringt wilde Verschwörungstheorien hervor und die
Weltmächte gegeneinander auf. Ein geheimes Labor? Hauptverdächtig
sind vielmehr chinesische Lebendtiermärkte und das Pangolin, ein
putziges kleines Schuppentier, das als Überträger von der
Fledermaus zum Menschen fungiert haben soll. Der Sprung nach Europa
und in die Welt hinaus könnte über Wanderarbeiter erfolgt sein, die
nach dem chinesischen  Neujahrsfest (25.1.) zurück an ihre
Arbeitsstätten in Italien gereist sind. Pino Arlacchi („Schiavi“)
und Roberto Saviano („Gomorra“) schrieben schon vor mehr als
einem Jahrzehnt über sklavenähnliche Arbeitsverhältnisse und Unterkünfte,
Produktfälschung, Steuerbetrug und Missachtung von Umweltauflagen in
sino-italienischen Mafia-Textilbetrieben; Gewerkschafter kämpften
dagegen. Ob es tatsächlich so war? Vieles spricht dafür. Jedenfalls
findet spätestens an dieser Stelle die Metapher vom „lieben Peter“
aus der europäischen Viren-Drehscheibe in Tirol ihre Grenzen, denn
wir verlassen den Bereich der gedankenlosen bis groben Fahrlässigkeiten und wenden uns der organisierten Kriminalität zu.
Dass der Textilmafia in der Lombardei und im toskanischen Prato nicht
längst das Handwerk gelegt wurde, ist ein europäischer Skandal auch
jenseits von Corona und Zeichen dafür, wie weit Mafiaverbindungen
reichen. Die
von der Pandemie gebeutelte, große europäische Kulturnation beklagt
sich zurecht, dass Nachbarschaftshilfe erst viel zu spät einsetzte. Apropos: Was macht eigentlich derzeit Frau von der Leyen beruflich? Es waren dann Russland und China, die beisprangen. Italien verdient jede
mögliche Hilfe. Indes: Pauschale Blankoschecks auch an (mögliche
zukünftige) Regierungen und Behörden, die durch Tun oder
Unterlassen mit der Mafia im Bunde sind, können keinem Steuerzahler
zugemutet werden.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Das
putzige Pangolin ist vom Aussterben bedroht; es ist durch die UN
Convention on  International Trade in Endagered Species of Wild Fauna
and Flora aus dem Jahr 1975 geschützt. Die VR China ist ihr 1981 beigetreten. Dass es in chinesischen und vietnamesischen
Feinschmecker-Restaurants als teuere Delikatesse auf den Tisch kommt
ist so verboten wie sein Weg über die dortigen Wetmarkets.
Was nicht verbotenerweise im eigenen Land erjagt oder gefangen wird,
kommt überwiegend aus Indonesien und Afrika. Das Pangolin ist
das meistgeschmuggelte Säugetier. Laut dem Büro für Drogen- und
Verbrechensbekämpfung der Vereinten Nationen dürfte das Volumen des
illegalen Handels in den letzten Jahren im Bereich von Millionen tiefgefrorener (in den Gourmetrestaurants bevorzugt man freilich
lebende) Tiere liegen. Die internationalen Routen und Organisationen
sind dieselben wie für Elfenbein und Nashorn. Während die Führung
in Peking im Ruf steht, die eigene Bevölkerung lückenlos zu
überwachen, kann sie ein Artenschutzabkommen nicht umsetzen und
ihre Gesetze nicht vollziehen? Als die Welle der Infektionen in der
Stadt Wuhan anrollte, wurde totgeschwiegen, dementiert, vertuscht – wurden frühe Warner, wie der inzwischen selbst an COVID-19 verstorbene Arzt Dr. Li
Wenliang, gnadenlos verfolgt. War es Scham über diese Relikte von
Jäger- und Sammler-Kultur in einer hochmodernen, dynamischen und
globalisierten Gesellschaft? Was passieren kann, wenn beide
zusammentreffen, erleben wir nun gerade im Weltmaßstab. Wollte man
eine Panik vermeiden? Wollte man sich vielleicht gar einen
Vorsprung verschaffen, beim Wettlauf um einen milliardenschweren
Impfstoff? Oder war es einfach nur die Schwerfälligkeit einer von Kotau und Repression gehemmten Bürokratie? Die chinesische Führung hat hier ein
Glaubwürdigkeitsproblem und trägt eine riesige Verantwortung. Und:
Artenschutz ist eben keine Lappalie. Mediziner hatten seit vielen
Jahren vor der Möglichkeit einer solchen Pandemie gewarnt.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
     Ein
jüngeres Beispiel war das Arena-Virus in Bolivien im letzten Jahr.
Es wurde wohl von Waldratten übertragen und forderte einige
Todesopfer, darunter die beiden behandelnden Ärzte Ximena Cuéllar
und Gustavo Vidales. Auch dort wurde der Regierung spätes Handeln
vorgeworfen. Freilich ist Bolivien keine Hightech-Supermacht, sondern
das Armenhaus Südamerikas. Und die Sache ging relativ glimpflich
aus, denn es handelte sich nicht um eine Millionenstadt, sondern um
ein abgelegenes Nest namens Caranavi am Fuße der Andenkette. 
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;!--StartFragment--&gt;  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Zum Beispiel Bolivien
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
 Um
nach Caranavi zu gelangen, fährt man vom bolivianischen
Regierungssitz La Paz über den 4.670 Meter hohen Pass „La Cumbre“
und dreieinhalbtausend Höhenmeter steil hinunter auf einer der
abenteuerlichsten Straßen der Welt an den Beginn Amazoniens. Der
obere Teil wurde durch eine, im Jahr 2007 eröffnete Asphaltstraße
entschärft, die freilich wegen der extremen geografischen
Verhältnisse auch immer wieder gesperrt werden muss. Die ursprüngliche
Straße, mit ihren bis zu 400 Meter tiefen Abgründen, ist heute
zumeist Mountainbikern und Touristengruppen vorbehalten. Im unteren
Teil, zwischen Coroico und Caranavi, sind die Abgründe nicht mehr so
tief, doch die Straße so eng und gefährlich wie eh und je. Bei der
Vorbereitung der Dreharbeiten zum Dokumentarfilm „Die Todesstraße
nach La Paz“ holte ich mir in Caranavi im Jahr 1994 den
zweitheftigsten Durchfall meiner langen Reisekarriere. Ich hatte dort
eine „Wildplatte“ mit offenbar verdorbenem Gürteltierfleisch
bestellt. Einige Tage und Rollen Toilettenpapier später war die
Sache zum Glück ausgestanden, denn von einem „Gesundheitssystem“
konnte damals in Bolivien nicht die Rede sein – schon gar nicht
außerhalb der großen Städte.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Ein
Vierteljahrhundert später und nach 14 Jahren 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      proceso
de cambio
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
(Prozess des Wandels) unter dem linkspopulistischen Präsidenten Evo
Morales und seinem Movimiento al Socialismo (MAS) sieht das heute
anders aus – aber im Hinblick auf Corona auch nicht wirklich gut:
Man setzte weiter auf den Export von Erdöl und Erdgas. Die Quellen
wurden nun nationalisiert. Die Gewinne der transnationalen Partner in
den Joint Venture Unternehmen wurden geschmälert und Geld in die
Staatskassen gespült. Die Devisenreserven stiegen von 1,7 Milliarden
USD (2005) auf 15,1 Mrd (2014) und sanken wieder auf 6,4 Mrd (2019). Ein Mindestlohn
wurde eingeführt und eine Mindestrente, eine
Schuljahresabschlussprämie für Familien und ein Mutter- und
Kind-Bonus. Die Mütter- und Kindersterblichkeit sank um mehr als ein
Drittel. Die Impfrate wurde deutlich erhöht. Auf dem Lande
entstanden Gesundheitsposten – auch mit Hilfe kubanischer Ärzte.
Deren Anwesenheit führte freilich zu Konfrontationen mit der
einheimischen Ärzteschaft. Ärztestreiks gegen die unentgeltliche
Konkurrenz waren an der Tagesordnung, das Gesundheitssystem daher
nicht organisch, sondern fragmentiert.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Den
Gegebenheiten entsprechend wurde in die Basisgesundheit investiert.
Die Gesundheitsausgaben, die im Jahr 2003 noch bei 176 USD pro Kopf
lagen, haben sich seit 2006 mehr als verdreifacht. Die
durchschnittliche Lebenserwartung kletterte von 64,4 Jahren (2004)
auf 71,2 (2018) – sensationell! Doch qualitativ hielt die
Entwicklung nicht Schritt und es werden Defizite beklagt. Gab es im Jahr 2003 12,2 Ärzte pro 10.000 Einwohnern, so
waren es 2018 16,1. Die Zahl der Hospitalbetten hat sich während der
MAS-Regierung kaum verändert; man rechnet im letzten Jahrzehnt mit
einem Verhältnis von 11 zu 10.000 Einwohnern – in Deutschland sind
es 83, in Österreich 76. Und sie fallen deutlich hinter
WHO-Standards zurück. So sieht das Weltentwicklungsprogramm der UNO
(UNDP) zwar bedeutende Fortschritte, die Resultate seien aber "unzureichend".
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    ++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
 „El
sistema de salud en todos sus niveles no cuenta con la capacidad de
atender oportunadamente con  estándares mínimos de cualidad a todos
sus beneficiarios“, schrieb eine UNDP-Studie aus dem Jahr 2015.“
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
*+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
 Dazu
kommt, dass die Mehrzahl der Menschen nicht krankenversichert ist.
Selbst in den Metropolregionen der Städte Santa Cruz, Cochabamba und
La Paz/ El Alto gibt nur etwa die Hälfte der Bevölkerung an, im
Krankheitsfall auf das öffentliche Gesundheitssystem zuzugreifen
(2,5 Mio), private Einrichtungen würden von rund einer Million Menschen
genutzt und traditionelle Heiler von 12 Prozent der Bevölkerung.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Die
MAS-Regierung reagierte auf die Kritik des UNDP und die allgemeine
Unzufriedenheit im Wahljahr 2019 mit der Einführung eines
kostenlosen Gesundheitssystems (SUS – Ley 1.152 vom 20.2.2019). Für fünf Millionen Bolivianerinnen und Bolivianer (knapp die Hälfte der
Bevölkerung) die bisher in keiner Weise versichert waren, sollten
1.200 in einem Katalog gelistete Behandlungen gratis und eine
Grundversorgung im nächsten Gesundheitszentrum sichergestellt sein.
Mit einem Budget von 200 Millionen USD sollten neun  neue Krankenhäuser
gebaut werden und 8.000 neue Ärzte finanziert. Abgesehen davon, dass
das Budget dafür entschieden zu niedrig veranschlagt ist, führte
die Einführung des SUS ohne vorher die nötige Infrastruktur zu
schaffen zu chaotischen Zuständen in den Krankenhäusern. Die Ärzte
traten einmal mehr in den Streik und Gesundheitsministerin Gabriela
Montaño,
der schon in der Arena-Virus-Krise vorgeworfen wurde, zu spät
gehandelt und abgewiegelt zu haben, geriet weiter unter Druck. Ein
weiterer Faktor für die Stimmenverluste der MAS bei den Wahlen vom
20. November 2019, die letztlich dann im Chaos, im Rücktritt von
Morales und in der Machtergreifung durch die „Interimspräsidentin“
Jeanine Añez endeten.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Bei
mangelhafter Legitimität und mäßigen Prognosen dürfte der die
Absage der für den 3. Mai angesetzten Wahlen wegen der
Corona-Pandemie nicht ungelegen kommen. Doch die Chancen, sich bei
der Bewältigung der Gesundheitskrise zu bewähren, stehen schlecht.
Das Gesundheitssystem ist auf eine solche Pandemie nicht vorbereitet.
Meine Recherche zur Zahl der Intensivbetten/ Beatmungsplätze blieb
ergebnislos – ihre Zahl dürfte gegen Null gehen, jedenfalls
außerhalb einiger Privatkliniken.
Dazu müsste für jedes dieser Betten eine besonders geschulte
Intensiv-Krankenschwester zur Verfügung stehen. Die 750 kubanischen
Mediziner, die von der „Interimsregierung“ im November mit
Schimpf und Schande aus dem Land gejagt wurden, werden nun fehlen.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Der
„Interimsregierung“ fehlt es an Erfahrung. Während auf der
Südhalbkugel der Winter näher rückt, warten im kargen Hochland an
der Grenze zu Chile seit Wochen hunderte von Bolivianerinnen und
Bolivianern, die zurück nach Hause wollen. Drastische
Ausgangsbeschränkungen wurden eingeführt und drakonische Strafen
für ihre Übertretung. Was auch sonst? Es kontrollieren Polizei und
Militär.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Schuhputzer
Anselmo sitzt mit seinen 70 Jahren wie immer an „seiner“ Kreuzung, einem
Verkehrsknotenpunkt in der Stadt El Alto, doch die Kundschaft ist
rar. Gestern habe er sechs Bolivianos verdient (85 Eurocent). Damit
stockt er seine „renta dignidad“ auf, die von der MAS eingeführt
worden war, knapp 30 Euro im Monat. Und er riskiert damit bis zu zehn
Jahre Gefängnis. Doch wie können Ausgangsbeschränkungen
eingehalten werden, wenn mehr als die Hälfte der Erwerbstätigen im
informellen Sektor arbeiten und auch ein Großteil der Versorgung über
den informellen Straßenhandel läuft?
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Ab
Anfang Mai sollen Boni für Familien und Menschen ohne Einkommen
eingeführt werden. Seit die MAS-Regierung solche Sozialleistungen
eingeführt hat, kann man es sich nicht mehr leisten, einfach nichts
zu tun. Dazu hat die „Interimsregierung“ einen Kredit von 327
Millionen USD beim IWF aufgenommen – zum ersten Mal seit 14 Jahren.
Luis Arce, der Spitzenkandidat der MAS und frühere Superminister für
Wirtschaft und Finanzen sowie Architekt des bolivianischen
„Wirtschaftswunders“, kritisiert, dass man damit die
wirtschaftliche Souveränität wieder aus den Händen gibt. Doch auch
seine Handlungsoptionen wären begrenzt: „Seine“ Devisenreserven
weiter aufbrauchen, die seit 2014 bereits um mehr als die Hälfte
geschrumpft sind, oder anderswo Finanzierung besorgen. China hatte
der MAS-Regierung bereits einen 7,5 Milliarden-Kredit bewilligt.
Angesichts der kollabierenden Preise für Erdöl und Erdgas befindet
sich die Wirtschaft im freien Fall.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Dass
der Chef der staatlichen Erdölgesellschaft YPFB letzte Woche
anregte, eine vormals vielkritisierte Düngemittelfabrik aus der
Amtszeit der MAS in Bulo Bulo im tropischen Tiefland des  Chapare in Betrieb zu nehmen, um aus
dem Erdgas Dünger für den Eigenverbrauch herzustellen, spricht Bände über die
verzweifelte Lage. Derweilen pflegt man gerade im Chapare weiter Konflikte. Nachdem die Kernbasis von Evo Morales,
die dortigen Kokabauerngewerkschaften, begonnen hatten, tropisches
Obst und Gemüse in den Städten Cochabamba und Sucre zu verteilen
(zweifellos eine bessere Idee als die Bauern mit selbstgebastelten
Schießprügeln gegen Polizei und Armee in Marsch zu setzen, wie im
November letzten Jahres), hatte die „Interimsregierung“
Polizisten in den Chapare geschickt, "um die
Corona-Ausgangsbeschränkungen zu überwachen". Die organisierten
Kokabauern hatten das Kontingent abgefangen, das sich in die Basis
der paramilitärischen Drogenpolizei UMOPAR in Chimoré zurückziehen
musste, und die Bankenaufsicht der „Interimsregierung“ ließ
daraufhin die Banken im Chapare schließen – "wegen der
Sicherheitslage". Tankstellen mussten schließen, die lokale
Wirtschaft kam zum Erliegen. Inzwischen hat man sich geeinigt. Die
Polizisten dürfen Dienst tun. Bis zum nächsten Scharmützel.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Keine
guten Aussichten für Bolivien, wo die offiziellen Infektionszahlen
bisher glücklicherweise noch relativ niedrig sind - 950 bestätigte Infektionen, 50 Tote bis Mo 27.4., 15:30 MEZ - aber steil nach oben
gehen.
    
                    &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  
                  
  

Die Corona-Daten stammen vom großartigen Avi Schiffmann der mit seiner sehr übersichtlichen Seite (cov19.cc) der Welt zeigt, was zivilgesellschaftliches Engagement eines 17-Jährigen leisten kann. 
  
                  &#xD;
  &lt;!--EndFragment--&gt;  &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
* An den "lieben Peter": Zwei SMS  des Obmannes des Tiroler Wirtschaftsbundes Franz Hörl, Hotelier und Bergbahnbetreiber sowie Nationalratsabgeordneter der ÖVP, an den Besitzer des Après-Ski-Lokals „Kitzloch“ in Ischgl vom 9.3.2020, die keines Kommentars bedürfen. zit. nach: die tiwag – tagebuch.pdf
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    „Lieber Peter,
    
                    &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Ruf
mich bitte zurück
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Oder
sperr Dein Kitz Bar zu -
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
oder
willst Du schuld am Ende
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
der
Saison in Ischgl u eventuell
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Tirol
sein
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Franz
Hörl
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Wirt
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Obmann
WB Tirol“
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
„Lieber
Peter,
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
das
ganze Land schaut auf
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
euer
Lokal – wenn eine Kamera
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
den
betrieb sieht stehen wir
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Tiroler
da wie ein Hottentotten
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Staat
und stehen ganz schnell
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
auf
der Deutschen Liste!!
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Der
Image Schaden für Ischgl
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
und
Tirol ist unermesslich!!
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Sollte
die Saison einbrechen
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
hast
in diesem Kitz loch und im
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Kuhstall
KEIN GESCHÄFT!!
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Du
provozierst das derzeit..
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Bitte
nimm Vernunft – nach
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
einer
Woche 10 Tagen ist viell
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Grad
über die Sache
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
gewachsen
und
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
dann
kannst eh
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
weiter
entscheiden
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Bitte
seh das ein
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
Hg
Franz Hörl"
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
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      <pubDate>Sun, 26 Apr 2020 00:00:00 GMT</pubDate>
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    </item>
    <item>
      <title>Bolivien: Rückkehr der Politiquería*</title>
      <link>https://www.robert-lessmann.com/bolivien-rueckkehr-der-politiqueria09457987</link>
      <description />
      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
                  
  Nach der Machtergreifung durch die politische Rechte in Bolivien bleibt die Lage unübersichtlich. Klar ist nur: Man versucht Fakten zu schaffen hinsichtlich einer Rückkehr zum alten, neoliberalen Modell und einer Ausschaltung der MAS mittels der Justiz, die als Waffe im politischen Kampf eingesetzt wird.

                &#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/4e3a91da2fa849afa260009be23256a9/dms3rep/multi/carlos+romero+bonifaz.JPG" alt="" title=""/&gt;&#xD;
  &lt;span&gt;&#xD;
  &lt;/span&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      El
Alto, 5.3.2020:
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
    
                    
    
Wieder zogen Tränengasschwaden durch die Straßen. Am 6. März 1985
war El Alto, der 4.150 m hoch gelegene Armutsgürtel der Stadt La
Paz, zur eigenständigen Stadt geworden. Mit 850.000 Einwohnern ist
sie heute die zweitgrößte und dynamischste. Aus Anlass dieses
Jubiläums war die selbsternannte „Interimspräsidentin“ Jeanine
Añez heraufgekommen, um in den Ruinen der ausgebrannten Alcaldía
ein Investitionspaket von 100 Millionen Dollar in Aussicht zu
stellen, das größte, das es jemals für El Alto gegeben habe. Unter
„asesina, asesina“-Rufen musste sie das Weite suchen. Ihr Konvoi
wurde mit Müll beworfen und kam gerade noch davon.
    
                    &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Doch
auch eine Gedenkfeier der Angehörigen der Opfer des Massakers von
Senkata vom 19. November vergangenen Jahres, die in der Kirche San
Francisco begonnen hatte, ging in Tränengas und Tumulten unter. Und
eine Sondersitzung des Parlaments, die von Senatspräsidentin Eva
Copa (MAS -
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Movimiento
al Socialismo
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    ) in
El Alto einberufen worden war, musste abgebrochen und nach La Paz
hinunter verlegt werden. Die Unruhen dauerten bis in die Nacht an.
Ist die Zeit der Einschüchterung der MAS-Anhänger und der sozialen
Bewegungen durch die staatliche Repression vorbei?
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Was
in El Alto vor allem deutlich geworden ist: Die „Interimsregierung“,
die angetreten war um das Land zu befrieden, die Bevölkerungsgruppen
auszusöhnen und freie Wahlen zu organisieren, ist damit in Bausch
und Bogen gescheitert, sollte es ihr denn damit jemals Ernst gewesen
sein. Das Land ist tief gespalten.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Rechte
Rivalitäten
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Eine
120-Tage-Frist bis zu den Wahlen wird nicht eingehalten. Sie sind nun
für den 3. Mai angesetzt. Doch der Zeitgewinn erweist sich für das
rechte Lager politisch eher als Bürde, denn es ist zunehmend
gespalten. Seit „Interimspräsidentin“ Jeanine Añez selbst
kandidiert, wirft ihr der gemäßigt konservative Carlos D. Mesa vor,
damit der Interpretation Nahrung zu geben, dass es sich tatsächlich
um einen Putsch gehandelt habe. Ein Betrug (der Wahlbetrug) würde
nun durch einen weiteren abgelöst, der darin bestehe, dass Añez
einen Präsidentinnenbonus und den Regierungsapparat für ihren
Wahlkampf nutze. Bei den annulierten Wahlen vom 20. Oktober 2019
hatte die Añez-Partei (UD) 4 Prozent der Stimmen bekommen, Mesa gut
36. Eine in der Washington Post veröffentlichte Studie zweier
Wissenschaftler des Massachusetts Institute of Technology stellt
inzwischen das Gutachten der OAS in Frage: Ein Wahlbetrug lasse sich
statistisch nicht nachweisen.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Zwischen
Mesa (seine 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Comunidad
Ciudadana
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
     liegt in
Umfragen bei 17,1%) und Añez (
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Juntos,
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
16,5%) gibt es augenblicklich die schärfsten Auseinandersetzungen,
zumal wichtige Alliierte, wie der Bürgermeister von La Paz, Luis
Revilla, im letzten Moment vor der Einschreibung von Mesa zu Añez
wechselten. Ob sich diese Gräben im Falle einer Stichwahl schließen
lassen, ist zweifelhaft. Das Lager des ultrareligiösen Rechtsaußen
Luis Fernando Camacho (9,6%) könnte sich Añez anschließen,
tauschte aber gerade heftige Korruptionsvorwürfe mit Samuel Doria
Medina, deren Vizepräsidentschaftskandidat, aus. Camachos Allianz
mit dem Comité-Civico-Anführer Marco Antonio Pumari aus Potosí war
zunächst ebenfalls unter wüsten Korruptionsvorwürfen geplatzt,
bevor man sich doch wieder einigte. Auch die ADN des verstorbenen
Exdiktators Hugo Banzer erlebte eine Wiedergeburt (0,5%), wobei der
Vizepräsidentschaftskandidat von seiner Kandidatur gar nichts
wusste, wie er am Tag nach der Einschreibung erklärte. 

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Insgesamt
treten im rechten Lager sieben mehr oder weniger amorphe Ad
hoc-Allianzen an. Bolivien kehrt damit in die düstersten Zeiten der

    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      politiquería
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
zurück, die vor dem Erdrutschsieg von Morales im Dezember 2005 zur
völligen Delegitimierung des Parteiensystems geführt hatte.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Spitzenreiter
in den Umfragen ist die MAS (31,6%). Auch wenn deren Potenzial höher
liegen dürfte: Eine absolute Mehrheit scheint in weiter Ferne, ihre
Mobilisierungsfähigkeit und Einheit unklar. Spitzenkandidaten sind
der allseits geschätzte ehemalige Superminister für Wirtschaft und
Finanzen, Luis Arce, und der ehemalige Außenminister indigener
Herkunft, David Choquehuanca. Das Spitzenduo wurde von
Wahlkampfmanager Evo Morales vom Exil in Buenos Aires aus nominiert.
Und auch wenn diese Wahl eine sehr kluge zu sein scheint: Die Basis
im Land musste erst im Nachhinein davon überzeugt werden. Auch im
MAS-Lager zeichnen sich Risse ab.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Justiz
als Waffe
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Bei
seiner Rückkehr nach Bolivien wurde Spitzenkandidat Arce mit einer
Gerichtsvorladung konfrontiert, noch bevor er die
Einreiseformalitäten erledigt hatte. Der ehemalige Innenminister
Carlos Romero (Bild)
sitzt wegen eines
Korruptionsfalles in seinem Ministerium in Präventivhaft, den er
selbst angezeigt hatte. Er war in seinem Haus von zivilen
Blockierern, die sich „La Resistencia“ nennen, ausgehungert und
schließlich dehydriert und mit Herzproblemen gegen deren Widerstand
ins Krankenhaus gebracht worden – und von dort ins Gefängnis. Es
gibt Hunderte solcher Verfahren gegen Funktionäre und Anhänger der
MAS. Man hat sich ein Beispiel an Brasilien genommen und die Justiz
als politische Waffe entdeckt. UN-Menschenrechtskommissarin Michelle
Bachelet äußerte sich besorgt über das Ausmaß der politischen
Verfolgung in Bolivien.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Evo
Morales ist per Gesetz von einer Kandidatur ausgeschlossen und darf
auch nicht für ein Senatsmandat kandidieren. Ihm werden neben
Wahlbetrug auch Anstiftung zum Aufruhr und Terrorismus vorgeworfen.
„Innenminister“ Arturo Murillo trat auf einer Pressekonferenz mit
Handschellen winkend auf: Morales habe bei einer Rückkehr nichts zu
befürchten, außer der Einweisung ins Spezialgefängnis Chonchocoro.
Wie unter diesen Bedingungen freie und faire Wahlen stattfinden
sollen ist rätselhaft – und die Bewilligung von 29 Millionen Euro
Hilfe durch die Europäische Union zu diesem Zeitpunkt ein Skandal.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Wirtschaftlich
steuert Bolivien nach Jahren der Prosperität – deren Ende sich
schon abgezeichnet hatte – auf den freien Fall zu. Die
„Interimsregierung“ versucht, mit Privatisierungen Fakten zu
schaffen. So wurde der Geschäftsführer der staatlichen Fluglinie
BOA durch jenen der privaten Line AMAZONAS ersetzt. Ein dreisterer
Fall einer feindlichen Übernahme ist kaum denkbar. Das Personal der
BOA klagt darüber, dass keine Gehälter ausbezahlt würden. Der neue
Geschäftsführer der Telefongesellschaft ENTEL, Elio Montes, ein
Freund Camachos,  setzte sich nach nur 82 Tagen Amtszeit unter
Veruntreuungsvorwürfen in die USA ab, wo er an der Grenze wegen
versuchter Einfuhr großer Mengen nicht deklarierten Bargeldes
festgenommen wurde. Schon wurden Änderungen bei den
Investitionsgesetzen im wichtigen Erdöl- und Erdgasbereich
angekündigt und der Gewerkschaftsbund COB erklärte sich in
'Alarmbereitschaft', weil er weitere Privatisierungen befürchtet.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Die
„Interimsregierung“ soll in nur zwei Monaten zwei Milliarden
Dollar Schulden aufgenommen haben. Das Budgetdefizit 2019 liegt bei
7,2%. Die Devisenreserven sind 2019 um 27,7% geschmolzen und betragen
heute weniger als die Hälfte des Höchststandes von 2014. Und
während die politische Klasse nicht müde wird, ihr geliebtes
Bolivien zu beschwören, scheint Luis Arce der einzige zu sein, den
das bekümmert.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    PS
15.3. Auch in Bolivien ist die politische Berichterstattung praktisch
komplett verschwunden und es herrscht COVID-19. (In Santa Cruz
verhinderten Nachbarn und Medizinpersonal die Einlieferung eines
verdächtigen Falles ins Hospital. Im benachbarten Warnes
gab es Straßenblockaden, nachdem bekannt wurde, dass eine
Militärakademie vorsorglich als Krankenstation adaptiert werden
sollte. In La Paz hat ein Apotheker einen Kunden verprügelt, der
eine Atemschutzmaske kaufen wollte.) Gut möglich, dass eine
De-facto-Regierung, deren Stern sinkt, die Gelegenheit beim Schopf
packt und die Wahlen aussetzt, um de facto weiter zu regieren. 

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    PPS:
18.3. Pfiffiger Wahlkampfschachzug der
MAS: Spitzenkandidat
Luis Arce kündigte
an, Kuba sei bereit, bei der Bewältigung der Corona-Krise zu helfen
und medizinisches Personal zu schicken. Die "Interimsregierung"
hatte im November mehr als 700
kubanische Ärzte und Helfer mit Schimpf und Schande des Landes
verwiesen und die diplomatischen Beziehungen abgebrochen.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    PPPS: 30.3. Inzwischen soll es 96 COVID-19 Infektionen geben. Die Wahlen abgesagt.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    *
Unter Politiquería
versteht man in Bolivien das Tricksen und Mauscheln zum eigenen
Vorteil – und jene, die das tun.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <enclosure url="https://cdn.website-editor.net/4e3a91da2fa849afa260009be23256a9/dms3rep/multi/carlos+romero+bonifaz.JPG" length="329649" type="image/jpeg" />
      <pubDate>Wed, 18 Mar 2020 15:33:31 GMT</pubDate>
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        <media:description>thumbnail</media:description>
      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Am Schauplatz Chile: Colonia Dignidad</title>
      <link>https://www.robert-lessmann.com/am-schauplatz-chile-colonia-dignidad9779ecd4</link>
      <description />
      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
                  
  Bayrische Gastlichkeit und monströse Menschenrechtsverbrechen

                &#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/4e3a91da2fa849afa260009be23256a9/dms3rep/multi/DSC05367.JPG" alt="" title=""/&gt;&#xD;
  &lt;span&gt;&#xD;
  &lt;/span&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    „
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Als
Paul Schäfer geflohen war – im November 1996 – und die Polizei
hierher kam, haben einige von uns die Straßen blockiert, wollten ihn
'verteidigen'. Wir waren wie Waisen“, sagt Erika, unsere Führerin:
„Vom Leben draußen hatten wir keine Ahnung.“
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Parral
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
    
                    
    :
39.000 Einwohner, 340 Kilometer südlich von Santiago de Chile an der
Panamericana gelegen. Pablo Neruda wurde hier im Jahr 1904 geboren,
der chilenische Literaturnobelpreisträger, der zwölf Tage nach dem
Putsch von General Augusto Pinochet vom 11. September 1973 unter bis
heute ungeklärten Umständen verstarb. Erlag er seiner
Krebserkrankung, oder hatte man ihn mit einer Giftspritze getötet?
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Von
Parral führt eine Straße durch fruchtbare Felder und kleine
Ortschaften, Wiesen und zuletzt auch Wälder nach Osten, geradewegs
auf die Andenkette zu. Eine romantische Idylle in der Abendsonne.
Irritierend nur der Stacheldrahtzaun, der den Fahrweg auf den letzten
Kilometern begleitet, mit einem 30 Meter hohen Wachtturm, der aus dem
Wald ragt. Wie am „Eisernen Vorhang“ zwischen Ost und West
früher, wird er von massiven Betonpfosten getragen, die oben nach
innen geneigt sind, um ein Überklettern zu erschweren. Das ist kein
Weidezaun. Dass hier etwas „nicht stimmt“, fällt spätestens am
Eingang zur „Villa Baviera“ auf, wo eine ältere Dame, wohl Ende
70, aus dem Pförtnerhäuschen tritt, die aussieht und spricht, als
sei sie aus der Zeit gefallen – aus einem 50er- oder
60er-Jahre-Film. Die Haare hinten zu einem Dutt verknotet,
Strickweste, wadenlanger Rock, Kniestrümpfe. Zimmer seien frei und
das Restaurant offen, sagt sie und hebt den Schlagbaum.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Eine
gepflegte Allee führt durch eine Parklandschaft zu einer Ansammlung
von Häusern. Alles blitzsauber. Architektur der 1960er Jahre. Im
Restaurant „Zippelhaus“ gibt es Selbstgebackenes, Eisbein mit
Sauerkraut, Kaiserschnitzel nach „Zippel-Art“, Leberkäs',
Bratwurst, Münchener Weißwurst und Bier von „Kunstmann“. An den
Wänden hängen Musikinstrumente und deutsche Trachten. Bis Mitte der
90er Jahre soll hier auch ein handsigniertes Bild des bayrischen
Ministerpräsidenten Franz Josef Strauss (CSU) gehangen haben. Die
parteinahe Hanns-Seidel-Stiftung bestätigte dessen Besuch im Jahr
1977, dementierte ihn dann und gab ihn schließlich wieder zu.
Draußen steht ein Bierzelt auf der Wiese. Ein „Oktoberfest“ wird
vorbereitet. „Chilenische Opferverbände protestieren“, sagt
Erika. Sie wollen kein solches Fest auf den Gebeinen ihrer
Angehörigen, sagen sie.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Deutsches
Wesen in Südamerika
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Der
Name „Villa Baviera“ stammt aus dem Jahr 1988, die Umbenennung
erfolgte also noch unter Paul Schäfer. Davor nannte sich die
Gemeinschaft „Colonia Dignidad“ (amtlich: Sociedad Benefactora  y
Educacional Dignidad; Wohltätigkeits- und Bildungsgemeinschaft Würde
– gemeinnützig, steuer- und zollbefreit). Doch Würde und
Selbstbestimmung waren das erste, was ihren Bewohnern genommen wurde.
Als der deutsche Laienprediger Paul Schäfer im Jahr 1961 hierher
kam, um mit seinen Getreuen ein urchristliches Leben im gelobten Land
zu führen und sie vor der angeblich unmittelbar bevorstehenden
Invasion der Kommunisten zu retten, war dies bereits eine Flucht.
Schäfer war wegen seiner pädophilen und sadistischen Veranlagung
aus einer Reihe von Glaubensgemeinschaften geflogen und wurde seit
1960 von der Kriminalpolizei in Siegburg wegen Verführung
Minderjähriger und Missbrauchs Schutzbefohlener gesucht. Am 18.
April 1976 folgte ein internationaler Haftbefehl. 

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Schäfer
muss charismatisch und clever gewesen sein. Unter seinen Jüngern
befanden sich Handwerksmeister aus allen Sparten, die für ein
Pionier- und Kolonisierungsprojekt nützlich waren. Sie hatten Haus
und Hof verkauft und den Erlös in die Colonia eingebracht, oder
Maschinen und Werkzeuge gleich mit verschifft. So entstand eine
deutsche Vorzeigesiedlung mit handwerklichen Musterbetrieben, deren
Produkte sich bis nach Santiago verkauften und nicht zuletzt bei
Mitarbeitern der Deutschen Botschaft dort beliebt waren. Deutsche
Handwerkskunst und Zwangsarbeit – ein Erfolgsmodell. 

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Alsbald
wurden Sonntag und Kirchgang abgeschafft. Arbeit sei der beste
Gottesdienst. Familien wurden auseinandergerissen, Männer und
Frauen, Jungen und Mädchen getrennt. Sex war allein dem Sektenführer
vorbehalten, der sich dazu jeweils junge Männer auswählte, die
„Sprinter“ genannt wurden und ihm in jeder Hinsicht zu Diensten
sein mussten. Nach dem anderen Geschlecht nur zu gucken, überhaupt
jede Art von Verfehlung war strafbar – und die Strafen waren hart.
Der Alltag war optisch und akustisch sowie durch organisiertes
Denunziantentum überwacht, eine Flucht durch diese Überwachung, den
Zaun, Sensoren und scharfe Hunde so gut wie unmöglich. Nach innen
dienten diese Vorkehrungen dem Schutz vor dem Teufel und dem
Kommunismus. Ein hermetisch abgeriegeltes, parastaatliches System, wo
systematische Denunziation, Entmündigung, Zwangsmedikation,
Elektroschocks und Prügel zum Programm gehörten. Darüber hinaus
herrschte wohl auch eine schwer begreifliche Gruppenloyalität –
nicht zuletzt gegenüber dem Beichtvater für alle, dem 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      tio
permanente
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
     (dem
immerwährenden Onkel), wie Schäfer sich nennen ließ.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Zu
ihren Hochzeiten hatte die „Colonia Dignidad“ eine Ausdehnung von
14.000 Hektar (140 km2;
was etwas kleiner ist als das Fürstentum Liechtenstein, oder etwa
einem Drittel der Fläche der Stadt Wien entspricht), und es lebten
bis zu 500 – amtlich sind 300 – Menschen dort, darunter auch 30
Mitglieder der früheren Grazer Pfingstgemeinde.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Obskurantismus
– religiös und politisch
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Derzeit
sind es etwa 150 Menschen. Unter ihnen gibt es jene, die an einer
Aufarbeitung interessiert sind, und jene, die den Mantel des
Schweigens über die Vergangenheit breiten. Zu Ersteren gehört
Erika, die wortreich durch die Anlagen der „Villa Baviera“ führt
und vor allem durch eine Scheune, in der man ein kleines Museum zur
„Colonia Dignidad“ eingerichtet hat. Auch Ausschnitte aus den
Lateinamerika Nachrichten, EPD und Artikel von Amnesty finden sich
dort. Es waren Organisationen der Zivilgesellschaft, die auf die
Vorgänge in der deutschen Sektenenklave aufmerksam machten.
Investigativjournalisten wie Gero Gemballa folgten, der 41-jährig im
Jahr 2002  unter mysteriösen Umständen verstarb. Journalisten –
und nicht die Behörden – waren es auch, die Schäfer im Jahr 2005
schließlich in seinem Versteck in Argentinien aufspürten. Die
Justiz blieb untätig und die deutsche Botschaft in Santiago hielt
schützend ihre Hand über die Colonia; die Pässe der Insassen lagen
im Safe der Verwaltung und wurden stets en bloc konsularisch
bearbeitet, ohne dass die Personen selbst erscheinen mussten. Sogar
Rentenzahlungen erfolgten auf diese Weise „automatisch“. Und es
gab seltene Fälle, wo eine Flucht gelang und die Flüchtlinge sich
hilfesuchend an die Botschaft wandten, nur um postwendend in die
Colonia zurückgeschickt zu werden.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Erika
war als zweijähriges Mädchen mit ihren Eltern in die „Colonia
Dignidad“ gekommen, erzählt sie. Sofort wurde die Familie
auseinander gerissen. Sie wuchs unter der Obhut einer „Tante“
auf, wie die temporären Betreuerinnen genannt wurden. „Die harte
Arbeit und das karge Leben, die Überwachung und die Strafen, das
alles war für uns normal. Wir kannten nichts anderes“, sagt Erika:
„Wenn wir als Musiker oder mit dem Chor auswärts Konzerte gaben,
fuhren wir im abgedunkelten Bus dorthin, weil wir nichts sehen
sollten“. Sie erzählt dann, dass sie nach der Flucht von Paul
Schäfer und der Öffnung der „Villa Baviera“ einen Partner
geheiratet habe. Doch als sie im Alter von 42 nach drei Ehejahren zum
ersten Mal in ihrem Leben einen Frauenarzt aufsuchte, war sie noch
immer Jungfrau gewesen: „Wir wussten auch nicht, woher die kleinen
Kinder kommen.“ Es fällt ihr erkennbar nicht leicht, von diesen
und anderen Dingen, wie Demütigungen und Misshandlungen, zu erzählen
und sie berichtet von einem Kollegen, der ebenfalls diese Führungen
macht und der hinterher manchmal gar nicht mehr ansprechbar sei. Für
sie sei es eher befreiend, sagt sie.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Es
ist wohl schwierig bis unmöglich, bei diesen traumatisierten
Menschen zwischen Tätern und Opfern zu unterscheiden. Wer hat zu
welchem Zeitpunkt welche Rolle gespielt und wer hat was gewusst?
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Foltercamp
der Pinochet-Diktatur
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Nichts
gewusst und erst später erfahren hat man angeblich davon, dass die
Colonia Dignidad während der Pinochet-Diktatur von dessen
Geheimdienst DINA fast 17 Jahre lang als Folterlager für politische
Gefangene genutzt wurde. Nur, dass manchmal alle zusammengerufen
wurden – auch Kranke – sodass auf dem Gelände unbemerkte
Bewegungen hätten stattfinden können.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Doch
die Erzählung vom bösen Alleintäter Schäfer ist schon auf den
ersten Blick nicht belastbar. Eine Einzelperson kann eine so große
Gruppe auf einem so großen Gelände alleine nicht kontrollieren.
Unter anderen wurde der Lagerarzt Hartmut Hopp in Chile einschlägig
verurteilt, lebt heute als alter Mann aber unbehelligt in Krefeld.
Eben wurde dort ein Verfahren gegen ihn nach 30 Jahren eingestellt.
Auch die Ärztin Gisela Seewald – ordentlich promoviert war niemand
– hat mitgefoltert. Auf dem Gelände wurde später ein Massengrab
für über 100 Opfer entdeckt, die exhumiert worden waren und an
einen unbekannten Ort gebracht oder verbrannt. Von wem? Und wie
sollte ein mäßig gebildeter Laienprediger in der tiefen
chilenischen Provinz und lange vor Internet-Zeiten über Anschaffung
und Handhabung moderner Überwachungstechnologie und zeitgemäßer
Waffen Bescheid wissen? Es liegt auf der Hand, dass es Kontakte zu
Geheimdiensten gab. Wohl auch schon vor der Pinochet-Diktatur zur
Bewegung 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Patria y
Libertad
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
     und zu
ANDREA (
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Alianza
Nacionalista de Repúblicas Americanas
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    )
– und gerade auch in die alte Heimat.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Eine
Symbiose von Päderastie und Antikommunismus?
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Eine
Schlüsselfigur scheint dabei der Waffen-SS-Mann und
Ritterkreuzträger Gerhard Mertins gewesen zu sein, der mit seiner
Firma Merex AG Waffen verkaufte, auch in Krisengebiete und auch in
Koordination mit dem BND und anderen Geheimdiensten. Im benachbarten
Bolivien vertrat Mitte der 60er Jahre Klaus Barbie alias Altmann, der
Schlächter von Lyon und damals ebenfalls kurzzeitig BND-Mitarbeiter,
die Interessen von Merex. Mertins wurde ab 1956 vom BND unter dem
Decknamem Uranus als Mitarbeiter geführt. Er war mehrfach in der
„Colonia Dignidad“ zu Besuch, war ein Busenfreund von Pinochets
Geheimdienstchef Manuel Contreras und hat im Jahr 1978 den
„Freundeskreis Colonia Dignidad“ gegründet, dem zeitweilig 120
Personen angehörten, vor allem aus der CSU, der CDU und ihrem
Umfeld; auch der Fernsehmoderator und antikommunistische Eiferer
Gerhard Löwenthal („ZDF Magazin“) stand dem „Freundeskreis“
nahe. Dagegen setzten sich die Unionspolitiker Norbert Blüm und
Heiner Geissler für eine Aufklärung der Vorwürfe gegen die
„Colonia Dignidad“ ein. Übrigens: Außenminister waren zur
fraglichen Zeit im Kabinett von Willy Brandt (SPD) Walter Scheel und
Hans-Dietrich Genscher (FDP).
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Die
zoll- und steuerbefreite deutsche Sektenenklave wäre mit ihren zwei
Landepisten ein ideales Trampolin zur Versorgung
konservativ-reaktionärer Kreise gewesen, wie sie – unterstützt
von der CIA - im Rahmen der Domino-Theorie angetreten waren, um
Linksregierungen zu verhindern, und wie sie dann unter Salvador
Allende (1970-73) durch Terror und Sabotage aktiv dessen Sturz
vorbereiteten. Hat der BND hier einem befreundeten Geheimdienst über
die „Colonia Dignidad“ Hilfe geleistet? Ist so das mehr als
seltsame Verhalten deutscher Behörden und der Botschaft erklärbar?
Jedenfalls war der BND durch die CIA schon einige Tage vorab über
den bevorstehenden Putsch gegen Allende informiert worden, ohne die
Information an Willy Brandt weiter zu geben. Hatten sich die
„Dienste“ verselbständigt?
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Frank
Walter Steinmeier ordnete noch in seiner Funktion als Außenminister
die vorzeitige Öffnung der Archive des Auswärtigen Amtes an.
Interessant wäre indessen vor allem eine Öffnung der BND-Archive,
um die sich die Journalistin Gaby Weber vergeblich bemühte. Nach
einem positiven Urteil des Bundesverwaltungsgerichts gab der BND nur
22 relativ nichtssagende Seiten an das Bundesarchiv in Koblenz. Der
Rest befindet sich – mit dem Segen des Bundeskanzleramts - in den
Beständen der sogenannten Notvernichtungshandlung, wo beispielsweise
auf Kriegsschiffen Dokumente liegen, die keinesfalls dem Feind in die
Hände fallen dürfen.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Die
„Geschichte“ der Colonia Dignidad ist nach wie vor aktuell. Der
Deutsche Bundestag beschäftigt sich mit Rentenansprüchen und
Schadenersatzforderungen von Mitgliedern. An der FU-Berlin läuft ein
Oral History-Projekt, bei dem Mitglieder und Nachbarn befragt werden.
Ein weiteres Projekt zur Geschichte des BND wird hoffentlich neue
Erkenntnisse liefern. In Deutschland endete kein einziges
Gerichtsverfahren mit einem Schuldspruch. Alle verliefen im Sande. In
Chile gehörten mit Innenminister André Chatwick und Justizminister
Hernán Larraín zwei frühere Freunde von Paul Schäfer und der
Colonia Dignidad bis vor Kurzem dem Kabinett von Präsident Piñera
an.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
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      <pubDate>Sun, 08 Mar 2020 21:34:35 GMT</pubDate>
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    </item>
    <item>
      <title>Bolivien: 37 Jahre Demokratie sind zu Ende</title>
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      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
                  
  
Die
längste Periode der Demokratie in der Geschichte des Andenlandes ist zu Ende. Präsident Evo Morales stürzte durch einen Putsch
der Paradoxien. Während in den Nachbarländern die Menschen gegen
die sozialen Kosten des Neoliberalismus rebellieren, ist die
Wirtschaftslage in Bolivien (noch) gut und die Sozialpolitik war in
vielerlei Hinsicht beispielhaft. Die Opposition war schwach und
zersplittert. Wie konnte es trotzdem zum politischen Supergau für
Morales kommen?



                &#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/4e3a91da2fa849afa260009be23256a9/dms3rep/multi/DSC00911.JPG" alt="" title=""/&gt;&#xD;
  &lt;span&gt;&#xD;
  &lt;/span&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Ist
es nicht paradox? Nach den Wahlen vom 20. Oktober sitzt die
Führungsspitze des klaren Wahlsiegers MAS (Movimiento al Socialismo
– wohl rund 47 Prozent der Stimmen) im Exil. Sie fiel einem
schleichenden Putsch zum Opfer, zu dem sie selbst die Steilvorlage
geliefert hat. Die Gegenkandidaten, Carlos D. Mesa von der
bürgerlichen Comunidad Ciudadana (CC, 36-37 Prozent), der
Evangelikale Chi Hyun Chung – rund 9 Prozent) und Oscar Ortíz von
F21 (4 Prozent) sind in den Hintergrund getreten. Eine selbsternannte
„Interimsregierung“ hat versprochen, Neuwahlen zu organisieren.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Eigentlich
könnte Bolivien sich ja glücklich schätzen, denn es verfügt über
eine politische Klasse von Hellsehern! So warnte die Opposition schon
vor der Wahl vor Wahlbetrug und das Regierungslager vor einem
bevorstehenden Putsch. Bereits während des Wahlkampfs gab es
gewalttätige Übergriffe auf Kundgebungen und Büros der
Regierungspartei MAS. Die Gesellschaft ist tief gespalten. Die
erhoffte Annäherung der Lager ist in 13 Jahren MAS-Regierung nicht
geglückt. Das seinerzeit beschworene „katastrophale Patt“
zwischen Stadt und Land, Indígenas und Mestizos/ Blancos scheint
zurück zu sein. Die Atmosphäre ist rassistisch aufgeladen. Bei
meinem Besuch in La Paz im August war ich erstaunt und perplex über
das Ausmaß der Evo-Überdrüssigkeit und teilweise sehr aggressive
Diskurse, wie sie auch von intelligenten Menschen gepflegt wurden.
Von 'narco-gobierno' war da die Rede, von Mafia, Diktatur und
Tyrannei, was durch nichts belegt oder gerechtfertigt war. Selbst
Probleme bei der Wasserversorgung und der Müllabfuhr wurden der
Regierung angelastet, obwohl sie in den Bereich der Stadtverwaltung
fallen.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Doch
im Wahlkampf war nahezu alleiniges inhaltliches Thema F21: Ein Urteil
des von der Regierung nominierten Obersten Gerichts hatte das Votum
eines Referendums vom 21. Februar 2016 ausgehebelt, mit dem die
Regierung den Artikel 168 der Verfassung außer Kraft setzen wollte,
der nur eine Wiederwahl in Folge erlaubt. Viele Bolivianerinnen und
Bolivianer sahen das als autoritär und antidemokratisch an, die
erneute Kandidatur von Morales mithin als unrechtmäßig. Statt das
Ergebnis des Referendums zu respektieren und als Warnzeichen zu
registrieren – schließlich hatte man damals schon gegenüber den
vorausgegangenen Wahlen von 2014 zehn Prozentpunkte verloren – fuhr
Morales unbeirrt in der Manier eines Sapa-Inka fort und ließ
dreieinhalb Jahre ungenützt verstreichen, in denen man einen
Nachfolger hätte aufbauen können. Evo forever!
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Umso
größer war der Schock, als am Wahlabend das Zwischenergebnis einen
Stimmenverlust von 16 Prozentpunkten anzeigte. Die erfolgsverwöhnte
MAS lag da bei 45 Prozent und Gegenkandidat Carlos D. Mesa (CC) bei
38; Prognosen hatten ihn bei nur 22 Prozent gesehen. Demnach hatte
die MAS weder eine absolute Mehrheit erreicht, noch zehn Prozent
Vorsprung zum Zweiten. Laut Wahlgesetz wäre also eine Stichwahl
notwendig geworden, bei der die drei Oppositionsparteien rein
rechnerisch eine knappe Mehrheit davongetragen hätten, was
keinesfalls ganz sicher war. Im für sie ungünstigsten Fall wäre
die MAS nach 13 wirtschaftlich und sozial sehr erfolgreichen Jahren
mit einer intakten Parteistruktur, Regierungserfahrung und einer
soliden Parlamentsfraktion in die Opposition gegangen zu einer
amorphen Regierung aus ad hoc gegründeten Wahlvereinen
unterschiedlichen Zuschnitts, ohne Regierungserfahrung und mit Carlos
Mesa als einem Präsidenten, der durchaus als besonnen und umgänglich
gilt.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Notbremse?
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Doch
um 19:40 Uhr wurde die Schnellauszählung für 24 Stunden angehalten.
Am nächsten Morgen verkündete die regierungsnahe Presse dann einen
mehr als zehnprozentigen Vorsprung für die MAS. Die Opposition sah
sich in ihrer Befürchtung bestätigt: Wahlbetrug! In der Nacht zum
Dienstag (22.10.) wurden in sechs der neun Departements des Landes
die Zentralen der Wahlbüros abgefackelt. In Potosí retteten sich
zwei Menschen gerade noch durch einen Sprung aus dem Fenster. Der
Vizepräsident der Wahlbehörde trat zurück. Ein souveräner, erfahrener und verantwortungsbewusster Präsident hätte da vielleicht noch landesväterlich
auftreten und Aufklärung versprechen können, ja müssen.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    So
steuerte man geradewegs auf den politischen Totalschaden zu. Es
dauerte noch bis zum Freitag, bis ein amtliches Endergebnis verkündet
wurde: 47,8 : 36,5 Prozent. Auch dieses ist mehr als dubios, denn die
Internetseite der Wahlbehörde nannte andere Zahlen! Aber das
interessierte schon nicht mehr. Morales hatte sich bereits am
Donnerstag zum Sieger im ersten Wahlgang erklärt. Mit
Straßenblockaden traten Bürgerkomitees auf den Plan (Comités
Cívicos), mit mehr oder weniger bekannten Persönlichkeiten an der
Spitze, die vorformulierte Deklarationen auf Massenveranstaltungen
per Akklamation verabschiedeten. (Sie wären auch ideale Plattformen
für finanzielle und logistische Interventionen aus dem Ausland.)
Diese forderten schon vor dem amtlichen Endergebnis zunächst eine
Neuauszählung der Stimmen durch die Wahlbeobachter der OAS
(Organisation Amerikanischer Staaten). Das Ergebnis sollte bindend
sein. Die Regierung war erst dagegen und willigte dann ein. Im
schlimmsten Fall wäre für sie nun doch eine Stichwahl notwendig
geworden. 

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;!--StartFragment--&gt;    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Schleichender
Putsch
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
    &lt;!--EndFragment--&gt;    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Erste
Straßenblockaden der Opposition machten einen eher harmlosen
Eindruck. Doch als die OAS-Kontrolleure mit ihrer Arbeit begannen,
forderte die Opposition schon die Annullierung der Wahlen, den
Rücktritt von Morales und Neuwahlen ohne ihn. Ihre Blockaden wurden
intensiver, die Demonstrationen härter. Es ging bereits um die
Blockade von Regierungs- und Zollgebäuden mit dem Ziel, diese von
weiteren Einnahmen abzuschneiden. Die MAS sprach von Putsch und
mobilisierte ihrerseits ihre Anhänger. Drei Menschen starben bei
Zusammenstößen. Der MAS-Bürgermeisterin eines Nachbarortes der
Stadt Cochabamba wurden die Haare abgeschnitten, sie wurde mit roter
Farbe übergossen und von einem Mob durch die Straßen getrieben. Die
Polizei reagierte verhalten bis gar nicht.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Inzwischen
hatte Luís Fernando Camacho, Chef des Comité Cívico der
Oppositionshochburg Santa Cruz, mit einem vorformulierten
Rücktrittsschreiben die Initiative an sich gezogen. Er flog damit
nach La Paz und kündigte an, er würde nicht eher wieder
zurückkehren bis Morales das unterschrieben habe. Koste es was es
wolle! Dabei kam es zu direkten Auseinandersetzungen zwischen
Anhängern beider Lager. Camacho war bereits beim Zivilputsch von
2008 in den Reihen der rechtsextremen und paramilitärischen „Union
der Cruzenistischen Jugend“ hervorgetreten. Damals hatten sich
Tieflanddepartements jenseits der gültigen Verfassung eigene
Autonomiestatuten gegeben. Er gilt als christlicher Eiferer und
Vertreter von Positionen à la Bolsonaro. Manche nennen ihn auch
einen christlichen Faschisten. Die Panama Papers erwähnten ihn im
Zusammenhang mit Geldwäsche. Die Sicherheitskräfte hielten sich
zurück. Camacho hatte den Polizisten volle Bezüge nach der
Pensionierung versprochen. Morales willigte schließlich in Neuwahlen
ein; Oppositionskandidat Mesa trat praktisch gar nicht mehr in
Erscheinung.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
*
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Aus
den Conclusiones des OAS-Zwischenberichts: „Teniendo en cuenta las
proyecciones estadísticas, resulta posible que el candidato Morales
haya quedado en primer lugar y el candidato Mesa en segundo. Sin
embargo, resulta improbable estadísticamente que Morales haya
obtenido el 10% de diferencia para evitar una segunda vuelta.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
*
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Am
Donnerstag (8.11.) gaben erste Polizeieinheiten ihre Untätigkeit auf
und schlossen sich den Protesten an. Die Militärführung rief zur
Ruhe auf und erklärte, sie würde sich niemals gegen das Volk
stellen. In dieser Situation erschien ein Zwischenbericht der OAS,
der von „schweren Unregelmäßigkeiten“ sprach, ohne aber Details
und Verantwortliche zu benennen; einen Endbericht gibt es noch immer
nicht. Morales rief zum Dialog der Parteien auf. Die Opposition wies
das brüsk zurück. Am Samstag forderte Armeechef Williams Kaliman
(im Bild) Morales zum Rücktritt auf. Der erfolgte am Sonntag 10.11.,
ist aber eigentlich nicht rechtskräftig, weil das Parlament ihn
annehmen muss (Art. 161/3 der Verfassung). Morales hatte zu diesem
Zeitpunkt Grund, um seine Unversehrtheit und sein Leben zu fürchten.
Die Opposition jubelte. Frustrierte MAS-Anhänger, Oppositionelle und
gewöhnliche Kriminelle zogen marodierend durch die Städte. Morales'
Haus in Cochabamba wurde verwüstet, das seiner Schwester,
verschiedener Minister und das des Comité Cívico-Chefs von La Paz
und Rektors der Universität UMSA, Waldo Albarracín, in Brand
gesteckt. Die Polizei blieb weiterhin weitgehend unsichtbar. Nachdem
auch zwei Polizeizentralen abgefackelt wurden, erklärte die
Militärführung, dass sie die Sicherheit in den Straßen
wiederherstellen wolle. Das war auch dringend notwendig. Die Polizei
hatte das tagelang nicht gekonnt – oder nicht gewollt. Indes: So
lange es noch um die Erhaltung der institutionellen Ordnung ging,
hatten die Militärs das abgelehnt. Die alte Regierung ist eigentlich
noch bis zum 22. Jänner im Amt. Doch auch dies spielte keine Rolle
mehr. Es fällt auf, dass die Forderungen und Handlungen der
Opposition mit jedem Nachgeben der Regierung schrittweise radikaler
wurden. War es Zufall, oder steckte ein Drehbuch, eine sorgfältige
Choreografie, dahinter?
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Machtergreifung
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Am
12. November hat sich die Vize-Vize-Präsidentin des Senats, Jeanine
Añez
zur Interimspräsidentin ausgerufen und Neuwahlen angekündigt. Die
anwesenden Abgeordneten (11 von 36) der bisherigen Opposition hatten
kein Quorum. Hätte man unter den gegebenen Umständen und bei der
Größe des Landes den Abgeordneten nicht Zeit geben müssen, zur
Sitzung zu kommen? Sie selbst sprach am gleichen Tag mit den
Bischöfen über Sicherheitsgarantien für die MAS-Abgeordneten.
Diese tagten dann am nächsten Tag (allein) in der
Abgeordnetenkammer. Sie hatten ein Quorum. Anwesend war auch die
bisherige Senatspräsidentin Adriana Salvatierra, obwohl ihr der
Zugang zum Parlament zunächst von Sicherheitskräften verwehrt
wurde. Laut Verfassung wäre eine Interimspräsidentschaft ihr
zugefallen (Art. 169/I)
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Das
am 13.11. vorgestellte Interimskabinett trat als eines der
„Nationalen Versöhnung“ auf und kommt, jedenfalls auf den ersten
Blick, ohne die ganz großen Provokationen aus, darum bemüht, eine
gewisse Legitimitität zu gewinnen. Ministro de la Presidencia,
rechte Hand der bisher weithin unbekannten Jeanine Añez,
ist
mit Jerjes Justiniano freilich der Anwalt des Scharfmachers Luís
Fernando Camacho.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Auf
die Ankündigung, man wolle „politisch nominierte Botschafter“
abberufen, reagierte Boliviens Botschafter bei der UNO in New York,
Sacha Llorenti, mit den Worten, er sei nicht zurückgetreten und
werde dies auch nicht tun. Er sei vom verfassungsmäßigen
Präsidenten eingesetzt und mit zwei Drittel der Stimmen vom Senat
bestätigt. Das verdeutlicht das ganze Legitimitätsdilemma.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Die
Legitimität des Kabinetts sank weiter, nachdem bei der
Amtseinführung die Bibel über die Verfassung gestellt wurde, obwohl
Bolivien ein laizistischer Staat ist (Art. 4). Dieselbe Verfassung,
deren Artikel 168 die Opposition so nachdrücklich reklamiert hatte.
Schließlich erhielten
die Sicherheitskräfte per Dekret (No. 4078) Straffreiheit bei
Aktionen zur Wiederherstellung der öffentlichen Ordnung. Am Vortag
wurden an einer Brücke vor der Stadt Cochabamba hunderte, teilweise
auch bewaffnete Kokabauern von Sicherheitskräften aufgehalten und
neun von ihnen erschossen, mehr als hundert verwundet. Kabinettschef
und Innenminister stellten es so dar, als seien die Schüsse aus den
eigenen Reihen gekommen, als hätten sich die Bauern praktisch selbst
erschossen. Demgegenüber sprach die Interamerikanische
Menschenrechtskommission von völlig unverhältnismäßigem Vorgehen.
Auch die UNO-Hochkommissarin für Menschenrechte, Michelle Bachelet,
zeigte sich tief besorgt. Wenige Tage später wurden beim
Durchbrechen einer Blockade der Gasversorgung in El Alto erneut zehn
Menschen erschossen.


  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Der
Widerstand der einst so starken sozialen Bewegungen war wuchtig und
führte besonders in La Paz zu ernsten Versorgungsschwierigkeiten.
Doch er war längst nicht so massiv, organisiert und ausdauernd wie
erwartet. Sie hatten 2003 den Präsidenten Sánchez de Lozada
gestürzt. Sind sie unentschlossen oder zahnlos geworden, nachdem sie
zu Erfüllungsgehilfen der Regierung Morales degradiert waren, wie
linke Kritiker meinen?
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Wie
kann es nun weitergehen? Kann man dieser „Interimsregierung“
trauen? Wird sie tatsächlich zeitnah Neuwahlen organisieren und die
Errungenschaften des 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      proceso
de cambio
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
unangetastet lassen? Die Tatsache, dass sie sich als
„Interimsregierung“ anmaßte, bereits eine komplette
außenpolitische Neuorientierung einzuleiten (Wiederaufnahme der
Beziehungen zu Washington, Ausweisung von mehr als 700 kubanischen
Ärzten, Anerkennung von Juan Guaidó in Venezuela, Abberufung fast
des kompletten diplomatischen Corps), spricht eine andere Sprache.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Dass
sich in ihrem Windschatten die Geister der Vergangenheit zurückmelden
ebenso. Hinter Camacho steht der steinreiche Speiseöl-Tycoon Branko
Marincovic, der schon zu den Drahtziehern des Zivilputsches von 2008
gehörte und dem Kontakte zur kroatischen Ustascha nachgesagt werden.
Aus dem US-Exil meldete sich der frühere Innenminister Carlos
Sánchez Berzaín zu Wort, der für das Massaker von El Alto im Jahr
2003 verantwortlich war, das zum Rücktritt von Präsident „Goni“
Sánchez de Lozada führte. (Dessen Vizepräsident war damals Carlos
D. Mesa, der wegen dieses Massakers zurückgetreten war. Nachdem das
Parlament seinen Rücktritt aber noch nicht angenommen hatte, wurde
er nach der Flucht des Präsidenten am Abend desselben Tages
automatisch zum Interimspräsidenten; ein uns inzwischen bekanntes
Nachfolgeprozedere.) Und hinter den Kulissen der „Interimsregierung“
agiert als Drahtzieher ganz offen Jorge „Tuto“ Quiroga,
Vizepräsident unter Exdiktator Hugo Banzer und nach dessen Krebstod
sein Nachfolger (2001-2002). 

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Kann
sich die MAS ohne ihre paternalistisch-autoritär agierende
Führungsspitze reorganisieren? Gerüchte besagen, dass das Kabinett
Morales in der Frage des Vorgehens nach der Wahl tief gespalten war.
Was ist aus den Verbliebenen geworden? Dass das Parlament wieder
tagt, ist zumindest ein Lebenszeichen. Inzwischen gab es
Verhandlungen zwischen der „Interimsregierung“ und
MAS-Abgeordneten und eine Einigung im Senat. Präsidenten des Senats
beziehungsweise der Abgeordnetenkammer sind nunmehr Eva Copa und
Pedro Montes von der MAS. Und inzwischen hat man sich im Konsens auch
auf ein Neuwahlgesetz geeinigt. Diese sollen innerhalb von 120 Tagen
stattfinden. Als Resultat eines „nationalen Dialogs“ gibt es ein
Abkommen zwischen der „Interimsregierung“ und den wichtigsten
sozialen Bewegungen über die Freilassung von bei den Protesten
Gefangenen und ein Gesetz zur Befriedung des Landes. Das umstrittene
Dekret 4078 wurde außer Kraft gesetzt.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Trotzdem
bleibt die Lage weiter angespannt und unübersichtlich. Es gibt Fälle
von Zensur. Die prominenten Persönlichkeiten der MAS sind fast alle
im Exil, haben in ausländischen Botschaften um Exil angesucht
und/oder stehen unter Terrorismusanklage. Werden unter diesen
Bedingungen freie und gleiche Wahlen möglich sein? Im Lager der
früheren Opposition positionieren sich die jungen Führer der
Comités Cívicos von Santa Cruz und Potosí, Camacho und Pumari, als
Befürworter eines Einheitsblocks und eines Generationswechsels. Der
Wahlsieger und der Wahlzweite, die es am 20. Oktober zusammengenommen
auf über 80 Prozent der Stimmen gebracht haben, sind (vorerst)
abgemeldet. Bolivien könnte in die alten Zeiten der Instabilität
und des Autoritarismus zurückfallen.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Rückkehr
des Neoliberalismus?
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Es
sei kein Putsch gewesen, sagt die selbsternannte
„Interimspräsidentin“, Jeanine Añez, sondern eine demokratische
Revolution. An einer „Revolution“ scheint zumindest ihre
„Interimsregierung“ zu arbeiten, die doch eigentlich nur
Sicherheit und Ordnung wiederherstellen und Neuwahlen organisieren
wollte: Einer „Konterrevolution“ im Sinne der Wiederherstellung
des Status quo vor 2006. Erzkatholische, rechtsextreme und
unternehmerfreundliche Kreise stützen sie. Die eilige Wiederaufnahme
diplomatischer Beziehungen zu Washington dürfte auch eine Rückkehr
zur Politik des “Washington Consensus“ einleiten. Von „cambio
de proceso“ statt „proceso de cambio“, sprach bereits der
frisch nominierte Botschafter. Politiker der Vergangenheit kehren
zurück. Guido Náyar, vormals Vorsitzender des mächtigen Verbandes
der Privatunternehmer von Santa Cruz und von 1997-99 Innenminister
unter Exdiktator Hugo Banzer, ist bereits da.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Gänzlich
gebrochen hatte die Regierung Morales mit dem Neoliberalismus ohnehin
nie, sondern weiter auf den Export nicht erneuerbarer Rohstoffe
gesetzt, die Abhängigkeit davon sogar noch vergrößert und einen
Stillhaltepakt mit der mächtigen Agrarlobby des Tieflands
geschlossen. Immerhin: Mit den sprudelnden Einnahmen aus den
nationalisierten Kohlenwasserstoffen konnte man eine höchst
erfolgreiche Sozialpolitik betreiben, die gleichzeitig den
Binnenmarkt stärkte. (Vgl. den vorletzten Blog: „Bolivien und sein
Prozess des Wandels“.) Die Wirtschaftsdaten sind (noch) gut und die
sozialpolitischen Leistungen beispielgebend. Morales war damit
sicherlich der erfolgreichste Präsident seit langem – und das Land
stabil. Fast die Hälfte der Wahlberechtigten hat für ihn gestimmt.
Er hat das Leben einer großen Zahl von Bolivianerinnen und
Bolivianern verbessert, für die Vorgängerregierungen nur
Missachtung, manchmal Verachtung übrig hatten. Die Armutsquote war
von 38 auf 18 Prozent gesunken.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Wie
konnte es dann zu diesem Absturz der MAS in der Wählergunst auf rund
47 Prozent kommen? 2014 hatte man mit 61 Prozent gewonnen, 2009 mit
64 Prozent, 2005 mit 54. Es ist wohl die Hybris der Macht, die
zunehmend autokratische Züge annahm und sich als kritik- und
beratungsresistent erwies. Eine ganze Reihe von Mentoren, Beratern,
Weggefährten wurde abserviert und kalt gestellt. Mit dem verbündeten
„Movimiento Sin Miedo“ (heute Sol.bo), das seit fast zwei
Jahrzehnten sehr erfolgreiche Bürgermeister von La Paz stellt und
inzwischen auch von El Alto - ein Ballungsraum, in dem 15 Prozent der
Gesamtbevölkerung wohnen - hat man ohne Not gebrochen. Die sozialen
Bewegungen, die zu den stärksten in Lateinamerika gehörten und die
entscheidenden Säulen des angestrebten Wandels („el proceso de
cambio“) waren, wurden nach und nach zu Erfüllungsgehilfen
degradiert. Andererseits ist da die Unfähigkeit, sich von Leuten zu
trennen, an denen zäh wie Pech Korruptionsvorwürfe haften.
Bemerkenswert ist daneben der Verlust der Intellektuellen (gerade
auch der Linksintellektuellen) und der städtischen Mittelschichten,
die über schlechte Verwaltung klagen: Posten würden mit
Gefolgsleuten aus den sozialen Bewegungen besetzt, statt mit
qualifiziertem Personal, Korruption grassiere wie früher. Politische
Diskurse wirkten abgedroschen und steril, neue Ideen suchte man
vergebens. Dazu kam die Enttäuschung über die Diskrepanz von
hochfliegender Umweltrhetorik und mangelnder Umweltpolitik sowie die
Vernachlässigung der indigenen Völker des Tieflands. Schließlich
sind da noch skurrile bis kabarettreife Frauengeschichten, von denen
die Affäre Gabriela Zapata, garniert mit einem handfesten
Korruptionsskandal, wohl bereits für die fehlenden 2,6 Prozentpunkte
beim gescheiterten Wiederwahlreferendum vom 21. Februar 2016
verantwortlich war. 

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Politisches
Versagen
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Mehr
als alles andere aber hat man Morales übel genommen, dass er sich
über dieses Wählervotum hinwegsetzte. Der Einbruch von 16
Prozentpunkten in der Wählergunst spricht eine klare Sprache.
Bolivien blickt auf eine leidvolle Geschichte politischer
Instabilität zurück. Seit der Unabhängigkeit im Jahr 1825 musste
das Land mehr Regierungen über sich ergehen lassen, als Jahre ins
Land gingen. Die Älteren erinnern sich noch lebhaft an 18 Jahre
teilweise blutiger Militärdiktaturen (1964-82). Auch die nach der
Redemokratisierung folgenden Jahre der „paktierten Demokratie“,
mit ihren instabilen Megakoalitionen, sind den Menschen vor allem
durch Korruption und „politiquería“ in Erinnerung. Nach dem
Amtsantritt von Evo Morales im Januar 2006 folgten dann neben den
regulären Wahlen auch eine Vielzahl von Abstimmungen, was Spötter
von einer „referenditis“ sprechen ließ. Die MAS hat sie alle mit
absoluter Mehrheit gewonnen. Auf Unruhen im Zuge der
Verfassunggebenden Versammlung reagierte Morales mit einem
Abwahlreferendum, das er im August 2008 mit 67 Prozent der Stimmen
gewann. Die Antwort darauf war der gescheiterte Zivilputsch vom
September 2008. Die Verfassung – einschließlich ihres Artikels 168
– war dann die erste, die den Bolivianerinnen und Bolivianern zur
Abstimmung vorgelegt wurde; sie wurde im Januar 2009 mit 61 Prozent
der Stimmen angenommen. Für Bolivien waren das ganz neue
Demokratieerfahrungen, um die man sich nun vom selben Evo Morales
betrogen sah.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Repression
tat ihre Wirkung. Geld mag eine Rolle gespielt haben, ausländische
Drahtzieher vielleicht – das ist einstweilen Spekulation. Die OAS
hat mit ihren vorschnellen Äußerungen sicher nicht zur Beruhigung
der Lage beigetragen. Wieso hat sie eigentlich keinen
Abschlussbericht vorgelegt? Jenseits dessen ist der Sturz von Morales
ohne einen tiefen Glaubwürdigkeitsverlust nicht erklärbar.
Oberbefehlshaber Williams Kaliman, der Morales zum Rücktritt
aufforderte, war ursprünglich ein MAS-Getreuer, der sich selbst als
„soldado del proceso de cambio“ und Morales als „hermano“
bezeichnete. (Er wurde von Añez auch sogleich ersetzt.) Der
Vorsitzende des Gewerkschaftsbundes (COB), Juan Carlos Huarachi,
schloss sich dieser Aufforderung an. Ebenso die
Landarbeitergewerkschaft CSUTCB – letztere mit bewegenden Worten.
Der Widerstand der sozialen Bewegungen war nicht so stark,
organisiert und ausdauernd wie erwartet. Er bröckelte relativ rasch.
Erstaunlich schnell haben sie dann ein Abkommen zur Befriedung mit
der „Interimsregierung“ geschlossen. Gleiches gilt für die
MAS-Fraktion, die im Parlament eine Zweidrittelmehrheit hält, wo man
im Konsens ein Neuwahlgesetz verabschiedet hat.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Wie
es weiter gehen wird, ist unklar. Unter den gegebenen Umständen
scheint es fraglich, ob faire Neuwahlen stattfinden können. Die
Opposition war bisher schwach, zersplittert und nur in der Ablehnung
von Morales geeint. Wird sich die MAS reorganisieren können? Wer
wird antreten, wenn die wichtigsten Persönlichkeiten unter einer
absurden Terrorismusanklage stehen? Bolivien könnte in die
vergangenen Zeiten der politischen Instabilität zurückfallen.
Ökonomisch stehen ohnehin schwierigere Jahre ins Haus. Der
Extraktivismus fordert seinen Tribut. Die Überschüsse schmelzen,
Kredite mussten bereits aufgenommen werden. Sparprogramme könnten
ins Haus stehen.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Nachsatz:
Die Wahlen selbst waren am 20.10. bei einer Wahlbeteiligung von 89,62
Prozent vollkommen ruhig und geordnet abgelaufen. Die Bolivianerinnen
und Bolivianer sind für die Demokratie reifer als ihre politische
Klasse. Eine 37-jährige Periode der Demokratie – die längste in
der bolivianischen Geschichte – ist nunmehr (hoffentlich nur
vorläufig) beendet.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
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      <pubDate>Sat, 30 Nov 2019 00:00:00 GMT</pubDate>
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    </item>
    <item>
      <title>Wahlchaos in Bolivien</title>
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      <description />
      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
                  
  Dem Andenland stehen unruhige Zeiten bevor

                &#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/4e3a91da2fa849afa260009be23256a9/dms3rep/multi/DSC00031.JPG" alt="" title=""/&gt;&#xD;
  &lt;span&gt;&#xD;
  &lt;/span&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    „Evo,
no estás sólo“ (Du bist nicht allein) riefen seine Anhänger dem
amtierenden Präsidenten Evo Morales (MAS – Movimiento al
Socialismo) am Wahlabend (Sonntag, 20.10.) zu. Siegesfeiern sehen
anders aus. Das Zwischenergebnis der Schnellauszählung lag da bei
45:38 Prozent zugunsten der MAS. Das bedeutete einen Absturz um 16
Prozentpunkte gegenüber der letzten Wahl von 2014. Vor allem: Um im ersten
Wahlgang zu gewinnen, ist eine absolute Mehrheit nötig oder
mindestens 40 Prozent, bei 10 Prozent Abstand zum Zweiten.
Oppositionskandidat Carlos D. Mesa von der bürgerlichen Comunidad
Ciudadana (CC) hatte mit seinen 38 Prozent allen Grund zum Jubel: Umfragen hatten ihn bei
nur 22 Prozent gesehen. Bei einer Stichwahl würden sich die
zersplitterten Oppositionsgruppierungen um ihn scharen. 

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Notbremse?
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Dann
wurde um 19:40 Uhr die Schnellauszählung gestoppt und erst 24
Stunden später wieder aufgenommen. Wahlbeobachter der Organisation
Amerikanischer Staaten (OAS) verlangten eine Erklärung. Der Oberste
Wahlgerichtshof (TSE) schwieg. Auf seiner Internetseite erschienen
vielmehr am Montag (21.10.) konfuse Zahlen eines vorläufigen
amtlichen Endergebnisses. Ein solches lag erst am Freitag (25.10.)
vor. Nach dem Stopp der Auszählung am Sonntagabend brauchte man also
fast die ganze Woche, um die verbliebenen rund 15 Prozent der Stimmen
auszuzählen. Demgegenüber verkündete die regierungsnahe Presse
schon am Montag ein vorläufiges Endergebnis von 46,86 (MAS) zu 36,73
(CC). Damit wäre die MAS Sieger im ersten Wahlgang. Die
OAS-Beobachter sprachen von drastischen Veränderungen bei der
Auszählung, die schwierig zu rechtfertigen seien, und zeigten sich
zutiefst besorgt und erstaunt. Die Opposition hatte im Vorfeld der
Wahlen bereits Betrug gewittert und rief zum Widerstand auf. Seit der
Nacht zum Dienstag (22.10.) wird aus dem ganzen Land von Unruhen und
brennenden MAS-Büros berichtet. In Potosí konnten sich zwei
Menschen durch einen Sprung aus dem zweiten Stock des brennenden
Hauses des Obersten Wahlgerichts gerade noch retten. Der
Vizepräsident des TSE, Antonio Costas, trat tags darauf (22.10.)
zurück: Man hätte die Auszählung nicht unterbrechen dürfen.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Hybris
der Macht
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Am
Donnerstag (24.10.) erklärte sich Morales zum Sieger im ersten
Wahlgang mit 10,56 Prozentpunkten Vorsprung. Die Zahlen auf der
Internetseite des TSE bestätigten das nicht; ihnen zufolge war immer
noch eine Stichwahl nötig. Außerdem lag die Auswertung auch da erst
bei 98,42 Prozent. Doch das spielte wohl keine Rolle mehr. Eine
sichtlich überforderte Präsidentin des TSE bestätigte auf einer
Pressekonferenz am Freitag den Wahlsieg von Morales. Fragen waren
keine zugelassen. Demgegenüber lag das amtliche Endergebnis laut
Internetseite des TSE (25.10., 21:09h) bei 46,66 (MAS) und 36,83 (CC)
– also keine 10 Prozent Vorsprung. Es handelt sich entweder um
unfassbare Unfähigkeit der Wahlbehörde oder um Wahlbetrug. Doch
damit werden sich Juristen und Historiker beschäftigen.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Wie
konnte es überhaupt zu diesem Absturz der MAS in der Wählergunst
kommen? 2014 hatte man mit 61 Prozent gewonnen, 2009 mit 64 Prozent,
2005 mit 54. Die Wirtschaftsdaten sind (noch) gut und die
sozialpolitischen Leistungen beispielgebend. Morales war damit
sicherlich der erfolgreichste Präsident seit langem – und das Land
stabil. Fast die Hälfte der Wahlberechtigten hat für ihn gestimmt.
Er hat das Leben einer großen Zahl von Bolivianerinnen und
Bolivianern verbessert, für die Vorgängerregierungen nur
Missachtung, manchmal Verachtung übrig hatten. Die Armutsquote war
von 38 auf 18 Prozent gesunken.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Er
hatte sich die „Entkolonisierung“ des Landes vorgenommen und
voran gebracht, aber die im eigenen Kopf nicht geschafft. Es ist wohl
die Hybris der Macht. Gewiss: Ein Blick in die Nachbarschaft zeigt,
wie skrupellos und rabiat die politische Rechte vorgeht. Man denke an
das Schicksal von Lula da Silva in Brasilien. Doch alle Kritiker
pauschal als „la derecha“ (die Rechte) abzustempeln, oder als
Angreifer im Dienste des „Imperiums“ (gemeint sind die USA) zu
werten, ist nicht nur steril, sondern führt zu Beratungsresistenz
und ist Ausdruck von Unsicherheit - und eben einer Hybris der Macht.
Eine ganze Serie von Mentoren, Beratern, Weggefährten wurde
abserviert und kaltgestellt. Mit dem verbündeten „Movimiento Sin
Miedo“ (heute Sol.bo), das seit fast zwei Jahrzehnten sehr
erfolgreiche Bürgermeister von La Paz stellt und inzwischen auch von
El Alto - ein Ballungsraum, in dem 15 Prozent der Gesamtbevölkerung
wohnen -, hat man ohne Not gebrochen. Die sozialen Bewegungen, die zu
den stärksten in Lateinamerika gehörten und die entscheidenden
Säulen des angestrebten Wandels („el proceso de cambio“) waren,
wurden nach und nach zu Erfüllungsgehilfen degradiert. Andererseits
ist da die Unfähigkeit, sich von Leuten zu trennen, an denen zäh
wie Pech Korruptionsvorwürfe haften. Bemerkenswert ist daneben der
Verlust der Intellektuellen (gerade auch der Linksintellektuellen)
und der städtischen Mittelschichten, die über schlechte Verwaltung
klagen: Posten würden mit Gefolgsleuten aus den sozialen Bewegungen
besetzt, statt mit qualifiziertem Personal, Korruption grassiere wie
früher. Politische Diskurse wirken abgedroschen und steril, neue
Ideen sucht man vergebens. Stark kritisiert wird auch das neue, 119
Meter hohe Regierungsgebäude „Casa Grande del Pueblo“, das unter
dem Strich gar nicht so furchtbar teuer war und Vorteile bringt, aber
für viele eine bombastische Bausünde im historischen Stadtzentrum
von La Paz darstellt. Dazu kommt die Enttäuschung über die
Diskrepanz von hochfliegender Umweltrhetorik und mangelnder
Umweltpolitik sowie die Vernachlässigung der indigenen Völker des
Tieflands. Schließlich sind da noch skurrile bis kabarettreife
Frauengeschichten, von denen die Affaire Gabriela Zapata, garniert
mit einem handfesten Korruptionsskandal, wohl bereits für die
fehlenden 2,6 Prozentpunkte beim gescheiterten Abwahlreferendum vom
21. Februar 2016 verantwortlich war. Der Autor war bei seinem letzten
Aufenthalt im August überrascht und perplex über das Ausmaß der
Evo-Überdrüssigkeit.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      It's
the democracy, stupid
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Trotz
allem: F21 war praktisch das alleinige Thema der Opposition im
Wahlkampf: Am 21. Februar 2016 hatte die Regierung ein Referendum
über den Verfassungsartikel 168 verloren, der nur eine Wiederwahl des
Präsidenten in Folge erlaubt. Der Oberste Gerichtshof stellte
daraufhin das passive Wahlrecht über den Artikel 168 und kippte
damit das Wählervotum. Die Opposition sah also bereits die erneute
Kandidatur von Morales als unrechtmäßig an und spricht nun von
Wahlbetrug. Sollte sie sich doch noch durchsetzen: Es handelt sich
ausnahmslos um Ad-hoc-Wahlvereine ohne konsolidierte Parteistruktur.
Die Bewegung F21 (rund 4%) und die christdemokratische PDC des
Evangelikalen Chi Hyun Chung, der frauenfeindliche und extrem
konservative Positionen à la Bolsonaro vertritt (nahe 9%), werden
Mesa unterstützen. Bis auf Mesa, der zwischen Oktober 2003 und Juni
2005 Interimspräsident war, sticht niemand mit Regierungserfahrung
hervor.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Bolivien
blickt auf eine leidvolle Geschichte politischer Instabilität
zurück. Seit der Unabhängigkeit im Jahr 1825 musste das Land mehr
Regierungen über sich ergehen lassen, als Jahre ins Land gingen. Die
Älteren erinnern sich noch lebhaft an 18 Jahre teilweise blutiger
Militärdiktaturen (1964-82). Auch die nach der Redemokratisierung
folgenden Jahre der „paktierten Demokratie“ mit ihren instabilen
Megakoalitionen sind den Menschen vor allem durch Korruption und
„politiquería“ in Erinnerung, obwohl auch wichtige Fortschritte
gemacht wurden. Nach dem Amtsantritt von Evo Morales im Januar 2006
folgten dann neben den regulären Wahlen auch eine Vielzahl von
Abstimmungen, was Spötter von einer „referenditis“ sprechen
ließ. Die MAS hat sie alle mit absoluter Mehrheit gewonnen. Für das
Land war das eine ganz neue Demokratieerfahrung.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Gesetzestexte
und Verfassungsparagraphen hätten „erlebnisorientierten
Charakter“, schrieb Stefan Jost in seiner Habilitationsschrift über
das politische System Boliviens. Er hatte ab 1994 das dortige  Büro
der Konrad-Adenauer-Stiftung geleitet. Das war lange vor den 13
Jahren relativ stabiler Demokratie ab 2006. Doch sein Diktum kann man
nun wohl auch auf Wahlergebnisse ausdehnen. Artikel 168 der
Verfassung war auf Betreiben der Opposition nachträglich in den
bereits verabschiedeten Verfassungsentwurf aufgenommen worden. Diese
Nachverhandlungen im Parlament waren ein Zugeständnis der Regierung
Morales an die Opposition zur Beruhigung der Lage nach dem
„Zivilputsch“ vom September 2008. Ein Viertel aller Artikel wurde
dabei modifiziert. Im Einberufungsgesetz zur Verfassunggebenden
Versammlung waren solche Nachverhandlungen nicht vorgesehen. Doch der
solchermaßen geänderte Verfassungsentwurf wurde in einem Referendum
am 25. Januar 2009 mit 61 Prozent der Stimmen bei einer
Wahlbeteiligung von 90 Prozent angenommen. Es war der erste in der
Geschichte, der dem Volk zur Abstimmung vorgelegt wurde. Viele
Menschen sehen daher nun das Wählervotum bereits zum dritten Mal
durch die MAS ausgehebelt.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Sollte
Wahlsieger Morales die Oberhand behalten, ist jedenfalls die bisher
komfortable Parlamentsmehrheit dahin und er wird ein gewaltiges
Legitimitätsdefizit mit sich herumschleppen. Solchermaßen
geschwächt, wird seine Regierung mit einer sich abzeichnenden raueren Konjunktur konfrontiert sein. Noch konnten sinkende
Einnahmen aus den Rohstoffexporten durch eine solide Binnenkaufkraft
(ein Erfolg der MAS-Politik) abgefedert werden. Doch Handels- und
Leistungsbilanzdefizite wachsen, wie auch die Neuverschuldung.
Sparprogramme stehen ins Haus. Vor diesem Hintergrund könnte sich
die Regierung umso leichter zu neuen Konzessionen gegenüber der
Agraroligarchie im Tiefland gezwungen sehen, mit der sie nach dem
„Zivilputsch“ im September 2008 einen Stillhaltepakt geschlossen
hatte.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Nach
seinem letzten Wahlerfolg 2014 hatte Morales angekündigt, er wolle
sich 2020 in seine  Heimat zurückziehen, ein Restaurant eröffnen
und dort kellnern. Viele (darunter der Autor) hatten das dem „animal
político“ nicht abgenommen. Eine knappe Mehrheit der Wählerinnen
und Wähler wünscht ihn nun wahrscheinlich genau dorthin. Womöglich
hat sich Morales am Vorabend seines 60. Geburtstags (26.10.) ein
Danaergeschenk gemacht. Eine Neuauszählung der Stimmen unter
Aufsicht der OAS, wie diese und die Europäische Union sie fordern,
wäre eine Option. Auf Bolivien kommen nach Jahren der Stabilität
schwierige Zeiten zu.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Nachsatz:
Die Wahlen selbst waren am 20.10. bei einer Wahlbeteiligung von 89,62
Prozent vollkommen ruhig und geordnet abgelaufen. Die Bolivianerinnen
und Bolivianer sind für die Demokratie reifer als ihre politische
Klasse.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
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      <pubDate>Wed, 30 Oct 2019 15:26:09 GMT</pubDate>
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    </item>
    <item>
      <title>Bolivien und sein Prozess des Wandels</title>
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      <content:encoded>&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/4e3a91da2fa849afa260009be23256a9/dms3rep/multi/chavez3.JPG" alt="" title=""/&gt;&#xD;
  &lt;span&gt;&#xD;
  &lt;/span&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;h3&gt;&#xD;
  
                  
  Warum im Andenstaat vieles anders läuft

                &#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Wenn
in Bolivien am 20. Oktober gewählt wird, geht es darum, ob Präsident
Evo Morales noch einmal eine absolute Mehrheit für seinen „proceso
de cambio“ bekommt. Während anderswo Wege aus tiefster
Wirtschaftskrise gesucht werden und politische Umstürze zur Debatte
stehen, ist Bolivien relativ stabil. Dabei war das Land im Herzen
Südamerikas vor anderthalb Jahrzehnten noch dessen notorisches
Armenhaus und galt lange als Prototyp politischer Instabilität. Was
läuft dort anders? Eine Bilanz mit Licht und Schatten.
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      &lt;b&gt;&#xD;
        
                        
        © 
      
                      &#xD;
      &lt;/b&gt;&#xD;
      
                      
      Robert Lessmann, La Paz/ Wien, aktualisiert 6.9.2019
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Seit
seiner Unabhängigkeit (1825) hatte Bolivien mehr Regierungen als
Jahre ins Land gingen. Manchmal mehrere an einem Tag. Zuletzt war das
in der Zeit der Militärdiktaturen (1964-81) so, wo manche Juntas nur
zwei Wochen hielten und die einzige Präsidentin des Landes, Lidia
Gueiler, nach einem halben Jahr von ihrem eigenen Cousin aus dem Amt
geputscht wurde. Auch die nachfolgende Epoche der Demokratisierung ab
1982 war mit ihren Megakoalitionen nur vordergründig stabil.
Mehrheiten zwischen 20 und 30 Prozent reichten zur Präsidentschaft.
Die ökonomische Basis des Modells bestand in ausländischer
Entwicklungshilfe (um die zehn Prozent des BIP; gut 50 Prozent davon
in direkter oder indirekter Abhängigkeit von Washington),
bescheidenen Renten aus den Rohstoffexporten und nicht
unbeträchtlichen Einnahmen aus dem Kokaingeschäft.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Das
änderte sich mit dem Erdrutschsieg von Evo Morales und seiner MAS
(Movimiento al Socialismo) im Herbst 2005, wo zum ersten Mal seit
einem halben Jahrhundert mit 54 Prozent eine absolute Mehrheit
zustande kam (bei den 82 Prozent von 1956 war auch Wahlbetrug im
Spiel) und nur mehr eine der Altparteien die Dreiprozenthürde
überspringen und politisch überleben konnte.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Erlebnisorientierter
Umgang mit dem Wählervotum
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Seitdem
hat die MAS alle Wahlen und Abstimmungen (und es waren viele) stets
mit absoluter Mehrheit gewonnen, bis zum Referendum vom 21. Februar
2016 (F21), wo sich die Bolivianerinnen und Bolivianer mit knapper
Mehrheit (51 Prozent) gegen eine Änderung des Artikels 168 der neuen
Verfassung von 2009 aussprachen, der nur eine Wiederwahl in direkter
Folge erlaubt. Die MAS ließ dieses Votum durch ein Urteil des
Obersten Gerichtshofs kippen, welches das aktive und passive
Wahlrecht höher bewertete. (Wir berichteten mehrfach ausführlich,
z.B. Lateinamerika Anders 1/2018.) Seitdem protestiert die Opposition unter dem
Signum F21.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Sollte
die MAS die Wahlen gewinnen, so wäre es für Morales sogar die
vierte Amtszeit, denn die erste 2006-2009 zählt man nicht mit, da
sie noch unter der alten Verfassung stattfand. In der Tat finden
viele Bolivianerinnen und Bolivianer dieses Vorgehen unangebracht.
Andererseits ist Morales nach wie vor populär und gilt als
charismatische Ausnahmeerscheinung, der es gelingt, die Vielzahl von
sozialen und indigenen Bewegungen unter einen Hut zu bringen.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Die
Opposition fürchtet sich zu Recht vor ihm. Zwar ist diesmal mit dem
honorigen Historiker und Journalisten Carlos D. Mesa ein
ausgesprochenes Schwergewicht als Spitzenkandidat im Rennen. Doch
lastet auf ihm der Umstand, dass er Vizepräsident der verhassten
neoliberalen Regierung „Goni“ Sánchez de Lozada (2002-2003) war.
Unbewiesen sind Vorwürfe, er hätte seinerzeit für seine Kandidatur
eine halbe Million Dollar erhalten; entkräften konnte er sie
allerdings auch nicht. Umfragen sehen Morales' MAS bei 39, Mesa bei
22 und Ortíz bei 9 Prozent der Stimmen. Die Hoffnungen der
Opposition ruhen auf der Möglichkeit einer Stichwahl, bei der sich
dann die Unzufriedenen hinter ihrem Kandidaten versammeln würden.
Andererseits bestehen Zweifel, ob Morales kompromissfähig genug
wäre, gegebenenfalls eine Koalitionsregierung anzuführen. Bolivien
könnte in offenen Autoritarismus taumeln.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Tektonische
Verwerfungen und sterile Diskurse
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Dabei
sind inhaltliche Unterschiede eher klein. Abgesehen vom F21-Protest
ist die Opposition uneins und hat nicht wirklich etwas zu bieten.
Carlos D. Mesa steht auch nicht für eine Rückkehr zum 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      ancien
regime. 
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    Zwar
will er Beziehungen zu Washington wieder aufnehmen, lehnt aber
Reprivatisierungen ab. Wichtige Weichenstellungen für die Politik
der MAS-Regierung erfolgten bereits während seiner Amtszeit als
Interimspräsident: Die Volksabstimmungen des Jahres 2004 über eine
Verfassunggebende Versammlung und die Nationalisierungen der
Kohlenwasserstoffressourcen. Da passt es ins Bild, dass ein
öffentlicher Wahlkampf nur auf Sparflamme läuft (Stand Anfang
August). Das sollte aber nicht über tektonische Verwerfungen
hinwegtäuschen. Da sind zunächst die Abstiegsängste eines
Kleinbürgertums, das es gewohnt ist, großbürgerlich zu leben. Man fühlt sich vom Aufstieg der Unterschichten bedroht und pflegt teilweise sehr aggressive Anti-Regierungs-Diskurse, zum Beispiel
jenen vom „Narco-Gobierno“, der durch nichts untermauert ist –
noch nicht einmal vom Drogenbericht des US State Departments. (Der
brasilianischen PT ist die Feindschaft der Mittelschicht zum
Verhängnis geworden.)
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Schmerzlicher noch mag der Verlust der
Linksintellektuellen sein. Eine der wichtigsten Oppositionskräfte
ist die Universidad Mayor de San Andrés mit ihren 80.000 Studenten,
aus der auch die wichtigsten Intellektuellen der Regierung
hervorgegangen sind. Widersprüche der Regierungspolitik und
zunehmend sterile Diskurse werden dort scharf kritisiert. Die Replik,
es handle es sich dabei um „la derecha“ (die Rechte) ist eine
jener sterilen Stereotypen, die an der Realität vorbei gehen. Real
sind dagegen neue Allianzen zwischen der MAS und einer aufstrebenden
Mestizo-Bourgeoisie und ein Stillhaltepakt mit den
(Großgrundbesitzer-) Eliten im Tiefland. Die Landreform liegt dort
auf Eis. Sogar der Anbau von genmanipuliertem Soja ist (entgegen der
Gesetzeslage) geduldet. Der oppositionelle Halbmond aus den
Tieflanddepartments existiert heute nicht mehr. Umfragen zufolge
gewinnt die Opposition nurmehr das Department Tarija, während
andererseits die MAS im Hochland Verluste einstecken muss. Neben
neuen Klassenallianzen sind dafür auch demografische Verschiebungen
ausschlaggebend: die Abwanderung proletarisch-indigener Arbeitskräfte
zu den neuen wirtschaftlichen Gravitationszentren im Tiefland.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Wie
ernst er die Konkurrenz nimmt, zeigt die Tatsache, dass Morales mit
Oscar Coca (der schon drei verschiedene Ministerämter bekleidete),
Juan Ramón Quintana (schon vorher zweimal Ministro de la
Presidencia) und dem wieder genesenen Superminister für Wirtschaft
und Finanzen, Luis Arce Catacora, drei politische Schwergewichte
zurück ins Kabinett holte. Darüber hinaus setzt man im Wahljahr auf
Frauenthemen (gegen 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      feminicidios
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    )
und hat eine unentgeltliche Gesundheitsversorgung (SUS - Sistema Único de Salud) eingeführt, was
ohne Schaffung der nötigen Infrastruktur die Krankenhäuser an den
Rand des Kollaps gebracht und die Ärzte in den Streik getrieben hat.
Im Übrigen betont man eine wirtschaftliche und soziale
Erfolgsbilanz, die sich sehen lassen kann.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    „
    
                    &#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      It's
the economy, stupid“
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Mit
der Nationalisierung der Kohlenwasserstoffressourcen am 1. Mai 2006
hat man sich von chronischen Defiziten und Rekordverschuldungen verabschiedet, wurde Geld in die Staatskassen gespült. Seit 2005 ist
das Bruttoinlandsprodukt um 327 Prozent angewachsen; die Einnahmen
aus Erdöl und -gas von 247 Mio. auf 2.883 Mio USD. Vormals auf
Gedeih und Verderb von ausländischer „Entwicklungshilfe“
abhängig, liegt Bolivien heute bei den Devisenreserven im Verhältnis
zur Wirtschaftskraft gleichauf mit Paraguay auf Platz zwei hinter
Peru. Beim Wirtschaftswachstum teilt man sich Platz eins mit Uruguay.
Im Durchschnitt der letzten zehn Jahre lag es bei 4 Prozent; für
2019 prognostiziert die CEPAL 4,4 Prozent. Diese Einnahmen
ermöglichten eine umfassende Sozialpolitik. Ein Mindestlohn wurde
eingeführt und mehrfach angehoben; er liegt heute bei umgerechnet
gut 200 €; desgleichen eine Mindestrente, deren Ausschüttung sich
zwischen 2008 und 2014 um zwei Drittel erhöht hat. 2,2 Millionen
Familien kommen in den Genuss einer Schuljahresabschlussprämie
(27€): Die Schulbesuchsquote liegt bei 98 Prozent. Ein Mutter und
Kind - Bonus dient als Anreiz, in die Schwangerschaftsberatung und
zur Nachbetreuung zu gehen. Schließlich wird ein
konjunkturabhängiges 14. Monatsgehalt ab Wachstumsraten von 4 Prozent
ausbezahlt.    Das alles hat dazu geführt, dass 1,7 Millionen
Menschen aus der Unterschicht in eine Kategorien „gefährdete
Mittelschicht“ aufgestiegen sind und die extreme Armut von 38 auf
18 Prozent gesenkt werden konnte; letztere betrifft noch immer zwei Millionen Menschen, aber das Ziel, sie bis 2025 ganz zu beseitigen,
scheint erreichbar. Wirtschaftspolitisch bedeutet das eine deutliche
Stärkung der Sparguthaben und der Binnenkaufkraft (2017 +7,2%). Und
während anderenorts mit vollen Händen Geld für singuläre soziale
Wohltaten ausgegeben wurde, hält Bolivien Haushaltsdisziplin.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Extraktivismus
und kein Systemwandel
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Das
alles freilich auf der Grundlage des Extraktivismus: Der
bolivianische Staat finanziert sich wie eh und je aus Exportabgaben
für nicht erneuerbare Rohstoffe und ist nicht zum „Steuerstaat“
geworden. Die Abhängigkeit von Erdöl und Erdgas ist sogar noch
gewachsen und man leidet so gut wie andere Exporteure unter den
Preiseinbrüchen, konnte sie aber bisher durch den gestärkten
Binnenmarkt abfedern. Allerdings kann man bei den wichtigsten
Abnehmern, Brasilien und Argentinien, heute nicht mehr auf das
Entgegenkommen befreundeter Regierungen setzen.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Der
wirtschaftliche Extraktivismus findet seine Entsprechung in der
Arbeitswelt. In den Metropolregionen (La Paz, El Alto, Cochabamba,
Santa Cruz) sind die Arbeitseinkommen um 44 Prozent gestiegen.
Dadurch ist die städtische Mittelschicht mit ihrer Nachfrage nach
Wohnraum und Dienstleistungen angewachsen. Die Einkommenssteigerung
ist aber nicht von einer Änderung der Produktionsstruktur begleitet.
Vorherrschend sind Arbeitsplätze niedriger Qualität hinsichtlich
Stabilität der Beschäftigung, sozialer Absicherung, der Länge der
Arbeitstage. In den Metropolregionen zahlen nur 19 Prozent der
Beschäftigten in den Pensionsfonds ein, 28 Prozent sind
krankenversichert, nur 29 Prozent haben einen Arbeitsvertrag. Seit
2001 unverändert arbeiten 58 Prozent im informellen Sektor.
Frauenlöhne liegen durchschnittlich 44 Prozent unter denen der
Männer.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Im
Bergbau sind die oftmals gewalttätigen Dauerkonflikte zwischen
„Cooperativistas“ und Arbeitern der staatlichen COMIBOL Ausdruck
einer nicht bewältigten Erblast des Neoliberalismus. Dabei stehen
7.500 COMIBOL-Arbeitern und 8.000 im privatwirtschaftlichen Sektor
119.000 Cooperativistas gegenüber; obwohl sie im Verband
FENCOMIN organisiert sind, handelt es sich zumeist nicht wirklich um
Kooperativen, sondern um Arbeiter, die nach dem Niedergang des
Bergbaus auf eigene Rechnung weitermachen.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Ein
großes Versprechen der „Regierung der sozialen Bewegungen“ war
die Emanzipation der indigenen Bevölkerungsmehrheit: In der Tat
nennt sich Bolivien nach der Präambel der Verfassung von 2009
„plurinationaler Staat“ und diese Verfassung berücksichtigt
indigene Rechte wohl so breit wie keine andere – einschließlich
der Definition indigener Autonomien. Doch zehn Jahre nach ihrer
Verabschiedung gibt es bei 36 indigenen Völkern nur zwei formale
indigene Autonomien. Was es gibt, ist eine stärkere soziale Mobilität
für indigene Individuen im Rahmen des Nationalstaats, aber keine
Zunahme an Autonomie indigener Gemeinschaften. Nicht zuletzt bleibt
die Umweltpolitik hinter den Diskursen von „pachamama“ und „buen
vivir“ zurück; weithin findet sie einfach nicht statt. Das zeigt
sich aktuell in Vorwürfen und Ängsten, die Regierung habe
Bergbaukonzessionen ohne Umweltauflagen an zumeist chinesische
Unternehmen vergeben und damit die ohnehin prekäre
Trinkwasserversorgung von La Paz weiter gefährdet. Man verwaltet das
Erreichte, pflegt sterile Diskurse ohne zukunftsweisende neue Ideen.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    „
    
                    &#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Wir
haben letzte Nacht ein kleines Abenteuer erlebt“
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Damit
meinte Präsident Morales sein nächtliches Umherirren in den Wäldern
um Roboré im brasilianisch-paraguayischen Grenzgebiet, wo er an
Löscharbeiten im Trockenwald teilgenommen hatte. Im Wahlkampf sind
solche Fernsehbilder hilfreich, auch wenn sie vor allem die
Hilflosigkeit der Löschversuche abseits einer entsprechenden
Infrastruktur zeigen. Immerhin hat Bolivien ausländische Unterstützung nicht nur sofort akzeptiert, sondern sich auch darum bemüht; unter anderem wurde ein Löschflugzeug aus den USA angemietet. Ein Amateurvideo zeigt den Präsidenten mit
einer Handvoll Bauern im stockfinsteren Wald nach den ihn
begleitenden Militärs rufen: „Donde están!“ Damit unterscheidet
er sich wohltuend von seinem pöbelnden Amtskollegen aus Brasilia.
Was sich indessen wenig unterscheidet, ist die Philosophie und Praxis
einer exportorientierten Landwirtschaftspolitik, die Kleinbauern dazu
treibt, die 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      frontera
agraria
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    ,
das landwirtschaftlich genutzte Gebiet, ständig weiter auszuweiten.
Kritikern daran begegnete der Vizepräsident bereits vor Jahren mit
der Drohung, ihre NGOs zu verbieten. So erleichterte das 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Ley
741 
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    vom
September 2015 und zuletzt ein Dekret vom Juli 2019 (Brand-) Rodungen
für Betriebe unter 20 Hektar Größe. Ob der MAS diese
Mitverantwortung für den Verlust von rund 4 Millionen Hektar Wald bei den Wahlen zum Verhängnis wird ist
zweifelhaft. Zwar liegt der Anteil der Unentschlossenen laut Umfragen
bei über 20 Prozent, doch der Stellenwert der Umweltpolitik
entspricht durchaus dem Umweltbewusstsein.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Wer nach der Einführung des SUS im August 2019 erlebt hat, wie Patienten in den Krankenhäusern die
Sanitätsfahrzeuge nicht verlassen konnten, weil selbst Gänge und
Treppenhäuser verstopft waren wie nach einer Katastrophe, der fragt
sich nicht nur, ob ein solcher Wahlkampfgag verantwortungsvoll ist
(mit ganzen 200 Mio USD Budget sollen 49 neue Krankenhäuser gebaut
und 8.000 neue Ärzte eingestellt werden). Er mag sich auch fragen,
ob man für ein so hohes Ziel nicht doch lieber weiter Erdöl- und
-gas exportieren soll. Extraktivismus hin oder her. Beim wichtigsten
wirtschaftlichen Hoffnungsträger, den Lithiumvorkommen, ist man
bisher jedenfalls besonnen und langsam vorgegangen. Ob aus
Behutsamkeit oder Unvermögen: Es hat jedenfalls keinen Ausverkauf
gegeben. Und eben sind in Cochabamba drei Prototypen eines Elektroautos vorgestellt worden: Hecho en Bolivia. Bei der Erschließung großer Eisenvorkommen im Tiefland ist
man gar nicht voran gekommen. Große Infrastrukturprojekte wie eine
Zugverbindung zwischen Atlantik und Pazifik wurden begonnen. Und am
10. März wurde die zehnte innerstädtische Seilbahnlinie für den
öffentlichen Nahverkehr in La Paz in Betrieb genommen, eine weitere
soll bis 2020 folgen. Der bolivianische Regierungssitz wird dann über
ein 33 Kilometer langes Netz verfügen. Schon heute ist es das
weltweit umfangreichste.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Inwieweit
ist Bolivien von der Krise Venezuelas betroffen? Trotz der
anfänglichen notorischen Präsenz von Comandante Hugo Chávez nach
der Regierungsübernahme, war die Bedeutung Venezuelas begrenzt. Auf
intransparente Weise flossen Mittel für Infrastrukturprojekte im
Rahmen eines Programms „Evo Cumple“. Nach der Nationalisierung
der Kohlenwasserstoffressourcen hatte man aber schnell selbst genug
Geld in den Kassen. Eine Diversifizierung der Wirtschaftsbeziehungen
weg von den USA und hin zu den Nachbarn – insbesondere Argentinien
und Brasilien – hatte schon vor 2005 begonnen. Ein grundsätzlicher
Systemwandel wurde nur ansatzweise in Angriff genommen. Was aber
erreicht wurde, ist ein ungeahntes Maß an Konsolidierung und
Selbstbestimmung. Ein Fanal dafür war der Hinauswurf des
US-Botschafters im Jahr 2008. Das hätte sich wenige Jahre zuvor
niemand träumen lassen. Und wenn man den Ausgangsstatus eines
abhängigen „Aid Regimes“ zum Maßstab nimmt, dann ist das eine
ganze Menge. Der 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      proceso
de cambio
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
wird in den kommenden Jahren allerdings eine inhaltliche und
personelle Auffrischung benötigen, bevor er in Stillstand oder
Rückschritt mündet. Von der bevorstehenden Wahl ist eine solche –
so oder so - nicht zu erwarten.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    *
Robert Lessmann ist Autor des Buches: „Das neue Bolivien“,
Rotpunkt Verlag.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <enclosure url="https://cdn.website-editor.net/4e3a91da2fa849afa260009be23256a9/dms3rep/multi/chavez3.JPG" length="318687" type="image/jpeg" />
      <pubDate>Mon, 22 Apr 2019 12:22:36 GMT</pubDate>
      <guid>https://www.robert-lessmann.com/bolivien-und-sein-prozess-des-wandelsb056ed32</guid>
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      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Uruguay/Cannabis: "Legalisierung mit angezogener Handbremse"</title>
      <link>https://www.robert-lessmann.com/uruguay-cannabis-legalisierung-mit-angezogener-handbremsefe5fe1a0</link>
      <description />
      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
                  
  Interview mit Julio Calzada, dem früheren Generalsekretär des Nationalen Drogenrats und heutigen Sozialdezernent von Montevideo

                &#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/4e3a91da2fa849afa260009be23256a9/dms3rep/multi/DSC04612klein.JPG" alt="" title=""/&gt;&#xD;
  &lt;span&gt;&#xD;
  &lt;/span&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      &lt;b&gt;&#xD;
        
                        
        Im
Dezember 2013 schuf das Parlament in Monteviedeo mit dem Ley No.
19.172 die Voraussetzungen für einen legalen Cannabismarkt. Uruguay
war damit der erste Nationalstaat – im Gegensatz zu einzelnen
Bundesländern – der in diesem Punkt offen gegen die Bestimmungen
der UNO-Drogenkonvention verstieß.  Das brachte dem kleinen
südamerikanischen Land viel Kritik ein. Robert Lessmann traf im
vergangenen Herbst in Montevideo den Soziologen Julio Calzada, einen
der Architekten der neuen Politik.
      
                      &#xD;
      &lt;/b&gt;&#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Du
warst seinerzeit Generalsekretär des Nationalen Drogenrats im
Präsidentialamt. Wie sind nun fast fünf Jahre danach die
Erfahrungen?
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    JC:
Mit einem Wort: unspektakulär. Es waren damals ja turbulente Zeiten.
Der Chef des International Narcotics Control Boards (INCB), einer Art
globaler Aufsichtsbehörde in Sachen Drogenpolitik mit Sitz in Wien,
Raymond Yans, nannte uns einen „Piratenstaat“. Und auch in
unserer eigenen Bevölkerung herrschte viel Skepsis. Heute haben wir
etwa 35.000 registrierte Konsumenten (nach dem neuesten Bericht sind
es 41.376 R.L.) - etwas mehr als ein Prozent der Bevölkerung. Wir
waren damals von  einer Zahl von 150.000 ausgegangen.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Was
besagt das Gesetz 19.172 konkret?
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Nun:
In Uruguay war der Besitz von Cannabis für den persönlichen Konsum
ja bereits seit 1974 straffrei, sowohl für Uruguayer, als auch für
ausländische Touristen. Nicht erlaubt waren Produktion und Handel
mit Marihuana. Die spielten sich in der Illegalität ab. Nun haben
wir ein Gesetz zur Regelung dieses vormals illegalen Marktes. Es
sieht ein Register vor. Und es gibt verschiedene Möglichkeiten: Der
registrierte Konsument kann in lizenzierte Apotheken gehen und dort
bis zu 40 Gramm pro Monat – also 10 Gramm pro Woche – kaufen.
Diese Apotheken werden ihrerseits von staatlich lizenzierten
Produzenten beliefert, die sowohl Produktionsobergrenzen, als auch
staatlich fixierte Preise haben. Es ist also ein regulierter Markt
anstelle eines illegalen, „freien“, wie wir ihn bisher hatten.
Die Apotheken versorgen etwa 2/3 dieses legalen Marktes. Daneben gibt
es die Möglichkeit Mitglied in einem eingetragenen Cannabis-Club zu
werden, oder zuhause bis zu sechs Pflanzen für den Eigenkonsum
anzubauen. Voraussetzung ist jeweils, dass man mindestens 18 Jahre
alt ist und uruguayischer Staatsbürger, oder dass man eine
permanente Aufenthaltsgenehmigung hat. 

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Und
was ist das Ziel dieses Gesetzes?
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Das
Ziel ist eben die Schaffung eines regulierten Marktes für die
Cannabis-Konsumenten, damit sie nicht auf den Schwarzmarkt und zu den
Drogenhändlern gehen müssen. So schützen wir die Gesundheit der
Konsumenten. Wir bringen sie näher an das staatliche System, weil es
der Staat ist, der über die lizenzierten Apotheken verkauft. Und wir
rauben den Drogenhändlern den Markt. Auf dem illegalen Markt gibt es
immer wieder Gewalt zwischen konkurrierenden Banden. Denen wollen wir
das Wasser abgraben. Es geht uns nicht einfach nur um eine
Verminderung des Konsums, sondern um eine Verbesserung der
Lebensqualität. Und das beinhaltet, dass wir jenen
Cannabis-Konsumenten, die wir noch nicht überzeugen konnten, es zu
lassen, die Sicherheit geben, kein Delikt zu begehen wenn sie
einkaufen, dass wir sie in die Nähe des Staates bringen, dass sie
sich nicht kriminalisiert fühlen und Hilfe suchen, wenn sie Hilfe
brauchen. Wir haben einen gesundheitspolitischen Primat.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Es
hat also keinen Anstieg des Konsums gegeben. Trotzdem gibt es noch
immer eine kontroverse Debatte. Man sagt: “Was soll das Gezerre um
den Cannabis-Konsum. Kümmert euch lieber um die wirklichen sozialen
Probleme, wie Einkommen, Wohnung. Gesundheit etc...“
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    JC
(lacht): Genau das tun wir ja. Ich bin inzwischen Sozialdezernent von
Montevideo und mein Job ist es, mich um diese Belange zu kümmern.
Und wenn wir die Gesetzgebung rascher implementieren würden, dann
hätten wir auch mehr Geld in den Kassen für genau diese Dinge. Wir
können ja nicht von fünf Jahren Erfahrung sprechen. Eigentlich
funktioniert das System überhaupt erst seit anderthalb Jahren. Die
Erteilung von Lizenzen für Apotheken läuft schleppend, im ganzen
Land gibt es erst 16, und selbst für die ist unsere staatlich
kontrollierte Produktion zu niedrig. Folge ist, dass weiterhin ein 
illegaler Markt existiert mit schmutziger Importware aus Paraguay.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Wie
ist das Verhältnis zwischen legalem und illegalem Markt?
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    JC:
Niemand weiß das so ganz genau. Vielleicht konnten wir den illegalen
Markt um 50 Prozent reduzieren. Aber er liefert schlechtere und
billigere Ware. Wir wollten Kriminalität und Gewalt vermindern. Aber
paradoxerweise hat die Gewalt auf dem stark verkleinerten illegalen
Markt zunächst sogar zugenommen. Da sind Stecken im Rad. Eine
Politik mit angezogener Handbremse. Auch für die Registrierung von
Cannabis-Clubs gibt es bürokratische Hindernisse und nicht zuletzt
auch, was die medizinische Anwendung von Cannabis betrifft. Alles
geht langsam. Die Cannabis-Legalisierung war ein Projekt des
Präsidenten Pepe Mujica. Unter seinem Nachfolger Tabaré Vazquez
(seit 2015) genießt sie nicht mehr die gleiche Priorität. Aber im
Prinzip sind wir dennoch auf dem richtigen Weg.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Robert
Lessmann sprach mit Julio Calzada am 30.10.2018 im Café Tribunales
an der Plaza Cagancha im Herzen von Montevideo.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      DROGENPOLITIK:
ERFOLGE ODER ERNÜCHTERUNG?
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Ein
Kommentar von Robert Lessmann
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Wien.
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
    
                    
    
Eben ist die 62. UN Commission on Narcotic Drugs zu Ende gegangen.
Ohne besondere Vorkommnisse. Der ehemalige Kokabauer und
bolivianische Staatspräsident Evo Morales, einst Hoffnungsträger,
las ein uninspiriertes Statement ohne Neuigkeiten vom Blatt ab. Der
russische Außenminister Sergei Lawrow stand für den regressiven
Part: Strikte Einhaltung der UN Drogenkonventionen. Keine
Experimente!
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Eine
Woche vorher hatte das INCB, die UN Organisation, die über die
Einhaltung dieser Konventionen wacht, in ihrem Jahresbericht vor
einer Aufweichung der Cannabis-Prohibition gewarnt. Eine wachsende
Zahl von Mitgliedsstaaten macht Politik am äußersten Rand oder
jenseits ihrer Bestimmungen. Im Oktober hatte mit Kanada das erste
G7-Land den Cannabis-Konsum freigegeben und Mexiko mit seinen 125
Millionen Einwohnern steht kurz davor. Die wohl interessanteste
Veranstaltung war gleich am ersten Tag ein „side event“ zur
„Zukunft der Alternativen Entwicklung“, das sind Programme, um
Lebensalternativen zu offerieren für Bauern, die sogenannte
Drogenpflanzen anbauen. Organisiert von Deutschland, Österreich, der
EU, dem UNODC und moderiert von der deutschen GIZ, warb ein
hochkarätig besetztes Podium wortreich für diesen Ansatz und
stellte Erfolgsgeschichten vor: die Drogenbeauftragte der deutschen
Bundesregierung, die ständige Vertreterin Österreichs, Funktionäre
des UNODC und der EU, je ein Minister aus Kolumbien und Peru, ein
Marschall aus Thailand.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Nun
hatte ich die Ehre, zur Jahrtausendwende selbst eine umfangreiche
Broschüre (für die damals noch GTZ) zum Thema zu verfassen: „Drogen
und Entwicklung in Lateinamerika“. Etwa die Hälfte der
alljährlichen Commissions habe ich selbst besucht oder verfolgt:
Seit Ende der 1980er, Anfang der 90er Jahre, als ich meine
Dissertation über den Kampf gegen den Drogenhandel begann. Seitdem
höre ich dort diese Berichte über erfolgreiche Projekte, schlüssige
Strategien, „geteilte Verantwortung“, „entschlossenes
Engagement“ und „ausgewogene Ansätze“ (balanced approach). Die
alljährlichen Welt-Drogenberichte des UNODC berichten indessen von
einem stetigen Anstieg des Konsums, der 2015 weltweit 450.000 direkte
Todesopfer gefordert hat; 76 Prozent davon durch Opioide wie Heroin.
Die globale Kokainproduktion hat mit 1.410 Tonnen ein  Allzeithoch
erreicht und die Opiumproduktion ist nach Jahren stetiger Zuwächse
nur durch eine Trockenheit in Afghanistan eingebremst. Statt sich
weiter an der eigenen Großartigkeit zu berauschen um sich an insgesamt gescheiterte Politiken zu klammern wäre es wohl dringend angezeigt,
neue Wege auszuprobieren.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <enclosure url="https://cdn.website-editor.net/4e3a91da2fa849afa260009be23256a9/dms3rep/multi/DSC04612klein.JPG" length="919893" type="image/jpeg" />
      <pubDate>Thu, 28 Mar 2019 17:56:51 GMT</pubDate>
      <author>183:711967576 (Robert Lessmann Dr)</author>
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        <media:description>thumbnail</media:description>
      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Argentinienkrise: Im Netz des Weltmarkts</title>
      <link>https://www.robert-lessmann.com/argentinienkrise-im-netz-des-weltmarkts339cb0d5</link>
      <description />
      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
                  
  Horrorinflation, Arbeitslosigkeit und zunehmende Armut -  Dauerkrise in einem vormals reichen Land

                &#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/4e3a91da2fa849afa260009be23256a9/dms3rep/multi/DSC07520klein.JPG" alt="" title=""/&gt;&#xD;
  &lt;span&gt;&#xD;
  &lt;/span&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Buenos
Aires.
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
    
                    
    
Martín,
ein

    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Cartonero,
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
der bereits im Morgengrauen unterwegs ist, sammelt auf seinem Karren
Papier und Kartons. Mancherorts sind die 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Cartoneros
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
in Kooperativen organisiert und von der Verwaltung mit dem Recycling
beauftragt. „Nein“, sagt er, Hoffnungen habe er keine, dass es
nach den Wahlen besser wird. Aber schlechter könne es ja auch nicht
mehr werden. Argentinien erlebte im vergangenen
Jahr eine Inflation von 50 Prozent. Die Arbeitslosigkeit kletterte
auf 10 Prozent. Ein Drittel der Menschen gilt als arm. Das Land
steckt in einer strukturellen Dauerkrise und die Prognosen für das
Wahljahr 2019 verheißen nichts Gutes. Bestenfalls könne es
gelingen, bis
zum Wahltermin im Oktober die
Talfahrt zu stoppen.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    „Wir
rechnen in Dollars“, sagt Antonia, die eine kleine Reiseagentur
betreibt. „Alles andere wäre verrückt bei dieser Inflation.“
Ein Dauerthema im Heimatland des Revolutionärs
Ernesto „Che“ Guevara, der
1928 in der Industriestadt Rosario geboren wurde.
Als der aufwuchs, zählte Argentinien zu den reichsten Ländern der
Welt. Seine landwirtschaftlichen Exporte waren besonders in der Zeit
nach dem Zweiten Weltkrieg gefragt. Eine Diversifizierung der
Wirtschaft blieb aus. Die Militärdiktatur (1976-83) häufte einen
Schuldenberg auf. Als in den 1980er Jahren die „Verschuldungskrise
der Dritten Welt“ das internationale Bankensystem an den Rand des
Zusammenbruchs brachte, gehörte Argentinien zusammen mit Brasilien
zu den meistverschuldeten Ländern. Die Auslandsguthaben reicher
Argentinier waren schon damals höher als die Rekordverschuldung des
Landes. Daran hat sich im Wesentlichen nichts geändert. Ein
Strukturwandel unterblieb und so taumelt Argentinien von einer Krise
in die nächste. Das neue Jahrtausend begann bereits mit dem
Zusammenbruch des Finanzsystems. Unter Nestor Kirchner folgten ab
2003  auf der Grundlage hoher Rohstoffpreise stabile Jahre mit
Lohnerhöhungen, Sozialprogrammen und Politiken der
Importsubstitution. Doch ab 2011 wurden bei sinkenden Exporteinnahmen
die Budget- und Handelsbilanzdefizite wieder chronisch und 2014
schrammte Argentinien abermals knapp an der Staatspleite vorbei.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Mentale
Depression und Demoralisierung
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Obwohl
Argentinien über eine traditionsreiche Arbeiterbewegung und relativ
starke Gewerkschaften verfügt, sind politische Proteste und Streiks
eher rar. Vielmehr scheint sich die Krise in einer mentalen
Depression und Demoralisierung niederzuschlagen. Weltweit
Schlagzeilen machte das Endspiel des südamerikanischen „Copa de
Libertadores“, das als „Superclásico“ zwischen den
Stadtrivalen Boca Juniors und River Plate ausgetragen wurde. Weil die
Polizei unfähig war, Fanattacken auf den Mannschaftsbus der Boca
Juniors zu verhindern, musste es verschoben und der Austragungsort
nach Madrid verlegt werden. Auch am Tag nach den Ausschreitungen
hatte man sich in Buenos Aires nicht so recht auf die Straßen
getraut, so aufgeheizt war die Atmosphäre. 3:1
endete schließlich
das
„Superclásico“ im
Bernabéu-Stadion.
Ein hochklassiges und spannendes Spiel. Doch das friedliche
Fußballfest in Madrid mündete erneut in Straßenschlachten am
berühmten Obelisken auf
der Avenida 9 de Julio in
Buenos Aires: „Ein schäbiger Ausgang für ein großes Spiel“,
schrieben Kommentatoren.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    
 Fußballkrawalle als Ventil
für Frust und Aggressionen. Das gibt es nicht nur in Südamerika.
„Unsere Gesellschaft weiß sich bei solchen Ereignissen nicht gut
zu verhalten“, sagte der Kapitän der siegreichen Mannschaft,
Leonardo Ponzio, nach den erneuten Krawallen. „Wir sind noch nicht
einmal in der Lage, ein Fußballspiel zu organisieren“, lauteten
bittere Kommentare. Der Glanz sei verblichen im Land des zweifachen
Weltmeisters, der Heimat von Maradona und Messi, die Durchdringung
von Fußball und Politik mit Korruption symptomatisch.
Staatspräsident Mauricio Macri, war früher Präsident der Boca
Juniors (1995-2007) und nutzte dies als politisches Sprungbrett. Ab
2007 war er Bürgermeister von Buenos Aires. Verschiedene „hinchas“
(Fangruppen) verkaufen illegal Tickets und Drogen vor den Stadien,
lassen sich als Claqueure und Schläger für politische Parteien
einspannen.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      ﻿Konservativ verkalkuliert
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Seit
Dezember 2015 ist der Unternehmer Mauricio Macri von der
konservativen „Propuesta Republicana“ Staatspräsident.
Unter ihm
fielen
Devisenkontrollen und andere Regulierungen mit
denen Steuerhinterziehung und Kapitalflucht verhindert werden
sollten.
Seine „boys“ sprachen dieselbe Sprache, trugen die gleichen 
Anzüge und hatten dieselben Universitäten besucht wie die Manager
der Finanzzentren in Washington und London. Der Internationale
Währungsfonds gewährte neue Kredite und die Konjunktur sollte Fahrt
aufnehmen, argentinisches Auslandskapital zurückgelockt und im Land
investiert werden. Doch die Erwartungen auf einen Investitionsboom
erfüllten sich nicht. Vielmehr machten Zinserhöhungen in den USA
Auslandsanlagen noch attraktiver und sinkende Rohstoffpreise plagen
Argentinien wie andere Schwellenländer. Wieder setzte eine
Abwärtsspirale ein, die sich im Wahljahr 2019 fortsetzen dürfte.
Nachdem man auch von den Peronisten enttäuscht wurde, könnte die
extreme Rechte zulegen. Doch glücklicherweise ist sie bisher schwach
und es gibt keine Anzeichen für ein „Bolsonaro-Phänomen“, wie
in Brasilien. Noch nicht. Als „mugre“ - Dreck – bezeichnete ein
Taxifahrer mit stark italienischem Akzent bolivianische
Billigarbeiter: „Ich hasse sie!“ Die Suche nach Sündenböcken
hat auch im Einwandererland Argentinien Hochkonjunktur.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 07 Feb 2019 16:41:06 GMT</pubDate>
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    </item>
    <item>
      <title>Kuba: "Bewegung zum Sozialismus?"</title>
      <link>https://www.robert-lessmann.com/kuba-bewegung-zum-sozialismus7dfc7af3</link>
      <description />
      <content:encoded>&lt;h2&gt;&#xD;
  
                  
  Betrachtungen zum 60. Jahrestag der Revolution und ein Interview mit José Luis Rodríguez

                &#xD;
&lt;/h2&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/4e3a91da2fa849afa260009be23256a9/dms3rep/multi/DSC05534.JPG" alt="" title=""/&gt;&#xD;
  &lt;span&gt;&#xD;
  &lt;/span&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      von
Robert Lessmann
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      &lt;b&gt;&#xD;
        
                        
        Havanna,
Dezember 2018. 
      
                      &#xD;
      &lt;/b&gt;&#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Für den alten Sozialisten ist alles klar:
„Hier herrscht Anarchie!“, sagt er: „Die Polizei ist korrupt
und die Institutionen funktionieren nicht mehr. Eine kleine Gruppe
ganz oben verabschiedet Dekrete, wie es ihr gefällt. Die
Reparaturwerkstätte gegenüber kann staatlich sein, doch der
Mechaniker arbeitet auf eigene Rechnung. Und wenn sich Nachbarn
darüber beschweren, interessiert das die Behörden nicht.“
Korruption sei Teil des Systems. Das Restaurant, in dem wir sitzen,
gehöre wahrscheinlich einem Typen aus Miami, mit dem Sohn eines
Funktionärs als lokalem Strohmann. Ganz allein ist unser Gegenüber
mit dieser Auffassung keineswegs. Doch es erstaunt zumindest die
Lautstärke, mit der er sie in aller Öffentlichkeit kundtut.
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Lassen
wir Zahlen und Fakten sprechen! Doch ob die Zahlen wirklich stimmen,
die wir bekommen, wissen nur die Quellen. Und ob die die Realität
richtig und komplett erfassen, in einem Land wie Kuba, ist auch die
Frage.
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Einer,
der es am besten weiß, es viele Jahre lang wissen musste, sitzt nun
vor mir. Zum Interview in den Räumen des Forschungszentrums für
internationale Wirtschaft (CIEM) im Botschaftsviertel Miramar von
Havanna kommt er in Jeans und einfachen Adidas-Turnschuhen. José
Luis Rodríguez (JLR) war viele Jahre lang Vizedirektor des CIEM und
ist heute dessen Berater. Vor allem aber war er von August 1993 bis
Mai 1995 der erste Finanzminister Kubas, damals noch „Comité
Ejecutivo de Finanzas“, und anschließend bis 2009
Wirtschaftsminister und Vizepräsident des Ministerrats hinter Fidel
Castro. Im Oktober 1993 hatte er unserer Delegation bei einem
Abendessen den geplanten Fortgang der Wirtschaftsreformen auf einer
Serviette skizziert. „Wie die Zeit vergeht...“, erinnert er sich
mit einer Geste, als Blicke er in ein früheres Leben oder in graue
Vorzeit zurück. Unzweifelhaft ein Mann, der aus der Wissenschaft
kommt (und der er treu geblieben ist: heute ist er unter anderem
Berater der CEPAL), beantwortet er die Fragen nüchtern – um nicht
zu sagen trocken – und mit einem wahren Stakkato an Zahlen. Aber
immer auch ein Stück weit bemüht zu erklären, warum man nicht so
weit gekommen ist, wie man es sich vorgenommen hatte und gewünscht
hätte. Es gibt ein Bonmot in Kuba: Frage: „Was sind die drei
wichtigsten Errungenschaften der Revolution?“ Antwort: „Bildung,
Gesundheit, Sport.“ Frage: „Und die drei größten Probleme?“
Antwort: „Frühstück, Mittagessen, Abendessen.“ Die Frage nach
den Leistungen und Defiziten am Vorabend des 60. Jahrestags der
Revolution beantwortet JLR sehr ernsthaft und wortreich, aber im
Grunde genau so. Ein neues, gerechteres Gesellschaftsmodell habe man
aufgebaut und ein neues Staatssystem. Vieles an Infrastruktur habe
man geschaffen. Als wichtigste Errungenschaft nennt er, ganz Ökonom,
das Humankapital. Wirtschaftlich habe es Fortschritte gegeben und
Rückschläge. Alles natürlich immer mit Unterstützung der
Sowjetunion und des Ostblocks. Als kleine Insel sei man ja immer vom
Außenhandel abhängig und habe sich nach der Revolution komplett
umorientieren müssen, weg vom alles dominierenden großen Nachbarn
USA, der Kuba schnell mit einer Wirtschaftsblockade bedachte, die das
Land bis heute jährlich zwei bis drei Milliarden USD an Einbußen
koste: „Unsere Wachstumsraten wären entschieden besser, wenn es
die Blockade durch die USA nicht gäbe.“ Doch JLR nennt immer
wieder auch hausgemachte Defizite, ohne dabei allerdings wirklich in
die Tiefe zu gehen. „Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion und des
Ostblocks ist dann ab 1989 wiederum unser gesamter Außenhandel
weggebrochen und wir hatten äußerst schwierige Jahre zu
überstehen.“ Selbst die Ernährungslage war dramatisch. Kuba
reagierte mit der Einladung von Auslandskapital in ausgewählten
Schlüsselsektoren wie Tourismus und bei Rohstoffen, mit der
vorsichtigen Zulassung von Einmannbetrieben „auf eigene Rechnung“,
von Privatrestaurants und Privatunterkünften, von freien
Bauernmärkten, Kooperativen und schließlich auch Kleinbauern in der
Landwirtschaft. „Unsere Deviseneinnahmen waren bis unter ein
unerlässliches Minimum von zwei Milliarden Dollar abgestürzt.“
Als Reaktion darauf wurde 1994 der US Dollar als Zahlungsmittel
zugelassen und später durch eine an den Dollar gekoppelte
Parallelwährung (CUC) ersetzt; gleichzeitig erhöhte man die
zulässigen Familienüberweisungen aus dem Ausland. Exakt seitdem
wird über die Rückkehr zu einer einheitlichen Währung diskutiert,
denn damit taten sich im egalitären Kuba Abgründe auf und eine
zunehmende Schere zwischen Menschen mit und jenen ohne Zugang zum
Devisensektor. Ärzte arbeiten als Taxifahrer,
Universitätsprofessoren machen Tischmusik in Touristenrestaurants.
Das wieder zu ändern ist für JLR eine der wichtigsten
Herausforderungen: „Wir müssen unser Humankapital nutzen.“ Das
tut Kuba bereits durch den Export von Ärzten, deren Abgaben nach den
Familienüberweisungen (deren Höhe niemand wirklich kennt,
Schätzungen liegen bei 2-4 Milliarden USD/Jahr) und vor dem
Tourismus und den Rohstoffexporten heute wohl den wichtigsten
Devisenbringer darstellen; die Entwicklung in Brasilien dürfte hier
im Übrigen einen derben Rückschlag mit sich bringen.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    „Trotz
allem haben wir unter den gegebenen Rahmenbedingungen nicht schlecht
abgeschnitten“, betont JLR. Man habe fast immer positive
Wachstumsraten gehabt, manchmal mit einer Null vor dem Komma, aber
positiv und im langjährigen Durchschnitt nicht schlechter als im
Rest Lateinamerikas. Doch sei man – nicht zuletzt durch die Politik
der USA – von Krediten weitgehend abgeschnitten und müsse, um
überhaupt eine Chance auf frisches Geld zu wahren, viel Energie auf
die Bedienung des Schuldendienstes für bestehende Schulden verwenden
– zu Lasten notwendiger Investitionen. „Wir bräuchten jährlich
zwei Milliarden an Krediten oder Auslandsinvestitionen“, schätzt
JLR und beschreibt Teufelskreise: „Wenn wir investieren wollen,
auch beim besten Willen, können wir das nicht auf Kosten des Konsums
tun, denn die Menschen leiden ohnehin stark unter der Krise.“ Auch
in der Landwirtschaft seien die Möglichkeiten begrenzt, denn im
Gegensatz zu einer weit verbreiteten Annahme sei nur der geringere
Teil der Böden wirklich gut, vielleicht ein Drittel: „Als Insel
haben wir keine großen Flußsysteme und in den Tropen ist auf diese
Weise eine bedeutsame Produktivitätssteigerung nur durch
kostspielige Inputs zu erreichen: Bewässerung, Dünger,
Schädlingsbekämpfung“. Andere kubanische Beobachter bezeichnen es
heute freilich als schmerzhaft und als „Schande“, dass ein Land
wie Kuba, das immer von der Landwirtschaft gelebt hat, heute 80
Prozent seiner Nahrungsmittel importiert und als einstige
„Zuckerinsel“ Zucker aus Frankreich bezieht, während die
Eigenproduktion von früheren Rekorden von bis zu 8 Millionen Tonnen
auf heute gerade einmal 2 Millionen gesunken ist.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Gefragt
nach den wichtigsten Herausforderungen sagt JLR: „Die Reallöhne
müssen hinauf, um die Migration zu stoppen. Wir erleben einen
Bevölkerungsrückgang in Kuba und wir haben drei Arten von
Migration. Die vom Osten in den reicheren Westen der Insel, nach
Havanna, die gab es immer. Die junge Generation drängt ins Ausland.
Und alle wollen von den produktiven Sektoren weg in den
Servicebereich und jenen, wo sie an Devisen kommen.“ Das gelte im
Übrigen sogar für die Ministerialbürokratie, wo Fachkräfte lieber
in ein Joint Venture wechseln. Gefragt nach Irrtümern, Fehlern und
Versäumnissen sagt JRL: „Da gab es einige“. Insbesondere
Eingriffe in die Preisgestaltung hätten sich immer wieder als
nutzlos bis kontraproduktiv erwiesen. Daneben gelte es, endlich ein
Bankensystem aufzubauen. Das derzeitige sei schwach bis inexistent.
Für Auslandskapital könne man an einen gemeinsamen
Investitionsfonds denken.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Untergrundkapitalismus
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Wer
heute durch Kubas Städte geht, der sieht im Vergleich zu früheren
Jahren einen Boom von Geschäften und Kleinbetrieben. Anders als
damals, wo Waren schmucklos aus dem Wohnzimmerfenster heraus verkauft
wurden, handelt es sich heute um Läden mit Auslagen, Glasvitrinen
und farbigen Werbeschildern. Auch JLR bestätigt, dass „viel Geld
auf den Straßen zirkuliert“. Aber auch viel besser ausgestattete
staatliche Kaufhäuser sieht man, wie etwa die Shopping Mall „Carlos
III“ auf der Avenida Salvador Allende im Herzen Havannas. Doch die
ganz überwiegende Mehrheit dieser Geschäfte ist privat – und
teilweise traut man seinen Augen nicht: Da findet man mit einem
blauen Anker als „Privatunterkunft“ gekennzeichnete,
mehrstöckige, vollwertige Hotels mit verglaster Eingangsfront und
großer Rezeption und man fragt sich, woher das Kapital dafür
stammt, wer solches genehmigt und woher man die Baumaterialien dafür
bezogen hat, die doch aller Orten knapp sind. Kritische Geister sehen
hier Auslandskubaner, Ausländer mit kubanischem/r Ehepartner/in und
nicht zuletzt Angehörige von Funktionären als Protagonisten. Wer
wollte auch durch 25 Jahre Mangelwirtschaft hindurch den Versuchungen
des Devisensektors und der kapitalistischen Außenwelt widerstehen.
Ein Limit für Familienüberweisungen gibt es nicht mehr. Besucher
bringen Devisen mit. Reiseerleichterungen werden vielfach dazu
genutzt, im Ausland harte Währung zu verdienen. Und auch der
(Klein-)Schmuggel scheint zu blühen. Auf meine Nachfrage hin sieht
auch JLR die Gefahr der Entstehung eines Untergrund- oder
Grauzonenkapitalismus. Für ihn ein weiterer Teufelskreis: Die
Wirtschaft sei auf diese Devisenzufuhr letztlich halt angewiesen.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Neue
Verfassung
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Hierzu
gibt es in der Tat auch eine Verfassungsdebatte: Man wolle es im
Ausland lebenden Kubanern ermöglichen, mit ihrem Kapital
zurückzukehren – ohne aber die soziale Gleichheit zu gefährden.
„Die Frage ist, bis zu welcher Größenordnung man unter welchen
Bedingungen welche Investitionen erlauben soll“, sagt Jourdy James
Heredia, heute Vizedirektorin des CIEM. Eine Diskussion, mit offenem
Ausgang, die womöglich anderthalb bis zwei Jahrzehnte zu spät
kommt. Und unsere beiden CIEM-Gesprächspartner sprechen heute
interessanterweise mit unterschiedlicher Deutlichkeit von einer
„Bewegung zum Sozialismus“, nicht von seiner Bewahrung oder
Verteidigung.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Inwieweit
dies schon offizielle Sprachregelung ist, wird man sehen. In der
Debatte um den Entwurf einer neuen Verfassung, über den am 24.
Februar abgestimmt werden soll, wurde das Staatsziel „Kommunismus“
zunächst gestrichen, dann wieder aufgenommen. Kuba sei „souverän,
wohlhabend und sozialistisch...“ heißt es in der Präambel. Die KP
bleibt nach Artikel 5 oberste Führungskraft in Staat und
Gesellschaft. Erstmals soll daneben ein Recht auf Privateigentum
verankert werden. Staatsämter sollen zeitlich limitiert werden. Die
gleichgeschlechtliche Ehe ist dagegen aus dem Verfassungsentwurf
wieder verschwunden und soll in zwei Jahren Gegenstand eines
Referendums sein. Gut die Hälfte der Debattenzeit habe man für das
Thema gleichgeschlechtliche Ehe verwenden müssen, sagt der Ökonom
JLR mit einem gewissen Bedauern, sieht er doch brennendere Themen.
Aber die Gesellschaft sei offenbar noch nicht so weit, sei noch immer
stark katholisch geprägt. Daher wurde diese Frage in den Debatten um
die neue Verfassung von der Basis immer wieder angesprochen.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Jedenfalls
würden die kommenden drei bis vier Jahre schwer, sagt JLR: „Von
einer Aufhebung oder Milderung der Blockade sind wir weit entfernt.
Und die Entwicklungen in Brasilien und Venezuela verheißen nichts
Gutes.“ Schließlich ist Kuba noch immer stark von venezolanischen
Öllieferungen abhängig. „Und ständig wiederkehrende
Naturkatastrophen machen die Aufgaben nicht leichter, sondern bringen
immer wieder hohe Zusatzkosten.“ Wachstumsraten in der
Größenordnung von fünf Prozent rückten da in weite Ferne.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
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      <pubDate>Fri, 18 Jan 2019 18:46:09 GMT</pubDate>
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      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Flucht und Politik im Sommerloch: Großes Theater, kleine Politik</title>
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  &lt;span&gt;&#xD;
  &lt;/span&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Flucht
und Politik im Sommerloch: Großes Theater, kleine Politik
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      &lt;b&gt;&#xD;
        
                        
        Mit
dem Massenexodus aus Venezuela hat das Thema „Flucht und Migration“
eine neue, lateinamerikanische Dimension erhalten. Auch hier gibt es
Xenophobie, kommt es zu Übergriffen (Brasilien) und Debatten um
Grenzschließungen, auch wenn sich die Lateinamerikaner insgesamt
generöser zeigen als die „reichen“ Europäer. Auch hier sind die
Grenzen zwischen „politisch Verfolgten“ und
„Wirtschaftsflüchtlingen“ unklar. Deutlich ist hingegen vor
allem eines: Die Weltgemeinschaft muss besser auf solche Ereignisse
vorbereitet sein. Es braucht strukturelle und multilaterale Lösungen.
Doch was wir haben ist vor allem populistisches Gezeter. Bedrückende
Zahlen und ein Kommentar von Robert Lessmann
      
                      &#xD;
      &lt;/b&gt;&#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Politik
sei immer auch ein Stück großes Theater, sagte schon Macchiavelli
(1449-1516). Der vergangene Sommer bestätigte ihn einmal mehr:
„Flüchtlingskrise“ auf allen Kanälen. Ein neuer
Generalstabschef nannte bei seiner Angelobung Massenmigration und
Terrorismus als wichtigste Bedrohungen und verlangte im gleichen
Atemzug Geld für neue Abfangjäger. Ein Landeshauptmann trat
alarmistisch mit Phantasiezahlen über Flüchtlinge hinter dem
Leithagebirge hervor, die nicht einmal das FPÖ-geführte
Innenministerium bestätigen mochte. Kurz darauf trat sein Landesrat
für Kultur und Finanzen völlig ohne Not eine Richtungsdebatte in
der SPÖ los. In Deutschland irrlichterte wochenlang ein
wahlkämpfender CSU-Innenminister mit einem „Masterplan Migration“
durch die Schlagzeilen, den zunächst niemand kannte, der vielleicht
auch noch gar nicht fertig war - und der als Kernstück sogenannte
Ankerzentren (spricht: Internierungslager) beinhaltet, wie man heute
weiß. Weil es dazu keinen Konsens gibt, werden die vorerst nur in
Bayern geschaffen. Die Union war gespalteten und die
Regierungskoalition drohte zu zerbrechen. Der Bayerische
Ministerpräsident Markus Söder, Spitzenkandidat im Umfragetief,
inzenierte sich währenddessen vor den Pressefotografen wahlweise als
entschlossener Grenzschützer mit Feldstecher vor den Augen, oder als
Drakulatöter Van Helsing mit einem Kruzifix vor der Brust. Man
glaubt es kaum...
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Dies
alles geschah, während das Klima die tollsten Kapriolen schlug und
rund um den Globus Wälder brannten, die Finanzkrise seit 2008
weiterschwelt, im hochverschuldeten Italien die Faschisten im Aufwind
sind und die Facebook-Aktie wegen schlechter Quartalszahlen in einer
Nacht 150 Milliarden Dollar (!) an Wert verlor – und vor dem
Hintergrund deutlich sinkender Flüchtlingszahlen. Sicher: Flucht und
Migration werden noch viele Jahre lang Herausforderungen bleiben.
Doch man fragt sich: Soll da wirklich nur auf verantwortungslose
Weise politisches Kleingeld gemacht werden? Oder wofür wird hier
letztlich eigentlich der Boden bereitet?
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Das
Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) ist nicht die
einzige Organisation, die Flüchtlingen hilft. Aber sie ist
weltumspannendste, vor Ort aktiv und hat wohl die meiste Expertise.
So kümmert sich das UNHCR nicht nur um Flüchtlingslager in der
Türkei, Jordanien und Afrika, sondern etwa auch um den Massenexodus
aus Venezuela und die Menschen, die vor der Repression in Nicaragua
nach Costa Rica flüchten. Als die Debatte um die „Flüchtlingskrise“
im Jahr 2016 die „Willkommenskultur“ verdrängte, hatte ich
Zahlen dazu recherchiert.*  Was ich fand war erschütternd: Das
Budget des UNHCR für seine weltweite Flüchtlingsarbeit lag bei 3,4
Milliarden US-Dollar (USD), was etwa einem Viertel des Budgets der
Stadt Wien entsprach. Die Zahlen bezogen sich auf das Jahr 2015, als
die Flüchtlingskrise „ausbrach“. Doch die Entwicklung war längst
absehbar. Mein Fazit damals: Es fehle sowohl an Weitblick als auch am
politischen Willen, die Herausforderungen ernsthaft anzugehen.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Ernüchternde
Nachschau
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Bei
der heftigen Präsenz des Themas, sollte sich das inzwischen geändert
haben. Die Realität ist indessen ebenso ernüchternd wie erhellend:
Das UNHCR-Budget für 2017 lag inklusive Umschichtungen aus anderen
UNO-Töpfen bei 3,9 Mrd. USD. Davon finanzierten die USA (mit 1.450
Mio.) und die Bundesrepublik (476 Mio.) im Alleingang nahezu die
Hälfte; nimmt man die EU, Japan, UK, Schweden und Norwegen mit dazu,
so finanzierten sieben Geber drei Viertel des UNHCR-Budgets.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Bereits
an neunter Stelle der Liste steht mit 80 Mio. USD ein privater Geber
aus Spanien. Zuwendungen privater Stiftungen oder Unternehmen füllen
zunehmend die Löcher in einer zunehmend unwilligen
Staatengemeinschaft. Das gilt übrigens auch für andere
UNO-Organisationen, wie zum Beispiel die Weltgesundheitsorganisation
WHO.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Lateinamerikanische
Länder liegen mit Platz 60 für Brasilien (mit 0,6 Mio), 78
Argentinien (0,1), 89 Mexiko (0,08), 90 Chile (0,07), 104 Uruguay
(0,03) und Costa Rica (0,01) allesamt in der unteren Hälfte der
Geberliste. Bei der Zahl der Binnenflüchtlinge hält allerdings noch
immer Kolumbien vor Syrien den traurigen Spitzenrang.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Die
selbsternannten Verteidiger des christlichen Abendlandes aus Budapest
(2,8 Mio), Prag (2,4 Mio), Warschau (0,6) und Bratislava (0,01)
bewegen sich mit ihren Beiträgen tendenziell unterhalb der
Schamgrenze. Wien belegt mit 9,3 Mio noch Platz 33. Beunruhigend: Wie
im Falle der USA wurden diese Mittel noch von der alten Regierung
bewilligt. Das verheißt nichts Gutes für die Zukunft.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Mehr
als 50 Prozent der Flüchtlinge kommen aus nur drei Konfliktregionen:
Syrien, Afghanistan und Südsudan. Es fällt auf, dass sich - mit
Ausnahme der USA – die wichtigsten Drahtzieher und Akteure dieser
Konflikte aus der Bewältigung ihrer Folgen weitgehend heraushalten:
etwa Saudi Arabien (mit 18 Mio), die Russische Föderation (mit 2
Mio), die Türkei (0,3 Mio) und Israel (mit 0,1 Mio); der Iran taucht
erst gar nicht als Geber auf, beherbergt aber, wie auch die Türkei,
selbst viele Flüchtlinge.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Fazit:
Nach wie vor ist kein politischer Wille erkennbar, das
„Flüchtlingsproblem“ strukturell anzugehen, geschweige denn mit
der Absicht, primär den Betroffenen zu helfen. Beides wird nur
zusammen gehen und multilateral. Die selbsternannten Retter des
christlichen Abendlandes erweisen sich als Maulhelden, wenn's ans
Geldbörsel geht. Ihr permanentes Gezeter um Auffangzentren,
Grenzzäume und neue Gesetze kostet nämlich nichts. Außer, dass es
das politische und das zwischenmenschliche Klima nachhaltig
vergiftet. Die zuständigen Behörden und kompetenten Organisationen
personell und materiell in die Lage zu versetzen, ihren Job
zufriedenstellend zu erledigen, wäre dagegen sehr wohl mit Kosten
verbunden.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    *
(nachzulesen: „Flucht aus der Spirale von Armut und Gewalt“ in
meinem Blog 
    
                    &#xD;
    &lt;u&gt;&#xD;
      &lt;a href="http://www.robert-lessmann.com/"&gt;&#xD;
        
                        
        www.robert-lessmann.com
      
                      &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
      
                      
      
bzw. PANO Nr. 4, November 2016
    
                    &#xD;
    &lt;/u&gt;&#xD;
    
                    
    ).
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
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      <pubDate>Wed, 29 Aug 2018 17:41:48 GMT</pubDate>
      <author>183:711967576 (Robert Lessmann Dr)</author>
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    </item>
    <item>
      <title>Nachhaltige Klänge aus Venezuela</title>
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  &lt;span&gt;&#xD;
  &lt;/span&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Daniela
Hernández bewegt Kopf und Oberkörper zum Rhythmus der Musik. Es
ist, als würde sie im Sitzen tanzen, während sie auf ihrer
Mandoline spielt. Vor dem Konzert war das blonde Mädchen reihum
gegangen und hatte jede(n) ihrer 13 Kolleginnen und Kollegen umarmt.
Es ist ein großer Auftritt heute für das Ensemble „Alma Llanera“
- die „Seele“ der Feuchtsavannenlandschaft „Llanos“ an den
Ufern des Orinoco - so nennen sie sich und spielen die dortige,
volkstümliche Musik auf höchstem Niveau. Gestern war das Nationale
Jugendorchester Venezuelas dran. Sie spielen in der Eingangshalle
„Rotunda“ der Wiener UNO-City anlässlich einer UN Kommission für
Strafrecht und Kriminalitätsprävention. Generalsekretär António
Guterres war gestern hier zu Gast. Auch die Jungen und Mädchen sind
eigens wegen dieser Kommission nach Österreich gekommen (gaben bei
dieser Gelegenheit aber auch noch externe Konzerte in Wien und Graz).
Zusammen mit dem Coral Nacional Simon Bolivar de Venezuela, dem Coro
de Manos Blancas und dem Orquesta 23 de Enero vertreten sie hier „El
Sistema“ (Sistema Nacional de Orquestas y Coros Juveniles e
Infantiles de Venezuela) – eine Stiftung mit Musikschulen und
Orchestern für Kinder und Jugendliche, die von der Regierung und
Vertretern der Vereinten Nationen hier als Beispiel für Inklusion,
Integration und Prävention vorgestellt wird.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    „
    
                    &#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Musik
als Schule des sozialen Lebens“,
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    ...
so nannte es der im März verstorbene Gründer von „El Sistema“,
José Antonio Abreu. Alles begann im Jahr 1975 mit 11 Leuten in einer
Garage. Abreu wollte die Musik zu den Kindern bringen, gerade auch zu
den Unterprivilegierten. Schon unter den Regierungen von Carlos
Andrés Pérez bekam man staatliche Förderung und expandierte. Noch
im Jahr 1975 war man auf 80 Teilnehmer angewachsen; 1999 waren es
109.000. Seit 1993 wird „El Sistema“ von der UNESCO unterstützt,
ab 2003 auch vom Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen. Ab
2002, unter Hugo Chavez, wurde „El Sistema“ zur „política del
estado“ und die Förderung ging als Chefsache von den Ministerien
ins Präsidialamt über. Kaum ein Bericht über die Erfolgsgeschichte
von „El Sistema“, der nicht beklagen würde, dass die Regierung
sie zu Propagandazwecken benutze. Welche Regierung täte das nicht?
Es gibt wohl schlimmere Vorwürfe gegen die Regierung des
krisengeschüttelten Landes.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Tatsache
ist: „El Sistema“ ist höchst erfolgreich. Es umfasst heute
Musikschulen im ganzen Land, 3.070 Chöre und Orchester; 1.000.337
Kinder und Jugendliche nehmen aktuell an der freiwilligen,
musikpädagogischen Ausbildung teil, bei einer Gesamtbevölkerung von
31,5 Millionen. Gearbeitet wird im Kollektiv. Täglich von 14-18 Uhr
versucht man, Inklusion und Qualität zu verbinden. Mit Erfolg: Das
Simon Bolívar Jugendorchester ist heute nicht mehr ganz jugendlich,
genießt aber Weltruhm. 2013 gastierte es bei den Salzburger
Festspielen. Sir Simon Rattle war begeistert und sprach vom „Wunder
aus Venezuela“. Gustavo Dudamel, der langjährige Dirigent des
Simon Bolívar Jugendorchesters, leitete 2017 das Wiener
Neujahrskonzert. Er sagt, „El Sistema“ habe ihm das Leben
gerettet, und auch tausenden von anderen Kindern in Venezuela. So wie
Essen und Gesundheitsfürsorge sollte Musik ein Recht für jeden
Bürger sein. Der Jungstar am Dirigentenhimmel ist heute unter
anderem musikalischer Direktor des Los Angeles Philharmonic
Orchestra, bleibt „El Sistema“ aber verbunden.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Doch
Exzellenz ist nicht alles. Es gibt ein Programm für Schulen mit
behinderten Kindern, eines für Krankenhäuser, eines für
Instrumentenbau, für volkstümliche und für avantgardistische Musik
und eines für Häftlinge in neun Gefängnissen, berichtet Eduardo
Mendez, der Exekutivdirektor von „El Sistema“. „Armut durch
spirituellen Reichtum besiegen“, wolle man, zitiert Mendez den
Gründervater Abreu. Disziplin, Ausdauer, die Einhaltung von Regeln
in der Gemeinschaft und die Fähigkeit ein Instrument zu spielen
erlernen die Kinder und erlangen dadurch auch Würde und ein
gesteigertes Selbstwertgefühl. Oder andersherum: „Das schlimmste
Delikt ist Exklusion – der soziale Ausschluss“, wie es der
venezolanische Botschafter Jesse Chacón sagte. Lorena Lugo von der
Interamerikanischen Entwicklungsbank (BID) stellte eine
Fünfjahresstudie der BID zu „El Sistema“ vor. Ganz klar lassen
sich demnach bereits kurzfristig signifikante Verbesserungen des
Sozialverhaltens an 16 Indikatoren festmachen. Insbesondere werde
aggressives Verhalten eingedämmt. Rosicler Gómez vom
Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen stellte einen weiteren
Ausbau der UN-Zusammenarbeit für „El Sistema“ im Rahmen der
Nachhaltigen Entwicklungsziele 1  (keine Armut), 5
(Geschlechtergleichheit) und 16 (Frieden, Gerechtigkeit, starke
Institutionen) in Aussicht. Das Ermutigendste ist, das „El Sistema“
inzwischen Inspiration und Beispiel für ähnlich gelagerte Programme
in 70 Ländern ist. Und das nicht nur im Süden. Auch bei der
Integration von Flüchtlingen und Migranten in unsere Gesellschaften
können wir von „El Sistema“ lernen, betonte Martin Krüger vom
Deutschen Musikrat.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
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      <pubDate>Wed, 29 Aug 2018 17:26:35 GMT</pubDate>
      <author>183:711967576 (Robert Lessmann Dr)</author>
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    <item>
      <title>lateinamerika anders 2/2018: "Migration als Chance und Herausforderung"</title>
      <link>https://www.robert-lessmann.com/lateinamerika-anders-2-2018-migration-als-chance-und-herausforderung23b64953</link>
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      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
                  
  Bericht des UNO-Generalsekretärs

                &#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/4e3a91da2fa849afa260009be23256a9/dms3rep/multi/dd1849e21099485fb139591abc4785cb.jpg" alt="" title=""/&gt;&#xD;
  &lt;span&gt;&#xD;
  &lt;/span&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/4e3a91da2fa849afa260009be23256a9/dms3rep/multi/migrationguterresI.jpeg.jpeg" alt="" title=""/&gt;&#xD;
  &lt;span&gt;&#xD;
  &lt;/span&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/4e3a91da2fa849afa260009be23256a9/dms3rep/multi/migrationguterresII.jpeg" alt="" title=""/&gt;&#xD;
  &lt;span&gt;&#xD;
  &lt;/span&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
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      <pubDate>Mon, 09 Jul 2018 19:48:16 GMT</pubDate>
      <author>183:711967576 (Robert Lessmann Dr)</author>
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    <item>
      <title>Kuba: Castro - eine Ära geht zu Ende</title>
      <link>https://www.robert-lessmann.com/kuba-castro-eine-aera-geht-zu-endeeef6304a</link>
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      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
                  
  Copyright Robert Lessmann

                &#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/4e3a91da2fa849afa260009be23256a9/dms3rep/multi/castro.jpg" alt="" title=""/&gt;&#xD;
  &lt;span&gt;&#xD;
  &lt;/span&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      KUBA:
CASTRO – EINE ÄRA GEHT ZU ENDE
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      von
Robert Lessmann
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      ©
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      
Robert Lessmann
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Alles
signalisiert Normalität wenn am 19. April die kubanische
Nationalversammlung den Staatsrat wählt und dieser sogleich auch
seinen Vorsitzenden. Der 86-jährige Raúl Castro hat bereits seit
Jahren seinen Verzicht auf eine weitere Amtszeit angekündigt, will
aber vorerst an der Spitze der Kommunistischen Partei bleiben. Auch
sein Nachfolger ist keine Überraschung. Miguel Díaz Canel war schon
bisher als Vizepräsident des Staats- und Ministerrats formelle
Nummer 2 hinter Castro. Wie er kommt der ausgebildete
Elektroingenieur aus den Reihen des Militärs. Auf Vorschlag von Rául
Castro, der bis 2006 Verteidigungsminister war, wurde der
Oberstleutnant, der daneben einer Lehrtätigkeit an der Universität
Santa Clara nachging, im Jahr 2003 als damals jüngstes Mitglied ins
Politbüro gewählt. Alles signalisiert Kontinuität. 

  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Antiimperialismus
und Internationalismus
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;a&gt;&#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
                    
    
Und doch handelt es sich um
das Ende einer Epoche – nicht nur für Kuba, wo nun 59 Jahre
Castro-Herrschaft zu Ende gehen. Raúl Castro vertrat zunächst seit
2006 seinen erkrankten Bruder Fidel (der am 25. November 2016 seinem
Krebsleiden erlag) und wurde 2008 offiziell zum Staatsoberhaupt
gewählt.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Er
und Che Guevara waren die einzigen erklärten Kommunisten in den
Reihen der bärtigen Rebellen ('Barbudos'), die am 1. Jänner 1959
siegreich in Havanna einzogen. Fidel Castro hatte ursprüngliche der
national-liberalen 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Orthodoxen
Partei
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
     von Eduardo
Chibás angehört und sich von sozialistischen Strömungen
distanziert. Später sollte er sagen, er sei damals „ideologisch
noch nicht so weit gewesen“ wie Che. Mit ihrer natürlichen
Volksnähe, Authentizität  und ihrem unkonventionellen Stil bildeten
die „Barbudos“ einen markanten Kontrast zu den steifen Bürokraten
des „real existierenden Sozialismus“. Die Protestgeneration der
68er identifizierte sich weltweit mit ihnen und mit Kuba – allen
voran mit dem emblematischen Che Guevara.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Kubas
Streben nach wirtschaftlicher Unabhängigkeit führte automatisch zum
Konflikt mit der Hegemonialmacht USA. Nationalisierungen wurden dort
mit Wirtschaftssanktionen und dem Abbruch der Beziehungen
beantwortet. Im Zeichen des Kalten Krieges sprang bereitwillig die
Sowjetunion als Partner ein. Nach der von Washington unterstützten
Invasion von Exilkubanern in der Schweinebucht, stimmte man gerne dem
Vorschlag Chruschtschows zu, atomare Mittelstreckenraketen
aufzustellen. Die US-Marine blockierte die Seewege. Die Kubakrise
brachte die Welt im Oktober 1962 an den Rand eines 3. Weltkriegs –
der ein atomarer gewesen wäre, mit Kuba im Zentrum.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Sie
wurde durch einen Deal zwischen Washington und Moskau entschärft:
Nichtaufstellung der Raketen auf Kuba gegen Abbau auf die UdSSR
gerichteter US-Raketen in der Türkei. Kuba, das sich wirksame
Abschreckung weiterer Interventionsversuche erhofft hatte, blieb mit
leeren Händen zurück. Fidel Castro schäumte, war aber auf die
Allianz mit Moskau angewiesen. Che Guevara trat mit seinen
revolutionären Projekten in Afrika und Lateinamerika in offenen
Gegensatz zur Sowjetpolitik der „Friedlichen Koexistenz“. Durch
die  heimliche Unterstützung dieser (in Bausch und Bogen
gescheiterten) Abenteuer riskierte Fidel Castro auch die Beziehungen
zu Moskau. Als Mitglied der Bewegung der Blockfreien suchte man nach
einem „dritten Weg“.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Kubanischer
Internationalismus und Antiimperialismus bedeutete auch die
Unterstützung von Befreiungsbewegungen in Afrika. Zwischen 1975 und
1991 kämpften bis zu 35.000 kubanische Infanteristen an der Seite
der Befreiungsbewegung MPLA und fügten der südafrikanischen Armee
in Angola eine Niederlage zu. Kuba leistete so auch einen wichtigen
Beitrag zum Ende der Apartheid im südlichen Afrika. Kommandiert
wurde die Militäraktion von Brigadegeneral Harry Villegas alias „El
Pombo“, Ches langjährigem Begleiter von der kubanischen Sierra
Maestra über den Kongo bis nach Bolivien, wo Guevara 1967 den Tod
fand. Sie war nicht mit Moskau abgesprochen und begleitet von einem
zivilen Entwicklungsprogramm durch Ausbilder, Ärzte und Ingenieure.
Kubas Internationalismus und Antiimperialismus machten die kleine
Karibikinsel mit ihren heute 11 Millionen Einwohnern und ihren
„Comandante en Jefe“, Fidel Castro, seinerzeit zu Global Playern.
Das ist Vergangenheit. Doch noch heute schickt Kuba mehr Ärzte in
die Welt hinaus als die Weltgesundheitsorganisation WHO, nun aber
nicht zuletzt auch, um dringend benötigte Devisen zu erwirtschaften.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Politische
Quarantäne und wirtschaftliche Dauerkrise
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Im
Inneren herrschten seit 1962 Planwirtschaft und Rationierung durch
die Lebensmittelkarte „Libreta“. Schuld an den wirtschaftlichen
Problemen waren externe Faktoren, wie die Blockade der USA gegen die
kleine, 100 Meilen vor ihrer  Küste liegende, unbotmäßige Insel -
aber auch hausgemachte. Die Integration in den Wirtschaftsverband der
Ostblockländer blockierte eine ökonomische Diversifizierung und
wirtschaftspolitische Kehrtwendungen durch spontane Willensäußerungen
des „Comandante en Jefe“ haben ihr selten gut getan.  Als Kuba
nach dem Fall der Mauer mit dem Zusammenbruch seines Außenhandels
und einer existenziellen Wirtschaftskrise konfrontiert war, wurde
eine erste wirtschaftliche Liberalisierung eingeleitet – und Mitte
der 1990er Jahre wieder auf Eis gelegt, um sie ab 2006 unter Raúl
Castro dann zaghaft wieder aufzunehmen. Es gab in der kubanischen
Planwirtschaft schlicht keinen stringenten Plan zur
Krisenbewältigung. Resultat war eine leichte Erholung auf sehr
niedrigem Niveau. Allein: Bewunderungswürdig ist die
Überlebensfähigkeit des Modells, von dem Fidel Castro bereits im
Jahr 2010 sagte, es „funktioniert selbst für uns nicht mehr“.
Auf der Basis von Krise und Stagnation entwickelt sich die
Grauzonenwirtschaft zum dynamischsten Sektor. Schwarzgeld aus Miami
scheint paradoxerweise zum Motor einer „ursprünglichen
Akkumulation“ im Sinne von Karl Marx zu werden.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Obwohl
die KP laut Verfassung  (Art. 5) die „höchste führende Kraft der
Gesellschaft und des Staates“ (…) ist, wurde zwischen 1997 und
2011 kein Parteitag abgehalten. Im Grunde entschied Castro alles,
meint der Historiker und Kubakenner Michael Zeuske. Der Konflikt mit
Washington hatte sehr rasch zur Rechtfertigung politischer
Quarantäne, einem Einparteiensystem und einem allesüberwachenden
Blockwartsystem, den Komitees zur Verteidigung der Revolution,
geführt. Fidel Castro regierte anarchisch in der Wirtschaftspolitik
und politisch mit eiserner Faust. Daran hat sich auch unter Raúl nur
wenig geändert. Indes: Wegen der externen Bedrohung hat längst auch
ein Nationalismus den Sozialismus als ideologischen Kitt verdrängt,
der die Gesellschaft zusammenhält. Nach der Aufnahme diplomatischer
Beziehungen zu Washington und einer vorsichtigen Annäherung unter
Obama und Raúl Castro ist heute insofern Donald Trump ein Garant
dafür, dass in Kuba politisch alles beim Alten bleibt. Das
allgegenwärtige Wort 
    
                    &#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      revolución
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
                    
    
wird als Synonym für den Entwicklungsprozess und den Apparat
gebraucht und hat keine zukunftsweisende Bedeutung im Hinblick auf
eine Veränderung der Gesellschaft mehr. Es geht um Krisenbewältigung
und Herrschaftssicherung.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Egalität
und Sozialstaat
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Kuba
unter Castro, das bedeutet auch ein im regionalen Vergleich
herausragendes Bildungs- und Gesundheitssystem, das mit Abstrichen
selbst in der Wirtschaftskrise Bestand hat. Im Word Development Index
der Vereinten Nationen liegt Kuba auf Platz 68 – in Lateinamerika
übertroffen nur von Costa Rica (66), Panama (60), Uruguay (54),
Argentinien (45) und Chile (38). Die durchschnittliche
Lebenserwartung liegt über jener der Menschen in den USA.
Vorbildlich – wenn auch nicht perfekt – ist auch die
Gleichstellung von Mann und Frau. Weniger gut gelungen, wenngleich
ebenfalls besser als in den meisten Nachbarländern, jene zwischen
Menschen europäischer und afrikanischer Abstammung.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Ein
populärer Witz lautet:
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Frage:
Was sind die drei größten Erfolge der Revolution?
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Anwort:
Bildung, Gesundheit und Sport.
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Frage:
Und die drei größten Probleme?
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
                      
      Antwort:
Frühstück, Mittagessen und Abendessen.
    
                    &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
                      
      Das
Erbe der Sierra Maestra
    
                    &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    Mit
Raúl Castro tritt eine Generation ab, die mit einer unglaublichen
Erfahrung gestartet war: 82 Revolutionäre – alle um die 30 Jahre
alt - legten am 25. November 1956 mit der völlig überladenen Yacht
„Granma“  im mexikanischen Hafen Tuxpán ab, um den Diktator
Fulgencio Batista auf Kuba zu stürzen. Nach einer missglückten
Landung und ersten Gefechten blieben 22 übrig. Von ihren
Bretterverschlägen in den Wäldern der Sierra Maestra aus schafften
sie den Umsturz – und das prägte. Diese jungen Männer blieben
Zeit ihres Lebens ihren Idealen verpflichtet und der Erfahrung, dass
Entschlossenheit und Willenskraft alle Hindernisse  überwinden
können. Voluntarismus war ein Grundmuster des Castrismo, den der
Historiker Zeuske in eine charismatische (unter Fidel) und eine
bürokratische Phase unter Raúl Castro teilt. Davon kündeten
Plakate mit Verweisen auf jene heroische Revolution an allen
Straßenecken auch ein halbes Jahrhundert danach. (Sie sind in den
letzten Jahren weniger geworden.) Auch die Begräbnisse der alten
Kämpfer - einige ließen sich gleich in der Sierra Maestra beerdigen
oder verfügten dies - legen Zeugnis von dieser Verbundenheit ab.
Tatsächlich wurde Kuba oft wie ein Guerillacamp geführt. Trotz
aller Normalität und Kontinuität – das dürfte sich nun mit der
Zeit ändern. In welche Richtung es gehen wird, lässt sich freilich
noch nicht absehen.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
                    
    IGLA-Mitarbeiter
Robert Lessmann hat in den 1990er Jahren für die deutsche
Friedrich-Ebert-Stiftung mehrere Studien über die erste Welle der
Wirtschaftsreformen auf Kuba geschrieben und im Jahr 2006 eine
Che-Biographie vorgelegt. Er hat Kuba zuletzt im November 2017
bereist und im Dezember an der 1. Konferenz für Europastudien der
Universität Havanna teilgenommen.
  
                  &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
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      <pubDate>Sun, 11 Mar 2018 20:47:26 GMT</pubDate>
      <author>183:711967576 (Robert Lessmann Dr)</author>
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